Unter Kopfjägern in Central-Celebes

Part 33

Chapter 333,220 wordsPublic domain

Kaum in Doda angekommen, verabschiedete sich Herr t. K. von mir, um zu meinem Befremden in der engen Hütte des Guru zu nächtigen. Ich fürchte, er hat mir die entführten Lobo-Schemel noch immer nicht verziehen. -- Doda mit seinen stattlichen Häuserzeilen und reinlichen Plätzen machte auf mich einen recht guten Eindruck. Die Gebäude zeigten in ihrer Bauart den Napu-Typ, sahen jedoch freundlicher als diese aus, da ihre Dächer nicht so weit herabreichten, so daß seitlich etwas Licht einfallen konnte. Teilweise waren sie auch mit hohen Veranda-Vorbauten ausgestattet. Besondere Sorgfalt fand ich auf die Schnitzereien der Firstenden verwandt. Auch die aus den Dachrändern vorspringenden Zierleisten, die gleich denen in Napu phantastische Tiermotive darstellten, waren in Doda reicher ausgestaltet und außerdem gegabelt. Besonders auffällig war mir dabei die sonst nirgends mehr angetroffene Sitte, dieselben in ganz eigener Art mit aufgesetzten hölzernen Vogelfigürchen zu schmücken. Diese sinnigen Schnitzereien erinnerten mich an ähnliche Vogeldarstellungen, wie ich sie im Dorfe Tóndong in den Toradja-Landen gefunden hatte.

Die Bewohner des Ortes waren auffallend zurückhaltend. Obschon ich dem Dorfvorsteher meinen Wunsch bekannt gegeben hatte, Gegenstände aller Art anzukaufen, erfolgte auch nicht ein einziges Angebot. Als ich daraufhin die Leute später in ihren Hütten aufsuchte, fand ich sie wider Erwarten durchaus geneigt, mir jedwedes gewünschte Stück zu überlassen. -- Wie in Bariri erwarb ich auch in Doda besonders schöne Ohrgehänge. Gewöhnlich waren die beiden Ohrscheiben mit einer Perlenkette verbunden, die beim Tragen um den Nacken gelegt wird. Eine weitere Spezialität Besoas waren Armspangen aus Büffelhaut, die aus dem Fußgelenk der Tiere herausgeschnitten werden. Ein einziger, stehengelassener Haarbüschel daran wird rosarot oder blau gefärbt. Diese »lóku« genannten originellen Schmuckstücke der jungen Mädchen sind Liebesgaben ihrer Anbeter. Die Fellstreifen sind auf einer Seite mit einem Einschnitt, auf der anderen mit einem Knoten versehen, der, durch jenen gezogen, den Verschluß bildet. -- Im frischen Zustande angelegt, schrumpfen sie durch Eintrocknen bald soweit zusammen, daß sie nur noch durch Aufschneiden entfernt werden können.

Das Gegenstück zu diesen lóku sind aus den Haaren der Liebsten geflochtene zierliche Schnüre, deren Enden mit einem Verschlußknopfe, den eine oder zwei Perlenquasten schmücken, geschlossen werden. Diese Halskettchen (welúa) werden von dem Mädchen dem Bräutigam verehrt. Daß ich solche Welúa trotzdem in Mehrzahl erwerben konnte, spricht dafür, daß die Wandelbarkeit der Männerherzen auch in Besoa zu den ewigen Wahrheiten gehört. -- Eine 3. Art von Schmuckgegenständen, die in dem Liebesleben der Besoaner eine Rolle spielen, sind Fingerringe, die aus dem harten Kern der Arengfrucht geschnitten werden. Man nennt diese Geschenkringe »sisikale kónta« (Arengringe).

Bei vielen Männern fiel mir der sonderbare Schnitt des Haupthaares auf, das im Nacken in lange Simpelfransen auslief. -- Runde geflochtene Deckelkörbe (póhu) als Reisbehälter, sind in dieser Form nur in Besoa zu finden. Ebenso verhält es sich mit den ungewöhnlich gefällig aussehenden Rückenkörben der Frauen (róta). -- Importierte lose Perlen werden nirgendwo in geschickterer Weise zu Schmuckobjekten umgearbeitet als hier, und die höchst aparten breiten Stirnbänder (tatáli oder tali lawólo) gehören zu den geschmackvollsten Erzeugnissen weiblicher Handfertigkeit. Sie sind bei den Frauen so beliebt, daß man sich ihrer bereits auch in Bada und Kulawi zu bedienen anfängt. Ebenso verhält es sich mit den höchst kleidsamen, malerischen Sonnenhüten der Frauen (s. Taf. XIV). Drollig wirkt es, wie eins der beiden photographierten über Land reitenden Mädchen seinen kunstvoll gearbeiteten Kopfring, der zur Vervollständigung der Toilette gehört, dem Schattenhute übergestülpt hat, um ihn am Bestimmungsorte sofort zur Hand zu haben.

Schon vor Antritt meiner Reisen ab Paloppo getroffene Vereinbarungen zwangen mich, den am 28. November in Donggala fälligen Anschlußdampfer zu benutzen, und ich durfte daher keinen Tag Zeit verlieren. Aus diesem Grunde hatte ich auch heut mit dem Sergeanten den Weitermarsch für den folgenden Tag verabredet. Unserer Vereinbarung gemäß sollte das Militär mit den mein Hauptgepäck transportierenden Trägern nach Gintu, dem entferntest gelegenen Kampong der Bada-Ebene, vorausmarschieren und mich dort erwarten. Ich selbst wollte mit meinen Leuten Abstecher nach den bedeutendsten Dörfern des Bada-Ländchens machen. Auch der nachgekommene Inlandsassistent von Watutau schloß sich an.

+Doda -- Lelio+ (Bada), den 12. November.

Das hohe, Bada und Besoa trennende Scheidegebirge ließ uns neue Anstrengungen gewärtigen. Um dabei wenigstens der größten Mittagshitze zu entgehen, hatten sich das Militär und die Kulis bereits um 3 Uhr des Morgens auf den Weg gemacht. Ich folgte ihnen mit meinen Begleitern um 7 Uhr. Über morastige Sawapfade und hügeliges Gelände kamen wir bald in die Berge und erreichten nach etwa 3 Stunden einen freiliegenden, vorspringenden Kamm, der uns einen letzten Scheideblick auf die liebliche Besoa-Landschaft ermöglichte. -- Von hier aus setzten wir unsere Wanderung auf bewaldete Gebirgsrücken fort, wobei wir eine kurze Strecke sogar in der Höhenzone der Moosregion zurückzulegen hatten. Gegen ½-1 Uhr traten wir auf eine Blöße heraus, von der sich uns wundervolle Blicke in die Schluchten des Besoa-Gebirges und bis nach Napu hin auftaten. Eine Ataphütte lud uns auf dem schönen Plätzchen nicht vergebens zur Rast ein. -- Der Weitermarsch führte talwärts, und um die 2. Nachmittagsstunde hatten wir das Hauptgebirge hinter uns und ließen uns auf unbewaldeten Abhängen von der tropischen Sonne bestrahlen. Die 700-800 m hohen Vorberge fielen schroff zur Bada-Ebene ab. Diese stellt eine gewaltige Einsenkung dar, die rund 750 m über dem Meere liegt. Tektonische Störungen gehören in Bada auch in der Gegenwart noch zu den häufig vorkommenden Ereignissen.

Der Ausblick, der sich vom Rande des Gebirgseinbruches auf das tief unten liegende Bada bietet, gehört zu den großartigsten Panoramen des an landschaftlichen Reizen wahrlich nicht armen centralen Celebes. Das saftstrotzende Grün der Matten und das silberweiße Geäder der die Ebene durchströmenden Flüsse gaben zusammen mit den dunklen Felsmassen der zerklüfteten nördlichen Falten-Gebirge ein farbenprächtiges Bild. Als kompakte Wand mit fast geradlinigen Konturen erschien, undeutlich im schimmernden Sonnenglanze, die gegenüberliegende südlich streichende Centralkette, die im Koróru-Gebirge die stattliche Höhe von 3000 m erreicht.

Was da in der Tiefe vor uns lag, war also das vielberufene und verrufene Goldland Bada, das eigentliche Herz von Celebes. Friedlich wie eine arkadische Landschaft dehnten sich seine Gefilde, und freudetrunkenen Blickes umfaßte ich immer und immer wieder dieses Bild, -- die Verwirklichung stiller Träume. -- Der Abstieg zur Bada-Ebene auf losem Sande war recht schwierig. Der Steig folgte zumeist den Rinnen und Auswaschungen, wie sie bei heftigen Regengüssen entstehen, und führte daher direkt talwärts. Mehr rutschend als kletternd kam ich überraschend schnell auf der Talsohle an. Dort waren noch eine Reihe niederer, durch sumpfiges Wiesenland geschiedener Hügel zu überschreiten; dann, um 4 Uhr nachmittags, lag das erste Dorf Badas, der beherrschend auf einer Anhöhe liegende wallumgürtete Kampong Lelio, vor mir.

Die Bewohner des Dörfchens empfingen mich sehr freundlich und brachten mir sofort unaufgefordert mehrere bis auf die verschlossene Trinköffnung ausgeschälte Kokosnüsse zur Erquickung. Der Gebrauch, einem Gaste angebotene Trinknüsse erst vor dessen Augen völlig zu öffnen, soll diesem die Überzeugung beibringen, daß er keine Vergiftung zu befürchten hat. --

An diesen ruhig und höflich auftretenden Menschen mit sympathisch ansprechenden Gesichtszügen deutete nichts auf die Grausamkeit hin, die seltsam gepaart mit gutmütigen Charakter-Eigenschaften in den Seelen dieser in ganz Central-Celebes gefürchteten Kopfjäger schlummert. Die Unterschiede zweier beträchtlich divergierender sozialen Schichten traten übrigens auch im Habitus der Bada-Bevölkerung unverkennbar zutage. Ein ausgesprochen aristokratischer Typus von knapp mittelgroßer Gestalt, feinem Gliederbau, regelmäßig geformtem ovalen Schädel und fast geraden Augenbrauen unterschied sich augenfällig von den übrigen Eingeborenen mit größerem gedrungeneren Körperbau und eckigeren Gesichtszügen, der dem gewohnten Malayentyp viel näher kam.

Die Hütten Lelios, die im allgemeinen den in Besoa angetroffenen recht ähnlich, aber ohne jeden Zierat waren, standen eng gedrängt beieinander. Ihre Bedachungen bestanden ausnahmslos aus Schindeln. Seit Leboni nicht mehr angetroffene Tür-Vorbauten begannen in Bada wieder zur Regel zu werden. -- Ich quartierte mich im Lobo des Dorfes ein. Die sich im Innern des Gebäudes an den Wänden entlang ziehenden Galerie-Plattformen waren ziemlich hoch angelegt, so daß ich sie, auf meinem Feldbette, davor sitzend, bequem als Tisch benutzen konnte. Im Hintergrunde des Lobo waren ganze Berge der bekannten Rotang-Fesselungsringe aufgehängt, deren Betrachtung düstere Bilder herauf beschwor von der jedem menschlichen Gefühle hohnsprechenden Marterung der Gefangenen, deren viele an demselben Pfosten, an den ich mich lehnte, ihren qualvollen Tod erwartet haben mochten. --

Eine Anzahl neugieriger, verstohlene Bemerkungen austauschender Frauen und Mädchen waren unter Führung des Häuptlingspaares zu Besuch gekommen. Kleine Geschenke lösten kinderfrohes Lachen und verlegenes Erröten aus. Auch nach europäischer Auffassung hübsche Gesichter waren unter ihnen durchaus nicht selten, und selbst die in Bada den Gipfelpunkt erreichende und beinahe larvenmäßig wirkende Gesichtsbemalung konnte diesen Eindruck nicht völlig verwischen. Am störendsten wirkten die blutroten zahnlosen Kiefer bei den Frauen, denen das Vordergebiß völlig ausgeschlagen war. -- Der in Lelio verlebte Abend in Gesellschaft der meinen Erzählungen aus dem fernen Europa dankbar lauschenden To-Bada, die sich dafür später mit Vorführungen ihres Nationaltanzes »maheio« revanchierten, und dies im Anblick der im letzten Abendrot erglühenden Gebirge und der lieblichen Talebene, werden mir unvergeßlich bleiben.

+Lelio -- Bulili+, den 13. November.

In dem dicht bevölkerten Bada liegen die zahlreichen Ortschaften nahe beieinander, und der heutige Tag war dem Zwecke gewidmet, möglichst viele derselben kennen zu lernen. Dem benachbarten Bomba galt unser erster Besuch, und gegen 8 Uhr morgens setzte sich der Häuptling von Lelio an die Spitze unseres Zuges, um uns dahin zu geleiten. Es ist in Bada allgemein Sitte, daß die Dorfhäuptlinge ihre Gäste persönlich bis zum nächsten Dorfe bringen, wo dann der dortige Häuptling das Beschützeramt übernimmt. Das bestimmende Motiv hierbei dürfte wohl hauptsächlich in dem Gefühl der Verantwortlichkeit für die Sicherheit des Besuchers liegen. Die Gastfreundschaft wird von den Eingeborenen sehr gepflegt, und Schande würde den Häuptling treffen, der seinen Gast Ungemach leiden ließe. Möglicherweise spielt auch das in Bada geltende Gesetz der Blutrache eine Rolle, das für ein am Gaste begangenes Unrecht das ganze Dorf verantwortlich macht. Im Verlaufe meiner übrigen Dorfbesuche wiederholte sich die besprochene Höflichkeit bzw. Vorsicht. Der neue Kabosenia übernahm jedesmal die Führung, wobei es sich die Häuptlinge der früher besuchten Plätze nicht nehmen ließen, mich auch noch weiterhin zu begleiten, so daß ich in der letzten der besichtigten Ortschaften von einem stattlichen Gefolge umgeben war.

Von Lelio aus wandten wir uns gleich zum Tawaelia-Flusse hinab, welcher das hoch gelegene Dorf umströmt. Sein dunkles, fast schwarzes Gewässer ist wie das aller seiner Zuflüsse außerordentlich goldhaltig. Überall in Bada gehört daher die Goldwäscherei zu den ergiebigsten Einnahmequellen der Eingeborenen. Der gewonnene Goldstaub wird in Federposen verwahrt und gelangt so in den Handel. Zum Abwägen desselben bedient man sich zierlicher Hornwagen, wobei sehr gleichförmig geartete Fruchtsamen, lómbe genannt, als Gewichte dienen. Sechs dieser Samenkörner sind das Gewicht des Goldes im Werte von 2½ fl. -- Über den ansehnlich breiten und mehrere Meter tiefen Tawaelia trug uns ein eigenartig zusammengestelltes Bambusfloß. Was diesem Fahrzeug an Breite abging, war an der Länge reichlich zugegeben. Die an den Enden stehenden Lenker hatten gerade noch Platz. Für die Passagiere, deren es höchstens vier sein durften, war in der Mitte des Bootes aus mehreren Lagen übereinander geschnürter Bambusrohre ein erhöhter Sitz geschaffen. Bei der ungenügenden Höhe desselben und dem beträchtlichen Schwanken des mit langen Ruderstangen vorwärts gestoßenen Fahrzeuges nahmen bald sämtliche Passagiere Sitzbäder. Unter vielem Hallo und Gelächter vollzog sich die Überfahrt ans andere Ufer. Kurz darauf erreichten wir den gleichfalls auf einem Hügel gelegenen Kampong Bomba, der Lelio an Bewohnerzahl und Ausdehnung weit überflügelte. Das reiche und große Dorf bot ein getreues Bild der augenblicklich in Bada herrschenden ethischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, deren Schilderung auch auf alle anderen Dorfgemeinden der Bada-Ebene paßt.

Wir finden in Bada, dem am dichtest bevölkerten Hochtal des Innern, die Eingeborenen-Kultur auf dem Kulminationspunkt ihrer Entwickelung. Alter Adat besteht hier noch zu Recht; alte Sitten und Gebräuche haben sich hier am reinsten erhalten. Die von den Altvorderen ins Leben gerufene, für die Kultur der Inlandstämme so charakteristische Fuja-Industrie behauptet sich gegenüber der Einfuhr gewebter Stoffe weit zäher als in irgend einem anderen von mir besuchten Distrikt. Sogar die Männer bedienten sich in Bomba noch der Lenden- und Schultertücher aus Baststoffen. Die aus Bada stammenden Fuja-Erzeugnisse übertreffen alle andern an Farbenpracht und geschmackvoller Bemusterung. -- Die nach unseren Begriffen als ästhetische Verirrung zu bezeichnende Gepflogenheit, sich Gesicht und Hände mit Harz zu bemalen und überdies noch mit Stanniol zu verzieren, war in Bomba zur üppigsten Entfaltung gediehen, und was bei uns der Handschuh, ersetzte in Bada die Schablonenmalerei des Handrückens.

Zu den bevorzugtesten Schmuckobjekten beider Geschlechter gehörten Halsketten aus alten Porzellanperlen, denen imaginäre Werte beigemessen wurden. Fast ebenso schwer zu erlangen waren bronzene Brustgehänge mit landesüblichem Hirscheber-Motiv. Recht häufig wurden dagegen schwere, aus Muschelböden geschnittene Armreifen getragen. Die Frauen trugen Holzscheiben von erstaunlicher Größe in den Ohrlappen. Unter den Frauenkopfringen zeichneten sich die mit Silberdraht übersponnenen durch ihre Schönheit aus. Zum Unterschiede von den gewöhnlichen Kopfringen (táli) führen sie die Bezeichnung »pohéa«. Als sehr seltene Objekte erhielt ich in Bomba Amulette, wie sie Kindern um den Hals gehängt und von Erwachsenen meist in den Sirihtaschen mitgeführt werden. Sie waren aus Schlangenköpfen oder häufiger noch aus dem Schädel eines in den dortigen Gewässern vorkommenden Welses verfertigt und glichen einem menschlichen Gesicht, das zur besseren Hervorhebung der Züge partiell mit Stanniol belegt war. In unerreichter Mannigfaltigkeit der Formen fanden sich überall Hüttenhaken aus Horn, Knochen oder Holz. Ich hatte das Glück, darunter einige solcher »hodánga« aufzustöbern, die menschliche Figuren darstellten. Da Nachbildungen des Menschen in Central-Celebes zu den allergrößten Seltenheiten gehören und Bada die einzige Lokalität war, wo ich solche auftreiben konnte, so ist dies ein neuer Beweis dafür, daß sich die Eigenart der Vorfahren in dieser Landschaft am unbeeinflußtesten erhalten hat.

Interessant war mir für Bomba das Vorkommen von Steinschleudern, wie ich solche bereits in Besoa kennen gelernt hatte. -- Vorfechter-Kopfschmucke (sangóri), wie sie mir von Leboni und dem Posso-See her bekannt waren, wurden mir mehrfach zum Kauf angeboten. In ganz Bada gang und gäbe waren auch die Bronzeschellen oder -glocken, mit denen sich Kopfjäger nach erfolgreicher Jagd behängen. Sie tragen diese eigentümliche Kriegerzier stets rechts um die Hüfte gebunden. In Bomba hatte ich endlich wieder einmal Gelegenheit, hübsche Waffen zu sehen. Vor allem waren es die Lanzen (tawára), auf deren reiche Ausschmückung hoher Wert gelegt wurde. So erhielt ich mehrere hervorragend schöne Stücke, deren Schäfte aus eisenhartem roten Holze ihrer ganzen Länge nach in kunstvoller Weise beschnitzt waren. Ein besonderes Charakteristikum dieser Lanzen, das für Bada und das benachbarte Kulawi gemeinsam gilt, waren die schwarz-weiß, schwarz-rot oder weiß-rot gefärbten Ziegenhaarbüschel, mit welchen sie den Schaft von der Mitte bis zu der mit einem langen eisernen Dorn ausgestatteten Zwinge herab umkleiden. Diese gekordelten Haarstränge sind bis zu 5 m lang und werden in dichter Spirale um den Schaft gewickelt, so daß sie bauschig abstehen. Für gewöhnlich werden diese Lanzenhaarschmucke in gleichfarbigen Fuja- oder Kattunfutteralen geborgen.

An Schwertern kommen in Bada die auch für das Possogebiet geltenden Formen vor, vor allem also solche mit den weit auseinander klaffenden Griffen, die den aufgesperrten Rachen des Krokodils darstellen sollen.

Ein gleich rätselhaftes Steingebilde, wie ich es in Watutau gefunden hatte, bildete auch das Wahrzeichen von Bomba; doch zeigte es zum Unterschiede von jenem die Umrisse einer weiblichen Figur. Ein davor aufgestelltes Bambustischchen mit reichlichen Opfergaben ließ auf höhere Verehrung schließen (s. Taf. XV).

Unser nächster Besuch galt dem Dorfe Kanda. Es war ein kleiner, von einem hohen Lehmwall umgebener Ort, dessen Wohnhütten in einem Haine von Kokos- und Arekapalmen lagen. Unter meinen Erwerbungen daselbst waren Buschmesser mit ausnehmend reich verzierten, aber roh gearbeiteten Scheiden das Bemerkenswerteste. -- Als elastische Unterlagen für Fuja-Klopfbretter fand ich, wie seinerzeit auch in Leboni, dicke Stammstücke des Pisangs verwendet. -- Auffallend war die schlechte Aussprache der Dorfbewohner, die z. B. für g stets k sprechen.

Gegen Mittag wandten wir uns dem am linken Hügelrande gelegenen Dorfe Páda zu, nicht zu verwechseln mit der Landschaft Bada. Auf dem Wege dahin begegnete uns ein Trupp Frauen, die sich von unserem an der Spitze des Zuges marschierenden Häuptling eine energische Zurechtweisung zuzogen, da sie in ihrer Verwirrung dem Badaschen Höflichkeitskodex zuwider nach rechts ausgewichen waren statt nach links, wie es bei Begegnungen mit freien Männern ihre Pflicht ist. Angesichts so zahlreicher Vornehmer aber hätten sie in geziemender Entfernung vom Wege unser Vorüberkommen abwarten müssen. Die To-Bada sind eben ein Kriegervolk, bei dem das Ansehen der Frau gleich null ist. Unter den ganz verschüchtert, mit abgewandten Gesichtern am Wege stehenden Frauen befand sich auch eine mit weißer, kapuzenartig spitzer und auf dem Rücken lang herabfallender Fuja-Haube. Solche Kopfbedeckungen sind in Bada das Zeichen der Trauer und der Witwenschaft.

Das Dorf Páda blieb an Größe hinter Bomba zurück. Durch Augenschein überzeugte ich mich, daß in dieser Ortschaft noch die alte Sitte besteht, die Toten unter den Wohnhäusern zu begraben. Wie in Napu war dabei das Erdreich über dem zugeschütteten Grabe geebnet und auf diesem die Tragbahre nebst den zum Ausheben des Schachtes gebrauchten Werkzeugen niedergesetzt, denen noch ein Schild, in der Art der Muschelschilde des Posso-Gebietes, beigefügt war. An der Unterseite der Bodenplanken des Hauses wurden dann über dem Grabe 2 holzgeschnitzte gekreuzte Löffel aufgehängt. Erst durch diese unter mehreren Hütten hängenden Symbole wurde ich auf das wirre Holzwerk aufmerksam und erfuhr, daß darunter Gräber seien. Die Gebeine der in Särgen bestatteten Leichen werden später nicht noch einmal ausgegraben und dann im Walde ausgesetzt, wie es in anderen Gegenden geschieht. -- Das Pfahlwerk der Wohnhütten bildete einen fest zusammenhängenden und auf großen Steinen ruhenden Rost.

In diesem Dorfe bekam ich die schönst bestickten Frauenjacken zu sehen, die je meine Kauflust reizten, -- leider nur zu sehen, da diese besondere Art ein Geschenk des Bräutigams sind und nicht veräußert werden. Auch die Gesichtsbemalung der jungen Mädchen war in Páda besonders eigenartig. Aus den sonst üblichen Punkten, Strichen und Linien waren hier ausgesprochene Arabesken geworden, die das Büffelkopfmotiv in verschiedenster Weise variierten.

Ein Gewitterschauer verzögerte unseren Abmarsch nach dem nächsten Dorfe. Trotz feinrieselndem Regens machten wir uns schließlich auf den Weg. Der Kampong Bulili ist die größte Ortschaft der Bada-Ebene. In mehr als 50 großen Wohnhäusern lebten daselbst über 700 Menschen beisammen. Unzählige Reisspeicher waren über das Dorf verteilt. Es liegt auf stark hügeligem Terrain, und mächtige Wälle mit alten Bambusbeständen umzogen es in seiner ganzen Ausdehnung. Sieben Lobos sprechen für die Bedeutung dieses Ortes. Daß die Geisterhäuser in solcher Anzahl beisammen auftreten, war mir wieder eine neue, bis Bada vorbehalten gebliebene Entdeckung. In Bulili wurde genächtigt, und ich bezog einen der altersschwachen Lobos, die wohl hauptsächlich als Fremdenhäuser zu dienen haben.

In dieser Ortschaft fand ich zum drittenmal ein Steinbild vor, dem leider der Kopf abgeschlagen war. Eine Anzahl kleinerer Steine ohne erkennbare Bearbeitung standen im Kreise um dasselbe, -- umschlossen also wohl ein »simbuang batu«, wie solche Plätze bei den tiefer im Süden wohnenden Toradja genannt werden. Etwas abseits davon lag ein großer Felsen halb in der Erde vergraben, dem schwer erklärbare Ornamente eingemeißelt waren. Vor einem kleineren, in der Mitte des Dorfes gelegenen Granitblock, war ein »Zauber« mit dem unvermeidlichen Opfertischchen errichtet. Er bestand aus einem hohen Bambuszweig, dessen Fiedern man mit weißen und schwarzen Hühnerfedern und mit geknoteten Fuja-Bändchen über und über behängt hatte. Auf einer Steinbank davor lag ein Bündel geopferten weißen Fujastoffes.

Der von mir als Quartier erwählte Lobo zeigte die übliche Einteilung. Ein kanoeartig ausgehöhlter Stamm mit Kerben und in Tierköpfe auslaufenden vorstehenden Enden führte zum Innern hinan. Ein Gräserbouquet stellte den Lebensbaum vor. Fesselringe hingen im Hintergrunde, und in einer der Seitengalerien lehnten etwa 20 Stück stark defekter Muschel-Langschilde. --

Das Haupt dieser großen Gemeinde war mir bis vor die Grenze Bulilis grüßend entgegengekommen und hatte mich persönlich zu meinem Asyl geleitet. Als besonderes Kennzeichen trug er einen einseitigen Knebelbart. Viele andere Leute aus diesem Dorfe trugen dünne Kotelettbärte und an jedem Mundwinkel bequem zu zählende wenige Barthaare.