Was Helmut in Deutschland erlebte: Eine Jugendgeschichte

Part 7

Chapter 7685 wordsPublic domain

Der Schutzmann entfaltete weitläufig das Aktenstück, in dem der Oberst des Regimentes Helmut Kärn bescheinigte, daß er das Eiserne Kreuz sich mit Recht und Ehren erworben habe durch die Rettung von achtzig deutschen Soldaten aus Feindeshand und durch seinen dabei bewiesenen Mut. Der Schutzmann las aufmerksam von Anfang bis zu Ende und betrachtete genau den Stempel des Regiments.

»Na, denn wäre ja woll alles in Ordnung«, sagte er, Helmut das Papier zurückgebend, »du bist ja ein Mordskerl! Aber trag' das Papier man lieber immer bei dir! So 'ne verwunderliche Sache -- die glaubt sonst kein Mensch so 'nem Lausejungen! Meinen Glückwunsch!« Er legte salutierend die Hand an den Helm. »Lesen, lesen -- laut lesen!« schrie es rings im Kreis von alten und jungen Stimmen. Helmut überfiel plötzlich eine fürchterliche Verlegenheit. Es war doch gar nicht leicht, sich zu Haus so richtig als Held zu benehmen. Er hielt sein wertvolles Aktenstück fest in der Hand, machte sich mit Puffen und Stößen heftig Bahn durch die andrängende Jungenschar und rannte davon, so schnell ihn seine Beine trugen. Die Schuljungen mit Hallo und Geschrei ihm nach. Wie ein junger Hirsch entsprang er den Verfolgern, erreichte schweißtriefend das Haus, in dem die Großeltern wohnten und war heilsfroh, als die schwere Eingangstür hinter ihm ins Schloß fiel.

Dreimal riß er oben an der Wohnungsklingel, wie es seine Art war, wenn er hungrig aus der Schule kam. Drinnen entstand ein Lärm, ein Umstoßen von Stühlen, ein Rufen: »Das ist er -- Helmut -- Helmut!«

Die Tür wurde aufgerissen, lachend und weinend küßte ihn seine Mutter.

Hinter ihr zwischen der Gänseblume und der Großmutter erschien noch ein anderes blühendes, braunäugiges Gesicht. Dort stand Frau Anna Ledderhose, die der Mutter in der schweren Zeit treulich geholfen hatte. Am Kaffeetisch bei all den lieben vertrauten Menschen konnte Helmut nun nach Herzenslust erzählen und berichten von seinem reichen, ernsten Erleben. Die Mutter hielt seine Hand, die sie immer wieder streichelte und drückte. Nachher, als sie beide allein waren, gab er ihr das Aktenstück und nahm das Ehrenzeichen von seiner Jacke.

»Du, Mutti, verwahre es mir, bis ich erwachsen bin«, sagte er »dann will ich's tragen. Jetzt so als ein Wundertier in Berlin herumlaufen und in der Schule protzen -- dazu ist mir das Eiserne Kreuz zu heilig.«

Friedrich Andreas Perthes A.-G. Gotha

[ Hinweise zur Transkription

Der Vermerk "Z. XI." auf der Titelseite ist ein Ausfuhrzeichen aus der Weltkriegszeit.

Die ganzseitigen Illustrationen "Vater fährt ins Feld" (S. 25), "Landarbeit im Kriege" (S. 43), "Ost-Preussen" (S. 55) und "Die Flucht" (S. 91) wurden vor den Beginn des jeweiligen Kapitels verschoben, um den Lesefluss nicht zu stören.

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.

Darstellung abweichender Schriftarten: _gesperrt_, =Antiqua=.

Entsprechend der überwiegenden Darstellung im Originalbuch wurde das Komma einheitlich hinter das schließende Anführungszeichen gesetzt.

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden Ausnahmen,

Seite 8: "«" eingefügt (Wie alt sind Sie denn?«)

Seite 15: "laß" geändert in "las" (Der Lehrer las laut vor)

Seite 17: "›" eingefügt (›Morgen hast'n blauen Lappen dafor‹)

Seite 17: "›" entfernt vor "Weg" (Weg is er, und ick konnte nicht hinterher.)

Seite 42: "den altem" geändert in "dem alten" (mit dem alten Lodenmantel ihres Mannes angetan)

Seite 57: "»" eingefügt (»Wir haben uns nur im Walde versteckt)

Seite 64: "«" eingefügt (erklären Sie mir blos in aller Welt~...?«)

Seite 73: "«" eingefügt (eine Karte von ihm aus Sibirien.«)

Seite 77: "." eingefügt (laut aufs Knie und lachte.)

Seite 79: "»" eingefügt (»Siehst du, das alles hier soll mal)

Seite 79: "göttlicheschönen" geändert in "göttlichschönen" (Schmuck dieser köstlichen, göttlichschönen Geschichten)

Seite 79: "»" entfernt vor "Nu" (Nu -- wir haben's ja dazu!)

Seite 81: "überdem" geändert in "über dem" (gleich einer schiefen Mütze über dem Gebäude)

Seite 82: "," geändert in "." (an der Schulter und schüttelte ihn.)

Seite 83: "Herre nentfernten" geändert in "Herren entfernten" (Auch die beiden jungen Herren entfernten sich)

Seite 85: "Finde" geändert in "Finte" (eine Finte von unserem Hauptmann)

Seite 85: "«" entfernt hinter "Ende!" (wenigstens hat die Warterei ein Ende!)

Seite 88: "«" eingefügt (bei den besoffenen Kerls durchschleichst ...«)

Seite 93: "»" eingefügt (»Melde mich, Herr Hauptmann!«)

Seite 93: "»" eingefügt (»Herr Hauptmann schicken Sie mich!«)

Seite 93: "«" eingefügt (wieder bei uns eintreffen!«)

Seite 94: "«" eingefügt (Ich versprach's ihm ...«) ]