Part 24
[308] Schon ~Ad Marciam~ 20, 2 sagt er, daß jeder ~exul~ stets sein Auge auf die ~patria~ gerichtet hält. Die Schriften ~ad Helviam~ und ~Ad Polybium~ entstanden gleich in den Anfangsjahren der Verbannung, und daß dies keine Lehrschriften sind, liegt auf der Hand. Mit Unrecht habe ich als möglich zugestanden (Histor. Zeitschr. 104, S. 608), daß Seneca auf Corsica ~De providentia~ und ~De constantia~ schrieb. ~Ad Helv.~ 20 schildert er selbst seine Beschäftigung im Exil: von Schriftstellerei sagt er dort nichts, sondern redet nur von literarischen Studien, d. h. Lektüre, besonders auf dem Gebiet der Physik. Auch daß er Tragödien auf Corsica schrieb, ist schlechterdings unerwiesen (vgl. Neue Jahrbücher XXVII, S. 353 ff.) Die Epigramme aber aus dem Exil sind unecht; dies ergibt die Verstechnik, und der neuerdings mit vielem Fleiß unternommene Versuch, aus phraseologischen Anklängen ihre Echtheit zu erweisen, ist ein Schlag ins Wasser, da ein solches Beweismittel nichts beweist. Es handelt sich darum, daß Seneca (wie Calpurnius) in seinen Hexametern nie eine Verschleifung zuließ; das ist, so geringfügig die Sache scheint, ein deutliches Erkennungszeichen, und es ist interessant, in solchem Punkt einmal den Einfluß des Lehrers auf den Schüler zu beobachten; denn auch in Kaiser Neros erhaltenen Hexametern fehlt ganz ebenso jede Elision. Das sollte Zufall sein? Natürlich sind auch Calpurnius und der Lobdichter auf Piso von dieser Theorie abhängig gewesen. Die Epigramme aus Corsica zeigen dagegen die Elision (vgl. Kritik und Hermeneutik, S. 235 f.)
[309] Wie leidenschaftlich die Geschwisterliebe bei den Alten und wie tief gerade der Schmerz um den Verlust eines Bruders ging, habe ich Kritik und Hermeneutik, S. 108 f. in Anlaß der Antigone und ihrer vielbesprochenen Worte dargelegt.
[310] Dies habe ich in den Neuen Jahrbüchern XXVII, S. 596 ff. näher ausgeführt.
[311] Man muß sich klar machen, daß sich an den Kaiser -- wie heute etwa an den Papst -- direkte Ermahnungen nicht richten ließen; das einzig mögliche Erziehungsverfahren war, dem Allmächtigen die guten Eigenschaften zuzuschreiben, die man von ihm forderte; daher sagt Seneca selbst ~Epist.~ 94, 39, daß die ~laudatio~ eine Gattung der ~monitio~ sei; eben dasselbe sagt uns auch schon Cicero ~ad fam. XV~, 21, 4; später Julian ~p.~ 254 ~B~ u. ~C~; Apollinaris Sidonius Epist. VIII, 10; vgl. auch ~Cic. ad Quintum fratrem I~, 1, 7 und 18.
[312] Vgl. Neue Jahrbücher XXVII, S. 348.
[313] Man kann gut sein, auch ohne physisch tapfer zu sein; dies sagt Seneca nicht, aber es liegt dem Satz: ~L. Bibulus melior quam fortior vir~ (~Ad Marciam~ 4, 2) zu Grunde.
[314] ~De ira~ II, 32.
[315] ~De constantia~ 12, 3; ~De ira~ I, 16.
[316] ~De ira~ II, 33; den Freimut gegen einen Sejan preist Seneca (~ad Marciam~ 22, 4 f.), der gegen den Kaiser scheint ihm unmöglich.
[317] Das ~aeger nervis~ steht bei Tacitus 15, 45. Über sein Herzleiden redet Seneca Epist. 26, 54, 58. Aber schon in der Schrift ~De constantia~ (16, 4), also etwa 45jährig, schildert er sich selbst als kahlköpfig, schwachsichtig, mit dünnen Hüften und auffälliger Statur; denn man wird diese Schilderung doch wirklich auf ihn beziehen müssen. Eine Büste Senecas (in Berlin) zeigt ihn uns kurzhalsig und kahlköpfig.
[318] ~Mens serena: De clementia~ 2, 5, 4.
[319] Nero hatte armenische Gesandte empfangen; Agrippina kam, als sie das hörte, herbei und wollte den kaiserlichen ~Haut-pas~ ersteigen. Ehe sie dies konnte, ging ihr Nero auf Senecas Wink entgegen und hielt sie mit einer Begrüßung auf, und die Audienz wurde abgebrochen und verschoben. Agrippina kam nicht wieder: Tacit. Ann. XIII, 5; Waltz S. 204.
[320] Agrippina hatte eigenmächtig, als wäre sie jetzt Kaiser, den verstorbenen Kaiser Claudius zum Gott erhoben. Senecas Satire legt die Sinnlosigkeit dieser Apotheose dar, indem sie nicht nur mit gröblichem, aber siegreichem Witz über die geistige Impotenz des Claudius herfällt, sondern vor allem dem Groll und der Empörung über seine Schandtaten und Justizmorde Worte leiht. Agrippina selbst wird in der Schrift totgeschwiegen; jeder Leser merkte, daß ihr Verfahren das Ziel des Angriffs war. -- Der überlieferte Titel Apotheosis ist natürlich richtig. Die Bezeichnung ~Apocolocyntosis~ beruht auf falscher Kombination, die auch heute noch gilt, weil gefeierte Gelehrte sie hingenommen haben. ~Apocolocyntosis~ heißt „Verwandlung in einen Kürbis“. Daß der Mensch, wenn er gestorben ist, in Tiere oder Pflanzen verwandelt wird, ist jedoch eine ausschließlich pythagoräische Vorstellung, von der die vorliegende Satire nichts weiß und die zu der unterweltlichen Szene, die sich an ihrem Schluß abspielt, durchaus nicht paßt. Es ist also gedankenlos, anzusetzen, eine solche „Verkürbsung“ sei an ihrem Schluß glatt weggefallen. Die Satire ist vollständig.
[321] ~Patriae +tutor+~ und ~amicorum propugnator~, ~De vita beata~ 15, 4. Der Ausdruck ~tutor~ stammt hier aus Ciceros Schrift ~De republica~ II, 51. Seneca kannte diese Schrift genau.
[322] Schon ~ad Marciam~ äußert er diese Augustusverehrung programmatisch; oben Anmerkung 307.
[323] Seneca sagt mit Genugtuung von sich selbst, daß keinem Bürger durch ihn, trotz seiner Machtstellung, die Rechte verkümmert seien; ~nullius per me libertas deminuta (est)~, ~De vita beata~ 20, 5.
[324] Auf die ~accusandi rabies~, die unter Tiberius herrschte, blickt Seneca jetzt, ~Benef.~ 3, 26, 1, als auf etwas Fernstehendes zurück.
[325] Schon ~ad Marciam~ 16, 2 steht: ~Bruto libertatem debemus~, d. h. die alte durch Brutus erworbene Freiheit besteht noch; so besteht denn auch die ~libera civitas~ unter Senecas eigener Staatsverwaltung, ~De benef.~ 2, 12, 2; ~optimus civitatis status sub rege iusto~, ~ib.~ 2, 20, 2.
[326] Freilich keine Aufhebung der Kornverteilungen in Rom (~De benef.~ 4, 28, 2), an die überhaupt nicht zu denken war.
[327] ~Admodum aequa~, ~Tacit.~ 13, 51. Daher war auch noch im Jahre 62 der Stand der Finanzen befriedigend, Tacit. 15, 18; Waltz S. 411.
[328] Diesen Sinn hat es, wenn der Kaiser, d. h. Seneca, im Jahre 55 den Provinzialverwaltern verbietet, in den Provinzen Spiele zu geben, mit denen sie das Publikum für sich günstig zu stimmen pflegten: Tacit. 13, 31.
[329] Vgl. Rhein. Mus. 65, S. 317 „Zur Phylenordnung Alexandrias“.
[330] Von dem Gros der ägyptischen Bevölkerung, den sogenannten λαογραφούμενοι wurden die zahlreichen Anwohner griechischer und römischer Abstammung, von denen besonders Alexandria erfüllt war, gesondert. Daß die Namen der letzteren, der ἐπικεκριμένοι, in besonderen Listen, τόμοι ἐπικρίσεων, geführt wurden, beginnt aber wiederum im Jahr 54 auf 55; s. Paul M. Meyer, Das Heerwesen der Ptolemäer und Römer in Ägypten, Leipzig 1900, S. 116-122.
[331] Er besuchte als jüngerer Mann in Ägypten seinen Oheim, C. Galerius, der dort 16 Jahre lang an der Spitze der kaiserlichen Verwaltung stand (Genaueres hierüber ~Revue de philol.~ 1909, S. 173-177); weiteres oben Anm. 267 und über Senecas Beziehungen zu Ägypten und zu Claudius Balbillus im Jahre 55 Nipperdey zu Tacit. 13, 22. Auch noch in seinen letzten Lebensjahren hatte Seneca persönlich geschäftliche Interessen in Alexandria: ~quis illic esset rerum mearum status~, überlegt er, als er Handelsschiffe von dort einlaufen sieht, Epist. 77, 3, wo ~res meae~ nicht auf Geldgeschäfte, sondern auf Grundbesitz sich bezieht; denn Seneca hatte dort tatsächlich Grundbesitz (s. oben); ~status~ aber heißt „Wohlstand“.
[332] θεοῦ διάκονος εἰς τὸ ἀγαθόν.
[333] Vgl. hierzu Rhein. Museum 69, S. 383.
[334] ~Thyest.~ 213. Aussprüche über Tyrannei finden sich ~Oed.~ 699 ff., 520 ff.; ~Phoen.~ 654 f.; ~Med.~ 195 f.; ~Phaedr.~ 490 f.; ~Agam.~ 995 usf. Vgl. Neue Jahrbücher XXVII, S. 350 f.
[335] Es scheint, daß das vierte Buch ~De beneficiis~ von Agrippinas Ermordung noch nichts weiß, also früher fällt; denn die Stelle IV, 31, 2 blickt auf die Bluttaten Caligulas in einer Weise zurück, als biete die Gegenwart nichts Ähnliches.
[336] Daß sich Seneca in ~De beneficiis~ an ein großes Publikum richtet, zeigen solche Wendungen wie ~si quis existimat~ (I, 15, 1); ~nemo haec ita interpretetur~ (I, 14, 2); die Anrede ~vos, vobis~ (IV, 13, 1). Er selbst ist ~praeceptor~, ~praecipit~, er gibt ~monitiones~ (I, 15); aber er redet dabei zu dem Durchschnittsmenschen, nicht zum vollkommenen Weisen (II, 18, 4). In bezug auf die Sklavenfrage will er den Übermut der menschlichen Gesellschaft zerstoßen, ~contundere insolentiam hominum~ (III, 29, 1).
[337] Seneca sagt von sich, daß er die ~societas generis humani sancit~, d. h. das soziale Wirken zum unverbrüchlichen Gesetz erhebt, ~De benef.~ 1, 15, 2; über die ~societas~ auch 4, 18, 2 f.
[338] Gegen die griechische Behandlungsweise der Wohltätigkeitslehre, z. B. die des Chrysipp, die mehr spitzfindig als praktisch, wendet er sich ~Benef.~ I, 3 und 4. Chrysipp ist ~magnus vir, sed Graecus~. Damit ist er für den Praktiker schon verworfen. Was sollen z. B., heißt es, die albernen Redereien über die drei Grazien? Damit ist nichts gewonnen. So weicht denn auch Ton und Ausführung in ~De beneficiis~ I-IV von Senecas älteren Schriften ~De ira~ und ~De constantia~, die noch mehr den griechisch-sophistischen Geist zeigen, wesentlich ab. In den Büchern V-VII ~De beneficiis~ gibt Seneca nur einen Anhang, und in ihnen herrscht gelegentlich wieder mehr der sophistisch schulmäßige Ton.
[339] Römerbrief 13, 9: ἀγαπήσεις τὸν πλησίον σου ὡς ἑαυτόν, ἡ ἀγάπη τοῦ πλησίον κακὸν οὐκ ἐργάζεται.
[340] Vgl. Zur römischen Kulturgeschichte S. 152 f. und betreffs der Haltung der Sklaven S. 66.
[341] Josef Vilmain, Die Staatslehre des Thomas von Aquino, Leipzig 1910, S. 80 u. 97 ff.
[342] Nicht das größte; es gab Freigelassene, die noch reicher waren: Tacit. 14, 55.
[343] Über den ~animus ad civilia erectus agendique cupidus~ s. ~De tranquill.~ 2, 9. Wer keine führende Stellung einnehmen kann, soll wenigstens durch Akklamation helfen, ~si a prima te reipublicae parte fortuna submoverit, stes tamen et clamore iuves~, ebenda 4, 5, wo ~stes tamen et clamore iuves~ offenbar aus einem Hexameter stammt, also Zitat ist. Auch ~De otio~ beschäftigt er sich aufs neue mit diesen Fragen: ~imperfectum bonum est virtus sine actu~ usf. (6, 3). Daselbst 6, 4 das ~posteris prodesse~; und 6, 5: Chrysippus lebte im ~otium~; er hatte nicht den Reichtum und die Machtstellung (ergänze: wie ich, um dasselbe wie ich zu versuchen).
[344] Das ist das ~maiorem virtuti materiem subministrare~ (~De vita beata~ 21, 4).
[345] Das Geld, das einem Natalis zufällt, ist wie in die Kloake geworfen: Epist. 87, 16. „Der Reichtum ist mein Diener; andere sind Knechte des Reichtums,“ ~De vita beata~ 22, 5.
[346] Gegen die ~nimia aestimatio sui~ redet Seneca ~De v. beata~ 8, 3.
[347] Cassius Dio 62, 2, wo das Wort ἄκουσιν darauf geht, daß die britische Bevölkerung zum Teil der römischen Geldwirtschaft widerstrebte; s. 62, 3: πενία ἀδέσποτος πλούτου δουλεύοντος προφέρει. Schon die Regierung des Kaisers Claudius hatte große Geldsummen in diese neue Provinz geworfen, aber sie gleichfalls wieder zurückgenommen (ebenda). Das ist nicht „Geldwucher im Großen“, was Kaiser Claudius trieb; dasselbe gilt von Seneca.
[348] Nicht der strengste Stoiker hätte das von Seneca verlangt; auch Zeno hatte Geld auf Zinsen geliehen (~De benef.~ 4, 24, 1). Daß Seneca etwa Wucher trieb, ist durch nichts angezeigt. An verächtlichen Äußerungen gegen die ~feneratores~ fehlt es bei ihm nicht: ~De ira~ 3, 33; ~De const.~ 6, 7; ~Benef.~ III, 15; so aber auch gegen die Reichen, ~De provid.~ 6: die Reichen sind innerlich schmutzig; wie ihre Stubenwände sind sie nur äußerlich dekoriert; der glänzende Stuck ist dünn und fällt ab.
[349] ~Martial~ 12, 36; ~Juvenal~ 5, 109.
[350] ~De vita beata~ 23, 5. Auch Epist. 120, 8 tadelt er: ~multi sunt qui non donant, sed proiciunt~. Genaueres über die Art seiner Wohltätigkeit ~De v. beata~ 24.
[351] Seneca brachte also der Staatsraison zuliebe ein Gewissensopfer. Wer das beurteilen will, muß seinen Grundsatz kennen, den er wie für diesen Konfliktsfall vortrefflich so formuliert hat: ~facit~ (lies ~faciet~) ~sapiens etiam quae non probabit, +ut etiam ad maiora transitum inveniat+, nec relinquet bonos mores, sed tempori aptabit et quibus alii utuntur in gloriam aut voluptatem, utetur +agendae rei causa+~. Dies stand in seinen ~Exhortationes~ (Lactanz ~Inst.~ III, 15, 14), die gewiß auch in Senecas Spätzeit fallen.
[352] Ja, nach weit verbreiteter Anschauung ist der Kaiser selber Gott; der Kaiser Augustus ist der, ~qui dis genitus et deos geniturus dicatur~, Seneca ~ad Marciam~ 15, 1.
[353] Kaiser Claudius war, nach Seneca, wie die Fortuna, die leicht zur ~mala fortuna~ wird (~benef.~ 1, 15; 6). Straft der Kaiser einen Unschuldigen, so muß man es hinnehmen: ~rex ... si innocentem (punit), cede fortunae~ (~De ira~ 2, 30). Man kann sich nicht einmal gegen die Geschenke eines tyrannischen Herrschers wehren: diesen Satz veröffentlicht Seneca, ~benefic.~ 2, 18, 6, nachdem er selbst von Nero wider seinen Willen mit Reichtümern überschüttet war.
[354] Es ist nicht wahr, daß Seneca ~De benef.~ 7, 20, 3 die Möglichkeit der Ermordung Neros zugesteht; Seneca sagt dort nur: den wahnsinnig gewordenen Tyrannen soll man beseitigen, und denkt dabei nicht an Nero, der trotz seiner Exzesse durchaus nicht als geisteskrank galt, sondern nur an Caligula zurück, der als wirklicher ~furiosus~, d. h. im Irrsinn endete; dessen Beseitigung wird auch ~De brev. vitae~ 18, 6 gebilligt, und beide angezogenen Stellen erklären sich gegenseitig.
[355] Wo Seneca in diesen Jahren den Nero erwähnt (in den Briefen tut er es nie), zeigt er sich sehr zurückhaltend; s. ~Nat. quaest. VI~, 17 und 21. Eine Höflichkeit liegt darin, daß er einmal einen geschickten Vers Neros mit Anerkennung zitiert (~ib.~ I, 5, 6). Wenn sich endlich ~ib.~ VI, 8, 3 eine lobende Äußerung, insbesondere über Neros ~veritatis amor~, findet, so handelt es sich dort um die von Nero veranstaltete Expedition nach den Nilquellen; Seneca quittiert für diese Unternehmung mit Dank; denn es kann kein Zweifel sein, daß Nero mit ihr einer Anregung Senecas selbst entsprochen hatte. So teilt Seneca denn auch ihr Ergebnis mit. Vgl. oben Anm. 272.
[356] Nämlich zunächst bei Tacitus. Mutmaßlich ist aber schon in dem Werk des C. Fannius über die ~exitus occisorum~ unter Nero, das unfertig blieb, aber bis zu drei Büchern gedieh (~Plin. epist.~ 5, 5), auch Senecas Tod erzählt worden. Vielleicht ist die Schilderung des Tacitus davon abhängig. Wir haben keineswegs nötig, nur an Fabius Rusticus als Quelle zu denken. Vgl. W. Schmidt, ~De ultimis morientium verbis~, Marburg 1914, S. 12.
[357] Noch 50 Jahre später waren sie so bekannt, daß Tacitus sie zu zitieren für unnötig hält (Ann. 15, 63 u. 67). Hätte er es doch trotzdem getan!
[358] Tacit. Ann. 14, 55.
[359] Es ist das goldene ~quinquennium~ Neros: Aurelius Victor 5, 2; Epit. 5, 3; Waltz S. 243.
[360] Juvenal 8, 212.
[361] Vgl. Römische Charakterköpfe, 3. Aufl., S. 262 f. u. 267.
[362] Das „planvoll“, ~certus consilii~, das er fordert ~De brev. vitae~ 3, 3, gilt wirklich von ihm. Vgl. Epist. 23 über die Freude: die Freude kommt ins Herz durch ein gutes Gewissen, durch richtig Handeln, durch ein planvolles Leben.
[363] Vielmehr bezog sich Seneca nachweislich auf die Ehegesetze des Augustus; s. ~Fragm. 87 ed. Haase~. Auch die historischen Rückblicke auf die ~pudicitia~ Altroms und die ehelichen Exzesse, die Seneca dort gab, entsprachen ganz dem Begründungsverfahren des Augustus.
[364] Vgl. Römische Kulturgeschichte S. 141.
[365] ~Bonorum egestas: De tranquill.~ 7, 6.
[366] ~De benef.~ 7, 1, 7.
[367] ~De vita beata~ 15, 5.
[368] Einige Proben hat uns der Kirchenvater Augustin aus dieser Schrift erhalten; einen Absatz daraus habe ich oben S. 231 f. wiedergegeben.
[369] ~Religio deos colit, superstitio violat~, sagt Seneca ~De clem.~ 2, 5, 1.
[370] Seneca ~De remediis~ 5, 4 lehrt: Kümmere dich nicht um dein Begräbnis. Denn das Begräbniswesen ist gar nicht um der Toten willen, sondern nur im Interesse der Lebenden eingeführt: ~non defunctorum causa, sed vivorum inventa est sepultura~.
[371] ~De benef.~ 4, 7, 2.
[372] Man könnte ansetzen, daß sie etwas früher fällt und ungefähr aus der Zeit der Apotheosissatire stammt, in der die gleiche sarkastische Nichtachtung der Götter herrscht und gerade auch wie in der Schrift ~De superstitione~ altrömische Götterschemen wie die ~Vica Pota~ vorgeführt werden. Aber auch ~De tranquill.~ 26, 8 berührt Seneca noch dasselbe Thema, besonders aber Epist. 95, 47, wo auch das ~speculum teneri Iunoni~ und die Sätze stehen: ~deum colit qui novit; primus est deorum cultus deos credere~.
Römischer Mummenschanz und die Verhöhnung Christi.
[373] Eine vorsichtige und vernünftige Behandlung der Frage gab J. Geffken im Hermes, Bd. 41, S. 220 ff.
[374] Hermes 41, S. 223.
[375] Hierzu und zum Folgenden siehe meine Schrift „Elpides“ S. 61-65.
[376] Valerius Maximus 5, 1 ~ext.~ 1; Curtius Rufus 8, 4, 15.
[377] Epiktet, Dissertat. I, 25, 8.
[378] βασιλικῶς ἐνεσκεύαστο Lucian 70, 2, 10; vgl. in den ~Acta S. Dasii~ bei ~Cumont~, ~analecta Bollandiana XVI~, S. 11 das βασιλικὸν ἔνδυμα und κατὰ τὴν αὐτοῦ Κρόνου ὁμοιότητα. Bei keinem Gott war die Bezeichnung, daß er „König“ ist, so ständig wie bei Saturnus-Kronos; ~Varro de re rustica III~, 1, 5: ~Saturnus rex~; mehr gibt Maximilian Mauer bei Roscher, Mythol. Lexikon II, S. 1458.
[379] 70, 2, 12.
[380] βασιλέα μόνον ἐφ’ ἁπάντων γενέσθαι 70, 1, 4.
[381] Ebenda.
[382] So in den ~Acta S. Dasii~.
[383] Diese Harmlosigkeit betont Lucian 70, 2, 13.
[384] Siehe Bücheler zu Seneca ~Apotheosis~ ~c.~ 8.
[385] Ich sehe, daß auch G. Wissowa, Religion und Kultus der Römer, S. 207, diese Auffassung teilt.
[386] Siehe Geffken a. a. O. S. 222 f.
[387] H. Reich, Neue Jahrbücher 1904, S. 726, 1 versteht diesen Wortlaut nicht richtig, da er γελοίων διδάσκαλοι grammatisch verbindet; γελοίων hängt aber ohne Frage von ποιηταί ab: „Mimen- und Ulkdichter dienen als Lehrer der Leute.“
[388] Reich a. a. O.
[389] Auch der Mimusrest des Oxyrhynchospapyrus ergibt dafür nichts.
[390] So Reich S. 279.
[391] Der Mimus ahmte realistisch, oft auch mit Humor und Ironie Typen des Lebens nach, aber er höhnte nicht und stand dadurch im Gegensatz zur alten Komödie eines Aristophanes: so Reich selbst, Der Mimus I, S. 327, nach Jacob Bernays.
[392] S. Seneca a. a. O. c. 1. Auch Kaiser Augustus betrachtete sein Leben als einen Mimus; er fragte auf dem Sterbebett, ob er ihn gut durchgeführt habe; „wenn das Stück gut war, klatschet Beifall,“ war sein letztes Wort. Aber er denkt dabei nicht an den Königsmimus, sondern allgemeiner an den ~mimus vitae~ (Sueton Aug. 99), von dem in der Popularphilosophie jener Zeit oft die Rede ist.
[393] ~nec cor nec caput habet~, Seneca ~c.~ 8; ~dis iratis natus; tria verba cito dicat et servum me ducat~ ~c.~ 11. Das Urteil, das Seneca fällt, gilt nicht bloß von der Regierungszeit, sondern ebenso vom früheren Leben des Claudius; mit gleichem Hohn hatte Tiberius auf seine Bewerbung ums Konsulat weiter nichts geantwortet als: „anbei 40 Louisd’or für die Saturnalien und Sigillarien“ (Bücheler). Daher endlich ließ Seneca den Claudius in einen Kürbis verwandelt werden; in welchem Sinne, habe ich in der Schrift ~De Senecae apocolocyntosi et apotheosi~ Marburg 1888/1889 ausgeführt.
[394] Diesen Umstand beachtete Mommsen nicht, als er bei Seneca a. a. O. ~c.~ 1, wo überliefert ist: ~obiit ille qui verum proverbium fecerat aut regem aut fatuum nasci oportere~, zu lesen vorschlug: ~qui bis verum proverbium fecerat~. Das Sprichwort gibt ein Entweder oder: „entweder ein König oder ein Narr muß man von Geburt sein.“ Diesen Satz hat Claudius wahr gemacht, da er nur eine der beiden Eventualitäten erfüllte, da er Narr von Geburt, aber nicht auch König von Geburt war. Er war kein Porphyrogennetos oder ~in purpura natus~. Daß er das Sprichwort doppelt (~bis~) wahr gemacht, trifft also nicht zu.
[395] a. a. O. c. 8: ~si mehercules a Saturno petisset hoc beneficium, cuius mensem toto anno celebravit Saturnalicius princeps~.
[396] S. ~Festus~ ~p.~ 322 ~M.~; Plutarch Romulus 25 und Aitia Romana ~c.~ 53.
[397] μετὰ χλευασμῷ sagt Plutarch.
[398] Plutarch: ἑπισκώπτων αὐτοῦ τὴν ἠλιθιότητα καὶ ἀβελτερίαν.
[399] Plutarch an beiden Stellen; dem widerspricht das Zeugnis des Festus nicht.
[400] Auszüge des Cassius Dio 65, 20 f.
[401] Epiktet IV, 8, 30 u. 34. Die betreffenden Worte sind: εὐδὺς ἐπὶ τὸ σκᾶπτρον, ἐπὶ τὰν βασιλείαν, sowie ὁ Κυνικὸς τοῦ σκήπτρου καὶ διαδήματος ἠξιωμένος παρὰ τοῦ Διός.
Witzliteratur und Gesellschaft in Rom.
[402] Dies bezieht sich nicht nur auf des Tiberius Zerwürfnis mit seiner eigenen Mutter (Sueton Tiberius 50 f.); Tiberius ist zugleich allen Müttern in Rom verhaßt, deren Söhne er umbringen ließ.
[403] Nach v. Duhn, Pompeji (1906), S. 102 ff.
[404] Titinius v. 70 Ribb.
[405] Titinius v. 78.
[406] Titinius v. 112.
[407] Titinius v. 140.
[408] Atta v. 7 Ribb.
[409] Afranius v. 33 Ribb.
[410] Vgl. Philologus Bd. 63, S. 459.
[411] Catull C. 54; vgl. Das antike Buchwesen S. 404.
[412] Doppelt erstaunlich ist die Kunst dieses Vergilgedichtes, da das Ganze fast Wort für Wort eine Travestie und die Umdichtung eines Catullgedichtes von ganz anderem Inhalt ist.
[413] Epode 4.
[414] Epode 2.
[415] Das heißt: In den Strom wirft. Der Hebrus ist ein Strom im winterlichen Thrazien, die heutige Maritza.
[416] ~Dominus deus~; vgl. Römische Charakterköpfe ^3 S. 282.
[417] Vgl. zu diesem Gedicht Donats Bemerkung zu Terenz Adelph. 540.
[418] Römische Kulturgeschichte S. 52. Man wolle indes darum nicht glauben, daß die Medizin im Altertum auf einer niedrigen Stufe stand. Im Gegenteil: bis zu welcher bewundernswerten Höhe die wissenschaftliche Medizin sich damals entwickelt hat, ist weltbekannt. Ich habe in meinem Roman „Menedem der Ungläubige“ davon beiläufig ein Bild zu zeichnen versucht.
[419] Einige weitere Übersetzungen habe ich in meine Gedichte, die den Titel „Artiges und Unartiges“ tragen, eingeschaltet.
[420] In ~Curetium~; in ~Hadrianum~.
[421] Man vergleiche hierzu die Erklärung des ~petaurista~ bei Festus ~p.~ 206 ~M.~
[422] Afranius v. 8 Ribb.
[423] ~Anthologia latina~ Nr. 303.
[424] Martial VI 62, vgl. VII, 95, 15.
[425] Martial X, 2, 13.
[426] Martial X 76. Die Sänftenträger werden z. B. VII, 53, 10; IX, 2, 11 und 22, 9 erwähnt.
[427] VII, 55, 7.
[428] XII, 57, 13.
[429] XI, 94.
[430] VII, 30.
[431] XI, 96; vgl. hierzu meine Schrift „Die Germanen“ (München 1917), S. 107.
[432] In der Übersetzung dieses Gedichtes habe ich ausnahmsweise mir erlaubt, die Schlußwendung etwas abzuändern, da sie sonst weniger verständlich wäre.
[433] Vgl. Rhein. Museum Bd. 69, S. 387.
[434] ~ad nationes II~, 12 f.
[435] Ebenda 11, 8 f.
Namen- und Ortsverzeichnis.
Abraham a S. Clara 207.
Actium 65.
Ägypten 37. 66. 97. 104. 111. 135 f. 181. 231.
Aelian 96.
Aemilius Paulus 52.
Aesop 23.
Äschylus 105. 151.
Afranius 207. 226.
Afrika 37. 97.
Agrippa 142.
-- König 194.
Agrippina I: 2.
Agrippina II: 6. 177. 179 f. 184. 259.
Alexis 138.
Alarich 27.
Alexander d. Große 62. 108. 190. 202.
Alexandria 37. 123. 149. 194. 253, [265].
Alkman 103.
Alkmene 256, [296].
Amerika 169.
Amor 136.
Amoretten 134 ff.
Anaxagoras 105.
Antiochia 71. 95.
Apicius 24. 40. 46.
Apollinaris Sidonius 215.
Apollohymnus 101.
Apollonius v. Tyana 68.
Apostelgeschichte 69.
Archilochos 103.
Archytas 143.
Ariost 115.
Aristophanes 85 ff. 159.
Aristophon 245, [143].
Aristoteles 85. 105.
Arria 17 f.
Athanasius 252, [251]
Athen 60. 105. 106.
Athenodorus 142.
Atta 207.
Atticus 75. 126. 132.
Augustus (Octavian) 71. 80. 142. 163. 181. 182. 187. 205. 214. 265, [393].
Ausonius 66. 130. 144. 224.
Babrius 87.
Baden bei Zürich 61.
Bath 61.
Bavius 214.
Bion 173.
Bissula 144.
Boëthos 147. 249, [230].
Britannicus 177.
D. Brutus 5.
Burrus 180.
W. Busch 203.
Byzanz 65.
Cäcilia Metella 8.