Part 18
Einmal wollte ich Venedig sehen -- bei Nacht. Wir fuhren den Canal grande entlang. Es war, als hätte eine schöne Frau ihr herrlichstes Geschmeide angetan, ihr bestrickendstes Lächeln angenommen, um die Schar ihrer Verehrer zu blenden.
Geisterhaft bleich ragen die Palazzis zum Himmel und die Sterne durchfurchen ihn wie feurige Garben. Die bunten Papierlampions schaukeln hin und her im Abendwind.
Musik. Wir folgten in der Richtung, aus der die Töne drangen. -- Anfänglich waren sie leise wie ein Flüstern, das Kosen des Zephirs in blütenbeschneiten Bäumen, plötzlich anschwellend, rauschend, brausend wie der Föhn, wenn sein glühender Hauch die Lawinen von den Bergen wälzt und talwärts schleudert.
Es war versengendes Feuer, das diesen Kehlen entströmte: eine unbeschreiblich ergreifende Melodie, die weithin zitterte über die stille Flut.
Da waren mit einemmale die trüben Bilder vergessen: ein warmes Glücksgefühl kam über mich. Ich faltete stumm die Hände und: „Liebe -- Liebe“ -- durchbebte es mich.
* * * * *
Am 17. Juni.
Laß mich vor Dir knien, laß’ mich die Arme um Dich schlingen und den Kopf an Deine Brust legen.
Denn ich gehöre Dir. Ich bin Dein Eigen mit Leib und Seele: mein ganzes Wesen drängt sich Dir zu, Du Unvergleichlicher.
Du hast mein Herz versengt. Deine Ketten sind weich und Dein Dienst ist wonnevoll.
Ach Gott, wie ich ihn liebe!
Wenn sie mich zum Schaffote führten, in seinem Auftrag, weil er es wollte, ich gienge frohen Sinnes, -- in einer Art Hypnose. Mit ihm leben -- für ihn sterben -- Andres gibt es nicht für mich. Ohne ihn kann ich nicht sein: ich bedarf seiner wie des Atems.
Komm’ ich beschwör’ Dich, komm! --
Laß’ uns wandeln Hand in Hand, durch ein Dasein, das ewig währt, in dem es keine Trennung gibt. -- Blumen sprießen auf unserem Weg und Schmetterlinge umgauckeln uns.
Komm’ laß’ uns glücklich sein und laß uns Andere beglücken.
Komm’ ich befehl’ es Dir.
* * * * *
„Ich denk’ an Dich mit tiefer Leidenschaft, Ich denk’ an Dich mit meiner Seele Kraft, Ich will mein Denken, So ganz in Dich versenken, Daß Du gezwungen bist An mich zu denken.“
* * * * *
Er hat mich gehört, er ist gekommen!
Ich wollte die Feder in mein rotes Herzblut tauchen, ins flammende Sonnengold um das Unfaßliche niederzuschreiben.
Ist denn möglich? Er liebt mich.
Das höchste Glück hat keine Worte.
„Egon!“
Albanus’sche Buchdruckerei Dresden.
G. Pierson’s Verlag in Dresden und Leipzig.
Bertha von Suttner’s Werke:
=Die Waffen nieder!= Eine Lebensgeschichte 28. Aufl.
2 Bände. M. 6.--, geb. M. 8.--. Volksausgabe M. 2.--, geb. M. 3.--.
=Schriftsteller-Roman.= M. 3.--, geb. M. 4.--.
=Erzählte Lustspiele.= Neues aus dem High Life. Dritte Auflage. M. 3.--, geb. M. 4.--.
=~Dr.~ Hellmuts Donnerstage.= M. 3.--, geb. M. 4.--.
=Ein Manuskript.= Dritte Aufl. M. 3.--, geb. M. 4.--.
=Verkettungen.= Novellen. Zweite Auflage. M. 3.--, geb. M. 4.--.
=Inventarium einer Seele.= Dritte Aufl. M. 4.--, geb. M. 5.--.
=Eva Siebeck.= Roman. Dritte Auflage M. 5.--, geb. M. 6.--.
=Die Tiefinnersten.= Roman. M. 5.--, geb. M. 6.--.
~=Trente-et-Quarante.=~ Roman. M. 5.--, geb. M. 6.--.
=Phantasien über den Gotha.= Mit Porträt der Verfasserin. Geb. M. 5.--.
~=Es Löwos.=~ Eine Monographie. M. 1.50, geh. M. 2.50.
=Hanna.= Roman. M. 5.--, geb. M. 6.--.
=High Life.= Roman. Zweite Auflage. M. 5.--, geb. M. 6.--.
=Einsam und arm.= Erzählung. 2 Bände. M. 8.--, geb. M. 10.--.
=Schmetterlinge.= Novelletten und Skizzen. M. 3.--, geb. M. 4.--.
=~La Traviata.~= Riviera-Roman. Zweite Auflage. M. 5.--, geb. M. 6.--.
=Schach der Qual!= Ein Phantasiestück. M. 2.--, geb. M. 3.--.