Was die Großmutter gelehrt hat Erzählung

Chapter 3

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Das Trini schaute immer verwunderter einmal auf die Bäuerin und dann wieder auf die Großmutter. Diese konnte nicht mehr schweigen in ihrer Freude: “Trineli, denk nur, denk nur, wie es jetzt kommt”, rief sie aus, “du kommst nicht ins Reußtal, du sollst nicht von mir fort. Jeden Tag darfst du zu der guten Frau hinunter auf den Goldäpfelhof und am Abend wieder heim. Ach, was ist das für eine Erlösung aus der großen Sorge. Dank ihr, Trineli, dank ihr!”

“So danke ich vielmals. Und ich will gern arbeiten bei Ihnen, was Sie nur wollen”, sagte das Trini, das erst jetzt das Angebot der Bäuerin zu würdigen wußte.

“So ist’s recht”, schloß die Bäuerin, “die Sache ist abgemacht. Das Beerenlesen hat jetzt ein Ende, und das Apfel- und Birnenlesen fängt an. Das ist gerade die rechte Zeit, um bei mir mit der Arbeit anzufangen. Am Montag schicken Sie mir das Kind, Käthe, und geben ihm Ihren Segen mit. Und nun auf Wiedersehen.”

Sobald die Tür sich hinter der Bäuerin schloß, fing die Großmutter an, laut zu loben und zu danken, daß der liebe Gott alle ihre Sorge in solche Freude und Hilfe verwandelt hatte. Das Trini jauchzte laut auf: “Juchhe, nun muß ich nie von dir fort, Großmutter! Ich will schon tüchtig arbeiten, dann behält mich gewiß die Bäuerin ihr Leben lang.”

Jetzt mußte es aber die goldenen Äpfel noch aus der Nähe betrachten. Auf einmal sagte es: “Großmutter, darf ich nicht dem Maneli noch geschwind die Hälfte bringen? Ich habe jetzt immer mit ihm geteilt.”

“Ja, ja”, nickte beifällig die Alte, das war ihr gerade recht, daß auch der armen Nachbarin etwas von ihrem großen Glück zugute komme. “Lauf nur gleich, Trineli, und nimm auch mehr als die Hälfte. Es sind so viele, die sich an den Äpfeln freuen werden, geh schnell!”

Trini stürzte fort, und ein ungeheures Freudengeschrei brach bei der Kinderschar aus, als es die Äpfel auf den Tisch hinschüttete. Sie rollten da und dorthin und der süße Apfelduft durchströmte die ganze Stube.

Am Montag, als das Trini unter den Bäumen des Goldäpfelhofes schon eifrig bei seiner Arbeit war, trat der Vetter bei der alten Käthe ein. Jetzt hatte sie keinen Schrecken mehr. Sie sagte ihm, wo das Kind bei der Arbeit sei und daß es dort bleiben werde. Aber so schnell ließ sich der Vetter nicht von seinem Plan abbringen, denn er hatte fest vor, das Kind mitzunehmen. Er lief gleich zum Vormund und sagte ihm, daß das Kind in der Fabrik viel mehr verdienen könne als bei der Bäuerin. Aber der Vormund lächelte nur schlau, denn die Goldäpfelbäuerin war auch bei ihm gewesen. Sie wußte schon, was sie zu tun hatte, wenn sie das Kind behalten wollte. Er sagte, wenn das Kind fort sei, sorge niemand für die alte Frau. Solange es aber bei der Bäuerin sei, wären sie beide versorgt und könnten ohne fremde Hilfe gut leben. Und so sei beschlossen worden, daß das Kind bei der Bäuerin bleibe.

Dem Trini geht es mit jedem Tag besser auf dem Goldäpfelhof. Jetzt kennt es schon alle Arbeit, und die Bäuerin mag das flinke, immer frohe Trini so gern, als wäre es ihr eigenes Kind. Die Großmutter sorgt auch dafür, daß das Kind nie vergaß, wer zu ihm redet, wenn es ertragen soll, was weh tut. Denn sie weiß wohl, wie es zu dem guten Platz bei der Bäuerin gekommen ist.

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Was die Großmutter gelehrt hat, von Johanna Spyri.