Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber
Part 19
_Weiber wären nicht selbstständig und allein fähig?_ Eine Einwendung, die, so leimgestärkt sie auch scheint, sich nicht halten kann. Wenn wir zwischen Furcht und Hoffnung schwanken, nehmen sie gleich Partie, und sind entschlossen an Leib und Seele -- Ihre Entbindungen machen sie so dreist. Bei minder wichtigen Dingen halten sie es nicht werth, es noch auf Entschlüsse auszusetzen: Es gehe, wie es gehe -- In politischen Angelegenheiten schlagen sie, wenn wir kannengießern, sich zu keiner Parthei, und wählen das beste Theil: Was wir leisten, macht unsern Lehrern Ehre; was sie leisten, ihnen selbst -- Sie mischen die Karten, und theilen sie so aus, daß Spieler und Zuschauer zufrieden sind, wenn dagegen eine Menge staatskluger Köpfe beisammen sitzen, und noch immer in gerechter Befürchtung, nicht Kopfs genug zu besitzen, auf Verstärkung ihrer Beisitzer denken. Vor lauter Räderwerk wird nichts zu Stande gebracht, vor lauter Reden kommt es zu keiner That, vor lauter Stimmenzählung zu keinem Schlusse. Wer von uns hat sich über das Stimmen der Instrumente nicht geärgert, ehe es zur Sinfonie kommt --? Hohe Deutlichkeit und stärkeres Licht mit mehr Vergrößerung zu vereinigen -- das ist das Ziel der Ausrüstung, um Augenreisen in die Ferne zu thun. Wie oft zerschlagen unverständige Kinder und bärtige Collegia einen stattlichen Spiegel, um eine Fliege zu tödten! und noch öfter wird das Kind mit dem Bade ausgegossen. Des Bocksbeutels und der verkünstelten Kunst halben kommen Dekrete zum Vorschein, mit denen am wenigsten in allen Fällen, und höchstens nur provisorisch, auszulangen ist; Dekrete, die höchstens Palliative sind, um sich eine angenehme Ruhe für die nächste Nacht zu machen.
_Warum soll man den Jesuitenorden von den Todten erwecken, und die heimlichen Jesuiten, Jesuiten en tapinois (das schöne Geschlecht) privilegiren?_
Warum? weil die heimlichen schädlicher sind, als die öffentlichen, weil die öffentlichen (wenn nämlich nichts heimlich bei ihnen bleibt) aufhören Jesuiten zu seyn, und weil geheime Krankheiten die gefährlichsten sind -- Wie kommt aber das andere Geschlecht zur Ordensehre?
_Maitressen von guter Abkunft haben bei weitem das Böse nicht gestiftet, was die Maitressen niederer Abkunft, eine Pompadour, eine du Barry, sich zu Schulden kommen ließen._ Allerdings! und also nehme man nicht Maitressen, sondern Weiber.
_Nein, also lasse man die Weiber in ihrer Dunkelheit!_ Getroffen, wenn sie Maitressen werden sollen -- Wenn sie aber ihren göttlichen Ruf, Weiber zu seyn, befolgen, so hebe man sie nicht durch Flittergold, sondern durch Ächtheit -- Sind die Türkischen Bassen und Veziere, die Beys in Ägypten darum menschlicher, weil sie in ihren früheren Jahren das Elend des Volkes aus erster Hand kennen lernten?
_Welche Widerlegungen!_ Sind etwa die Einwendungen besser? _Es läßt sich Alles vertheidigen_ -- und wider Alles einwenden. _Ich wollte um Vieles, um Alles in der Welt kein Weib seyn_ --; ich auch nicht -- _und doch_ -- und eben darum. _Wer hat nun Recht --?_ Wer die Wahrheit sagte. _Und wer sagte die Wahrheit? nicht wahr: wer Recht hatte?_
Wer die Sache der Unterdrückten führte, und wer der Menschheit sich annahm.
_Der Menschheit?_
Sind etwa Weiber nicht Menschen?
_Der Unterdrückten?_
Sind wir nicht ihre Tyrannen?
_Heil den irrenden Rittern!_
Heil und fröhliche Gestalt, wenn ihr Ritt auf Menschenwohl ausgeht --
_und wenn sie keine Dulcineen haben,_
als die Reinheit der Absicht, die Dulcinee unserer Philosophen --.
_Dies Buch wäre nicht eines Weibes halben geschrieben --?_
Nicht eines Weibes, sondern der Weiber halben -- Keines weiß, daß ich es geschrieben habe, keines wird es, so Gott will, wissen.
_Und warum denn nicht jener schmale Weg, der das zu Viel und zu Wenig vermeidet und durch Beides sich durchschlängelt?_
Weil Wenige sind, die darauf wandeln --
_Besser als Viele!_
Nicht immer, wenn von bürgerlicher Tugend und Untugend die Rede ist.
_Der Mittelstand zwischen Skepticismus und Leichtgläubigkeit_ --
ist ein unseliges Mittelding -- So oder nicht so, ist mein Wahlspruch; -- nicht aber: so oder anders, oder halb so. Ja Ja, ist bei mir ein halbes Nein; und Nein Nein ein halbes Ja. Ja, Nein, was drüber und drunter ist, ist vom Übel --
_Und die Gesetze! -- wird dies Buch es mit ihnen ausmachen?_
Mein kleinster Kummer! mögen es die Gesetze mit den Gesetzen ausmachen! mögen die Todten die Todten begraben! -- Freilich thun die Gesetze zuweilen so, als ob es Kräfte in der Menschheit gäbe, die außerhalb der Menschheit lägen --
_Was will das sagen?_
Es giebt Gesetze, welche die einzelne Kraft des Menschen unterdrücken, damit die Summe aller Kräfte desto stärker sei; und doch ist natürlich die Gesammtkraft desto größer, je größer die Summe der Kräfte einzelner Menschen ist -- Unsere Herren Staatsrechenmeister verrechnen sich gewaltig, da sie die Zahl der Weiber auswerfen --
_Wenn sie indeß auf den Zweck der bürgerlichen Gesellschaft sehen_ --
O! dann verrechnen sich die Oberrechnungs-Cameralisten noch mehr. Giebt es einen andern Zweck, als die individuelle Freiheit zu schützen, und die Eingriffe eines Jeden in die Freiheit eines Andern zu behindern --?
_Das sollte auch auf Geschlechter Anwendung finden?_
Sind die etwa nicht moralische Personen?
_Und die Billigkeit?_
ist ganz auf meiner Seite. Was im Lande gilt, ist Recht; was in der Welt gilt, ist billig -- Was nach der Meinung der mehresten Menschen recht ist, ist billig --
_und billig ist der, der so handelt, daß es die mehresten Menschen für Recht halten -- Ein billiger Autor ist der, der so schreibt, daß_ --
Wahr --!
_Wenn wir zählen wollten_ --
würd' ich gewinnen, falls nur _die_ stimmten, die man nicht fragen darf: »verstehest du auch, was du sagest --? weißt du auch, was du thust --?«
_Immerhin ^Verbesserung^; warum ^bürgerliche^?_
Weil man sich an Zweige, und wohl gar Blätter, nicht halten muß, wenn der Stamm anzugreifen ist --
_Und der Ausdruck dieses Buches --!_
Nachdem die Materie, in der man arbeitet, nachdem die Bruchstücke und Späne, welche fallen --
Mögen doch meine Leser und Leserinnen, denen der obige längliche Streit und Widerstreit beschwerlich gefallen ist, an dieser runden Manier sich erholen und Luft schöpfen, oder mögen sie es nicht, wie es ihnen beliebt -- --
VI.
Nutzanwendung.
Wenn es wahr ist, daß von der Theorie des Drucks die ganze Operation eines glücklichen Finanzsystems und einer weisen Staatsregierung abhängt: so haben die Männer wenigstens nicht die rechte Art des Druckes erwählt; denn in Wahrheit, wir verlieren durch die Art, wie wir das andere Geschlecht behandeln, mehr als es selbst. Man sagt, dies sei auch der Fall, wenn man im Unterthan die Tugenden des Fleißes, der Industrie und des Gehorsams durch siebenmal sieben Plagen erzwingen will. Zwar bei dem Magnetismus erregen Druck, Reiben und Streicheln ein übermenschliches Vermögen; allein der politische Druck hat noch nicht die Divinationsgabe erregt, den Hunger ohne zu essen, und den Durst ohne zu trinken, zu stillen. Es ist höchst jämmerlich kein anderes Gesetz zu haben, als den souverainen Willen; und wo wandelbare Launen des Despoten, seine Indigestionen, seine Galle, seine Blähungen die Stelle der _Numas_ und _Solone_ vertreten -- wer mag da unter Anordnungen stehen? Es ist schon unerträglich, auch dem besten Menschen untergeben zu seyn, wenn er väterlich über Menschen regieren will, die längst die Kinderschuhe auszogen! -- Seht! in dieser traurigen Lage befindet sich das andere Geschlecht. Jene Zeit ist nicht mehr, wo ewige Fehden alles in beständiger Unruhe und Furcht erhielten, wo das Rauben eine Heldenthat schien, und wo man durch Raufen zu Ehren kommen wollte. Was ist aber ärger, seines Schicksals gewiß seyn, oder unter dem Beistande des Rechtes leiden? einem ganzen Geschlecht unter der scheinheiligen Vorgabe des gemeinen Bestens seine Rechte und Privilegien rauben? oft thun als stände man unter dem Befehle seiner Sklavin, und noch öfter wirklich schon ihre Winke befolgen, und doch im Ganzen ihr Tyrann seyn und bleiben? Scheint nicht fast die Liebe aufzuhören, sich in eine Herrschbegierde zu verwandeln, und diesen Gräuel der Verwüstung an heiliger Stätte schon frühzeitig und in den Flitterwochen der Liebhaberei durch Eifersucht zu verrathen? Jetzt schmachtet und liebkoset der schüchterne Jüngling, um über ein Kleines als Mann kalt und trotzig zu gebieten -- Im _Theater_ wird wahre Welt zum Vorschein kommen müssen, wenn sie noch sichtbar werden soll; denn in der _wirklichen Welt_ wird Komödie gespielt. Wo giebt es Abderiten-Fälle, welche denen gleichen, die das Verhältniß beider Geschlechter täglich an den Tag legen -- Wenn ein vernünftiges Wesen eines anderen Planeten Zeit übrig hätte, eine Wanderschaft auf diesen Erdenkloß zu unternehmen, und das Verhältniß beider Geschlechter zu beherzigen; würde nicht, wenn das vernünftige Wesen nach seiner Heimkunft eine Reisebeschreibung herausgäbe, die Reise dieses _Nikolaus Klimm_ eine der ernsthaftesten Dogmatiken (das ehrbarste, das ich kenne) scheinen? An einem Verleger wird es dem Wanderer dort hoffentlich nicht fehlen -- Die allgemeine Vernunft ist über den Codex, nicht aber der Codex, der doch sein eigener Beweis nicht seyn und sein eigenes Kriterium nicht aus sich selbst nehmen kann, eine Proceß-Ordnung für die allgemeine Vernunft -- Wie lange will man unserer Seits der Vernunft widerstehen! Die Menschen schieben gern Alles auf Andere; und wenn sie keinen finden, der seinen Rücken zu dieser Belastung darbietet, so muß die Natur sich diese Denunciation gefallen lassen -- und so fehlt es auch unserem theuren werthen Geschlechte nicht an Behelfen, die auf die Rechnung der schönen Welt gesetzt werden -- Eine Schande für uns, daß wir nicht nur ungerecht sind, sondern auch die Schuld dieser Ungerechtigkeit von uns entfernen, und sie dem anderen Geschlechte zuschieben! Das Weib, das du mir zugesellet hast, sagte schon der alte _Adam_, hat mich verführt; -- und wir sind bis jetzt noch so treue Adamiten, daß wir nicht ermangeln, uns von der Schuld des subalternen Ranges, den wir dem anderen Geschlechte zueignen, in bester Form Rechtens loszusagen. Die armen Weiber, die, wenn sie sich mit uns auf kalte Negociation einlassen wollten, kein Gehör finden, können es noch weit weniger gegen uns auf ernsthaftere Schritte aussetzen -- Sie haben keinen _Leonidas_, keinen _Franklin_, keinen _Washington_; sie sind keine _Spartaner_, keine _Schweizer_, keine _Amerikanische Kolonisten_: können sie aber nicht dies Alles haben? können sie nicht dies Alles seyn? _Maria Antonia_ und _la Fayette_ sind zwei gleich große Charaktere, die in der Französischen Revolutions-Geschichte glänzen werden. Eitelkeit und Furcht vor Schande sind gemeiniglich die Basis von dem ganzen Muthe der Männer; Temperament ist es bei den Weibern. Eine Reihe von Jahrhunderten hatte Europa nur Eine Gestalt. Despotismus und Sklaverei, Unwissenheit und Barbarei herrschten überall; und warum sollten die Weiber nach einer, wenn gleich langen, Unterdrückung, nicht zu jenem Range erhoben werden können, der ihnen als Menschen gebührt? Ein großer Theil unter ihnen scheint der Ketten, die ihnen das Gesetz so vortheilhaft schildert, müde, und fühlt einen unüberwindlichen Hang, sie eher zu zerbrechen, als mit ihnen, wie mit Kinderklappern, zu spielen. Man trauet den Damen zu wenig zu, wenn man sich Mühe giebt, ihnen Alles in einem Säftchen beizubringen, wenn man ihnen Alles bezuckert und in Nähebeutelformat behändiget, als ob sie so schwach und hinfällig wären, nichts Größeres als ein Duodez-Bändchen halten zu können. Die Frage: verstehest du auch, was du liesest? wird in der Regel das Duodez-Männchen von Stutzer weit eher, als ein edles Weib, treffen. Wenn gleich die Geistes-Arbeiten der Weiber, sobald sie in's Größere gehen, für's erste _bas-relief_ sind -- sie werden weiter kommen; denn nur wir halten ihren Geist am Gängelbande, um sie nicht allein gehen zu lassen. Ein großer Kinderlehrer ließ in * * die Buchstaben in Pfefferkuchen backen, damit die Kinder das A B C in den Kopf bekommen möchten; allein die liebe Jugend bekam das A B C in den Magen, und ward krank zu derselben Stunde. Diese Pfefferkuchen-Methode ist der gewöhnliche Fehler, den man bei der Erziehung des anderen Geschlechtes begeht. Man will weder seinen Verstand, noch seinen Willen zur Reife kommen lassen. Die Weiber sind _en biscuit_; und wir! sind wir ausgebrannt? und wären wir es -- was ist denn am Porcellain? -- _Böttcher_ wollte Gold machen, und brachte Porcellain heraus. Was ist der Mensch? »_Der halbe Weg vom Nichts zur Gottheit_,« sagt Young; und unser frommer _Haller_, der den Namen GOTTES nicht unnützlich führen wollte: _unselig Mittelding vom Engel und vom Vieh_ -- daß sich Gott erbarm! _Friederike Baldinger_ versichert in ihrer Lebensbeschreibung, mit einer Vorrede ausgestattet von _Sophie de la Roche_: »als Frau war ich erträglich; wie klein würd' ich als Mann seyn!« Um Vergebung, sollte dies nicht auch ein jeder Mann umgekehrt von sich sagen müssen -- so lange: _ein Mann seyn_, nicht mehr heißt: als _ein Mensch seyn_ --? Enthält jene Bescheidenheit der _Friederike Baldinger_ nicht zugleich einen Vorwurf für unser Geschlecht in Beziehung unserer Selbsterhöhung --? Unser _Herschel_, der wegen _Miß Carolinen_, seiner Schwester, und _in puncto_ der Astronomie mehr als einmal in dieser Schrift von Amts- und Rechtswegen genannt zu werden verdient, nimmt an: die Centralkräfte wären nicht nur die erhaltenden, sondern auch die bildenden und erneuenden Kräfte der Weltsysteme; und nach seiner Meinung können auch mehrere Gattungen von anziehenden und zurückstoßenden Centralkräften in dem Baue des Himmels wirksam seyn. Könnten, wenn männliche und weibliche Centralkräfte in der Menschenwelt anzögen und zurückstießen, nicht Dinge bewirkt werden, von denen man bis jetzt nicht träumt --? Löset _Herschel_ die dem bloßen Auge sichtbaren Nebelflecke vermittelst seines Teleskops in Sterne auf -- wie leicht würden die _Flamsteads_ und _Mayers_ ihre Verzeichnisse von Sternen am Weiber- oder besser am Menschenhimmel erweitern können, wenn beide Geschlechter Ein Herz und Eine Seele wären! --
Geh' ich zu weit, wenn ich behaupte, daß die Unterdrückung der Weiber Unterdrückung überhaupt in der Welt veranlasset habe? Wahrlich, die Tapferkeit ist keine Entscheidung des Schicksals, wen sie zum Regenten bestimmt hat. Durch Großmuth, nicht durch List, muß man den Feind überwinden, und es ist und bleibt unanständig, sich des Andern Unerfahrenheit zu Nutze zu machen. Ist es besser, sich des Sieges schämen zu müssen, oder sich über das Glück zu beklagen? Die Erhaltung eines einzigen Bürgers -- ist sie nicht besser, als die Niederlage von hundert Feinden? Das was nach der Meinung der meisten Menschen Recht ist, das ist, verdollmetschet: so ist wie es seyn muß; ist recht in einem erhabenen Verstande. Dies _rechte Recht_ gründet sich in der Natur der Sache, und hat sich von den Schlacken der Willkühr und des Türkischen Despotismus gereinigt -- Wollte man, nach dieser allgemeinen Meinung von den Verhältnissen des fräulichen Geschlechtes, glauben, (glauben muß man in einem besondern Sinne _wollen_) daß das vielfach tausendjährige Reich der Sklaverei der Weiber in diesem rechten Rechte oder in der Billigkeit sich gründe? Ich will nicht glauben. Nicht alles was wir ungestört leiden, hat die Ehre unsers inwendigen Menschen vor sich. Sehet euch um! ihr werdet finden, daß das meiste Unrecht in der Welt in dem Bestreben besteht, so zu handeln, daß es die Mehresten für Recht halten. Wer kann wohl, ohne eine Gewaltthätigkeit zu begehen, behaupten: die Weiber müßten einen gewissen Standpunkt auch bei dem höheren Grade neuerer Cultur und Sittenverbesserung behalten, und sie könnten, wegen ihrer angebornen Bestimmung als Mitglieder der Societät und als Weiber, bis an den lieben jüngsten Tag nur so weit und nicht weiter kommen? Unsere Gränzen der Ausbildung sollten nicht abgesteckt seyn? nur die ihrigen wären behügelt? O, du liebe Zeit! Die relativen Bestimmungen des Weibes in der Gesellschaft, in so weit es Weib ist -- wer fragt nach diesen? diese sind so ewig, wie die Bestimmungen des Mannes als Mann. Allein soll das Weib an Verstand und Willen stehen bleiben, wenn der Mann Fortschritte macht; so muß es mit der Aufklärung in's Gedränge kommen, und sie muß Kinderspott werden -- -- Man könnte Männer mit der Speise, Weiber mit dem Trank vergleichen; und nur Speise und Trank in Gemeinschaft halten Leib und Seele zusammen. Das Gefühl der Bedürfnisse bildet den Menschen aus, und der Schöpfer scheint es ihm nachgelassen zu haben, Bedürfnisse zu erfinden, um sie im Schweiße des Angesichts befriedigen zu lernen, durch Sprachunterricht zu Realkenntnissen hinauf zu reifen -- Selbstliebe, Neigung zum Wohlbefinden, Abneigung gegen den Schmerz, sind Triebfedern, den Menschen immer weiter und weiter zu bringen; und das andere Geschlecht fühlt sie, wo nicht in weit größerem Maße, so doch gewiß nicht minder -- Haben etwa Verabredungen, die aus jenen Bedürfnissen und jenen Trieben entstehen, gemeinschaftlich Menschen seyn zu wollen, um desto leichter zum Zweck zu kommen -- haben etwa Verabredungen in den Stand der Gesellschaft zu treten, den Weibern ihre Stelle angewiesen --? Nicht also! Die Punktation zum Stande der Gesellschaft machte _Eva_; und hat sie es sich wohl je vorstellen können, daß auch hier die Ersten die Letzten werden sollten? Setzte unser Geschlecht mit Vorwissen und Vorwillen des andern auf dasselbe das Motto der Hölle: _Hier ist die Hoffnung ausgeschlossen_; oder ist vielmehr durch den Stand der Gesellschaft der Stand der Natur geheiligt? sollen nicht in jenem, wie in diesem, alle Menschen gleich bleiben? Völker sind sich eben so gleich wie einzelne Menschen, und Geschlechter so wie Völker. Ist nicht durch Unterdrückung des Schwächeren das innere Verderben der Staaten entstanden, woraus denn gerades Weges Unterdrückung und Zerstörung von außen sich nach und nach ergab? Kommt es bei diesen Dingen mehr auf spielenden Witz, schalkhaften Vortrag, übermüthige Phantasie-Einfälle, oder auf Wahrheit und Recht an? und können wir in der Gesellschaft auf Gerechtigkeit Anspruch machen, wenn wir keine erweisen?
Können wir, die wir uns so unrühmlich zu Herren des weiblichen Geschlechtes aufgeworfen haben, es leugnen, daß wir diese Herrschaft von je her nur sehr schlecht verstanden? und in dieser Wissenschaft, wie es am Tage ist, bis jetzt nicht weiter gekommen sind? können wir es vor unserm Gewissen verhehlen, daß wir die Urheber und Veranlasser aller weiblichen Fehler sind, und daß das meiste Gute, welches wir an uns haben, auf die Rechnung des andern Geschlechtes gehört? Furchtsame Männer werden allerdings den Stab über mich brechen, weil ich angeblich die Eitelkeit der Weiber gereitzt, und ihre von Natur schon übermüthigen Begriffe von ihrem Werthe genährt habe; allein, lieben Leute, durch eure Feuer rufende Befürchtung, ich möchte die weibliche Bestimmung zu weit hinausgerückt haben, beweiset ihr, daß ihr, anstatt stark zu seyn, schwach seyd, und daß ihr durch diese Schwäche eure angebliche Ordnung der Dinge umkehret -- und daß euch die Geisteskraft und Denkfähigkeit mangeln, die ihr aus bloßem Neide dem andern Geschlechte absprechen wollt. -- In der That, ihr solltet der Natur für das Hausmittel danken, durch das andere Geschlecht angespornt und aufgemuntert zu werden, immer weiter zu kommen, aber nicht Feigenblätter suchen, eure stolze Faulheit zu decken. So bald Weiber Menschen sind und Vernunft haben, sind ihre Geistesanlagen nicht zu beschränken; am wenigsten können _wir_ hier psychologische Richter seyn, da wir so sehr Parthei sind, und da wir weit besser gelernt haben, unsere Sache zu führen und Schildknappen der Autorität zu seyn, als das der Natur weit treuer gebliebene andere Geschlecht. Wo es nicht an innerer Kraft fehlt, da ist nur Gelegenheit nöthig, um sie zu äußern; und nur dann, wenn man sich den Vernunftgebrauch untersagt, kann man sich zur Ableugnung jener Wahrheit bringen, daß nicht Alles _menschlich gleich_ sey, was _menschlich vernünftig_ ist. Nur dann, wenn bodenloser Stolz an der Bestimmung des Menschen künstelt, entkommen wir der eigentlichen Ausbildung der Anlagen unserer Natur, und sie entkommt uns. Schade! --
Was für einen Einfluß Erziehung, Klima und andere äußere Umstände auf Menschen (Männer nicht ausgeschlossen) behaupten, lehrt die Erfahrung. Der Weinbauer bleibt auch in ergiebigern Ländern ein Beispiel von Indolenz und einer daraus entspringenden Verderbtheit des moralischen Charakters -- Weiber verstehen nur natürliche Waffen zu führen; wir würzen unsere Schutzschriften mit gelehrten Gründen, treffen provisorische Einrichtungen, und wissen Bescheid, unsere Schwächen so zu verhängen, daß sie nicht in die Augen fallen -- und eben darum behaupten wir geradehin, daß Weiber nur aus Neugier, nicht aus Wißbegierde, nicht aus eigenem freien Triebe, sondern weil sie dazu aufgemuntert werden, und nur aus Eitelkeit, sich hier und da mit Wissenschaften abgegeben hätten, ohne sich doch je darin auszuzeichnen -- Aber außerdem, daß die Reinheit des männlichen Verstandes und des männlichen Willens keine Lobrede verdient, und daß Selbstsucht mit ihrer ganzen Sippschaft von Eitelkeit, Stolz, Geldhunger und Schmeichelei, die Männer gar übel plagt; außerdem, daß auch der Gelehrteste, wenn er sich irgend kurz fassen kann, kaum drei Wochen gebrauchen würde, um alles zu beichten, was er wirklich _weiß_, und selbst was er wirklich _glaubt_, so daß sein Wissen und sein Weißsagen doch immer nur Stückwerk ist; außerdem daß zwischen Zuckerbrot der Lektüre, und dem herben Wein der Erfahrung ein großer Unterschied bleibt: so ist das Ende vom Liede aller Wissenschaften und alles gelehrten Dichtens und Trachtens, (wenn es nicht bloß Lückenfüller und Langeweiltröster seyn soll) _moralisch besser zu werden_. Sind wir das? O, alsdann tret' ich beschämt zurück, widerrufe Alles, was in meiner Schrift nur nach Apologie aussieht, und bleibe bloß bei der demüthigsten Bitte, dem andern Geschlechte durch eine bürgerliche Verbesserung Zeit und Raum zur moralischen Buße zu gönnen, und es zur Verpflichtung gegen die Gesetze des Staates, zu jener bestimmten und äußerlich vollkommenen Verpflichtung zuzulassen, die doch jeder Staatstheilnehmer oder Bürger haben sollte --