Was mir das Sternenlicht erzählt: Eine populäre Himmelskunde für die Jugend

Part 2

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Der ganze Nebel schimmert in grünlichem Lichte, und das kleine Glasprisma, mit dem man das Licht der Gestirne in ein Farbenband zerlegt, sagt uns von diesem Gasgebilde, daß in ihm sich ein uns noch nicht bekannter Weltenstoff befindet. Dieser nimmt am Aufbau der Sterne aus dem Nebel dort Anteil.

Das Wogen und Wallen der gasigen Massen, die den »Orionnebel« bilden, deutet darauf hin, daß die schöpferischen Kräfte dort bereits am Aufbau von Sonnen, Planeten und Monden aus dem Urstoff tätig sind.

Ein anderer, unregelmäßiger Nebel im Universum (Weltenraume) sieht aus, wie ein Baumkuchen!

Man nennt ihn den »Crabb-Nebel«, und er steht im Sternbilde des »Stieres«.

Ein dritter, unregelmäßiger Nebel hat die Gestalt eines Fisches. Man hat ihn deshalb auch den »Fisch- oder Heringsnebel« genannt. Er leuchtet im Sternbilde des »Haares der Berenice«.

Wieder ein anderer Nebel im Sternbilde des »Fuchses« hat das Aussehen einer Hantel, wie sie die Schüler beim Turnen gebrauchen. Man hat diesem Nebel deshalb den Namen »Hantelnebel« gegeben.

Noch ein anderer Nebel gleicht in seiner Gestalt einem zusammengelegten Fischernetze mit groben Maschen. Es ist der berühmte »Netznebel« im Sternbilde des »Schwans«.

An einer Stelle des Raumes können wir erkennen, wie zwei planetarische, -- also wie lichte Planetenscheibchen aussehende Nebel, -- sich miteinander verbunden haben. Wir nennen solche Nebel »Doppelnebel« und finden einen sehr schönen Vertreter dieser Gattung zwischen dem Sternbilde des »großen Bären« und des »Haares der Berenice«.

In den Räumen des Firmamentes hat man dann noch beobachtet, daß solche gasige Massen ihre Gestalt verändern. Dies ist der Fall bei einem, dem griechischen Buchstaben Omega ähnlichen Nebel, dem man auch diesen Namen verliehen hat.

Bei diesem Nebel hat man nämlich gefunden, daß der eine Arm des hufeisenförmig aussehenden Gasgebildes seine Lage ab und zu verändert.

Das »Warum« dieser Veränderung ist uns aber bis zur Stunde ein Geheimnis! --

Bei anderen Nebeln wiederum fand man, daß sie Licht-Schwankungen unterliegen, das heißt, einmal leuchten diese Nebel in hellerem Lichte, als zu anderer Zeit, -- ja es kommt sogar vor, daß solche »veränderliche Nebel« zeitweilig ganz unsichtbar werden.

Auch diese Licht-Schwankungen sind uns bis zur Stunde ganz rätselhaft!

Endlich finden wir unter den Sternen am Himmel noch gasige Massen, welche die Form einer Spirale haben.

Sie sehen aus, wie ein Schaumschläger, den unsere Frauen im Haushalte verwenden.

Der schönste Nebel dieser Art ist der im Sternbilde der »Jagdhunde«. Er steht unterhalb der Tatzensterne des »großen Bären« oder der drei Deichselsterne im »großen Wagen«. --

Dieses Bild grenzt nämlich an das der »Jagdhunde«.

Man sieht auf den Photographien, die man von diesem Nebel gewonnen hat, wie von einem lichten Knoten zwei helle Arme ausgehen. Diese winden sich um den lichten Knoten in ihrer Mitte herum. Am äußersten Ende des äußeren, größeren Armes ist dann noch ein zweiter, lichter Knoten zu sehen, und ein Teil der Astronomen nimmt an, daß dieser einst in die Masse des »Jagdhundnebels« vom Sternenraume her eindrang. Er hat dadurch dem ganzen Gasgebilde die Spiralform verliehen!

Einen zweiten, schönen Spiralnebel besitzt das Sternbild des »großen Bären«.

Wir alle kennen dieses Sternbild an unserem nördlichen Himmel. Unsere Vorfahren nannten es den »Wagen Karls des Großen« oder auch den »Wagen des Königs David«.

Dieser Spiralnebel im Sternbilde des »großen Bären« hat einen bedeutenden Himmelsforscher, mit Namen _Easton_, Anlaß zu der wissenschaftlichen Meinung gegeben, daß alle Gestirne, die wir am Firmamente sehen, -- mit Einschluß unserer Erde, -- und die zwischen den Sternen befindlichen Nebelmassen in einer Spiralform angeordnet seien, -- daß also die ganze, für uns sichtbare Welt nichts anderes, als eine riesige Spirale sei! --

Die moderne Himmelsforschung ist endlich noch zu der Ansicht gelangt, daß alle Gasgebilde (kosmischen Nebel), die wir am Firmamente kennen, eine Spiralform haben, -- daß also die Ring-, die planetarischen, die Doppel-, die unregelmäßigen und die veränderlichen Nebel, nichts anderes, als Spiralnebel seien!

Bis zur Stunde sind wir allerdings noch nicht in der Lage, mit unseren Hilfsmitteln (Fernrohr, Spektroskop und photographischer Platte) die Spiralform bei allen diesen Nebeln festzustellen. Noch ein sehr interessanter, sowohl im Fernrohre, als auch auf den photographischen Platten ungemein reizvoll aussehender Nebel verdient hier unsere Erwähnung!

Es ist eigentlich kein ausgesprochenes Gasgebilde, weil sich zahllose Sterne in ihm befinden; aber er zeigt, -- wie alle Spiralnebel, -- die wir kennen lernten, die gleiche Form, und die Sterne in ihm sind von ungeheuer großen Gasmassen umgeben!

Es ist der Nebel im Sternbilde der »Andromeda« am Nordhimmel! --

Nächst dem großen »Orionnebel« ist er einer der schönsten, den wir kennen. Im Fernrohre erscheint er als eine milchige und verschwommene Masse. Es sieht aus, als ob man die Flamme einer Kerze durch ein Hornblättchen betrachte. Das Spektroskop sagt uns, daß dort am Himmel fertige Sonnen und Gasmassen eng miteinander verbunden sind. Die photographische Platte aber verrät uns, daß der »Andromedanebel« eine große Spirale ist.

Die Astronomen zählen ihn zu den Sternhaufen, die wir später in diesem Buche noch eingehender behandeln werden! --

Die Himmelsphotographie hat uns noch etwas anderes enthüllt! Eines Tages nämlich photographierte Professor Max Wolf, -- der Direktor der Sternwarte auf dem Königsstuhl bei Heidelberg, -- eine Stelle im Sternbilde des »Schwans« am nördlichen Himmel.

Als er dann die belichtete Platte entwickelte, fand er zu seiner Überraschung auf ihr ein großes, wolkiges Gebilde, das aussah, wie das Festland von Nordamerika auf unseren Landkarten. Es war ein großer Nebelflecken, den der Gelehrte im Sternbilde des »Schwans« mit der Camera entdeckt hatte. Professor Max Wolf hat ihn »Nordamerikanebel« genannt. Dieses ganz merkwürdig geformte Gasgebilde aus Urstoff wäre uns niemals im Teleskope (Fernrohre) zu Gesicht gekommen, weil es Licht aussendet, das unsere Augen nicht mehr zu erkennen vermögen.

Der Astronom sagt, der »Nordamerikanebel« strahlt in ultraviolettem Lichte, und dieses liegt jenseits des violetten Teiles im Farbenbande des Regenbogens. Die photographischen Platten aber, die viel empfindlicher sind, als das menschliche Auge, vermögen dieses ultraviolette Licht, das der große »Nordamerikanebel« besitzt, im Bilde festzuhalten. Die lichtempfindliche Platte der photographischen Camera hat uns dann noch gezeigt, daß es viele solcher Gasmassen am Himmel gibt, die ultraviolettes Licht ausschicken! --

Die Zahl der Nebelflecken am Firmamente ist ungeheuer groß! -- Einige Sternwarten, -- es sind das Gebäude, in denen die Astronomen mit dem Fernrohre, mit dem Spektroskop und mit der photographischen Platte die Gestirne beobachten und untersuchen, -- beschäftigen sich damit, den ganzen Himmel nach solchen Gasgebilden zu durchforschen. Zu ihnen gehört auch die bereits genannte Heidelberger Sternwarte. Wenn diese Nebelfleckendurchmusterung beendet ist, dann wird die Zahl der uns bekannten Gasgebilde am Himmel sicherlich auf über 150000 Stück gestiegen sein.

Einhundertfünfzigtausend Nebelflecken, -- also Wolken aus Urstoff, -- der noch niemals benützt wurde, sind im All aufgestapelt; aber in Wirklichkeit sind ihrer noch viel mehr. Wir kennen nur die fehlenden, anderen nicht, weil sie unseren Instrumenten noch verborgen bleiben.

Eine jede dieser Gaswolken hat viele tausend Meilen im Durchmesser und aus ihnen werden sich, -- es wurde bereits erwähnt, -- im Laufe der kommenden Zeiten noch Sonnen, Planeten, Monde und alle jene Weltkörper bilden, die wir schon kennen.

Wenn unsere Sonne mit ihren Planeten, zu denen ja auch unser Erdball gehört, längst nicht mehr ist, dann werden aus diesen Nebelschwaden neue Sonnen am Firmamente hervorgehen und den weiten Raum bevölkern!

»Wie alt mögen diese Nebelschwaden sein?« -- höre ich im Geiste meine Leser fragen!

Wir wissen es nicht!

Nur das eine wissen wir, daß Millionen und Abermillionen von Jahren vergangen sind, ehe alle diese Sonnen entstanden.

Millionen von Jahren waren schon vergangen, als unsere Erde das Licht unserer Sonne erblicken durfte. Millionen von Jahren vergingen dann wieder, bis der Mond sich von unserer Erde ablöste und zur großen »Leuchte der Nacht« wurde.

Älter, als Mond und Erde, älter, als unsere Sonne und all' die anderen Sonnen im Raume, sind jene gasigen Massen, die der Astronom die »kosmischen« Nebel nennt!

Jene Wolken aus Urstoff, aus dem sich alle Himmelskörper formten, sind die »Wiegen der Welten«!

Am Ende der Zeiten wird alles Geschaffene wieder in das »Grab des großen Urnebels« zurücksinken.

Wenn der Himmelsforscher zu diesen Gebilden am Firmamente aufsieht und sich mit seinen feinen Instrumenten in ihr Dasein vertieft, dann wirft er stets einen Blick hinein in die große Werkstatt des Schöpfers, in der einst auch unsere Sonne mit den Kindern ihres Hauses wurde!

Zweites Kapitel.

Unsere Sonnenwelt!

»Tiefes Dunkel ist mein Dunkel! Zur Sonne blicke auf, die strahlend uns das Leben gibt!«

(Inschrift am Dianatempel in Ephesus.)

A. Unsere Sonne!

Vor einigen Jahren besuchte ich um die Osterzeit herum die »Hohe-Tatra«!

Am letzten Tage meines Aufenthaltes zu Poprad-Felka war ich früh am Morgen ausgestanden, um mit dem Eilzuge nach Budapest zu fahren.

Als ich von meinem Hotel hinaus nach dem Bahnhofe ging, lag alles noch im Morgengrauen. Die Sterne am Himmel hatten soeben, -- müde von der langen Nachtwache, -- ihre funkelnden Augen geschlossen, und den Regentag, der vorangegangen war, hatte ein klarer Frühmorgen abgelöst.

Vor mir lag das wuchtige Massiv der »Hohen-Tatra«. Wie ein Riesenbau, den Titanen in Vorweltstagen aufgeführt haben, erhob sich der massige Gebirgsstock aus der Zipser Ebene mit seinen schnee- und gletscherbedeckten Spitzen, Zacken und Graten.

Mit einem Male erglühten die höchsten, mit Firnfeldern bedeckten Kämme in rosigem Schimmer, -- ein unvergleichlich schönes und unbeschreibliches Bild! --

Die Sonne wollte kommen, und in diesem Aufglühen der eisumhüllten Tatraspitzen verkündete sie den Bewohnern der Täler ihre Ankunft.

Allmählich verblaßte der Purpurschein auf dem Gebirge und ließ die Gletscher und Kuppen und endlich auch die tiefer gelegenen Wälder im Sonnenlichte erscheinen, bis die ganze Ebene mit den goldenen Strahlen des im Osten aufgehenden Tagesgestirnes erfüllt war.

Ich werde jenen Frühmorgen und jenen Sonnenaufgang in der Hohen-Tatra sobald nicht vergessen; aber nicht bloß ich allein hatte mich auf ihn gefreut, sondern die ganze Natur harrte ihm an jenem Morgen entgegen! --

Wenn nach harter Winternot der Frühling ins Land geht, dann kam er nicht plötzlich, sondern die Sonne hat ihn langsam in die Fluren geleitet. Sie hat die jungen Keime in monatelanger Vorarbeit geweckt, damit sie im Lenzeswalten aus der Erde hervorsprossen, und sie hat die Landschaft wieder in jene Farbenpracht gehüllt, die uns im Blütengewande der Blumen von den Wiesen und Rainen entgegenschaut.

Die Sonne ist es, welche dem Frühlinge alle seine Pracht verleiht. Sie ist es, die den Sommer mit Glut und Glanz übergießt und auch im Herbste jenes wundervolle Gemälde auf die große »Leinwand des Waldes« wirft, vor dem wir dann mit Staunen und Entzücken stehen.

Sie ist es auch, die selbst dem harten und frostigen Winter Schönheit verleiht, wenn wir diese Schönheit auch nicht immer an dieser Jahreszeit erkennen wollen!

Von der Sonne hängt also alles ab, was uns in den Jahreszeiten auf Erden umgibt.

Von unserer Sonne hängen auch wir Menschen, die Tiere, die Pflanzen und das Gestein ab. Die Erde selbst, auf der wir wohnen und leben, steht unter ihrem allgewaltigen Einflusse.

Diese Abhängigkeit des Erdballes und dessen Lebewesen von der Sonne hat man in grauer Vorzeit schon innig empfunden! Deshalb erwies man der Sonne eine göttliche Verehrung! Unsere Vorfahren haben aber nicht erkannt, was die Sonne eigentlich ist, und welche Bedeutung sie im Rahmen des Naturgeschehens hat. Darum machten sie sich von ihr auch eine ganz phantastische Vorstellung! --

In den Schriften der Völker im Altertume lesen wir, daß man glaubte, die Sonne sei ein lichter Gott, der tagtäglich im feurigen Wagen über die blaue Himmelau fahre. Die Glut des Sonnenwagens dringe zur Erde herab und erhelle diese.

Andere indes hielten die Sterne am Himmel für Löcher, die in eine große, kristallene Kugelschale, -- das Himmelsgewölbe, -- eingelassen waren. Durch sie drang das Licht aus dem Hause der Götter zu uns hernieder, und so hielt man auch die Sonne für eine Leuchte, die sich über den Himmel täglich bewege.

Diese Anschauung unserer Vorfahren haben aber einige scharfsichtige Menschen jener Tage nicht geteilt. Zu ihnen gehört in erster Linie der griechische Philosoph (Weltweise) Anaxagoras, der eines Tages auf dem Marktplatze zu Athen, einer seinen Worten schweigend lauschenden Volksmenge erklärte, für ihn sei die Sonne weder ein Gott, noch eine Leuchte im Hause der Götter, sondern ein glühender Stein, um vieles größer, als die ganze griechische Halbinsel.

Das Volk der Athener war empört ob solcher Rede, und man wollte den weisen Mann wegen Lästerung der Götter öffentlich steinigen. Nur dem Einflusse des Perikles, -- jenes berühmten Staatsmannes, -- dem Athen und Griechenland viel zu verdanken hatte, gelang es, den Anaxagoras vor dem Schlimmsten zu bewahren!

Der Philosoph hatte mit seiner Rede nicht ganz Recht; aber er ist der Wahrheit doch näher gekommen, als mancher andere. Wenn wir den modernen Himmelsforscher fragen, was die Sonne sei, dann wird er uns antworten: »Eine große Gaskugel!« --

Allerdings vermögen wir uns über diese Gaskugel keine rechte Vorstellung zu machen!

Wir hörten bereits am Eingang dieses Buches, daß unser Tagesgestirn einst mit vielen anderen Sonnen am Firmamente aus dem großen Urnebel hervorgegangen ist.

Der Ball aus Urstoff, der in seinem Erstlingszustande unsere Sonne darstellte, war im Anfange dunkel; aber die einzelnen Teilchen dieses Balles drängten nach dessen Mittelpunkte hin.

Durch dieses Zusammendrängen der Teilchen im Balle wurde ein Leuchten hervorgerufen, das wir Phosphoreszieren genannt haben. Dieses Leuchten wurde immer stärker und stärker, bis der ganze Sonnenball in der Weißglut erstrahlte.

Unsere Sonne war fertig! --

Um die nun kugelförmige und lichte Sonne herum war eine Aureole aus Materie übrig geblieben. Aus ihr haben sich dann in der gleichen Weise, -- wie wir es bei der Beschreibung des Urnebels gehört haben, -- die Planeten unseres Sonnenreiches und die Monde in ihm, gebildet.

Die Sonnenkugel war in ihrem Anfangszustande um vieles größer, als sie es heute ist. Man nimmt an, daß der Riesengasball unserer Sonne sich einst bis zur Bahn des äußersten, uns bekannten Planeten Neptun erstreckte und sich von dort aus dann langsam bis zu seiner heutigen Größe zusammenzog.

Wie viele Millionen von Jahren mögen dabei vergangen sein? -- Im Laufe unvorstellbar langer Zeiten verlor die Sonne dann ihre Weißglut, -- wie so manche ihrer Schwestern am Himmel. Sie nahm eine gelbe Farbe an, und in dieser erstrahlt sie auch heute noch. Indes, es wird die Zeit kommen, wo unser Zentralgestirn auch diese Färbung verliert und sie mit der roten vertauschen wird. Hat die Sonne dann das rote Lichtgewand lange genug getragen, dann wird sie auch dies ablegen und ganz dunkel werden. Sie wird ihr Licht verlieren und erkalten, wie es unser Erdball seit langem schon ist.

Auch unsere Erde war einst ein selbstleuchtender Stern, der nacheinander im weißen, im gelben und im roten Lichte prangte, der endlich sein Licht verlor und seinen heutigen Zustand annahm, damit die Pflanzen, die Tiere und der Mensch auf seiner Oberfläche erscheinen konnten. Aus einer kleinen Sonne ist unser Erdball im Laufe langer Zeiten zu einem dunklen Körper, -- einem Planeten, -- geworden!

Diesen »Werdegang der Sonne«, den wir hier geschildert haben, müssen alle Sonnen am Firmamente durchmachen. Viele haben ihn bereits hinter sich, viele ihn noch vor sich! Die Farbe der Sterne verrät uns, -- wir werden davon später noch Näheres hören, -- also ihr Alter! -- Wenn unsere Sonne im wolkenlosen Blau des Firmamentes dahinschwimmt, und wir sie durch ein dickes, buntes oder stark berußtes Glas (niemals mit dem bloßen Auge) betrachten, dann erscheint sie uns als eine goldgelbe Scheibe, die etwas größer als der Vollmond aussieht.

Nehmen wir aber ein genügend stark vergrößerndes Fernrohr, das mit einem _Schutzglase_ versehen sein muß, zur Hand, und betrachten mit ihm das Tagesgestirn, dann werden wir ein wenig erstaunt über das sein, was wir auf der Sonne sehen!

Die goldgelbe Scheibe der Sonne sieht im Fernrohre aus wie ein wogendes Meer. Sie löst sich auf in zahllose Schäfchenwolken, und diese haben meist eine eiförmige Gestalt.

Sie verändern rasch ihre Größe und ihr Aussehen. Man hat dieses wogende »Meer von Schäfchenwolken«, das die Oberfläche unserer Sonne bildet, mit einer Schicht dachziegelförmig übereinander gelegter Weidenblätter verglichen, oder mit Reiskörnern, die man über einen flachen Teller ausschüttet.

Man spricht deshalb in der modernen Sonnenforschung von der »Weidenblätter- oder Reiskörnerschicht« unserer Sonne.

Der Astronom indes nennt diese Körnung der Sonnenoberfläche die Granulierung. Er weiß, daß ein jedes Korn dieser Granulierung einen Durchmesser von etwa zweihundert Meilen hat, -- daß also einzelne dieser Körner zwanzigmal so groß sind, wie das Königreich Bayern.

Der Sonnenforscher weiß ferner, -- seine feinen Beobachtungsinstrumente sagen es ihm, -- daß die Körner all' das Licht ausstrahlen, welches wir Sonnenlicht nennen. Dieses ist schuld an der großen Hitze der Hundstage, am Wachstum der Pflanzen, am Sturm und Regen auf Erden.

Die einzelnen Lichtkörner sind voneinander durch ein dunkles Geäder, ein Netzwerk, getrennt. Man hat diesem den Namen das »photosphärische Netz«; der gekörnten Sonnenoberfläche aber den Namen »Photosphäre oder Lichthülle« gegeben. Zuweilen kommt es vor, daß mehrere solcher Lichtkörner auf der Oberfläche unseres Tagesgestirnes sich zu einem einzigen, großen Korne vereinigen, -- also eine verschwommene Lichtmasse bilden.

Diese sehen wir dann im Fernrohre sich von dem gelben Untergrunde stark weißglänzend abheben.

Man nennt solche Stellen auf der Sonnenoberfläche Fackeln, und wir finden diese, die oft eine ganz seltsame Form annehmen, am häufigsten am Rande des Tagesgestirnes, -- niemals aber in dessen Mitte.

Dann wieder zeigt es sich, daß solche Fackeln eine tiefdunkle Stelle auf der lichten Sonnenscheibe umranden.

Wir nennen diese dunklen Gebiete Sonnenflecken!

Daß diese der Oberfläche unseres Tagesgestirnes angehören, unterliegt gar keinem Zweifel, denn sie nehmen an der Drehung des Sonnenballes um seine Achse von Westen nach Osten hin Anteil. 25½ Tage dauert es, bis sich der Riesenball »Sonne« einmal um seine Achse herumgewälzt hat. So lange währt es auch, bis ein Sonnenflecken wieder an dieselbe Stelle zurückkehrt, an der wir ihn zum ersten Male auf der Sonnenscheibe gesehen haben. Jeder Sonnenflecken besteht aus einem dunklen Kerne und einem matteren Halbschatten.

Der dunkle Kern besitzt meist eine rundliche Form. Der Halbschatten ist fadenartig durchzogen und umrandet den Kern, wie die Regenbogenhaut die Pupille unseres Auges. Das fadenartige Aussehen des Halbschattens rührt davon her, daß Lichtkörner und dazwischen liegendes, dunkles Geäder mit in den Sonnenflecken hineingesogen werden.

Nicht immer ist es nötig, daß ein Flecken aus einem Kerne und einem Halbschatten besteht. Es kommt vielmehr oft vor, daß Kerne ohne Halbschatten auftreten.

An den Polen und am Äquator der Sonne treffen wir keine Flecken, sondern sie halten sich nur in einer bestimmten Zone zu beiden Seiten des Sonnenäquators auf. Sie ähneln darin unseren Zyklonen (heftigsten Wirbelstürmen).

Vielleicht haben wir in den Sonnenflecken auch Stürme von ungeheuerer Kraft vor uns!

Die Flecken auf der Oberfläche des Tagesgestirnes treten nicht immer einzeln, sondern weit mehr in Gruppen auf. Solche Gruppen haben oft eine gewaltige Ausdehnung, von 150000 und mehr Kilometern. In den Jahren 1905 bis 1913 konnte der Verfasser dieses Buches wiederholt einzelne Flecken und Fleckengruppen beobachten und vermessen, die so groß waren, daß man 8 bis 15 Erdkugeln, -- nebeneinander gereiht, wie Perlen an einer Schnur, -- in einer solchen Gruppe bequem hätte versenken können.

Da die Sonnenflecken sich rasch verändern, so halten sie auch nicht allzulange Stand auf der Oberfläche des Tagesgestirns. Flecken, die mehrere Tage oder gar Wochen andauern, sind eine große Seltenheit. Auch die Gruppen halten nicht allzulange an. Wenn eine solche im Begriffe ist, zu verschwinden, dann fließen die einzelnen Flecken, die diese Gruppe bilden, zusammen, verblassen allmählich und lassen an der Stelle ein weißglänzendes Geäder zurück. Wir haben dies »Fackel« genannt.

Die dunklen Kerne der einzelnen Flecken und der Fleckengruppen sind keineswegs dunkel, wie man meinen könnte; sondern sie strahlen immer noch 500mal mehr Licht aus, als unser Vollmond. Es ist ganz natürlich, daß diese seltsamen Gebilde, die auf eine überaus stürmische Tätigkeit im Innern unseres Zentralgestirnes (deshalb so genannt, weil es das Zentrum unseres Weltsystems ist), hindeuten, auch einen großen Einfluß auf die Körper ausüben, die zum Reiche unserer Sonne gehören.

Daß dies der Fall ist, können wir aus verschiedenen Erscheinungen auf unserer Erde folgern. Diese machen sich dann bemerkbar, wenn die Sonne reichlich mit Flecken bestanden ist.

So haben wir in dieser Zeit meist heftige Gewitter, trockene Sommer und grell leuchtende Polarlichter. Ferner werden dadurch auch die überseeischen Kabelleitungen, unsere elektrischen Anlagen beeinflußt, und die Polarlichter erscheinen in größerer Häufigkeit! --

Die Flecken auf der Oberfläche des Tagesgestirnes gehören zweifellos zu den interessantesten Gebilden, die wir auf ihm kennen! Was sind diese Flecken?

Die Astronomen vergangener Jahrhunderte haben sie für Löcher in der Atmosphäre unserer Sonne gehalten, durch die wir auf ihre dunkle Oberfläche herabsehen könnten. In moderner Zeit aber glaubt man, daß sie Täuschungen seien, die sich leicht unserem Auge aus solcher Entfernung vorspiegeln. Andere Astronomen halten sie für starke, elektromagnetische Erscheinungen, denn in und auf der Sonne spielen heftige elektrische Prozesse eine große Rolle.

Wieder andere, -- und das dürfte wohl die richtige Ansicht sein, -- nehmen an, daß, infolge heftiger Gasströmungen vom Innern des Sonnenkörpers her, die Lichthülle, -- die Photosphäre, -- durchbrochen wird, daß also die ausströmenden Massen aus dieser Öffnung hoch über das Tagesgestirn emporsteigen. Die Öffnung schließt sich entweder inzwischen von selbst, oder die herabstürzenden, abgekühlten Massen fallen wieder in sie hinein, oder sie schaffen eine neue Öffnung in der Sonnendecke. Die goldgelbe Schicht, die wir auch »Photosphäre« nennen, ist keineswegs die äußerste Umrandung des Sonnenballes!

Über ihr lagern vielmehr noch eine Reihe von anderen Schichten, -- so zunächst die sogenannte »umkehrende Schicht«. Auf sie folgt dann die Farbenschicht oder die Chromosphäre. Diese wird deshalb so genannt, weil sie zum großen Teile aus glühendem Wasserstoff besteht, der diese gasige Schicht rot färbt.