Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber

Part 18

Chapter 183,292 wordsPublic domain

Und woher dieser Zorn? der Ohnmacht halben, und weil den Weibern keine rechtmäßige Macht zustehet? Was hilft es, mit sich selbst zu Rathe zu gehen, wenn es an ausübender Gewalt fehlt, die weise genommenen Beschlüsse zur Vollziehung zu bringen! -- »Kannst du regnen, so kann ich auf Holzschuhen gehen,« heißt es in einem alten Deutschen Sprichworte; und wer leugnet es, daß man bei den Ausbrüchen des Zorns die eignen Gedanken der Seele nicht vernimmt, so wie man bei tobendem Gewitter sein eignes Wort nicht hören kann! -- Als jener edle Mann des Alterthums nach seiner Rückkehr sein Hauswesen in unverzeihlicher Unordnung fand, stellte er seinen _Vizdum_, den ungerechten Haushalter, bloß mit den weisen, bewunderungswürdigen Worten zur Rede: _wie würd' ich dir begegnen, wenn ich nicht böse wäre_ --! Mein guter Freund ** sah einem Diebe gelassen zu, der ihm sein Holz stahl, und nur als er zu befürchten anfing, der Holzdieb würde sich zu sehr belasten, bat er ihn dienstfreundlich, sein selbst zu schonen, und sich, den Weg zweimal zu gehen, nicht verdrießen zu lassen. _Rechtsum_, schön! und _Linksum_? Welchem Herrn dient der Knecht lieber: dem, der ihn in der ersten Hitze seine Strafhand empfinden, oder dem, der eiskalt ihn blutig stäupen läßt? »Der Teufel verliert keinen Dreier dabei, wenn ich nicht fluche,« sagte ein Bauerknabe, als ihm das zweite Gebot eingebläuet ward -- So theuer bezahl' ich die Weisheit nicht -- Wie Vielen kostete die Zornunterdrückung Gesundheit und Leben! -- Gesetzt Weiber verständen die Kunst nicht, ihren Zorn äußerlich zu zähmen, und eine gewisse Ruhe zu schwarzkünsteln -- sind nicht die unversteckten Fehler die leichtesten und gemeiniglich Schwachheitssünden, von denen sich auch fromme gottgefällige Seelen nicht lossagen können? Die Heiligen sind in dieser Rücksicht nicht ohne Fehl vor Gott; -- vor Menschen es zur Scheinheiligkeit zu bringen, kann nicht schwer fallen. Jene Fehler bleiben die gefährlichsten, die in Schafskleidern zu uns kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen -- Zürnet und sündiget nicht -- Ist nicht der Zorn eine Art von Waffen, womit wir oft Gutes erweisen können, ohne zu schaden? Was würden Weiber ohne dies Hausmittel bei der Kindererziehung ausrichten? Giebt es nicht Unbeschnittene an Herz und Ohren, denen man nachdrücklich und gewaltiglich andeuten muß, was zu ihrem Frieden dient? -- »Verziere das Nützliche,« sagte die Weisheit; die Thorheit, die alles umzukehren gewohnt ist, kehrte das Gebot um, und machte das Hauptwerk zum Nebenwerke. Giebt der Zorn nicht oft der Sache einen gewissen Schwung --? Wer kennt und schätzt nicht den _Diensteifer_, der das dritte Wort ist, wenn wir dem Staate unsere Dienste anbieten, wenn wir wirklich seine Officianten werden und wenn wir mit der Bitte einer Pension den Staatsdienst verlassen --!

Der unbilligste Einwand von allen ist, daß Weiber darum nicht zu Geschäften berufen sind, _weil sie zu keiner Freundschaft unter sich Verstand und Willen haben_. (Man übersehe nur nicht, daß nicht ich sondern mein Feind so freundschaftlich ist, an die Freundschaft zu denken --) Ich leugne nicht, daß ohne ein gewisses Band so genannter Freundschaft, eigentlich Offenheit, gutmüthiger Bekanntschaft, Staatsgeschäfte schwerlich bewirkt, und die leider zu künstlich gerathene Maschine des Staates vereinfacht werden kann, weil ohne dieses Band keine Einheit im Staate herauszubringen ist und alles in der Irre ohne Zusammenhang und Ordnung bleibt -- Wer ist aber im Stande, den Weibern Überlegung hierzu, kalte Schätzung des Gegenstandes, Feinheit, zuvorkommendes Wohlwollen und Aufopferung abzusprechen --? Schon jetzt giebt es Freundschaften unter ihnen, die den unsrigen nicht weichen -- Nur das Vorurtheil der Männer hat ihnen die Anlagen zur Freundschaft abgesprochen. Sind sie nicht zarter, treuer, unüberwindlicher, unbestechbarer, als viele Männer, wo Neid und Rivalität von so vieler Art die Triebe des Herzens verfälschen, und die Freundschaft zum Contrakt _do ut des_, _facio ut facias_, nicht zum Herzens-, sondern zum Sachentausche machen? -- _Damon-_ und _Pythias-_Freundschaften sind Fälle, die zu den seltenen gehören, und die bei dem Einerlei der Weiber, bei ihrem Alltagsleben um so weniger zu erwarten stehen, da Proben und Situationen zu dergleichen Freundschaften durchaus unentbehrlich nöthig sind -- Und wie verschieden sind jene _Damon-_ und _Pythias-_Freundschaften vom Dienstgleichgewichte, das durch ein gewisses Einverständniß bewirkt wird. Weiber müssen jetzt von Geschlechtswegen, wo nicht interessiren, so doch Herzen gewinnen, wo nicht angebetet, so doch geliebt werden wollen; setzt sie über die Sinnlichkeit hinaus, und ihre Eitelkeit, ihre Neugierde, ihr jetziger Hang zum Vergnügen werden sich veredeln -- sie werden nicht aufhören, Weiber zu seyn; -- wie unglücklich wären wir, wenn sie das könnten! -- nur werden sie aufhören, _die_ Weiber zu seyn, die sie jetzt sind -- Diese Verwandlung wird uns heben, statt daß man uns jetzt, wie jenen Elephantenleiter, fragen könnte: _bist du darum so trotzig, weil du Thiere commandirst?_ An uns ist der erste Schritt, und nur von unserm bußfertigen Entschlusse hängt es ab, diese Revolution zu bewirken. Werdet andere Männer, und Alles, vorzüglich die Weiber, ist anders als jetzt. Mit dem Maße mit dem wir sie messen, werden sie uns wieder messen. _Dienstfreundschaft!_ Ist sie denn unserm Geschlechte eigen? Nicht nur die Kraft, auch den Schein verleugnen wir. Führen die Staatsdiener nicht unter sich den dreißigjährigen Krieg? Der Financier ist wider den Justizmann, und der Justizmann wider den Financier; das diplomatische Corps wider das Kriegs-Departement, und dieses gegen jenes -- Einer will den andern übermeistern, ohne daß er seiner selbst Meister ist: Einer will dem andern die Gränze verrücken, einer stellt dem andern ein Bein -- Doch, leider! ist es immer der Staat, der bei dieser Gelegenheit in die Grube fällt -- Oft giebt sich sogar _Richtercomplott_ und _Höllenbund wider den Unterdrückten_ für Dienstfreundschaft aus; und da ist das letzte Übel ärger, als das erste; da ist guter Tag und guter Weg ein Himmel gegen jene Mörder-Bande --

Der sittliche Zustand der Weiber gründet sich sehr natürlich auf ihren gesetzlichen -- Da das Mädchen sich ihren Gefährten des Lebens nicht laut und deutlich wählen kann; so sieht es sich genöthiget, dieses Geschäft zutrauensvoll seinem Auge zu übertragen, das, an diese Einladung gewöhnt, nie ganz diese Weise aufgeben kann -- Man scheint dieser Manier eine Art von Dankbarkeit erweisen zu wollen, die jetzt, da Alle dies Blickspiel treiben, das Unanständige nicht hat, das es sonst haben würde. Diese Blicke, wodurch sie eine besondere Art von Beherrschung, die man Augenherrschaft nennen könnte, und eine gewisse gefällige Freundschaft üben, haben ihren besondern _Contract social_ und so bestimmte Gesetze, daß man auf ein Haar weiß, wann die erlaubte Grenze _überblickt_ wird -- Dem Reinen ist Alles rein -- Wer findet nicht einen sicheren Weg zur Wonne, in dem schönsten der Spiele, einer verstohlnen Liebe? Die Genüsse der Verstohlenheit steigen zu einer geistigen Würde, zu einer hinreißenden Delicatesse -- Durch jenes _Glück_, das die Mädchen sich _erblickten_, durch jene anziehende Kraft, wodurch sie auf die Jünglinge wirkten, hat ihre Verlegenheit auch bei weitem noch nicht ihr Ende erreicht, wenn sie die Ehre haben, in die Gewalt der Männer zu kommen. Sie sinnen unaufhörlich darauf, diese Gewalt durch alle Künste einzuschränken, so daß am Ende nicht viel davon übrig zu bleiben pflegt -- Da sehen sich denn Weiber zuweilen -- ist es ihnen zu verargen? -- nothgedrungen, vermittelst der Augen mit getreuen Nachbarn und desgleichen Allianzen zu ihrer Deckung einzugehen; und so unschuldig dieser Freundschaftsanfang gemeiniglich ist, so schuldig können oft Schutzverträge dieser Art werden. Von Personen ihres Geschlechtes können sie keine Beihülfe erwarten, und ihre Freundschaften unter sich sind von anderer und originaler Weise. Giebt es aber nicht eben so viele wahre _Freundinnen_, als es wahre _Freunde_ giebt --? Von der bürgerlichen Verbesserung der Weiber wird es abhangen, daß ihre Freundschaftsanlagen berichtiget und verbessert werden -- Wie unbillig sind wir, von Weibern -- denen wir die Würde Personen zu seyn, versagen -- mehr zu fordern, als ihnen zu leisten möglich ist! -- -- Fast könnte man behaupten, daß die Gesetze, die für ihr Vermögen, wie für das Vermögen eines Unmündigen, sorgen, ihre Personen darüber vernachlässigen, oder sie wenigstens vergessen zu haben scheinen. Frauenzimmer, welche Mütter werden können, sind keine Kinder mehr -- Der bittere, nicht unverdiente Vorwurf, den man unserem Geschlechte macht, _»daß es heut zu Tage keine Kinder mehr gebe«_ -- stehet er nicht mit unserer Grausamkeit, die Weiber als große Kinder zu behandeln, in engerer Verbindung, als man denken sollte? -- -- --

Es giebt Regenten, die sich den landesväterlichen Wunsch des _Caligula_ aus Geitz eigen machen: ach, wenn doch alle ihre Provinzen nur Einen Hals hätten! nicht um ihn zu brechen, sondern nur eine einzige Röhre zum Essen und zum Trinken in ihrer Monarchie zu haben. So tyrannisch bin ich nicht in Hinsicht meiner guten Freunde von Opponenten, die es indeß nicht viel besser als die Virtuosen machen, welche oft beschwerlich sind, wenn sie Niemand hören will, dagegen stumm und eigensinnig, wenn sie sich hören lassen sollen.

_Die Unbeständigkeit soll ein so charakteristischer Zug des weiblichen Verstandes seyn, daß Weiber bei keinem Gegenstande der Untersuchung und des ernsten Nachdenkens mit gleicher Anstrengung lange zu verweilen im Stande wären._

Der größte Theil des andern Geschlechtes, der Mittelstand, hat nur eine einzige Art von Beschäftigung, kommt nie aus dem Takt, und weiß nur vom Hörensagen, was lange Weile ist. Diese entsteht aus einer Art von Luxus der Beschäftigungen, und gehört in der Regel zu den Eigenschaften der Männer, obgleich auch Damen höherer Region an diesem Übel Theil nehmen, und an demselben schwach und krank danieder liegen, wenn das Vergnügen länger dauert, als sie es auszuhalten gewohnt sind. Die Frau Gräfin hatte lange Weile in der Komödie, weil heute noch Redoute ist; allein auch auf der Redoute wird ihr die Zeit lang werden; weil sie keine Partie findet; und auch wenn sie diese gefunden hat, würde die Zeit von ihrem Blei kein Gran verlieren, da ihr Cicisbeo bei dem fürstlichen Souper lange Weile hat, und sie mit ihrem Verehrer nicht _minnespielen_ kann. Bei _einem einzigen_ Spiel findet die schöne Welt zu wenig Beschäftigung. Konnte doch _Julius Cäsar_ lesen, schreiben, und sieben Cabinetssekretarien sieben besondere Briefe diktieren! -- -- Und lebt die schöne Welt wirklich? -- Nein doch! sie spielt das Leben -- Unbeständig überhaupt find' ich das andere Geschlecht nicht mehr nicht weniger, als das unsrige; vielmehr ist ihm eine gewisse Weltüberwindung eigen. Es verstehet sich darauf in's Dunkle zu werfen, und glänzt eben darum desto besser -- Stilles Verdienst ist sein Eigenthum; und sind dies _Anzeigen_ des Unbestandes? -- Zeitiger und fester nimmt es seine Partie als wir -- Zwanzig exemplarische alte Jungfern gehen auf einen Hagestolzen gleicher Art.

_Die große Lebhaftigkeit weiblicher Empfindungen und weiblicher Einbildungskraft, das zu reitzbare Nervensystem soll indeß Schuld an der Unbeständigkeit und dem bloß flüchtigen Feuer bei Gegenständen des Nachdenkens in Hinsicht der Weiber seyn; auch sollen sie für große Gegenstände des menschlichen Wissens nur selten ein wahres Interesse fühlen_ --

Und giebt es denn in unserm Geschlechte Viele, bei denen jene Ausdauer ist? die ein, dem ersten neuen und frappanten Eindruck gleiches, Feuer bei scientifischen Gegenständen behaupten, die dem Spiele schnell auf einander folgender angenehmer Empfindungen widerstehen, und einem Gegenstande getreu bleiben bis in den Tod? Hat nicht fast jeder, außer seinem Haupt-, noch einen Neben-Beruf, den er Erholung nennt, und an dem er weit mehr hängt, als an seiner Hauptsache? Die eigentliche Strebsamkeit ist dieser Nebensache gewidmet: und hierbei pflegt man es auch, durch Gottes Segen, in kurzer Zeit weiter zu bringen, als bei der eigentlichen Hauptsache. Friedensschlüsse verbinden jeden, nur nicht die, welche sie schlossen; und angewiesene Officianten haben überall Kraft und Macht und Glauben in ihrem Amtsbezirk, wenn sie gleich -- (während sie eine Aktenrelation fertigen, ein Paar über Nichts und wider Nichts uneins gewordene Nachbarn ausgleichen, dem jungen Greise von Vormunde, bei dem sein Mündel das erloschene Feuer anfachen soll, dies unschuldige Geschöpf entreißen, ein Domainen-Stück taxiren, den verfallenen Nahrungsstand eines Fleckens untersuchen, die Klagen von hundert unterdrückten Bauern hören, und einer Wittwe zu dem ihr vertheuerten Rechte verhelfen, und ihre Rechtssache verkürzen sollen) -- ein Lied auf den Frühling zusammenstümpern, einer Wildenschweinsjagd beiwohnen, ein Pikenik abwarten, eine Strohkranzrede halten, oder in Liebelei versinken -- Haben doch Könige und Fürsten Kühe gemolken, Netze gestrickt, Knöpfe gedrechselt, gemahlt u. s. w. _Leibnitz_ war so wenig _Professor Philosophiae_, als _Wieland Professor Poëseos_; und was giebt es denn für große Gegenstände des menschlichen Wissens, für die nicht Jemand aus dem andern Geschlechte eine Neigung gezeigt hätte? Die Geduld, das Ausdauern der Weiber ist zum Bewundern; und legen sie nicht täglich davon ein Zeugniß ab, indem sie die Formen nicht zerbrechen, in welche Gewalt und List sie goß? indem sie Kinder erziehen und in's Geleise bringen, die ihre Väter oft durch blinde Liebe und eben so oft durch blinde Strenge verderben --? indem sie mit ihren Männern (leider! nur zu oft alten Kindern) gelinde umgehen, wie mit jedem Übel, das nicht zu ändern ist, und sie heben und tragen und leiten, um sie nur wenigstens leidlich zu erhalten? -- _Aristoteles_ ging spazieren, wenn er lehrte und lernte, und hieß der _Spazierer_ (Peripatetiker) -- Oder ist es nöthig, daß Alles im ersten Feuer gearbeitet wird? daß die Phantasie uns Alles mit Flammen mahlt? und daß Alles, was wir denken und sagen, ein immerwährendes Feuerwerk, ist? -- Außer dem Feuer giebt es noch andere wohlthätige Elemente -- Ungezügelte Bilder, funkelnde Sprüche, tiefgeschöpfte, schwer herausgezogene Sätze mögen immer bleiben, was sie sind; es giebt Gedanken, die ihren stillen Werth haben -- die, gerechtfertigt werden durch That --! -- Wenn den gelehrten Arbeiten der Weiber eine gewisse Furchtsamkeit anklebt -- ist es Wunder, da sie sich in die gelehrte Republik bloß hineinstehlen müssen? Von Natur sind sie dreister als wir; das Gefühl des Unvermögens, den Vorzügen Anderer gemäß zu reden und zu handeln, das Allem eine gewisse Ängstlichkeit giebt, ist ihre Sache nicht -- Die Gabe ihrer leichten ungezwungenen Unterhaltung wird ihren Vortrag nie mit üblen Angewohnheiten und Einschiebseln verunstalten, die sich nicht viel besser ausnehmen, als wenn verlegene mit der Welt noch unbekannte Jünglinge von ihren Händen und Füßen geärgert werden -- oder wenn Fliegen in ein reitzendes Gericht fallen. Müßige Phrases in's Gespräch einschalten, heißt ihnen: die Zeit tödten; und durch schöne Redensarten einnehmen: das Vergnügen als Zweck des Lebens behandeln. Seht Prinzen -- und seht regierende Herren selbst, wie furchtsam sie sind! -- Das Hof-Ceremoniel scheint nur erfunden zu seyn, ihrer Blödigkeit auszuhelfen. Auch giebt es eine edle Freiheit, welche die Folge eines guten Gewissens ist, -- so wie es ein Wohlbefinden giebt, ein Gut- und Übelaussehen, das vom Gewissen kommt; und dies ist dem andern Geschlecht eigen -- Warum sollten Weiber denn wohl als Schriftstellerinnen furchtsam und verlegen thun und seyn, da die aufgehaltene Sprache sich durchbrechender Empfindungen eine Gewalt und Stärke besitzt, gegen die schwerlich sonst etwas zu wirken vermag, als unser kritischer Übermuth, der die Weiber durchaus nicht aufkommen lassen will? Weiber wissen Wahrnehmungen zu Beobachtungen zu erhöhen; und da Männer Sätze zu Grundsätzen zu erheben wissen, (die, wohl zu merken! der Philosoph sogar dem Mathematiker vorschreibt) und mit ihnen Tausend schlagen: so schlügen Weiber mit ihrem Witze gewiß Zehntausend, wenn Männer ihn nicht durch eine Art von Gründlichkeit (die genau genommen wenig oder nichts bedeutet) zu lähmen und in Verlegenheit zu setzen suchten. Weiber besitzen die Geschicklichkeit, alle Seelenkräfte auf Witz zurückzubringen -- Gelingt ihnen nicht Umfassung der Sache auf eine bewunderungswürdige Weise? Wissen sie nicht das ewige Einerlei, wozu sie verurtheilt sind, unübertrefflich schön zu modificiren? und _Aufmerksamkeit in hohem Grade_, oder _Scharfsinn_ zu zeigen? Wie können sie aber einem Schwalle von Kunstwörtern widerstehen, womit wir Sturm laufen! wie eine schwerfällige Gelehrsamkeit widerlegen, wodurch wir sie aus dem Tempel der Wissenschaften hinauskritteln, dessen Allerheiligstes doch so leicht und einfach ist --! Warum soll es ihnen an Gedankenfülle, großen erhabenen Darstellungen von Charakteren, an hohem Schwunge gebrechen, oder an Schöpfungskraft und hohem Grad des Enthusiasmus, da sie von dem allen ungesuchte und anspruchlose Proben im gemeinen Leben äußern? -- Feine originelle und der Natur abgelauschte Züge sind ihnen eigener als uns; was ihnen am scharfen Umriß bei ihren Charakteren (richtig ist er fast immer) abgeht, ersetzen sie durch ihr lebendiges Colorit -- So wie sie ihren Körper zu kleiden verstehen, so kleiden sie auch ihre Gedanken -- Die Angemessenheit ihrer Worte und die große Einfachheit in der Wortfügung, geben ihrem Styl eine Deutlichkeit, die nichts übertrifft. Die besten Denkzettel, die ein Autor seiner Schrift anhängen kann, sind, wenn er durch seine Darstellungen uns an uns selbst erinnert; wenn seine Schrift dem Menschen durch das Herz geht; wenn die Leser sich einbilden: es fehle wenig oder nichts, so hätten sie diese Schrift selbst stellen können; sie wären im Stande gewesen, sie dem Autor in die Feder zu sagen; aus ihrem Herzen hätt' er es genommen und ihnen verkündiget -- Solch ein Widerschein erleuchtet und frommt!-- Wir lassen uns von _Ideen_, wie _Sokrates_ von seinem _Dämon_, verfolgen, wir versetzen uns, wie _Plato_, in eine Republik; und so wie der, welcher ein unverwandtes Auge auf Einen Punkt heftet, zuletzt sieht, was er sehen will: so sehen auch wir mit dem Auge der Seele Windmühlen für Riesen, Wirthshäuser für Schlösser, Teiche für Weltmeere, eine Abderitische Posse für einen wohlüberdachten Finanz-Kniff oder Operation an -- Nicht genug; auch Worte spielen den Meister nur zu oft über uns -- Wir veruntreuen ihre Bedeutung, werfen eine willkührliche Markscheidung derselben auf, und fallen, wie Leute, die reich werden wollen, in Versuchung und mancherlei Stricke, wenn wir nach der leichtesten Art reich zu werden, _zu sparen_, oder nach der schwersten, _zu speculiren_, suchen -- Wir arbeiten Alles zum Druck aus, in der bestimmten Absicht, es dem gelehrten Publico zu überantworten, oder es in einem privilegirten oder unprivilegirten Cirkel vorlesen zu lassen -- Und ob es gleich freilich correkter ausfällt, wenn der Inhalt lehrreicher ist, oder so aussieht, wie ein hingeworfener weiblicher Aufsatz; so wird die Arbeit des anderen Geschlechtes doch mehr Individualität zeigen, und eine Intuition behaupten, die wir, im Namen und von wegen unserer stupenden Gelehrsamkeit, fast keinem unserer Werke in gleichem Grade verleihen können. Leichter und flüchtiger sind weibliche Arbeiten; allein darum oft treffender, richtiger, eindrücklicher. Weiber lieben schon nicht lange Worte, weil hier eine Hauptsylbe sich die anderen unterordnet und sich die Herrschaft über diese anmaßt -- Lange Perioden sind ihnen nicht angenehm, weil sie die Alten nicht genug kennen, weil dieselben schwerer zu lesen und zu fassen sind, und weil der Witz ein Todfeind dieser Potsdammer ist -- von denen ein plumper Holländer behauptete, daß nur ein kleines Herz in einer dergleichen gewaltig großen Maschine gefunden werde -- Selten lassen Weiber einen üppigen Sprößling des Ausdruckes aufschießen -- und ereignet sich der Fall, so ist es eine Feldblume, die sich nicht aus den Grenzen der Bescheidenheit wagt -- Bei uns gewinnt Nachdenken, bei Weibern Empfindung die Oberhand -- Die Oberhand, sag' ich; denn auch Nachdenken leistet der weiblichen Empfindung hülfliche Hand: und sind in ihren Aufsätzen nicht alle Ungleichheiten geebnet, so bleibt ihnen dagegen mehr Eigenthümliches -- Man rücke das Ziel ihres geschäftigen Lebens über die Küche und Stricknadel hinaus; man führe sie nur an: und sie werden uns sehr bald an Scharf- und Tiefsinn übertreffen, ohne sich kraft ihres gesunden Menschenverstandes zu versteigen. Ach! wer kann sich entbrechen, wenn vom Vorzuge unseres Geschlechtes die Rede ist, mit _Daniel_ auszurufen: Seht, das sind eure Götzen!

_Weiber können nicht allein seyn_ --

Nicht allein? Lieber! wenn die Einsamkeit gemahlt werden soll, muß ein Weib sitzen, oder sie ist nicht getroffen.

_Oder nichts allein überlegen._

Und doch ziehen Männer sie alle Augenblicke zu Rath; und wohl ihnen, und dem Collegio und dem Staate, wenn Männer es thun! O! wie gern wälzen die Männer ihre Bürde von ihrem Herzen auf ihre Weiber, denen sie ihre Geheimnisse anvertrauen! und wie viel haben Weiber zu tragen! o, wie viel! Von Weibern dagegen ist fast keine einzige, die nicht etwas hätte, was nur Gott und sie weiß, was kein Beichtvater erfährt, und womit sie der Zeit und Ewigkeit unerschrocken, entgegen geht -- Unsere Geheimnisse verfliegen oft, gleich einem flüchtigen Geiste; die ihrigen sind ihnen in Herz und Seele geätzt -- Wenn Gedanken ihren Schöpfern entkommen, die sich bei aller oft widerlichen Anstrengung nicht zurückbringen lassen -- ihren Schöpfern, die nur selten Gedankenerhalter sind; so verstatten Weiber ihren Gedanken nicht so viel Ausgelassenheit -- _Was ich doch sagen wollte_, wird man selten oder gar nicht von Weibern hören. Ihr Gedächtniß ist getreuer, als das unsrige; und schwerlich wird ein Weib so zerstreuet seyn, wie _Terrasson_, und so sehr sein Gedächtniß verlieren, wie er. Weiber halten Zerstreuungen für Affektation, und können sich nicht des Lachens enthalten, wenn sie von _Terrasson_ hören, daß er kurz vor seinem Ende im Gedächtniß-Concurs Alles an seinen Verwalter _Luquet_ assignirte, so daß er, als sein Beichtvater ihn bei der letzten Beichte nach seiner Sündenmenge fragte, demselben auch diese Assignation gab: Fragen Sie nur _Luquet_. --