Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber

Part 13

Chapter 132,656 wordsPublic domain

»_Musik_?« So unbestritten die weiblichen Talente für die Musik sind; so wird ihnen doch der Vorwurf gemacht, daß sie noch keine Obermeisterin in der Composition aufweisen können. Es fehlt ihnen ohne Zweifel auch hier an Muth, um zu dieser Obermeisterschaft zu gelangen; schon befriedigt, wenn sie Compositionen der Großmeister unseres Geschlechtes mit Empfindung ausdrücken, begnügen sie sich mit dem zweiten Range. Das Lied indeß kann wörtlich so im Dichter stehen; die Noten können genau getroffen seyn: und doch wird oft weder Dichter noch Componist sein Werk wieder kennen, wenn es ein Weib singt oder spielt -- dies haucht ihm eine lebendige Seele ein. _Schaffen_ ist gut; _erhalten_ nicht minder. -- Möchten Weiber immer beim zweiten Range bleiben, wenn nur nicht ein neuerer Reisebeschreiber auch von Kastraten bemerkt hätte, daß nie Jemand unter ihnen ein großer Componist gewesen sei. Sollte diese Bemerkung Kastraten und Weiber mit Recht treffen, so ist die Ursache bei beiden unendlich verschieden. Kastraten können nichts schaffen; Weiber dagegen sind die eigentlichen Erhalter und Mitschöpfer. -- -- Bei dem gegenwärtigen Druck, worin die Weiber sich befinden, legen sie es bloß darauf an, Alles was sie verstehen, faßlich und begreiflich zu machen, und das, was wir schwer ausdrückten, zu erleichtern und in Umlauf au bringen. Sie ebenen die Wege, verstehen den Strahl der schwersten Ideen zu reflektiren und zu vervielfachen, das Abstrakteste verständlich und deutlich darzustellen, und dem Verachteten aufzuhelfen, so daß sie allen Wissenschaften einen unleugbaren Vortheil gebracht haben könnten, wenn man sie zum Meister- und Bürgerrecht ohne männliche Geburtsbriefe zugelassen hätte. Die Behauptung, daß es keine Synonime in der Sprache gebe, beweisen sie meisterlich, wenn gleich das Buchstabiren (eine wirklich männliche Sache) sie wenig bekümmert. Das negative _Un_ wird von ihnen, so wie die Null im Rechnen, oft so geschickt zum Verstärken des Ausdruckes gebraucht, daß man über ihre Feinheit und Geschicklichkeit, womit sie bei Ohr und Verstand alles ins Reine bringen, erstaunen muß! Von Weibern muß man reden, von Männern schreiben lernen. -- Sind Weiber schon jetzt, da sie bloß geduldet werden, und vermittelst Concessionen und Begünstigungen arbeiten, von dieser Seite so schätzbar; was könnten sie leisten, wenn sie nicht länger so unwürdig von dem edlen Wettkampfe ausgeschlossen würden! Es ist eine nicht unrichtige Bemerkung, daß verdorbene Beredsamkeit verdorbene Sitten verräth. Da man aber in dem schönen Geschlechte tausend Lippen findet, die vom Honigseim einer überzeugenden Beredsamkeit überfließen; so kann es mit Recht von ihnen heißen: wessen das Herz voll ist, geht der Mund über. Der Unterricht legt es nicht geradezu darauf an, und kann es nicht darauf anlegen, aus allen Schülern Meister zu bilden. Auch bedarf es in der Erziehungsfabrik nicht lauter Meister. Sie bildet Gefäße zu Ehren und zum Haus- und Kammergebrauch; sie beschäftigt Meister, auch die es _secundum quid_ sind, an der Drehscheibe. So ist der Lehrer schon geschickt, wenn er das Mechanische der Kunst und die Methode weiß, jenes dem Lehrlinge hinzubringen. Hat man nicht Meister gehabt, denen es nie gelang, geschickte Schüler ihrer Kunst zu ziehen? Fehlt es nicht vielen an der Gabe der Deutlichkeit und, um ein Kunstwort anzubringen, an der Lehrgabe? und ohne Zweifel noch mehreren an der unentbehrlichen Lehrtugend, der _Geduld_, die das männliche Geschlecht zwar in seiner Tugendliste rühmlichst mit aufzuführen nicht unterläßt, die indeß unserem Geschlechte nur sehr selten eigen ist. Wir zeigen, daß in unserer Garderobe auch unmodische Anzüge sind, nicht um sie zu gebrauchen, sondern um sie zu haben; statt daß bei dem weiblichen Geschlechte Geduld das schönste Hauskleid ist, das ihm am besten steht. -- Ist die Weibergeduld nicht im Stande, auch aus dem unfruchtbarsten Boden Keime herauszulocken? Kann der beharrliche Fleiß der Weiber nicht selbst dem Verkrüppelten, wo nicht eine schöne, so doch eine erträgliche Form geben, und, wenn nicht Künstler, so doch Kunstverwandte bilden? Der Vorwurf, den man den Weibern macht, daß sie Neuheit und Wechsel lieben, ist nicht ungerecht; aber nicht im Geschlechte, sondern im Druck, den wir veranlassen, liegt die Ursache davon. Das Ausdauern und Beharren ist gewiß weniger unsere als ihre Sache, wenn der Gegenstand es verdient. Wer kann Weibern jetzt ihre Flüchtigkeit übel deuten, wer ihrem Leben es verdenken, wenn es von ihm heißt: sie leben als flögen sie davon? -- Wer? -- In der That, es wären der moralischen Karrikaturen weit weniger, wenn wir uns entschließen könnten, dem weiblichen Geschlechte einen größeren Antheil an dem Unterricht und der Erziehung einzuräumen. Und wie? haben Weiber bloß den Grazien, ihren Freundinnen, geopfert? oder sind sie wirklich auch zum Allerheiligsten der Wissenschaften eingedrungen? In der That, sie wußten sich auch hier Eingänge zu eröffnen, Ehrenstellen zu erringen und sie mit Würde zu behaupten, ungeachtet aller Hindernisse, welche Vorurtheile, Herkommen und niedere Mißgunst ihren Talenten und ihrem Eifer in den Weg legten. Es wird nicht viele Wissenschaften geben, die unter ihren Eingeweiheten nicht einige Namen von Weibern zählen, welche sich mit ihnen beschäftigten, und zwar nicht bloß solche, die von der Oberfläche schöpften und zum Zeitvertreibe; nein solche, die ins Innere derselben mit Eifer und Anstrengung eindrangen, die von dieser Ambrosia der Wissenschaften nicht bloß kosteten, sondern mit dieser Seelenspeise sich sättigten bis zum Wohlgefallen. Freilich können Weiber jener _inneren Freiheit des Geistes_ genießen, nach welcher sie ihren _Kopf_ eigenbeliebig anzuwenden im Stande sind -- Wir haben ihn indeß dem andern Geschlechte abgesprochen, und statuiren nur sein Herz, auf das wir Rechnung machen -- als ob Eins ohne das andere etwas gölte! Und wenn Weiber sich auch über unser Criminalurtheil wegsetzen wollten und könnten; ist ihre selbstgewählte ruhige Geistesthätigkeit vermögend, reifere und schmackhaftere Früchte zu bringen, da wir die Barbarei haben, uns an ihren Blüthen zu vergreifen? -- Was die Geistesfreiheit, die keine Geschäftsstörung verdirbt, bei den Weibern ausrichten könnte, wird durch den Schwall von Kunstwörtern und Kunstregeln erstickt, womit man von Männer-Seite sich wohlbedächtige Mühe giebt, die Weiber zu verwirren und verzagt zu machen, so daß sie ohne Noth ermatten und sich aufgeben -- Jammer und Schade! Doch gab es einige, die den Faden nicht abrissen, die mit Standhaftigkeit sich entschlossen, zu beharren bis ans Ende; und unter diesen, welche die letzten Gelübde ablegten, fanden sich sogar solche, die sich zu Vorstehern und Lehrern im Tempel der Musen weihen ließen. -- In dem bekannten Institut von Bologna lehret _Laura Bassi_ die Physik, und hält ihre Vorlesungen in Lateinischer Sprache; und wie lange ist es, daß _Signora Agnes von Mayland_ hier die Mathematik mit Beifall lehrte? Eben hier bilden _Lilli_ und seine geschickte _Gattin_ die Muskeln und Blutgefäße des Körpers, der Natur mit so vieltäuschender Wahrheit nach. Italien, dieses Land, das wechselsweise so viel Licht und Finsterniß über die Völker der Erde verbreitete, trägt kein Bedenken, Frauenzimmern Lehrstühle zu öffnen. Unlängst ward in Deutschland ein weiblicher Doktor kreirt (_der Doktor Schlözerin_); und würden wir wohl so zuverlässige und beträchtliche Neuigkeiten vom Firmament erhalten, wenn der unsterbliche _Herschel_ von seiner ihm ähnlichen _Schwester_ nicht so unermüdet in seinen Beobachtungen und Arbeiten unterstützt würde? Ärzte werden eben so krank wie Nichtärzte, und die größten Philosophen sind nicht nur oft unweise, sondern verlieren sich auch zuweilen so in Speculationen, daß sie nicht aus noch ein wissen --. Weiber sind sehr für innere Wahrheit; und wenn sie gleich jenes berühmte Ministerphlegma nicht besitzen, so wissen sie doch mit Kälte zu unterscheiden, was bloß trockne und was brauchbare Kenntniß ist. Wenn Salz und Laune fehlen, sind ihnen die reichstbesetzten Tische ein Greuel, und auf die Schauessen der Philosophen nehmen sie keine Einladung an. -- Freund _Montagne_ geht indeß zu weit, wenn ihn gelüstet zu behaupten: er habe zu seiner Zeit hundert Handwerker und hundert Bauern gesehen, die vernünftiger und glücklicher gelebt (auch gedacht?) hätten, als mancher Rektor auf einer Universität (Rektor! als wenn dieser das _non plus ultra_ der Gelehrsamkeit wäre! _Kästner_, _Kant_ und andere unserer ersten Köpfe sind Rektores, weil die Reihe sie trifft), und habe lieber _jenen_ als _diesem_ ähnlich seyn wollen. (Immerhin! verliert die Gelehrsamkeit dadurch, wenn einige ihrer Meister nicht Weisheitsbeflissene sind?) Hat der Rektor der großen Römischen Universität, _Cicero_, so ganz Unrecht, wenn er dem Studieren den Preis über Alles zuerkennt, was sonst beschäftigen kann und mag? Wie kann man mit größerem und bleibenderem Gewinne seine Zeit benutzen? Der Handarbeiter, sagt man, wendet sie an; der Gelehrte vertreibt sie. Ei, Lieber! müssen denn nicht Feldherren seyn, wo es Krieger giebt? müssen nicht Officiere überlegen, was gemeine Soldaten ausführen? -- Durch tiefes Denken gewöhnen wir unsere Seele zu einer Art von Existenz außerhalb des Körpers; sie bereitet sich durch eine kleine Reise nach _Rekahn_ zu einer _Cookschen_ vor, durch einen Weg über Feld zu einem andern -- der uns Allen bevorsteht. Wenn _Cicero_ es nicht ungeneigt nehmen wollte, daß ich seinen guten Geist bei dieser Gelegenheit schon wieder citire; so sollt' es seinen Ausspruch gelten, daß das ganze Leben des denkenden Mannes eine Todesbetrachtung sei. -- Darf bei diesen Umständen das schöne Geschlecht Bedenken tragen, mitunter gelehrt zu seyn --? Ist es aber im Stande Wissenschaften sich eigen zu machen, sie leicht und mit sichtbarem Nutzen Anderen beizubringen; wie könnt' es ihm denn wohl an den Talenten gebrechen, seine erworbenen Kenntnisse auf andere Weise dem Staate zum Besten in Anwendung zu bringen, sobald der Staat geruhete, den Bann allergnädigst aufzuheben, mit welchem ein barbarisches Vorurtheil es seit Jahrtausenden belegt hat! Hätten jene Ritter, die unter ihren Gelübden die Verpflichtung hatten, Damen zu schützen, ihre Grenzen weiter gesteckt; wie unendlich würdiger wär' ihr Beruf gewesen! Schade, daß diese treflichen Männer, welche, mit Ausschluß der _irren_ unter den _irrenden_, die edelsten und klügsten ihres Zeitalters waren, nicht, anstatt Weiber zu schützen, sie über diesen Schutz erhoben! -- Ist der Schleichhandel zu verkennen, der, aller jener Verbote ungeachtet, vom andern Geschlechte getrieben wird? oder ist nicht vielmehr der große Einfluß sichtbar, den das weibliche Geschlecht zu allen Zeiten auf alle bürgerliche und Staatsangelegenheiten behauptet hat? Wenn es auf große Plane ankam, die ausgeführt oder rückgängig gemacht werden sollten, waren es Weiber, welche die Hauptrolle übernahmen. Bei Weisen und Thoren, Regenten und Priestern, Staatsmännern und Mönchen waren sie wirklich geheime Räthe; sie gehörten jederzeit zum geheimen Ausschusse des Staatsrathes, dessen Dekrete das Plenum blos mit Curialien versah -- und dem es Sekretariendienste erwies. -- Und wem ist hier ein _dirigirendes Weib_, wär' es selbst eine Maitresse, nicht lieber als Leithämmel von Kammerdienern, Hofzwergen, Heiducken u. s. w., die ohnehin nur Substistuten ihrer Weiber oder ihrer Liebchen sind? Nicht bloß mit dem klingenden Spiel und den fliegenden Fahnen ihres Witzes, nicht bloß durch den vermittelst der Ideen-Association verstärkten Vortrag wissen Weiber sich Eingang zu verschaffen; ihr zur Beurtheilung geschmeidiger Verstand vermag Alles -- Wie manchem Tyrannen von Minister, der mit den Thränen des Volkes sein Spiel, und mit Glück und Unglück der Menschen Handel trieb, der Alles drüber und drunter warf, wußten sie auf eine bessere Bahn zu lenken! Weiber halten den Faden, an dem die Cabinette geleitet werden: sie mischen die Karten, mit denen die Excellenzen spielen; und so wie neue Hindernisse neue unberechnete Kräfte erzeugen, so gelangten sie oft vermittelst ihrer Schwachheit zum höheren Grade der Stärke -- Ein sanfter gemäßigter Charakter ist dem andern Geschlecht eigen -- Die Natur verlieh ihm dazu große unverkennbare Anlagen, und nur bei wenig mehr philosophischem Nachdenken und Ausweichung der Verführung, würde das schöne Geschlecht uns eine gewisse edle unempfindliche Gleichgültigkeit gegen so Manches lehren, was uns jetzt so leicht außer uns setzt; und diese Gleichgültigkeit ist ohne allen Zweifel die Krone des diesseitigen Lebens. Hat die Natur nicht oft den _Correggio_ an der Schönheit und Sittsamkeit übertroffen, womit er seine Frauenzimmer ausstattete? Woher nehmen Mahler ihre Engelgesichter? und was ist der Sanftmuth unmöglich -- ob sie gleich sich zuweilen, auch rückwärts zum Ziele zu kommen, verbunden sieht? Welche scharfe Umrisse, welches lebendige Colorit geben die Weiber ihren Vorstellungen und den Charakteren, die sie darin verflechten! Gleich ihr erster Blick trifft das Ungewöhnliche bei jeder Sache, und da dies Ähnlichkeit mit dem Wunderbaren hat, an welchem die meisten Menschen so gern hangen bleiben -- ist es Wunder, wenn sie oft selbst auf das tägliche Brot ein solches Licht fallen lassen, daß es feierlich wird? ist es Wunder, wenn sie das ländliche Mahl zur Würde eines hohen Festes erheben? Höhere Deutlichkeit und stärkendes Licht mit mehr Vergrößerung zu vereinigen, ist das Ziel, das sie mit so wenig Mühe und Aufwand erreichen, ob es gleich so überschwenglich wirkt -- Das andere Geschlecht nimmt in der Regel _für_, das unsrige _wider_ sich ein. Jenes ist gut, bis das Gegentheil bewiesen ist; -- von uns heißt es: wir sind böse, bis man unser Gutes außer Zweifel gesetzt hat. Weiber haben einen _Vor_-, wir einen _Nach-_ Geschmack -- Jene Runzeln, die das Alter von der Weisheit, oder die Weisheit von dem Alter hat, schrecken weder ihren Witz noch ihren Verstand ab -- und nichts, weder Verstand, noch Schönheit, noch Vermögen, macht sie schüchtern -- Dem Verstande lauern sie sehr auf den Dienst, und finden bald zu ihrem Troste etwas an Lehr' und Leben der Herren Philosophen auszusetzen, worüber schwerlich etwas einzuwenden ist; und da sie geborne _Naturalisten_ (im natürlichen Sinne) sind -- wie leicht wird es ihnen, von _Artisten_ ein Federchen abzulesen! Weit eher als wir, haben sie Anlage, zu dem von Vorurtheilen und Aberglauben befreieten Gebrauche der Vernunft zu gelangen -- auf ein Haar wissen sie den gelahrten Weizen von der gelahrten Spreu zu unterscheiden -- und den Shakespearschen Ausdruck zu deuten: »er redet eine Menge Nichts -- zwei Weizenkörnlein versteckt er in zwei Bündlein Spreu.« Weiber sind dazu gemacht, den Philosophen, wenn er sich in den Spinneweben des Systems verlor, (wie ein bekannter Gelehrter sich in seinem eigenen Hause, das wohl gar ein Familienhaus und vom Großvater und Vater auf ihn gekommen war, verirrte) an Stell' und Ort zu bringen und zu orientiren; sie geben ihm, wie _Ariadne_, einen Faden in die Hand, und rufen Jedem zu, der Länge und Breite nicht unterscheidet, der das Ruder seiner selbst eingebüßt hat: _Vous êtes orfèvre, Monsieur Josse_! -- Der Geist jener Philosophie, die der Übermenschlichkeit nicht wohl will, hat schon lange auf ihnen geruhet -- Wer wußte es besser als sie, daß weder praktische noch theoretische Vernunft Überzeugungen, vom Daseyn intelligibler, unsinnlicher Gegenstände zu verschaffen im Stande ist, und daß wir uns in unvermeidliche Widersprüche verirren, wenn uns beide Vernunftarten unsinnliche Gegenstände feil halten. Weiber fühlen das Halbwahre von allem jenem, was so gern im Allgemeinen gesagt wird, und bestehen durchaus darauf, daß dergleichen Behauptungen individueller gemacht werden -- Sie handeln nach nahe liegenden Motiven -- Spieler, Schiffsleute und alle die durch Glücksfälle regiert werden, die Avantüriers nicht ausgenommen, sind zum Aberglauben geneigt -- ist es Wunder, daß die Weiber es weniger als wir sind? -- Die Schönheit bei einer Mannsperson gilt ihnen durchaus nichts; und wenn man den reichen Mann in Ehren hält, weil er, wenn er wollte, helfen könnte, so wissen sie wohl, daß er es nie wollen wird -- Ihre unbefangene Seele findet überall Weg und Steg; und wer nur ein fleischern Herz hat -- kann der ihrer Herzlichkeit widerstehen? Die Frau eines Lichthökers hatte kein Bedenken, an der armen Seele des _David Hume_ ihr Heil zu versuchen. _Hume_ konnte die Seelsorge, die sie für ihn hatte, nicht anders vom inneren Lichte abbringen, als daß er ihr versprach, sein äußeres Licht von ihr kaufen zu wollen. -- Vom Philosophen _Terraston_ sagte _Madame de Lassay_: nur ein Mann von Witz könne ein solcher Thor seyn; -- und wär' es historisch richtig, daß _Karl_ XII an den Senat geschrieben hätte: »ich will euch meinen Stiefel schicken, dem ihr gehorchen sollt;« so würden die Weiber der Herren Senatoren laut gelacht haben. -- Was doch kluge Weiber von dem weltberühmten Processe des Ehrenmannes _Hastings_ denken mögen, der für die Papiermüller allein schon so viele Sporteln abwirft! Nie konnten sie sich des Lachens oder des Weinens über die jetzt sanft und selig entschlafende Pariser Policei enthalten, welche weiland Farcen und unmenschliche Trauerspiele unter den Scheine der Wachsamkeit und Obhut aufführte -- Wie war es möglich, in, mit, und unter dieser elenden Policei sich Ausnahmen von der Wahrscheinlichkeit der menschlichen Wachsamkeit zu denken! »Hier sind wir alle entweder Fürsten oder Dichter,« sagte _Voltaire_, als er sich bei einem Fürsten zu Tische setzte; und das ist der eigentliche Ton eines Weibes -- Sie sind nicht für Gemähldeausstellungen, wo denn doch auch gegen Einen Kenner zehn Schuster sich einfinden, die über den Leisten gehen; sie wirken zwar im Stillen, doch wirken sie am liebsten ins Allgemeine, wie die Natur, ihre Schutzgöttin -- Oder kann man dies etwa nicht anders, als wenn man Kanzeln und Rednerstühle ersteigt? In der allgemeinen und sichtbaren Kirche giebt es Lehrerinnen, so wie Lehrer, ohne daß beide examinirt und ordinirt sind --