Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges: Ein Beitrag zur Kenntnis des Volksglaubens und Volkslebens im Königreich Sachsen

Part 5

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290. In der Christnacht oder Sylvester, auch zu Andreas, am erfolgreichsten Mitternachts, klopfen die Mädchen dreimal an den „Hühnerhort“ (Hühnerstall) mit den Worten: „Gackert der Hahn, so krieg ich en Mann, gackert die Henn’, so krieg’ ich noch kenn’.“ Meldet sich nun zuerst der Hahn, so macht die Betreffende in dem Jahre Hochzeit, wenn aber eine Henne, so bleibt sie noch ledig (allg.), vgl. 499. -- 291. Am Christabend oder am Sylvester werden Nüsse aufgemacht; der, welcher dabei zuerst eine taube oder schwarze trifft, stirbt in dem kommenden Jahre (Marienberg), vgl. 29 u. 530. -- 292. Oder man klebt Wachsstocklichtchen in Nußschalen und setzt diese kleinen Schiffchen, nachdem man sie je mit Namen von Anwesenden benannt, auf ein Becken mit Wasser. Die Nußschalenpaare, die sich zuerst berühren, heiraten zuerst. Oder man sucht sonst aus dem Schicksal eines Schiffchens die Zukunft dessen, nach dem es benannt ist, zu erforschen (Annaberg, Marienberg). Vgl. 38 u. 499. -- 293. Oder man nimmt drei Stückchen Kork, bezeichnet das eine als Mann, das andere als Frau, das dritte stellt den Pastor vor. Stoßen nun die ersten beiden zusammen, so heiratet sich das Paar bald (Raschau). -- 294. Am Sylvester- oder am Andreasabend, wo möglich Mitternacht, rafft man auf dem Holzboden so viel Holzscheite, als man fassen kann, zusammen. Unten angekommen, zählt man dieselben. Paaren sich dabei die Stücke, d. h. ist es eine gerade Zahl Scheite, so heiratet man noch in dem Jahre (Marienberg, Raschau). -- † 295. Am Andreasabend zieht man, während des Siebenuhrlautens, aus einem Holzhaufen (am liebsten nicht aus einem eigenen, sondern aus einem fremden) ein Scheit; je nachdem dieses gerade oder krumm ist, deutet es die Gestalt des künftigen Gatten an (Annaberg), vgl. 326. -- 296. Am Christabend oder am Sylvester, besonders Mitternacht, setzt man mittelst eines Fingerhutes oder eines Näpfchens Häufchen von Salz, hie und da auch von Sand (Annaberg), und giebt jedem den Namen einer Person. Wessen Häufchen am folgenden Morgen eingefallen ist, stirbt in dem Jahre (Raschau), vgl. 530. Andere fügen noch hinzu, Tropfen an einem Häufchen bedeuten Thränen (Zschopau). Vgl. 38. -- * 297. Am Sylvester sticht man tief in ein noch frisches Brod mit dem Messer. Ist das Messer, wenn man es nach einer Weile herauszieht, feucht, so wird ein nasses Jahr, ist es trocken, ein fruchtbares (Annaberg). -- * 298. Oder man nimmt das „Wassermessen“ vor, indem man ein Gefäß bis zu einer bezeichneten Stelle mit Wasser füllt; steigt das Wasser während der Nacht über diesen Strich, so hofft man ein gesegnetes Jahr (Stollberg). -- * 299. Aehnlich ist das „Getreidemessen“. Man füllt am Christabend ein kleines Gefäß, z. B. ein halbes Maaß, eine Untertasse, einen Fingerhut etc. mit Getreide oder Salz und schütte je ein Häufchen auf jede Tischecke. Am folgenden Morgen mißt man wieder und je nachdem es reichlich oder knapp ist, wird das Getreide in den vier Vierteljahren ab- oder aufschlagen (Ehrenfriedersdorf) oder man bezieht es auch im Allgemeinen auf die Getreidepreise des folgenden Jahres überhaupt (Annaberg, Marienberg). -- * 300. Oder man setzt auf die vier Tischecken je ein Salzhäufchen; welches am Morgen eingefallen ist, deutet in dem entsprechenden Vierteljahre auf schlechte Zeit (Zwönitz). -- † 301. Oder man nimmt zwölf Zwiebelschalen, thut in jede etwas Salz: je nachdem das Salz am Morgen trocken oder feucht ist, wird der entsprechende Monat sein (Grünhain). Vgl. 165.

§ 31 (77 ff.) Enthüllungen der Zukunft mit speciellerem Inhalt.

302. Das +Kartenlegen+, jedenfalls aus dem Loosen mit Runenstäben entstanden, ist noch vielfach gebräuchlich, während das Wahrsagen aus dem +Kaffeesatz+ nur vereinzelt oder gar nicht mehr vorzukommen scheint.

303. Das +Blei-+ oder +Zinngießen+ wird an den drei Weihnachtsheiligenabenden, sowie am Andreasabend, noch häufig geübt. Vgl. 38 u. 169. Man gießt das Metall am erfolgreichsten durch einen Erbschlüssel (vgl. 32 u. 38) in eine mit Wasser gefüllte Schüssel, indem man spricht: „Ich gieß’ mei Zinn und mei Blei, was wird mei Handwerk sei.“ Aus den entstehenden Figuren deutet man die Zukunft oder speciell den Stand des zu hoffenden Gatten. Viele spitzige, kleine Theile zeigen Krieg an und dergl. Vgl. 499. -- 304. Man nimmt ein am Christabend gelegtes Ei und schlägt es Nachts 12 Uhr in ein Glas Wasser, das man unter das Bett stellt. Aus den bis zum Morgen entstandenen Figuren sucht man zu wahrsagen (Annaberg, aber nur vereinzelt). -- * 305 ~a.~ Man läßt den +Erbring+ schlagen. Ein Ring, den man ererbt hat, wird an das Haar desjenigen, der den Versuch machen will, gebunden. Man hält dann den Ring am Haare ruhig in ein Glas und so oft der Ring an die Innenfläche des Glases anschlägt, so viele Jahre dauert es noch, bis man heiratet (Voigtsdorf). -- † 305 ~b.~ Am Andreas- oder am Christabend (während des Siebenuhrlautens) werfen die Mädchen ein Stück Holz (Raschau) oder einen Strohwisch (Geier) auf einen Baum, bis er liegen bleibt; so oft sie werfen müssen, so viele Jahre bleiben sie noch ledig, vgl. 499. -- * 306. Am Sylvester, Mitternacht, raffen Unverheiratete mit der Hand klein gespaltene Stücke Holz auf, deren Zahl die zu hoffende Kinderzahl angiebt (Zschopau), vgl. 475.

† 307. Am Sylvester verdeckt man ein Häufchen Salz, ein Stück Brod und ein Leinwandläppchen mit einem Tuche und läßt wählen. Das Salz bedeutet Glück, das Brod gutes Auskommen, die Leinwand Krankheit (Annaberg). -- * 308. Am Andreasabend legen die Mägde ein Stück Brod, ein Messer, ein Glas, einen Nagel, einen Riemen u. s. w. auf den Tisch. Hierauf werden einer Magd die Augen verbunden und die verschiedenen Gegenstände verschoben. Ergreift dann die Magd das Stück Brod, so heiratet sie im nächsten Jahre einen Bäcker, bei dem Messer einen Schmied und so fort (Schneeberg), vgl. 499. -- * 309. Am Christabend setzt man neunerlei auf den Tisch: helles Wasser, trübes Wasser, eine Trauerschleife, Brod, Geld, einen Ring, ein hölzernes Kind (eine Puppe), einen Blumenstrauß und einen Gevatterbrief. Dann muß man dreimal mit verbundenen Augen um den Tisch gehen und nach einem dieser Gegenstände greifen. Was man ergreift, deutet an, was im nächsten Jahre geschieht (Zwickau), vgl. 530. -- * 310. Oder man nimmt neun Tassen und thut in acht je folgende Sinnbilder: klares Wasser (Freude), trübes Wasser (Verdruß oder Krankheit), ein Kränzchen (Gevatterschaft), ein größeres Spähnchen (Mann oder Frau), ein kleineres Spähnchen (Kind), ein Geldstück (Reichthum), Brod (kein Mangel), schwarzes Band (Trauer). Eine Tasse bleibt leer und bedeutet, daß nichts Hauptsächliches vorfällt. Hierauf werden Einem die Augen verbunden und je nach dem er wählt, wird im nächsten Jahre sein Schicksal sein (Zwönitz).

311. Am Weihnachtsheiligenabend werfen die Mädchen eine schmal geschälte Aepfelschale rückwärts über den Kopf und ersehen dann aus der Figur den Anfangsbuchstaben des künftigen Geliebten (Marienberg). Vgl. 38. -- 312. Am Sylvester-, Andreas- oder Martiniabend schreiben die Mädchen die Buchstaben auf einzelne Blättchen und legen sie unter das Kopfkissen. Dasjenige, welches sie beim Erwachen in der Nacht oder am Morgen hervorziehen, bezeichnet den Anfangsbuchstaben des künftigen Bräutigams (Marienberg, Sehma). -- * 313. Wenn man in einen Brunnen guckt, erblickt man den künftigen Gatten (Schneeberg).

* 314. Um zu sehen, welche Art des Getreides im neuen Jahre am besten gerathen werde, nimmt man am Sylvesterabend eine Schüssel mit Wasser, legt vier Stäbchen, zwei der Länge und zwei der Quere, über das Wasser und schüttet nun in die dadurch entstandenen neun Fächer verschiedene Getreidearten. Diejenige derselben, welche bis zum Morgen am meisten gequollen ist, wird am besten gedeihen (Lengefeld).

315. Eine verbreitete Art der Wahrsagerei ist das +Aufschlagen+ von Büchern. Man schlägt am Sylvester das Gesangbuch (oder auch die Bibel) nach Zufall auf und sucht aus dem ersten Liede der aufgeschlagenen Seite die Zukunft zu deuten. -- 316. Hierher gehören auch das Erforschen der Zukunft durch +Punktiren+ mit Hilfe der sogenannten „Punktirbüchlein“, sowie die am Andreasabend gebräuchlichen Arten des Wahrsagens, vgl. 159-170.

2. Die Zauberwahrsagekunst.

§ 32 (86 ff.). Hierbei sucht man durch gewisse den Schein des Geheimnißvollen und Magischen an sich tragende Mittel und Wege die Zukunft zu enthüllen. -- Die folgenden Anführungen machen auf Vollständigkeit um so weniger Anspruch, als gerade derartige Dinge von den sogenannten Wissenden möglichst verborgen gehalten werden.

317. Die +Zauberspiegel+, die hie und da bei Jahrmärkten aufgestellt sind, finden immer noch Gläubige. Vgl. 499.

† 318. Am Weihnachtsabend oder am Sylvester sieht man in die Esse; erblickt man dort einen Sarg, so stirbt im folgenden Jahre Jemand aus der Familie (allg.), vgl. 530.

An das Gebiet der Zauberei streift die Wahrsagerei, zu deren Ausführung man sich auf das geheimnißvolle Gebiet der +Kreuzwege+ begiebt, deren Bedeutung wohl aus dem unheimlichen Gefühl der Rathlosigkeit stammt, welches den der Gegend unkundigen Wanderer, besonders in der Nacht, an einem Kreuzwege befällt (+Wuttke+ § 102). Dort halten Abends die Hexen ihre Sitzungen (Annaberg), man tritt also damit unter den Einfluß dieser Dienerinnen des Teufels, ähnlich wie bei dem Horchen an einem Astloch, vgl. 163.

319. Am Sylvester, Nachts 12 Uhr, stelle man sich auf einen Kreuzweg, um aus irgend einem Zeichen, z. B. einem vorüberfliegenden Vogel, die Zukunft zu errathen (Dittersdorf); sieht man aus einem Hause Lichter herausfahren, so wird dort im Laufe des Jahres Jemand sterben (Lauter), oder nach der Gegend zu, wo Leuchtkugeln (?) fallen, wird Feuer ausbrechen (Zwönitz). -- * 320. Oder man beschreibt auf dem Kreuzweg einen Kreis, murmelt Zauberformeln und ruft einen Verstorbenen beim Namen. Der Geist erscheint und sagt auf Verlangen Alles, was in dem neuen Jahre vorfällt. Steht der Geist nicht, so stirbt der Beschwörer (Grünstädtel, Schwarzbach). -- * 321. Minder gefährlich, aber auch weniger zuverlässig ist, wenn man sich blos horchend aufstellt, ohne einen besonderen Geist zu citiren. Zuweilen hört man dann auch (wahrscheinlich, wenn einer der Geister gerade Zeit oder Lust hat), was im neuen Jahre geschieht. In Ermangelung eines Kreuzweges thut ein Kreuzbalken, an dem man horcht, dieselben Dienste (Zwickau).

* 322. Hierher gehört auch das geheimnißvolle „Kornhorchengehen.“ Man lege sich am Sylvester Mitternachts an einen Feldrand, namentlich wo Winterkorn gesäet ist, dann hört man, was in dem neuen Jahre sich zutragen wird (Raschau). Vgl. auch 160 ff.

Zu den Zauberwahrsagereien gehören auch alle, die mit +Erbsachen+ -- vom Vater und Großvater ererbt -- vorgenommen werden. Es liegt diesem Aberglauben der ächt deutsche Sinn zu Grunde, daß solch ein Erbstück Liebe und Interesse für das Haus habe, gleichsam Träger oder Organ der das Haus schützenden Ahnengeister sei. Der Erbschlüssel vertritt das Recht des Hausbesitzes, der Erbzaun den Besitz des ganzen Gehöftes. Daher das erfolgreichere Bleigießen durch einen Erbschlüssel und das Rütteln eines Erbzaunes am Andreasabend, vgl. 162, 303, 305 ~a~, 326, 430 u. 442.

Der Wahrsagereien durch +klopfende Tische+ und durch vermeintliche +Somnambulen+ (vgl. 458) gedenken wir nur beiläufig. Jene spielten namentlich 1853 und folgende Jahre eine nicht unwichtige Rolle auch im Gebirge und diese tauchen von Zeit zu Zeit mit mehr oder weniger Zulauf je nach ihrer Geschicklichkeit hie und da auf.

Zweites Kapitel.

Die übernatürliche Einwirkung auf das eigene und auf das fremde Geschick, die Zauberei.

I. Die Zaubermittel.

§ 33 (98 ff.). Die Zauberei ist nicht allezeit gleich wirksam, sondern hat ihre besonderen +Zeiten+. Die verhängnißvollen Schicksalszeiten, wie die Zwölfnächte, Ostern, Walpurgis, Johannis, Andreas u. s. w. (vgl. § 4-16) sind auch zum Zaubern die geeignetsten. Der Mondwechsel (§ 18) kommt auch hier in Betracht und von den Tageszeiten ist die Morgen- oder Abenddämmerung (z. B. jene zu Ostern, diese zu Weihnachten; in Annaberg namentlich auch die Zeit während des Siebenuhrlautens, vgl. 164 u. 295), am Johannistage die Mittagsstunde, sonst aber allgemein die Mitternachtsstunde (von 11 bis 12 Uhr), die eigentliche Geisterstunde, die wichtigste.

Die Zauberei ist nicht überall gleich wirksam, sondern hat oft auch ihre besonderen +Orte+, namentlich die Kreuzwege (vgl. 319 ff., 362) und die Kirchhöfe oder sie weiht sich ihre Orte durch besondere Zauberkünste.

Die meisten Zaubereien müssen +schweigend+ geschehen und auch da, wo Worte nöthig sind, wie bei Besprechungen und dergl., sollen sie mit leisem Murmeln gesprochen werden.

Auch die +Zahlen+ sind zu beachten. Die geeignetsten sind drei, sieben, neun, überhaupt alle ungeraden Zahlen.

Endlich gilt die +linke+ Seite, sowohl an dem Menschen selbst, wie außer ihm, für zauberkräftiger, als die rechte.

§ 34 (105 ff.). Die +Zaubermittel+ theilen sich in vier Klassen (vgl. § 35 ff.). Man zaubert durch gesprochene oder vielmehr gemurmelte Worte (vgl. § 33), durch niedergeschriebene Formeln, durch gewisse Thätigkeiten oder Handlungen und durch sogenannte Zauberdinge.

Die Anweisung zum Zaubern muß man sich entweder durch mündliche Belehrung seitens der „Wissenden“ zu verschaffen suchen oder man kann sich aus den mehr oder minder geheim gehaltenen +Zauberschriften+ unterrichten. Das Nähere über diese Literatur s. bei +Wuttke+, § 108.

323. Zauberschriften sind auch im oberen Erzgebirge mehr, als man glaubt, unter dem Volke verbreitet. Man findet +Faust’s+ Höllenzwang, +Scheible+, Kloster (Stuttgart, 1847), den feurigen Drachen (Ilmenau, 4. Aufl., 1850) u. s. w.; auch handschriftliche Bücher, theils als Abschriften aus gedruckten Büchern, theils wohl auch noch ungedruckte Manuscripte. Mit Hilfe dieser Literatur, die geheim gehalten und nur mit einer gewissen Scheu gezeigt wird, sucht man namentlich unterirdische Schätze zu heben und trägt sich dabei mit den abenteuerlichsten Hoffnungen. -- Leichtgläubige lassen sich auch zuweilen Bücher u. s. w., die durchaus nichts mit Zauberei zu thun haben, als derartige aufschwatzen. So wurde dem Schreiber dieses einst ein altes Buch, das arme Leute unter dem Vorgehen, es sei das 6. und 7. Buch Mosis, für 13 Gulden erschwungen, gezeigt, welches bei näherer Betrachtung als eine Ausgabe des Cäsar von Sincerus sich ergab. Ein andermal brachte ihm ein Mann mit geheimnißvoller Miene sogenannte „Zaubertafeln“, die sich als Blätter aus dem Himmelsatlas von Homann erwiesen.

1. Zauberei durch Worte.

§ 35 (109 ff.). Die Zauberei durch Worte, durch sogenannte Beschwörungsformeln, geschieht in leisem, murmelndem Ton (§ 33). Die Formeln sind oft gereimt und nicht selten mit christlichen Redensarten verziert.

* 324. Man schützt sich mit den Worten: Ist Jemand stärker als Jesus, der greife mich an (Lauter). Vgl. 19, 327, 338 u. 404.

2. Aufgeschriebene Zauberformeln.

§ 36 (113 ff.). Geschriebene Zauberformeln, Amulette schützen gegen feindliche Mächte. Man schreibt sie entweder auf den bedrohten Gegenstand oder hängt sie diesem oder sich selbst um, nachdem man dieselben auf einen Zettel geschrieben.

325. Am Dreikönigsfeste (vgl. § 5 u. § 52) schreibt man die drei bekreuzten Buchstaben ~C~ † ~M~ † ~B~ † (bekanntlich die Anfangsbuchstaben von den traditionellen Namen der drei Könige Kaspar, Melchior, Balthasar) mit Kreide über die Thüre, damit keine ansteckende Krankheit entstehe (Marienberg), vgl. 398 u. 409.

3. Zaubernde Handlungen.

§ 37 (120 ff.). Zu der Zauberei durch gewisse Thätigkeiten der Sinneswerkzeuge oder durch Handlungen rechnen wir den sogenannten „+bösen Blick+“ (+Wuttke+, § 120) mit verderblicher, das +Anhauchen+ und +Anspucken+ (vgl. 443) mit heilsamer Wirkung; ferner gehört das dreimalige +Herumgehen+ oder +Herumreiten+ um einen Gegenstand dazu.

Oft kommt auch das +Stehlen+ als eine den Zauber mit bedingende Handlung vor, indem manche Dinge nur dann den Zauber ausüben, wenn sie gestohlen sind. Das ist der Gegensatz zu dem Aberglauben, der sich auf Erbsachen gründet (§ 32) und zu der Sitte, nichts ganz umsonst weg zu geben (vgl. 386).

* 326. Man stiehlt ein Stück Holz und verbrennt es am Andreasabend. Wer während dieser Zeit in die Stube tritt, führt den Namen des künftigen Gatten (Annaberg). Besonders wirksam ist Holz von einem Erbzaun abgebrochen (Marienberg). Auch nimmt man wohl neunerlei verschiedene Holzarten und verbrennt sie Mittags zwischen 11 und 12 Uhr oder Abends während des Siebenuhrläutens (Annaberg), vgl. 295 u. 499. -- * 327. Man stiehlt ein Stück Fleisch und reibe bei zunehmendem Monde die Warzen oder sonst ein Gebrechen, das man los werden will, indem man sagt: „Was ich seh’, nimmt zu, was ich streich’, nehm’ ab. So gut wie dies Stücklein Fleisch verdorrt, soll auch mein Gebrechen verdorren“ (Lauter), vgl. 433.

Andererseits wird wieder vorgeschrieben, daß gewisse Dinge zauberkräftig sind, wenn man dieselben +erbettelt+ oder ohne abzuhandeln +gekauft+ hat.

Den Handlungen sind auch beizuzählen die als „+Sympathie+“ (vgl. § 42) bezeichneten Zaubermittel, wobei die Krankheit auf einen anderen Gegenstand über- und abgeleitet wird, dieser also in die „Mitleidenheit“ gezogen wird.

328. Hat man Warzen oder sonst etwas Böses am Körper, so bestreicht man das Krankhafte mit etwas Leinwand und legt diese mit in den Sarg. Mit dem Verwesen der Leiche vergeht auch das Uebel (Zschopau). Vgl. 120, 141, 327, 433, 443 und +Wuttke+ § 266. -- * 329. Trägt man Salpeter, Kampfer und Schwefel acht Tage lang auf der Brust in einem Säckchen verwahrt und wirft dann dieses rücklings in einen Bach, so vergeht der Zahnschmerz, vgl. 434.

Spuren von +Opfern+, die ebenfalls unter den Begriff einer Handlung fallen, finden sich vereinzelt.

† 330. Wenn man Aepfel oder Birnen schüttelt, läßt man einen Apfel oder eine Birne hängen, damit der Baum wieder trage (Sosa), vgl. 465. -- Dieser Gebrauch beruht wohl auf einem dem Wodan geweihten Dank.

4. Zauberdinge.

§ 38 (132 ff.). Zauberdinge sind Gegenstände, mit denen man übernatürliche Wirkungen hervorzubringen meint. Sie haben diese Bedeutung meist noch aus dem deutschen Heidenthum, hie und da im Laufe der Zeit mit christlichen Elementen durchsetzt. Die wenigsten derselben haben an und für sich eine Zauberkraft, sondern erst unter gewissen örtlichen und zeitlichen Bedingungen, vgl. § 33. Wir theilen diese Zauberdinge, ähnlich wie die Schicksalszeichen (vgl. § 19 ff.) in Natur- und Kunstprodukte, sowie in vom menschlichen Körper oder aus dem Kreis der kirchlich-religiösen Gegenstände genommene Mittel.

~A.~ Naturerscheinungen und Naturprodukte.

~a.~ Das +Wasser+ am Gründonnerstag, Charfreitag und zu Ostern, vgl. 89 ff. u. 498.

~b.~ Der +Schnee+. * 331. Der erste Märzschnee wird in die Kammern getragen und damit ausgekehrt; befreit von Ungeziefer (Raschau), vgl. 410.

~c.~ Der +Regen+. 332. Mairegen befördert das Wachsthum der Kinder, wenn sie mit unbedecktem Kopfe sich demselben aussetzen (allg.), vgl. 453.

~d.~ Das +Feuer+. 333. Die Feuer zu Walpurgis vertreiben die Hexen, vgl. 129 u. 407. -- * 334. Ein Feuerzeug als Hochzeitsgeschenk bringt Segen (Markneukirchen), vgl. 507. Vgl. auch 58 das Heiligabendlicht. -- ~e.~ +Asche+, vgl. 127.

~f.~ Die +Esche+ (~fraxinus~) wurde im deutschen Alterthum besonders zu Speerschaften benutzt. -- * 335. Ein Wagen mit Deichsel und Gabel von Eschenholz erschwert einen vorausfahrenden Wagen um 5 Centner (Marienberg); vgl. 124, 126 u. 473.

~g.~ Die +Tanne+ (~pinus silvestris~). Beim Wintersonnenwendefest verwendete man namentlich die immergrünen Zweige der Tanne, daher noch unsere Christbäume. Vgl. auch 95, 155, 573 u. +Rochholz+, Weihnachten, Aufsatz in der illustrirten Zeitung, 1860 Nr. 912.

~h.~ +Hollunderzweige+ (vgl. § 23 ~n~) und +Weidenruthen+ schützen am Walpurgis vor Hexen, vgl. 133. Die Weide (~salix~) galt den alten Deutschen ebenfalls als ein geweihter Baum (vgl. +Montanus+, 2. Bdchen, S. 152). +Haselstrauch+, vgl. § 23 ~o~.

~i.~ +Kräuter+, vgl. 106 u. 154. -- ~k.~ * 336. +Gutheinrichwurzel+ oder +Gundermann+ heilt das Behextsein (Sehma), vgl. 361 u. 440. -- ~l.~ * 337. +Liebstöckelöl+ (vgl. 155) macht, wenn es dem Rindvieh an die Hörner gestrichen wird, daß es nicht stößt (Sehma), vgl. 426.

~m.~ +Hirse+, vgl. § 23 ~q~. -- ~n.~ +Kornblüthe.+ 338. Wenn man das Korn zum erstenmal im Jahre blühen sieht, soll man die Blüthe von drei Aehren und zwar im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes essen, so sticht Einem keine Otter und man nimmt überhaupt keinen Schaden (allg.), 398, 436 u. 445.

~o.~ +Frischer Rasen+, vgl. 137. -- ~p.~ +Nußkern+, +Safran+, +Weihrauch+, +Salz+, +Kreide+ u. s. w. sind dem Vieh heilsam und befördern den Milchertrag, namentlich an Weihnachten und wenn die Thiere Junge bekommen haben, vgl. 16, 76 u. 96.

~q.~ Das +Salz+ ist ein Schutzmittel gegen Behexen und ein Heilmittel bei sympathetischen Kuren -- * 339. Wenn die Leute Milch bei den Bauern holen, thuen letztere etwas Salz in den Milchkrug, damit die Milch nicht behext werde (Annaberg), vgl. 408.

~r.~ Der +Rabe+, vgl. § 22 f. u. 116. -- ~s.~ Die +Kröte+, von den Hexen zu Gifttränken verwendet, galt wohl auch als Maske des Teufels, vgl. 115, 351 u. 354. -- ~t.~ +Eier+, vgl. 110, 141, 143 u. 487.

~B.~ Kunstprodukte.

~a.~ Der +Schlüssel+. † 340. Ein Schlüssel, über den man Walpurgis das Vieh hinwegtreibt, schützt gegen Behexung desselben (vgl. 137 u. 427).

~b.~ Der +Besen+ spielt im Zauber- und Hexenwesen eine große Rolle; wahrscheinlich stand derselbe in irgend einer noch nicht hinreichend nachgewiesenen Beziehung zu Thor, sei es als ein Sinnbild der auseinanderfahrenden Blitze, sei es, weil vielleicht das sogenannte Besenkraut (Sarothamnus) dem Gotte geweiht war. -- 341. Die Hexen reiten auf Besen durch die Luft, respectiren aber auch ihr eigenes Wahrzeichen. Daher legt man Besen zu Walpurgis vor die Stallthüre. -- Vermuthet man eine Hexe im Stalle, so stelle man zwei neue Besen kreuzweis vor die Thüre. Ist wirklich eine Hexe im Stall, so geräth sie ganz außer sich und befiehlt, die Besen wegzuschaffen, vgl. 131, 413 u. 427. -- * 342. Ist das Kraut gepflanzt, so steckt man in eine Ecke des Feldes einen Stallbesen, damit die Raupen nicht in das Kraut kommen. Am Oswaldstage (5. August) nimmt man ihn wieder weg (allg.). Man umsteckt denselben auch mit Nesseln (Grünstädtel), vgl. 425. -- * 343. Menschen oder Vieh mit Besen geschlagen, werden dürr (Raschau), vgl. 397. -- Vgl. 41: Das Essen auf dem +Säetuch+ am Weihnachtsabend.

~C.~ Der menschliche Körper und seine Theile.

Einen besonderen Kreis von Zaubermitteln bilden Theile des menschlichen Körpers, wie Blut, Nägel, Haare u. s. w., namentlich auch von Hingerichteten. Ebenso knüpft sich mancherlei Aberglaube an Leichen an und was mit ihnen in Zusammenhang steht, vgl. 101 u. 114.

~D.~ Christlich-kirchliche Dinge.

~a.~ Das +Taufwasser+: * 344. Man wasche sich mit Taufwasser, so kommt man Gott näher (Markneukirchen), vgl. 456.

~b.~ Das +Kreuzeszeichen+: † 345. Wenn ein Fuhrmann von zu Hause wegfährt, macht er drei Kreuze hinter den Wagen (Zöblitz), vgl. 406. -- * 346. Die Bauerfrau näht in ihr Seihtuch drei Kreuze (Frohnau). -- * 347. Ehe man zu buttern anfängt, macht man drei Kreuze über das Butterfaß (Frohnau), vgl. 408. -- † 348. Wenn ein kleines Kind gähnt (vgl. 405, 488 u. +Wuttke+ § 219) mache man ihm drei Kreuze über den Mund (Marienberg). Vgl. auch 130 u. 362.

II. Arten der Zauberei.

~A.~ Die Bosheits-Zauberei.

§ 39 (171 ff.). Der Zweck dieser Zauberei ist zunächst Anstiften des Bösen aus Lust am Bösen und sie beruht in ihrem letzten Grunde auf der Ansicht eines Bündnisses mit dem Teufel.

Auf solchem Bündniß mit dem Satan beruht die vermeintliche Macht der +Hexen+.