Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber

Part 8

Chapter 83,532 wordsPublic domain

Der Mensch ist zur Nachahmung geneigt, und es ist eine bekannte Bemerkung, daß man das in seinem Hause im Kleinen einführt, was im Staat im Großen gäng und gebe ist; das Haus pflegt ein Miniaturstück des Staates zu seyn. Wenn aber gleich in despotischen Staaten der Despotismus auch in Privathäusern wüthet, und um so mehr mit gutem Bedachte wüthen zu müssen das Ansehen gewinnt, da größere Freiheit der Weiber dem Staat unüberwindliche Nachtheile zuziehen, und dieses Geschlecht, geboren der Natur getreu zu seyn, alles jene unnatürliche Wesen der Despotie an die gehörige Stelle und den rechtmäßigen Ort bringen würde; so ist doch auch in Republiken das schöne Geschlecht noch nie zu einem anständigen Grade von Besitz seiner Rechte gediehen -- Zwar gewinnt es dort durch mindere Pracht; allein eben dieser Gewinn lehret die Herren Staats-Repräsentanten aufs Wort merken. Die Weiber spielen ein etwas ernsthafteres Spiel, als in Despotie und Monarchie; aber man erlaubt ihnen nicht, dieses Ziel zu überschreiten: ihre anscheinenden Vorzüge sind avanturirt (erabentheuert) -- Es bleibt Spiel was sie treiben -- Ihr Tichten und Trachten sind Kleinigkeiten von Jugend auf und immerdar; und, was noch ärger ist -- der widernatürlich zusammengeordnete Putz entstellt die natürliche Schöne des Körpers so sehr, daß die _Frage_ der Gemahlin des Kaisers von _Marokko_, an die geputzte Frau des Holländischen Consuls: _bist du das Alles selbst?_ -- oft _ihr Glück versuchen_ könnte.

In der Aristokratie sind die Herren Aristokraten zum Neide und zur Eifersucht so berufen, daß sie zu verlieren befürchten, wenn sie ihren Weibern einen Vorzug verstatteten -- und da selbst die Französische Revolution ihren Zustand -- obgleich Weiber die Fahne derselben geführt -- nicht verbessert hat; so scheinen wohl die Verschiedenheiten der Regierungsformen nicht bestimmt zu seyn, diesen Schaden Josephs zu heilen: höchstens bleiben die armen Weiber beim _Mehr_ oder _Weniger_ stehen.

»Es ist wider die Vernunft und wider die Natur«, sagt ein Philosoph der Welt, »daß Weiber die _Hausherrschaft_ führen; allein _Reiche_ können sie regieren -- Im ersten Falle erlaubt ihnen ihre Schwäche diesen Vorzug nicht; im andern stimmt diese sie zur Leutseligkeit und Mäßigung. --« Mich dünkt, diese Bemerkung ist Sophisterei. Wer will denn, daß Weiber das Hausregiment führen sollen? Nur da, wo, nach dem altdeutschen Reim eines Reformators, ein Jeder seine Lektion lernt, wird es wohl im Hause stehen. -- Es ist zu verwundern, daß jetzt, da das halbe menschliche Geschlecht auf weiter nichts sinnt, als sich mit Ehren unter die Haube zu bringen, noch so viel Policei im Punkte des Punktes herrscht -- und daß, da das Frauenzimmer zu einer ewigen Vormundschaft verdammt wird, es seine Rache bloß aus der ersten Hand vom Ehemanne nimmt, und übrigens in der größeren Welt so sittsam und menschenfreundlich bleibt. Strenge Aufmerksamkeit auf einen sich selbst gegebenen Punkt unterdrückt das Gefühl des Schmerzes, und die größte Krankheit verliert einen großen Theil ihrer Feindseligkeit durch die Unterhaltung mit einem guten Bekannten, welche aber, wohl zu merken, den Kranken unvermerkt, äußerst leicht und ohne angreifende Übergänge beschäftigen muß. Ist die Ehe, nach jetziger Sitte, viel mehr als eine Krankenunterhaltung, wodurch man so sehr die lange Weile als die Anstrengung vermeidet, und vorzüglich das andere Geschlecht von jenem schrecklichen Gefühle seiner Abhängigkeit und Unterdrückung ableitet? -- Ließen die Männer sich öfter als jetzt merken, daß sie das Verhältniß der Geschlechter besser, als die Natur, zu ordnen wüßten, wie weiland _Alphonsus_ das Schöpfungswerk weit besser als der Schöpfer Himmels und der Erden zu verstehen vorgab: so wäre den Männern höherer Klassen schon längst von ihren aufgeklärten Damen der Krieg angekündigt; jetzt aber, da Männer diese Saite fast gar nicht berühren, oder höchstens sich über diese Sache etwa so auslassen, wie _Machiavell_ über die Tyrannen: -- jetzt bleibt es in besseren Volksklassen beim Frieden, und in den geringeren ist der Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Werth und Unwerth zu unbedeutend, oder jene geringeren denken zu wenig an ihre Bestimmung, um anders als thierisch zu wissen, daß zwei Geschlechter unter den Menschen sind -- Wird dann etwa (im Jubeljahr) unter uns ein _St. Pierre_, ein _Bayard_, ein _Heinrich IV._ geboren; so läßt das andere Geschlecht, des Verdienstes dieser hervorragenden Männer halben, dem ganzen männlichen Geschlechte Gnade widerfahren. -- -- Laßt uns aufrichtig seyn! Alles wodurch Menschen sich auszeichnen können, ist dem Frauenzimmer benommen. Ein Cartel erniedrigt es so tief, wie eine ungerächte Beleidigung den Ehemann; und in die Klasse der Unedlen, der Knechte, ward es unter dem Schreckbilde, daß die Gränzen seiner fräulichen Schamhaftigkeit verletzet werden könnten, verstoßen, damit nur unser Geschlecht sicher bliebe, nie von ihm zum Zweikampfe gefordert zu werden -- Nicht die Ähnlichkeit, sondern das Gesetz bestimmt vermöge der Ehe den Vater; es benennt ihn, und leidet keinen Widerspruch. Wie war es möglich, daß, da die Natur unmittelbar die Mutter bestimmt, daß, da diese so unbezweifelt gewiß wie unsere Existenz und der Tod ist -- die Kinder in solch eine Unerkenntlichkeit ausarteten! daß nicht gutgesinnte unter ihnen sich vereinigen, um ihre Mütter aus der Schmach zu reißen, in der sie von wegen des Geschlechtes schmachten! Das männliche Geschlecht spielt mit außerordentlichem Glück -- Wenn die Väter ihren Töchtern vermöge des Geschlechtstriebes nicht so liebreich zuvorkämen, wie es gemeiniglich der Fall ist; vielleicht würden diese schon längst eine Conspiration veranlaßt haben, um Menschen aus Mädchen zu machen, die jetzt aus Sitte nicht sehen, hören und denken dürfen, die allein in der Einsamkeit das Recht haben dreist zu seyn, und nur im Selbstumgange jenen schrecklichen Klosterzwang ablegen können, der sie in Gesellschaft zur entsetzlichsten Einsamkeit verdammt. Was kann man von dieser Erziehung erwarten, die von der Heuchelei dirigirt wird, nach welcher selbst der Plan, zur Heirath Anlaß zu geben, so insgeheim ausgeführt werden muß, daß oft das lauteste _Nein_ das herzlichste _Ja_ bedeutet! -- Alle jene Gesetze zur Fortpflanzung des menschlichen Geschlechtes, jene Aufmunterungen zur Ehe, die Drei-Kinder-Ehre -- was sind sie anders, als unnatürliche Hülfsmittel, die alle aufhören würden, wenn man Männer und Weiber in den Gang der Natur einlenkte? -- Wie würde sich hier Alles von selbst verstehen! -- Man trachte zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit; und in Wahrheit, alles Andere wird von selbst zufallen. Darum Leute im Staat ehren, weil sie in der Ehe leben, weil sie Kinder, weil sie drei Kinder haben; darum, weil man die meisten Kinder hat, zuerst im Rathe votiren -- ist eben so wunderbar, als die Seele nach dem Körper messen; und jener General hat sich mit uns ausgesöhnt, der Specialkarten verwarf, und nur Generalkarten wollte, weil er General war, oder der es nicht begreifen konnte, daß man ein großer Mann seyn und doch nicht über vier Zoll messen könne. -- Vielleicht kommt noch die Zeit, daß man belohnt wird, weil man essen und trinken oder schlafen kann! Mit Volksmenge allein ist dem Staate nicht gedient, wohl aber mit Bürgern, die mit der natürlichen Beschaffenheit und der Größe desselben in richtigen Verhältnissen stehen, die frei, arbeitsam, wohlhabend und wohldenkend sind. Und selbst die Volksmenge! würde sie nicht über die Hälfte vermehrt werden, wenn man das andere Geschlecht zum Volk zu machen sich entschließen, und Weiber zu Colonisten im Staat aufnehmen wollte? Man wende einmal die Münze um; und der Revers der Sache --? Zu elenden Kunstgriffen muß man sich herablassen, wenn man die Winke der Natur vernachlässiget -- Merkwürdig ist es, daß selbst Weiber zu einer gewissen Zeit in _Rom_ durch Kinder sich aus der beständigen Vormundschaft hinaus gebären konnten! -- Die Freigeborne mußte deren drei, die Freigelassene vier haben. --

Heil den Gesetzen, die nicht ansehen, was vor Augen ist, sondern die nach dem Beispiele des Stifters des Christenthums das Herz verlangen; die es auf den inneren Menschen anlegen; die nicht äußere Schäden verbinden, sondern heilen; nicht Palliative bewirken, sondern das Blut reinigen! --

Derjenige, der später bezahlt, bezahlt weniger -- Die bündigste Antwort, wenn von der Erlaubniß, Zinsen zu nehmen, die Frage ist. Wie viele Verzögerungs-Zinsen werden wir dem andern Geschlechte schuldig werden --! Als _Cromwell'n_ gerathen ward, seine Tochter _Carl dem II_ zu geben, nachdem er _Carl den I_ hatte enthaupten lassen, war seine Antwort: »Nein; denn könnte er wirklich vergessen, was ich that,« fügte er hinzu, »so wär' er nicht werth, eine Krone zu tragen --«

Sollten die Weiber nicht dereinst über kurz oder lang ihre Existenz den Männern beweisen, so wie weiland _Alcibiades_ die seinige den Atheniensern, die ihn zum Tode verurtheilt hatten? Sollten sie nicht auch ein _Sparta_ finden, um ihren Atheniensern von Männern den Krieg anzukündigen? sie, die schon jetzt während ihres fünfjährigen Pythagorischen Stillschweigens so deutlich zu erkennen geben, wie sehr sie verdienen für mündig erklärt zu werden? sie, die mit zwei Augen mehr sehen, als _Argus_ mit hundert? sie, die schon jetzt, noch ehe erschienen ist, was sie seyn werden, privilegirte Seelen aufzuweisen haben, die es mit unserem Geschlechte aufnehmen? sie, welche die Sphäre ihrer Zeitgenossen durchbrechen und, ohne sich nach Brücken umzusehen, mit Geistesflügeln sich erheben und, wenn es nicht gehen will -- sich hinaus denken und wie _Felix_ auf einen gelegenern Augenblick warten? -- Oder wie! ist es Wollust, keine Wollust zu genießen? ist es ein Göttermahl, zu fasten? ist bloß Streben unsere Tugend, und Hoffnung unser Glück --? Beweiset nicht ein großer Theil der Weiber, daß edle Seelen auch in Ketten frei sind, wie ein Herrscher bei entgegengesetzter Denkart sich in _^selbsteigener^ Sklaverei_ befindet? Der schlechteste Herr, der nur zu finden war! So diente _Alexander_, und _Diogenes_ war frei -- _Alexander!_ dem ein Seeräuber in die Augen zu sagen den Alexander-Muth hatte: kleine Diebe hängt man -- _Diogenes!_ der, als _Alexander_ ihm Gelegenheit gab, sich eine Pension zu erbitten, (und eine größere, als alle zusammen genommen, die FRIEDRICH II seinen Leib-Philosophen und Dichtern gab) nur verlangte, daß Se. Alexandrische Majestät geruhen möchte, ihm, der werth sei, von der Sonne beschienen zu werden, diesen Vorzug nicht länger zu rauben. -- _Diogenes_ beurlaubte _Alexandern_: der reiche Bettler den armen ihm die Cour machenden Weltbesitzer. -- Gründet sich fortschreitende Vervollkommnung des menschlichen Geschlechtes, und wahre, nicht Schein-Aufklärung, auf eine unpartheiische Kenntniß der Natur, und auf die Einsicht, ihre Gaben recht zu gebrauchen; so kann kein politischer Zwang Menschen behindern, an ihrem Glücke zu arbeiten, und die Würde der Gerechtigkeit und ihre wahren Verhältnisse zu Allem, außer sich, einzusehen. -- Selten wird ein Mann leugnen oder nur bezweifeln, was allgemein angenommen ist; ein Weib aber rechnet es sich zum Vorzuge, täglich dergleichen Ausnahmen zu machen. Oft thut ein Weib es früher, als es die Umstände beprüft hat; und wenn es dann aus der Noth eine Tugend zu machen sich gedrungen sieht, so ist es angenehm zu bemerken, wie es Gründe sucht und findet, wodurch es bei seinem Wagestück von _Nein_ sich bei Ehren erhält, und sich, wenn nichts mehr, so doch den Vorzug erwirbt, sonderbar zu scheinen. Ein Glück, das dem Verstande in Nothfällen übrig bleibt, um zu zeigen, wie viel man zu thun im Stande gewesen wäre, wenn man nicht zu vielen Hindernissen unterliegen müssen. Wir sind mehr für die Gewohnheit, Weiber mehr für die Neuheit -- Beide Neigungen lassen sich aus der Lage beider Geschlechter ziemlich richtig erklären. Was geht dem andern Geschlechte ab, um würdig zu seyn, in den vorigen Stand zurückgesetzt (_in integrum_ restituirn) zu werden? Die Thränen der Weiber sind nicht bloß Beweise der Schwäche, sondern auch Beweise der in ihnen wohnenden Kraft. Sind Thränen nicht schon im gemeinen Leben öfter Anzeigen des Entschlusses, als der Reue? und haben nicht Schuld und Unschuld ihre Thränen? Daß übrigens nicht bloß Weiber und Kinder greinen, (wenn von Verstellung der Geberde bei Thränen die Rede ist) sondern auch Männer, wird selbst dem gemeinsten Beobachter nicht entgangen seyn. Die Launen der Weiber werden in der That zu wenig von uns beobachtet; wir würden hier oft auch bei kleineren Gewässern tiefe Gründe finden, da hingegen jetzt diese Launen auf Flügeln der Morgenröthe uns entfliehen, auch selbst wenn wir sie zurück zu halten bemühet sind. -- Die Weiber wissen die wenigste Zeit, wie sie mit sich selbst daran sind, und sie sollten mir danken, daß ich ihnen hier eine nicht kleine Entdeckung mache -- sie sollten manches, was zu ihrem Frieden, zum wahren, zum Frieden Gottes gehört, in ihrem Herzen bewegen, um eine Stärke recht beurtheilen zu lernen, die sich bloß -- auf ihre angebliche Schwachheit gründet. Von Liebenden sind uns alle Ergebenheits-Bezeugungen verhaßt, wenn _wir_ nicht der eigentliche Gegenstand der Neigung sind. Männer! habt ihr von euren Weibern mehr als den Schein der Liebe? und verdient ihr mehr? -- Verdient ihr nicht, daß sie euch nur in dem Grade lieben, wie Sklaven Tyrannen bedienen? Es giebt Augenliebe, wie Augendienst. -- Hätte man die Weiber bloß von einigen, augenscheinlich _origetenus_ und von Haus aus männlichen Dingen ausgeschlossen; wer unter diesem sanften Volke hätte gemurret --? Es hätte sein _Marlbrough s'en va t'en guerre_ geleiert, und damit wäre Alles vergeben und vergessen gewesen. --

Die Macht kann überall weniger ausrichten, als die Weisheit. Wer sich Gott als den _Mächtigsten_ denkt, ist sein _Knecht_; wer ihn sich aber als den _Weisesten_ vorstellt, verdient den Namen seines _Kindes_. -- --

V.

VERBESSERUNGS-VORSCHLÄGE.

Soll es denn aber immer mit dem andern Geschlechte so bleiben, wie es war und ist? sollen ihm die Menschenrechte, die man ihm so schnöde entrissen hat, sollen ihm die Bürgerrechte, die ihm so ungebührlich vorenthalten werden -- auf ewig verloren seyn? soll es _im_ Staat und _für_ den Staat nie einen absoluten Werth erhalten, und immerdar beim relativen bleiben? soll es nie an der Staatsgründung und Erhaltung einen unmittelbaren Antheil behaupten? soll es nie _für_ sich und _durch_ sich denken und handeln? ohne End' und Ziel nur als Scheidemünze gelten? Werden wir uns bei diesen Fragen mit einer wohlweisen Römischen Rechtsfiktion oder einem wohlhergebrachten Verjährungs- und Besitzrechte aushelfen können, um sie ab- und zur unangenehmen Ruhe zu verweisen? Werden wir selbst unser männliches Gewissen mit Bedenklichkeiten über die möglichen Folgen, mit Mißbräuchen und was dergleichen Popanze mehr sind, wodurch man Kinder schreckt, beruhigen und diese Angelegenheit der Menschheit auf die lange, ja lange Bank schieben können --? Dann ist freilich der schöne Morgen der Erlösung noch nicht nahe. -- Werden wir uns aber hierbei entbrechen können, uns selbst noch _Gothen_ und _Vandalen_ zu heißen, was weiland unsere Väter waren, wenn wir nicht dieses Unrecht je eher je lieber zu vergüten suchen? Mißbrauch des Rechtes verwirkt nicht das Recht. Menschenrechte können niemals, Bürgerrechte nur durch Felonie verloren werden; und was ist Felonie? Dies aus dem Lehnsrecht entlehnte Wort (keine sonderliche Abkunft!) bezeichnet Alles, was man der Lehnsverbindlichkeit zuwider thut oder unterläßt, und wird aus dem Lehns-Contrakte beurtheilt. Da es sowohl für den Lehnsherrn als für den Vasallen Rechte und Pflichten giebt, die sie einander schuldig sind; so kann nicht nur der Vasall, sondern auch der Lehnsherr der Felonie schuldig werden. Und wie? geht denn wegen einer jeden Handlung oder Unterlassung, die dem Lehns-Contrakte zuwider ist, schon das Lehn verloren? Ist der Lehnsherr, da er nichts mehr und nichts weniger als ein Mensch ist, nicht vielmehr verbunden, den Vasallen zur Leistung der contraktgemäßen That, und zur Vermeidung der contraktswidrigen Unthat von Rechtswegen anzuhalten und auf Schadenersetzung anzutragen? Werden Contrakte durch zugefügte Contraventions-Strafen geschwächt, oder vielmehr verstärkt? Können die Handlungen eines Andern Jemanden zugerechnet werden? und wenn der Vasall wegen Felonie das Lehn verliert, ist der Lehnsherr nicht verpflichtet, es nach dessen Tode demjenigen wieder zu geben, dem es nach dem Ableben des der Felonie schuldig und des Lehnsbesitzes unwürdig befundenen Vasallen zufällt? Kann je durch Felonie das Lehn aufhören? -- und wer machte denn den Mann zum Lehnsherrn, und das Weib zur Vasallin --? sind sie nicht beide göttliche Lehnsträger? -- Die Erde könnte vielleicht eher ein Weib-, als ein Mannlehn heißen, und ist ohne Zweifel ein vermischtes _Feudum_. -- Man lasse doch die Weiber-Felonie an seinen Ort gestellt seyn, wovon Natur und Geschichte kein lebendiges Wort wissen, und vergesse nicht, daß Gott dem Menschenpaar, welches ^ER^ (o, der Menschenwürde!) abschattete, dieses Erden-Lehn anvertrauete, und daß zwischen seinem Lehnrecht und der Stümperei des menschlichen keine Vergleichung denkbar ist. -- So weit von bürgerlichen Rechten! -- über Menschenrechte kann nur Gott richten; und in seine Hände zu fallen -- wie wohl thut das, wenn wir die gehegten und ungehegten Banken der Menschen dagegen halten! --

Ist es etwa Furcht, oder ist es bloß eine Grimasse derselben, die wir vorgeben, um jener gegründeten und rechtmäßigen Forderung mit Anstand ausweichen zu können? _Werdet wie die Kinder_, ist ein wohlgemeinter Rath; denn nur die kindliche Furcht ist nicht unmännlich: sie besteht in der Sorgfalt, dem auszuweichen, was den ewigen Gesetzen des Wahren und Guten entgegen ist. Jene knechtische, wenn man aus Furcht vor der Strafe thut, was die Gesetze wollen, oder unterläßt, was sie nicht wollen, ist unmännlich, so wie ihre Verwandtin, die Befürchtung, vermittelst deren wir den Gelegenheiten zuvorkommen wollen, wodurch wir dergleichen Strafen und Strafgerichten unterworfen werden können.

Wir wollen ein Geschlecht fürchten, das zur Liebe geschaffen ist, und, wenn es zürnt, selten die Sonne über seinen Zorn untergehen läßt? das bis auf Einen Punkt (und dieser ist eine Sünde wider den heiligen Geist des Geschlechtes) dem Beleidiger zwei Drittheile des Weges entgegen kommt, um ihm Versöhnung anzubieten! Wie viel mehr Ursache haben wir, uns selbst zu fürchten, als ein Geschlecht, das, wenn man es in seine Rechte einsetzte, uns, wo nicht Erkenntlichkeit, so doch Wohlwollen schuldig wäre, und diese Schuld kraft seines Wesens und Seyns so gern abtragen würde!

Man sagt, es sey schwer zu hoffen, daß das menschliche Geschlecht, welches von der Natur sich so weit und breit zu entfernen die Ungezogenheit gehabt, das durch keine Religionsempfindung sich leiten, durch keine Staatstäuschungen sich blenden lasse, sich zu Gesetzen bequemen werde; und so liege denn die Furcht nicht so sehr aus dem Wege, als man es gemeiniglich denke. -- Lieber! wie kannst du fordern, daß das Menschengeschlecht sich ewig am Gängelbande wohl befinden werde? Erregen jene Staatstäuschungen und jene Religionsempfindungen, wenn sie nicht von Grundsätzen abstammen, nicht einzig und allein Unglauben und Mißtrauen in Rücksicht der Gesetze? Sollte der Mensch nie zur Achtung für Pflicht gebracht werden? Sollte er nie zu dem Hauptprincip des Lebens gelangen: sei vernünftig? -- Sollen denn Sinnlichkeiten ihm mehr als die moralische Vernunft und das Sittengesetz gelten --? Wird er sich nie so weit erheben, seiner geistigen Natur würdig zu seyn, und für das, was er nicht siehet, Ehrfurcht und Achtung zu fassen --? Soll denn bloß Weichheit des Temperaments ihn zur Neigung bringen? oder giebt es auch außer der Temperamentsneigung, die, wenn sie geläutert wird, eine Herzensneigung heißen könnte -- giebt es außer ihr auch eine Geistesneigung, so wie es ein Geistesvergnügen geben kann --? Für nichts, was in die Sinne fällt, hat der stolze Mensch in die Länge Achtung -- es familiarisirt sich mit ihm, und es ist wie unser einer. -- Das einzige Mittel des größten Helden und des größten Gelehrten, sich bei übermenschlicher Ehre (was soll aber die?) zu erhalten, ist: sich zurück zu ziehen. Sobald wir uns näher zeigen, geben wir uns wohlfeiler. -- Je höher die Spannung war, je schneller läßt sie nach. Alles, außer sterben, muß der Mensch _lernen_ -- Zu Allem, es sei gut oder böse, kann er sich gewöhnen -- Ein scheues Pferd führt man zu dem Gegenstande zurück, den es fürchtete; und wie? hier, wo das höchste Ziel seiner Würde auf dem Spiele steht, sollte der Mensch auf seinen Nachdruck Verzicht thun? -- Mit nichten -- Wir können und werden dahin kommen, daß wir die Göttlichkeit der Gesetze in ihrem Heiligthum, in unserer Seele, verehren und unser Herz durch jene Überzeugungen des Geistes gewinnen. Noch würde sich freilich der Gesetzgeber gröblich verrechnen, wenn er seine Gesetze auf festes Zutrauen zur Vernunft und zur Weisheit seiner Bürger calculirte; allein wird die Menschheit nie die Kinderschuhe ausziehen? Ist dies -- nun, so bleibe Alles Altflickerei, und der Mensch schäme sich, daß er _Mensch_ heißt. -- Ist die Menschheit indeß im Stande, zu jenem Grade der Vollständigkeit zu gedeihen, den sie sich vorstellen kann, jene Tugend zu üben, die ihr im Ideal Freude macht --; so entferne man den Nebel der Täuschung, wodurch man Menschen betrog, die über kurz oder lang zum Gebrauche der Vernunft kommen und sich betrogen finden müssen. Männer, würdet ihr die Furcht nicht barbarisch und unmenschlich finden, wenn man euch Alles und Jedes von Freiheit bloß darum entzöge, weil ihr es mißbrauchen könntet --? Wie wollet ihr denn jene Furcht nennen, die euch abhält, dem andern Geschlechte seine Ehre wiederzugeben? Die Zeiten sind nicht mehr, um das andere Geschlecht überreden zu können, daß eine Vormundschaft wie bisher für dasselbe zuträglich sei, daß sie seinen Zustand behaglicher und sorgloser mache, als eine Emancipation, wodurch es sich mit Verantwortungen, Sorgen, Unruhen und tausend Unbequemlichkeiten des bürgerlichen Lebens belasten würde, die es jetzt kaum dem Namen nach zu kennen das Glück habe. Wahrlich ein abgenutzter Kunstgriff des unmenschlichen Despoten, wodurch er seinen feigen Sklaven das Gewicht der Ketten erleichtern will! als ob die Freiheit mit allen ihren Ungemächlichkeiten nicht der gemächlichsten Sklaverei vorzuziehen wäre! _Glauben Sie nicht, daß das Wirtembergische Land Ihrentwegen geschaffen ist_, schrieb FRIEDRICH II an den jetzt regierenden _Herzog von Wirtemberg_; _sondern überzeugen Sie Sich, daß die Vorsehung Sie hat geboren werden lassen, um ihr Volk glücklich zu machen_. Und Männer! ihr wollt glauben, eine halbe Welt wäre zu eurem _bon plaisir_, zu eurem eigentlichen Willen, das ist verdollmetschet: zu eurem Eigenwillen, da? Thiere wirken; Menschen handeln -- Warum soll das Weib nicht _Ich_ aussprechen können? Wahrlich ein sanftes Wort, denen, welche die neidlose _Natur_ verstehen -- Wer die _Kunst_ versteht, ist neidisch und verräth den Meister nicht -- Ist es nicht der größte Menschenvorzug, sich selbst zu kennen? Unser Werth ist unsere Sache; unsere Würde ist die Sache Gottes und gerechter Menschen. Hat Gott bei dem anderen Geschlecht etwas versehen? oder sind es die Männer, die sich an diesem Geschlechte wider den Willen des Schöpfers versündigen! Warum sollen die Weiber keine Person seyn? warum nicht wissen: das ist mir gut, und das ist gut, oder das ist vortheilhaft, und das ist recht? Vieles, und fast das meiste, was mit Vergnügen anhebt, leistet bei weitem nicht, was wahrhaft vortheilhaft ist -- Aus ächtem Vortheile tugendhaft seyn, heißt sonst mit andern Worten: es in Reinheit seyn.