Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber

Part 4

Chapter 43,440 wordsPublic domain

III.

WOHER DIE ÜBERLEGENHEIT DES MANNES ÜBER DIE FRAU ENTSTANDEN?

RÜCKBLICKE AUF DIE ÄLTESTE ZEIT.

Wenn die Weiber mit den Männern von der Natur zu gleichen Rechten berufen sind; wenn sie sich im Besitz von gleichen Körper- und Geistesanlagen befanden und zum Theil noch befinden: _wo_, _wann_ und _wie_ entstand denn die Überlegenheit des Mannes über das Weib? was gab dem Manne das Schwert in die Hand? und was verwies das Weib an die Spindel? Diese Fragen, die jeder sich aufwerfen muß, der zu fragen versteht, wenn gleich die größere Kunst zu antworten ihm nicht gegeben seyn sollte, haben allerdings nicht wenig von der Natur jenes weltberühmten Knotens, der, da er geschürzet war, auch wieder hätte aufgelöset werden sollen, den aber _Alexander_, nach der Weise vieler unserer Dichter, zu zerhauen die unästhetische Dreistigkeit hatte. Ständen wir dem _Wann_ und _Wo_, der Zeit und dem Raume nach, näher; so würde es wahrscheinlich keines _Oedips_ bedürfen, um bei dieser Meisterfrage eine akademische Prämie von dreißig Silberlingen zu gewinnen, und das _Wie_ obendrein zur allgemeinen Befriedigung zu beantworten. Allein da über das _Wann_ und _Wo_ in keiner Chronik und keiner Topographie ein todtes, geschweige denn ein lebendiges, Wort zu finden ist; so müssen, bis die Hieroglyphen an den Pyramiden enthüllt seyn werden, oder bis uns ein bisher verborgenes Denkmahl darüber seine Aufschlüsse nicht länger vorenthält, das _Irgendwo_ und das _Irgendwann_ bei dieser großen Katastrophe zur Unterlage dienen, und das _Wie_, in Ermangelung der Geschichte, durch eine Conjektur der Vernunft aufgelöset oder -- zerhauen werden. Alles, wobei es auf Thatsachen ankommt, kann nur bis auf einen gewissen Zeitpunkt hin verfolgt werden. Da wo die Sonne der Geschichte untergeht und sogar der Mond der Fabel sein entlehntes Licht entzieht, bleibt der Vernunft nichts übrig, um sich zu orientiren, und sie irret in dem unbegrenzten Meere der Möglichkeit, ohne zu wissen, woher und wohin? Was hier über Geschichte und Fabel hinausgeht, ist (da die ersten Sagen der Völker davon, als von einer Sache, die vor ihnen war, sprechen) derjenige Zustand des Menschen, wo jedes einzelne Individuum, ohne einige Verbindung mit andern seiner Art, in der vollkommensten Unabhängigkeit, bloß von den Früchten des Bodens den es durchstrich, lebte, ohne durch eine andere Zubereitung, als die man von der Natur selbst erhielt, ihr zu Hülfe zu kommen. Die Menschen hingen vom Boden und sonst von nichts weiter ab -- Ob es einen dergleichen Zustand wirklich gegeben? ob je der Mensch (das geselligste unter allen bekannten Thieren, trotz jenen frommen Orang-Utangs in der Thebaischen Wüste, und ihren jüngeren Brüdern, die es doch behaglicher gefunden haben, sich aus Eremiten zu Cönobiten umzuformen) in einem solchen Zustande war -- mag _Hans Jakob_ verantworten, an dessen Grabe es heißt: _Ici_ _reposé l'homme de la nature et de la vérité_ -- Dergleichen Hans Jakobsche Kinder der Natur hat weder _Colombo_, noch sein Märtyrer von Nachfolger, _Cook_, gesehen -- Allenthalben wo diese hinkamen, waren schon die ersten Umrisse der Gesellschaft gezeichnet, Familienverhältnisse (wenn gleich unvollkommen) gegründet und Spuren (wiewohl freilich oft nur sehr schwache) von Cultur und Kunstprodukten vorhanden. Bei den allerrohesten Völkern fanden sie schon Hütten, eine Art von Zubereitung der Nahrungsmittel, und bei den meisten auch die ersten Anfänge zu einer Bekleidung des Körpers. Wo sie sich lange genug aufhielten, und wo es ihnen glückte, sich durch Zeichen zu verständigen, überzeugten sie sich, daß diese dem Naturstande anscheinend so nahe angränzenden Menschen schon lange, und weit über ihre Überlieferungen hinaus, immer an dieser Stelle und diesem Orte gestanden hatten. Auch nicht die mindeste Ahndung ging unter ihnen im Schwange, daß es außer dem Punkte, wo sie sich befanden, noch andere ober- oder unterwärts geben könne. So einfach und in so geringer Zahl ihre Familien-, Haus- und Nahrungsgeschäfte auch immer seyn mochten, da ihre Bedürfnisse noch wenig über die der thierischen Natur hinausgingen; so leicht ihre Nothdürftigkeiten gestellt werden konnten, da die Kunst sie nicht verwöhnt hatte: so waren unter den beiden Geschlechtern doch schon _Casten_ errichtet, und eine Scheidung vorgefallen in dem, was Gott zusammen gefügt hat. Je unvollkommener auf der Einen Seite hier die gesellschaftliche Verfassung war; je schwerer es fiel, das thierische Bedürfniß zu befriedigen, weil die Natur den Boden, oder die Wälder (die königlichen Residenzen dieser Menschen) oder die Flüsse und Meere nur karg mit den Mitteln dazu ausgestattet hatte: um desto härter war das Loos, welches dem weiblichen Theile dieser halbgezähmten Menschenklasse fiel. Das Leben des Mannes war vorzüglich zwischen Genuß und Ruhe getheilt, wenn ihn nicht dringendes Bedürfniß zur Jagd oder zum Fischfang aufforderte. Das Weib begleitete ihn nur selten als Gehülfin, weil ihm die Pflicht die Speisen zu bereiten oblag, während das Mannthier seine Glieder in der Sonne dehnte. Freilich nur schwache, unbefriedigende Data zur Auflösung der aufgeworfenen Frage; indeß doch etwas, um uns auf _Mehr_ zu bringen -- wie jene Übermacht entstand, welche auf die eine Hälfte des menschlichen Geschlechtes alles _Lästige_ wälzte, und sich dagegen allen _Vortheil_ weislich vorbehielt. -- Scheint nicht die Natur durch Schwangerschaft und Geburt den ersten Fingerzeig _zu diesem Verlust über die Hälfte_, bei der Theilung des menschlichen Werthes, gegeben zu haben? Wenn dieses Antheil, das den Weibern zufiel, auch noch so sehr erleichtert wird; wenn es auch noch so köstlich ist: -- kann es auf eine andere Rubrik als auf Mühe und Noth gerechten Anspruch machen --? Der Mann scheint zum Vergnügen berufen zu seyn, das Weib dagegen zu Kummer und Elend -- Wenigstens liegen in dem Familienverhältniß, in der Art und Weise wie die Keime der Geselligkeit sich zuerst bei den Menschen entwickelten und worauf ihn vielleicht das Zeugungs-Geschäft brachte, entfernte Winke und Hieroglyphen, wodurch der gesellschaftliche Zustand, welcher dem menschlichen Geschlecht einen so erstaunlichen Schwung gab, der Einen Hälfte des Geschlechtes so nachtheilig ward -- Wiederholung der nämlichen Umstände pflegt die Dürftigkeit derselben zu bedecken, als ob Ermüdung Ergänzung wäre; und selbst unsere Philosophen sind oft in dem Falle jenes Kranken, dem der Arzt erlaubte, täglich einen Löffel voll Wein zu nehmen, und der sich einen Löffel von vier Quart machen ließ -- sie sind da am beredtsten, wo sie am kürzesten seyn könnten, weil sie hier am wenigsten wissen. -- Es sei mir erlaubt, jene Data durch Rückblicke auf die Geschichte, das Noth- und Hülfsbüchlein in allen Lebensfällen, zu verstärken oder zu schwächen -- meine Leser mögen den eigentlichen Ausdruck suchen; doch, wenn ich bitten darf, nicht auf meine Kosten, sondern mir zum Besten.

Schon in den ältesten urkundlichen Nachrichten über den gesellschaftlichen Ursprung der Menschen, finden sich Spuren von einer Ungleichheit der beiden Geschlechter, und von Zurücksetzungen des weiblichen -- wohin auffallend die Vielweiberei gehört.

Wie despotisch ist der Gedanke, daß ein Mann sich befugt halten konnte, mehr als Ein Weib zu besitzen, indem bei einer Berechnung an den Fingern sich herausbringen läßt, daß er durch diese Verschwendung Andere zum Darben bringt! Wahrlich, die Vielweiberei ist ein Umstand, der sich weder mit Seele noch mit Körper verträgt, und nicht nur der Vernunft, sondern selbst einer Leidenschaft widerspricht, die (wie die Kinder reicher und vornehmer Leute) durch die Schule der Vernunft gelaufen ist. Wo ein Mann mehr als Ein Weib hat, wird jener Tyrannenrath erfüllt: Theile und regiere (_divide et impera_). Die Weiber mußten auf diesem Wege des ihnen so nachtheiligen männlichen Luxus ihre Abhängigkeit im höchsten Grade fühlen; und wenn gleich die Sultanin des Tages sich einen Vorzug vor ihren Colleginnen anmaßte: so währte dieses Ansehen, das sie sich gab, doch nicht lange, und bald überzeugte sie sich, daß unter Sklavinnen keine Rangordnung Statt finde.

Die Geschichte der _Sara_ und _Hagar_ scheinet zu beweisen, daß die Kebsweiberschaft nicht gleich anfänglich bloß in dem eignen Belieben des Mannes gestanden, und daß er anfänglich verpflichtet gewesen, die Genehmigung seiner Frau einzuholen, eh' er sich ein Kebsweib beilegen konnte. Auch scheinet sich aus dieser Kebs-Geschichte zu ergeben, daß dergleichen Contrakte nicht auf die ganze Lebensdauer gegangen, und daß oft noch vor Ablauf der contraktmäßigen Zeit der Engel des Gewissens, und der Schutzgeist warnender Umstände dem Manne zugerufen:

_stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohne!_

Schon hab' ich mein Herz ausgeschüttet, daß der erste Grund zu der männlichen Anmaßung eines Vorzuges vor dem Weibe, in dem Gange aufzusuchen sei, den die Bildung des gesellschaftlichen Zustandes nahm. Ob die Art, wie die geselligen Keime sich bei den Menschen entwickelten, die einzig mögliche; oder ob unter mehreren möglichen _die_, auf welche die Menschen von der Natur geleitet wurden, der schmale Weg sei, der zum Leben führet: das sind Nebenfragen, die, so wie ihre Stammmutter, vielleicht noch lange, vielleicht immer, unentschieden bleiben werden.

So viel scheint ausgemacht, daß diese Keime sich überall durch ähnliche Veranlassung entwickelt haben müssen, indem sie (ein Beweis, dessen ich gern entübriget wäre) für das weibliche Geschlecht einerlei nachteilige Folgen hervorgebracht haben. Die Gesellschaft ist die Quelle alles Glücks und alles Unglücks, das je dem menschlichen Geschlechte zufiel; und noch ist nicht erschienen, was die Menschen durch sie werden können und durch sie -- seyn werden. Wir wissen aber, daß, wenn es erscheinen wird, wenn wir das heilige Gesetz beobachten, und dasselbe, so wie Gott, nicht fürchten sondern lieben, wir Gott ähnlicher seyn und die Krone des Lebens tragen werden. Eine Hoffnung, die _Plato_ nicht den _Traum des wachenden Menschen_ nennen muß, und bei welcher Glaube an das menschliche Geschlecht zum Grunde liegt. Könnt' ich doch hinzufügen: _wahrer und lebendiger Glaube!_ aber noch ist solcher in Israël nicht gefunden -- Dieser Glaube ist _Welt-Patriotismus_.

Darf ich mir ein- für allemal die Erlaubniß auswirken, rückblicken zu dürfen, ohne von irgend einer kritischen Feder das Schicksal von _Loths Weibe_ zu befürchten zu haben?

Zum Fischefangen und Vogelstellen hat jeder Mensch noch immer einen so besonderen Hang, daß gereimte und ungereimte Warnungstafeln aushängen müssen, um den Menschen von diesen Urbeschäftigungen abzuleiten, und ihn, bei den erweiterten und verzärtelten Bedürfnissen, zu andern nothwendig gewordenen künstlichern Nahrungsquellen zu gewöhnen. Der bekannte _St. Evremont_ war bis an sein Ende wohlbestallter Entenhüter zu St. James; jener Schweizer in Frankreich erbat sich die Anwartschaft auf die Hofstelle des Rhinoceros -- jener Gelehrter bei dem Hofe FRIEDRICHS II den vacant gewordenen Atheistenplatz; und zu wie vielen Rhinoceros- und Atheisten-Posten müssen sich Menschen nicht herablassen, um ihr tägliches Brot nach der heutigen Auslegung zu erreichen, wovon der Vogelsteller und Fischfänger kein lebendiges Wort wußte, keinen Traum oder todten Gedanken kannte!

Ob Jäger _Esau_ auch ein Fischfänger gewesen, ist nicht bemerkt, und die Herren Juristen würden ohne allen Zweifel einen artigen Fang machen, wenn es _ausgemittelt_ wäre, (ein Lieblingswort dieser Herren, die doch so oft _zweckreich_ und _mittelarm_ zu seyn pflegen) daß der Fischfang schon in den ältesten Zeiten unter der Jagd begriffen gewesen sei.

Warum das weibliche Geschlecht sich nicht die blutarme Fischerei zugeeignet habe, um dem nach Blut dürstenden Manne das Wild zu überlassen? ist eine Frage, die sich bei dieser Gelegenheit von selbst aufwirft. Vielleicht nahm das Weib an allem Theil -- vielleicht stand es dem Manne nirgends nach; vielleicht hinderten es nur die letzten Stunden der Schwangerschaft, und sechs Stunden nach der Niederkunft, an den Geschäften des Oberjägermeisters, seines Mannes, unmittelbaren Antheil zu nehmen -- Die Gottheit der Jagd, _Diana_, war bei den jüngeren Alten _generis foeminini_ --

Dieser Stillstand, den Schwangerschaft und Niederkunft verursachten, war, von so kurzer Dauer er auch immer seyn mochte, ohne Zweifel der Grund des weiblichen Falles. In diesen Zwischenzeiten der Muße war es vielleicht, wo das Weib, durch einen dem Geschlecht eigenen und mit seiner Bestimmung vielleicht genau zusammenhangenden Instinkt zu sparen, sich sein Sklavenschicksal bereitete. Warum folgte es nicht der göttlichen Lehre: »sorget nicht für den andern Morgen; es ist genug, daß ein jeder Tag seine eigene Plage habe!« So lange die Nahrungsquellen ergiebig waren, fiel dem Manne nie der Gedanke an das Aufbewahren ein; sein Jagdrevier war seine Speisekammer, zu der alles, was Leben und Odem hatte, gehörte -- eine lebendige Speisekammer, bei der er vor dem verdorbenen Geschmack an faul gewordenem Wildbret sehr sicher war! einem Geschmack, der bei allem -- das leidige Geld nicht ausgenommen -- Statt findet, was man in Scheuren sammelt, denen ohnedies das Motto angeschrieben ist: _du N_ -- _heute wird man deine Seele von dir fordern; und was wird seyn das du gesammelt hast?_ -- Doch auch dem Geitzhals, dem Teufel, muß man einen Vertheidiger beiordnen --; und in der That ist die Sorge für den andern Morgen, wenn sie rechter Art ist und in ihren Schranken bleibt, eine nicht gemeine Vernunftäußerung. Der Gedanke: »heute ohne Hunger zu jagen, um morgen nicht aus Mangel an Wildbret fasten zu dürfen,« enthält -- ungeachtet jener göttlichen Lehre, für den andern Morgen nicht zu sorgen -- so viel Überlegung in sich, wie in den Köpfen einer ganzen Heerde von Wilden nicht Platz hatte. Auch hier mußte das Weib dem Manne aushelfen, und wo es auf Vernunftgebrauch ankam, scheint immer das Weib die Bahn gebrochen zu haben. Jene Verlegenheit, in die es die letzten Stunden der Schwangerschaft und die ersten nach der Geburt verwickelten, leitete es, kraft des instinktartigen Gefühls, zur Selbsterhaltung, die ihm wegen der Erhaltung des Säuglinges noch dringender ward, an der Hand der Vernunft, weise und mächtig auf Vorrath zu denken, sich heute etwas zu entziehen, um morgen nicht ganz entbehren zu müssen. Diese Aufbewahrung von Vorräthen, welche anfänglich bloß gelegentlich und nur so lange geschah, als es die Umstände verlangten, ward nach und nach, je nachdem die Menschen sich mehrten und die Nahrungsquellen ärmer wurden, wiederholt, und mit der Zeit beständig. Wenn es wahr ist, daß in vielen Fällen Thiere die Lehrer der Menschen gewesen sind; so wird das Vorrathsammeln ohne Zweifel zu dem Lektionskatalogus dieses Unterrichtes gehören. Der Instinkt (der sich zur Vernunft, wie der Tanzbärleiter zum Hodogeten, verhält) hat seine Kinder schneller und sicherer an Ort und Stelle gebracht, als die sich Zeit nehmende kalte Vernunft die werthen Ihrigen. Gewiß sammelten die Biene und die Ameise früher als der Mensch; vielleicht versteckte das Alterthum diese Wahrheit unter der Fabel von den Myrmidonen. -- Nicht etwa bloß Neugierde, wie einige wollen, sondern Beobachtungsanlage lenkte ohne Zweifel zuerst das Weib auf diese Experimental-Unterweisung. Vorräthe erforderten beständige Aufsicht, nähere Einrichtung und Bearbeitung; und so entstand Hausrath. Irgend ein Zufall, und ohne Zweifel die Anhänglichkeit mancher Thiere an den Menschen, lehrte ihn (wahrscheinlich zuerst das Weib), einige Gattungen von Thieren zu seinem beständigen Brauch und Dienste zu zähmen; und so vermehrte sich durch diese Dienstboten, die man im Falle der Noth auch zur Nahrung nahm, der Haushalt. Jetzt mußten die Geschäfte getheilt werden; und da wählte denn der Mann die Jagd, das Weib den Haushalt. So ward das Weib allmählich die Befehlshaberin der Hausthiere, und eh' es sich's versah, das erste Hausthier selbst. Das arme Weib! Doch was kann weiter befremden? ward es doch durch jene Revolution, wodurch es die Freiheit an's Licht brachte, eine Sklavin!

Allmählich fingen die Vortheile und Nachtheile, welche mit den unter beiden Geschlechtern so sehr verschiedenen Lebensarten verknüpft waren, immer mehr an sichtbar zu werden. Der Körper des Mannes, durch die Beschwerlichkeiten der Jagd oder Fischerei abgehärtet, fest, gelenk und stark, behauptete auch einen Einfluß auf seine Seele. An Gefahren gewöhnt, ward er durch diese Gewohnheit muthig, unerschrocken, standhaft, und fühlte seine Überlegenheit über Alles, was nicht Mann war, mithin auch über sein Weib, dessen körperliche Kräfte aus Mangel an Gelegenheit unentwickelt blieben, und das, aus Unbekanntschaft mit Gefahren, diese zu fürchten anfing, da hingegen der Mann, vertraut mit der Gefahr, sie vermeiden oder bestehen lernte. Mit kleinlichen Gegenständen und mit Thieren umgeben, die Zaum und Gebiß geduldig trugen, sank das Weib nach und nach an Körper und Seele zu einer niederen Stufe herab, und lernte geduldig, sich bei seinem Despoten mit der Stelle einer ersten Sklavin begnügen. Sklavin! Ohne Zweifel brachten zahm gemachte Thiere den Menschen auf diesen unmenschlichen Gedanken, und dies schreckliche Wort würdigte die Menschheit so tief herab, daß die verrufene Münze keine Spur mehr von Bild und Überschrift der vorigen Zeiten an sich trug. So wie unfehlbar das Weib durch den Besitz gezähmter Thiere das Hirtenleben erfand und einführte, so wird eben dasselbe, da es mehr an Einen Ort und an Eine Stelle gebunden war, auch zu Anpflanzungen und zum Ackerbau Gelegenheit gegeben haben. Gewiß hat es den ersten Sallat zum Wildbraten des Mannes bewirkt. Eine Wurzel, Körner -- die, in Ermangelung eines Alderman-Schmauses, von einem antipythagorischen Bohnenmahl übrig geblieben waren, und die man, weil es fettere Bissen gab, nicht achtete -- wurzelten und mehrten sich um die Hütte herum, bis es dem Weibe einfiel, absichtlich zu pflanzen und zu säen. So entstand von der Hand des Weibes vielleicht der erste Garten, den englischen Garten _Eden_ ausgenommen; und der Gartenbau ist auch größtentheils in den Händen der Weiber geblieben, bis auf den heutigen Tag. Auch hat das Weib wahrscheinlich in Allem zuvor Probe gegessen und dem Manne zur Sicherheit, theils wegen der Unschädlichkeit, theils wegen des Wohlgeschmacks, gedient. -- Noch jetzt ist das höchste Ziel der Kochkunst ein Vorzug der Weiber. -- Der Wechsel, den das Weib an seinem eignen Körper erfuhr, gewöhnte es an die Witterung, und lehrte es so sehr auf die Zeit merken, wie den Unbestand der Witterung überstehen; und so ward durch das Weib vielleicht beides, das Hirtenleben und der Ackerbau, -- erfunden oder zu Stande gebracht? -- Wie viel läßt sich hierüber conjekturiren! Der gemeine Acker- und Gartenbauer räumt dem lieben getreuen Erdenvasallen, dem Monde, noch jetzt viel Einfluß auf seine Erzeugnisse ein: er pflanzt seinen Kohl und was Blätter treiben soll, im Vollmonde, und das, wodurch unter der Erde Wurzeln oder Knollen hervorgebracht werden sollen, bei Mondesabnahme. Die Phasen des Mondes sind ihm noch Epochen in seinem Wirthschafts-Kalender; und was kann ihn anders auf diese Mondweisheit gebracht haben, als die _Weise_ der Weiber --? Von beiden Hauptnahrungsquellen, dem Hirtenleben und dem Ackerbau, wußte der ins Größere gehende Mann das Weib abzubringen, um es an den Haushalt zu fesseln -- wozu Se. Gestrengigkeit das Weib _verurtheilt_ hatte. »Verurtheilt?« Mit nichten; durch einen Machtspruch, durch einen Justizmord, des Landes verwiesen hatte. -- Noch jetzt genießen Erfinder selten die Ehre der Erfindung, und verdienen sie vielleicht auch nicht, weil fast immer ein Ungefähr sie darauf bringt -- Erfindungen und Offenbarungen werden gemacht, man weiß nicht wie! --

Ackerbau und Viehzucht sind, so wie Ursache und Wirkung, mit einander verbunden; und es ist schwer zu begreifen, warum Hirten und Ackerbauer sich gleich anfänglich haben trennen und beneiden können. Da nichts natürlicher war, als daß das Vieh keine Anpflanzung schonte, und da dieser Umstand die Hirten und Ackerbauer in beständige Gränzstreitigkeiten verwickeln mußte; so hätten diese Zwiste beide Theile sehr bald zu freundschaftlichen Verabredungen bequemen sollen.

Die Jagd allein, der Ursoldatenstand, scheint eine Erfindung des Mannes zu seyn; und da der Mann seine Beute oft sehr weit suchen mußte, so gab sie die erste Ursache zur Herabwürdigung des Weibes. Bei dem Ackerbau und der Viehzucht hätte es sich gewiß länger in Ehren und Würden erhalten können, wenn die Jagd nicht schon den Mann bewaffnet und er allen Vortheil und Nachtheil des Soldatenstandes in sich vereinigt gehabt hätte. Er stand bei seinem Weibe im Quartier. -- Noch jetzt bin ich ein Feind der Jagd, weil sie dem Weibe jeden Schritt zur weiteren Cultur vertrat und alle jene Übel erzeugte, denen das menschliche Geschlecht durch Kriege oder Menschenjagden unterworfen worden ist. -- Zwar sagt man, daß der Krieg oft ein Weg zur Cultur gewesen sey und werden könne; und freilich ist es nicht das erste mal, daß aus dem Bösen etwas Gutes wird: Ist und bleibt aber, dieser Metallverwandlung des Guten und Bösen unbeschadet, Krieg nicht ein Originalübel? Im Reiche Gottes, dessen Sonnenaufgang und Morgensegen wir mit Danksagung erwarten, wird man so wenig Menschen würgen und sich zur Erkenntlichkeit dem Würgengel bloß stellen, als in der andern Welt freien und sich freien lassen. --

Die Flecken in der Sonne -- die man ungefähr wie die Flecken ansieht, womit die reinlichste Hausfrau in der Küche sich ihre Manschetten bespritzt, wie es dem Geschäftsmanne an seinem Schreibtische mit Tinteflecken nicht besser geht -- sind nicht, was sie scheinen. In der physischen Welt ist überhaupt alles gut, sehr gut! -- Und wie? dies sollte uns nicht zu der Hoffnung Anleitung geben, daß es auch in der moralischen Welt zu jener Stufe der Cultur kommen werde, wo man des Bösen nicht bedarf, um Gutes daraus zu lernen? Fehden waren es, die ihren Ursprung aus der Vermehrung der Menschen und aus der Verminderung des Wildes (des einzigen und nächsten Nahrungsmittels für den rohen Menschen) hatten; der Menschen wurden mehr, des Wildes ward weniger: und so konnte es nicht fehlen, daß nicht Streitigkeiten und Befehdungen entstanden, welche Familienkriege nach sich zogen.

Zwei Familien, die der Übermacht zu weichen gezwungen waren, stießen vielleicht durch einen Zufall auf eine dritte, der sie einzeln nicht gewachsen gewesen wären, die ihnen aber jetzt ihr Jagdrevier überlassen mußte; und dieser Umstand war es, der zwischen beiden, wenigstens so lange die Gefahr dauerte, ein gesellschaftliches Band knüpfte, ohne daß es unter ihnen zu einer Verabredung und Constitution kommen durfte. Durch Irrthum und Thorheit gelangen die Menschen zur Wahrheit, und durch Mühe und Streit zur Vereinigung und Gesellschaft. Ist mir doch schon wieder der traurige Gedanke im Wege, daß das Böse so oft ein Vorspiel, ein Präludium zu dem Textliede des Guten seyn muß! -- »Oft oder allemal?« Oft, Freunde; denn es giebt Original-Gutes, Gutes aus der Wurzel -- und dies könnte man _göttlich Gutes_ nennen! Gott ist original-gut! --