Unter Kopfjägern in Central-Celebes

Part 21

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Über diese alte bedeutende Siedelung herrschte ein Radja mit dem Titel Mákole, dem ein Kapala Kampong (Dorfvorsteher), auch Orang tuah genannt, zur Seite stand. Die durchwegs großen, hochstehenden Häuser lagen weit auseinander unter einem Haine riesenhoher Kokospalmen. Das Fremdenhaus des Ortes war sehr bescheiden. Dem Militär standen daneben errichtete Baracken zur Verfügung. Es dauerte nicht lange, so wurde mir der Besuch des Mákole gemeldet, der in Begleitung des Kapala Kampong mit größerem Gefolge erschien. Als Hoheitszeichen wurde ihm eine Prunklanze nachgetragen. Ich placierte die illustre Gesellschaft, so gut es ging, und ließ Cigaretten verteilen, die mit großer Andacht geraucht wurden. Leider sprachen der Mákole wie der Vorsteher nur Luwu und Barée. Letzteres gilt als die allgemeine Verkehrssprache von ganz Inner-Celebes. Von meinen Begleitern beherrschte es niemand, und ein Dolmetsch dafür sollte erst in Masamba beschafft werden. Die Übertragung unserer Unterhaltung aus dem Luwuresischen ins Malayische übernahmen mein Boy Rámang und der Sergeant in befriedigender Weise. Ich zeigte meinen Besuchern Abbildungen ethnographischer Gegenstände, an deren Erwerbung mir gelegen war. Sie wurden mit Ausrufen des Erstaunens besichtigt; auf meine Nachfrage aber wurde mir erwidert, daß vor Jahresfrist der ganze Kampong abgebrannt sei und es deshalb keine Gegenstände aus alter Zeit mehr in Baëbuntu gäbe. Man brachte mir nur Matten und gewöhnliche dunkelgrau glasierte Tongefäße als die einzigen Erzeugnisse hiesiger Hausindustrie. Vom Mákole erwarb ich ein altchinesisches Salbtöpfchen für ein paar Gulden.

Von meinen Soldaten lahmten heut mehrere Mann, und die nachmittägige Rast kam daher allen recht willkommen.

+Baëbuntu -- Masamba+, den 19. Oktober.

Nach schlecht verbrachter Nacht frühzeitig auf den Beinen, fand ich es unverantwortlich, daß die neuen Träger warten ließen. Der Kapala Kampong, dessen Pflicht es gewesen wäre, für das rechtzeitige Antreten derselben zu sorgen, mußte sich vom Sergeanten eine geharnischte Rüge gefallen lassen, die aber ihren Zweck erfüllte. In der nächsten halben Stunde schon waren die Leute zur Stelle. Kurz vor meinem Aufbruch um 7 Uhr erschien noch der Mákole mit seinem Lanzenträger zur Verabschiedung.

Der bis Masamba erforderliche Marsch war als ein 2stündiger Spaziergang durch ein reiches Kulturland aufzufassen. Soweit das Auge reichte, fiel der Blick auf sorgfältig unterhaltene Sawas, nur unterbrochen von kleinen Waldparzellen mit prächtigen Sago- und Nibungpalmen, Rotangbüschen und Pandanaceen. In großer Zahl über die Reisebene hin zerstreute Hüttchen dienten den Feldeigentümern während der Erntezeit zum Aufenthalt. Sie allein brachten etwas Abwechslung in die Landschaft. Unter dem Pfahlgerüst einer dieser Hütten sah ich einen interessanten Reistrog in Kahnform, dessen eine Hälfte einen rechteckigen Ausschnitt zum Stampfen der Ähren, dessen andere dagegen runde Löcher zum Enthülsen der Körner aufwies. Ähnliche Reiströge hatte ich im Rantepáo-Distrikte bei den Toradja gefunden.

Eine bemerkenswerte Besonderheit zeigte auch eine am Wege liegende Torongkong-Behausung. Aus dem Innern derselben führten nämlich vom Feuerplatze ausgehende lange, aus Sagoholz geschnittene Abflußrinnen nach außen, die einem hier kaum vermuteten Reinlichkeitsbedürfnis dienten.

Die Gegend wurde immer üppiger. Im saftigsten Grün prangende Wiesen und Reisfelder mit kunstvollen Bewässerungsanlagen breiteten sich weithin aus. Auf den Stautümpeln trieben sich Scharen der großen australischen Wildente (Anas superciliosa) herum. Ein Wald von Kokospalmen begrenzte den Blick nach allen Seiten. Alles atmete Ordnung und Wohlhabenheit. Aus den hinter Bäumen verborgenen Dörfern erscholl taktmäßiges Reisstampfen. Diese gesegneten Gefilde gehörten bereits zum Fürstentum Masamba, einer der reichsten Reisprovinzen des Luwureiches. Der von meinen Leuten mit lautem Jubel und übermütigem Freudengejauchze begrüßte Hauptort Masamba lag vor uns auf etwas höherem Terrain, und nur der breite, jetzt halb ausgetrocknete Salu Kúlang, auch Masamba-Fluß genannt, trennte uns noch davon.

Masamba hat eine luwuresisch-islamitische Bevölkerung, deren Oberhaupt ein »Tomakaka« titulierter Radja ist. Zur Zeit meines Dortseins zählte die Ortschaft mehr als 180 Häuser mit rund 800 Einwohnern. Ein abgegrenztes Stück Land an der Dorflisière war für Biwakzwecke des Militärs, nebst separiertem Fremdenhause reserviert. Dorthin begaben wir uns sofort.

Der Tomakaka, ein würdiger und sympathischer, ordenbesternter alter Herr, harrte daselbst bereits zu meiner Begrüßung. Vor meinen Augen ließ er das winzige Fremdenhäuschen, das ich bewohnen sollte, mit Zweigen rein fegen und aus seinem eigenen Hause zu meiner Bequemlichkeit einen Tisch und 2 Schaukelstühle herbeischaffen. Mehrere riesige Trinknüsse waren für mich bereitgestellt. Gleich nach dem Empfange zog sich der Tomakaka zurück, um mir Zeit zu einem Bade und zum Kleiderwechsel zu lassen. Ich war damit kaum fertig, als er abermals erschien, jetzt mit großem Gefolge zur offiziellen Bitjara (Besprechung), wobei er mir als Gastgeschenk ein Huhn und einen Korb Reis mit 7 darin liegenden Eiern überreichen ließ. -- Ich händigte ihm jetzt den Brief des A.-Residenten ein, worauf er mir versicherte, alles tun zu wollen, was in seiner Macht stehe, um meine Weiterreise zu fördern. Das Schwierigste hierbei war, wie sich herausstellte, den unerläßlichen Dolmetsch zu finden, der neben Malayisch und Barée auch möglichst noch die Idiome der Inlandstämme beherrschte. In Paloppo war es unmöglich gewesen, einen so sprachgewandten Menschen aufzutreiben, und in Masamba schien es die gleichen Schwierigkeiten zu machen. Im Laufe der Verhandlungen wurde festgestellt, daß einzig und allein der jüngste Sohn des Tomakaka über die erforderlichen Sprachkenntnisse verfüge. Der 15-16jährige Prinz zeigte sich aber durchaus nicht entzückt von der Aussicht, in meiner Begleitung die beschwerlichen Märsche über das Gebirge machen zu sollen, und zog sich schmollend zurück. Diese Angelegenheit blieb also einstweilen unerledigt. Nun legte ich auch dem Tomakaka meine Photographiensammlung vor. Als sich darunter eine Abbildung der in Masamba gebräuchlichen Reismörser in Form von Riesenbechern befand, klatschte er vor Vergnügen in die Hände und rief seine Begleiter herbei, die sich das Bild ebenfalls ansehen mußten. Unmittelbar darauf gab der Fürst einigen seiner Leute einen Befehl, und wenige Minuten später brachten diese ein solches Mörserungetüm angeschleppt, das mir der Fürst als Geschenk zur Verfügung stellte. Ein derartiges Souvenir, das allein 3 Kulis zur Fortschaffung nötig gemacht hätte, war durchaus nicht nach meinem Sinn. Um dies aber dem Tomakaka erklärlich zu machen, ohne ihn zu kränken, hieß es eine gewichtige Menge von Gründen ins Treffen zu führen, und ich atmete erleichtert auf, als es mir endlich gelungen war, ihm diese plausibel zu machen, und der verschmähte Reismörser wieder fortgeschafft wurde. An Stelle desselben erbat ich mir einen der klingenden Stampfkolben, und dieser Wunsch wurde mir augenblicklich erfüllt. In die dicken Enden dieses eigenartigen Gerätes waren schmale rechteckige Rillen geschnitten, die lose Holzklötzchen enthielten. Beim Stampfen fliegen diese in den Hohlräumen auf und nieder, wodurch ein tönendes Geräusch entsteht, und wenn mehrere Frauen gleichzeitig stampfen, vereinen sich die Töne zu Harmonien, die weithin zu hören sind und Unterhaltung bei der Arbeit gewähren. Derart konstruierte Klöppel fand ich nur im Masamba-Gebiet. Das mir überlassene Exemplar zeigte leichte Ansätze von Schnitzarbeit.

Nach längerem Verweilen verabschiedete sich der Fürst in bester Stimmung. Für den Nachmittag hatte ich ihm meinen Gegenbesuch vorgeschlagen und gebeten, einige photographische Aufnahmen von ihm machen zu dürfen. Dies schmeichelte ihm augenscheinlich; denn er sagte sofort zu und erkundigte sich sehr eingehend, ob die Bilder dann auch in ein Buch kämen und dieses auch von den »weißen Radjas« durchgesehen würde.

Begleitet von meinen Apparatträgern, begab ich mich gegen 3 Uhr nachmittags zum Hause des Tomakaka. Auf dem Wege dahin bekam ich einen größeren Teil des Hauptkampongs zu sehen und war überrascht von der Ansehnlichkeit der Häuser und der Sauberkeit und dem Wohlstand, die überall zutage traten. In den meisten Fällen bewohnten mehrere verwandte Familien ein Haus gemeinsam. In unmittelbarer Nähe der Wohngebäude standen die dazu gehörigen Reisspeicher, deren gefällig aussehende Aufbauten auf hölzernen Säulen ruhten. Die einzelnen Gehöfte waren durch Fruchtgärten getrennt und lagen so weit auseinander, daß es mir unmöglich war, eine übersichtliche Dorfaufnahme auf die Platte zu bekommen. Viele der Wohnhäuser waren im Schatten wundervoller alter Waringinbäume erbaut. Die Obstgärten waren zum Schutze gegen Büffel und Ziegen mit soliden Umzäunungen versehen. Mangos, Mangustinen, Pisangs, Djeruk assam und Djeruk manis (unseren Zitronen und Orangen zu vergleichen) waren die vorherrschenden Fruchtsorten.

Das Haus des Fürsten stand auf dem großen freien Dorfplatze, auf welchem die Beratungen, Dorffeste und Spiele abgehalten werden. Es war das größte Gebäude des Dorfes, und zierlich bemalte, vergitterte Fenster, hübsch bemusterte Flechtwände der Vorderfront des Hauses sowie ein Treppenvorbau zeichneten dasselbe vor allen andern aus.

In Anlehnung an die weiter im Innern, in Leboni, Rampi usw. allgemeine Sitte, unter den Häusern sowie unter den Aufbauten der Reisspeicher noch eine zweite Plattform zu errichten, welche den Frauen und Kindern tagsüber als bevorzugter Aufenthaltsort dient und beliebte Plauderwinkel bietet, pflegen auch die Orang Masamba ihre Häuser mit solchen Veranden auszustatten. Auf diesen haben die Frauen ihre Webstühle aufgestellt, während der niedere Raum darunter als Depot für Ackergeräte, Brennholz usw. benutzt wird. Die Stützpfeiler des Hauses ruhten auf großen Steinplatten. Neben dem Treppenvorbau flatterte ein an hoher Stange befestigtes windbewegtes Geisterfähnchen zur Verhütung einer Einschleppung von Krankheiten.

Der Wiesenplan vor dem Hause war bei meinem Kommen von einer hundertköpfigen Menge besetzt, die sich versammelt hatte, um dem Photographiertwerden ihres Oberhauptes beizuwohnen. Der Fürst mit seiner gesamten Familie, der Fürstin, 2 Söhnen, einer Tochter und dem Schwiegersohne, erwartete mich im Freien. Der Tomakaka hatte Gala angelegt: den starren Prunksarong, goldbestickte Jacke und golddurchwirkte Mütze. Seine Söhne und der Schwiegersohn trugen die »tjelana« genannten kurzen Hosen und um den Leib den schärpenartig getragenen »lambung«, das Hüftentuch. Als Kopfbedeckung benutzten sie Haupttücher, die derart geschlungen waren, daß ein Tuchende flügelartig hochstand. Fürstin und Tochter trugen gleichfalls ölgetränkte steife Sarongs. Ihre Oberkörper umhüllten rosa Tülltücher. In den Ohren trugen beide Frauen lang herabhängendes Goldgeschmeide, an den Fingern dicke Ringe. Das Merkwürdigste aber waren ihre phantastischen, mit Rubinen besetzten Armreife. Wie fast in allen Fällen bei derartigen Schmuckstücken handelte es sich auch hierbei um eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. In massivem Golde hätten diese Armreife einen ungeheuren Wert besessen; in Wirklichkeit bestand der dicke Kern aus Dammar, und der Goldbelag war dünn wie Papier. Dessenungeachtet waren es ethnographisch sehr interessante Stücke, schon deswegen, weil diese Form nur von der Fürstenfamilie getragen werden darf und außer in Masamba wohl kaum mehr zu finden sein wird. Daß die Armbänder mehrfach gebrochen und mittels ordinären roten Bindfadens notdürftig zusammengehalten wurden, schien dem Erbschmuck in den Augen der glücklichen Besitzer, wie der bewundernden Untertanen keinerlei Abbruch zu tun.

Die Fürstin war »Herr im Hause«. Selbst die geringfügigsten Angelegenheiten wurden ihrer Begutachtung unterbreitet. Wollte ich von dem Herrn Gemahl irgend ein Objekt erwerben, so bekam ich unfehlbar zur Antwort: »Gern, wenn es die Fürstin erlaubt!« -- eine bei Mohammedanern ziemlich seltene Ausnahme von der Regel, daß die Frauen auf die Entschließungen der Männer keinerlei Einfluß ausüben.

Daß sich die Tomakaka-Familie so willfährig zeigte, sich photographieren zu lassen, war mir natürlich sehr angenehm, und ich nutzte die Gelegenheit reichlich aus. Später besichtigte ich das Innere des Hauses, dessen vorderes Drittel von den dahinterliegenden Familienräumen durch ein quergespanntes Tuch abgetrennt war. In jenem gab es nichts zu sehen, und diese blieben mir verschlossen. Als einziges Beutestück nahm ich einen artig geschnitzten Schemel mit, der mir auf meine Bitte tauschweise überlassen wurde. Auch einen kompletten Webstuhl konnte ich von der Fürstin auf gleiche Weise erwerben. Bezüglich meiner Weiterreise teilte mir der Tomakaka mit, daß er sich entschlossen hätte, mir den jungen Prinzen als Dolmetsch mitzugeben (auf dem Gruppenbilde links stehend). Da jedoch die Vorbereitungen zur Abreise desselben nicht so schnell getroffen werden könnten, würde unser Aufbruch sich um 2 Tage verzögern. Ich gab mich um so lieber damit zufrieden, als am kommenden Tage im Dorfe große Hahnenkampfspiele stattfinden sollten.

Am Abend genoß ich in Muße die herrliche Aussicht auf den Kúlang-Fluß mit dem lebhaften Treiben der aus allen umliegenden Kampongs zum Baden gekommenen Dorfbewohner. Nach Einbruch der Dunkelheit jedoch verleideten mir Schwärme kleiner geflügelter Ameisen, übelriechender Blattwanzen und bösartiger Moskitos den Aufenthalt im Freien. Aber auch um meine Lampe schwirrten Wolken dieser Plagegeister, so daß ich den aussichtslosen Kampf aufgab und mich unter mein Mückennetz flüchtete.

+Masamba+, den 20. Oktober.

Am frühen Morgen leichter Regenfall. Mit dem Höhersteigen der Sonne wurde das Wetter klar, und bald stieg die Temperatur auf die in Masamba übliche Backofenhitze. Für meine Soldaten war heut ein doppelter Festtag; sie brauchten nicht zu marschieren, und im Dorfe war ein Büffel geschlachtet worden, von dem große Fleischquantitäten zu ihnen hinüber gewandert waren. Zu alledem brachten einige Torongkongleute noch ein fettes Schwein an, das ich kaufte und ihnen überließ. Der Tomakaka schickte mir abermals ein Huhn, sowie eine Lanze und eine Anzahl Fuja-Gegenstände aus Leboni. Als Gegengeschenk für ihn und Familie sandte ich ihm eine Auswahl aus meinen mitgebrachten Tauschartikeln. Bald darauf kam er selbst, um sich zu bedanken, und nun sprach ich den Wunsch aus, eines der gestern gesehenen Armbänder zu kaufen. Er schickte sofort zur Fürstin, ob sie damit einverstanden wäre. Die spekulative Dame forderte schlankweg 150 Gulden für das schlechteste, schwer beschädigte Stück. Ich zählte dem alten Herrn die Hälfte dieses Betrages in blanken Silberdollars auf den Tisch, und wahrlich, es war ihm anzusehen, wie gern er zugegriffen hätte. Aber Madame Tomakaka ließ nicht handeln, und so wurde nichts aus dem Geschäft. -- Für den nächsten Tag wurde der Aufbruch nach Leboni fest beschlossen, und der Tomakaka versprach mir, für die notwendigen Träger rechtzeitig zu sorgen.

Aus dem Kampong und der Umgebung kamen heut viele Dorfbewohner, um mir die verschiedensten Gegenstände zum Kaufe anzubieten. Meist handelte es sich dabei um Schmucksachen buginesischer Provenienz, Torongkong-Dosen, Geflechte und Fuja-Stoffballen. An Waffen wurden mir nur minderwertige Schwerter und Lanzen gebracht. Einige wirklich schöne alte Stücke bekam ich wohl zu Gesicht; doch wurden diese als »pusako« (Erbstücke) bezeichnet, die unverkäuflich seien. Ich hätte schon fabelhafte Preise anlegen müssen, um die Leute zur Hergabe zu bewegen. Die in Masamba beanspruchten Preise waren als sehr hoch zu bezeichnen, und schon aus diesem Grunde mußte ich auf manches gute Stück verzichten. Trotz dieser Zurückhaltung brachte ich eine starke Traglast an Sammlungsobjekten zusammen. Am nächsten Tage sandte ich alles gut in Matten verschnürt durch 2 Torongkongboten nach Paloppo zurück.

Im Laufe des heutigen Nachmittags begab ich mich zum Dorfanger, wo eine zahlreiche Menge den bereits begonnenen Hahnenkämpfen zusah. Der Tomakaka und seine Angehörigen hatten wiederum vor dem Hause auf Stühlen Platz genommen, und im weiten Halbkreise kauerten die männlichen Zuschauer auf dem Boden. Diese waren ausnahmslos mit der Tjelana bekleidet. Auf dem Kopfe trugen sie turbanartig geschlungene Haupttücher. Die gestern bei den Radjas beobachtete Form der hochstehenden Haupttuchzipfel schien ausschließliches Vorrecht der Edlen zu sein. Die Frauen und Mädchen hatten sich um und unter den Reisspeichern in Gruppen gesondert, und auch hinter den vergitterten Fensteröffnungen des Fürstenhauses drängte sich Kopf an Kopf.

Es waren wohl an 50 Kampfhähne am Platze, deren Besitzer mit ihren Tieren im inneren Ring des Zuschauerkreises saßen. Es muß betont werden, daß es sich bei diesen sehr grausamen Hahnenkämpfen um alles eher als um ein Spiel handelt. Der Hahnenkampf bedeutet im Leben der Inselasiaten die Befriedigung ihrer unbezähmbaren Wettleidenschaft. Tausende von Gulden, Haus und Feld, Frau, Kinder und selbst die eigene persönliche Freiheit werden von den Wettenden in blinder Leidenschaft diesem nur scheinbar harmlosen Sporte geopfert, so daß sich die Regierung gezwungen sah, diese Kämpfe nach Möglichkeit einzuschränken und nur zu bestimmten Festzeiten auf besonderes Ansuchen der zuständigen Häuptlinge zu gestatten. Sie ganz zu verbieten, hieße eine offene Auflehnung heraufbeschwören.

Der Tomakaka von Masamba war ein enragierter Liebhaber dieses echt orientalischen Vergnügens und besaß eine große Menge von Kampfhähnen. Man wählt zu Sportzwecken die feurigsten, kräftigsten und gesündesten Hähne aus und erzieht sie systematisch für ihre Bestimmung.

Der Hergang der Kampfspiele in Masamba war folgender. Einer der Männer trat mit seinem Hahne in die Mitte des Kreises und forderte die anwesenden Konkurrenten auf, gleichfalls einen solchen in die Arena zu schicken. Hatte sich ein Gegner gemeldet, so begannen die beiden, ihre Tiere wechselseitig daraufhin zu untersuchen, ob sie einander ebenbürtig wären. Ein für den unbeteiligten Zuschauer ermüdendes Prüfen und Betasten der in Frage kommenden Hahnenkämpen fand nun statt. Einer nach dem andern verzichtete nach diesem Abwägen der Chancen auf ein Tournier, und es dauerte endlos lange, bis 2 gleichwertige Gegner einander gegenüberstanden. Die Vorsicht, mit der man hierbei vorgeht, ist begründet genug; denn sie kostet der verlierenden Partei 1. den Hahn, der als Besiegter getötet wird, 2. den stets sehr hohen Wetteinsatz, und 3. trifft den Besitzer der Unwille aller derer, die auf seinen Hahn gewettet hatten. Also Gründe genug, sich den Rivalen vorher genau zu besehen.

Als die Hähne für den Zweikampf bestimmt waren, wurde zur Auswahl der Kampfsporen geschritten, worüber man rasch eine Einigung erzielte. Den beiden Kämpfern wurden nun die gleichgeformten, rasiermesserscharfen stählernen Sporen sorgfältig umgeschnallt. Es sind dies furchtbare Waffen, deren man gewöhnlich 6 verschiedene Formen, von der geraden bis zur sichelförmigen, unterscheidet. Das Duell konnte nunmehr beginnen. Zuvörderst reizte man die Hähne, d. h. der Herausforderer hielt sein Tier bei Kopf und Füßen fest und erlaubte dem gegnerischen Hahn einen Schnabelhieb auf den Kopf desselben, welches darauf veranlaßt wurde, das Kompliment zu erwidern. Dadurch wurden die Kämpen noch wütender und kampflustiger gemacht, als sie es durch die Anwesenheit und das herausfordernde Gekrähe so vieler anderer Artgenossen ohnedies schon geworden waren. Alsdann auf den Boden gesetzt, aber von ihren Besitzern noch immer festgehalten, läßt man sie auf ein Kommando los, worauf die Hähne in fast allen Fällen augenblicklich wütend über einander herfallen. Kneift dabei einer derselben, so gilt die Schlacht als für ihn verloren.

Eine Weile sah man jetzt nur gesträubte Federbündel herumwirbeln. Fürchterliche Spornschläge hagelten auf die Federpanzer, und bald färbte sich der Rasen vom Blute. Es kommt dabei vor, daß einem der Tiere bei solchem Kampfe der ganze Leib aufgeschlitzt wird, so daß die Gedärme nachschleifen. Entschieden ist der Kampf, wenn ein Hahn das Hasenpanier ergreift oder wehrlos auf dem Rücken liegt. Dies letztere trat in dem von mir beobachteten Kampfe ein, und in diesem Moment wurden die Kämpfer getrennt. Der scheußlichste Akt des ganzen Vorganges sollte aber erst noch kommen. Der Besitzer des niedergekämpften Tieres ergriff nämlich dieses und brachte es zu einer Art Bank, auf welche er den besiegten Hahn legte, um ihm mit dem Klewang den rechten Fuß oberhalb des Knies abzuschlagen. Solches war die brutale Strafe für die Niederlage desselben. Das so grausam verstümmelte Tier wurde nun nochmals seinem Besieger vorgeworfen und diesem erlaubt, seine Mordlust daran zu kühlen. Er stürzte sich sofort wieder auf sein jetzt völlig wehrloses, blutendes und sich hilflos am Boden wälzendes Opfer und zerhackte es jämmerlich. Nach diesem widerwärtigen Vorgange ergriff der Eigentümer das unglückliche Tier abermals, um es zur Schlachtbank zu bringen und nun erst durch Abschlagen des Kopfes von seinen Leiden zu erlösen. Der blutüberströmte Rumpf wurde nochmals dem triumphierend krähenden und mit den Flügeln schlagenden Sieger vorgeworfen. -- Ich konnte nicht länger zusehen und verließ voll Ekel den Schauplatz solch niedriger Volksbelustigung.

+Masamba -- Rante-Manuk+, den 21. Oktober.

Die ganze Nacht hörte ich aus dem Kampong anhaltendes Gejohle herüberschallen. Man feierte das Abschiedsfest für den jungen, mich begleitenden Prinzen Gamu. Dieser Lärm im Vereine mit den berüchtigten Masamba-Moskitos ließ mich kaum etwas Ruhe finden. Meinen Leuten schien es ähnlich ergangen zu sein, denn alle Mann waren sehr früh auf dem Posten; auch der Tomakaka kam seinem Versprechen nach und sandte die Kulis zur rechten Zeit, nur daß er statt der benötigten 20 rund 40 Mann für nötig erachtet hatte. Da alles Protestieren fruchtlos blieb, erklärte ich dem Tomakaka, jedenfalls nur für die notwendigen 20 Mann bezahlen zu wollen, womit er sich ohne weiteres einverstanden erklärte. Um 6 Uhr brachen wir auf. Beim Hause des Fürsten verabschiedete ich mich von ihm und seiner Gattin. Der junge Prinz mit 2 Dienern war bereits reisefertig und schloß sich mir unverzüglich an. Der Fürstin konnte man es deutlich anmerken, wie ungern sie ihren Liebling ziehen ließ.

Es war ein stattlicher Zug, als wir jetzt den Dorffrieden Masambas verließen. Die Spitze desselben bildete ein mir vom Tomakaka mitgegebener Führer, ein schon älterer lanzenbewehrter Mann, der uns über das unwegsame Takálla-Gebirge bringen sollte. Unmittelbar hinter ihm schritten ich und der Prinz. Es folgten mein Boy Rámang und ein Kuli mit den Apparaten, die beide stets in meiner unmittelbaren Nähe zu bleiben hatten. Ihnen schlossen sich die beiden prinzlichen Diener an. Nun kam die laute Schar der 40 Gepäckkulis, während das Militär mit seinen Proviantträgern den Beschluß bildete, im ganzen über 70 Personen. Wie es sich auf Eingeborenenpfaden von selbst versteht, bewegten sich alle Mann im Gänsemarsche.