21 Jahre in Indien. Erster Theil: Borneo.

Part 14

Chapter 143,499 wordsPublic domain

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Im Jahre 18... wurde in W. eine grosse Caserne gebaut, ohne dass man für Aborte gesorgt hatte. Als die Mannschaften die Caserne bezogen und vergebens nach diesen Räumlichkeiten sich umsahen, erst an diesem Tage wurde dieser Mangel entdeckt. Errare est humanum, und doch ist dies ein unverzeihlicher Fehler gewesen, weil Jedermann beim Miethen einer Wohnung an diese unentbehrlichen Räume denken soll und muss; umsomehr in Indien, wo eigenthümliche Verhältnisse und auch andere Gebräuche berücksichtigt werden müssen. So z. B. ist der Gebrauch des Papiers zur Reinigung wenig oder gar nicht bekannt; die Eingeborenen benützen Wasser selbst nach dem Verrichten eines kleinen Bedürfnisses. Die Vorzüge dieses Gebrauches, tjèbok genannt, gegenüber dem des Papieres, sind so in die Augen springend, dass es keines Wortes zur Begründung bedarf. Für Männer mit Hämorrhoiden und für Frauen mit weissem Fluss hat das Wasser in diesem Falle selbst einen so grossen hygienischen Werth, dass ich auch in Europa diese Art von Reinigung solchen Patienten recommandiren würde. Ich habe ja nur ein einziges Mal in Indien eine Blenorrhoea recti gesehen, und zwar bei einem alten europäischen Matrosen. Bei Frauen kann ja das Secret des weissen Flusses auf die benachbarten Schleimhäute übergreifen; wie häufig dieses in Europa geschieht, lässt ein Aufsatz in der W. M. W. No. 23 und 24 vom Jahre 1898 vermuthen; in Indien aber sah ich es niemals, und ist kaum denkbar, weil die eingeborenen Prostituées sich eben nach allen Entleerungen mit Wasser reinigen.

Zu diesem Zwecke befinden sich in jedem Aborte eine gewisse Anzahl Weinflaschen mit Wasser gefüllt; öfters hält man zum Zwecke der Desinfection auch Flaschen mit 5% roher Carbolsäure im Aborte vorräthig; ich selbst bekam einen Officier zur Behandlung, welcher irrthümlicher Weise eine Flasche Carbolsäure (anstatt Wasser) zur Reinigung gebraucht hatte. Diese 5% Auflösung hatte keine weiteren schädlichen Folgen als den augenblicklichen Schmerz. Solche Verwechselungen sind natürlich leicht zu vermeiden. Ich hatte beim Beziehen meines »Hauses« keine Wahl mehr über die Bauart meines Abortes; der Bauplan des ganzen Hauses war ja schon lange vorher durch die Regierung genehmigt. Ich will auch den technischen Theil nicht besprechen, weil in der Bauhygiene von dem Capitän der Genie G. W. F. de Vos Jeder diesbezüglich hinreichende Belehrung findet, der ein Haus und einen Abort nach den Forderungen der Hygiene bauen will. Dieses Buch ist aus dem Jahre 1892 und erwähnt darum noch nicht die letzten Erfindungen auf diesem Gebiete. Wenn aber auch die Häuser keine Wasserleitung haben, so liesse sich doch +ohne+ bedeutende Kosten ein modernes Closet in jeder Privatwohnung anbringen, welches unbedingt allen Anforderungen nicht nur der Hygiene und Zweckmässigkeit, sondern auch der Aesthetik und Reinlichkeit entspricht. Diese wären jedoch nur von den Europäern in Gebrauch zu nehmen; für den Eingeborenen ist das Hocken eine solche Gewohnheit, dass er nie einen Abort gebraucht, bei dem er sitzen muss. Es ist darum zweckmässig, für die eingeborenen Bedienten den Abort nach »indischem« Modell einzurichten.[21]

Das Baden ist in Indien ein grösseres Bedürfniss als in Europa; durch die höhere Temperatur ist eine grössere und intensivere Transpiration bedingt, und es ist eine alltägliche Erscheinung, einen Kuli mit nacktem Oberleib an der Arbeit zu sehen, während ihm der Schweiss in fingerdicken Strömen herabfliesst; und doch ist die pigmentreiche Haut weniger zum heftigen Schwitzen disponirt als die des blonden Europäers; vielleicht ist es ein post und doch kein propter hoc, d. h. vielleicht ist die Acclimatisation die Ursache, dass Eingeborene, halb europäische und auch europäische Menschen, welche nach langer Anwesenheit unter den Tropen einen dunklern Teint bekommen, weniger schwitzen, als die Orang Baru, welche während des Anfangs ihrer indischen Laufbahn in so heftiger Weise transpiriren, dass sie oft an den erschöpfenden Schweiss der Phthisiker denken lassen; zur Regenzeit ist auch die Transpiration intensiver als zur Trockenzeit, weil der niedrige Feuchtigkeitsgehalt der Luft im Ostmonsun das Verdampfen der Flüssigkeit befördert. Der Schweiss riecht intensiv sauer und zeigt auch eine saure Reaction, und besonders bei Frauen zur Zeit der Menstruation; in der Regel ist die Transpiration am stärksten in der Achselhöhle und am Bauche, wo die Kleider eng anschliessen, obwohl Krause angiebt, dass die grösste Menge von Schweissdrüsen sich an der Flachhand und Fusssohle befinden (2236-2685 auf den ☐″). Hier färbt der Schweiss die Leibwäsche von lichtgelben bis beinahe dunkelbraunen Flecken; wiederholt habe ich Frauen unter Behandlung bekommen, welche glaubten, einen intensiven Fluss aus der Vagina zu haben, weil sie braune Flecken in der Unterhose hatten, und auch Männer, deren Gewissen nicht rein war, welche ähnliche Flecken im Hemde hatten und an einer »leichten russischen Blenorrhoe« zu leiden glaubten. Es war nichts anderes, als der Schweiss. Wie weit der Inhalt der Talgdrüsen sich mit diesem vermengt hat, weiss ich natürlich nicht; denn auch im Schweisse gesunder Menschen findet man unter anderem Harnsäure, Harnstoff, ja selbst manchmal Indigo.

Thatsächlich besteht ein Vicariiren zwischen der Hauttranspiration und dem Secerniren der Nieren. Auf meiner letzten Seereise bekamen wir bei unserer Einfahrt in das Rothe Meer unerwartet eine niedrige Temperatur. Auffallend war es, wie mit dem Zurücktreten der Schweissmenge eine grössere Secretion der Nieren verbunden war; dasselbe geschieht, wenn man in Indien selbst aus der Ebene ins Gebirge reist; je höher man kommt, desto ergiebiger ist die Function der Nieren.

In Europa verliert man, nach Séguin, täglich durch die Haut 1/67 seines Körpergewichtes; wie gross der Gewichtsverlust in Indien sei, ist mir nicht bekannt, aber gross, sehr gross muss er sein, denn man muss ein-, oft zweimal des Tages die Wäsche wechseln, und wenn man, wie z. B. der Arzt, einen Beruf im Freien ausübt, selbst dreimal. Wie oft geschieht es selbst, dass man in der Nacht aufstehen muss, um die wenige Wäsche, welche man anhat, zu wechseln?!

Es bedarf also keiner weitern Motivirung, dass das tägliche Baden in Indien einem dringenden Bedürfnisse entspreche; ja noch mehr, es ist Regel, dass man zweimal des Tages badet, und manche Menschen thun dieses selbst dreimal des Tages. Es ist aber ungesund, sofort nach dem Verlassen des Bettes und vor Aufgang der Sonne sein Bad zu nehmen. Vor Sonnenaufgang sollte man überhaupt das Zimmer nicht verlassen, weil die nächtliche Luft von den Miasmen geschwängert wird. Nebstdem sind die Poren der Haut durch das Schlafen hinter den Mosquitonetzen und durch die reichliche Transpiration geöffnet, die Haut und die Leibwäsche ist feucht und der plötzliche Uebergang in die kühle, mit Miasmen geschwängerte Luft, vor dem Aufgang der Sonne, muss schädlich sein. Es empfiehlt sich daher, die Nachtwäsche zu wechseln und den Aufgang der Sonne abzuwarten, und erst unmittelbar vor dem Anlegen der Kleider sein Bad zu nehmen. Die meisten Damen sind in dieser Hinsicht vorsichtiger als die Männer; sie nehmen ihr erstes Bad erst nach Ablauf der grössten häuslichen Arbeit, d. i. zwischen 10 und 11 Uhr, wenn das »Haus« aufgeräumt ist und die weitere Arbeit der Köchin überlassen werden kann.

Das Bad selbst ist ein sogenanntes Schiffsbad (siram M), d. h. man begiesst den Körper mit Wasser. Wannenbäder werden überhaupt nur von einzelnen Kranken genommen; selbst in den grossen Spitälern badet der grösste Theil der Patienten in dieser Weise oder gebraucht eine Douche. Die Eingeborenen und die Chinesen nehmen gern ein Flussbad oder erfrischen sich öfters des Tages unter einem Pantjoran (M). Das sind kleine Bäche, welche mit einem Abzugrohr, gewöhnlich einem halben Bambusrohr, versehen, das Wasser in einer Höhe von ungefähr 1 Meter auf den Körper fallen lassen. Da diese Bäche gewöhnlich im Gebirge vorkommen, so ist das Wasser zwar krystallhell, aber so kalt, dass ich nur mit Schüttelfrost davon Gebrauch machen konnte. Ein Schiffsbad in der Ebene z. B. hat 25-27° C.; die Pantjoran in Sindanglaya (im Gebirge der Preangerregentschaft), welches beinahe 1100 Meter über dem Meere liegt, hatte ein so kaltes Wasser, dass ich keinen Augenblick unter dem Sturzbad verweilen konnte, obzwar im Bassin selbst der Aufenthalt geradezu erquickend war. Auch in Salatiga befindet sich ein solches Bad, welches durch sein helles, frisches Bergwasser zu den besten indifferenten Bädern gehört, welches dem durch die Wärme der Ebene erschöpften Organismus neue Energie und neue Lebenslust giebt. Salatiga und Sindanglaya sind auf Java bekannte Luftkurorte, wo Malaria- und Leberkranke in der Reconvalescenz Kräftigung des Organismus suchen. Leider tragen die meisten Menschen keine Rechnung mit der Temperaturdifferenz und gebrauchen dieselbe Haustoilette als in der warmen Ebene. Erkältungen sind also sehr häufig und zwar die des Darmes, so dass die armen Patienten durch die Diarrhoe gezwungen werden, das »Bergklima« zu verlassen.

Auch mein »Haus« hatte ein Badezimmer, in welchem ein gemeisseltes 3 Cbm. grosses Wassergefäss sich befand; der Flur war mit Cement bedeckt; ein Kleiderrechen war das einzige Möbelstück. Ich liess also noch einen Spiegel aufhängen, liess auf den Boden hölzernes Rost auflegen, weil man auf dem nassen Cementboden leicht ausgleiten kann, den Filtrirstein mit grossem Topf hineinstellen und aus Zinnblech einen Schöpfer machen, mit welchem ich mich siram konnte. Das Wasser erhielt ich aus einer Rinne, welche das Regenwasser auffing, oder aber aus dem Ziehbrunnen, welcher hinter dem Hause stand.

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Auf Seite 18 sprach ich von dem Antassan Lotongtor, als von einem historischen Orte, weil sich dort die traurigen Reste des Kriegsschiffes »Onrust« befänden. Im Jahre 1877 war noch nicht einmal im October die Regenzeit eingetreten; der Ostmonsun war so ausgesprochen trocken gewesen, dass der grosse Strom Dusson im oberen Laufe nicht nur für Dampfer, sondern selbst für Schleppkähne nicht mehr befahrbar war. Wir bekamen Nachricht, dass bei Lotongtor das Wrack des »Onrust« zu sehen sei; in zwei kleinen Kähnen gingen ich, Lieutenant X. und der Bezirkshäuptling Dakop dahin, um es zu besichtigen. Der Kessel stand mehr als ½ Meter über der Wasserfläche, und wir beide mussten mit den schärfsten Worten den Indifferentismus der holländischen Regierung verurtheilen, welche es nicht der Mühe werth gefunden hat, und zwar in 18!! Jahren Zeit, das Wrack beseitigen zu lassen. Eine traurige Siegestrophäe der Dajaker, welche selbst ihre Enkel zu neuer Heldenthat und zu neuem Morden anfeuern musste! Dakop tauchte in das Wasser und fand noch eine goldene Uhr und ein Medicinfläschchen im Wracke; erstere wurde nach Bandjermasing gesendet, während ich das Medicinfläschchen dem Sanitätschef der Kriegsmarine zukommen liess. Wie es doch möglich sei, dass ein europäisches Kriegsschiff mit Mann und Maus von wilden Dajakern ausgemordet werden könne, wird so mancher fragen. Der antimilitärische Geist der Holländer war an diesem schaurigen Drama ebenso schuld, wie 23 Jahre später, als auf Sumatras Nordküste nach den siegreichen Feldzügen des Generals Karl van der Heyden dieser das Obercommando in die Hände des Civilbeamten Pruys van der Hoeven legen musste und die Atschinesen sofort wieder zum Angriffe übergingen. Wie ein rother Faden zieht sich durch die ganze Geschichte Indiens die Ungeduld der holländischen Regierung, das kaum unterworfene oder eroberte feindliche Land, und wäre es nur für eine kurze Zeit, in den Händen des zielbewussten, kräftigen Militär-Commandos zu lassen. Kaum hat sich ein Feind de facto oder nur zum Schein unterworfen, erscheint der Regierungs-Commissar, der Resident oder wie er sonst heissen möge, und die militärische Macht wird zum Polizeidienst degradirt.

Ich kann nicht umhin, den Verlauf dieses Dramas zu erzählen, wie er mir von den Epigonen der Dajakschen Helden mitgetheilt wurde.

Im Jahre 1857 war Sultan Adam gestorben und hatte seinen Sohn Prabu Anam[22] vorher auf Drängen seiner Frau Njaih Ratu Komala Sari zum Thronfolger ernannt, obzwar die holländische Regierung ihren gerechtfertigten Einwand dagegen erhoben hatte. Er wurde seines Thrones verlustig erklärt und Tamdschit Illah, ein Enkel des Sultans Adam, zum Sultan des Bandjermasingschen Reiches ernannt, obwohl er von mütterlicher Seite nicht von fürstlicher Abstammung war; nebstdem war sein Stiefbruder Hidajat, der dieses Vorrechtes sich erfreuen konnte, zum Reichsverweser ernannt worden, ohne durch seine Geistesgaben auch nur im Entferntesten dazu geschickt zu sein. Allgemeine Unzufriedenheit herrschte hierauf im ganzen Südosten Borneos, welche natürlich von Hidajat im Geheimen genährt wurde. Der damalige Resident von Bandjermasing, Graf von Bentheim Tecklenburg, wusste so wenig von dem drohenden Unwetter, dass er 1859 auf eine diesbezügliche Anfrage von Batavia mit dem Dampfer Ardjuno das Bulletin dahin schickte: »Politische Zustände günstig.« Der Landes-Commandant jedoch sandte Ende März einen genauen Bericht über die Gährung im Reiche, und den 29. April kam der Oberst Andresen mit 300 Mann in Bandjermasing an, um das militärische und civile Commando auf sich zu nehmen. Unterdessen hatte der Aufstand, welcher zu Gunsten der Thronfolge des Hidajat unternommen war, fürchterliche Ausbreitung gewonnen; in Pengaron wurde der Ingenieur der Kohlenminen ermordet, im Süden von Martapura fielen alle Europäer, 21 an der Zahl, zum Opfer; am Kapuasflusse erlitt ein Missionar mit seiner Frau dasselbe traurige Schicksal u. s. w. Endlich wurden die Truppen Herr des Aufstandes; beide Kronprätendenten, Hidajat und Illah, wurden nach Java verbannt und das Reich am 14. December 1859 direct der holländischen Colonie einverleibt. Jetzt war es natürlich die höchste Zeit, die Weisheit des Residenten N.. leuchten zu lassen und das »militärische« Element sofort zu beseitigen. Resident Nieuwenhuizen trat an die Spitze der Regierung, und Major Verspyk wurde »+nur+« der militärische Commandant von der südöstlichen Hälfte von Bandjermasing.

Der Krieg war jedoch nur mit den malayischen Fürsten beendigt. Die Dajaker der Dusson ilir und ulu, welche diese zur Theilnahme an dem Aufstand gegen die Holländer überredet hatten, legten ihre Waffen nicht nieder. Sie fürchteten, unter dem holländischen Scepter ebenso ausgesogen zu werden als unter dem malayischen Tyrannen; nebstdem hatten sie »Blut gekostet«. Zahlreiche Köpfe von angesehenen Europäern zierten ihre Wohnungen. Verlieren konnten sie nicht viel, weil sie keinen Handel trieben, keine Magazine hatten, keine Fabriken, welche leer stehen blieben; sie konnten nur gewinnen, wenn sie den Raubkrieg fortsetzten. Der Herr Bangkert, welcher in Marabahan Assistent-Resident war, sah in den einzelnen Truppen der Dajaker, welche bei Amuntai, Barabei, Buntok und längs des Martapuraflusses schwärmten, nur noch »einzelne böswillige Marodeure«, und versicherte gegenüber dem Residenten Nieuwenhuizen, dass es ihm ein Leichtes sei, den dajakschen Häuptling Suropatti wieder zur Unterwerfung zu bringen, weil er mit ihm vor 7 Jahren ewige Freundschaft beschworen habe.

Induamban jedoch, die Tochter eines Häuptlings der Dusson ulu, hatte ewige Feindschaft den verhassten Blanken geschworen; der Krieg dauerte schon beinahe ein Jahr und noch kein einziger europäischer Schädel wurde ihr angeboten, ihr, der Tochter des Gusti Leman, des angesehensten Häuptlings im Gefolge Suropattis. Nur den Kopf einer malayischen »Soldatenfrau« und eines javanischen Soldaten hatte ihr Freier ihr zu Füssen gelegt; sie müsse jedoch auch den eines holländischen Officiers bekommen. Sie zog von Lager zu Lager, nur bekleidet mit dem Saloi und der Glasperlenschnur um den Knöchel des rechten Fusses. Ihr rabenschwarzes, glänzendes Haar liess sie frei über die Schultern flattern, und wenn Abends die Männer halb trunken vom Tuwak vor dem Lager Wache hielten, erschien sie mit glühenden Augen, fasste krampfhaft ihre Brüste und hob ihren rechten Fuss gegen die Schildwacht mit den Worten: »Dies für einen holländischen Officier.« Sie erzählte auch, dass sie schon siebenmal den Flug des Antang (Falken) beschworen habe, und jedesmal sei er gegenüber den rechten Pfeilen erschienen, dass die Töchter der Sonne (Mahatara) ihr Vornehmen guthiessen, dass sie vor Sonnenuntergang zum Bigal (Flussraub) und nicht zur Kajau (Kopfjagd durch Lauern im Walde) ausziehen müssten, dass, sie wisse es aus guter Quelle, ein Feuerschiff Suropatti werde abholen, dass alle Officiere und Bangkert in ihre Hände fallen werden, und dass auch sie, ihre Freunde, welche jetzt im Lager zu Amuntai versammelt, an diesem Bigal theilnehmen könnten, und dass sie dem Bringer des Kopfes des ersten Officiers nicht nur für immer angehören wolle, sondern dass sie den Kopf in Stücke schneiden und jedem ihrer Freunde ein Stück schenken wolle. Sie wisse dies sicher, denn ein Sanggian habe ihr (im Traume) ein viereckiges, gelbes glänzendes Steinchen gezeigt, welches hinter dem Opferstock des letzten Todtenfestes liegen sollte. Kaum war dieses am achten Tage beendet, wartete sie den Sonnenuntergang ab, und als Alle sich in den Kampong zurückgezogen hatten, um mit den Bliams und Bassirs zu ....., da sei sie hinter den Opferstock gegangen und fand diesen gelb glänzenden Stein. Dabei zog sie wild die Brüste auseinander, zwischen welchen, auf einem dünnen Rottangschnürchen befestigt, ein gelbes Steinchen zum Vorschein kam.

Kaum mehr denn eine Nacht blieb sie in demselben Lager; am Ufer des Teweh war sie heute, morgen zog sie nach den Ufern des Montalat, an den Ufern des Kapuas und Kahajan theilte sie die freudige Botschaft mit, anfangs December den Kopf eines hohen Officiers in Händen zu haben. In ihrem kleinen Canoe übersetzte sie den Baritu und hatte nebst ihrem Saloi nur noch den Tudong (Fig. 2), einen grossen Strohhut in der Form einer Futterschwinge, welche ihr Vater bei einem Becompeyer erbeutet hatte, um endlich wieder an der Mündung des Teweh die Nachricht abzuwarten, ob und wann Suropatti zur Unterredung mit Bangkert eintreffen werde. Anfang December kam ein Bote von Suropatti, welcher mittheilte, dass nach der dritten Einladung des Herrn Bangkert der Fürst beschlossen habe, bei Teweh eine Conferenz zu halten, und zwar sollte dieses den 10. December geschehen. »Illa-la-hap« stiess Induamban beim Hören dieses Berichtes aus, nahm zwei Ruderer auf, um in Eilmärschen die Orang Tabayan, O. Anga, O. Njamet und selbst an der Quelle des Teweh die O. Bonoi aufzusuchen und sie sofort zur Reise nach der Mündung des Teweh zu veranlassen, während zwei ihrer Liebhaber stromabwärts bis Buntok zogen, um alle Dajaker am 10. December, Alt und Jung, Mann und Frau, zwischen dem Teweh und Montalat in den Atassans sich verbergen zu lassen. Thatsächlich erschien den 9. December Abends das Kriegsschiff »Onrust«[23] vor der Mündung des Montalat; die Anker wurden fallen gelassen, und mit gezücktem Säbel betraten die Schildwachen das Deck. Die Officiere und der Assistentresident Bangkert gingen um 6½ Uhr zur Abendtafel, ohne auch nur zu ahnen, dass sie von Hunderten und Hunderten lüsterner Augen belauscht wurden. Suropatti war noch nicht erschienen, und so beschloss Bangkert, den folgenden Morgen ihm bis Teweh entgegenzufahren. Induamban und die Hunderte Dajaker folgten lautlos dem Schiffe, welches wegen der zahlreichen Krümmungen und der Sandbänke nur langsam fahren konnte. 12 Uhr schlug es, und noch Niemand war zu sehen. Nach Tisch zog sich Bangkert aus und ging sein Nachmittagsschläfchen thun, als um 2½ Uhr der laute Werdaruf der Deckwacht ihn aus seinem ersten Schlaf unsanft riss. Ohne weitere Kleidung anzulegen, also nur mit einem Sarong bekleidet, eilte er auf das Deck und sah drei grosse Kähne mit der holländischen Flagge dem Schiffe sich nähern. +Einer davon trug jedoch die Flagge umgekehrt.+[24] »Suropatti kommt also sich unterwerfen,« rief er dem Schiffscapitän frohlockend und jubelnd zu, welcher bei dem Werdarufe der Schildwache schnell die Uniform anzog, um beim Empfang des Fürsten gegenwärtig zu sein. Als er jedoch den Herrn Bangkert nur im Sarong gekleidet sah, zog er sich in seine Cajüte zurück, um sich seiner überflüssigen Epauletten zu entledigen. Unterdessen hatte das Schiff gestoppt, den Anker und die Falltreppe fallen lassen, und mit lautem Tabéh Tuwan,[25] Tabéh Tuwan hatten sich Suropatti, Bangkert und der Commandant begrüsst. Auf dem Decke stand ein Tisch, auf welchem Bangkert und Suropatti sich niedersetzten, das Gefolge setzte sich auf den Boden nieder, und bei einem Gläschen Genevre begannen die Unterhandlungen.

Zu dem Gefolge, welches abwechselnd auf dem Decke sass oder hockte (Djongkok), gehörten auch der Vater (?) und der Geliebte Induambans. Von den Verhandlungen der beiden Männer verstand das Gefolge nur einzelne Worte, weil sie in der malayischen Sprache geführt wurden; als aber ein Mandur mit Säcken Ringgis = ryksdaalders = 2 fl. 50 auf dem Decke erschien, wurde es ihnen deutlich, dass Suropatti sich unterwerfen würde, und als der Vater Induambans spöttisch den Geliebten seiner Tochter frug, ob er noch den Saloi hätte, welchen sie ihm als Gegengeschenk seiner Liebeswerbung gegeben hatte, sprang dieser mit einem durchdringenden Schrei auf die Füsse, zog seinen Mandau und fasste den Schiffsarzt, welcher in diesem Augenblick auf Deck erschien, bei den Haaren und schlug ihm den Kopf ab; zu gleicher Zeit erschienen von dem gegenüberliegenden Antassan zahlreiche Djukungs, aus welchen die Dajaker wie Katzen das Schiff erkletterten, in ihrer Mitte mit gezogenem Mandau Induamban, Suropatti erfasste den Kopf Bangkerts, und ebenso schnell flog die Bande der Dajaker in das Zwischendeck, um Alles zu ermorden. Während Induamban mit dem Kopfe des Schiffscapitäns in der hocherhobenen Hand bigal, bigal rief, stürzte sich ein javanischer Bedienter ins Wasser und entkam als Einziger dem traurigen Blutbade. 44 europäische, 11 eingeborene Matrosen, 6 Officiere und der Assistenz-Resident Bangkert waren in wenigen Minuten den Mördern zum Opfer gefallen. Im Februar 1860 zog eine Expedition nach Lotongtor, um die Dajaker dafür zu züchtigen. Wieder wusste Niemand, was die Dajaker mit dem ausgemordeten Schiffe gethan hatten. Sie wussten nicht, dass die Kanonen mit dem Pulvervorrath von den Dajakern ans Ufer gebracht wurden und in Lahey, ungefähr zwei Stunden oberhalb Muarah Teweh, zur Batterie aufgepflanzt wurden. Als die Kriegsschiffe an Lahey vorbeifahren, bekam das erste Schiff einen Schuss aufs Deck, ohne dass es glücklicher Weise kampfesunfähig wurde; sofort wurden die Matrosen ausgeschifft und nahmen im Sturm die Festung und sahen zu ihrer Ueberraschung nicht nur die Kanonen und Munition von dem »Onrust«, sondern auch die grossen eisernen Querbalken, welche die zwei grossen Schaufelräder des Schiffes verbanden.

7. Capitel.

Acclimatisation -- Sport in Indien -- Sonnenstich -- Prophylaxis gegen Sonnenstich -- Alcoholica -- Bier -- Schwarzer Hund -- Mortalität beim Militär im Gebirge und in der Ebene -- Klima -- Statistik -- Erröthen der Eingeborenen -- Geringschätzung der „Indischen“ -- Fluor albus, Menstruation -- Gesundheitslappen -- Erziehung der Mädchen -- Indische Venus -- Indischer Don Juan.