Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber
Part 14
Es ist dem andern Geschlecht eine schonende Gutmüthigkeit im historischen Urtheil eigen; doch verstehen es Weiber, ein Faktum, so wie einen Menschen, (immerhin so verwickelt als möglich) aufzulösen, und zu concentriren. Auch können sie jenen Totaleindruck, den Faktum und Mensch auf sie machen, Andern mittheilen, welches uns schwerer wird. -- Glückseligkeit ist, so wie Wahrheit und Gottheit, eine Einheit; diese Einheit in Allem herauszubringen, ist eine hohe Weisheit, und, wir wollen gerecht seyn -- sie ist den Weibern eigen. Bei uns wird oft eine Sache, die auch anders scheinen kann, die diesem oder jenem Sonderlinge wirklich anders vorkam, gleich zum Gegenstände eines gelehrten Streites. Da haben wir denn eine extrafeine Geschicklichkeit, die Zweifelsgründe bald zu verstecken, bald wieder sichtbar zu machen, ihrer Größe eine Elle zuzugeben oder abzunehmen, und die Entscheidungsgründe mit denselben so abzuwägen, daß, wenn gleich, besonders bei dem Faktum, die beiderseitigen Wahrscheinlichkeiten einander ziemlich gleich sind, doch die Schale, je nachdem wir wollen, steigen oder sinken muß. -- Das andere Geschlecht liebt keine Spielgefechte mit einer langen Linie aufgestellter und überwundener Argumente -- Eins ist ihm Noth. Nie wird es das Publicum mit Sophismen äffen: es verliebt sich bei weitem so leicht nicht wie wir in eine Idee, die im Grunde keinen Gegenstand hat; allein es fürchtet auch dergleichen Gespensterideen weniger als wir -- Gelehrte und witzige Leute, (Gelehrte in dem Sinne der gelernten Gelehrsamkeit genommen) blind verliebt in den Gegenstand, dem sie nachjagen, verargen sich auf diesem Wege kleine Unrichtigkeiten nicht -- Alle Menschen sind Lügner, heißt es in der Schrift; Weiber sind hier wachsamer und peinlicher. -- Man sagt: starke Wahrheiten wären nur für gute Köpfe, (so wie starke Getränke nur für ächt nervige Menschen sind;) schwache würden schwindelig -- Man mache mit Weibern den Versuch, und wir werden finden, daß es keine Wahrheit giebt, die ihr Kopf nicht ertragen könnte; sie wollen so weit wie möglich -- Wir glauben zu leicht, daß unser Plan regelmäßig organisirt sey; die Weiber sind leichtgläubiger bei der Ausführung -- Sie fürchten nichts Hohes, nichts Niedriges, nichts was Unwissenheit oder Gelehrsamkeit, Witz und Unwitz, Verstand und Unverstand vermögen; wäre ihnen die ausübende Gewalt anvertrauet -- sie würden sicher mehr leisten als wir, und, wenn sie sänken, es wie der sterbende _Sokrates_ machen, der, als er seine Füße durch Gift schon in Leichnam verwandelt fühlte, sie streichelte und mit lachender Stirne sagte: so nahe gränzen Vergnügen und Schmerz an einander; -- oder wie _Seneca_, der Wasser mit seinem Blute vermischt, _Jupiter dem Befreier_ weihete. Ach, wie oft, wenn mich so mancher Dienst-Nero bis aufs Blut verfolgte und die Wuth blödsinniger Tyrannen mir zwar nicht die Ader öffnen ließ, wohl aber mir weit härter fiel, stärkte mich dieses Weihwasser, und das Elogium _Jupiter dem Befreier_! -- Beweis von der Freudigkeit im Tode der Weiber? Beweis! Seht Männer und Weiber sterben. Ist Philosophiren sich zum Tode vorbereiten, so sind die Weiber große Philosophen; und in Wahrheit, sie sind es unendlich praktischer als wir. Zwar sagt man: studieren sei sterben lernen, weil man seinen Geist dem Körper entzieht, ihn über den Körper erhebt; allein Weiber haben diese Kunstgriffe nicht nöthig, um den Tod zu hintergehen und ihm das Schwert aus der Hand zu schlagen -- Warum Fechterkünste? Den Tod so ganz wie er da ist verachten, _ist_ Weisheit; ihn durch Stratageme hintergehen, _scheint_ Weisheit zu seyn. Kein einziger zieht ein anderes Loos; wir sind Alle zum Tode verurtheilt -- nicht aber als Kriminalverbrecher, sondern als Menschen. -- Käme es auf Weiber an, sie würden selten den Ärzten ihr Lebens- und Todesurtheil anvertrauen, und sich von ihnen das Leben absprechen lassen -- Mißtrauisch gegen die Kunst _Galens_, haben sie Alle eine Neigung, sich, wenn ja noch etwas seyn soll, einem Unzünftigen anzuvertrauen. Ich muß und ich will, ist ihnen fast einerlei; -- und soll es auch nicht also seyn? Jene Grundsätze einer bekannten Sekte: entweder Vernunft oder Strick -- entweder sich ins Leben schicken oder es verlassen, sind den Weibern wie angeboren. Nur _der_ kann frei leben, sagte ein Weiser des Alterthums, der den Tod zu verachten weiß. Wie viele Freiheitsanlagen sind den Weibern bei ihrer Todesgleichgültigkeit eigen! Sollte man sie etwa eben dieser Anlagen halben so sorgfältig von der Freiheit entfernen? Nur der, welcher mehr auf sich selbst als auf die Freiheit hält, besitzt eine Sklavenseele, und ist unwerth der Freiheit. Sind die Weiber in diesem Falle? -- Wenn die Weisheit verdrießlich macht, wer wird Lust und Liebe zu ihr haben? Dies Leben ist ein Geschenk; laßt uns jeden Tag als eine Zugabe ansehen, auf die man nicht zu rechnen im Stande war -- »Was heute geschehen kann, muß man nicht auf morgen aussetzen;« so denken Weiber; und allerdings tragen ihre körperliche Schwächlichkeit, die Einschränkung ihrer Freiheit diesseits des Grabes, und das Verhältniß, das ihnen nicht das Schicksal sondern die Männer zumaßen, zu ihrer Lebensgleichgültigkeit bei. Vorzüglich aber bewirken sie jene größeren Leiden, welche die Natur ihnen als Menschen auferlegte, wogegen die Mannspersonen, zu einiger Entschädigung, sich größere bürgerliche Lasten aufgebürdet zu haben scheinen -- »Viel Glück, _Diogenes_!« sagte der Philosoph _Speusippus_, der wassersüchtig war und sich tragen ließ. »Wenig Glück!« antwortete _Diogenes_, »da du das Leben in einem solchen Zustande ertragen kannst.« -- So selten indeß weibliche Thränen Murren und Unwillen anzeigen, und so oft sie ein leise gewagtes sanftes Sehnen nach mehr bürgerlicher Freiheit sind; so hilft allerdings auch der Überdruß eines Lebens, das kaum diesen Namen verdiente, ihren freudigen Weg zum Grabe ebnen. Daß es in der andern Welt gewiß nicht schlechter für sie seyn könne, ist die Nativität, die sie sich bei ihrem Ausgange aus dieser Welt (wahrlich für sie einem Jammerthale) mit vieler Gewißheit stellen -- Der Tod ist ihr Jupiter der Befreier -- Sie schaffen sich eine andere Welt, wo Gerechtigkeit wohnt -- wo sie auf Rosen unter einem heiteren Himmel wandeln -- ein elisisches Idyllenleben --! Sanfte rührende Schwermuth und leise Schwärmerei helfen ihnen die Welt und sich überwinden -- und des Lebens und des Todes Bitterkeit verschmelzen -- Seht Weiber sterben! wie ruhig! sie sterben in der Regel alle philosophisch. Wenn dieser Fall sich bei unserm Geschlecht ereignet, welch ein Geschrei wird über diese Resignation erhoben! Der Natur, der die Weiber leben, sterben sie auch; sie scheint ihnen die Hand zu bieten, um ihnen überzuhelfen -- Die Weiber wollen nicht täglich sterben, sie wollen nicht Augenzeugen von den zu merklichen Verlusten seyn, die man, je länger man lebt, je mehr in Hinsicht des Lebens macht; haben sie ein hohes Alter erreicht, so kennen sie die Beschwerden des Lebens noch genauer, und der Tod hat keine Gelegenheit, ihnen hart zu fallen, wenn er auch wollte. _Sokrates_ erwiederte denen, die ihm die Nachricht brachten, daß man ihm zum Tode verurtheilt habe: die Natur hat dieses Urtheil auch über meine Richter publicirt -- Das Leben giebt den Tod, der Tod giebt das Leben -- Nicht nur wer im Schweiße seines Angesichts, sondern auch wer im vollen Maße des Vergnügens seinen Lebenstag vollbracht hat, ist gern schläfrig -- Wäre der Schlaf nicht der ältere Bruder des Todes, es würde sich nicht so leicht sterben lassen; jetzt aber schlafen wir nur auf länger ein, als gewöhnlich -- Warum etwas fürchten, was Allen bevorsteht, etwas dem Niemand entgeht, und nähm' er Flügel der Morgenröthe, um an das äußerste Ende der Erde und des Meeres zu fliehen! -- Wenn Männer die Kunst zu sterben lernen; so lernen Weiber die Natur des Todes: ihr Herz erschrickt nicht, und fürchtet sich nicht -- Will man mit dem Tode zu seinem Troste bekannt werden, so muß man Weiber und nicht Männer im Sterben beobachten -- Gewiß stirbt man im Kriege leichter, als auf seinem gewöhnlichen Lager; allein der Tod in der Schlacht hat bei weitem nicht so viel Lehrreiches, wie der Tod einer Wöchnerin in dem Feldzuge, den die Natur ihr anwies -- Wie schön ist hier der Tod, der Tod fürs Vaterland! Ich muß abbrechen; sonst würde ich zu sehr verrathen, daß ich in Hinsicht des Todes nur ein Mann bin. Zwei Freundinnen, mit denen mich die Natur so nahe verband, starben diesen Muttertod -- »Es kommt auf die Kleider an, die man dem Tode anzieht,« sagte * * * -- Du hattest recht, Liebe -- Dein Tod war leicht, froh, muthig angezogen -- -- -- So sterben Weiber; und wie _leben_ sie? Männer thun, was sie thun, mehr aus Temperament, als aus Grundsätzen: von Umständen hangen sie ab, und lassen sich von ihnen, wie Schiffe die Mast und Ruder verloren vom Winde, hin und her treiben -- Aus Noth, aus Trägheit, aus Bedürfniß handeln sie. Sie sind im Grunde weit furchtsamer als die Weiber; -- es scheint nur anders. Immer verbinden sie sich mit andern Männern, und nennen oft (o der Entheiligung des Namens!) _Freundschaft_, was _Furchtsamkeit_ heißen sollte. Freundschaft! wo ist eine reine? wie selten gewinnt man, ohne daß ein Anderer verliert! -- Handlungen leiden keine Freundschaft, und nur mit Worten scheint sie sich behelfen zu sollen -- Durch Mißwachs gewinnt der Landmann; durch Verschwendung und Üppigkeit der Kaufmann; durch Zank, Hader und Streit der Richter; durch Neid und Haß der Geistliche. -- »Ein jeder Mensch hat seinen Preis, für den er sich weggiebt,« ist die Behauptung eines Engländers, eines Mannes aus einem Volke, das noch einen Werth auf sich zu legen versteht -- Und wenn es wahr ist, was einer der Alten behauptet, »daß ein Arzt es ungern sieht, wenn seine Freunde gesund sind, und ein Soldat, wenn sein Vaterland Frieden hat;« wenn der Untergang des Einen Dinges die Schöpfung des andern ist: wo wird reine Freundschaft seyn? Freundschaft, die allen Graden der Versuchung gewachsen, die auch gegen eine Welt nicht feil ist --! Von einem Freunde muß es, wie von _Voltaire'n_, heißen: Sein Geist ist überall, sein Herz ist hier (im Hause des _Herrn von Villette_, dessen Gemahlin _Voltaire'ns_ Pflegetochter war). Freundschaft ist ein geschliffener Stahl, dem schon ein feuchter Hauch den Rost zuzieht. -- Nie kann ich auf die großen Worte _Tod_ und _Freundschaft_ stoßen, ohne daß mein Herz sich ausschüttet -- und sollte mir diese Wiederholungen nicht jedes in meiner Lesewelt verzeihen, das auch ein Herz für Freundschaft hat, und das -- sterblich ist? -- Freundschaft ist Leben; denn ohne sie hat die menschliche Existenz keinen Werth. Ich habe meine Schrift überhaupt durch die Bemerkung vorgeleitet, daß, da ich für die Freiheit schreibe, ich mich nicht selbst binden werde. Lehre und Leben müssen sich in die Hand arbeiten; und darf ich wohl im Münzverstande meine Schrift legiren --? genug, wenn ich mich geleitlich halte -- und darüber wird hoffentlich kein geierlicher Zoll- und Accisebedienter, kein Freund und Feind, mit Grunde Rechtens Beschwerde erheben können. -- Freundschaft war die Losung, und dieses herrliche Wort verdient, daß wir Platz nehmen. -- Die Frage: wie leben Weiber? kann bei dieser Abschweifung nichts verlieren. Laßt Könige licitiren: die Freundschaft ist nicht verkäuflich; -- und eine solche Freundschaft, die, wenn sie gleich nicht zu den sieben Wunderwerken, so doch zu den Seltenheiten der moralischen Welt gehört, würde sich häufiger ereignen, wenn auch das andere Geschlecht bei ihren Altären zu Ablegung der Gelübde zugelassen würde, die gemeiniglich mit der Grundregel anfangen, seinen Freund so behutsam zu behandeln, daß er, uns unbeschadet, auch unser Feind werden kann. Jene Einschränkung des Zutrauens und der wechselseitigen Herzensergießung, jene Mäßigung in Entdeckung unserer geheimen Beschwerden, hebt das, was Freundschaft ist, auf, und macht dagegen einen gewissen Schein gäng und gebe, der immer als Weltklugheitsmaxime Dienste leisten mag, der aber den Altar der Freundschaft entheiligt. Unsere gegenwärtigen Freundschaften sind gemeiniglich nichts mehr und nichts weniger, als gemeinschaftlich geschlossene Connivenz, wo beide Theile im Gewinn sind; und so wie die Bescheidenheit das Verlangen ist, feiner gelobt werden zu wollen: so ist die Freundschaft ein Bund, desto reiner zu gewinnen. Heißt nicht schon _der_ unser Freund, welcher nicht unser erklärter _Feind_ ist? Die Kaufleute nennen _die_: Freunde, mit denen sie in Handlungsverkehr stehen, wo es also Provision zu berechnen giebt; und so wie _der_ schon für gut gilt, der ein böser Mensch von der allgemeinen Art ist: so gilt _der_ schon für unsren Freund, der ein Menschenfreund, ein Mensch von keinem schlechten Herzen ist, der uns nicht verräth und verkauft, oder der uns zu verrathen oder zu verkaufen keine Gelegenheit gefunden hat. Unser Geschlecht ist zu glücklich, als daß wir ächte Freunde der Weiber seyn sollten; und zu unserer Freundschaft gegen einander, auf die wir so stolz thun, haben die Weiber nicht das mindeste Zutrauen -- Können wir (wie kann es nach der Weiberlogik füglich anders lauten?) wohl mit Freundschaften aus der Tasche spielen und mit Aufopferungen prahlen, da wir uns nicht einmal herabzulassen vermögen, den Weibern Gerechtigkeit zu erweisen? Überhaupt ist selbst unser Leben nur halb, da wir die Weiber nicht zu leben berechtigen; und _wie leben sie denn_?
Ob sie gleich heut zu Tage noch zu sehr der Sinnlichkeit fröhnen, woran _sie_ weniger Schuld sind, als unsere Härte; obgleich noch bei weitem nicht an ihnen erschienen ist, was sie seyn können und seyn werden: so zeigen sie doch bei so vieler Gelegenheit eine Selbstbeständigkeit, eine Fassung, die uns so oft beschämt. -- Ihre Ausschweifungen, die wir so schrecklich vergrößern, entstehen mehr aus Befriedigung der Eitelkeit als der Begierde. Sie haben keine andere Olympische Bahn, als Männer zu fahen; man öffne ihnen andere, und sie werden Wunder thun. Das Promemoria, welches jener Kaufmann in sein Denkbuch trug: »Ja nicht zu vergessen, mich in Hamburg zu verheirathen!« ist ins Herz der Frauenzimmer verzeichnet -- Darum das Werben ihrer Augen -- Gemeiniglich haben sie hierbei keine Absicht; sie treiben das Mienenspiel der Mode halben, und weil keine kluge Mannsperson daraus etwas zu schließen wagt. _Montagne_ sagt: jungen Gelehrten geht es wie den Kornähren; so lange sie leer sind, richten sie ihre Spitzen gerad' und keck empor: kommen aber ihre Körner zur Reife, so lassen sie ihr Haupt sinken. -- Warum wollen wir die Weiber wegen ihrer Mienen so scharf richten, und Eitelkeit, Koketterie und Wollust für einerlei halten? Man lacht über jene Dame, in deren Gegenwart man die schwarzen Augen ihrer Nachbarin lobte, und die sehr schnell erwiederte: »jetzt trägt man keine schwarzen Augen mehr;« sind wir aber nicht die, welche das andere Geschlecht zu solchen Antworten verleiten? befördern wir nicht unserer Eitelkeit halben die ihrige? Laßt die Weiber zu Kräften kommen, und ihr werdet sehen, daß sie im lauten Geheul der Stürme, wo Männer sich nur selten ein geneigtes Gehör zu verschaffen wissen, bei den schrecklichen Wogen des empörten Meeres, sich finden, und dem Meere und dem Winde _Silentium_ gebieten werden. Wenn man zur Zeit der sanften Ruhe erlernt und überdenkt, was man zur Zeit der Schiffbruchsgefahr anwenden will, so bleibt es zwar nicht unrühmlich, in der Zeit zu sammeln, um in der Noth zu haben; wenn aber Weiber selbst in diesem Ungewitter Entschlüsse zu fassen verständen; wenn sie kein Lexicon zusammengetragener Regeln aufschlagen dürften, die ohnehin nie ganz auf einen einzelnen Fall passen? -- wenn --? Doch, laßt uns erwägen, nicht was dieser Wallfisch des menschlichen Geschlechtes werden wird, wenn ihm nicht mehr Tönnchen zum Spielen zugeworfen werden, sondern was er selbst in seiner jetzigen so traurigen Lage war und ist! Als _Sokrates_ von der Gottheit zum _Weisen_ erhoben und ihm das Diplom hierüber wegen seines Wohlverhaltens ertheilt ward, maß er sich mit vielen seiner Zeitgenossen, und fand, daß Andere diese Würde, wo nicht mehr, so doch eben so gut verdienten, wie Seine Wohlweisheit -- Endlich überzeugte er sich, daß diese Würde, bloß weil er sich nicht für weise hielte, ihm auf Allerhöchsten Göttlichen Special-Befehl wäre zuerkannt worden -- Kann _der_, welcher Aufsehen macht, weise seyn? hat _der_, bei der rastlosen Bemühung sein Ansehen zu schützen und den Neid zu entkräften, Zeit und Raum zur Weisheit? _Ob den Weibern wirklich die Bescheidenheit bei ihren Handlungen eigen ist?_ Die Erfahrung überhebt mich der Antwort. Ob Weiber wirklich gehandelt haben? O, der beleidigenden Frage! -- --
Ohne eine _Isabelle_ wäre America vielleicht noch nicht entdeckt worden, vielleicht nicht durch _Columbus_, oder doch erst spät, und auf einem entgegengesetzten Wege. _Ferdinand_ hatte nicht Muth und Entschlossenheit, einem so kühnen Unternehmen seinen Nahmen zu leihen, und seinen Schatz zu öffnen. Würde _Cicero_ ohne die _Fulvia_ die Verschwörung des _Catilina_ entdeckt, und den Namen eines _Erhalters des Römischen Staates_ gewonnen haben? _Karl V_ verdankte es bloß dem Einfluß eines Weibes, daß seine Donquixotterien einen besseren Ausgang hatten, als sie verdienten. Und warum eine größere Aufzählung solcher Begebenheiten, an denen Weiber nicht bloß Antheil nahmen, sondern die durch sie entstanden, durch sie geleitet und ausgeführt wurden, wo sie nicht bloß untergeordnete Dienste leisteten, sondern der Geist waren, der über den Wassern schwebte, die Seele, die den Gang der Begebenheiten ordnete und lenkte! --
Frankreich ist seit zweihundert Jahren durch Weiber regiert worden; ob gut oder schlecht, ist ein Umstand, auf den es hier nicht ankommt. Daß es schlecht regiert ward, ist nicht die Schuld der Weiber überhaupt, sondern jener Weiber, die listig, verwegen und ehrsüchtig genug waren, die Zügel des Staates den schwachen Händen zu entwinden, denen das blinde Glück sie anvertrauet hatte, oder die in anderen Rücksichten aufgestellt wurden, und die dann, neben dem schwereren Geschäfte die lange Weile von einem müßigen Monarchen zu verscheuchen, auf den Einfall kamen, das ungleich leichtere Geschäft der Staatsverwaltung zu übernehmen.