Part 15
4. +Begräbniß.+ Bezüglich der Leichenbegängnisse sind uns keine eigenthümlichen Gebräuche mitgetheilt worden. Denn die folgenden sind allgemein verbreitet: 855. Der Schulmeister begiebt sich mit der erwachsenen Schuljugend, deren Einer das Kreuz vorträgt, unter dem Geläute Einer Glocke zur bestimmten Stunde, gewöhnlich Nachmittags 1 Uhr, in das Trauerhaus. Dort werden einige Lieder aus dem „Sterbebüchel“ und zuletzt eine Arie gesungen. Dann setzt sich der Zug nach dem Gottesacker in Bewegung (Geiersdorf). -- 856. Ist der Sarg in das Grab gelassen, so werfen die Angehörigen je drei Hände voll Erde darauf (allg.). -- 857. Beim Begräbniß eines Soldaten, der einen Feldzug mitgemacht hat, wird von den begleitenden Kameraden über das Grab geschossen (Marienberg). -- Ueber Leichenbegängniß und Begräbniß in +Annaberg+ vgl. der Gottesacker zu Annaberg (Annaberg, 1860), S. 140 ff.
Anhang.
§ 99. Lieder und Reime im obererzgebirgischen Volksdialekt.
1. Weihnachten.
Folgende zwei Weihnachtsgedichte erläutern vielfach das oben §§ 5 und 6, sowie 49 und 50 Angeführte. Beide sind Volkslieder. Vergl. auch: +Simrock+, deutsche Weihnachtslieder, Leipzig, 1859.
858. =Weihnachts heiliger Ohmd[3].=
’n Hammer sei Liedel.
(Aus +Marienberg+ mitgetheilt.)
Schwenze lenz! heut’ bi ig fruh ’s wor mer lange Zeit net suh! Will heut Döbes[4] machen! Kinner[5], ig hob Gald, wie Heu. ’s kanne lecht zwee Tholer sei, -- Ja drüm kah ich lachen!
Sah dos heilig Ohmdlicht a, ’s sei fei ruthe Blümle dra. Unn a klahns[6] Gesprüchel![7] Hob zwee Grosch’ derfür bezohlt, Selber su schie ahgemohlt, Wie a Tahfet[8]-Tüchel.
Fix! ne Krunelechter ro, Dann ig zammgepitzelt[9] ho, Unn vergold’t su machtig! Sahtt die golding Engele, Zwischen Sträuchla wackeln se, Ah, dos steht su prachtig!
Su! Nu iß er ahgezünd’t; Ei wie schi der Lechter brünnt ’s kloppt mers Harz vor Fraden. Ach, die Schwarzbersträuchla[10] sei Ahgesah be Licht so fei Thunna racht schi kladen[11].
Söll de ganze Sach wos tähng[12], Muß mer ah a Pfeifel rähng![13] Drüm will ig ahns stoppen. Do dar Kopp vun Porzelih[14] Iß dar epper net recht schi? Muß ’ne ärst auskloppen.
Nogert[15] will ich hutzen[16] gih, Heut beschärt’s ne Kinnern schi, ’s iß gu heut Bornkinnel. Kumme ah de Madle nog, Bi dan Greten[17] gut mei Tog, ’s iß a lus Gesinnel![18]
Bi a löd’ger[19] Poß,[20] unn ho Nog enn Schatz ball hie, ball do Schu gestrabbt vun Harzen. Ober dos iß wunnerlig,[21] Kane[22] thut, als will se mig; Nu, ig kah’s verschmarzen.
Gutte Nacht, derweil, ihr Leut’ -- Weckt mig morn’g ze rachter Zeut, Morn’g[23] giht’s in de Mätten! Wenn mer su de halbe Nocht Hod fei lustig zugebrocht, Kreucht mer in de Betten.
[3] +Ohmd+, Abend.
[4] +Döbes+, Töps, Lärm.
[5] +Kinner+, Kinder.
[6] +klahns+, kleines.
[7] +Gesprüchel+, Spruch.
[8] +Tahfet+, Taffent.
[9] +zammgepitzelt+, zusammengeschnitzelt.
[10] +Schwarzbersträuchla+, Schwarzbeerensträuche, Heidelbeerkraut.
[11] +kladen+, kleiden.
[12] +tähng+, tauchen, nützen.
[13] +rähng+, rauchen.
[14] +Porzelih+, Porzellan.
[15] +nogert+, hernach.
[16] +hutzen+, Zu den Nachbarn auf Besuch gehen.
[17] +Greten+, Kröten, schmeichelndes Schimpfwort.
[18] +Gesinnel+, Gesindel.
[19] +löd’ger+, lediger.
[20] +Poß+, junger Bursch.
[21] +wunnerlich+, wunderlich, sonderbar.
[22] +kane+, keine.
[23] +morn’g+, morgen.
859. =Zum heiling Ohmd.=
Gedicht von verw. Frau v. Elterlein in Schwarzenberg, geb. Benckert aus Annaberg.
Heut is der heil’ge Ohmd ihr Mäd, Kummt rei, mer gießen Blei. Fritz löf geschwind zur Hanne Christ, Se soll bei Zeiten rei.
Mer hahm d’n Lächter[24] a’gebrannt; Satt[25] nuf, ihr Mäd, die Pracht. Do drühm bei euch, is a recht fei, Ihr hot ’ne Sau geschlacht.
Ich hob mer a e Lichtel köft, Ver zwee un zwanzig Pfäng’. Gi Hanne hul’ ä Tüppel[26] rei, Mei Lächter is ze eng.
Kahr,[27] zindt ä Weihrauchkärzel a, Doß a wie Weihnacht riecht; Unn stell’s ner of des Scherbel[28] dort, Dos unnern Ufen liegt.
Lott’[29] dorten of der Hühnersteig[30] Do liegt men’ Lob[31] sei Blei. Mähd raffel[32] fei nett sehr dort rüm, S’ist[33] werd der Krienerts[34] scheu.
Denn’s Mannsvulk hat sei Frehd an wos, Sei’s a an wos ner will. Mei Voter hot’s an Vugelstell’n, Der Kahr, der hot’s an Spiel.
Ich gieß fei erst, wänn krieg’ ich da? Saht her en Hommerschmied! De Karlin[35] lacht, die denkt gewiß, Ich män ihr’n Richter Fried.
Mer ham a sächzähn Butterstoll’n, Su lang wie ’n Ufenbank. Ihr Mäd, do werd’ gefrässn wär’n, Mer wär’n noch Alle krank.
Mer ham a neunerlä gekucht, A Worscht unn Sauerkraut. Mei Mutter hot sich o geploocht,[36] Die ale[37] gute Haut.
Fritz brock de Semmelmillich ei, Nasch ader[38] net derfu.[39] Ihr Ghunge[40] wärft kee Räspel[41] nei In’s heilig Ohm’nd Struh.
Wär gieht den über’n Schwammentupp?! Nu Lotte ruh’ste nett! Wart, wenn när weerd der Voter kumm’, Do mußt dee glei ze Bett.
Nä hurcht ner a mohl in Ufentupp, Dos Rumpeln und dos Geig’n. Na wenn es när nett winseln thut, Denn s’ist bedett’s[42] noch Leich’n.
Den heiling’ Ohmd üm Mitternacht, Do läft statt Wasser Wei.[43] Wenn ich mich ner nett färchten thät, Ich hult ’n Tupp voll rei.
Denn drühm an Nachbar’sch Wassertrug Do stieht ä grußer Mah.[44] Und wär nett reichte Tohzen[45] hat, Dän läßt er gor nett na.
Lob hul derweil den Hanne Lieb[46] ’n Voter ä Kännel Bier. ’noch,[47] wenn de kümmst, do singe mer:[48] „Ich freue mich in Dir.“
Ihr Kinner, gieht in’s Bett nu nuff, Der Seeger zeigt schu ens. Ob mer ä Weihnacht wieder erle’m?[49] Wie Gutt will, su gescheh’s.
[24] +Lächter+, Leuchter.
[25] +Satt+, sehet.
[26] +Tüppel+, Töpfchen.
[27] +Kahr+, Karl.
[28] +Scherbel+, kleine Scherben.
[29] +Lott’+, Charlotte.
[30] +Hühnersteig+, Hühnerhorde, worin während des Winters Hühner in der Stube sich mit aufhalten.
[31] +Lob+, Gottlob.
[32] +raffel+, raschle.
[33] +s’ist+, sonst.
[34] +Krienerts+, Kreuzschnabel.
[35] +Karlin+, Karoline.
[36] +geploocht+, geplagt.
[37] +ale+, alte.
[38] +ader+, aber.
[39] +derfu+, davon.
[40] +Ghunge+, Jungen.
[41] +Räspel+, Räuspel, Räuber am Licht.
[42] +bedett+, bedeutet.
[43] +Wei+, Wein.
[44] +Mah.+ Mann.
[45] +Tohzen+, Tatzen, starke Hände.
[46] +Hanne Lieb+, Johannes Gottlieb.
[47] +’noch+, hernach.
[48] +mer+, wir.
[49] +erle’m+, erleben.
=2. Neujahr= (vgl. 586).
Ein verbreiteter Scherzreim, namentlich auf dem Lande, ist folgender:
860. Ich gratelir euch a zum neuen Kahr ’ne Kop vuller Haar, ’ne Stohl vuller Hüner, ’ne Buden vuller Kerner.
3. Fastnacht.
Wenn die Kinder „Spießeinrecken“ gehen (vgl. 66), singen sie folgende Liedchen:
861. Do reck ich män Spieß ei Ueber’n Herrn sän Tisch nei. Steckt er mir a Kräppel nah, Is er oh a feiner Ma. Is er ader a gorst’ger Ma, Steckt er mir ä Dreckel na.
862. Ich renne dreimal um’s Haus. Ach du gute Frä im Haus, Lange mir ä Kräppel raus.
863. Sie, Madame, Sie mein Leben, Könnten mir ä Kräppel geben. Nicht zu gruß und nicht zu klein, Daß ich könnt’ zufrieden sein.
4. Johannistag.
Beim Umtanzen des Johannisbaumes (vgl. 148) wird folgendes Liedchen gesungen. +Simrock+, das deutsche Liederbuch, 2. Aufl., Frankfurt a. M. 1857, führt unter Nr. 823 u. 824 ähnliche Lieder an. Auf das angeführte Buch desselben verweisen wir auch bezüglich der bei den Spielen der Kinder im Obererzgebirge gebräuchlichen Auszählverse, sowie anderer Kinderverschen.
864. A. Wer steht denn draußen vor der Thür Und thut so leise klopfen? B. „Es ist der Förster, steht dafür Und hat sich was zu suchen.“ C. Ich hab verloren meinen Schatz Allhier, allhier auf diesem Platz. Macht auf, macht auf den Garten. Sieh da, sieh da, hier ist mein Schatz, Mit dem ich mich verlobet. Hier hast du meine rechte Hand Und einen Kuß zum Unterpfand, Auf daß du bleibst mein eigen.
5. Heidelbeerlieder.
Bei der Rückkehr vom Sammeln der „Schwarzbeeren“ sind folgende Liedchen gebräuchlich. Vergl. 640 und +Simrock+, Kinderbuch, Nr. 646.
865. Toppe, Toppe, Bäre! Ich hatt men Topp vull Bäre; Ich hob’n wieder ausgefrass’n, Ho men Voter und Mutter vergass’n. Mei Voter nimmt dee Ufengobel Und schlät[50] mich uff’n Freßschnobel. Au weh, Auh weh, mei Bärschnobel!
866. Men Topp ho’ ich zerbrochen, Aus wos soll mer kochen? „Aus den Ufentupp, aus den Ufentupp.“ Der Ufentupp hot a ee Loch. Hoho!
867. Rolle, rolle, rolle! Mer hob’n Olle volle,[51] Bis d’r Hinnre[52] nett. Hot Moos in Topp, Hot Werg in Kopp. Aho!
868. Juck, juck jere! Mei Topp is voller Beere, Wer sin’n[53] Topp nicht volle hat Is ene faule Mähre. Kommt Alle ’raus, Macht Haufen drauf, Wie ä Wachtelhaus.[54]
869. Roll, roll, roll! Mei Topp is voll, Mei Bauch is leer, Mei Kopf is schwer, Heuer sein viel schwarze Beer.
870. Horei, Stallerei! Zie’hn die faulen Beerleute ei. Hab’n Alle voll Bis der Letzte net; Macht Alle nei, Daß’s voller werd. Ein’ Haufen d’rauf, Wie’s G’loserhaus, kischki!
[50] +schlät+, schlägt.
[51] +volle+, voll.
[52] +Hinnre+, der Hintere, der zuletzt Stehende.
[53] +sin’n+, seinen.
[54] +Wachtelhaus+, Käfig einer Wachtel.
6. Hirtenlieder.
Bei dem Hüten des Viehes lassen die „Kühjungen“ lautschallende Lieder ertönen. -- Die unter Nr. 874 und 875 ausgeführten Reime sind zu Michaelis gebräuchlich, von wo an der Hirt, wie bereits (642) erwähnt, „über und über“ hüten darf.
871. Horaus! jetzt treibt der faule Kuhhirt aus. Meine Küh sind lange ’raus. Wenn ich austreib, liegst Du noch im Bett. Du fauler Hirt hast ausgeheckt Drei Mandeln junge Ziegenbock Sind alle verreckt.[55] O he ho, o he ho!
872. Treib ei, treib ei, du fauler Hert, Wenn ich austreib, liegst du noch lang im Bett. Meine Küh sei olle saat. Deine ha’n net viel gefressen, Weil d’ bist uff der Ufenbank gesessen.
873. Hohrei! Hohrei! Meine Küh sind alle ’rei ’s fehlt mer nur e Ziegenbuck: Wo muß der sei hingehuppt? ’nuner in dos Niederland, Wo die reichen Bauern sitzen Mit den langen Zippelmützen, Die den Quark mit Löffeln fressen und das Geld mit Scheffeln messen.[56]
874. Michel ist vorüber, Nu hüt ich über und über. Hüt ich nei in Kraut und Mähren,[57] Ka mer der Bauer nischt verwehren. Un wen der Bauer ’raus kimmt, Setz ich mich auf den Geiselstäcken[58] Un thu d’n Bauer den Buckel zu räcken.
875. Michele is do, Dee Herten sind fruh,[59] Den Bauern is leed[60] Um schlecht’s Bissel Weed.[61]
[55] +verreckt+, krepirt, gestorben.
[56] Dieses Lied findet sich fast gleichlautend bei +Simrock+, das deutsche Kinderbuch, Nr. 492.
[57] +Mähren+, Möhren.
[58] +Geiselstäcken+, Peitschenstecken.
[59] +fruh+, froh.
[60] +leed+, leid, bange.
[61] +Weed+, Weide.
7. Kaffeelieder.
Bei der Vorliebe des Obererzgebirgers für den Kaffee ist es begreiflich, daß er denselben auch poetisch verherrlicht hat und diese Lieder bei seinen Kaffeefesten (vgl. 646) anstimmt.
876. Der Kaffee schmeckt gut Ich schaff’ mer noch keen Ruk. Den alten thu ich flicken, ’n neuen thu ich sticken, Der Kaffee schmeckt gut.
877. Kaffee thu ich gerne trinken, Uhne Kaffee bi ich krank. Kaffee trink ich, wo ich geh’ und steh’, Am liebsten auf’n Kanapee.
878. O Kaffee, du edles Kraut, Wer dich gepflanzt, hat wohlgebaut.
8. Kirmeß.
Zur Kirmeß (vgl. § 88), sowie auch zum Erntefeste und zu Weihnachten, ist es Sitte, daß ärmere Kinder von Haus zu Haus „Kuchensingen“ gehen, wobei sie die Nr. 882-886 verzeichneten Liedchen anstimmen; die Kühjungen gehen wohl auch „Kuchenklatschen“, d. h. sie geben durch Peitschenknallen ihre Wünsche zu erkennen. Außerdem ist (879) noch ein Kirmeßliedchen, eine scherzhafte Kirmeßeinladung(880), sowie ein auf dieses Fest bezügliches Sprüchwort (881) mitgetheilt.
879. Zur Kirmeß, zur Kirmeß, Da schlachtt mei Vater ’n Buck, Buck, Buck, Buck.[62]
880. Seid zur Kirmeß eingeladen, Unser Kuchen ist gerathen, Unsre Würstchen rund und nett, Unser Braten braun und fett.
881. Edelleuten muß man ihre Bälle, Den Bauern ihre Kirmeß lassen (Marienberg).
882. Wir armen Kühjungen, Wir kommen gesungen, Um euch zu ersuchen, Gebt uns ein Stück Kuchen.
883. Ich bin der kleine König, Gebt mir nur nicht zu wenig. Laßt mich nicht zu lange steh’n, Muß noch ein Häuschen weiter gehn.
884. Wir woll’n heute Kuchen singen, Müssen noch heut weiter springen. Gebt uns ä Bissel weißen, Da woll’n wir uns drum beißen; Gäbtt uns ä Bissel mitteln, Da woll’n wir uns d’rum knitteln; Gäbtt uns ä Bissel schwarzen, Da woll’n wir uns d’rum kratzen.
885. Dreimal, dreimal um das Haus, Bringt mer e Stückel Kuchen ’raus. Ist der Kuchen nett gerothen, Bringt mer e Stückel Schweinebroten. Schweinebroten schmeckt nett gut, Brengt mer e Stückel Haberbrud. (Oder:) Schweinebroten is’ vorbei, Bringt mer e Gläsel Branntewei’.
886. Wir wollen Kuchen singen, Die junge Frau is’ hurtig und geschwinde. Gebt uns ooch en’ Gälen,[63] An Fressen sull’s nich fählen. Grün is’ die Linde, Die junge Frau is’ hurtig und geschwinde.
[62] +Simrock+, Kinderbuch, führt Nr. 474 fast dieselben Reime an, fügt aber noch hinzu:
Da tanzt meine Mutter Da wackelt ihr Rock.
[63] +Gälen+, gelben Kuchen, d. i. Käse- oder Gießkuchen.
9. Hausbau.
Wenn beim Heben eines Hauses der Baumeister seine Rede vollendet hat, wirft er das Glas (vgl. 836) mit folgenden Worten herunter:
887. Das Glas ist aus, Was mach’ ich draus? Ich werde mich nicht lang’ bedenken, Und es über den Kopf hinunter schwenken.
10. Taufe.
Bei dem Hineinstecken des Pathengeschenkes in das Einbindebettchen (vgl. 847) ist folgendes Verschen gebräuchlich:
888. Do hast du das Deine, Laß Jedem das Seine.
11. Der Besenbinder.
Folgendes Volkslied, ein Wechselgesang, wurde uns aus +Arnsfeld+ mitgetheilt. Beim Singen wird die je zweite Zeile wiederholt, außerdem noch die drei letzten Sylben jeder Zeile.
Wenn ich kein Geld zum Saufen hab’, Geh ich in Wald, mach’ Reißig ab, Geh ich nach Haus, bind’ Besen draus, Da kommt schu wieder Geld in’s Haus. Wenn ich die Besen gebunden hab’, Geh ich die Straße auf und ab, Und ruf: „wer kauft mir Besen ab, Damit ich Geld zum Saufen hab.“ Liesel steh’ auf und laß mich ein, Oder ich steig’ zum Fenster hinein. Liesel steh auf, mach Feuer an, Hast du kein Holz, leg Reißig an. Liesel steh auf, koch Hirschebrei, Hast du keine Butter, schlag Eier ’nei. Liesel steh auf! Oder kennst’e mich nich? Oder sind das deine Fenster nich? „Ich steh’ nicht auf! Ich kenn’ dich schon; Daß du ’n Rausch hast, seh’ ich schon.“ Hab ich ’en Rausch, das macht der Wein. Liesel steh auf und laß mich ein! „Ich steh nicht auf, laß dich nicht ein: ’s könnt heut’ Nacht mein Unglück sein.“ Ob ich dein Unglück bin oder nich’: Liesel mach auf, ich heirate dich. Bin ich einmal verheirat mit dir, Zwei schöne Rappen kauf ich mir, Zwei schöne Rappen und en’ Wag’n, Daß ich mit dir kann spazieren fahr’n. „Aepfel sind roth, sind Stiele d’ron: Buben sind falsch, das weiß man schon.“ Kirschen sind roth, sind Kerne d’rin: Mädchen hann’ och kein’ treuern Sinn. „Nüsse sind hart, sind Schalen drum: Beide: Wer ist wohl falscher? das sage nun.“ Pflaumen sind blau, sind honigsüß; Daß ich dir gut bleib’, das ist gewiß. Aepfel und Pflaumen sind roth und blau: Heisa wir werden bald Mann und Frau.
Dresden. Druck von C. C. Meinhold & Söhne. Königl. Hofbuchdruckerei.