Berge Meere und Giganten

Part 30

Chapter 303,341 wordsPublic domain

Die Massen der westlichen Erdteile horchten auf. Die Fahrt nach Grönland sollte beginnen. Im Norden lag das große ruhige Land, der neue Kontinent, der für sie aus dem Eis, dem triefenden Ozean, der schweren Nacht gehoben wurde. Friedlich würden sie dorthin ziehen erstarken genesen. Die Herren, die Gewaltigen der Apparate, ließen von ihnen. Ungestört würden sie sich über die weichen aufgetauchten Bodenflächen bewegen, unter aufsprießenden Bäumen Pflanzen, zwischen Tieren, flatternden Vögeln, das Licht der alten Gestirne vom Himmel.

Die Stadtschaften trafen ihre ersten Vorkehrungen.

Sechstes Buch.

Island

Der Plan der Enteisung Grönlands wirkte wie ein Bergsturz erschütternd auf die Städter. Ein an Grausen grenzendes Staunen warf die Gedanken um. Ingenieure Physiker vertieften sich in den Plan. Die Senate nahmen überall vollzählig an den Erörterungen teil. Man hatte das Gefühl vor einer Entscheidung der ganzen Existenz zu stehen. Die Senate spannten sich, waren auf der Hut, wie bei der Freigabe der synthetischen Ernährung.

Die Fachleute hatten vor, die beispiellose Gewalt der schmelzenden Gletscher für sich arbeiten zu lassen. Sie griffen weiter aus; man wollte bei der Enteisung Grönlands nicht stehen bleiben, sondern eine klimatische Änderung der ganzen nördlichen Halbkugel herbeiführen. Man mußte im Verlauf der grönländischen Affäre zu ungewöhnlichen ausgedehnten Heizmaßnahmen greifen; es lag kein Grund vor, sie auf Grönland zu lokalisieren. Man konnte die Attacken ausdehnen auf die Zone der arktischen Länder mit Spitzbergen Nowaja Semlja Baffinland Grantland, den Perryinseln. Delvils physikalischer und hydrographischer Berater, Escoyez, ein aus Spanien gebürtiger Mann mit berberischem Einschlag, ein halbes Wasserwesen, der in selbstkonstruierten Gehäusen abenteuerliche ozeanische Tiefen durchsuchte, schlug eine Änderung im Salzgehalt der atlantischen Gewässer vor. Er hatte die Golfstromdrift an der englischen und skandinavischen Küste studiert. Er meinte: der warme Golfstrom ist reicher an Salz als das Meereswasser, das er durchfließt. Die treibende Kraft der Golfstromdrift selbst ist der Wechsel der Jahreszeiten: die sommerliche Wärme dehnt das Salzwasser aus, schwemmt es, gießt es über das kalte. Das ist alles, das ist die Drift. Salzwasser reißt aber Salzwasser, eine Zähigkeit die andere mit. Man möge die warme Wassermenge, die vom Äquator dem Norden zuströmt, vermehren, indem man das große ozeanische Flußbett selbst mit Salz anreichert und zwar vom Boden aus. Die Meeresböden in der Nachbarschaft der großen Drift werden in weiten Abständen aufgesprengt, das hochgehende Gestein zertrümmert. Der Auslaugungsstoff, Chlornatrium Magnesium Magnesiumsulfat schwefelsaurer Kalk Chlorkalium kohlensaurer Kalk, geht in das Wasser über. Man hat das Bett des Golfstroms durch solche salzspürende Sprengungen systematisch zu erweitern, von den Küsten Kubas Floridas Neufundlands an. Der sommerliche Andrang, die Überschwemmung mit warmem salzreichen Wasser, die Transgression, das benachbarte Salzwasser mitreißend, wird an Umfang verzehnfacht, wird sich weit über die Nordsee und Neufundland erstrecken. Escoyez, das zähe braune Wasserwesen, erklärte: man hätte eigentlich nur nötig, den äquatorialen Kochtopf zu vergrößern. Wenn die Leutchen in Grönland bis jetzt frieren und auf Spitzbergen kalte Nasen hätten, so dürften sie sich darüber nicht wundern. Wer glaubt, die Natur ließe den Menschen gebratene Krammetsvögel in den Mund fliegen, irre sich. Freilich zeuge es im Grunde nur von der fürchterlichen Stupidität des Menschen, daß er sich mit Klima und anderen irdischen Dingen wie mit göttlichen Verordnungen abfinde. Es gibt auch eine göttliche Verordnung, daß man verhungert, wenn man sich sein Brot nicht holt. Es gibt auch eine göttliche Verordnung, daß man seinen Verstand gebraucht. Wie man sich bettet, so liegt man. Der Spottvogel meinte: das gelte auch vom Fluß in seinem Bett. Aber nur bis jetzt. Man kann göttliche Verordnung beim Flußbett des Golfstroms spielen. Der Golfstrom werde nicht schlauer sein als die Menschen. Man streut ihm Salz auf den Schwanz, und dann kommt er schon und macht piep. Hinter den Scherzen Escoyez’ stand kalter Ernst. Man ließ ihn und seine Mitarbeiter Karten entwerfen, Schürfungen vornehmen. Vor allem, man ließ ihn das bezaubernde Gerücht von der Veränderung des nördlichen Klimas verbreiten.

Die Augen anderer Männer hingen an Grönland, an den niedergehenden Gletschern. Ihnen war gleichgültig, was aus dem neuen Erdteil wurde und was von dem ganzen Plan gelang. Sie dachten nur daran, wie sie die entbundenen Gewalten angreifen sollten. Die Gewalten, die sie sich gar nicht ungeheuer genug vorstellen konnten. Sie stellten Rechnungen an über Umfang und Gewicht der niedergehenden Gletscher, der zu Tal steigenden Lawinen, über ihren Inhalt an drängender Wassermasse. Die rasch ins Meer stürzende Menge mußte ein abenteuerliches Gefälle, ein noch unausdenkbares Triebwerk darstellen. Techniker der Kraft warfen sich über Pläne zur Ausnützung der grönländischen Gefälle. Sie erregten den Kreis der Senate leidenschaftlich. Man kannte Lawinen, Lawinenstücke, die niedergehend durch den bloßen Luftdruck starke Wälder umbrachen. Hier sollte im Umfang eines Erdteils, der Australien gleichkam, zu etwa gleicher Zeit ein Lawinenfeld niedergerissen werden, wie es kein Kontinent hatte. Das Gefälle durfte nicht verpuffen; es war absurd, Lawinen und ganze Meere unbezwungen in den Ozean stürzen zu lassen. Sie mußten gefaßt werden, ihre Kräfte hergeben. Es war gleichgültig für welche Zwecke sie sie hergaben. Niemand im Brüsseler Senat, dem der alte phlegmatische Danois aus der Gruppe der Krafttechniker berichtete, fragte danach. Niemand dachte an das Wogen und Träumen der Siedler. Gewiß war, daß man die ungeheuren Gefälle rings um den grönländischen Kontinent bezwingen mußte. Das Pferd durfte nicht aus der Wildnis jagen ohne gebändigt zu werden, mochte man auch Überfluß an Kräften haben.

Ehe noch ein Plan durchgearbeitet war, fühlte man in den Stadtschaften den ängstlichen Drang, alles von sich zu geben und über die benachbarten Völker hinzubreiten. Es war wie eine Sicherung, ein Verlangen sich anzuschließen, ein hinsinkendes Gefühl: wir wollen nicht allein sein. Über die Stadtschaften der nördlichen Kontinente flitzten Agenten der Senate; heftiges immer wiederholendes Erzählen Berichten Ausmalen Hin- und Herhorchen. Überall leuchteten Augen auf. In Algerien lösten sich aus der Landschaft um Konstantin und südlich des Atlasgebirges vom Gestade des Schottdjerid magnetisch gezogene arabische Scharen, zogen nach dem Norden. Aus Sizilien, aus der noch wimmelnden Stadt Raha südlich der saharischen See am Niger stiegen dunkle Gandus auf; mit ihren Flugwagen durchschnitten sie die Luft, ließen sich in London nieder. Ein Zucken ging durch sie, wie sie sich niederließen, genauer hörten, was geplant wurde.

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Vor der schottischen Nordküste zackten übersprühte wüste Steininseln aus einem tobenden Meer: dort war der Sammelplatz der Schiffe Maschinen Menschen. In London Brüssel zentrierten sich die Ingenieure Mathematiker Physiker Geologen und ihre Gehilfen. Sie wehten immer von neuem Pläne über die Menschen, lockten erregten. Alle sahen die Erscheinung Grönlands, des Erdteils, der hinter Meeresbergen stand. Die Meeresberge waren niederzuwerfen wie Quadern einer Burg. Grönland war eine verwunschene Prinzessin, von Drachen umgeben. Die Berge sanken; etwas Stolzes, ein Fabelbild würde sichtbar werden. Niederbrechen von Eis auf tausenden Quadratmeilen, Auftauchen einer alten verhüllten Erde.

Schon begannen im Frühjahr die ersten vorbereitenden Arbeiten, die auch den letzten Teil des kommenden großen Kampfes bedachten. Sie fingen an, in Talsenken von Wales, im Flachland bei dem belgischen Nivelle Fabriken anzulegen, in denen sie Kraftspeicher bauten für die elektrischen und neustrahligen Kräfte, die aus dem niedergehenden Eisland zu gewinnen waren. Käfige für Vögel, die gefangen werden sollten; Riesennetze; die Schmetterlinge sollten vom Ozean herübergejagt werden; Europa und die Hitze würden über sie kommen. In die lehmige holländische Erde gruben sie Wälle Dünen Betonkanäle, als hätte man vor, für Untiere Fallen zu bereiten. Sprengten an der Irischen See in den Berwynbergen dem Deefluß folgend Gänge Höhlen, kilometerlange unterirdische Läufe in die Felsen zur Aufnahme der Unwesen, die man fesseln wollte. Wie Garben auf dem Felde wuchsen Gebäude in Chester Stafford Dembigh. Zwischen den Siedlungen der Stadtflüchtigen zogen sie sich hin, die sie mit Blättern Steinen geheimnisvollen Sprüchen schmückten. Im Brabanter Tiefland, an der wühlenden Maas, neben dem feuchten Flußbett des breiten wasserwälzenden Rheins wurden versenkte Gewölbe, flache Anlagen errichtet.

Zu einer Hochzeit bereitete man sich. Man warf sich in Plänen. Die lange düster enthaltsame Zeit hatte eine Unmasse Erfindungen reif gemacht. Das Einfache umging man; Kräfte wollten sich zeigen; man machte Proben auf die Dinge, die man vorhatte. In den Stadtschaften erinnerten sie sich des Märchens vom ägyptischen Pharao: sieben Kühe magere Jahre, sieben Kühe fette Jahre. Es galt Vorratshäuser für eine endlose Zeit zu bauen. Neue Kräfte würde man finden. Jetzt würde das menschliche Vermögen entbunden werden, sich unerhört über die Erde tummeln und die Arme wiegen.

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Das atlantische Wasser schwemmte zwischen den langgezogenen Küsten Amerikas und denen der östlichen Kontinente. In die ungeheure Spalte zwischen den auseinandergezerrten Erden warf es seine flüssigen Massen. Die Gneisgebirge von Kanada und Labrador jenseits waren gelöst von den schottischen Bergen. Zerfetzt zerbröckelt standen die Inseln an der schottischen Spitze, Shetland und Orkney. Hundert Inseln die Shetlands. Sie stiegen aus dem bleiernen rollenden Wasser auf der unterseeischen Scholle auf, die die irische Erde, das gebirgebestandene englische Hochland, die Ebenen des Südens trug. Nach den Shetlands nahmen die Schiffe der westlichen Stadtreiche ihren Kurs. Am sechzigsten Breitengrad in den Buchten des Mainlandes legten sie an. Immer neue Fahrzeuge liefen ein. Hohe Flut rollte über die spitzen Schären. Die Ebbe entblößte die Tausende schwarzen Klippeninseln, die ihre Zähne, ihr Steingebiß zeigten. Dann begrub sie das anspielende anwankende türmende überkippende überprasselnde Wasser, Gischt über sie wehend. Über den stein- und muschelrollenden Strand, die wilden Felsstapel der Ufer warf sich die Brandung. Es war eine Haarsträhne des Meers, das draußen seine Brust zeigte, sich zur finsteren Erde niederbuckelte. Klirrend schlug das Wasser mit Steinschotter gegen das entblößte Land, wusch rieb knirschte wühlte mahlte. Es zermürbte die Vorsprünge Kanten Ecken Zungen, um draußen im Freien sich huldvoll zu wiegen, hin und her, Ozean, breites hundertmeiliges atlantisches Wasser, schwarzes festverbundenes Wesen, in sich vergittert wellenüberlaufen sich hebend. Am Rand der kleinen Klippen Inseln Festländer nahm es sich hundert Meter Tiefe zum Hinwogen und Wühlen, dann stieg es tausende Meter in das Lichtlose herab, hing an den Rändern der Steinsockel der Erde herunter, gleichmäßiges rieselndes schiebendes Wasser, vom dünnen Wind überzogen gekräuselt gedrängt, von fliegenden pfeifenden Tieren überflattert, von Fahrzeugen geritzt, von Schrauben Rudern Rädern gestreichelt. Menschen über seinem Rücken. Mit der Luft war es im Gespräch. Donner und Heulen um Riffe, Wirbeln um Schiffe. Drohendes Murren Rollen Strudeln Gurgeln Klatschen Schlingen Schlenkern Bersten Zerknattern Zerschellen loderndes Zerknallen unter der wolkenverhüllten Sonne, Plätschern Peitschen Schwingen an der Sonne, Aufheben in die Wärme, Aufdunsten Schmelzen wolkiges Vergehen an der weißen hochstrahlenden Sonne.

An einem Maitage gab Kylin, ein Mann, der an den skandinavischen Fjorden aufgewachsen war, das grüne Lichtzeichen vom Hauptmaste seines hohen Schiffes. Da ließen die zweihundert ersten Fahrzeuge den sechzigsten Meridian, die steilen Abhänge des Simburg Haad. Nach einer Stunde verschwand der Gipfel des Rona auf Mainland. Das Surren und Schwirren der letzten Vogelberge verklang. Hinter ihnen lagen Munkle Roon und Toul, die zackigen Inseln Yell Haskosea Samphyra Fellar Uya Umst.

Eingehüllt waren sie, schwebend auf zweihundert Schiffen, Boden aus Holz und Stahl, in das sanfte Sausen des Windes. Plätschern klang herauf. Murren aus der Ferne.

Eingehüllt, eingerundet waren sie. Oben schoben sich dünne flattrige Wolkenbänke. Die weiße mit Blitzen im Wasserspiegel aufgefangene Sonne. Im Flinkern Glitzen Scheinen schwebten sie.

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Sechzig Kilometer Sauerstoff-Stickstoffwellen, Meilen Wasserstoff wirbelte der Erdball durch den schwarzen kraftdurchfluteten hauchfeinen Äther. Der höchste Saum der gasigen Masse schlierte, verlor sich wie Dunst einer Fackel. Kein Ohr hörte das Schlürfen Schleifen, das seidig volle Wehen an dem fernen Saum. Geschüttelt wurde die Luft im Rollen und Stürzen der Kugel, die sie mitschleppte. Lag gedreht an der Erde, schmiegte sich gedrückt dem rasenden Körper an, wehte hinter ihm wie ein aufgelöster Zopf.

Der Unband von Feuer, die einäschernde Hölle alles Kriechenden Fliegenden Hüpfenden, die Sonne in abenteuerlicher Ferne durch den eisigen Äther hin. Das weiße wallende Flammenmeer. Durch die Wolkenbänke flimmerte es, wärmte. Das feuertosende weiße Flammenchaos stand wie eine brennende Stadt in der Ferne still, Brand, der nicht ausbrannte. Die Erde zog um das Chaos herum. Gasmassen, sternenweit dunstend, strahlend, warf die kochende Sonne von sich, zog sie wieder an. Eine klirrende Geistererscheinung stand sie, in der Finsternis, die von ihr abwich, geballt andrang. Metalle brannten in ihrem Leib, metallene Wolken fielen auf sie zurück, Zink Eisen Nickel Kobalt, die sich durch die Gesteine der erstarrten Erde zogen, Barium Natrium. In Schlacken fielen sie zurück. Fackeln brunsteten auf; im Wirbel wurden sie aus dem Flammenmeer herausgekehlt, gestoßen in den vibrierenden Äther, glühender Wasserstoff. Siebzigtausend Meilen erhob er sich. Der Sonnenleib spritzte nicht, wenn die Güsse in ihn zurückschossen, wiederschmelzend aufglühend. Wie ein Ährenfeld unter dem Regen beulten sich die empfangenden stehenden Flammen, strafften sich. Kein Donnern ging von den Urgewalten aus. Kein Bergsturz und Orkan bringt solch Geräusch hervor wie die lebend hinziehende Sonne. Das rasende Flammenmeer, gleichmäßig brodelnd und siedend, explodierend und Garben werfend, – bei seiner Annäherung würden die Planeten veraschen und verdunsten, – mit seinem Tönen verschlang es jedes ferne und nahe Geräusch. Dies millionenfach gesteigerte Zischen und Zirpen von Zikaden. Dieses Zwitschern der Metalle. Dazwischen das nie verhallende Klatschen Trommelwirbeln, das sich rasselnd über erdweite Glutmassen fortpflanzte und hinter allem Gebrüll lagerte. Strontium, das hell purpurrote, Magnesium, gequetscht unter den schweren Gebirgen der Erde, Gluthauch neben Gluthauch, frei blühend und lodernd die Urwesen Helium Mangan Kalzium, leuchtend weiß blendend in Lichtern, für die keine Augen sind, unter denen die Farben auslöschen. Strahlend gasend das hunderttönig zwitschernde Feuermeer, die fackelschleudernde Urwelt im Äther.

Fern von den Wallungen Stürzen Strömungen Bränden der Sonne die kleine graue Erde. Wie ein Wiesel über das Feld lief sie. Von Dünsten, nassen Dämpfen war sie umgittert, von einer Schlackenkruste ihre Glut umfaßt, von Meeren Flüssen Eis belagert. Keine Wolken der glühenden Metalle prasselten, von ihrer Wildheit geprescht, auf sie nieder. So wie ein Glaser den Kitt mit Gewalt auf das Holz und das Glas drückt und sie halten fest, wie eine Faust den Schnee ballt, zwischen gekrümmten Fingern und Handteller umschließt, zu einem harten Ball preßt, der Schnee flattert nicht mehr: so war die Erde verglühend, sich hilflos abstrahlend von dem Äthereis angefaßt, gab knirschend nach. Im Innern das Sieden und Glühen; der Leib unter Aschen verfestigt.

Dies ist die Erde. Die leuchtende brennende Urwelt geht über ihr auf und unter. Ein welliger Mantel aus Gesteinen bedeckt ihren Rumpf. Tausend Meter tief und tausend hoch geht das Gestein. Kontinente und Inseln strecken Gebirge Ebenen Steppen Wüsten aus. Das Wasser bricht in Quellen aus den Bergen. Meere überfluten die Talmulden. Schwer schwimmen Gebirge Gneis Schiefer auf der schmelzflüssigen glühheißen Masse, die von Zeit zu Zeit die steinerne Kruste durchbricht, sie mit Stichflammen erweicht und hin und her wiegt.

Breit besetzt der Leib Asiens die nördliche Hälfte der Erde, mit einhundertvierundsechzig Längengraden und siebenundachtzig Breitengraden. Mit Gondwana, Angara, der Scholle Chinas hat es sich über den Spiegel der großen Ozeane erhoben, seine Seen ließ es versickern. Sein Rückgrat ist der Altai, das Massiv des Himalaya vom Chingan nach Pamir, vom Karakorum bis Bhutan und zur Krümmung des Dihung. Die kaspische und uralische Senkung hat das Meer verlassen; sie saugt den Ural und die Wolga an, schlammt sich mit ihnen voll. Gletscher bedecken den Kuenlun. Umrandet von den Schneegebirgen sind die östlichen Sandwüsten, das Tibet der Jaks, die grünen Hügel und Lößflächen Chinas, mandschurische Wiesen. Das steile Gebirge stürzt nach Süden zu den sumpffeuchten Ebenen Hindostans ab, zum warmen bengalischen Boden. Blühende Gestade Indiens, Reisfluren, Felder des Zuckerrohres, Sago und Kokospalmen. Die Sumpfwaldungen, der Sunderban, das Tarai durchlaufen von den bunten Königstigern, langohrigen Elefanten, vierhändigen Gibbons. Flüsse auf Flüsse nach Norden ins Eismeer durch die sibirischen Grasflächen, morastige Tundren frierende Steppen. Bis zur Lena streift der langhaarige Panther von Kaschgar.

Hängend am Massiv der Ostfeste das vielgliedrige kleine Europa. Die jungen aufragenden Alpen, Horste der alten Gebirge in Thrazien Korsika Spanien. Gesteinsdecken in die Höhe gepreßt, von Trümmern überwälzt. Versunkenes Land im Süden; eingestürzt das Mittelmeer in das klaffende Becken.

Von Regengüssen Sonnenhitze wird Afrika belagert. Neunundzwanzig Millionen Quadratkilometer wächst der Boden hin, platt liegt die Tafel des Landes. Reis Durra Kaffee Mais feurige Gewürze schießen aus der Erde. Unverhüllt erheben sich die Massen des alten Granits und Glimmerschiefers, zieht sich eine Sandsteindecke hin. Unter dem Brand der Sonne zerfallen die Gesteine zu Schutt, zersetzen sich in Erde und Lehm, den das Eisen rot färbt. Der Tanganjika- und Njassasee füllen die Gruben des Hochlandes, Vulkanreihen besetzen die Ränder der Spalte. Zehn große Seen speisen den Kongo Niger Sambesi. Savannenflächen treiben ungeheure Hochgräser. Galeriewälder entlang den Ufern. Lemuriden und Affen, das zierliche Zebra, Okapi in den Wäldern. Die baumartige Staude der Banane treibt sechs Meter lange Blätter; scheidenartig umschließen sich die mächtigen Blätter; dicht gedrängt hängen die großen Beerenfrüchte herunter.

Vom Kap Murchison bis Kap Horn auf Feuerland die amerikanische Westfeste. Eine hartgefaltete Gebirgsschwelle durchzieht den Kontinent von der Südspitze bis zum Mackenziefluß, eine Flachlandmulde vom Eismeer zum warmen Mexikanischen Golf. Mit fünf großen Seen vertieft sich das nördliche Land. Die Ebene durchwallt nach Süden der starke Mississippi, hinter sich her den Ohio von den Appalachen, den Missouri von den Kordilleren ziehend. Ihre Falten hat die starre Erdhaut im Westen aufgerollt; die Doppelkette der Gebirge begleitet wie eine Mauer im Westen den Ozean. Urwälder umgeben den Amazonenstrom; erst heißt er Tunguragua, dann Marañon. Die Erde gibt ihn aus dem Laurikochasee her; zweihundert Flüsse, schwarz und weiß von Kalk- und Eisenflächen hat er mitgenommen, bis er in den Ozean taucht.

In den Meeren haben sich die Urwesen verfestigt, Wasserstoff und Sauerstoff. Sie überströmen den Ball, arktisches atlantisches pazifisches Gewässer. Wasser, gleichmäßig hinfließendes Gebilde, lastendes schwingendes Wesen, das spritzt dunstet, Wolken bildet, im Schnee weht, zitterndes Wesen vor den Flachküsten, dröhnende schwarz zottige Erscheinung der Orkane und Sturmfluten. Mit Salzen saugt es sich voll, Chlornatrium Magnesium Kalk, macht sich schwer, färbt milchweiß den Golf von Guinea, zimtfarben den Busen von Kalifornien, gelbbraun den Indischen Ozean. Warme und kalte Ströme durchwallen die Ozeane, farbige Bänder; Silbernebel erheben sich über ihnen, wo sie sich mischen.

Die Urwesen hauchen um den Erdball, brennen und fließen in seinem Rumpf, überlasten ihn in festen und beweglichen Massen, sind Spannungen Schwerkraft Hitze Licht, sind Schwefel Chrom Mangan Silizium Phosphor. Sie sind Erde Sand. Sind stumme Kristalle, aufdrängende keimende Blumen, Flechten über dem Boden, Blütenpflanzen, schwimmende Fische, Vögel die pfeifen und sich locken, anschleichende Raubtiere, hämmernde und kämpfende Menschen, Schneckengehäuse an Seeufern, Bakterien Schlingpflanzen erstorbene Bäume, faulende Wurzeln, Würmer, eierlegende Käfer.

Vom sechzigsten Meridian brachen die zweihundert Schiffe Kylins auf, ließen die Shetlandsinseln hinter sich, schwebten über dem Ozean. Sie fuhren in dem warmen Driftstreifen, der Norwegen bespülte, das Eis Finnmarkens schmolz. Unter ihnen zog sich lang durch den Atlantik ein unterseeischer Bergrücken, zog nach Süden, wurde breit bei den Inseln Ascension und Sankt Helena, zweigte eine Kette nach Amerika und Afrika ab. Schweigendes Meer lag über den Tälern und Bergen, ins Schwarze waren sie versenkt. Der Ozean fiel unter den Schiffen dreitausend Meter tief ab. Über dem sausenden Wasser, im Wind schwirrten die Vögel neben den Riesenschiffen, die tierischen Geschlechter, mit Augen Knochen Därmen wie die Menschen. Die Sturmschwalben, die auf zappelnde Fische stießen, Silbermöwen mit gezackten Schwänzen, spitzen Flügeln. Das Wasser, das sich unter den schwebenden Riesenschiffen hob, die schwarzgrüne glasige zerlaufene Masse, quoll von Tieren und Pflanzen, folgte den Schiffen mit jedem Meter. Schleimklümpchen der Urtiere klebten an den Wänden der Schiffe, hingen an den Schrauben, befuhren mit ihnen das Meer, fadenförmige Füßchen ausstreckend. Wie Schmetterlinge stiegen Ruderschnecken aus der nassen Finsternis am Abend auf, die unermeßlichen Scharen der Klio, sanken mit dem Tageslicht herab. Am Meeresboden lauerten und lagen fest mit Saugern die Scheibenbäuche. Zarte Seewalzen, Schwänze wuchsen auf tiefen Riffen, neben Klipprosen. Skelette hingesunkener Tiere kleideten den Meeresboden mit Schlamm aus; kleinäugige Borstenwürmer, schlanke Glyzeriden krochen darauf herum zwischen Tangbüscheln. An der beschienenen Oberfläche zogen Rippenquallen ihren Weg, stumme gefräßige Geschöpfe, Siphonophoren, die wie Blumengirlanden leuchteten, Städte von glasartig durchsichtigen unzähligen Tieren, an einen Faden gereiht, der sie nährte. Lachse schossen unter dem Kiel der Schiffe herum, auf der Haut, an den Kiemen feine Krebse, die sich anklammerten. Das Geschwader übersetzte die unterseeische Schwelle, den stillen Thomsenrücken. Es nahm den zehnten östlichen Meridian.

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Island war eine Insel unter dem fünfundsechzigsten Breitengrad an dem fünfzehnten östlicher Länge; der Polarkreis schnitt ihre nördlichen Vorsprünge. Zwei Inseln hatten Laven aus Vulkanen werfend diese bergige Platte geschaffen, die ihre zerrissenen Wände, Scheren eines Riesenkrebses, in das neblige brandende Meer streckte. Die Menschen auf den Schiffen näherten sich ihr. Sie hatten vor, die Vulkane der Insel zu zerreißen, ihr Feuer über Grönland zu tragen.