Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber

Part 17

Chapter 173,390 wordsPublic domain

Der Weiber, die doch in den politischen Gesellschaften nur Nullen sind, und ohne eine vorstehende männliche Zahl keine Bedeutung haben? Und warum ihr Werk? weil sie Männer dazu verleiteten? die Curandinnen die wohlweisen Curatoren? Wegen des Einflusses, den man den Weibern nicht versagen konnte, den auch Sklavinnen über ihre gestrengen Herren behaupteten. So sehet denn da die Rache, welche die Natur sich nicht versagen kann, wenn man ihre Majestät beleidigt --! Entzieht den Weibern keinen jener Antheile, wozu sie unleugbare Rechte haben, und ihr werdet jenen Schleichhandel von selbst heben, den jetzt die Weiber zum Nachtheile ihrer Männer und des Staates treiben. Die Vernunft ist göttliches Ebenbild, und wo ihr sie findet, da ist es Pflicht, ihre Superiorität an zuerkennen -- Wo sie erscheint, ist Werth, Würde und Selbstbeständigkeit. Sie regiert im Kleinsten der Unterthanen den Größten, den Herrn der Welt -- und in dem Staate, wo sie unterdrückt wird, hören die Weisen die Stimme, welche sie auf ebene Bahn leitet: _Stehet auf und lasset uns von hinnen gehen!_ Oder wie? ist etwa der Werth des anderen Geschlechtes nicht auf Vernunft, sondern auf Sinnlichkeit gegründet? Ei, Lieber! können wir uns, so lange wir Kleider der Sterblichkeit tragen, über die Sinnlichkeit hinaussetzen? Nur ein Pedant kann die _Sinne_ die Deutschen Klassen nennen; kommen wir nicht durch sie und durch die Empfindung der Vernunft zuvor? gründen die Sinne nicht die Vernunft? sind sie nicht -- die höchsten Revisoren derselben? erheben sie die Vernunft nicht zu ihrer eigentlichen Würde? ist die Vernunft nicht _generis foeminini?_ und der _Geschmack?_ ist er nicht mit so schönen sittlichen Ideen ausgestattet, daß es eine Lust ist? Muß die Vernunft sich nicht vielmehr von Amtswegen versinnlichen, um über das Herz zu siegen, das ein trotziges und verzagtes Ding ist, wer kann es ergründen --? Würden wir nicht aufhören Menschen zu seyn, und übernatürlich werden, wenn wir auf das Wesen der Menschen Verzicht thäten? ist übernatürlich nicht auch unnatürlich? Das feinste Raffinement ist immer ein Verwandter der Simplicität. Das Loos dieses Lebens ist eine Menschenrolle; ist sie so subaltern wie sie scheint, und verdient _der_ Beförderung, der im Geringeren ungetreu ist? Erst durch die Ehe wird das Weib in eben dem Grade durch den Mann vollendet, wie der Mann durch das Weib -- Mann und Weib machen einen ganzen Menschen aus -- Die relativen Eigenschaften, die zwischen beiden auf einander angelegt sind, setzen diese Behauptung außer Zweifel. Darf ich es noch einmal wiederholen, daß der Vorzug der physischen Größe und Stärke des Mannes in Hinsicht des Weibes sich auf keine moralische Überlegenheit unseres Geschlechtes bezieht? Kein Geschlecht hat den mindesten Werth ohne das andere; zusammen genommen machen sie die Menschheit aus. Wir spielen aus Einer Kasse, und die Natur hat Mann und Weib so zusammen gefügt, daß kein Mensch sie scheiden kann -- In einander verwebt, ist Eins um des Andern willen. Eifersucht auf Ansehen ist der Hebel, wodurch nur schwache Menschen gereitzt und in Athem gesetzt werden können. Was kann sich ohne Weiber gruppiren? Gehe mit einem dir völlig gleichgültigen Weibe um, nur langer Weile halben -- ehe du es merkst, wird deine Seele in die ihrige eingreifen; ihr werdet nicht von einander lassen, ohne daß Lust oder Liebe hierbei den mindesten Einfluß hat -- Dieser Einklang ist Geschlechtstrieb, oder inniges geheimes Gefühl, Bestätigung der göttlichen Worte: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei -- Ohne _Eva_ ist _Adam_ ein Thier, und _Eva_ ohne _Adam_ eine Klosterjungfer. Wer bemerkte nicht, daß fast alle Männergesellschaften mit dem Paradiese anfangen und mit dem jüngsten Gerichte enden! Man erstaunt über die Sprünge, welche Männergespräche nehmen -- Weiber knüpfen sie zusammen und bringen Alles in das Verhältniß, wenn gleich gesellschaftliche Unterhaltungen mit Recht die Art der Englischen Gärten behalten, die genau gebahnte Wege vermeiden. -- Wäre größere körperliche Stärke mit einer größeren Seelenkraft verbunden, so würde diese Schrift sehr klein geworden seyn, und es hätte nicht verlohnt, an eine bürgerliche Verbesserung der Weiber zu denken. Macht aber der Geist des Menschen sein eigentliches Wesen und Seyn, so ist die Unfähigkeit des Weibes zu Staatsgeschäften, Künsten und Wissenschaften ein Vorwand, allein kein Einwand -- Selbst nicht immer sind die Weiber schwächer gebauet als die Männer -- »_In einzelnen Fällen --? in niederen Klassen?_« Nein! auch selbst im Allgemeinen. In _Champagne_, wo die Einwohner ein gesunder Schlag Leute sind, sollen, nach der Bemerkung der Reisenden, die Weiber stärker seyn als die Männer; und wie viele junge Wüstlinge giebt es, die sich das Alter in der Jugend inoculiren ließen, um so wenig vor Alter, wie an den Pocken zu sterben --! Ich will für meinen Einwender Gründe auslegen, die er mir hoffentlich zu seiner Zeit erstatten wird. Zugegeben, daß das Weib im Allgemeinen und bei allen Nationen, so wie überhaupt, in der ganzen thierischen Schöpfung, schwächer, feiner und zarter gebauet ist als der Mann; zugegeben, daß die weiblichen Nerven biegsamer, reitzbarer und zärtlicher als die unsrigen sind: was folgt daraus? etwa, daß der Körper der Weiber nicht zu langen Anstrengungen des Geistes angelegt sei? daß sie wegen ihrer lebhaften Imagination nicht lange bei einem Gegenstande verweilen können? daß Anstrengung des Kopfes, Sammlung des Geistes ihre Sache nicht sei? -- Giebt es nicht wissenschaftliche Gegenstände, welche Biegsamkeit und Feinheit erfordern? Läßt denn körperliche Stärke auf geistige schließen? und hat ein vierschrötiger Tagelöhner die beste Anlage zum Generalsuperintendenten? -- Die vorzüglichsten Menschen hatten schon oft die schwächlichsten Körper. Eine große Seele hat selten einen handfesten Leib zu seinem Gefährten gewählt; Freund _Hume_ und einige andere ausgenommen, waren große Geister in der Regel klein und schwächlich --. Was wohl leibet, heißt es in einem alten Sprich- und wahren Worte, seelet oft übel. Selbst _Alexander_ und _Friedrich II_ waren klein von Körper, so wie Helden gewöhnlich nicht auf große Statur Anspruch hatten. Oder wie? haben Physiologen ausfindig gemacht, daß die ursprüngliche weibliche Organisation die Weiber zu subalternen Geschöpfen mache, ihnen den Weg zu allem Edlen und Großen vertrete, und, wenn auch Jünglinge und Mädchen einerlei Unterricht empfingen, von einerlei Motiven zu ihrer Geistesbildung angetrieben würden -- jene doch diese allemal überflügelten? Wären diese Beobachtungen wahr und richtig, so müßte man freilich glauben, auch wenn man das gerade Gegentheil sähe -- Ei Lieber! wo hat man den Erfahrungsschatz gefunden? gesammelt hat man ihn doch nicht? wo sind Versuche gemacht? absichtlich gemacht? und müßte das nicht vorausgegangen seyn, wenn man über Anlagen und Fähigkeiten so absprechen wollte? Es hat nie weder an Köpfen noch an Herzen unter den Weibern gefehlt, die den Männern den Rang abgewonnen! Ich beziehe mich auf den Anfang dieses Ohrfingers von Capitel, welcher so spendivisch preiswürdige Namen genannt hat -- Und warum wollen wir mit einander streiten, da jeder Blick aus der Arche der Studierstube das Vorurtheil der Weiberverachtung widerlegen kann und wird -- falls ihm kein gefärbtes Glas die Kraft benimmt. Es geht meinem Gegner wie vielen andern seiner Art: er bestreitet nicht die Sache selbst, sondern die unrichtigen Begriffe, die er sich von der Sache macht; nicht mich, sondern sich --

_Freilich_ -- (ein erwünschter Anfang von einem Opponenten!) _Freilich wallfahrtete die Königin aus Arabien, um bei dem Professor Salomo einen philosophischen Cursus zu hören; und wir können nach der Liebe hoffen, daß er sie nicht ohne ^augenscheinlichen Segen^ seiner Schule entlassen haben wird._

Der Schule der Weisheit doch wohl? sonst müßt' ich dies _Freilich_ mit Zinsen zurückgeben. Wo der liebe Gott eine Kirche hat, da bauet sich der leidige Feind eine Kapelle -- Jede Akademie der Weisheit hat ein Gymnasium der Torheit in der Nähe; in der größten Schönheit liegt der Stoff zur größten Häßlichkeit -- Je glücklicher die Vernunft den blauen Dunst zu verbreiten sucht, der unser Auge verfälscht; je heftiger wird die Begierde, sie durch Besuche aus jenen Gegenden zu widerlegen, wo abgeschiedene Seelen hausen -- Beweiset die königliche Wanderschaft (des _Freilichs_ ungeachtet) nicht klärlich, wie begierig die schöne Welt -- wohl zu merken nach Weisheit ist --? in Ernst, was wissen wir denn? Sind Weiber gleich zuweilen des Dafürhaltens, einer Philosophie nicht zu bedürfen, nach welcher wir uns rühmlichst den Kopf zerbrechen, um grundgelehrt sagen zu können: wir wüßten nichts; können ihnen dagegen wohl Energie der Seele und tiefgeschärfte Bemerkungen abgesprochen werden? Und so wäre denn auch dieses Spiel für die Weiber gewonnen -- -- -- Kinder reicher Leute sind gemeiniglich so baufällig, wie die Hütten der Armen, und langer Nichtbrauch kann Kräfte schwächen; -- allein auch heben?

Wer kann behaupten, _daß das Eigenthümliche des Geschlechtes nichts Bestimmendes für die bürgerliche Gesellschaft habe?_ Das Weib hat Selbstliebe und die damit correspondirende Selbstbeständigkeit -- Ist bürgerliche Gesellschaft denn etwas anderes, als eine vergrößerte häusliche? oder sind etwa auch in der häuslichen Gesellschaft die Weiber nicht an Ort und Stelle? Wo sind Privatgesellschaften, die in die Länge ohne Weiber sich halten könnten? Ihren Hauptreitz verdanken sie den Weibern, deren munterer leichter Ton Alles in's Geschick bringt, und die schwersten Gegenstände schmackhaft, anmuthig, gefällig und geläufig zu machen versteht -- Sie finden zu den Gedanken des Mannes die schicklichsten Ausdrücke; und oft hab' ich zu bemerken Gelegenheit gehabt, daß, umgekehrt, Männer die Gedanken des anderen Geschlechtes durch wohlgewählte Worte zu beleben suchen. Bei jeder Regel haben sie zehn Fälle bei der Hand, die jene bestärken oder widerlegen; ihre vom richtigsten Geschmack gebildete Einbildungskraft bringt in die abstraktesten Dinge eine lebendige Seele! Wir wollen viel wissen, die Weiber viel verstehen; wir wollen viel gedacht haben, die Weiber viel sagen und in Umlauf bringen. Sie protegiren gemeiniglich nicht Gelehrte, sondern die Gelehrsamkeit; weniger eitel in dieser Hinsicht als wir, legen sie es darauf an, weniger gelehrt als weise zu seyn; sie ehren den Witz, und bedienen sich seiner als der ihnen von Natur beigelegten Waffen, sich in Achtung zu setzen und darin zu erhalten. Durch Witz beleben sie ihre gesellschaftlichen Cirkel, und halten jede Ungezogenheit ab; ihre gefällige Laune tingirt Alles mit Wohlgefallen -- Dem Pedanten schleifen sie den Rost ab, damit er erträglich werde; und wenn _Newton_ ihren Finger nimmt, um seine Pfeife nachzustopfen, so wissen sie diese unverzeihliche Zerstreuung zu seinem Vortheile zu wenden; wenn er etwas über die Offenbarung Johannis schreibt, so thut es durch den Schutz, den sie ihm angedeihen lassen, ihm an dem Orte, wo er lebt, keinen Schaden. Ein großer Gewinn! Nichts wird so wenig vergeben als persönliches Verdienst, und nichts wird so gern von Damen in Schutz genommen als eben dieses. Empfindlichkeit ist innig mit Genie verbunden: in unserem Glücke liegt auch immer der Keim unseres Unglückes; und wie viel haben Damen zu thun, um hier Alles zum Besten zu kehren, zu ebenen und in's Gleichgewicht zu bringen! Ruhe und Ruhm sind selten gute Freunde; Damen versuchen die Sühne unter ihnen, und wissen sie zu vergleichen. Sie vertreiben jenen Rauch in den Schriften der schönen Geister, der Alles räucherig gemacht haben würde, wenn nicht in Zeiten frische Luft dazu gekommen wäre. Sie stellen bei kleinen Soupers witzige Turniere an, und lenken das Gefecht. Sie widersprechen nicht wie mein Gegner, sondern oft nur, damit man einsehe, daß hier ihrer Zwei sind -- Wenn Gelehrte Gedanken überschlagen, so wie man Blätter überschlägt; so füllen sie die Lücken, und setzen Alles in Verbindung -- Ihre Aufmunterung erhält den verdienstvollen Schriftsteller aufrecht, wenn Knaben ihn einen Kahlkopf heißen; sie decken ihn mit ihrer Ägide vor den feurigen Pfeilen des Neiders und Spötters, so daß die besten Autoren an ihrer Hand die Stufe der verdienten Würde erstiegen, die sie ohne diese Engel der Stärkung gewiß nicht erreicht haben würden -- In der Blüthe wären sie verwelkt, und noch ehe sie zu männlicher Stärke gelangten, würden sie, ohne weibliche Aufmunterung, Autorlebenssatt dahin geschieden seyn -- Die Prämien aller Akademien können nicht den aufgekitzelten Witz eines Spötters in unserm geselligen Kreise zügeln; -- und Weiber, die so wohlthätig in kleinen Gesellschaften sind, sollten es weniger in größern und im Staate seyn --? Ein Englischer Reisender macht die Anmerkung, daß die Französinnen in den Tagen der Fröhlichkeit und des Genusses glänzten, die Engländerinnen dagegen im Schatten des eingezogen Lebens und in der häuslichen Ruhe -- Man lasse sie zu _Staats-Geschäften_, und wir werden finden, daß sie nicht bloß zum Englischen Frühstück, zu einer Französischen Assemblee, sondern auch in Geschäfte die nämliche Milde und Güte bringen werden, die sie überall, wo sie sind, verbreiten -- Sie sind das Salz der Erden, das Allem Geschmack giebt, das Licht, das überall erleuchtet, es mag als Mond des Hauswesens, oder als Sonne des Staates aufgehen. Nicht nur die angeborne Moral ihrer schönen Seelen; nicht nur ihre Herzenskunst die feinsten Winkelzüge des menschlichen Empfindens zu erreichen; nicht nur ihr durchdringender Blick, der wie die Steine _Davids Goliathe_ tödtet; sondern auch jene Eigenschaften, die uns die Kindheit so liebenswürdig machen, ihre edle Einfalt, ihre Güte des Herzens, ihre von, aller Menschenfurcht entfernte Seele, ihr unbesorgtes Vertrauen auf den Vater im Himmel und auf eine gerechte, eine gute Sache, würden die Staatsgeschäfte wiedergebären, und wir einen neuen Himmel und eine neue Erde des Staates sehen, wo Gerechtigkeit und Milde wohnten, und in einem neuen heiligen Leben wandeln. -- Es wäre eine unverzeihliche Spötterei, wenn man auf die Frage: warum die weiblichen monarchischen Regierungen besser als die männlichen sind? antworten wollte: weil alsdann Männer das Ruder in Händen haben, so wie, wenn Männer regieren, Weiber sich am Ruder befinden; allein auch selbst diese Spötterei, so wenig sie von der Geschichte gerechtfertigt wird, beweiset mindestens, daß Weiber guten Rath zu schätzen wissen: und ist dies nicht bei Männern nur selten der Fall? Doch, berufen Einwendungen zu lösen, wie komm' ich zur Apologie --?

»_Eine Hauptbestimmung des Weibes ist Kindererziehung. Um desto sicherer zu glänzen, versäumt es diese Pflicht, die Miethlingen überlassen werden muß; und wenn etwa eine Mutter noch mit getheiltem Kopf und Herzen die Erziehung ihrer Tochter übernähme -- ist es Wunder, daß sie, durch Gesellschaft verdorben, anfänglich mit ihr paradirt, und nicht lange nach diesen Tagen eifersüchtig auf sie wird?_« --

Lieber! ist die Erziehung bloß Pflicht der Mütter, oder liegt sie nicht auch den Vätern ob? gehören die Kinder nicht beiden? Und wenn der Vater, dieser Verpflichtung ungeachtet, nicht aufhört gesellig zu seyn, warum soll es denn die Mutter? Wozu werden Kinder erzogen? nicht zur Gesellschaft im Großen und Kleinen? und diese kennen zu lernen, soll die Mutter Verzicht thun? sie soll erziehen, ohne die Erziehungskunst zu kennen? -- Einer der ungerechtesten Vorwürfe ist es, die _große Weichlichkeit unseres Jahrhunderts auf die Rechnung der Weiber, und des Tons, den sie in Gesellschaften angeben, zu setzen_. Sind wir wohl so weichlich wie die cultivirten Völker, die ihre Weiber einsperren? Selbst zu gymnastischen Übungen giebt das andere Geschlecht unsern Jünglingen Gelegenheit, die indeß kaum noch Kraft zum Tanze haben, der ohne die Weiber völlig aufhören würde --! -- Die Weichlichkeit fing von jeher bei unserem Geschlechte an, und gewiß haben wir es den Weibern zum größten Theil zu verdanken, daß sie nicht noch größere Verwüstungen macht. Jene Eitelkeit, die jetzt den Weibern anklebt, wird von selbst aufhören, wenn wir ihnen den Zutritt zu Dingen verstatten, wo sie sich von einer vortheilhafteren Seite zeigen können. Bis jetzt schränkte sich ihre ganze Bestimmung auf die Kunst ein uns zu gefallen, und ein Mädchen hat seinen Lauf vollendet, wenn es das Glück hat, einen Jüngling anzuwerben, der seiner würdig ist. Gebet den Weibern und Mädchen andere Beschäftigungen, und sie werden jene Kleinigkeiten, jene Puppen aufgeben, und die äußerlichen Vorzüge weit unbeträchtlicher finden, als ein großer Theil unserer Narcissen, die im Spiegel der Mädchen bloß ihr geziertes Selbst erblicken. Befriedigen wir überhaupt durch das, was wir dem anderen Geschlechte zugestehen, nicht weit mehr unsere Eitelkeit, als die Forderung der Natur, als die Wünsche eines denkenden Weibes? Es ist nicht zu leugnen, daß jetzt auch eine tugendhafte, ihrem Manne getreue Frau eine gewisse Koketterie für keinen Fehler hält und Männern von Verdiensten so liebreich und zuvorkommend begegnet, daß diese nicht umhin können, ihr eine vorzügliche Dankbarkeit zu erweisen -- Doch sollen hierdurch Begierden nicht geweckt oder gereitzt werden; nie denkt jene liebe Frau sie zu befriedigen, und der Mann, der darauf Rechnung machen wollte, wäre ein Neuling, oder ein Prahler oder -- Wenn der liebe Gott einen Menschen strafen will, so fängt er an, ihn inconsequent reden oder handeln zu lassen -- -- Es giebt stillschweigende Bedingungen, die, ob sie gleich nicht verabredet, sondern vorausgesetzt und angenommen sind, doch heiliger als schriftliche Contrakte, mit Notariatssiegeln verunstaltet, erfüllt werden -- sie sind eine Art von Spielschuld, die auch den Königlichen Allerhöchsten Kassen vorgeht -- Bei der jetzigen Lage der Dinge trägt diese Koketterie des gemeinen Lebens dazu bei, daß der Umgang anziehender wird -- man macht, wenn ich so sagen darf, nicht dem Körper, sondern der Seele den Hof, und es giebt in der That _Seelen-Cicisbeos_, die unschuldigsten Geschöpfe unter der Sonne -- Eine gewisse Art von Gleichheit unter den Menschen, welche an die Unschuld der ersten Welt erinnert, wird hierdurch zu Stande gebracht; und so lange Weiber an den Staatsgeschäften nicht Theil nehmen, und wir keine ernsthafte Dinge mit ihnen und in ihrer Gegenwart treiben können, ist diese Koketterie ein Nothübel, ohne das unsere Gesellschaften das Schalste, Unreitzendste und Langweiligste seyn würden, was je in der Welt gewesen ist und seyn kann.

Der Einwand meines Gegners, _daß Weiber zu viel Zeit auf ihren Leib verwenden_, spielt den Krieg in sein eignes Land -- Sind wir es nicht, die ihnen die Seele bestreiten --? die sie auf den Körper einschränken? Ist denn etwa der Körper uns bloß Ballast, mit dem die arme Seele sich beschwert hat, um auf der Fahrt dieses Lebens fortzukommen? oder ist er nicht vielmehr ein ehrwürdiger Theil des Menschen? -- Wer die Seele den Genius des Menschen nannte -- hatte der so ganz unrecht? Man gradiere die Weiber im Staate, so wie man dem Golde eine höhere Farbe giebt; und sie werden über den Leib die Seele nicht versäumen -- Ist es Ernst, lieber Einwender, oder ist deine Behauptung, _daß die Weiber eine unüberwindliche Neigung zur Pracht besitzen, wodurch sie ihre Männer zur Verschwendung und zu betrügerischen Concursen verleiten_, Scherz? -- Ernst also! Lieber! wer brachte sie auf die Bahn zur Pracht? nicht der Stand des Mannes? müssen sie nicht diesem oft die glücklichsten Neigungen ihres Herzens aufopfern? Ist ihre natürliche Stimmung nicht für Einsamkeit und Landleben? -- _Landleben?_ -- Allerdings! Nicht aber für jenes, das keine Wohnung der Weltentfernung, sondern eine Gelegenheitsmacherin zu neuen Üppigkeiten und zu einer ganz neuen Art der Übertreibung ist -- An der Hand des Weibes scheint die Natur sich mit uns vertraulicher einzulassen und recht Gelegenheiten aufzusuchen, ihre Milch und ihren Honig, den ganzen Reichthum ihrer Wollüste, uns schmecken und sehen zu lassen. Die edlen Ergüsse der Zärtlichkeit, wenn sie reitzend ausgewechselt werden sollen, suchen das Land, und entfernen sich von Hof und Stadt, wo sie Fremdlinge sind -- sie leiden keine Zeugen, und weit weniger Laurer und Faher -- Wie oft muß sich das Land mißbrauchen lassen, die verstimmten Sinne des Hofmanns, nicht zur Tugend und zu sanften Sitten, sondern zu neuen Ausgelassenheiten aufzuheitern! -- Man sucht reinere Luft, um sich zu einer neuen Art Ausschweifung aufzufrischen -- Weiber suchen das Land, und warten nicht darauf, dahin verwiesen oder ausgestoßen zu werden -- Freund! sie sollten die Gräfin _**b*_ kennen! Sie darbt, wenn man an der Hand der Natur darben kann, um für ihren Schlemmer von Gemahl eine ungeheure Schuldenlast zu bezahlen, die nicht bloß Sünden der Jugend sind, sondern die er in einem Staatsposten, der seinen Mann nährt, noch immer vergrößert -- Weiber schaffen sich Welten, die sie besäen und bepflanzen, durch eine wohlthätige Einbildungskraft, die ohne Mühe reich macht: in der wirklichen Welt -- wie unbedeutend ist da ihre Rolle! -- sie zogen Nieten aus jenem Glückstopfe; wir die Gewinner -- Man kann durch Gedanken sich erhitzen und zu einer Röthe kommen, die man eine Seelenröthe nennen könnte, und die sich von allen jenen unterscheidet, welche durch körperliche Erhitzungen veranlaßt werden; und so eine Röthe innerer Zufriedenheit, mit Zuziehung einer wohlerlaubten Einbildungskraft erregt -- welch eine Zierde auf der Wange eines edlen Weibes! Hast du nie die Wonne eines Familienzimmers empfunden, wo man eigentlich zu Hause ist? denn in den übrigen wohnen Gäste oder ein antisokratischer Dämon von Pracht und Stolz; und welches Zimmer ist dem andern Geschlechte das angemessenste? das erste das beste -- Und wie! wenn es auch Weiber giebt, die zu meiner Beschreibung nicht passen, wurden sie nicht schon als Bräute zum unzeitigen Aufwande durch Geschenke verführt, die weit über das Vermögen des Bräutigams gingen? Schwingt sich das Weib zum Regiment, so wird es ihm schwer und unerträglich sich herabzustimmen --; und wenn es sich wirklich herabstimmt, ist es verzeihlich, solche Blößen zu geben? solche Betrüge ungestraft zu begehen? ist es nur anständig, als Bräutigam den _Pastor fido_ zu spielen, um nachher als Ehemann den _Orlando furioso_ zu machen? sein Weib aus dem Himmel in die Hölle, aus Eldorado in eine Schenke zu werfen, wo man es durch ein Schattenspiel an der Wand entschädigen will? -- So betete man weiland in Paris die Komödianten an, denen man im Tode ein ehrliches Begräbniß versagte --.

_Weiber sind auffahrend; der Zorn aber (das Vorspiel der Raserei) thut nie, am wenigsten in Staatsgeschäften, was Recht ist._