Wilhelm Hauffs sämtliche Werke in sechs Bänden. Bd. 3
Part 33
»Ich trug nur _eine_ Farbe, mein väterlicher Freund!« entgegnete der junge Mann, indem er in die Augen seiner schönen Frau und auf die Feldbinde niedersah, die seine Brust umzog; nur _eine_, und dieser blieb ich treu.«
»Wohlan! So halte ferner nur zu ihr,« sagte Frondsberg und reichte ihm die Hand zum Abschied. »Lebe wohl! Die Pferde harren vor dem Zelt! bringet Eure Gefangenen sicher auf die Feste, schöne Frau, und gedenket huldreich des alten Frondsberg.«
Marie schied von diesem Edlen mit Tränen in den Augen; auch die Männer nahmen bewegt seine Hand, denn sie wußten wohl, daß ohne seine Hilfe ihr Geschick sich nicht so freundlich gewendet hätte. Noch lange sah ihnen Georg von Frondsberg nach, bis sie an der äußersten Zeltgasse um die Ecke bogen. »Er ist in guten Händen,« sagte er dann, indem er sich zu Breitenstein wandte, »wahrlich, der Segen seines Vaters ruht auf ihm. Ein gutes schönes Weib und ein Erbe, wie wenige sind im Schwabenland.«
»Ja, ja!« erwiderte Hans von Breitenstein, »seiner Klugheit und Vorsicht hat er es nicht zu danken; doch wer das Glück hat, führt die Braut heim; ich bin fünfzig alt geworden und gehe noch auf Freiersfüßen; Ihr auch, Herr Dietrich von Kraft, nicht wahr?«
»Mit nichten und im Gegenteil,« sagte dieser, wie aus einem Traum erwachend, »wenn man ein solches Paar sieht, weiß man, was man zu tun hat. In dieser Stunde noch setze ich mich in meine Sänfte, reise nach Ulm und führe meine Base heim; lebet wohl, ihr Herren!«
Als der schwäbische Bund Württemberg wiedererobert hatte, richtete er seine Regierung wieder ein und beherrschte das Land wieder wie im Sommer 1519. Die Anhänger des vertriebenen Herzogs mußten Urfehde schwören und wurden auf ihre Burgen verwiesen. Georg von Sturmfeder und seine Lieben, die dieses Schicksal mit betraf, lebten zurückgezogen auf Lichtenstein, und Marien und ihrem Gatten ging in ihrem stillen häuslichen Glück ein neues Leben auf.
Noch oft, wenn sie am Fenster des Schlosses standen und hinabschauten auf Württembergs schöne Fluren, gedachten sie des unglücklichen Fürsten, der einst hier mit ihnen auf sein Land hinabgeblickt hatte; und dann dachten sie nach über die Verkettung seiner Schicksale, und wie durch eine sonderbare Fügung auch ihr eigenes Geschick mit dem seinigen verbunden war; und wenn sie sich auch gestanden, daß ihr Glück vielleicht nicht so frühe, nicht so schön aufgeblüht wäre ohne diese Verknüpfung, so wurde doch ihre Freude durch den Gedanken getrübt, daß der Stifter ihres Glückes noch immer ferne von seinem Lande, im Elend der Verbannung lebe. Erst viele Jahre nachher gelang es dem Herzog, Württemberg wiederzuerobern. Doch als er, geläutert durch Unglück, als ein weiser Fürst zurückkehrte, als er die alten Rechte ehrte und die Herzen seiner Bürger für sich gewann, als er jene heiligen Lehren, die er in fernem Lande gehört, die so oft sein Trost in einem langen Unglück geworden waren, seinem Volke predigen ließ und einen geläuterten Glauben mit den Grundgesetzen seines Reiches verband, da erkannten Georg und Marie den Finger einer gütigen Gottheit in den Schicksalen Ulrichs von Württemberg, und sie segneten den, der dem Auge des Sterblichen die Zukunft verhüllt und auch hier wie immer durch Nacht zum Lichte führte.
Der Name der Lichtenstein im Württemberger Land ging mit dem alten Ritter zu Grabe; doch erlebte er noch im hohen Alter die Freude, seine blühenden Enkel waffenfähig zu sehen. So geht Geschlecht um Geschlecht über die Erde hin, das Neue verdrängt das Alte, und nach dem kurzen Zeitraum von fünfzig oder hundert Jahren sind biedere Männer, treue Herzen vergessen; ihr Gedächtnis übertönt der rauschende Strom der Zeiten, und nur wenige glänzende Namen tauchen auf aus diesen Fluten des Lethe und spielen in ihrem ungewissen Schimmer auf den Wellen. Doch wohl dem, dessen Taten jene stille Größe in sich tragen, die den Lohn in sich selbst findet und ohne Dank bei der Mitwelt, ohne Ansprüche auf die Nachwelt entsteht, ins Leben tritt -- verschwindet. So ist auch der Name des Spielmanns von Hardt verklungen, und nur leise Nachklänge von seinem Wirken wehen uns an, wenn die Hirten der Gegend die Ulrichshöhle zeigen und von dem Mann sprechen, der seinen unglücklichen Herzog hier verbarg; so sind selbst jene romantischen Züge aus Ulrichs Leben zur Fabel geworden, der Geschichtschreiber verschmäht sie als unwesentliche Außendinge, und sie erscheinen uns nur, wenn man auf den Höhen von Lichtenstein von dem Herzog erzählt, der allnächtlich vor das Schloß kam, und wenn man uns auf der Brücke von Köngen die Stelle zeigt, wo jener Unerschrockene den Sprung auf Leben und Tod in die Tiefe wagte.
Und sie erscheinen uns da, diese Sagen, wie ungewisse Schatten, die eine große Gestalt vom Berge in die Nebel des Tales wirft, und der kältere Beobachter lächelt, wenn man ihnen wirkliches Leben und jene Farben verleihen will, die ihr unsicheres Grau zu einem Bild des Lebens umwandeln. Auch Lichtensteins alte Feste ist längst zerfallen, und auf den Grundmauern der Burg erhebt sich ein freundliches Jägerhaus, fast so luftig und leicht wie jene spanischen Schlösser, die man in unsern Tagen auf die Grundpfeiler des Altertums erbaut. Noch immer breiten sich Württembergs Gefilde so reich und blühend wie damals vor dem entzückten Auge aus, als Marie an des Geliebten Seite hinabsah und der unglücklichste seiner Herzoge den letzten Scheideblick von Lichtensteins Fenstern auf sein Land warf. Noch prangen jene unterirdischen Gemächer, die den Geächteten aufnahmen, in ihrer alten Pracht und Herrlichkeit, und die murmelnden Wasser, die sich in eine geheimnisvolle Tiefe stürzen, scheinen längst verklungene Sagen noch einmal wiedererzählen zu wollen.
Es ist eine schöne Sitte, daß die Bewohner dieses Landes, auch aus entfernteren Gegenden, um die Zeit des Pfingstfestes sich aufmachen, um Lichtenstein und die Höhle zu besuchen. Viele hundert schöne Schwabenkinder und holde Frauen, begleitet von Jünglingen und Männern, ziehen herauf in diese Berge; sie steigen nieder in den Schoß der Erde, der an seinen kristallenen Wänden den Schein der Lichter tausendfach wiedergibt, sie füllen die Höhle mit Gesang und lauschen auf ihr Echo, welches die murmelnden Bäche der Tiefe melodisch begleiten, sie bewundern die Werke der Natur, die sich auch ohne das milde Licht der Sonne, ohne das fröhliche Grün der Felder so herrlich zeigt. Dann steigen sie herauf zum Lichte, und die Erde will ihnen noch schöner bedünken als zuvor; ihr Weg führt immer aufwärts zu den Höhen von Lichtenstein, und wenn dort die Männer im Kreise schöner Frauen, die Becher in der Hand, auf die weiten Fluren hinabschauen, wie sie bestrahlt von einer milden Sonne im lieblichsten Schmelz der Farben sich ausbreiten, dann preisen sie diese lichten Höhen, dann preisen sie ihr gesegnetes Vaterland. Dann kehrt, wie in den alten Tagen, Gesang und Jubel und der fröhliche Klang der Pokale auf den Lichtenstein zurück und weckt das Echo seiner Felsen und weckt mit ihm die Geister dieser Burg, daß sie die fröhlichen Gäste umschweben und mit ihnen hinabschauen auf das alte Württemberg. Ob auch das holde Fräulein von Lichtenstein, ob Georg und der alte Ritter mit ihnen heraufschwebt, ob jener treue Spielmann in den Tagen des Frühlings seinem Grab entsteigt und, wie er im Leben zu tun pflegte, hinaufzieht nach der Burg, das Fest mit Gesang und Spiel zu schmücken? Wir wissen es nicht; doch wenn wir im Abendschein, auf den Felsen gelagert, die Landschaft überschauten, wenn wir von den alten guten Zeiten und ihren Sagen sprechen, wenn sich die Sonne allmählich senkte und nur das Schlößchen noch selig und freundlich in seiner Einsamkeit, von den letzten Strahlen mit einem rötlichen Schein umgossen, auf seinem Felsen ruhte -- da glaubten wir im Wehen der Nachtluft, im Rauschen der Bäume, im Säuseln der Blätter bekannte Stimmen zu vernehmen, es war uns, als flüsterten sie uns ihre Grüße zu, als erzählten sie uns alte Sagen von ihrem Leben und Treiben. Manches haben wir an solchen Abenden erfahren, manches Bild stieg in uns auf und schien sich vor unseren Blicken zu verwirklichen, und die es uns woben und malten, die uns ihre romantischen Sagen zuflüsterten, wir glauben, es waren -- _die Geister von Lichtenstein_.
Anmerkungen.
[1] _Ulrich von Württemberg_, geb. 1487, wurde 1498 in seinem elften Jahre als Herzog belehnt mit einer Mitregentschaft, welche in seinem sechzehnten Jahr aufgehoben wurde, worauf Ulrich von 1503 an allein regierte. Er starb im Jahre 1550.
[2] Es ist hier Eberhardt im Bart gemeint, der, geb. 1445, gest. 1496, sehr weise regierte. Er war der erste Herzog von Württemberg. Christoph, geb. 1515, gest. 1568, ein Fürst, dessen Andenken nicht nur in Württemberg, sondern in ganz Deutschland gesegnet wird. Er ist der Stifter der württembergischen Konstitution.
[3] ~Christ. Tubingii Chron. Blabur., ad annum 1516; Maximilianus Caesar ex suggestione ducis Bavariae et sororis uxoris Udalrici aliorumque non multum Udalrico deinceps favere cepit.~
[4] Das Nähere über diese Einnahme ist in der trefflichen Geschichte Württembergs von C. Pfaff I. 291, und Sattler, Geschichte der Herzoge von Württemberg II. 5, hauptsächlich aber bei Pedius Thetinger in ~Comment. de reb. würtemb. sub. Ulrico Lib. I. in fine~, und ~Schradii script. rerum germ. Tom. II. p. 885~ zu lesen.
[5] Der Herzog hatte mit Landgraf Philipp von Hessen ein Bündnis errichtet auf zweihundert Reiter und sechshundert zu Fuß, ebenso mit Markgraf Ernst von Baden, aber sie entschuldigten sich beide, daß sie selbst mit einem Einfall bedroht seien.
[6] Georg von Frondsberg, geb. 1475, gest. 1528, einer der berühmtesten Feldherren seiner Zeit, der in Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden sich mit Ruhm bedeckte. Er ist derselbe, der 1521 zu Luther, der auf den Reichstag zu Worms geladen war, jene denkwürdigen Worte sagte: »Munchlein, Munchlein, du gehst jetzt einen gefährlichen Gang« usw.
[7] So nennt ihn Sattler, Geschichte der Herzoge II. 8.
[8] Ulrich von Hutten, geb. 1488, starb 1523 auf Ufnau im Züricher See. Er ist berühmt durch eine große Anzahl Schriften und als kühner Beförderer der Reformation. Er griff Ulrich von Württemberg in Gedichten, Briefen und Reden an, die der gelehrte Nikolaus Barbatus zu Marburg in sehr geläufigem Latein mit triftigen Gründen widerlegt. Vergl. Schradius II. 385. Bekannt ist sein Wahlspruch: »~Jacta alea esto.~«
[9] Franz von Sickingen, ein berühmter Zeitgenosse des letzteren. Er wird in diesem Krieg von Sattler als österreichischer Rat aufgeführt.
[10] Götz von Berlichingen erzählt in seinem Leben (Ausgabe von Franck von Steigerwald, Nürnberg 1731) weitläufig, wie es sich zugetragen, daß er zum Herzog Ulrich gehalten habe. S. 142 fährt er fort: »Da zog der Herzog vor Reutlingen und gewann es auch, darum sich auch Ihre fürstliche Gnaden und mein Unglück anheben tat, daß Ihre fürstliche Gnaden verjagt worden und ich darob zu Scheitern ging.« Denn der schwäbische Bund nahm nicht Rücksicht darauf, daß Götz kurz vorher dem Herzog seine Dienste aufgesagt hatte, sondern belagerte ihn in Möckmühl und nahm ihn gefangen.
[11] Die Herren von Spät waren der Herzogin auf ihrer Flucht aus dem Lande behilflich gewesen. Der Herzog hatte bittere Rache an ihren Gütern genommen.
[12] Siehe C. Pfaffs Geschichte I. 278.
[13] Es sind dies Frondsbergs eigene Worte, die er zu Götz von Berlichingen sprach, und die dieser in seiner Geschichte, Seite 83, anführt.
[14] Die Eidgenossen verboten zuerst nur die Werbungen des Herzogs in ihren Landen, wie aus Sattler, Beilage Nr. 8 zum zweiten Teil der Herzoge erhellt. Nachher riefen sie ihre Leute ganz zurück, und zwar auf die Vorstellungen des schwäbischen Bundes.
[15] Ein gedrucktes Schreiben »des Bundes zu Schwaben an gemeine Landschaft zu Württemberg« dieses Inhaltes vom 24. Mart. 1519 findet sich in der Beilage Nr. 12 bei Sattler.
[16] Sie zogen den 17. März ab. Der Herzog reiste sogleich nach Kirchheim, um sie aufzuhalten, allein hier kam eine zweite Ordre, unter Bedrohung des Verlustes ihrer Güter und der Leib- und Lebensstrafe, nach Haus zu eilen. Sattler, II. § 6. Thetinger S. 66. ~Interim cum Helvetiorum primoribus agunt foederati, missis in urbes eorum legatis, ne Ducis Huldrichi negotio belloque se nunc immisceant, suos abscedere jubeant.~
[17] Sattler § 6. Ausführlich führt diese Rede an: Thetinger ~comment de reb. würtemb. p. 66~.
[18] Diese Ergebenheit und Treue der Württemberger beschreibt am angeführten Ort Thetinger. Als einen sehr wichtigen Grund gegen die Angriffe Huttens führt sie auch Nikolaus Barbatus in seiner zu Marburg gehaltenen Rede auf. Vergl. Schradius II. 386. Wir machen auf diesen Umstand besonders aufmerksam, weil man gewöhnlich annimmt, es sei den Württembergern recht gewesen, daß man Ulrich verjagte; Thetingers Worte sind: »Als dies die Württemberger hörten, beklagten sie ihr Schicksal heftig, das ihnen nicht vergönne zu fechten.« -- ~Magno fremitu fortunam suam questi.~ -- Noch merkwürdiger sind die Worte Nikolai Barbati; er sucht die Beschuldigungen Ulrichs von Hutten zu widerlegen: »Welcher Tyrann war den Seinigen wert? Ulrich lieben die Seinigen. Welcher Tyrann wird, wenn er verjagt ist, von seinen Untergebenen zurückgewünscht? Mit Bitten und Gebet wünschen sich seine Untergebenen den Herzog zurück und bitten die Götter, sie möchten ihnen den Herrn zurückgeben« usw.
[19] Ulrich beklagte sich mehreremal über die Nachstellungen seiner Feinde. Im Jahr 1534 soll ein für ihn von Dietrich Spät gedungener Meuchelmörder gefangen worden sein. Sattler, Gesch. d. Herzoge. 3. Seite 47. Im Jahre 1536 wurde im Amt Dornstetten ein Zigeuner verhaftet, welcher aussagte, von Herzog Wilhelm in Bayern für Ermordung des Herzogs drei Gulden bekommen zu haben. C. Pfaffs Geschichte I. 288. Ein Beweis, daß solche Versuche vorkamen.
[20] Diese Sage erzählt G. Schwab, der treue, freundliche Wegweiser über die schwäbische Alb. Er hat sie in einer Romanze: »Der Bau des Reissensteins« der Nachwelt aufbewahrt.
[21] Ausführlicher beschreibt diese Operationen des Bundes Sattler in seiner Gesch. d. Herz. v. W. II. § 6 usw. Man vergleiche hierüber auch die Geschichte des Herrn von Frondsberg, zweites Buch, und Friedrich Stumphardt von Kannstatt, Chronik der gewaltsamen Verjagung des Herzogs Ulrich, 1534, und Spener, ~Histor. Germ. univers. L. III. C. 4. 23~.
[22] Dieser Verrat von Teck fand wirklich also statt. Vergl. z. B. Sattler II. § 7.
[23] Lebensbeschreibung Götzens von Berlichingen, von ihm selbst geschrieben, ~edit. Pistorius~. Nürnberg 1731.
[24] Sattler II. § 9. Hierüber ist vorzüglich zu vergleichen Friedr. Stumphardt, Chron. § 3. Die Geschichte der Herren von Frondsberg. Frankfurt a. M. 2. Buch, und Thetinger, ~Commentarius de Würt. reb. gest. Lib. II~.
[25] Bei dieser Belagerung wurde Georg von Frondsberg das Barett vom Kopf geschossen. So erzählen Sattler, Stumphardt, Thetinger u. a.
[26] Diese Griechen sind eine sonderbare Erscheinung bei der Belagerung von Tübingen: man hieß sie Stratioten; ihr Hauptmann war Georg Samaras aus Corona in Albanien. Er ist in der Stiftskirche in Tübingen begraben. Ausführlich beschreibt sie Thetinger, ~Comment. de Würtemb.~ gest. 931. Crusius nennt sie vorzüglich berühmt im Lanzenschwingen.
[27] Man vergleiche über diesen Volkswitz des _Freiherrn von Aretin_ Beiträge zur Geschichte und Literatur. 1805. 5. Stück, S. 438. Das Lied wurde zu Anfang des Jahres 1520, nachdem Reutlingen von Herzog Ulrich genommen war, von des letztern Feinden verbreitet und ihm in den Mund gelegt.
[28] In der Chronik des Georg Stumphardt über die gewaltsame Verjagung des Herzogs Ulrich findet sich als eigener Artikel ein: »_gereimter Spruch, also lautend_«, wo in einer großen Menge Knüttelversen das Unglück des Herzogs und des Landes beschrieben ist. Aus diesem Gedicht sind jene Verse im Text entlehnt.
[29] Anspielung auf das Wappen von Württemberg. Vergl. Anm. 31.
[30] Diese merkwürdige Höhle haben wir nach der Natur zu zeichnen versucht. Es bleibt noch übrig, hier einige Notizen über ihre inneren Verhältnisse zu geben. Die Vorhöhle beträgt etwas über 150 Fuß im Umfange; von hier aus laufen zwei Gänge nach verschiedenen Richtungen, die aber nach einer Länge von beinahe 200 Fuß wieder zusammentreffen. Auf diesen Wegen trifft man zwei Felsensäle, den einen von 100, den andern von 82 Fuß Länge. Wo diese Gänge sich vereinigen, bilden sie wieder eine Grotte; von hier aus rechts gegen Norden, mehr in der Höhe, liegt wieder eine kleinere Kammer, es ist die, in welche wir den Leser zu dem vertriebenen Mann geführt haben. Die weiteste Entfernung vom Eingang der Höhle bis zu ihrem Ende beträgt 577 Fuß. Man vergleiche hierüber die so interessante als getreue Beschreibung der schwäb. Alb von G. Schwab.
[31] Drei Hirschgeweihe, wovon die zwei obersten vier, das untere aber drei Enden hat, sind das _alte Wappen_ von Württemberg.
[32] Crusius beschreibt in seiner Chronik das Schlößchen Lichtenstein, wie wir es hier nacherzählen. Er sah es zu Ende des sechzehnten Jahrhunderts, also etwa 70 Jahre nach dem Jahre 1519. Dort findet sich auch die hieher gehörige Stelle:
»Im obern Stockwerk ist ein überaus schöner Saal, ringsum mit Fenstern, aus welchen man bis an den Asperg sehen kann: _darin hat der vertriebene Fürst, Ulrich von Württemberg, öfter gewohnt, der des Nachts vor das Schloß kam und nur sagte: ›Der Mann ist da!‹ so wurde er eingelassen._« Wo aber wohnte er den Tag über? Wo hielt sich der Vertriebene auf? Die Frage lag sehr nahe.
Jetzt ist in die Ruinen des alten Schlosses ein Jägerhaus erbaut, das noch immer den Namen des »Lichtensteiner Schlößleins« trägt und am fröhlichen Pfingstfest einer lebensfrohen Menge zum Tummelplatz dient.
[33] Er schickte einen tapfern Ritter, Marx Stumpf von Schweinsberg, an sie mit einem beweglichen Schreiben, das Schloß nicht zu übergeben, sondern, wo sie solches auch tun wollten, ihm wieder Gelegenheit zu machen, in dasselbe zu kommen; weil er in selbigem zu sterben bereit sei, wenn es Gott über ihn verhänge. Sattler, Gesch. der Herz. v. Württemb. II. 15.
[34] Diesen merkwürdigen Hund beschreibt Thetinger als einen Liebling Ulrichs ausführlich. A. a. O. S. I. 58.
[35] »Hie gut Württemberg alleweg« findet sich oft als Wahlspruch dieser Partei. Vergl. Pfaffs Geschichte Württembergs Bd. I. S. 306.
[36] »Der Tüfell gsegen jn allen!« sind die Worte des Chronisten Stumphardt, die ihm unwillkürlich entschlüpfen, indem er die Unterhandlung der Ritter »beim kühlen Wein« beschreibt.
[37] Herzog Ulrich beklagt sich wiederholt, namentlich in diesem Zeitpunkt, daß seine Gegner so viele Lügen gegen ihn ausstreuen. Er verteidigt sich darüber, besonders in seinen Briefen an die schweizerische Eidgenossenschaft. So streuten seine Feinde im Jahre 1519 aus, er habe einen Edelknaben, Wilhelm von Janowiz, entzwei gehauen. Doch Janowiz lebte noch im Jahre 1562 und war Anno 1560 Kommandant der Feste Asperg. Aber jene Lüge machte damals großes Aufsehen, daher kam es, daß ein Schweizer, dem man diesen Mann zeigte und sagte, was die Feinde des Herzogs von ihm ausgestreut haben, antwortete: »_Er muß nochten ein guter Barbier gsyn syn, der den Knaben so suber gehailt hat._« (Sattler II. § 24.)
[38] _Sattler_ erzählt dies folgendermaßen: Der schwäbische Bund hatte einen großen Teil seiner Kriegsknechte abgedankt, diese wurden darüber schwierig, sie rottierten sich zusammen, richteten zwölf Fähnlein auf, erwählten ihre Hauptleute und machten unter sich nach damaligem Gebrauch eine Regimentsordnung. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Herzog diese Leute an sich gezogen. Geschichte der Herzoge v. Württemb. II. § 16.
[39] Dieses Lied führt auch Lessing in der Sammlung auf, die den Namen trägt: »Altdeutscher Witz und Verstand.«
[40] Der Schwaben- und Frankenbund hielt in diesem Sommer einen Bundestag in Nördlingen. Auch die Herzogin Sabina und der Herzog von Bayern fanden sich dort ein, um hauptsächlich über Württemberg zu entscheiden. Sattler II. § 15.
[41] Die Regentschaft mußte zu jener Zeit viel seltsamer, leichtfertiger und böser Reden hören. Der Keller in Göppingen berichtete einmal, man habe auf der Straße zwischen Grunbach und Heppach einen Kieselstein gefunden, auf dessen einer Seite ein Hirschgeweih mit der Unterschrift: »Hie gut Württemberg alleweg«, auf der andern Seite ein Jagdhorn mit den Worten: »~Vive Dux Ulrice~« zu sehen waren. Vergl. Pfaffs Geschichte von Württemberg I. 306.
[42] Ueber dieses neutrale Verhalten des Adels ist zu vergleichen Sattler II. § 19.
[43] »Der Herzog zog sich mit ungefähr 6000 Mann Landvolk nach Stuttgart, und die angeworbenen Knechte legte er nach Kannstatt.« Sattler II. § 21. »Der Herzog, als er erfuhr, daß der Feind so nahe sei, rief die Seinigen schnell aus Städten und Dörfern herbei, die auch sogleich erschienen.« ~Thetingeri Commentarius etc. lib. III.~
[44] Wir benützen zur Beschreibung dieser Schlacht hauptsächlich: Joh. Bezzi hist. ~Ulrici Ducis Würt.~ und Thetinger, der besonders bei dem Angriff der Reiterei auf den mit Geschütz besetzten Hügel sehr ins einzelne geht.
[45] Graf Georg von Württemberg und Mömpelgard, der Bruder Ulrichs, ist der Stammvater des jetzigen Regentenhauses von Württemberg.
Sein Sohn war Friedrich I. reg. Herzog, der das Herzogtum erhielt, weil Ludwig, Christophs Sohn, ohne männliche Deszendenz starb.
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.
Korrekturen:
S. 6: Fußnote ohne Anker gelöscht: Die Anmerkungen befinden sich am Ende dieser Erzählung.
S. 33: viel → viel wie muß sich so {viel wie} möglich
S. 78: überrascht → überraschend Entscheidung doch zu {überraschend}
S. 87: Ritterschaft → Ritterhaft Das ist halt die {Ritterhaft}
S. 101: Laune → Leute Gastfreundschaft der guten {Leute}
S. 142: bunten → runden Tafeltuch über den {runden} Tisch
S. 143: Schlüssel → Schüssel schob die {Schüssel} weit hinweg
S. 237: ficht → ficht keiner wie der {ficht keiner} in der Türkei
S. 341: Ermorderung → Ermordung in Bayern für {Ermordung} des Herzogs