Von den Gärten der Erde: Ein Buch der tiefen Stille

Part 5

Chapter 53,723 wordsPublic domain

In der Mitte ein Rund. Das Herz meines Gartens, zu dem alle Schönheit hinlugt, von dem aus du in all seine Geheimnisse schauen, und dich in die Tiefe seiner Welt hineinträumen kannst. Tische und Bänke stehen da. Rot im lichten Sommergrün. Ein Kranz von dunkelroten Geranien säumt das Rund. Kirschen-, Apfel- und Pfirsichbäume geben ihren spielenden Schatten über diesen Platz, von dem das Auge in trunkener Lust in eine schier überwältigende Herrlichkeit schaut. Viele hundert altersschöne Bäume jeder Art und jeden Namens fast, erblickst du von hier an den aufsteigenden Höhen, die den Garten königlich umbauen.

Und hebst du den Blick zur Höhe, siehst du dort hoch über allem die alte, ragende Burg, mit strengen edlen Linien das Bild hundertjähriger Geschichte umfassend, steigt sie in die glasklare, seidenweiche Sommerbläue des Himmels und gibt dem Garten den unsagbar berauschenden Reiz, der uns aus ferner Vergangenheit wie aus altersgoldener Weite anrührt. Und die Hügel, die zu dieser Burg führen, sind umwachsen von den adelsstolzen Reben, deren honigschwerer Saft einst in goldenen Königsbechern und auf stolzen Bischofstafeln seine Feuer und Verzauberungen spielen ließ und noch immer spielen läßt. Auf der anderen Seite ragt über den Hügeln die Kapelle auf; mit ihren runden dunklen Schieferkuppeln, aus denen spitz die Kreuze aufspringen, liegt sie, von meinen hohen Pappeln eingerahmt, wie ein Bild von Künstler Hand vor mein schwelgendes Auge hingestellt.

Und weiter zur Rechten, wenn du im Garten umschaust, liegt eine Waldhütte von Birkengeländer umhegt, hohe Tannen stehen stille Wacht davor, Akazien und Hollunder breiten weithin ihre Zweige vor ihr her und die weißen bräutlichen Blüten des Jasmins verhängen und mengen sich mit dem dunklen Tannengezweig und gießen ihren schweren Duft auf die Wege, die zu diesem stillen Winkel führen. Zur Linken sind gar viele Plätze da, die zur Ruhe und Beschaulichkeit laden. Tief eingeschnitten in einer Taxushecke kannst du sitzen und den silbernen Glockenklängen lauschen, die von der Kapelle alle Stunden den Berg herabrieseln. Unter den rätselhaften Mispelzweigen, die sich weit und schallend über eine Bank breiten, kannst du seltsame Träume erhaschen.

In allen Winkel blüht und duftet es. Ströme von Licht fallen von den Bäumen nieder, die ihren Namen von diesem goldenen Regen haben. Und purpurn und violett und weiß gießt der Flieder seinen Sommerrausch über deine Seele. Der Rotdornbaum ist von tausend rosigen Büschen übersät und blühende Ligusterhecken stehen wie weiße Mauern inmitten der tiefgrünen Rasenflächen. Himbeerrot leuchten die schweren Dolden der Weigelienbüsche. Birken wehen ihre grünen Schleier im linden Winde, der von den Wäldern her reine wohlige Luft bringt.

Im Hintergrunde leuchten rotbeerige Sträucher.

Ein weites Rund glüht von Erdbeerfrüchten und Rosen, und beider Düfte mischen sich zu einem Ton, der wie bebender Harfenklang über deine Sinne geht.

Ist das nicht Fülle und Überschwang. --

Und noch bist du nicht am Ende meines Gartens.

Sieh dort das wundervolle, große Steinbecken in dreiteiligem Rund barock gefaßt, wie der Märchenbrunnen aus Kinderland liegt er kühl unter den hügelansteigenden Bäumen, die ihn mit ihrem Laub geheimnisvoll umhängen. Maigrüne Weiden und silberstämmige Birken suchen ihr Bild in seinem dunklen Wasser, blühendes Gaisblattgewinde hängt in wehenden Guirlanden von den Bäumen nieder, gelbe Schwertlilien stehen wie goldene Kerzen um ihn her, und aus dem dunklen, ruhenden Wasser steigen in silbernen Mondnächten der Froschkönig und die Prinzessin die Stufen hinauf, die zu seinem Grunde führen.

Hier kannst du dem Märchenzauber lauschen, der seit Jahrtausenden die Nächte träumender Gärten durchwandelt. Dem Zauber ewiger Jugend, der alt ist wie die Ewigkeit des Lebens und ewig jung wie die neugeborene Stunde des Tages.

Hast du dir Rausch genug getrunken an meinem Garten?

Und glaubst nun all seine Herrlichkeit zu kennen!

Siehe aber, noch ist kein Ende.

Mehr noch wartet dein.

Steig hinauf zur Höhe. Vier Stufenwege führen hinan. Durch dichte Laubwege führen sie, von Bäumen fast aller Namen dicht umstanden. Den Abhang hinunter fließt ein grüner Sammtteppich, von blühendem Gekräut bunt durchwirkt.

Auf schmalen, tief verschatteten Wegen wandelst du in traumhaft süßer Stille, nichts stört dir dein Lauschen und Denken, weit weg von den kleinen Dingen des Alltags bringt diese Unendlichkeit der Stille umher die Höhen und Tiefen des Tages zu dir, und du verlierst dich an jenes selige Schauen, aus dem alle Erkenntnisse blühen.

Der eine der Stufenwege führt zu einem einsamen Tempel, der auf einer schönen, alten Mauer steht, eine Mauer, die roh von Steinen aufgetürmt, wie von Kyklopenfaust geworfen, stark und trotzig zur obersten Terrasse aufsteigt. Vom Tempel fällt ein dichter Vorhang üppiger Efeuranken über das Gestein und gibt ihm eine malerische Bewegtheit und ernste Anmut.

Weiter entlang führt ein anderer Aufstieg wieder auf engem laubdichten Pfade zu einem Ruheplatz, der dir einen Ausruf der Freude entlockt.

Unter einem hohen, alten, weit um sich greifenden Nußbaum steht eine Bank auf erhöhten Stufen, um den mächtigen Stamm des Baumes ist ein Tisch gezimmert. Im Schatten dieses Baumes an einem heißen Sommertage zu sitzen, ist eine unaussprechliche Entzückung. Ein Geländer von dünnen Birkenzweigen schließt den zur untersten Terrasse fallenden Abhang ab, ein wildes Gewirr hängender Waldrebe spinnt zwischen Baum und Busch und um das Geländer hin. Und durch dieses Meer sonnenflimmernden Blättergeriesels siehst du auf ein Bild unendlicher Schönheit.

Hingelagert auf weinumsponnener Höhe breit und wuchtig ausladend, siehst du hier wieder die alte Heidenburg meiner Stadt, wo Frankenherzöge in frühesten Jahrhunderten hausten, Bischöfe ihren heiligen Sitz hatten.

Auf der Ebene des Berges ist die Burg stark und edel hingebaut, mit Zinnen und Türmen, die sich gegen die Bläue des Himmels mit wundervollen, breit ausladenden Mauerprofilen abheben, die den Berg hinab zum Tal hin in scharfen Stufenlinien die Luft durchschneiden.

Zu dieser Burg hinauf geht dein Blick, wo du auch gehst und stehst im Garten und ihre alte, ehrwürdige Pracht steht wie eine königliche Krone über der stillen Schönheit meines Gartens.

Und von diesem geheimnisvoll schönen Platze wandle ich weiter durch blühendes, duftendes Strauchwerk, unter blütenschweren Bäumen durch kühle Schattengänge hin. Einige Stufen führen zur obersten Terasse. Auch da üppigblühende Bäume und Gesträuch. Unter wehendem Birken- und Weidengezweig wartet wieder eine Bank auf dich zum Stillsein und Schauen. Ein schönes Steinbecken in spielender Rokokofassung, von hohen Schwertlilien, purpurnem Fliedergebüsch und schwerhängendem Goldregen eingeschlossen, liegt in ruhendem Stimmungszauber eingebettet; in seinem dunklen Wasser baden meine Singvögel und fliegen dann froh in die blaue Ferne und nehmen ein Stück meiner Seligkeit auf ihren Flügeln mit und in ihren Liedern bringen sie diese Seligkeit zu den andern Herzen, die in andern Gärten wandeln und auf die Stimmen der Freude lauschen. --

Und wieder ein Weg zur Höhe führt zu meinem Teehäuschen. Ein liebes, weinumranktes Häuschen. Tannen stehen rechts und links neben drei runden Stufen, die zu seiner Türe führen.

Und innen --

O da ist gar traulich und einladend zu einem guten Zusammensein mit lieben Menschen.

Die eine der Wände besteht aus lauter Fenstern, durch die du ein Meer von Blättergrün und hängendem Goldregen schaust, der ganze Raum ist davon grüngolden durchdämmert. In allen Ecken und Winkeln laden Bänke, Stühle, und Tische zu Ruhen und Plaudern wenn Freunde da, zu stiller Verlorenheit an die unsägliche Fülle und Stille umher, wenn du einsam hier bei dir selbst bist.

Trittst du aus der grünen Dämmerung dieser kleinen Klause vor die Türe, hast du ein Bild vor dir, das noch jedem, der es zum erstenmale erblickte, einen Ruf seligster Überraschung und Entzückung entlockte.

Über die kleine, von einem Birkenzweiggeländer abgeschlossene und blumenumstandene Terasse siehst du hier über das wogende Grün unzähliger Baumgipfel hinweg zu meiner Stadt hin, die im Tale des silbernen Flusses, von weichlinigen, sanften Hügeln umschlossen, mit ihren vielen, vielen Kirchtürmen hingelagert, dir ein Bild unvergeßlicher Lieblichkeit in die Seele senkt, sonderlich wenn du das Glück hast, es im fallenden Abendscheine zu erschauen. Dann liegt diese prachtvolle vornehme Stadt wie umleuchtet von einem seltsamen Licht, das in seiner mystischen Goldung in alle Tiefen der weiten Zeiten zu schauen scheint, aus welchen diese altersschöne Stadt zu uns hergewachsen ist.

Und im sinkenden Abendscheine fängt die Luft plötzlich an zu klingen und zu singen. Ein Kranz feierlicher Töne senkt sich über Hügel, Fluß und Gelände. Es ist das große Aveläuten von all den ragenden Türmen, die dem Bilde meiner Stadt die starken Linien geben. Und diese Töne gehen zwischen Tal und Höhen, über Fluß und Straßen, über alle lauschenden Seelen hin und binden alles Geborene in einem heiligen Frieden zusammen.

Und in der Morgenfrühe liegt ein wunderbares Leuchten über diesem Bilde, ein starkes, junges Leuchten, das dem erwachenden Leben seine Wege weist und in alle Fernen dringt und die begrenzte Enge der Stadt zu weiten Horizonten öffnet.

Kaum kannst du dich trennen von diesem Blick in die köstliche Fülle umher.

Und doch muß ich dich noch weiterführen.

Noch mehr gibt es zu schauen und zu lieben in diesem schier unausschöpfbar schönen Garten.

Folge mir zurück zu dem herrlichen Lugaus, zurück zu dem schmalen Laubgang, durch das vielerlei Grün der Bäume, die rechts und links den Weg dicht umstehen, am Vogelbade vorüber bis da, wo die grünen Schatten ein Ende haben und auf der obersten Höhe des Gartens eine weite, lachende Wiese vor dir liegt.

O diese Wiese --

Ich glaube, sie ist mein Lieblingsplatz.

Im Hintergrunde ist sie von einer dichten Waldparzelle begrenzt, alte, ernste Bäume ragen von der Böschung auf, die hier zur unteren Terasse abfällt, zwischen dem dunklen Gehänge einiger Riesentannen steht eine Bank aus Astwerk, vom kletternden Grün der Waldrebe umflochten, da sitzest du tief im Versteck wie unter schweren Vorhängen und schaust mitten in die lachende Wiese, die auf stark ansteigender Bodenwelle hinauf zu dem Zaune des Gartens klettert.

Hinter dem Zaune ist die Straße, die zwischen Gärten und kleinen Landhäuschen immer bergan zum Gipfel der Hügel dieser Stadtseite führt.

Und so blickt mein Auge von diesem Platz über den Zaun hinaus in ein weites, wogendes, grünes Meer leiser im Winde spielender Laubmassen, die sich dicht und wohlig in die tiefe, sanfte Bläue des Sommerhimmels einschmiegen.

Und die Wiese selbst.

All das bunte Blühen in der schaukelnden Lust der spielenden Lüfte. Der berauschende Duft, der darüber weht. Das schimmernde Silber und Gold des wechselnden Lichtes. Das schwebende Tanzspiel der zarten Falterschwingen über dem wiegenden Farbengewoge. Bienen summen ihr trunkenes Lied und naschen aus all den offenen Bechern der Lust.

Dein Herz ist von trunkener Freude wie ein übervoller Brunnen, bis in seine letzten Tiefen fühlst du eine selige Ergriffenheit, in der du dich eins weißt mit dem ewigen All des Seins. --

Ich weiß nicht, wann mein Garten am schönsten ist.

Im Frühling, wenn der leuchtende Schaum der Baumblüte gegen den blauen Himmel lacht und das junge Laubgrün in der Sonne durchsichtig und golden wird, die ersten Veilchen aus verborgenen Winkeln aufbrechen, ihre keuschen, berauschenden Düfte dir wie ein Lied goldener Erinnerungen an das Herz rühren und neue, junge Träume auf allen Wegen dir entgegenkommen -- o dann ist er unglaublich herrlich in seiner klingenden Lust und seiner heimlichen Süße, umtönt von den jauchzenden Liebesliedern, die zwischen Baum und Gesträuch auf und niederfliegen.

Und im Sommer --

Da strömt es in ihm von Duft und Farben, von Schatten und Licht, von Fruchtbarkeit und seliger Daseinsfülle. Dein Auge reicht nicht aus für die Millionen Leben, die hier zwischen Himmel und Erde atmen, blühen und wachsen, vom glitzernden Sandkorn am Boden bis zu den stolzen Tannen, die ihre hohen Spitzen in das tiefe sommerliche Blaugold des Himmels bohren.

Und das Flammenmeer des Herbstes.

Das lodernde Rotgelb auf Baum und Gesträuch, die wie lohende Opferschalen stehen und sich selbst verzehrend ihre letzte Schönheit dem scheidenden Sonnengotte hingeben; all die Glut, die sie von ihm nahmen, ihm wiedergeben im Scheidegruße ihrer sterbenden Seelen. --

Dann kommt das weiße Schweigen.

Der lange, tiefe Schlaf.

Alle Schönheit nahm die Sonne zurück.

Nun hat die Tiefe der Erde die Geheimnisse des Gartens zu hüten. --

Und wenn ich dich nun noch etwas weiter geleite, da wo meine lachende Wiese endet und um eine Biegung herum wir an einem kleinen Feldstück mit rankenden Bohnen und Erbsengeblühe vorüber, immer von den dichten Waldbäumen begleitet, endlich wieder zu den unteren Terrassen absteigen und dann plötzlich am grünumhangenen Treppengange sind, der zu der Türe meines Gartens führt -- dann bleibst du noch einen Augenblick stehen, geblendet von dem flutenden Golde der sinkenden Sonne, das durch das dunkle Tannengezweig gleitet und dicht wie ein Gemälde der großen alten Meister mit Schauern der Ehrfurcht dich überschüttet.

Ich öffne noch nicht die Türe.

Ruhe noch einen Augenblick aus von allem Erlebten.

Denn vollendete Schönheit ist ein Erlebnis.

Und nun kennst du mein Königreich.

Und weißt, daß ich, trotzdem ich ein Verliebter bin, nicht zu viel von ihm sagte.

Du ahnst vielleicht sogar, daß es noch zu wenig war.

Daß da, wie in einem Briefe der Liebe, noch tausend köstliche Dinge zwischen den Zeilen stehen, die so zart und heimlich sind, daß man sie nicht in den Ring der Worte einfangen kann.

Aber in die Melodie des Liedes lösen sich all diese köstlichen Heimlichkeiten süß und linde auf.

Und so wirst du begreifen, daß alles Unaussprechliche meines Gartens zu seligen Liedern wurde, die alles Letzte, Tiefste und Süßeste ausschöpfen zu einem singenden Reigen seligen Glückes. Ich lege dir diese Lieder in deine Hände, in dein Herz.

Werde froh daran und reich -- reich an jener zugleich traurigen und beglückenden Sehnsucht, die uns zu den Ufern der Erfüllung trägt.

An der Sehnsucht zu einem Garten, der irgendwo schon dir blüht und duftet und dir dein heimlich Königreich werden will.

Diese selig traurige und dennoch beglückende Sehnsucht will ich in deine Seele pflanzen mit meinen Liedern, die in meinem Garten blühten.

Lieder aus meinem Garten

Mein Garten

Tu ich die Türe auf zu meinem Garten, Verschwindet hinter mir die Welt. Ich trete bei mir selber ein und finde Mich selbst und alles, was mein Ich zusammenhält, All feine Fäden, die wie Brücken binden, Was draußen täglich neu zerrissen wird. Und tiefe Quellen heilger Träume rauschen Hier selig auf, wo sie kein Wort beirrt -- Wo nur die Stille zwischen Erd und Wolken In leisen Farben warm die Zeit durchtönt, Die fruchtbar reiche Stille, die mein Wesen Mit seiner eigenen Tiefe immer neu versöhnt.

So bleib verschlossen, kleiner, schwacher Riegel -- Mit einem Finger schiebe ich dich auf -- Laß mich in meinem Paradiese weilen, Indeß das Draußen gehet seinen wirren Lauf.

Sommertag

Schatten im Grase, spielendes Laub, Huschender Flug im Gezweige, Tanzendes Gold auf den Wegen, Überall Reife und Segen. Wärme brütet auf Baum und Haus, Schleierzart ziehet die Wolke, Leben streckt segnende Hände Über Mensch, Tier und Gelände.

Das ewig junge Lied

Mein Garten singt und blüht Das ewig junge Lied, Das Lied, das alle Welten kennt Und aller Herzen Namen nennt. Das Lied, das über die Meere geht, In allen Winden der Erde weht. Das Lied, das wie die Sonne glüht Und süß wie purpurne Rosen blüht. Das Lied, das im Paradiese geboren, Sich seltsam zu unserer Seele verloren, Das alt ist wie die Ewigkeit Und ewig jung wie Freud und Leid.

Das Leben träumt in meinem Garten

Das Leben träumt in meinem Garten. Es schloß die Türe hinter sich zu. Läßt alles draußen liegen und warten, Und segnet selig hier meine Ruh. Und rührt mit stillen, segnenden Händen An Baum und Strauch, an Duft und Wind, An alle Stille, an alles Bewegen rührt es lind. Dann huscht es hinaus zu fernen Dingen -- Und läßt mir im Garten ein goldenes Klingen.

Tausend Träume weben

Tausend Träume weben in allen Winkeln und Ecken, Alle guten Geisterlein kreisen und necken. Am Brunnen sitzt eine holde Frau, Und wenn ich näher zu ihr schau, Ist's Frau Märe im goldenen Schein, Schaut mir tief in die Augen hinein, Und reicht aus dem Haar mir ihr goldenes Band Und all ihre Blumen aus weißer Hand.

Ein Meer der Stille bist du

Ein Meer der Stille bist du -- Ein tiefes, tiefes Meer. Und meine Seele gleitet in selger Ruh Den letzten Heimlichkeiten deiner Tiefe zu. Ein unerschöpflich Bronnen Aus deiner Tiefe quillt, Und in des Lebens Weben ganz versonnen, Fühl ich mich reich und warm mit ihm versponnen.

Von Freuden ein tanzender Reigen

Mein Garten ist eine Welt für sich, Rings steht wie Mauern das Schweigen, Und trennt meine Welt von all den andern. Ewiger Sonntag erwartet mich, Von Freuden ein tanzender Reigen. In Seligkeiten kann ich hier wandern, Weit eine Welt zwischen mir und den andern.

Mein Tag

Der Abend verglimmt im silbernen Schein. Mein Tag, du vergehst -- Doch du warst mein.

Warst mein mit all deinem reichen Sinn, Mit der heiligen Kraft, In der ich bin.

Du lösest dich auf im Abendglühn, Doch du warst mein -- Still laß ich dich ziehn.

Mein Garten, du königlich Reich

Des Dichters Seele braucht Traum und Spiel, Braucht Singen und Leuchten und Glut. Braucht warmes, tiefes Erdgefühl, Braucht Flammen im Herz und im Blut. Dies alles bietest du lachend mir, Mein Garten, du königlich Reich -- Ich bin und finde mich in dir, Und fühl mich dem Göttlichen gleich.

Selig Gefild, aus dir

Genesung meiner Seele gabst du mir, Und holtest mich aus weiten Fernen Zur göttlichen Natur zurück. Gibst mir das sanfte, stille Glück, Das mir aus tiefen, erdenfernen Quellen zuströmt -- selig Gefild, aus dir.

Im Garten

Hört ich die Tür gehen -- Kommt jemand herein, Vergaß ich zu schließen, Bin nicht mehr allein? Will das Draußen mich stören im Paradies, Das Draußen, das ich so gern doch verließ?

Hier dringe nur ein, Den meine Seele lud, Der zu mir findet Mit Geist und Blut.

Mittagsstille

Ein leises Wehen nur, das in den Bäumen spielt, Und über lachenden Blumen ein Schmetterling. Eines Vogels verlorener Ruf aus dem Gezweig -- Sonst reife Sonnenstille über allem Ding. So wie in Glückesfülle das Herz fromm stille steht, Geht Mittagsstille über all Leben wie ein Gebet.

Ich wandle durch deine Welt

In strömendes Sonnengold getaucht, Von spielenden Schatten umflossen, Von tausend leisen Stimmen durchtönt, Und heiliger Stille umschlossen -- Du süßes Geheimnis, mir täglich neu, Unverlierbar sind deine Schätze mir treu. Ich wandle durch deine gebende Welt Wie durch Traum der seligen Gefilde, Und fühle mich mitten hineingestellt In des Lebens geheimstes Gebilde.

In meinem Garten eine Harfe steht

In meinem Garten eine Harfe steht, Von Silber gebaut mit Saiten von Gold. Und wenn der Wind sacht d'rüber geht, Gibts einen Laut gar wunderhold. Mit seidnen Händen spielt er ganz leise Eine tiefe, süße, selige Weise, Die Vogelstimmen singen im Kreise, Und Licht und Farben sind Melodien. Mein Herzblut rauscht Meine Seele lauscht -- Die Sehnsucht spinnt ihre Harmonien.

Kehr ich zu Dir zurück

Kehr ich wieder aus andern Freuden Zu dir mein blühender Garten zurück -- Fühl immer neu ich mich umschlossen Von einem süßen, heimlichen Glück. Fern, fern -- ganz ferne, ein Eiland im Meere -- Trennst du mich selig von Alltag und Schwere, Nimmst mich zu deiner Unendlichkeit Tieftrunkener Vergessenheit.

Mein Lied bist du

Mein unerschöpflich Lied bist du -- In tausendfach tönenden Seligkeiten Spielst du auf den immer schwingenden Saiten Mir deine Melodien zu. Zu lauter Klang löst du das Sein, Es singt das Licht, und es klingen die Farben, Das Leben sprüht auf in tönenden Garben, Und sein Geheimstes -- es wird mein.

Jahreszeiten

Wie ein Lied mit vier Zeilen Mit Auf und mit Ab, Mit lässigem Weilen Und fliegendem Trab, So ab und so auf In stetigem Lauf, Ohne Ruh und Rast Doch ohn' jede Hast, Singt mir meine Erde Das Lied Jahr um Jahr Von dem, was ist und ewig war.

Bis zum Rande hoch mit blühendem Rausche

Wie im tiefsten Schoß des Alls geborgen Nimmst du mich in deinen heilgen Kreis. Läßt mich schauen in die letzten Dinge, Wovon nur ein Ahnen in mir weiß. Öffnest mir des Lebens goldene Pforten, Daß ich mitten in sein Herz ihm lausche, Füllest meines tiefsten Wesens Räume Bis zum Rande hoch mit blühendem Rausche.

In meinem Garten rauscht ein tiefer Brunnen

In meinem Garten rauscht ein tiefer Brunnen, Und Unerschöpfliches singt mir sein Sang. Da kann ich lauschen und immer lauschen Viel Zeiten lang. Aus allen Weiten tönen die Stimmen, Aus jeder Ferne kommt reich ein Klang, Und ohne Müde mit pochendem Herzen Lausch ich dem Sang.

Junger Tag

Junger Tag am frühen Morgen, Lindes Licht und tiefe Stille -- Und des Lebens starker Wille Hebt ganz leise sein Schwingen. Tief in Andacht lauscht die Erde Und erwachend stehn all Dinge, Wie von einem goldnen Ringe Heißer Sehnsucht eng umschlungen.

Abend

Tief Gold und heißer Purpur liegt vor des Abends Tor, Und königlich schreitet er über die Schwelle. Des Tages Kraft verebbt leis Well um Welle. Aus tiefen Dämmerungen lugt sanft der Traum hervor. Der Abend trägt eine goldne Schale in seiner Hand, Streut d'raus des Friedens weiße Perlen weit über das Land.

Frühling

Erstes Licht und erstes Blühen, Sanften Windes leises Weh'n -- Wie die jungen Farben glühen, Die mit mir am Wege gehn. Zartes Blau hoch in den Lüften, Goldengrün der Erde Schoß, Und von Liedern und von Düften Wird die Welt so weit und groß.

Sommerhöhe

Es schläft der Gott, der mit dem Finger Seiner Hand die Erde am Leben hält. Und alles liegt wie festgebunden und atmet kaum. Das Licht stößt wie ein Schwert scharf aus der Scheide, Und Schatten stehen erstarrt im heißen Raum, In dem sich nichts bewegt als nur das Leuchten, Das von den satten Farben zur Erde fällt.

Mein Garten ist mein Königreich

Mein Garten ist mein Königreich, Drin blühen mir tausend Kronen, Hier sind mir alle Götter nah, Die in der Einsamkeit wohnen. Hier sprechen die fernsten Dinge zu mir, Ich fühle ein tiefstes Erleben. Hier wird zum eignen Geheimnis in mir Mir der goldene Schlüssel gegeben.

Lied um Lied wie Perlen aus dem Meere

Werd ich endlich denn ein Ende finden Mit dem Singen, das aus dir mir blüht, Das wie deine Rosen deiner Erde Purpurn mir in meiner Seele glüht. Lied um Lied wie Perlen aus dem Meere Steigen sie zu meines Brunnens Rand, Der an deiner Seligkeiten Quellen Seine eigne sel'ge Tiefe fand.

In deinen Lauben

Laß mich wandeln unter deinen Lauben, Die in grünen Dämmerungen stehn Und zu sonnengoldnen Wegen führen, Die hinaus in blaue Fernen sehn. Deine goldengrünen Laubengänge Locken meine Schritte immer wieder her -- Unter ihrem schweren Zweiggehänge Fühl ich weltverloren keine Zeiten mehr. Ahne andrer Zonen neue Sicherheiten, Fühl das Weltenrauschen dunkler Ewigkeiten.

Ein Lied nach dem andern

Ein Lied nach dem andern entströmt meinem Sinn Wenn dein ich nur denke, mein Garten -- Und wo ich auch lebe, und wo ich auch bin, Ist in mir ein seltsames Warten. Ein Warten auf die ruhende Zeit In deiner erdwarmen Einsamkeit.

Zu allen Zeiten lieb ich dein wechselnd Angesicht