Aus dem Leben der Antike

Part 21

Chapter 213,658 wordsPublic domain

Ich sehe hier von der wichtigen Aufklärungsarbeit der griechischen Philosophen ab und halte nur auf Rom, das Zentrum der Welt, das Auge gerichtet. Da hatte dereinst schon der Dichter Ennius im 2. Jahrhundert v. Chr. kaltsinnig an dem alten Götterglauben gerührt und für die Entstehung der Vorstellungen von Jupiter und den anderen Nationalgöttern trivial-euhemeristische Erklärungen vorgetragen, die sich wie ein amüsanter Roman für die Halbbildung lesen. Das übermütig freche Volkstheater, der sog. Mimus, wirkte überdies schon lange ganz im gleichen Sinne. In den Schwänken, die es da gab, wurde Jupiter, der höchste Gott, wie ein alter Onkel hübsch begraben, die Göttin Diana machte ihr Testament, und ähnliche Scherze mehr, wobei immer das Sündhafteste dem Publikum gerade das liebste war. Dann kam Varro, der Philologe, mit schwerstem Geschütz, der in einem dicken Sammelwerk den ganzen bunten Götterglauben des Altertums mit seinen tausend Namen redlich buchte, aber diesen Glauben dabei als nichtig nachwies und nur die Naturkräfte im All noch als göttliche und heilige Mächte gelten ließ. Derselbe Varro schrieb aber auch Satiren, z. B. einen „gefälschten Apoll“, in denen er von den Göttern handelte und die Volksvorstellungen nur deshalb bestehen ließ, um possierlich mit ihnen zu spielen[434]. Gleichzeitig mit Varro wirkte dann auch Cicero, und er machte diese freien Ansichten populär; Ciceros berühmte Schrift „Über die Natur der Götter“ ist das erste große Aufklärungswerk gewesen, das durchschlug. Der Staatskultus mit seinem reichen Tempeldienst bestand freilich ungeschmälert weiter, aber jeder Gebildete dachte dabei hinfort, was er wollte. In Wirklichkeit haben sich damals alle, die nachdachten, auf die stoische Religion zurückgezogen, die von den Philosophen ausging und deren Lehre sich mehr und mehr und immer deutlicher zum geistigen Monotheismus hindurchrang. Die Frage war nur, was aus den herkömmlichen Göttern schließlich werden sollte.

[Randnotiz: Persius. Seneca. Juvenal.]

Wundervoll geläutert sind schon die Vorstellungen, die Persius zu Kaiser Neros Zeit in seinen Satiren vortrug. Es handelt sich um das Gebet; albern und gottlos, sagt Persius, sind die Menschen, die sich Bargeld und sonstige angenehme Dinge wünschen und mit solchen Bitten die hohen Götter behelligen. Gott ist gütig, und er weiß selbst am besten, was uns not tut. Und neben Persius stand nun auch schon Seneca, der endlich die Axt an die Wurzel legte, indem er sich gegen den herrschenden Gottesdienst selbst, gegen den Ritus mit seinen Opfern und Zeremonien wandte. Gott ist ein Geist; er bedarf dieser menschlichen Armseligkeiten nicht. „Über den Aberglauben“, ~de superstitione~, betitelte Seneca sein umstürzendes Buch, von dem wir gewisse Abschnitte unbedingt zur Satirenliteratur rechnen; denn die beißendste Satire war darin seine Waffe. So wie die Satire immer das Extreme aufsucht, so hat hier Seneca gerade die lächerlichsten Auswüchse der sog. Frömmigkeit, die ihm als Aberglaube gilt, geschildert, und wir lesen seine Schilderung mit Staunen. Es handelt sich an der einen Stelle, die uns vorliegt, um das vornehmste Gotteshaus der altrömischen Trinität Jupiter, Juno und Minerva: „Ich kam auf das Kapitol. Man muß sich schämen über die Tollheit, die sich da öffentlich zeigt, und wozu sich eine sinnlose Schwärmerei verpflichtet hält. Einer legt da dem Gott das Hauptbuch (über die Verwaltung des Tempelvermögens) vor, ein anderer meldet dem Jupiter, wieviel Uhr es ist; einer steht als Lictor oder Platzmacher herum; wieder einer ist des Gottes Einsalber und tut mit einer zwecklosen Armbewegung so, als salbte er ihn wirklich ein. Auch an Personen, die der Juno und Minerva das Haar machen, fehlt es nicht; aber sie stehen von den Götterbildern, ja sogar vom Tempel selbst weit ab und bewegen nur so die Finger, als frisierten sie sie. Andere halten den Spiegel dazu. Dann kommen welche, die (in eigener Prozeßsache) die drei Götter zu einer Bürgschaftsleistung einladen, ihnen ihre Anklageschrift bringen und ihren Fall vortragen. Auch einen Schauspieldirektor von guter Schule, aber schon alt und verlebt, sah ich da, der täglich auf dem Kapitol sein Rollenfach mimte, als könnten die Götter an ihm, den kein Mensch sich mehr ansehen mochte, noch Vergnügen haben. Und so sind da alle Sorten von Künstlern oder Kunststückmachern vertreten, die ihre Zeit damit vergeuden, die unsterblichen Götter zu ehren. Alle diese Leute tun nun gewiß, was überflüssig ist, allein sie entehren sich doch nicht selber; aber auch Weiber, die meinen, sie könnten mit Jupiter in Liebesverkehr treten, hocken auf dem Kapitol, und nicht einmal der Anblick Junos schreckt sie ab, die ja doch, wenn die Dichter recht haben, sehr leicht in Zorn gerät.“

Jetzt wissen wir, wie es da zuging. Diese Schilderung Senecas gibt uns endlich das, was Martial verschweigt: eine köstliche Ergänzung zur Kenntnis des römischen Stadtvolks, besonders in seinen unteren Schichten. Leider ist uns aus Senecas Schrift sonst fast nichts erhalten; der Kirchenvater Augustin hat nur eben dies daraus ausgezogen, weil es seiner christlichen Tendenz besonders zu Hilfe kam. Wir würden gerne auch das Weitere und Gewichtigere lesen.

[Randnotiz: Juvenal gegen den Fanatismus. Satire der Kirchenväter.]

Auf Seneca aber endlich folgt +Juvenal+, der letzte und wuchtigste der Satiriker. In machtvoller Breite rollen seine Predigten daher. Die Gesellschaft sittlich zu heben, die Herzen zu reinigen, das war auch Juvenals Zweck; was aber Seneca schon geschrieben hatte, brauchte er nicht zu wiederholen. So wandte er denn seinen Zorn gegen ein anderes drohendes Gespenst, den religiösen Fanatismus, der im Orient seit langem sich regte. Nach Ägypten kehrte er seine Augen; da war unlängst Ungeheuerliches geschehen, und er beschloß dies erschreckende Beispiel in grausiger Schilderung aller Zukunft zur Warnung hinzustellen. Es ist Juvenals 15. Gedicht.

Zwei ägyptische Nachbarstädte, Omboi und Tentyra, waren es. Beide haben andere Götter, und sie hassen sich deshalb bis zur Raserei. Bei den Ombiten ist gerade Festtag, und sie begehen ihn mit rauschendem und berauschendem Gottesdienst. Da werden sie von den Leuten aus Tentyra überfallen, eine Rauferei beginnt; sie zerschlagen sich erst nur die Gesichter. Dann wird schon mit Steinen geworfen; dann greift man zum Messer, bis die Angreifer fliehen; einer der Fliehenden aber wird ergriffen und von der siegreichen Menge zerrissen und in unerhörtem Kannibalismus verspeist. Alle sättigen sich an der Mahlzeit. Der letzte, der nichts abbekam, leckt gierig noch das Blut von den Fingern des Opfers. Gott, der Weltenschöpfer, sagt Juvenal, erhob den Menschen über das Tier, indem er uns die Menschenliebe und den Trieb gab, daß einer dem anderen helfe. Wo aber ist die Bestie, die ihresgleichen frißt? Die religiöse Wut, der Haß gegen die Götter des Nachbarn bringt das fertig.

Ob hier Juvenal übertrieben hat? Jedenfalls ist klar, welchen Standpunkt er im Hader der Religionen einnahm, und um so wohltuender berührt es uns, daß er in all seinen Dichtungen kein hämisches, wegwerfendes Wort gegen das Christentum findet. Um das Jahr 130 konnten dem Juvenal die stark angewachsenen Christengemeinden nicht unbemerkt bleiben; denn das Evangelium scholl schon vernehmlich über die Gasse in den Griechenquartieren Roms. Juvenal, dieser energische Ethiker und Volkserzieher, lebte ganz in der stoischen Sittenlehre, die der christlichen tatsächlich so nahe stand. Vielleicht dürfen wir annehmen, daß er eben darum zu satirischen Angriffen gegen die neue Völkerlehre keinen Trieb und keinen Anlaß fand.

Anders das Christentum selbst. Kaum war Juvenal verstummt, so erhob das Christentum selbst seine Stimme zur Polemik, und die große Satire der christlichen +Kirchenväter+ im Kampf mit den heidnischen Göttern hob an. Denn auch dies war Satire. Den Ton bittersten Spottes und grenzenloser Entrüstung entlehnten die Kirchenautoren dabei von Juvenal, aber von vornherein sind sie viel siegesgewisser als er. Denn ihre Aufgabe war leicht; sie konnten ja ihre Argumente von den aufgeklärten Heiden selbst entnehmen, und sie nahmen sie wirklich getreu aus Varro, Cicero und Seneca. Aber auch im römischen Volkstheater waren die Götter ja, wie wir sahen, längst entheiligt und zu lustigen Figuren gemacht. Auch dies bot den Christen die willkommenste Hilfe. „Erröten müßt ihr über eure Götter,“ so hebt einmal Tertullian an[435]. „Ich weiß nicht, soll ich lachen über eure Torheit oder auf eure Blindheit schelten.“ Da haben wir also das Lachen; es ist das Lachen des Satirikers. Und dann geht es weiter: Der alte Gott Saturn soll Sohn des Himmels sein; Himmel heißt ~caelum~ auf Latein; ~caelum~ aber ist ein Neutrum. Wie kann ein Neutrum Kinder erzeugen? Saturn soll ferner schon eine Sichel besessen haben; eine Sichel setzt das Schmieden voraus, aber der Schmiedegott Vulkan, der das Schmieden erfand, war doch erst Saturns Enkel! Wie konnte also Saturn schon eine Sichel haben? Weiter hat man den Herkules zum Gott gemacht, weil er so viele wilde Tiere erschlug; warum aber nicht lieber den Pompejus, der all die Piraten beseitigte? Denn die unzähligen Piraten waren viel schlimmer als die paar wilden Tiere. Besonders lachhaft sind die unzähligen kleinen Stadtgötter im Land; denn jedes kleine Nest hat einen anderen; „ich lache über diese göttlichen Magistrate, deren Ansehen nicht weiter als bis zu ihrer Stadtmauer reicht. Und was soll man weiter zu Romulus sagen, der Rom gründete und dabei seinen Bruder totschlug? Wenn alle Stadtgründer gleich Götter werden sollen, dann kann es freilich viele geben!“[436]

Und so rollt die Polemik weiter. Nicht anders wie Tertullian redeten hernach auch noch die Späteren, Arnobius, Lactanz, Augustin; und wer sollte ihnen da widersprechen? Gepriesen sei die Zeit, wo das Christentum nur mit solchen Waffen, mit den Waffen der klugen Rede, focht und siegte! Es sollte die Zeit kommen, wo es zu anderen griff. Juvenal hatte umsonst gewarnt. Die Zeit kam, wo der Fanatismus aufs neue zum Schwert griff und das Blut floß. Es war der Fanatismus des Christentums und seiner erstarkten Kirche.

Wozu daran erinnern? Die Religionskriege liegen ja gottlob weit hinter uns. Der schöne Gedanke des Altertums, daß der Polytheismus nur eine Vielnamigkeit Gottes, daß die vielen Götter der Erdenvölker also nur viele Versuche sind, den Einen zu nennen, und die religiöse Duldung, die in diesem freundlichen Gedanken wurzelt, hat allmählich auch unsere Gegenwart erobert, und wir hoffen, daß sie einmal voll und ganz siegen wird. Schlimmer steht es heut mit dem Rassenhaß, dem Völkerhaß, der Entzweiung der Völker Europas. In dem Weltkrieg, der in den letzten Schreckensjahren unseren Weltteil zerfleischte, schlugen nicht nur die Waffen, die Vulkan geschmiedet, aufeinander; auch das Wort kämpfte wieder, aber völlig entartet, und die gemeinste Schmähsucht war losgelassen. Mit den niedrigsten, verlogensten Beschimpfungen fielen die Völker, die unsere Vernichtung beschlossen hatten, über uns Deutsche her, weil unser Volk den unerhörten Mut hatte, sich innerhalb seiner Grenzen selbständig und kraftvoll auszuleben. Aller Witz der Rede, aller Feinsinn, alle Grazie erstickte dabei in geschmacklosester Karikatur und häßlich kreischender Verleumdung. Das verrät einen sittlich kulturellen Tiefstand der Gegenwart, der Europa weit, weit hinter das Zeitalter des Horaz und Juvenal zurückwirft und uns mit völlig hoffnungsloser Trauer erfüllt. Denn die Völker, von denen ich sprach, lebten ja schon damals; sie alle sind die gemeinsamen Erben der Zivilisation von Rom und Hellas. Damals zwang die Römerherrschaft die hochbegabten Nationen, die sie umfaßte, zur Eintracht, zum Fleiß und dauernd glücklichem Dasein. Wird jetzt der geplante „Völkerbund“ wirklich alle Nationen friedlich umfassen? oder müssen wir wünschen, daß wieder wie einst ein Zwingherr ersteht, der die Welt in seine starke Hand und sichere Verwaltung nimmt? Beklagenswert die Welt, die zu ihrem Glück, zur Wahrung ihrer Würde, gezwungen sein will. Denn Glück ist nur in der Freiheit, und der wahre Beruf der Völker ist, in freier Einigung die reine Menschheit in sich darzustellen.

Anmerkungen.

Die Römerin.

[1] Vielleicht ist das Wort ~roma~, ~ruma~ ursprünglich etruskisch und hernach latinisiert worden; man hat es neuerdings als „Brust“ gedeutet; alsdann war ~Roma~ aber vielleicht ursprünglich die Benennung für einen Mann gewesen, also wirklich als Maskulinum gedacht und nur der Form nach weiblich, sowie auch die Feminina ~Ahala~, ~Sura~, ~Pansa~, ~Bucca~ Körperteile bezeichnen und zugleich römische Männernamen sind, und ~Romulus~ war, dies vorausgesetzt, von dem männlichen ~Roma~ nur die Verkleinerung. Vgl. G. Herbig in der Berliner philol. Wochenschrift 1916, S. 1477.

[2] D. h. der ~genius urbis~ war eben der ~genius populi~, und ~populus~ ist maskulin. Die Aufschrift, die sich auf dem Kapitol befand: ~genio urbis Romae sive mas sive femina~ (Servius zu Aen. 2, 351) kann nicht alt gewesen sein, da die ursprünglichere Bezeichnung ~genius populi Romani~ gewesen sein muß. Denn ~genius~ bedeutete eigentlich den männlichen Zeugungstrieb (vgl. meinen Artikel „Genius“ in Roschers Mythologischem Lexikon). Jene Inschrift verrät das Befremden, das Spätere dem ~genius~ eines weiblichen Wesens gegenüber empfanden.

[3] Marquardt-Mau, Privatleben, S. 728, 8.

[4] Über die „Hut der Mutter“, ~matris tutela~, ~matris custodia~, vgl. Rheinisches Museum 70, S. 269. So sehen wir den jungen Properz unter der ~custodia matris~ stehen, aber auch den jungen Dichter Persius. Horaz hat dagegen seine Mutter früh verloren; denn er erwähnt nur den Einfluß des Vaters auf seine Kindheit. Vielleicht mag sich aus diesem Umstand des Horaz eigentümliche Stellung zu den Frauen erklären; denn er huldigt, anders als Properz, keiner Frau der vornehmen Gesellschaft, er hat ihren Umgang augenscheinlich nicht gesucht. Nur an Männer sind seine Briefe gerichtet. Die edle Frauenverehrung aber pflegt mit der Verehrung der Mutter anzuheben.

[5] Die ~virtus~ gehört den ~viri~, die ~pudicitia~ den ~matronae~: Livius 10, 23.

[6] Properz 2, 6, 25 und Plinius ~nat. hist.~ 17, 244.

[7] Domitius warf dem Crassus vor: „Hast du nicht geweint, als dir die Muräne starb, die du im Fischbehälter aufzogst?“ Crassus antwortete: „Hast du nicht etwa +nicht+ geweint, als du dich von deiner Frau trenntest?“

[8] Das griechische Ideal der Ehe gibt uns Plutarch, ~Praecepta coniug.~ 9: Der Mond strahlt nur dann, wenn er der Sonne nicht zu nahe steht. Umgekehrt die Frau: sie strahlt am schönsten, wenn sie zusammen mit ihrem Manne erscheint; ist er nicht da, so gleicht sie dem Neumond! Diese Lehre gipfelt in dem Satz: die Frau soll der +Spiegel+ ihres Mannes sein.

[9] Erst im 2. Jahrhundert n. Chr. tauchen Römerinnen, die in eine Hündin verliebt sind, auf, bei Juvenal VI, 654 und Lucian ~de merc. conductis~ 34 (letztere Stelle wurde mir von ~Dr.~ Hasenclever, Würzburg, nachgewiesen), früher findet sich nichts dergleichen. Es war dies also eine Mode der Spätzeit. Wohl treffen wir dagegen Männer, auch junge Männer an als zärtliche Liebhaber ihrer Hunde; ich erinnere an das Hündchen Issa bei Martial (s. S. 223). Das reizende Grabgedicht auf die Hündin Myia (~Carmina epigraphica~ 1512) stammt freilich von einer Frau, aber aus Gallien, nicht aus Rom. Aus Rom stammt die marmorne Grabschrift auf die Jagdhündin Margerita (ebenda 1175), von der dort ausgesagt wird, daß sie oft im Schoß ihres Herrn oder ihrer Herrin von der Jagd ausruhte. Hier ist die Herrin also einmal mit erwähnt. Die Katze fehlte in den Häusern; sie wurde vom mäusefangenden Wiesel (~mustela~) vertreten; aber auch zum Wiesel sehen wir die Römerinnen nie in einem näheren Verhältnis.

[10] Seneca ~de benef.~ 1, 9. Die Frau, die außer ihrem Ehemann nur einen Liebhaber hat, steht noch gut da; man sagt von ihr, daß sie in Doppelehe lebt, und dies eine ~adulterium~ wird als ein zweites ~matrimonium~ gerechnet; s. Martial VI, 10 und „Römische Charakterköpfe“ 3. Aufl., S. 235.

[11] Gellius 1, 23.

[12] ~mulierum conventus, senatus matronalis, Script. hist. Augustae Heliogab.~ 4, 3.

[13] Cicero nennt die Clodia geradezu ~meretrix~.

[14] Helvius Cinna hatte schon unter des großen Julius Caesar Begünstigung geradezu die Einführung der Polygamie vorgeschlagen (Sueton, Caes. 52); die Kaiserin Messalina führte dies durch; weiter nichts.

[15] ~Ovid ars~ 3, 189.

[16] Horaz ~sat.~ 1, 10, 91.

[17] s. Rheinisches Museum 70, S. 270.

[18] Vgl. W. Schrötter, Ovid und die Troubadours.

[19] Seneca ~epist.~ 95, 21.

[20] Zur Frauensatire Juvenals vgl. Rhein. Museum 70, S. 527 ff.

[21] ~Domum servavit, lanam fecit~ (~Carmina epigraph.~ 52) ist typisch. Charakteristische Monumente sind die Grabschrift auf Turia (Dessau n. 8393) und das neuerdings gefundene der Potestas (Kroll im Philologus 73, S. 274 f.); sie geben eine ausführliche Schilderung. Ich nehme hier die Gelegenheit wahr, eine schwierige Stelle in dem Lobgedicht auf Potestas (das um das Jahr 300 n. Chr. entstanden ist) zu erklären. Die Körperschönheit, Brust und Beinwerk der Frau, werden da sehr drastisch gelobt; dann heißt es im v. 22, daß die Frau eine glatte Haut hatte, ja, daß sie sich alle Haare zu entfernen pflegte:

~anxia non mansit, sed corpore pulchra benigno levia membra tulit; pilus illi quaesitus ubique.~

Hier hat das ~anxia~ die sonderbarsten und künstlichsten Erklärungen hervorgerufen; der Zusammenhang der Sätze zeigt aber unzweifelhaft, daß dies Wort „behaart“ bedeuten muß. Es kann nichts anderes sein als ein Vulgarismus des Spätlateins und ein barbarisch entstelltes griechisches Lehnwort; nämlich ἄξοος, das von ξέω gebildet worden ist (nach der Analogie von ἄπνοος, εὔρροος) im Sinne von ἄξεστος, „der ungeschorene“ (vgl. Callimachus Frgm. 105), und hier ebenso auf die Rauheit der Haare Bezug hat, wie das ξεστός bei Oppian von den Haaren des Elephanten steht. Sie ist ~non anxia~, heißt also soviel wie: sie ist ~toto corpore expolita~, wie wir in der Vita des Heliogabal 5,5 lesen. Der Vulgarismus aber zeigt sich in dem Wort ~anxia~ statt ~axoa~ dreifältig, im Eintreten des ~i~, im Eindringen des Nasals, in der Bildung einer Femininform vom komponierten griechischen Adjektiv. Das ἄξοος wurde offenbar mit dem geläufigen Adjektiv ἄξιος zusammengeworfen. Dann ist das Wort weiter an das echt lateinische Wort ~anxius~ völlig angeglichen, und eben der Anklang an dies geläufige lateinische Wort hat die Nasalierung begünstigt. Das Eindringen des unechten Nasals aber ist dasselbe wie in ~thensaurus~, ~coniunx~, und die Gegenbildungen dazu sind Schreibungen wie ~Quictilis~, ~provicia~ u. a., die man auf Inschriften findet. Insbesondere ist ~bronchus~ als Nebenform von ~brocchus~, ~brochus~ zu vergleichen; auch καχάζω, καγχάζω, ~Pimplêus~ und ~Piplêus~ (Catull 105, 1). Nicht glücklich ist die Stelle von Mesk in der Berliner Phil. Wochenschrift 1915, S. 62 behandelt worden.

[22] Auch an der Priscilla weiß Statius (Silven V 1, 57) im Grunde nur dies zu rühmen und daß sie Tag und Nacht für das Wohl des Gatten zu den Göttern gebetet hat (v. 72).

[23] Arrias Wort an den Gatten: „o Pätus, der Tod schmerzt nicht.“

Antike Gastmähler.

[24] Schiller sagte doch bekanntlich nur: „Satt zu essen muß der Mensch haben, wenn sich die bessere Natur in ihm regen soll.“ Vgl. Säkularausgabe Bd. XIII, S. XXXII.

[25] Über Tafelfreuden, Kochbücher u. a. des 16.-18. Jahrhunderts findet man einen hübschen Aufsatz in Reclams Universum, Jahrgang 34, Heft 12 (1917).

[26] S. Das antike Buchwesen, S. 434.

[27] Etwa: „Singe mir, Muse, Diners mit vielerlei Gängen und viele!“ Aber der Anklang an den homerischen Vers ist damit nur teilweise wiedergegeben.

[28] Ich sehe von solchen Tabernen ab, die üblen Zwecken dienten.

[29] Außer in gewissen leichtlebigen Geselligkeiten, von denen hier nicht die Rede ist.

[30] Vom Kaiser Elagabal hören wir, daß er für jeden Gang ein neues Tischtuch (~mantele~) auflegen ließ, und zwar waren auf dem Tuch die Speisen abgebildet (~picta~), die es gab (~Script. historiae Augustae c.~ 27).

[31] In dem Gedicht Anthol. Pal. 10, 43 heißt es: „Sechs Stunden am Tag sind für die Arbeit, die siebente bis zur zehnten sind für das Sichausleben“; in feiner Witzform wird das vorgetragen. Die griechischen Buchstaben für die Zahlen 7, 8, 9, 10 sind nämlich ΖΗΘΙ, und ζῆθι bedeutet: „genieße das Leben.“

[32] Wir erfahren, daß diese Vorhänge wirklich Gegenstände der Betrachtung waren; s. Valerius Maximus 9, 1, 5.

[33] Martial 12, 87 und sonst.

[34] Die Gäste küssen den Tisch, um Gespenster oder ein böses Omen abzuwehren; Petron, ~c.~ 64.

[35] Deshalb war ein Fisch teurer als ein Rind; Plutarch, Sympos. 663 ~B~.

[36] Unser Wort „Suppe“, italienisch ~zuppa~, heißt eigentlich das Eintauchen von Brot in eine Flüssigkeit; vgl. R. Kleinpaul in der Kölnischen Zeitung 1911, Nr. 453, drittes Blatt: „Das Alter der Suppe.“

[37] Friedländer erklärt die Stelle des Petron, ~c.~ 65: ~gallinae altiles circumlatae sunt et ova anserina pilleata quae ut comessemus, ambitiosissime (a) nobis Trimalchio petiit dicens exossatas esse gallinas~ nicht richtig; ~quae~ weist nicht nur auf ~ova~, sondern zugleich auf ~gallinae~ zurück: „Trimalchio drängte uns, daß wir von beiden essen sollten, indem er anmerkte, die Masthühner seien übrigens ohne Knochen.“

[38] Vgl. Martial 13, 92.

[39] Plinius, ~Nat. hist.~ 28, 260; Martial 5, 29; Lampridius Alex. ~c.~ 38.

[40] Es lag allerdings für die Volksetymologie nahe, ~lepus~ und ~lepos~ in ähnliche Beziehung zu setzen wie ~decus~ und ~decor~, ~(h)onus~ und ~honos~.

[41] Vgl. Martial 3, 82, 8.

[42] Seneca ~ad Helviam~ 10.

[43] Vgl. Martial 5, 79.

[44] Vgl. Martial 9, 35.

[45] Vgl. Martial 5, 78, 26.

[46] Vgl. Martial 3, 50.

[47] Diese Umrechnungen sind nicht genau zu nehmen, da der Wert des Geldes starken Schwankungen unterworfen war. Bei Derus werden 6 Millionen, bei Nero 4 Millionen Sesterz angegeben.

[48] Varro, ~De re rust.~ 3, 7.

[49] Man vergleiche dazu Sergius Orata; ~orata~ ist der Goldfisch.

[50] Hierfür wie für manches andere sei auf Victor Hehn, Kulturpflanzen und Haustiere (6. Auflage, S. 433 ff.) verwiesen.

[51] Dies führt Martial 7, 27 aus.

[52] Plutarch, ~De esu carnium~, ~p.~ 997 ~A~.

[53] Friedländer, Petron S. 282. Auf einem Relief von St. Germain sieht man eine Tischrunde, ein Sigma dargestellt; in der Mitte steht ein ganzer Eberkopf serviert: s. Robert, Sarkophagreliefs Bd. III, Tfl. 88, N. 272.

[54] Wohl aber war das Trinkgeschirr oft aus Glas und die Glasfabrikation hoch entwickelt.

[55] Ein Feldherr, der im Jahr 58 n. Chr. in Germanien Krieg führte, hatte 12000 Pfund Silbergeschirr in seinem Hauptquartier (Plinius ~nat. hist.~ 33, 143).

[56] ~Digitis ustis~, Martial 5, 78, 6.

[57] In der Casa del Centauro zu Pompeji wurden dreizehn silberne Löffel ausgegraben, sechs kleinere und sieben größere. Eine Abbildung der kleineren findet man bei Overbeck-Mau, Pompeji, 4. Auflage, S. 444.

[58] Petron ~c.~ 66.

[59] Martial 7, 22, 17.

[60] Vgl. W. Helbig, Führer durch die Sammlungen der klassischen Altertümer in Rom, Nr. 715.

[61] Die Gelage enden der Regel nach nie spät; nur der Berufssäufer trinkt bis zum Morgen; es schien schon ungeheuerlich, daß Nero ~epulas~ bis ~noctem protrahebat~ (~Suet. Nero~ 27).

[62] Hierüber meine Kulturgeschichte, 3. Aufl., S. 49 f.

Auf der römischen Heerstraße.

[63] Für die nachfolgende Studie kam mir das Buch von Wolfgang Riepl zur Hilfe: „Das Nachrichtenwesen des Altertums mit besonderer Rücksicht auf die Römer“ (Leipzig 1913); es ist von mir besprochen in der Historischen Zeitschrift, Bd. 113, S. 571 ff.

[64] Vgl. Herodot V, 105.

[65] Philostrat II, S. 378, 12 ~ed.~ Kayser.

[66] Über Iris vgl. Neue Jahrbücher XIX (1907), S. 707 f.