Bäume und Sträucher

Part 3

Chapter 33,576 wordsPublic domain

Suche im Frühling einen Birkenzweig mit Knospen; ebenso im Herbst Bucheckern und Kastanien in der Schale. Vergleiche eine süße Kastanie, die eine Frucht ist, mit einer Roßkastanie, die ein Same ist. Suche Erlen- und Birkenfrüchte.

Lektion 8.

Bäume, die Zapfen tragen.

Kiefern, Fichten und Lärchen wachsen fast in allen Gegenden Deutschlands. Es sind interessante und nützliche Bäume. Sie alle bilden ihren Samen in holzartigen Zapfen, und ihre Blätter sind sehr schmal oder nadelförmig, ganz ungleich den Blättern der meisten anderen Bäume.

Ein großer Teil des Bauholzes, das wir brauchen, kommt von Nadelholzbäumen, die in Norwegen, Deutschland und anderen Ländern angepflanzt werden. Meistens ist es Kiefern- und Fichtenholz. Ohne Zweifel habt ihr schon die kleinen, runden Stellen, „Äste“ genannt, in einer Planke bemerkt und habt diese ausgepocht, so daß ein Loch entstand. Es sind dies Stellen, wo Zweige wuchsen und abbrachen, und sich der Stamm um sie herum schloß; sie sind gewöhnlich in Kiefern- und Fichtenholz. Der Saft in diesen Bäumen ist harzig, und man zapft ihn ab, um Terpentin daraus zu gewinnen. Wenn man bei einem Spaziergange durch den Wald die Blätter eines Nadelholzbaumes zerdrückt, so wird man den starken Geruch nach dem harzigen Safte bemerken.

Jedes Kind hat wohl schon die Zapfen von Nadelholzbäumen aufgelesen; man kann leicht drei verschiedene Arten finden, die von der Kiefer, von der Fichte und der Lärche.

Die Kiefer ist ein mächtiger Baum mit ausgebreiteter Krone, dessen Stamm mit einer rotbraunen, tiefrissigen Rinde bedeckt ist. Die dunkelgrünen Blätter sind sehr schmal und ungefähr 5 ~cm~ lang (vergl. bunte Tafel V, 1). Sie wachsen zu zweien in einer Scheide aus braunen Schuppen. Ihre Zapfen haben fast keine Stiele, sie buchten sich am unteren Ende aus und verjüngen sich nach oben hin zu einer stumpfen Spitze. Sie bestehen aus einer Anzahl dicker holzartiger Schuppen, die aussehen, als wären sie am Ende zurückgebogen. Das bewirkt eine verdickte kopfförmige Stelle mit einem braunen, schuppigen Flecke am Ende der Schuppenspitze. Diese Schuppen liegen so dicht übereinander, daß, ehe die Zapfen reif sind, kein Tropfen Regen hineindringen kann, und es dauert zwei, auch drei Jahre, bis sie reif werden. Manchmal hängen sie während dieser ganzen Zeit an dem Baume. Manchmal fallen sie früher ab. Sobald sie reif werden, biegen sich die holzartigen Schuppen nach außen, und man kann im Innern einer jeden zwei durchscheinende Schuppen sehen, die die Form eines Fliegenflügels haben. Sie stehen aufrecht an der holzartigen Schuppe.

Schiebe vorsichtig ein Messer unter das untere Ende einer solchen Schuppe und ziehe sie heraus! Man wird am Ende einer jeden einen Samen finden, wenn man nicht etwa die zarte durchscheinende Haut zerstört hat.

Diese Samen sind nämlich geflügelt; sie haben keine Samenkapsel über sich, sondern wachsen nackt an der Innenseite der holzartigen Schuppe. Nach einer gewissen Zeit fallen sie heraus und werden vom Winde fortgeweht. Hat man einen Zapfen, der zu alt ist, so wird man keine Samen mehr darin finden.

Alle zapfentragenden Bäume haben solche geflügelte Samen; ihre Zapfen sehen sich zwar alle ähnlich, doch kann man an ihnen recht gut die einzelnen Arten unterscheiden.

Die Fichte (vergl. bunte Tafel V, 2) ist sehr verschieden von der Kiefer. Ihre sich weit ausbreitenden Zweige wachsen fast bis auf den Boden hinunter, und ihre nadelförmigen Blätter, die 1½–2 Zentimeter lang sind, stehen einzeln. Ihre Zapfen sind lang und schmal, und die Schuppen sind nicht so dick wie bei den Kiefern. Aber der Hauptunterschied ist, daß die Enden der Schuppen nicht knopfförmig verdickt sind; sie sind vielmehr zugespitzt und ganz wenig einwärts gebogen, und daran kann man Fichtenzapfen von Kiefernzapfen unterscheiden. Die Fichten haben zwei Samen in jeder Schuppe wie die Kiefern, aber diese reifen in einem Jahre. Die Fichte ist ein echt deutscher Baum.

Bei der Lärche, die besonders häufig in kälteren Ländern anzutreffen ist, und der Zeder, die vom Libanon in Palästina kommt und bei uns häufig in Parkanlagen, Gärten usw. anzutreffen ist, wächst der Samen gleichfalls in Zapfen, aber diese Bäume sind recht verschieden von der Kiefer und Fichte. Ihre nadelförmigen Blätter sind sehr dünn und stehen zu Büscheln von 18 oder 20 zusammen in derselben Scheide. Die Zapfen der Zeder stehen aufrecht und sind eiförmig, aber dieser Baum erzeugt in Deutschland selten Zapfen.

Lärchenzapfen sind ganz klein, nicht größer als 2 bis 3 ~cm~ lang; sie wachsen in einer Reihe an den Zweigen. Die holzigen Schuppen liegen nicht sehr dicht übereinander.

Ich denke, ihr könnt die Zapfen von allen diesen Bäumen, ausgenommen die der Zeder, finden. Natürlich muß man nach den Zapfen der Fichten und Lärchen im Herbst suchen, weil sie jedes Jahr reif werden; aber Kiefernzapfen sitzen das ganze Jahr hindurch auf den Bäumen. Wenn ihr diese Bäume im Frühling und im Anfang des Sommers anseht, so werdet ihr die männlichen Blütenstände an den Zweigen stehen sehen. Der gelbe Blütenstaub wird dann in ganzen Wolken umhergeblasen, so daß er auf die Narben der Samenknospen in den jungen Zapfen fällt.

Kiefern, Fichten und Zedern sind immergrüne Bäume. Ihre Nadeln bleiben drei oder mehr Jahre lang auf dem Baume, und da die Zweige nicht von demselben Alter sind, so fallen sie in verschiedenen Jahren ab, so daß die Bäume immer grün sind. Die Lärche hingegen wirft ihre Nadeln jedes Jahr ab, und man kann sie leicht im Herbste an ihren kahlen, herabhängenden Zweigen erkennen, die mit kleinen braunen Zapfen bedeckt sind.

Kiefern und Fichten gedeihen auch in sehr magerem Boden und ihre Samen keimen sehr leicht. Wenn ihr einen Kiefernwald oder einen Wald, in dem Kiefern und Fichten gemischt stehen, in der Nähe habt, so versucht eine junge Keimpflanze zu finden. Sie ist sehr eigenartig, denn sie schießt in einem langen dünnen Stämmchen auf und trägt die Samenschale mit sich empor. Fällt diese ab, so sieht man fünf oder sechs lange Keimblätter darunter und in ihrer Mitte eine Knospe mit den wirklichen Kiefern- oder Fichtenblättern.

Es gibt noch einen anderen Baum, den ihr gut kennt, und der auch nadelförmige Blätter hat. Diese wachsen alle um den Stamm herum, zwei zusammen in jeder Scheide, aber sie stehen in Reihen an den beiden Seiten des Zweiges wie die Federstrahlen an dem Schaft der Feder. Dies ist die Eibe, die man so oft in Parks und Gärten findet. Sie trägt keine Zapfen. Ihre nackten Samen sitzen einzeln in einer roten, saftigen Beere. Die Staubgefäßblüten wachsen nicht auf demselben Baume wie die roten Beeren, aber wenn ihr sorgfältig sucht, werdet ihr sie auf einem anderen Baume finden.

Suche einen Kiefern- und einen Fichtenzweig. Vergleiche die Zapfen der beiden Bäume. Versuche den Zweig einer Zeder, den Zweig einer Lärche mit Zapfen, eine Kiefern- oder Fichtenkeimpflanze, den Zweig einer Eibe mit Staubgefäßblüten im April und einen anderen mit den roten Beeren und den nackten Samen im Herbst zu finden.

Lektion 9.

Hecken-Sträucher und -Bäume.

Als Umzäunung von Dorfgärten oder als Einfassung der Wege in Parkanlagen finden wir überall in Deutschland Hecken. Am meisten aber sind Hecken im Bereiche des ehemaligen Herzogtums Holstein angelegt, wo sie auch zur Einfassung und Abgrenzung der Felder und Wiesen dienen. So unansehnlich diese Hecken auch auf den ersten Blick erscheinen mögen, sie haben doch alle ihre besonderen Schönheiten, und muntere Vögel haben sich in allen angesiedelt, da sie im dichten Gezweig Schutz für sich und ihre Nester haben.

Laßt uns zuerst die Gartenhecken betrachten! Habt ihr jemals daran gedacht, daß diese aus jungen Bäumen hergestellt sind, die immer wieder geschoren werden, so daß nur Zweige und Blätter verbleiben, die nicht zu großen Stämmen heranwachsen können? Eine Buchsbaumhecke besteht aus scharf beschnittenen Buchsbäumen, die in unseren Gärten sehr niedrig bleiben. In England sind die Stechpalmenhecken sehr beliebt, deren stachelige Blätter das Vieh verhindern, hindurchzubrechen. Wenn man einzelne der Stechpalmen in einer solchen Hecke wachsen läßt, so werden sie oft dreißig Fuß hoch.

Die Weißdornhecke besteht aus dem Hage- oder Weißdorn, den wir oft auf Rasenplätzen als stattlichen Baum finden. Die Buchenhecke ist aus wohl beschnittenen Buchen gezogen, und die verwelkten Blätter bleiben im Winter an ihr hängen wie an jungen Buchen. Aus den Eiben, die nur selten noch in Deutschland wild wachsen, kann man gleichfalls schöne Hecken herstellen, aber man muß sich hüten, sie da zu pflanzen, wo Pferde und Rindvieh in der Nähe sind, denn in einem harten Winter fressen die Tiere oft die giftigen Blätter und sterben.

Alle diese Hecken bestehen nur aus einer Art von Bäumen. Sie sind lange nicht so interessant wie die gemischten Hecken, in denen wir Brombeeren, Nüsse und alle möglichen Früchte und Blumen finden.

Ihr kennt wohl alle den Schwarzdorn, dessen kleine weiße Blüten an dem schwarzen Stamme aufblühen, wenn kaum der Winter vorbei ist, während er noch ohne Blätter ist. Ist dies der Fall, so wißt ihr wohl auch, daß ihr im Herbst unter seinen kleinen dunkelgrünen Blättern dunkelblaue Schlehen findet, und daß man diese Früchte sammeln kann, um Schlehensyrup oder Schlehenwein zu bereiten. Der Schwarzdorn eignet sich nicht so gut zu Hecken, da seine Wurzeln weit ins Feld hinaus wandern, und er sich oft zu einem Baume auswächst und so eine Lücke in der Hecke läßt.

Der Weißdorn oder Hagedorn eignet sich viel besser dazu, denn er wächst schnell zu einer lebenden Hecke heran, wenn er ordentlich beschnitten wird, und das Vieh kann diese wegen der Dornen nicht durchbrechen. Man kann aber die Früchte des Weißdorns, die sogenannten „Mehlbeeren“, nicht benutzen und muß sie den Vögeln überlassen.

Dann wird man in den Hecken oder im Walde wahrscheinlich auch den Holzapfelbaum finden mit sich weit ausbreitenden Zweigen, die häufig mit Dornen besetzt sind. Er hat ovale Blätter mit scharfen Spitzen, die auf der Unterseite, wenn sie jung sind, Flaum haben. Seine rot-weißen Blüten kommen im Mai hervor, und im Herbst findet man den rot und gelben Holzapfel an ihrer Stelle. Die Frucht ist sauer, herb und ungenießbar.

Ein anderer Heckenbaum ist die wilde Kirsche, von deren Früchten die Vögel im Sommer fressen, so daß er dazu beiträgt, sie vom Korn fernzuhalten. Es ist ein buschartiger Strauch mit roter Rinde und eiförmigen Blättern, die am Rande doppelt gesägt sind. Seine Blüten wachsen auf kurzen Stielen und zwar zu vier oder fünf wie unsere Gartenkirschen; die Frucht ist glänzend rot, wenn sie reif ist. Ebenso findet man in Hecken die Trauben- oder Vogelkirsche (siehe Abb. S. 47), deren Blüten in langgestielten, überhängenden Trauben wachsen, und deren Früchte glänzendschwarz gefärbt sind.

Schwarzdorn, Weißdorn, Holzapfel und Kirsche gehören alle zu der Familie der Rosenblütler, die, wie ihr euch erinnert, so viele Früchte tragende Pflanzen enthält. Dazu gehört auch der hübsche Vogelbeerbaum (vergl. bunte Tafel IV, 1), oft auch gemeine Eberesche genannt, weil die Blätter in Blättchen zerschnitten sind gleich denen der Esche. Man findet die kleinen, weißen Blüten der Eberesche im Mai geöffnet. Aber viel schöner sieht diese im Herbst aus, wenn die roten Beeren reif sind und in vollen Büscheln am Baume hängen. In manchen Gegenden wurden Ebereschen früher gepflanzt, um Hexen fernzuhalten, da man ihnen eine derartige Kraft zuschrieb.

Noch von zwei anderen Heckensträuchern will ich euch erzählen. Der eine ist der Schneeball (2, S. 47), der dunkelgrüne, drei- oder fünfzackige Blätter mit gekerbtem Rande hat. Diese Blätter färben sich im Herbste schön rot. Seine weißen Blüten wachsen in einer flachen Dolde. Die äußeren sind groß und haben weder Staubgefäße noch Fruchtknoten. Ihr Zweck ist, Bienen und andere Insekten anzulocken, die zu den kleineren Blüten in der Mitte kommen, um Honig zu holen. Diese mittleren Blüten sind vollständig, und die Insekten bringen Blütenstaub auf die Narbe, so daß dann im Fruchtknoten Samen gebildet werden kann. Der Schneeball trägt im Herbste schöne korallenrote Beeren.

Der andere Busch, der in einer Höhe von ungefähr fünf Fuß in den Hecken wächst, heißt Pfaffenhütlein oder Spindelbaum, weil sein Holz zu Spindeln verarbeitet wird. Er hat einen glatten, grauen Stamm und schmale, grüne Blätter, die =sehr giftig= sind. Die kleinen, grün-weißen Blüten im Mai wird man kaum bemerken. Aber im Herbst hat er hübsche, eigentümliche Früchte. Vier rote Fruchtknoten wachsen zu einer Kapsel zusammen, die auf einem kurzen Stiele sitzt. Sie sehen sehr sonderbar aus, und wenn man sie öffnet, so wird man finden, daß der Samen im Innern mit einer glänzenden orangefarbigen Haut bedeckt ist.

Suche Blumen und Früchte des Schwarzdorns, des Weißdorns, des Holzapfels, der wilden Kirsche, der Eberesche, des Schneeballs und des Spindelbaums.

Lektion 10.

Blühende Gartensträucher.

In Hausgärten, wo kein Platz ist, große Bäume anzupflanzen, kann man doch in den Ecken viele blühende Sträucher ziehen, und viele von ihnen sind sehr hübsch. Der erste, der im Jahre blüht, ist die japanische Quitte (vergl. bunte Tafel VII). Sie wächst an den Mauern der Landhäuser und verleiht ihnen ein freundliches Ansehen, auch wenn die Bäume kahl sind. Ihre dunkelroten Knospen zeigen sich schon im März, und während des April entfalten sich die tiefroten Blüten. Sie gleichen in der Form Birnblüten und wachsen in kleinen Büscheln dicht am Stamm. Wenn man keine im Garten hat, wird es leicht sein, einen Ableger von dem Strauch irgend eines Nachbars zu erhalten und groß zu ziehen. Im Herbste trägt sie eine harte grüne Frucht.

Bald nachdem die japanische Quitte in voller Blüte steht, wird die rotblühende Johannisbeere ihre Blütentrauben in vielen Gärten zeigen. Sie stammt aus Nordamerika und ist über ganz Deutschland verbreitet. Man wird sie leicht daran erkennen, daß ihre Blätter ganz denen der Johannisbeerbüsche im Gemüsegarten ähnlich sehen und ihre hübschen herabhängenden roten oder rosa Blütentrauben den grünen Blüten unserer Johannis- und Stachelbeeren. Im Herbst hängen dann Büschel von schwarzen Beeren an dem Strauche, die nicht gut zu essen sind. Ein Ableger der rotblühenden Johannisbeere wird ohne jede Mühe aufwachsen.

Ein anderer sehr hübscher Strauch blüht im frühen Sommer. Es ist die Berberitze, deren kleine scharlachrote Früchte manchmal zur Füllung von Konfituren verwendet werden. Die Berberitze ist ein interessanter Strauch, denn bei ihr sind einige Blätter in Dornen verwandelt, so daß an jedem Gelenk ein dreispitziger Dorn sitzt neben den weichen, gefransten Blättern. Die wilde Berberitze hat gelbe Blüten mit hellroten Staubbeuteln, aber es gibt eine Gartenart mit immergrünen Blättern, die tieforangefarbige Blüten hat. Sie sind klein und hängen in einer langen Traube herunter, und wenn ihr geschickt seid, könnt ihr einen Versuch machen sowohl mit der wilden wie mit der Gartenberberitze.

Seht sorgfältig eine der Blüten an, und ihr werdet bemerken, daß von den sechs Staubgefäßen je eins auf einem Blumenkronblatt liegt. Unten an dem letzteren, fast in der Mitte der Blüte, sind zwei Drüsen, aus denen tropfenweise Honig quillt. Die klebrige Narbe auf dem Fruchtboden steht aufrecht in der Mitte der Blüte.

Nehmt nun eine Nadel und berührt eins der Staubgefäße am Fuße, gerade da, wo die Honigtropfen sitzen. Es schnellt auf, wie von einer Feder bewegt, und berührt die klebrige Narbe; nach einer Weile wird es wieder zurückschnellen. Wenn nun die Biene auf der Suche nach Honig ihren Kopf in die Blüte steckt, berührt sie mit dem Rüssel das Staubgefäß, so daß es aufspringt und den Kopf des Insekts trifft. Dieses wird mit Blütenstaub bedeckt, den es zu einer anderen Blüte trägt. Oder der Staubbeutel läßt etwas Blütenstaub auf seiner eignen Narbe, ehe er wieder zurückschnellt.

Aber wir müssen weiter, denn wenn die Aprilwinde wehen, und der Sonnenschein überall Blumen hervorlockt, wird es eine Menge Sträucher geben, die zu beobachten sind. Da ist der Besenginster mit seinen hellgelben Blüten, die wie Erbsenblüten geformt sind. Man kann den Besenginster auf der Heide wachsend finden. Er ist dem Stechginster sehr ähnlich, hat aber einen glatten grünen Stamm ohne Stacheln. Aber bei dem Besenginster stehen die Blüten einzeln, während sie beim Stechginster hellgelbe Trauben bilden. Der Ginster hat keinen Honig, aber die Bienen kommen zu ihm, um Blütenstaub zu holen, aus dem sie Bienenbrot machen.

In der Nähe des Ginsters steht vielleicht ein Fliederbusch, und ihr könnt beobachten, wie hübsch die beiden Farben, gelb und lila, zusammenpassen. Man kann aus den beiden Sträuchern einen sehr hübschen Strauß binden. Aber ein solcher wird noch viel schöner, wenn man einen Goldregen mit seinen langen goldigen Blütentrauben hinzunehmen kann. Der Goldregen hat viel Honig in seinen Blüten, und wenn die Bienen erst einmal ihren Weg zu ihm gefunden haben, bleiben sie oft lange Zeit in jeder Blüte stecken. Du kannst viele von ihnen auf einem Baume sehen. Goldregenschoten sehen kleinen Erbsenschoten sehr ähnlich, =aber hütet euch, die Samen in ihnen zu essen, denn sie sind sehr giftig=.

Hierauf wird der Rhododendron seine schönen purpurroten Blüten über den glänzend grünen Blättern öffnen. Der Rhododendron stammt aus Nordamerika. Aber der Holunder, der dort in der Ecke steht und seinen freundlichen Schatten über eine Bank wirft, ist ein echter deutscher Strauch, der fast verdient, ein Baum genannt zu werden. Er blüht im Juni; aber er ist einer der ersten, der sich im Frühling mit Blättern bedeckt. Obgleich nicht groß, hat er doch einen dicken Stamm, und seine Rinde ist rauh und korkartig.

Wenn man sich Knallbüchsen machen will, muß man junge Zweige nehmen, denn in den alten ist das Mark durch die äußeren Holzringe auf einen geringen Raum zusammengedrückt. Die Blätter des Holunders sind gegenständig, und jedes Blatt ist in fünf bis sieben einzelne Teilblättchen zerschnitten mit einem an der Spitze. Die kleine weiße Blüte wächst in breiten, flachen Dolden, die als Frucht im Herbste die süßen schwarzen Holunderbeeren hinterlassen.

Wenn ihr keinen Holunder im Garten habt, so findet sich dafür vielleicht ein Schneeballstrauch (siehe bunte Tafel VII). Dies ist eine Gartenspielart des wilden Schneeballs. Seine Blüten sind keine flachen Dolden wie bei letzterem, sondern wachsen mehr in Form eines Balles. Sie haben keine Staubgefäße und keinen Fruchtboden und erzeugen keinen Samen. Die Blätter färben sich im Herbste purpurrot und sehen dann sehr hübsch aus.

Nach dem Schneeball blüht auch die Waldrebe, deren wilde Art unscheinbare gelbgrüne, innen weißgefärbte Blüten besitzt. In unseren Gärten und an den Portalen vieler Häuser werden Waldrebenarten gezüchtet, die aus Südeuropa stammen und sich von unserer heimischen Waldrebe durch große blaue oder weiße prächtige Blüten unterscheiden. Die Waldrebe ist eine Kletterpflanze wie das Geißblatt und der wilde Wein, neben denen sie zuweilen auch zur Bekleidung von Lauben und Veranden benutzt wird.

Suche Blüten und Blätter der erwähnten Sträucher!

Lektion 11.

Esche und Ulme.

Nächst der Eiche sind die beiden nützlichsten, hartes Holz liefernden Bäume die Esche und Ulme. Sie blühen sehr früh im Jahre, ehe sie sich mit Blättern bedecken.

Man kann Eschen selbst im Winter überall an zwei Merkmalen erkennen. Erstens an den Spitzen der Zweige, die plattgedrückt sind, als wenn sie unter einer Presse gelegen hätten, und zweitens an den schwarzen Knospen, die wie kleine Pyramiden geformt sind (siehe Abbildung S. 54). Kein anderer Baum hat solche schwarzen Knospen. Die Farbe des Stammes ist aschgrau, und die Zweige wachsen sehr zierlich, erst fliehen sie seitwärts von dem Stamm, um dann zu einer zarten, lichten Krone emporzustreben.

Im April fangen die Eschenknospen der Seitenzweige in der Nähe des Gipfels an, sich zu schwarzroten Blütentrauben zu öffnen. Die einzelne Blüte ist sehr klein. Sie hat keine Blumenblätter; sie besteht nur aus einem Fruchtknoten und zwei dunkelvioletten Staubgefäßen. Aber diese zierlichen Blüten stehen so dicht gedrängt, daß der ganze Baum von ihnen bunt schimmert.

Gegen Ende Mai beginnen dann die Blätter sich zu öffnen. Sie stehen sich gegenüber an den Seiten der Zweige, und jedes Blatt ist in sieben oder neun Blättchen zerschnitten, von denen eins als überzählig an der Spitze steht. Auch von anderen Pflanzen sind die Blätter so wie hier zerteilt und du könntest denken, jedes Teilblättchen wäre ein ganzes Blatt. Doch wenn es Blätter wären, müßte eine Knospe an dem Grunde eines jedem, nahe dem Stamme, wachsen und außerdem müßte eine weiter wachsende Spitze am Ende stehen. Doch ist weder das eine noch das andere der Fall, und daraus magst du ersehen, daß alle die Einzelblättchen zusammen ein Blatt bilden, und beim Welken fallen alle Blättchen zusammen ab.

Der Baum ist den ganzen Sommer hindurch sehr schön, und seine blaugrünen Blätter unterscheiden sich deutlich von denen aller anderen Bäume. Aber früh im Herbste werden sie gelb und fallen ab. Dann kann man den Baum an seinen sonderbaren, langen, flachen, schmalen Früchten (siehe Abbildung, 3) erkennen, die in Büscheln von den Zweigen hängen wie ein Schlüsselbund. Sie hängen manchmal noch mitten im Winter am Baume, bis die rauhen Winde sie abreißen.

Man findet oft junge Eschen im Garten wachsend, denn ihre Samen sind sehr keimfähig. Aber Kaninchen lieben die jungen Schößlinge, und so kommen sie selten hoch. Junge Eschenstämme werden oft zu Spazierstöcken und Hopfenstangen verarbeitet, und das Holz der ausgewachsenen Bäume verkauft sich sehr gut zum Wagen- und Möbelbau.

Die Ulme oder Rüster ist ein so allgemein bekannter Baum, daß ihr vielleicht denkt, es sei nichts Interessantes an ihm. Aber habt ihr wohl bemerkt, daß die Zweige einer Ulme bis tief zu dem Boden hinab am Stamme wachsen, wenn sie nicht abgehauen werden. Und sicher wissen viele von euch nicht, daß sich an dem Zweige oft Verdickungen bilden, die ein der Korkrinde ähnliches Aussehen haben. Dies verleiht dem Baume ein kränkliches Aussehen.

Er ist in Wirklichkeit ganz gesund, aber diese Zweige zeigen, daß die Ulme eine der Korkrinde ähnliche Rinde hat. Schon am Stamme ist sie dick und rauh und an den kleinen Zweigen, wo sie keinen Platz hat, sich auszubreiten, bildet sie diese Verdickungen. Der innere Teil der Rinde, Bast genannt, ist sehr zähe und wird zur Anfertigung von Matten und Seilen gebraucht.

Die Feld-Ulme kommt bei uns sehr häufig vor und zwar besonders als Alleebaum und in Parkanlagen, auf Wiesen und Weideplätzen.

Die Berg-Ulme findet in bergigem Gelände ähnliche Verwendung, unterscheidet sich aber von der vorigen durch ihren schwächeren Wuchs und ihre größeren Blätter, die sehr lang zugespitzt und auch behaart sind.