21 Jahre in Indien. Zweiter Theil: Java.
Part 39
Auch die Diphtheritis fordert in Indien zur Zeit der Kentering[221] die meisten Opfer. In der Regenzeit verhindern die grossen Wassermassen mechanisch die Entwickelung schädlicher Bacterien, in der trockenen Jahreszeit versengen die heissen Strahlen der Tropensonne die Keime aller zymotischen Krankheiten. In der Uebergangszeit dieser beiden Jahreszeiten (Kentering) sind die Tropen ein Riesen-Brutkasten für alle Krankheitserreger, und ebenso sind unausgesprochene Monsune, die »trockene« Regenzeit (Westmonsun) und die »nasse« trockene Zeit (Ostmonsun) für das einzelne dazu disponirte Individuum die gefährlichste Zeit. Leider ging es auch mir während des Aufenthaltes in Semárang schlecht. Wir hatten zur Zeit des Westmonsuns viele, ja selbst zahlreiche Tage, an welchen es nur wenige Stunden, und noch dazu in kleinen Mengen regnete. Die Feuchtigkeit, organische Stoffe und Wärme waren in hinreichendem Quantum vorhanden, um ein üppiges Wuchern aller möglichen schädlichen Bacterien zu veranlassen; ich bekam die Furunculosis. So schmerzhaft die ersten Furunkeln waren, so wenig störten sie mich in meinen täglichen Arbeiten. Das Spital war in der nächsten Nähe; wenn ich auch unter Beschwerden den kurzen Weg dahin zurücklegte, und auch die Behandlung von 50-60 Patienten immerhin mit einiger Bewegung verbunden war, so überwand ich doch die Schmerzen, weil einerseits damit keine Gefahr verbunden war, weil ich andererseits zu Hause die Langeweile fürchtete, und weil ein solcher Mangel an Aerzten herrschte, dass schon durch den Ausfall Eines Arztes die Patienten des Spitals hätten leiden müssen. Unterdessen (Ende Februar) hatte ich mein Gesuch um einen einjährigen Urlaub nach Europa eingereicht und hoffte, da ein solches Gesuch gewöhnlich drei Wochen zu seiner Erledigung nöthig hat, Mitte oder Ende März abreisen zu können; sie erfolgte in dieser Frist nicht. Die Furunkeln heilten zwar, es kamen aber jedoch immer neue hinzu; ich kam herunter und endlich entschloss ich mich, den Dienst einzustellen, und der Garnisonsdoctor gab mir ein ärztliches Zeugniss, dass ich wegen allgemeiner Furunculosis einen Urlaub ins Gebirge dringend nöthig hätte. Am 25. März 1897 ging ich mit der Eisenbahn nach Salatiga. Leider habe ich dadurch das »ewige Feuer« nicht gesehen, von dem +Veth+ eine ausführliche Beschreibung bringt und 5 km entfernt von Gubuk gefunden werden soll. Aus Oeffnungen in dem Boden strömt ein brennbares Gas aus, welches, einmal entzündet, wie Einige behaupten, zwar durch Stampfen in der Umgebung, starkes Blasen oder durch Wasser ausgelöscht werden kann, sich aber durch die Berührung mit der Luft immer wieder entzündet. In Kedong Djatti, welches seinen Namen den dortigen grossen Wäldern von Djattibäumen (Tectonia grandis) entlehnt, mussten wir umsteigen, um die Strecke nach Ambarawa zur weiteren Reise zu benutzen. Nur einige Kilometer hinter dieser Station betraten wir bei Gaga dalem eine Enclave von Solo,[222] und acht Kilometer weiter erreichten wir Bringin, von welchem Salatiga auf einer schmalen Strasse zu Pferde oder mit einem Dos-à-dos in ungefähr einer Stunde zu erreichen wäre. So wie die meisten Touristen fuhr ich jedoch weiter bis Tuntang, von wo aus eine schöne breite Strasse über Salatiga nach Solo und Djocja und an die Südküste führt. Der grosse Postweg Javas, welcher längs der Nordküste dieser Insel von Batavia nach Surabaya zieht, giebt auch in Semárang einen Zweig ab, welcher sich nördlich von Ambarawa (bei Baven) in zwei Aeste theilt. Der eine umkreist die westlichen Abhänge der Grenzgebirge Merbabu, Merapi u. s. w., während der andere im Osten dieser Berge nach dem Süden Javas zieht. In Tuntang stand ein grosser Reisewagen, und gegen 7 Uhr Abends kamen wir in Salatiga an. Im »Hotel Taman« fanden wir eine aufmerksame Wirthin, ein hübsches Zimmer, eine grosse Veranda mit einer schönen Aussicht und freiem Gebrauche des Bades »Kali taman«, und zwar für 8 fl. pro Tag. Die Babu bekam von mir täglich 20 Ct., wofür sie sich das Essen bezahlte, während eine gastfreundliche Collegin des Hotels ihr eine Schlafstätte gratis anbot. Zur Reise hatte sie sich nämlich nebst einem Kistchen aus Zinkblech für ihre Schätze an Sarongs u. s. w. ein Kopfpolster mitgenommen, welches in einer Matte eingerollt war; diese Matte wurde das Schlaflager unserer Babu. Am andern Tag besuchte ich sofort das Bad Kali taman, welches ungefähr einen Kilometer vom Hotel entfernt war; es bestand aus einem grossen Bassin, in welches sich aus einer Höhe von zwei Metern ein mächtiger Strahl von frischem, hellem und kühlem Bergwasser stürzte. Ein Schwarm Goldfische bewohnte das Bassin, und als ich auf der ersten Stufe stand, kamen ein paar Hundert dieser zierlichen Fischchen auf mich zugeschwommen. Es fiel mir auf, dass die kleinen in Gold- und Silberfarbe schimmernden Fische in der ersten Reihe schwammen, und in der Peripherie die grossen mit grauem, mattem Kleide es niemals wagten, sich uns zu nähern. Jetzt wurde es mir deutlich, warum mir beim Eintritt der Wächter des Bades ein grosses Blatt, gefüllt mit gekochtem rothen Reis, um 2½ Cent zum Kauf angeboten hatte. Die Fische waren gewöhnt, von den Badegästen gefüttert zu werden; späterhin verschaffte es mir viel Vergnügen, die klugen Aeuglein von Hunderten von Fischen und Fischchen auf mich gerichtet zu sehen, sie wurden so zutraulich, dass sie sich bis an meine Füsse heranwagten.
Salatiga liegt 574 Meter hoch und erinnert in mancher Hinsicht an die Riviera. Oft hatten wir es in den Morgenstunden nicht wärmer als 12° und um 12 Uhr nur 17-18° C. Wenn ich in der Veranda des Hotels auf meinem »Faulenzerstuhl« sass und meinen Blick über den grossen Schlossplatz warf, sah ich im Nordwesten den Unarang und im Südwesten den Merbabu ihre stolzen Häupter erheben, zwischen welchen Ambarawa eingeschlossen ist, und aus welchen sich die herabstürzenden Wassermassen durch eine Bergspalte in den Fluss Tuntang ergiessen. Schon seit 250 Jahren ist Salatiga als Luftcurort bekannt, und wenn die Vasallen zu dem grossen Fürsten des Mataramischen Reiches von Semárang zogen, hielten sie ihren ersten Rasttag in Unarang und den zweiten in diesem lieblich reizenden Bergstädtchen, das nach den drei Tempeln (Selá tiga), welche hier gestanden hatten und schon im vorigen Jahrhundert niedergerissen wurden, den Namen Salatiga behielt. Zahlreiche Pensionäre wohnen hier wegen des italienischen Klimas und wegen der Billigkeit seiner Lebensmittel. Der Besitzer des Bades Kali taman und eines grossen Landgutes kam zu meiner grossen Ueberraschung vor zwei Jahren nach Karlsbad, und ihm verdanke ich so manche Aufklärung über das politische Verhältniss der Landherren Javas einerseits zu der indischen Regierung und andererseits zu der ansässigen Bevölkerung. Nebstdem hat die indische Cavallerie ihren Sitz in Salatiga; der Stab dieses Corps liegt mit zwei Escadronen in dieser kleinen Stadt, welche vielleicht 500 europäische Seelen, 3000 (?) Javanen, 500 Chinesen und 50 (?) Araber als Einwohner hat.
Leider war es mir durch meine Furunkeln unmöglich, grössere Ausflüge zu machen, und weder das Gesundheits-Etablissement Ungaran noch Pelántungan zu besichtigen. Das erstere ist wie Salatiga ein Luftcurort (318 Meter hoch), während Pelántungan grosse und reiche jodhaltige Quellen besitzt, wo Lepra- und Syphilis-Patienten Heilung von ihren Gebrechen suchen, und sich seit 1844 eine Militär-Badeanstalt befindet. Noch mehr bedauere ich es, dass mir die Gelegenheit genommen war, das viel gepriesene Dienggebirge mit seinen Naturschönheiten und seinen zahlreichen Ruinen besuchen zu können. Ich sollte Salatiga, die Provinz Samarang und die Insel Java verlassen, ohne dieses Wunderland (das Dienggebirge) auch nur gesehen zu haben.
Schon im September 1896 hatte ich für mich und meine Frau bei der französischen Schifffahrts-Gesellschaft »Passage besprochen«, und Ende März 1897 konnte ich auf die Anfrage dieser Gesellschaft, wann ich doch meine Anweisung der Regierung für die Unkosten einreichen würde, nur ausweichende Antworten geben, weil noch immer keine Erledigung auf mein Urlaubsgesuch erfolgt war. Ja noch mehr; die Zeitungen brachten, wie ich schon erwähnt habe, die Nachricht, dass der Sanitätschef das Ersuchen an die indische Regierung gerichtet hatte, wegen grossen Mangels an Militärärzten diesen keinen Urlaub nach Europa zu gewähren.
Endlich erhielt ich am 8. April die telegraphische Nachricht, dass mir der Urlaub ertheilt werde, und da die Messagerie maritime mir auf mein Ersuchen eine Cajüte auf »dem Ernest Simon«, welcher am 20. April von Singapore abgehen sollte, reservirt hatte, eilte ich sofort am folgenden Tage nach Semárang, wo es mir durch das Entgegenkommen aller Behörden ermöglicht wurde, am 12. April mit dem Reael nach Batavia abreisen zu können.
Um 3 Uhr fuhr ich mit einem Wagen des Hotels zum Hafen. Für den Preis von 2 fl. pro Kopf brachte mich und die übrigen Passagiere eine Dampfbarcasse auf die Rhede, wo sich der kleine Dampfer Reael auf den Wellen der etwas unruhigen See schaukelte. Um 4 Uhr wurde der Anker gelöst, und geschützt von der Decke des Zeltes richtete ich zum letzten Male meine Blicke hinüber zu dem vielköpfigen Merbabu. »Die Stadt mit ihrer baumreichen Umgebung und den Bergprofilen im Hintergrund formen ein liebliches Panorama. Im Südwesten erheben sich der Prahu, der Sindoro und der Sumbing, und im Süden taucht der Telemaja auf, hinter welchem der breite, vielköpfige Scheitel des Merbabu am Horizonte erscheint. Zwischen dem Sumbing und Sindoro tritt der Unarang deutlich in den Vordergrund. Seine malerische, trachitische und mit Trachitblöcken bedeckten Vorhügel erstrecken sich bis in die Nähe der Stadt, und man kann von der Rhede aus ihre rohen Formen, ihre breiten, abgerundeten Scheitel und ihre arme Vegetation mit unbewaffnetem Auge unterscheiden. Hinter diesen ungefähr 250 Meter hohen Hügeln erhebt sich der Unarang mit sanft aufsteigenden Abhängen, welche nach und nach in das Dunkelgrün seines dicht mit jungfräulichen Wäldern bedeckten Scheitels übergehen.«
Lebe wohl, du schönes, liebliches Java! Lebe wohl! Slamat Tanah Djava!
Anhang.
Die Ansiedelungen der Europäer auf der Insel Java.[223]
Wenn auch Marco Polo (aus Venedig) schon am Ende des 13. Jahrhunderts Sumatras Boden betreten hatte, so hat doch erst im Jahre 1323 (?) ein Europäer, und zwar wiederum ein Italiener, der Mönch Fra Odorica, zum ersten Male Java aus Autopsie kennen gelernt. Was sein Landsmann Nicolo de Conti (1430?) von seinen Erlebnissen in Java mittheilte, ist nicht der Mühe werth, geschichtlich beurtheilt zu werden, ebenso wenig haben die Mittheilungen von Ludovico di Varthema aus Bologna (1505) irgend welchen historischen Werth. Im Jahre 1512 schickte der Portugiese d’Albuquerque den Mohamedaner Nakhoda Ismaïl mit einer Jonke nach den Molukken mit dem Auftrage, die östlichen Inseln zu untersuchen. Im folgenden Jahre (1513) kehrte er mit einer Ladung von Gewürzen zurück, landete auf Java, wo bei Tuban sein Schiff strandete, worauf Inam Lopez Aluim mit vier Schiffen die Staaten der Nordküste aufsuchte. Acht Jahre später kam der Portugiese Antomode Brito mit fünf Schiffen nach Java und Madura (wo seine Bemannung eine kurze Zeit gefangen gehalten wurde), und im Januar 1522 Enrique Leme (nach Sunda), Garcia Enriquez und der Portugiese Magalhães. Im Jahre 1523 sah Java wiederholt portugiesische Schiffe, und zwar in Grisé. Während Simão de Soresa und Martin Correa einem nächtlichen Anfall der Javanen durch rechtzeitige Warnung des Manuel Botelho aus Surabaya entkamen, fiel Antonio de Pina, Botelho selbst und Antonio Pessoa (1524) unter den verrätherischen Anfällen der erbitterten Javanen. Die Portugiesen unterliessen es hierauf einige Jahre lang, mit den verrätherischen Javanen des Ostens der Insel Handel zu treiben, und besuchten allein Panarukan (1526 unter Antonio de Brito und João de Morene), und im Jahre 1528 (unter Don Garcia Enriquez), nachdem Francisco de Sá (1526) ebenfalls eine unglückliche Expedition nach »Sunda«[224] unternommen hatte.[225]
Im Jahre 1536 kam der Spanier Andres de Urdaneta nach Panarukan, nachdem 1532 die Portugiesen dort ein Standbild mit dem Wappen des Königs von Portugal und drei Kreuze errichtet hatten. Dreizehn Jahre lang fehlen die Nachrichten über die Fahrten der Portugiesen nach Java, und erst 1545 kam Fernão Mendez Pinto nach Bantam, und mit 40 Mann seiner Flotte betheiligte er sich an dem Zuge des Sultans von Bantam nach Demak (Januar 1546), um gemeinschaftlich gegen den Sultan von Pasuruan zu ziehen. Trotz der colossalen Heeresmacht (Pinto spricht von 800000 Mann und 2700 grösseren und kleineren Schiffen) endigte dieser Krieg mit einer fürchterlichen Niederlage, und die Portugiesen, welche sich daran betheiligt hatten, setzten ihre beabsichtigte Reise nach China fort. Auf der Rückreise erlitten sie an der Nordküste Javas Schiffbruch, Pinto wurde mit einigen seiner Matrosen als Sclave verkauft, später jedoch freigelassen und nach den portugiesischen Schiffen gesendet, welche in dem »Hafen von Sunda« lagen. Sir Francis Drake kam auf seiner Weltumsegelung (1577-80) ebenfalls nach Java. Die Holländer kamen zum ersten Mal am 23. Januar 1596 nach Java (Bantam) und schlossen unter Cornelis de Houtman (1. Juli 1596) mit Pangéran Mangku bumi, dem Vormund des unmündigen Fürsten, einen Vertrag, demzufolge Prinz Moritz von Nassau, zum grössten Aerger der anwesenden Portugiesen, in Bantam freien Handel führen konnte, und es gelang diesen auch, die Bantamer gegen die Holländer aufzuhetzen. De Houtman wurde mit seinen Männern, welche am Strande ein Waarenlager errichtet hatten, gefangen genommen, bald aber (2. October) freigelassen und konnte unter denselben Bedingungen wie die Portugiesen und Chinesen Handel treiben. Aber schon 3 Wochen später mussten sie wieder mit Gewalt das Befolgen des Contractes erzwingen; die Flotte zog dann längs der Nordküste bis Grisé; bei Sidaju wurde das Schiff Amsterdam von feindlich gesinnten Javanen überrumpelt, und am 6. December wurden sie bei Arisbaja, auf der Insel Madura, zu einem Angriff auf einige Kähne der Javanen durch falschen Argwohn gezwungen. Nachdem sie in Bavean das unbrauchbare Schiff »Amsterdam« verbrannt hatten, zogen sie nach der Insel Bali (Januar 1597), und einen Monat später (27. Februar 1597) zogen sie längs der Südküste Javas und Africas nach Holland zurück, wozu sie ungefähr 5½ Monate nöthig hatten. Im Jahre 1598 erschien wieder eine portugiesische Flotte, um die Niederländer, von deren Abreise sie nichts wussten, von Java zu vertreiben; die Bantamer fanden es jedoch zweckmässiger, sich diese ihre Freunde vom Halse zu schaffen, überfielen ihre Schiffe, nahmen ihnen das von anderen Schiffen geraubte Gut wieder ab und empfingen wieder mit Freuden die Ankunft einer neuen holländischen Flotte (25. November 1598). Von den acht Schiffen, unter dem Commando von Jacob van Neck, gingen vier voll beladen nach Holland zurück, und die übrigen vier fuhren am 8. Januar 1599 nach Madura, wo es ihnen, wie ihren Vorgängern, sehr schlecht erging. Fünfzig Mann fielen in die Hände der Maduresen und mussten um hohes Lösegeld freigekauft werden. Nach den Molukken setzten sie ihre Reise fort und kamen am 9. August wieder nach Bantam zurück.
Glücklicher waren in demselben Jahre zwei andere holländische Schiffe, welche allerdings acht Monate lang auf die Ernte des Pfeffers warten mussten, aber unter Gerard Leroy am 18. November 1599 voll geladen ihre Reise nach Europa antreten konnten. Das Jahr 1600 sah mehrere holländische Flotten vor Bantam, darunter die von Pieter Both, welcher für die Neue Brabant’sche Compagnie in Amsterdam eine Factory errichtete, während kurz vorher Wilkens für die alte Compagnie dasselbe gethan hatte. Als im Jahre 1601 die Spanier[226] unter Furtado de Mendoça als Erben der Portugiesen deren Colonien in Besitz nehmen wollten, befanden sich in Bantam bereits vier Factoreien, und es gelang Wolphert Harmensz (am 24. December 1601), die starke und weit überlegene Flotte der Spanier zum Rückzug zu zwingen, auf der Rhede von Bantam fünf Schiffe mit Gewürzen und Pfeffer voll zu laden und nach Europa zu senden, während der Admiral van Heemskerck in Demak einen Theil seiner Bemannung verlor und in Djaratan[227] die erste holländische Factory im Osten der Insel errichtete (1602).
Um diese Zeit errichteten auch die Engländer (December 1602) eine Factory in Bantam (unter Capitän James Lancaster), und zwar in demselben Jahre, als die ostindische Compagnie (20. März 1602) den Grundstein zu der colonialen Besitzung Hollands gelegt hatte. Schon 1603 (29. April) konnte Wybrand van Warwyck in Bantam und Grisé mitten in den Städten Bantam und Grisé steinerne Gebäude zur Errichtung der Factory erhalten, während dieses vor dieser Zeit höchstens am Ufer des Meeres erlaubt gewesen war. En mangeant vient l’appetit. Die Engländer kamen schon im nächsten Jahre (1604) mit zahlreichen Schiffen, und wenn auch anfangs diese zwei Seemächte sich freundschaftlich vertrugen, blieb die Rivalität nicht aus, und im Jahre 1605 kam es zwischen beiden zu einem blutigen Gefecht. Auch mit Spanien machte sich die grösste Rivalität geltend, so dass sich die Compagnie endlich zu einem weitgreifenden Schritte entschloss. Am 30. Januar 1610 verliess Pieter Both mit acht Schiffen Texel, kam 10½ Monate später nach Bantam (19. December), besuchte sofort Jakatra,[228] wo er eine Factory errichtete, welche jedoch nach seiner Abreise ausgeplündert und verbrannt wurde. Als er (October 1613[229]) von seiner Reise nach den Molukken zurückkam und diesen traurigen Zustand erfuhr, ernannte er Jan Pieterszoon Koen zum Director der beiden Factoreien Bantam und Jakatra. Dieser benutzte die Rivalität der beiden Höfe von Bantam und Jakatra, um offensiv gegen Bantam und die Engländer aufzutreten, welche ebenfalls in Jakatra, und zwar am linken Ufer der Tji-Livong eine Factory errichtet hatten. Als die Factory von Djapara ausgeplündert und am folgenden Tage selbst das Gebäude zu Jakatra überfallen wurde, entschloss sich endlich Koen zu radicalen Schritten und begann am 22. October 1618 ein Fort in Jakatra zu bauen. Schon am 8. December 1618 erschien eine grosse Flotte der Engländer vor Bantam, bemächtigte sich des reich beladenen Schiffes »De zwarte Leeuw« und zog dann weiter nach Jakatra, wo sie Batterien aufwarfen. Diese wurden jedoch schon am 23. von Koen angegriffen und zerstört. Zu einem unentschiedenen Treffen kam es am 2. Januar 1619, worauf Koen nach den Molukken eilte, um eine hinreichend starke Flotte zu erhalten, und zugleich van den Broek beauftragte, das neue Fort zu verstärken und sich auf die Defensive gegen die Engländer und Javanen zu beschränken. Dieser liess sich aber durch die Javanen in die Falle locken, und sein Vertreter im Fort, Pieter van Raey, capitulirte vor den Engländern und Jakatraern. In dieser Noth kam unerwartet Hülfe von -- Bantam, welche den Engländern und Jakatraern das Recht absprach, sich mit den Holländern zu bemühen. Die darauf entstandene Verhandlung zog sich in die Länge, bis im Mai (1619) Koen mit 16 Schiffen vor Jakatra erschien, die Javanen aus ihren Bollwerken vertrieb und +Batavia+, welcher Name am 12. März van Raey dem ganzen Fort, d. h. den vier Bastions Holland, West-Friesland, Zeeland und Gelderland, gegeben wurde, als den Mittelpunkt des niederländischen Handels in Indien erklärte. Bantam widersetzte sich noch einige Monate dieser definitiven Ansiedelung der Holländer in Batavia, ohne nicht einmal die Uebersiedelung seiner eigenen Unterthanen (Chinesen und Bantamer) verhindern zu können. Mataram erklärte hierauf die Niederländer zu seinen »Unterthanen« und glaubte ihnen gegenüber dieselben despotischen Gebräuche wie gegen die Eingeborenen üben zu können. Aber schon 1622 änderte der Panembahan seine Politik und bat die Niederländer um Hülfe, Bantam zu unterwerfen. Koen fürchtete, dass nach Bantam Batavia an die Reihe kommen sollte, und gab seiner Gesandtschaft unter Dr. de Haan den Auftrag, diesbezüglich in Mataram die nöthige Vorsicht zu üben. Durch die Eroberung von Sukadana auf Borneo und von der Insel Madura war der Fürst von Mataram Herr von beinahe ganz Java geworden und verlangte auch von dem Gesandten Vos,[230] die Souveränität Matarams anzuerkennen. Als im August 1626 eine Gesandtschaft nach Mataram abging, wurde sie in Karta nicht zugelassen, weil »die Geschenke zu unansehnlich waren und die Regierung in ihrem Briefe den Susuhunan nicht hoch genug betitelt und sich selbst nicht genug erniedrigt hatte«.[231]
Unterdessen hatten die Engländer mit den Niederländern 1619 einen Contract geschlossen, dem zufolge sie gemeinsam in Bantam unter einem »Rath von Vertheidigung« die gegenseitigen Handelsinteressen schützen sollten. Dieser Vertrag zwischen Hund und Katze dauerte nur bis 1628, in welchem Jahre sie den Handel in Bantam ganz allein in ihre Hände bekamen, um jedoch schon 1684 vor der Energie Hollands weichen zu müssen.
Im Jahre 1627 kam Koen zum zweiten Male als Gouverneur-General nach Batavia, und hatte bald gegen einzelne Scharen von Bantamern Batavia und sein Leben zu vertheidigen und auch einen Ueberfall von Mataram (22. August 1628) zurückzuschlagen; ein zweiter Ueberfall (September 1629) endigte ebenso glücklich für die Niederländer, obzwar Koen selbst ein Opfer der Cholera wurde. Jacques Specx wurde zu seinem Nachfolger ernannt. Da die Regierung in Holland immer und immer wieder die indische Regierung ermahnte, mit Bantam und Mataram in Freundschaft zu leben, wurde der Regent von Djapara als Vermittler zwischen der Compagnie und dem Sultan Ageng (= der Grosse), welchen Titel er von einem arabischen Scheik aus Mekka erhalten hatte, gewählt, und eine holländische Gesandtschaft, aus 25 Mann bestehend, brachte zahlreiche Geschenke nach Djapara. Sie wurden jedoch mit ihren Geschenken von dem Regenten selbst gefangen genommen. Da nebstdem Sultan Ageng zahlreiche Räuberbanden nach Batavia sandte, so wollte G.-G. Brouwer, der Nachfolger von Specx, die Macht des Sultans auf indirecte Weise schwächen und schickte (1633) nach der Insel Bali eine Gesandtschaft, um den Fürsten gegen seinen Erbfeind von Mataram aufzuhetzen. Da dies nicht gelang, so entschlossen sie sich zu dem erniedrigenden Vorgang (October 1634), eine Gesandtschaft an den Sultan zu senden und einen jährlichen Tribut zu zahlen, »weil die Niederländer auf +seinem+ Lande sich angesiedelt hatten«.[232] Der Sultan stellte jedoch unerreichbare Forderungen und Antonie van Diemen[233] gab sich Mühe, wieder mit Bantam auf guten Fuss zu gelangen, dessen Fürst ebenfalls aus Mekka eine heilige Fahne und den Titel Abu’l, Mofachir Mohamed Abdu’l Kadir erhielt. Dadurch stieg die Rivalität mit dem Sultan Ageng, und nachdem 1639 die Niederländer ein Schutz- und Trutzbündniss mit dem Sultan von Bantam geschlossen hatten, entfaltete er die heilige Fahne zum Kriege gegen alle Ungläubigen. Obwohl um diese Zeit (1641) die Niederländer ihren alten Rivalen, den Portugiesen, auf welche Sultan Ageng seine ganze Hoffnung gründete, mit ihrer Hülfe die Niederländer von Java zu vertreiben, auf Malacca eine solche Niederlage beibrachten, dass sie gezwungen waren, diese Colonien aufzugeben, so wurde ihre Lage doch nicht verbessert, weil wieder die Engländer auf dem Kriegsschauplatze erschienen (1642), indem die Factory von Bantam eine Gesandtschaft an den Fürsten von Mataram schickte, zu dem Zwecke, die Insel Banka zu erwerben. Einen directen Angriff auf Batavia erlebte Sultan Ageng nicht mehr, und nach 33jähriger Regierung (1645) starb er und wurde zu Imagiri begraben, wo sein Grab noch heute von den Javanen als Heiligthum verehrt wird.
Nach dessen Tode gelang es endlich dem G.-G. Cornelis van der Lijn mit dessen Nachfolger, Amangku-Rat, im Jahre 1647 Frieden zu schliessen.