Zuchthausgeschichten von einem ehemaligen Züchtling Erster Theil

Chapter 30

Chapter 302,605 wordsPublic domain

Die Bauersleute im Mooshofe lebten noch, der Fremde erzählte Vieles dem Zuckerhannes und dieser wurde über Alles, was er vorbrachte, so entzückt, daß er demselben antrug, ihn über die Steig hinauf zu begleiten.

Gesagt, gethan! Auf dem Wege ward Mancherlei geredet, der Fremde sagte auch, daß er einen treuen und geschickten Knecht wohl brauchen könnte, der Hannes säumte nicht, sich als solchen anzutragen und die Unterhandlung begann.

"Schaut, wer geht denn mit dem liederlichen Zuckerhannes?" ließen sich Zwei ganz laut vernehmen, welche auf der Staffel des Bären standen.

Der Fremde hörte es, schielte nach dem Begleiter hinüber, bemerkte, daß dieser erbleichte und zitterte, schwieg jedoch und ging weiter.

"Hat _der_ wieder Einen umzubringen? Wahrscheinlich wird er ihn droben im Walde abthun wollen, man sollte den Fremden warnen!" flüsterte später ein Weibsbild, welches mit einem Bauern an den Beiden vorüberzog. Der Fremde machte ein ernsthafteres Gesicht und blickte nach der Höhe, von wo der Tannenwald finster und schweigend herabstarrte.

"Jokele, sei brav oder der Zuckerhannes muß Dich holen!" rief ein Kind dem kleinen Brüderlein zu, welches auf einem Holzstamme vor dem Hause saß und ins Blaue hinausschrie, beim Anblicke der beiden Wanderer aber erschrocken im vollen Laufe ins Haus hineinrannte.

Dem Zuckerhannes standen Thränen der Wuth und des Schmerzes in den Augen, er vermochte keine Silbe mehr hervorzubringen.

Nach einer kleinen Weile blieb der Fremde stehen und meinte:

"Hört, guter Freund, Ihr könnt es mir nicht verübeln, wenn ich mich für Eure Begleitung bedanke und dieselbe etwas verdächtig finde. Als Handelsmann muß ich in gute und schlechte Wirthshäuser, die Wirthin da drunten hat mir gar nicht recht gefallen und Ihr gefallt mir auch nicht. Wer ist denn der Zuckerhannes, der sich nicht unter ehrlichen Leuten sehen lassen darf? Seid Ihr's, dann laßt Euch nur nicht träumen, daß ich Euch als Knecht brauchen kann! Wie steht es, redet ehrlich und aufrichtig!"

Große Thränen quollen dem Armen über die Wangen, krampfhaft gab er dem Fremden die Hand, sagte mit zitternder Stimme:

"Nichts für ungut! ... Herr! ... ja ich bins!" und ersparte sich eine weitere Beichte durch rasches Umkehren.

Kopfschüttelnd blickte ihm der Konstanzer nach, murmelte in den Bart. "Ja, es gibt doch kuriose Menschen auf der Welt, man kann die Nase anrennen!" und zog rüstig seine einsame Straße weiter.

Der Tag, an welchem der Hannes Gewißheit erhielt, die Emmerenz sei für ihn verloren und es werde schwer halten, einen zweiten Adlerwirth zu finden, welcher ihn in Dienst nehme, endete mit einem gewaltigen Rausche, welchen er sich bei der Pflegemutter antrank.

Aller Muth und alle Lust und Liebe Etwas zu unternehmen, schien ihm vergangen, er faßte den Vorsatz, sich mit Essen und Trinken für alles Andere zu entschädigen und sein Gutmachgeld sammt dem Reste der Erbschaft durchzubringen.

Diesem Vorsatze blieb er getreu und die Elsbeth hütete sich sammt dem Vogte, eine ernsthafte Einwendung dagegen zu manchen.

Völliger Müßiggang widersprach der Natur des Unglücklichen, er verrichtete Hausgeschäfte für die Wirthin, blieb fast immer daheim und ihr bester Gast. Hatte er Etwas im Kopfe, dann wurde der einsilbige, düstere Mensch lebhaft, zärtlich, freigebig, das Gegentheil von dem, was er im nüchternen Zustande zu sein schien. Wo er saß, mußte es lustig zugehen, wollten die Gäste nicht aufthauen, so ließ er eine Flasche nach der andern aufstellen und so konnte es nicht fehlen, daß er bald unter den Lumpen des Thales unzertrennliche Freunde fand, welche er im Rausche für die vortrefflichsten und verkanntesten Seelen hielt und dieser Meinung gemäß bewirthete.

Das Gutmachgeld befand sich bald in fremden Beuteln, jetzt wies er die Pflegmutter an den Vogt und ließ sich selbst anfangs wenig auszahlen, weil er selten in ein fremdes Wirthshaus ging, am allerwenigsten ins Bärenhotel.

Jeden Morgen rechnete die Elsbeth mit ihm ab, er mochte wollen oder nicht, er staunte zuweilen über die Rechnung und faßte gute Vorsätze.

"Hannes, beim Vogt liegen nur noch drei große Thaler, welche Dir gehören. Was soll jetzt geschehen? fragt die Elsbeth nach einem halben Jahr.

"Zunächst müssen die drei Thaler fort, damit ich weiß, daß ich Nichts mehr habe!"

"Ho, Närrle, wirst doch der Emmerenz nichts schenken wollen?"

"Nein! ... Schreibt hinauf!" sagt der Zuckerhannes bestimmt und fest nach längerem Besinnen.

Richtig gibt die Emmerenz bestimmte Versprechungen, doch soll Alles in kleinen Terminen abgemacht werden und sie will wissen, wozu das Geld nöthig sei und verwendet werde.

"Schreibt, daß ich Euch heirathe und ein Wirth werde. Ists auch ein Lug, so ärgert er sie doch und schadet nicht. Die Termine reichen auch lange Zeit, wahrscheinlich kommt indessen der Vetter aus Amerika, habe ich nichts, so gebt mir Credit oder verschafft Geld. Man lebt nur einmal und ich habe noch nie gelebt!"

Die fromme Elsbeth lachte heimlich, that, was der Zuckerhannes wollte, die alte Wirtschaft dauerte fort, der Bursche fand, man gewöhne sich doch weit leichter und rascher ans Nichtsthun als an Arbeit.

Ein Jahr später war unser Held durchaus nicht mehr demüthig und menschenscheu, sondern ging mit Jedem und bald auch mit Jeder um, die nicht gut bei den "Großköpfen" angeschrieben stand.

Ein eigentlicher Säufer wurde er nicht, obwohl es mehr als einmal in der Woche sich ereignete, daß er nicht mehr wußte, was er redete. Dagegen liebte er die Weiber mit wüthender Leidenschaft; je weniger er sich früher mit denselben befaßt hatte und zu befassen vermochte, desto ärger trieb ers jetzt. Elsbeth war geizig und that sehr Vieles, um das Geld des Pflegsohnes in ihren Kasten zu bringen, doch einen Einzug von zweideutigen Weibern duldete sie durchaus nicht in ihrem Hause, der Pflegsohn mußte anderswo suchen, wornach er gelüstete.

Ein Kropf und hinkender Fuß empfehlen weder bei Schönen der Stadt noch des Landes. Der Inhaber dieser Mängel war nicht wählerisch und hielt sich fast mehr an die Alten als an die Jungen, dennoch mußte er mehr als Ein Halstüchlein oder Stück Zeug zwischen seine Gestalt und die Augen der Erkornen hängen, wenn er gern gesehen sein wollte. Manche derselben befand sich jahraus jahrein in der fatalen Lage, mehrere Anbeter zugleich zu besitzen, so daß sie eine schwere Wahl anzustellen hatte, aber dennoch mit dem Wählen und Vorziehen nicht fertig zu werden vermochte. Darauf ergaben sich manchmal Mißhelligkeiten zwischen Nebenbuhlern und weil Prügel besser ziehen als alle Worte, die Nebenbuhler in der Führung des Prügels als Thalmenschen wohlbewandert und oft arge Hitzköpfe waren, setzte es auch Schlägereien ab. Nahm die Obrigkeit von einer derselben Kenntniß, so vergalt sie zwar nicht Gleiches mit Gleichem, nämlich Prügel mit Prügel, strafte jedoch mit Gefängniß und nahm dabei auf den Zuckerhannes besonders Bedacht, wodurch der Groll und Ingrimm desselben gegen geistliche und weltliche Obrigkeit nicht sonderlich verhindert wurde.

Die Weisheit des Spaniolen, des Exfouriers und ähnlicher Leute wurde in diesem einst so stillen und frommen Thale allmählig verbreitet, der Zuckerhannes ein Träger der Cultur der "großen Zukunft." Von ihm selbst nahmen nur Seinesgleichen etwas an, aber jeder besaß wiederum eine Zunge, dazu Verwandte, Bekannte und Freunde und eine ausgesprochene Ansicht mag Einem recht gut gefallen, ohne daß der Mensch gefällt, der sie ausspricht.

Es sah überhaupt im Thale nicht mehr aus, wie zur Zeit des 265 pfündigen Dekanats. Viele trugen Pech auf den Köpfen, so daß sie die Hüte nicht mehr gut herabbrachten, Haare auf den Zähnen trotz dem feurigsten Grünsesselbrutus und einen souveränen Stolz im Herzen, der die Leute berghoch machte, so daß sie weit über ihr Thal hinaussahen in den heilbringenden Westen.

Wozu ein wüstes, liederliches Leben genauer schildern?

Die Gesellschaft hatte den Zuckerhannes auf die Hochschule des Lasters und der Verbrechen geschickt und das Heimaththal desselben keinen triftigen Grund, ihn deßhalb anzuklagen, weil er Schlechtes sah und hörte, Schlechtes endlich selbst ausübte und hierin mit jener Raschheit fortschritt, welche seinem ursprünglich heftigen Temperamente und der Natur des Bösen entsprach.

Sein Leben nach der Entlassung drängt zu wenigen Bemerkungen.

Erstens nämlich halten wir jenes Gesetz, welches entlassene Sträflinge in ihre Heimath treibt, deßhalb für unzweckmäßig, weil es in den meisten Fällen bei weitem mehr schadet als nützt und die Quelle manches Rückfalles wird.

Zweitens möchte man Entlassene auch ferner polizeilich überwachen, weil dadurch manche Verbrechen vorgebeugt wird. Aber die Polizei ist die allerletzte Macht, welche auf Gesinnungsänderung und Besserung der Menschen einigen Einfluß übt oder es einem Entlassenen erleichtert, sein Fortkommen als ehrlicher Mensch zu finden. Hier sollten angesehene und menschenfreundliche Leute, Geistliche und Laien, sich ein bischen aus ihrer Bequemlichkeit aufraffen und die an vielen Orten in ruhigern Zeiten aufgetauchten, doch bald wiederum entschlafenen _Vereine für Entlassene_ von Neuem begründen.

Kleider und Geld besitzt mindestens bei uns wohl jeder Entlassene zur Nothdurft, dagegen braucht er eine moralische Macht, welche sich seine Hochachtung und Liebe zu erwerben und damit Einfluß auf seine Gesinnungen und Handlungen zu gewinnen versteht. Heutzutage, wo viele Arme gerne arbeiteten, wenn sie nur Beschäftigung immer fänden, ist es ferner eine Hauptsache, Entlassenen Gelegenheit für Arbeit anzuweisen oder dieselben wo möglich nach Amerika zu spediren, wo sie Erwerb und je nach Umständen auch einen Galgen finden.

Weßhalb aber soll man sich um Entlassene mehr bekümmern, denn um ehrliche Arme? Weil Entlassene gefährlich gewordene Arme sind, die weit leichter als andere Menschen sich zu Verbrechen hinreißen lassen, insbesondere wenn sie des Glückes der Gesellschaft anderer Verbrecher längere Zeit theilhaftig geworden.

Drittens endlich hat der _Stifter der Gesellenbunde_ den besten Weg gezeigt, auf welchem den Grundübeln der Zeit zu Leibe gegangen werden mag.

Wer ist den Hetzereien und Wühlereien gewissenloser Demagogen und politischer Fanatiker zumeist ausgesetzt als der Stand der Handwerker? Der kleine Handwerker, der Mittelstand überhaupt, scheint zum Opfer des gewaltigen Aufschwunges der Industrie, des Welthandels und neuer Erfindungen bestimmt zu sein und im Fabrikproletariat gänzlich verschwinden zu wollen. Handwerk hat heutzutage keinen goldenen Boden mehr, das Kapital arbeitet sich zum eigentlichen Herrn und König einer neuen Zeit empor; den Kleingewerben vermag der edelste Fürst, die wohlwollendste Regierung nicht mehr auf die Beine zu helfen oder das Anwachsen und die Gefahren des Proletariats zu verhindern.

Hier kann zumeist nur Gott und können nur die Einzelnen selbst sich retten, indem die Religion die Unzufriedenheit und Trostlosigkeit des Gemüthes durch ihren Frieden, die steigende Genußwuth und Verdienstlosigkeit durch Genügsamkeit und Sparsamkeit der Armen, durch großartige Maßregeln christlicher Liebe und politischer Vorsicht von Seite der Reichen ersetzt.

Ein Mensch ohne Religion ist ein unglückliches Geschöpf, wird zum unseligen Spielball der eigenen und zum willenlosen Werkzeuge fremder Leidenschaften und das um so eher, je mehr der Druck äußerer Verhältnisse auf ihm lastet und je unselbstständiger er in Folge des Mangels an sonstiger Bildung dasteht.

Zeigt den Armen Menschlichkeit und Liebe, zeigt ihnen handelnde Christen, Ihr Mächtigen und Reichen der Erde, dann habt Ihr nicht nöthig, für Eigenthum, Freiheit und Leben zu zittern, wenn es einer Handvoll Flüchtlinge beifällt, Euch die Zweifelhaftigkeit des dauernden Schutzes furchtbarer Armeen und rücksichtsloser Handhabung der Gesetze zu beweisen, Ihr habt alsdann auch nicht nöthig mit banger Hoffnungslosigkeit Euerer Enkel Zukunft zu bedenken.

Setzt den unmoralischen Waffen Eurer Todfeinde moralische, den Verschwörungsplanen derselben offene Gesellschaften der Söhne des Volkes entgegen, in welcher ein religiöser Geist auflebt und in _diesem_ Falle einzig und allein entwaffnet Ihr Eure Feinde, deren Religionslosigkeit vielfach zur Verteuflung fortgeschritten und besiegt einzig und allein die Revolution, diese Ausgeburt der Hölle!--

Pflege eines religiösen Sinnes unter den Heeren, Stiftung von Gesellenbunden und Vereine für Christianisirung des Proletariats sind allerdings Anfänge zum Bessern, aber auch nur Anfänge, zu welchen bittere Erfahrungen hindrängten.

_Sammelt die Dienstboten beiderlei Geschlechtes in Städten und auf dem Lande in ähnlichen Vereinen_, sorgt für angenehme und nützliche Unterhaltung derselben in ihren arbeitsfreien Stunden, kommt ihnen mit Rath und That entgegen, dann werdet Ihr zahllose Sünden, Laster und Verbrechen, welche unter den Dächern der Dienstgeber, in Wirthshäusern und Tanzsälen, in Feld und Wald begangen werden und in ihren Folgen stets auch auf die Gesellschaft zurückfallen, verhindern. Die kleinen Opfer und große Mühe sind des heilbringenden Zweckes würdig, Ihr befestiget dadurch das zeitliche und ewige Glück der eigenen Person und der Nebenmenschen!--

Wer aus dem Munde der Leute aus der Hefe des Volkes und alter Verbrecher gründlich erfahren, wie es mit unsern sittlichen und religiösen Zuständen aussieht, wie weit die Fäulniß der Gesellschaft um sich gegriffen, wird die Reden des Spaniolen und des Exfouriers gewiß nicht für Eingebungen der Gespensterfurcht und die auf lauter Thatsachen sich stützende Schilderung des Lebens, Denkens und Fühlens der Gefangenen für keine Uebertreibung halten.

Kennt doch ein ehemaliger Revolutionär die Revolution und ein ehemaliger Gefangener seine Leidensgefährten wohl genauer als mancher Andere!--

Der Zuckerhannes lebte leichtsinnig und müßig in den Tag hinein, versank im freud- und friedlosen Wandel eines Liederlichen so tief, daß einige Briefe, welche der Duckmäuser an ihn schrieb, ihn anwiderten, weil aus denselben kein vollkommen verwildertes Gemüth und einiger Sinn für ein ehrbares, sittliches und religiöses Leben heraussprach.

Er beantwortete den ersten, zerriß den zweiten und ließ den dritten bereits ungelesen. Endlich wurden die Folgen seines Lebens sichtbar, als Emmerenz zuletzt erfuhr, auf welche Weise der alte Liebhaber das Seinige vergeude und aufhörte, demselben Etwas zu senden.

Die Elsbeth wußte stets woran sie war, fand es allgemach räthlich, andere Saiten aufzuziehen und dem Pflegsohn in der verschollenen Tonart seiner Jugend aufzuspielen. Gerade an demselben Tage, an welchem er den letzten Gulden in der Tasche und einige kleine, aber ungestüme Gläubiger auf dem Halse hatte, fing die Wirthin schwere Händel an, der Zuckerhannes mußte mit dem Bettelvogte ins Loch wandern, weil er sie mißhandelte und lebensgefährliche Drohungen ausstieß und erhielt wiederum eine mehrwöchentliche Gefängnißstrafe.

Nach seiner Befreiung sollte und wollte er keineswegs der Gemeinde zur Last fallen und suchte Arbeit, doch vergeblich. Der Stachel der Genußflucht ließ ihn nicht ruhen, er würde vielleicht nicht mehr Energie genug besessen haben, um das ehrliche Brod wiederum zu verdienen, seine Kräfte waren sehr geschwächt, die Keime derselben Krankheit, an der seine Mutter gestorben, hatte er durch ein qualvolles, zügelloses Leben in sich selbst zum Entwickeln gebracht.

Nach der Achtung ehrbarer und rechtschaffener Menschen fragte er längst nichts mehr, aber der Menschenhaß erwachte vollends, als er erleben mußte, daß dieselben Weiber und Saufbrüder, denen er so Vieles angehängt, ihm den Rücken wandten, sich verächtlich oder gar feindselig gegen ihn kehrten, nachdem er mit seinen Mitteln zu Ende gekommen.

Der Vogt spielte längst den gestrengen Herrn gegen ihn, nirgends im Thale fand er Aufnahme, er mußte der Gemeinde übergeben werden und sollte ein elendes, entbehrungsreiches Leben führen. Dies überstieg seine Kräfte; der einzige Kamerad, welcher ihm treu geblieben, war ein alter Schnapslump und Zuchthausbruder, vor welchem Jedermann die Thüren zuschloß und sich fürchtete.

Dieser Mensch brachte den Zuckerhannes bald dazu, mit ihm gemeinsame Sache zu machen. Beide lungerten zusammen in der Gegend umher und trieben zum Scheine das Korbmachergewerbe, in Wirklichkeit brandschatzten sie wohlhabende Bauern und Bäuerinnen, welche aus Respekt vor derartigen Bettlern diese oft reichlich bedachten. Zeiten des Genusses wechselten für den Zuckerhannes mit denen arger Noth, es ging das Gerede, er sammt seinem Kameraden fänden das einfache Mittel für Verbesserung ihrer Glücksumstände in außerordentlich langen Fingern. Doch wollte es der Umsicht der unermüdlichen Behörden nicht bald gelingen, Etwas auf die hausirenden Korbmacher zu bringen.

In einer Winternacht entstand ein Brand im Hause der Elsbeth, welche am Abend zuvor dem halbbetrunkenen Zuckerhannes den Eintritt in ihre Wirthsstube verboten und ihn zurückgestoßen hatte.

Der Brand des steinernen Häusleins wurde bald und glücklich gelöscht, der Schaden blieb unbedeutend, aber der dringend verdächtige Pflegsohn wurde festgenommen, der Brandstiftung halb und halb überführt und zu einer langwierigen Zuchthausstrafe verurtheilt, obwohl er beharrlich Alles wegläugnete.

Im Vorarreste traf er zwei alte Freunde, nämlich den Spaniolen, der seiner Wuth ob dem alten Betrug gleichmüthiges Gelächter entgegensetzte und Martin den Wirthssohn, den ehemaligen Schlosserlehrling, welchem eine Tödtung im Affect eine 15jährige Freiheitsstrafe eingetragen.

Der Duckmäuser suchte den tiefgesunkenen Freund zu verbessern, es gelang ihm auch theilweise, doch die Auszehrung bereitete allen Mühsalen desselben ein baldiges Ende und er ist keineswegs als ein _Christ_, sondern als der _Zuckerhannes_ gestorben.

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