Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber

Part 11

Chapter 113,199 wordsPublic domain

Wir wollen also erndten und uns der Mühe überheben, zu pflanzen? Auf welche Art werden wir uns von der Tragbarkeit des Bodens versichern, wenn wir ihn nicht anbauen? Hat denn nicht bis itzt jeder Boden dieser Art den auf ihn verwendeten Fleiß gelohnt? und dürfen wir hier einen andern Erfolg befürchten, wenn wir es unserer Trägheit nur abgewinnen können, einen ernstlichen Versuch anzustellen? In Alles was die Natur hervorbrachte, legte sie Keime, die nur einer Veranlassung bedürfen, um entwickelt zu werden. Würden nicht die Weiber jedem bürgerlichen Stande, zu welchem man ihnen Zutritt vergönnte, Ehre machen? Und welches bürgerliche Geschäft könnte, so lange sie durch ihre besondere Geschlechtsbestimmung nicht daran behindert würden, unter ihren wohlwollenden Händen sich schlechter befinden? Müßte das Ganze wegen des Wetteifers, der zwischen beiden Geschlechtern entstehen würde, nicht unendlich gewinnen? Nicht die Nymphe _Egeria_, welche _Numa_ selbst, nicht _Pythia_, welche die Helden des Alterthums um Rath fragten, wenn sie Gesetze geben, wenn sie Länder erobern wollten, nicht die _Aspasien_ und _Phrynen_, zu denen ein _Perikles_, ein _Sokrates_ in die Schule ging, um Weisheit und Regierungskunst zu lernen -- sollen sich hier der Beispiellehrstühle bemächtigen. Jene hat die Fabel in ein ätherisches Gewand gehüllt und sie unserm Auge zu weit entrückt, als daß wir sie noch ferner dem Geschlechte zum Vortheil anrechnen könnten, ob sie gleich seinen Namen führen und keine Fabel ohne Wahrheits-Ingredienz anfängt und vorhanden ist -- So hieß der Grosoncle eines von den weltberühmten Lügnern neuerer Zeit, _Josephs Balsamo_, der sich _Graf Cagliostro_ nannte: _Cagliostro_ -- Lauter Lügen halten so wenig zusammen, daß nie etwas Vernünftiges, etwas Ganzes herausgebracht werden kann -- Will man den poëtischen Tugenden jener weiblichen Heldennamen keine Glorie und keinen Ehrenschein einräumen -- immerhin! wir haben auch prosaische Beispiele, um außer Zweifel zu setzen, daß, ungeachtet das weibliche Geschlecht (wenn gleich nicht durch ein förmliches Gesetz, so doch durch ein stillschweigendes Übereinkommen, welches oft noch grausamer und drückender ist) von der Stoa, der Akademie und dem Prytaneum entfernt gehalten wurde; ungeachtet man den Weibern die Schulen des Unterrichtes und der Weisheit verschloß, sie dennoch Gelehrte und Weise unter sich aufweisen können, die ihre Namen durch Thaten und Schriften unsterblich gemacht haben. Es würde nicht schwer fallen, in vielen Fächern des weitläuftigen Gebiets menschlichen Wissens und menschlicher Kunst weibliche Namen aufzufinden, die sich einen Anspruch auf Achtung und Ruhm erwarben. Schon erwies ich einigen in so weit Gerechtigkeit, als sie sich durch große Eigenschaften auszeichneten. Wohlan! die Geschichte mag auftreten, und uns bezeugen, welchen wichtigen Antheil das weibliche Geschlecht an der Ausbreitung der christlichen Religion nahm, und wie groß in dieser Rücksicht sein Verdienst um Sittlichkeit und Aufklärung ist! Der Stifter dieser wohlthätigen, die Rechte der Menschheit vertretenden und menschenfreundlichen Religion (die sich so himmelweit von jenen _heidnischen Culten_ unterscheidet, welche über die Götter die Menschen vergaßen, und eben so von den _Jüdischen_, die den Menschen durch äußeren Zwang allmählich zum Geiste der Tugend gewöhnen wollten, aber das Volk, bei der besten Absicht seines Heerführers _Moses_, in der Wüste der Heuchelei und der Äußerlichkeit ließen, ohne daß es je das moralische Kleinod erreichte, wozu diese Umwege es anlegten) unterrichtete die _Schwester seines Freundes Lazarus_, und gab der _Maria_ vor der bloß häuslichen _Martha_ den Vorzug: _Maria hat das beste Theil erwählt, das nicht von ihr genommen werden soll_. Die Geschichte der Apostel gedenkt einer frommen _Tabea_, die sich nicht nur durch ihren Wandel unter den Neubekehrten auszeichnete, sondern auch thätigen Antheil an der Ausbreitung der Lehre nahm, die sie angenommen hatte. Nennet die Kirchengeschichte nicht eine Menge von Weibern, die mit Heldenmuth ihren Glauben bekannten, und sich weder durch Martern noch Verheißungen in ihrem Bekenntnisse wankend machen ließen? die bei dem Verzicht auf alle Hoheit, auf Ehre und Überfluß, unter Verachtung, Hohn, Mangel und Verfolgung ihrer Überzeugung mit unerschütterlicher Standhaftigkeit anhingen? Der Stifter der christlichen Religion bewundert so oft das gläubige Zutrauen des andern Geschlechtes zu seiner Lehre, und hat dasselbe so wenig von der Theilnahme an den Vorzügen der vernünftigen lauteren Milch seines Unterrichtes ausgeschlossen, daß er es vielmehr mit auf die Erhebung desselben und auf Befreiung von den Ketten, die es trug, angelegt zu haben scheint. Und in der That, wenn diese Religion in ihrer reitzenden kindlichen Gestalt erscheinen will -- zeigt sie sich nicht in Kindern und ihren Pflegerinnen, den Weibern? Weibliche Herzen sind, wenn ich so reden darf, mit den Lehren dieser Religion gleichsam amalgamirt; denn in Wahrheit, die höchste Stufe der Menschheit ist nicht speculirende Vernunft, nicht Philosophie allein, sondern ein gewisses Etwas, das, wenn es Regierungskunst heißt, eine Kunst ist, der die Natur selbst sich unbedenklich unterwirft -- Ein kühler Trunk kann Lebensgeister zu der Wohnung, die sie fast schon verlassen hatten, zurückrufen, kann aber auch ein Gift für den erhitzten Wanderer werden: Das Schwert, das uns beschützt, wird leicht unser Mordgewehr. Die gebildete Freiheit, die sich so sehr von der unregelmäßigen und von dem höchsten Grade derselben, der Zügellosigkeit, unterscheidet, könnte _christliche Freiheit_ heißen. Und ihre Schule? -- ist die Schule der Weiber. -- Wenn Männer mit Verzichtleistung auf ihre Stärke, die so leicht in Leidenschaft ausartet, eigentliche Christen werden, und Selbstrache, Blutvergießen, alle Machtsprüche und Machtbeweise aufopfern sollen; so wähnen sie, daß sie bei diesen christlichen Tugenden ihr Geschlecht einbüßen -- Es ist schwer Gutes zu wollen und zu thun, wenn das so leicht auszuführende Böse noch obendrein Ehre bringt -- Ich mag diesem Gegenstande wohlbedächtig nicht näher treten -- -- --

Überall wo Genieflug und Kunstfleiß der Menschen hinreicht, treffen wir Weibernamen an, die um den Preis ringen. Es sind nicht Weiber, die auf einem ganz entgegen gesetzten Wege ihre Eitelkeit zu befriedigen suchten, weil sie auf dem geschlechtsüblichen nicht fortkamen; sondern solche, die, von ihrem Geiste getrieben, jene Kräfte anlegten, welche die Natur ihrem Geschlechte so reichlich und täglich gespendet hat. Welch eine ehrenvolle Stelle nimmt _Anna Comnena_ unter den Byzantinischen Geschichtschreibern ein! Die _große Tochter Heinrichs des Achten_, die England nicht durch das Parlament regierte, sondern deren Wink für dieses, Staatsgesetz war, vor der es die Knie beugte, die, wenn sie gleich nicht den stolzen _Philipp_ so doch seine unüberwindliche Flotte überwand, hat eine ihr würdige Geschichtschreiberin an der _Keraglio_ gefunden. In den Jahrhunderten der Unwissenheit, wo tiefe Mitternacht die Völker Europens von einem Ende bis zum andern bedeckte, wo alle Sehnen des Geistes völlig abgespannt waren, versuchte es die Nonne _Roswitha_, das heilige Feuer der Gelehrsamkeit wieder anzuzünden. _Die Dacier_ und _die Reiske_ thaten sich durch Sprachkenntnisse hervor; und wie viele machten sich nicht in England, Frankreich und Deutschland durch Schriftstellertalente berühmt? Wem sind die Namen einer _Macaulay_, einer _Genlis_, einer _Sevigné_, einer _la Roche_ unbekannt?

_Weiber entdeckten nichts, erfanden nichts. Es gab unter ihnen keinen Newton -- keinen_ -- -- --

Und warum? war es nicht ein Ungefähr, das von Anbeginn unter Menschen Erfindungen zu Stande brachte? Schien nicht die Natur bei allen menschlichen Erfindungen sich den Haupttheil zu reserviren? legte _sie_ nicht dies beste Brot vor das Fenster? Wurden jene Entdeckungen und Erfindungen nicht den Erfindern und Entdeckern in die Hand gespielt? Lag es an Weibern oder an der ihnen verweigerten Gelegenheit, wenn sie hier zurückblieben? -- Man räume ihnen Kanzeln und Lehrstühle ein, und es wird sich zeigen, ob sie (der schuldigen Achtung für _Paulus_ unbeschadet, welcher nicht will, daß die Weiber in der Gemeine sich sollen hören lassen) nicht eben so gut unsere Überzeugung zu gewinnen wissen. Ohne allen Zweifel werden sie sich einen noch leichteren Zugang zu unserm Herzen bahnen. Schon sind uns hier die Quäker mit ihrem Beispiele vorgegangen. Die Predigten der Weiber würden sich zu den Predigten vieler unserer Seelenwächter sehr oft verhalten, wie die von _Bourdaloue_ zu denen von einem Stümper seiner Zeit: Wenn dieser predigte, ward _gestohlen_; wenn jener auftrat, ward _wiedergegeben_. So wie es bei Körpern eine Ansteckung giebt, so auch bei Gemüthern und Seelen; und wenn es allgemein nicht unrichtig ist, daß schon in den _Augen_ Tod und Leben liegt, und daß gewisse Leute vermittelst derselben beides, tödten und lebendig machen, können: so ist dies besonders der Vorzug der Weiber -- Die ganze Zauberei scheint sich aus den Augen herzuschreiben -- Auge und Athem sind die Seelenvocale der Liebe und des Hasses; und wer versteht die Augensprache besser als die Weiber? Sie können vermittelst derselben lange Reden im Zusammenhange halten; und wer ist, der von dieser Beredsamkeit nicht ein Zeugniß abzulegen im Stande wäre? -- Sind es aber bloß die Augen, die bei den Weibern reden? Das ganze Leben der Weiber bestehet mehr im Reden als im Handeln: ihre Reden sind gemeiniglich Handlungen; und wenn wir einen Mann verachten, dessen Leben eher ein Lexikon als eine Geschichte vorstellt, so ist dies nicht der Fall bei dem schönen Geschlechte, das gewaltiglich spricht -- Das Leben eines Weibes würde ein Conversations-Gemählde seyn -- wie bewunderungswerth ist es, selbst in anscheinend unwichtigen, oder so genannten Nebenfällen! Was Weiber _sagen_, fließt oft weit mehr aus ihrem Herzen, als das, was Männer _thun_; und so haben ihre Reden für den denkenden und empfindenden Menschen auch oft mehr Interesse, als viele Handlungen der Männer. Durch Reden kann man, wenn ich mich so ausdrücken darf, seinem Gedankengemählde ein gewisses Colorit mittheilen; und wie viele Nüancen giebt es hier, wenn man bloß bei seinem Herzen Unterricht nimmt! Man sollte fürchten, daß Weiber, an Toiletten gewöhnt, ihre Gedanken und Empfindungen an diesem Altar durch Putz verderben würden. Nein! diese Seelen-Toiletten überlassen sie gern unserm Geschlechte -- Selbst wenn viele unter ihnen von Amts- und Geschlechtswegen Musterkarten des modischen Putzes und der gäng' und geben Hofeitelkeit werden müssen, verändert ihr Ausdruck nicht seine Natur; Milch und Honig bleibt ihre Rede. -- -- Heißt Genie Weisheit? Wörterkram und Sophisterei Vernunft? Alles was nicht auf gesunden Menschenverstand und moralische Religion berechnet werden kann, ist nicht wahre Weisheit und ächte Vernunft. Falsche Perlen und Glanzgold, womit Weiber ihren Körper schmücken, überlassen sie in Hinsicht des Geistes den Männern -- Die tiefste Wahrheit kann in eine Volks-Idee gekleidet werden, und eine Wahrheit, die kein _Sokrates_ in das gemeine Leben bringen kann, ist nicht viel mehr als Sophisterei, womit man seinen Kopf nicht verderben und sein Herz nicht verfälschen sollte -- Weiber sind geborne _Protestantinnen_, und haben die Religion der Freiheit, die Anweisung Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Bei dem systematischen Gerüste der Religionslehren finden sie kein Interesse, und schwerlich werden sie je durch Doktorhüte in der Gottesgelahrtheit gereitzt werden. Sie legen es nicht darauf an, Gottes Existenz zu erweisen; vielmehr sind sie dem Neumonde von Philosophie anverwandt und zugethan, der den unerweislichen Gott für ein Postulatum der Vernunft erklärt, weil er zu unserer Glückseligkeit nothwendig ist. »Wer gewisse Dinge erweisen will,« sagte _Frau v._ **, »zweifelt entweder selbst, oder will den Zweifeln Anderer mit Höflichkeit zuvorkommen.« Ein theures wahres Wort --! Das Minimum von Glauben, ein Glaubens-Senfkorn, und die Vorstellung von der Möglichkeit der Existenz Gottes, ist hinreichend, um _Alles_ aus uns zu machen, was aus uns gemacht werden kann, und unsere Tugend menschenmöglichst untadelhaft und rein darzustellen in der Liebe -- Der Zweifel anderer, besonders in gutem Geruch stehender, kluger Männer verwickelt oft wider Denken und Vermuthen (könnte man nicht sagen: wider Verstand und Willen?) in Zweifel -- Weiber haben Gott _im Herzen_; und da sie wohl wissen, daß wegen der zweckvollen Einrichtungen der Natur die Grundursache als verständig gedacht werden muß: so kümmert es sie nicht, wie viel oder wie wenig die speculative Vernunft zu diesem Glauben beitrage. Der moralische Beweisgrund (er verdiene den Ehrennamen _Beweis_ oder nicht) wirkt in ihnen einen lebendigen Glauben. Wie viele haben Gottes Existenz tapfer demonstrirt und durch ihr Leben diese Demonstration noch tapferer widerlegt! -- Seinen Willen thun, bleibt der beste Beweis, daß er sey. Das größte Problem ist, den Menschen den _Willen_ beizulegen; an _Einsicht_ fehlt es ihnen weniger. _Franklin_, ein Mann, deßgleichen weder das Griechische noch das Römische Alterthum aufzuweisen hat, sagte: »Gäbe es einen Gottesleugner, er würde sich beim Anblick, von _Philadelphia_, einer so wohleingerichteten Stadt, bekehren;« und die Erde, _diese große Stadt Philadelphia_, sollte so viel nicht über den Gottesleugner vermögen, so bald er aufhört, Alles nach seiner, eigenen kleinen Elle zu messen? Nicht auf unsere Meinungen, sondern auf das kommt es am Ende an, was diese Meinungen aus uns machten. -- -- Das Glück der Unschuld, die Würde der Natur, der Drang nach Freiheit, die Freude eines stillen Lebens, der hohe Werth der Kunst sich in sein Schicksal zu finden, sind Hauptgegenstände der Weiber. Wie man aus dem Umgange den Menschen kennt, so bestimmen seine Lieblingsgegenstände seinen Verstand und seinen Willen -- Jene Verschiedenheiten des Ausdrucks, jenes Zurückhalten, ist bei Weibern nicht wie bei uns Heuchelei; um Alles würden sie gewisse Dinge nicht sagen, einer gewissen sittlichen Reinheit der Sprache nicht ungetreu werden, und in plumpe Zweideutigkeiten und Zoten fallen, wenn auch diese Sittsamkeit und Enthaltung weniger Reitze hätte. Die Keuschheit des Körpers ist mit der Keuschheit der Seele und der Sprache in genauer Verbindung -- Weiber kennen so wenig die Regeln als die Gränzen der Sprache, überschreiten die ersteren, und erweitern die letzteren -- Wie manche glückliche Bereicherung hat die Sprache ihnen mittelbar und unmittelbar zu danken! Das Mittelmäßige kann im Geschlechte gar nicht aufkommen; was sich unterscheidet, ist vorzüglich -- Sie reden zwar noch, wenn sie schweigen; keiner ihrer Blicke ist sprachlos; ihre unarticulirten Ausdrücke der Leidenschaften, wodurch Menschen tief in das Herz der Menschen dringen, sind unüberwindlich --: allein, wer ist beredter als sie, wenn sie wirklich sprechen! -- Jene sprachlose Beredsamkeit kann weiter Niemand als sie auf Worte bringen und übersetzen. Männer sagen oft nichts, wenn sie zu viel sagen, so wie man nichts beweiset, wenn man zu viel bewiesen hat. In den Worten der Weiber, auch wenn sie überfließen, liegt Absicht, Gewicht und Nachdruck. Auge und Sprache sind Ein Herz und Eine Seele, und Weiber haben nicht nur in ihrem Blick, in ihrem Auge und auf ihrer Zunge Hölle und Himmel, Leben und Tod, Wohl und Wehe; sondern selbst ihr Hören ist von der äußersten Bedeutung -- Sie hören anders als wir; und wer kann den Einfluß leugnen, den das Gehör auf unsere Rede behauptet? -- Ich kenne einen schwer beamteten vornehmen Mann, der in dem Rufe steht, daß er alle Menschen höre; auch hört er wirklich Alles, was sich in seinem Vorzimmer hören lassen will: und doch klagt alle Welt, daß er nicht höre; -- entweder ist er zerstreuet oder unfähig zu verstehen. Es giebt eine moralische Taubheit bei dem besten physischen Gehör -- Man kann gütig und gerecht, unfreundlich und zuvorkommend hören -- Der schüchterne bescheidene Jüngling zieht aus dem geneigten Gehör seines Beschützers Muth und Leben, und man kann abhören, anhören, aufhören, aushören und beim Hören in eine Art von Horchen fallen, welches durch das Ohrenspitzen in Verlegenheit, wo nicht gar in Verwirrung, setzt -- Weiber sind Meisterinnen in der Kunst zu hören, Original-Hörerinnen, und ich weiß nicht, ob sie im Hören oder im Sprechen stärker sind. Es ist leichter, mit dem Publico, als mit dem Cirkel fertig zu werden, worin man lebt, wenn dieser Cirkel aus witzigen Weibern besteht; und nicht der Männer, sondern der Weiber halben bleib' ich anonymisch, so sehr auch meine Schrift den Weibern das Wort zu reden scheint. --

Die Weiber sind viel zu sehr Kenner des menschlichen Herzens, als daß sie nicht wissen sollten, auch die verborgensten Falten desselben auszuspähen, Leidenschaften zu erregen oder dem Ausbruche derselben zuvorzukommen. Wer weiß mehr als sie, ihre Wuth zu besänftigen, je nachdem es ihre Absichten erfordern! und gewiß würde es ihnen auf dieser Bahn besser glücken, als den berühmtesten Demagogen. _Rom_ würde vielleicht bald nach seiner Entstehung wieder in sein voriges Nichts zurückgefallen seyn, wenn die neuen Römerinnen sich nicht ihrer Räuber angenommen, und die entrüsteten Sabiner beruhigt hätten. Was wär' aus _Coriolan's_ Vaterstadt geworden, wenn die Mutter den Sohn nicht besänftigte? Ohne den Römischen Stolz und die edle Aufforderung eines Weibes (_Margarethe Herlobig_) wäre der Schweizerbund vielleicht nie zu Stande gekommen -- Die Überredungsgabe eines Weibes übertrifft Alles, was Kunst je geleistet hat. Und ihre Lehrmethode? In Wahrheit, Weiber sind äußerst lehrreich: sie sind so große Lehrerinnen, als Erzieherinnen. Wer Weiber bloß auf Gefühle und Empfindungen reducirt, kennt weder Gefühle, noch Empfindungen, noch die Weiber. Oder wie? lehrt das Herz etwa den Kopf? verleihet das Gefühlsvermögen dem Erkenntnißvermögen evidente Gefühle zum Vergleichen und zum Entscheiden? Stammt das moralische Gefühl, wenn es anders ein wirkliches Etwas seyn soll, nicht aus der Vernunft? Muß nicht der Kopf dem Herzen Grundsätze so eigen machen, daß es die Achtung für das Gesetz als Gewohnheit, als Gefühl ansieht? -- Das Herz, unbelehrt von der Vernunft, kann wenig oder nichts ausrichten; es muß geistisch gerichtet seyn -- Wenn der Philosoph, der Wortführer der Vernunft, nicht wäre; was würde der Dichter, der sich nach dem Haufen richten und selbst zu Volksunarten sich herablassen muß, Gutes stiften? Der Dichter muß seine Weihe im Tempel der Vernunft erhalten und die süßesten Gefühle an Grundsätze knüpfen, wenn er unsterblich seyn will. Weiber verstehen jene Chemie, die man die höhere nennen könnte, Grundsätze in Gefühle aufzulösen, und das, was der theoretische Hexenmeister der Philosophie in schweren Worten ausdrückt, zur Leichtigkeit einer Gewohnheit zu bringen -- Weiber haben Sitten, Männer Manieren: diese werden durch Erziehung erworben, durch Nachahmung erlernt, durch Umgang mitgetheilt; jene hangen von Herz und Vernunft ab. Man sagt: Weiber wären kärglicher in ihren Wohlthaten, und an sich und von Natur geitzig. Nicht also; ihre Neigungen des Wohlwollens entstehen aus Grundsätzen, nicht aber aus dem vorübergehenden Rausche des Mitleidens, wie es sehr oft bei uns der Fall ist. Seht! wie schön wissen sie selbst bei angestammter Etiquette, bei den patentisirten Manieren noch zu modificiren! Auch sogar bei der Liebe halten sie sich nicht an das Formular und an die Agende.-- Wir haben unsern _Kubach_, und alles ist in _bekannter Melodie_ -- Von Weibern könnte man sogar sagen: _sie lieben insgesammt, doch jede liebet anders_. -- Zur Hoffnung haben sie eine außerordentliche Anlage; überall wollen sie Aussicht: ein Garten, der sie ihnen raubt, ist ihnen ein Gefängniß -- Die gnädige Frau ist in guter Hoffnung, heißt: sie wird bald Mutter werden --. Wir wollen alles fröhlich um uns haben, wenn _wir_ es sind, und legen diese Fröhlichkeit unserm Cirkel so nahe, daß, er mag wollen oder nicht, er einstimmen muß -- Weiber machen Alles fröhlich, wenn sie es sind. Alle ihre Feste sind Erndtefeste, Laubhüttentage, welche die Natur geheiligt hat; bei den unsrigen werden Kanonen gelös't -- sie können sich ohne Tafelmusik behelfen. (Der leibliche, geistliche und ewige Tod aller Unterhaltung.) An Gott denken, heißt ihnen Andacht; -- an sich denken, heißt ihnen sterben lernen, und philosophiren sich verlieben; und wer so denkt der denkt wohl! -- wer so handelt, ist nicht auf unrichtiger Bahn --

Sprachen sieht man nicht ohne Grund als den Schlüssel zu dem Magazin aller Kenntnisse und alles Wissens an, und eine jede Sprache, die wir erlernen, ist ein Schatz des Wissens, den wir fanden. Sprachen zu lehren, wird ein besonderes Talent erfordert, welches seltener das Theil und Erbe der Männer, als der Weiber, ist. Unsere zeitherige Schulmethode Sprachen zu lehren, ist gewiß nicht von Weibern erfunden; denn kaum würden diese mit der Grammatik den Anfang gemacht haben. Seht da den Lehrer, der es sich Lastträgermühe kosten läßt, Kindern begreiflich zu machen, warum der Römer die Wörter in seiner Sprache so und nicht anders auf einander folgen ließ! seht da den Schüler, der etwas begreifen soll, das schlechterdings unbegreiflich ist, so lange er nicht weiß, wie die Römer ihre Sprache redeten oder schrieben. Bleibt die Kunst eine Sprache sprechen zu lehren, nicht vorzüglich den Weibern eigen? und sollte ihnen nicht der Sprachunterricht ausschließlich überlassen werden? Gedächtniß, Einbildungskraft, und ein gewisser Geist für das Detail scheinen, wenigstens so lange sie wie jetzt sind, vorzüglich ihr Eigenthum zu seyn. Giebt es viele Beispiele, daß man bei einem Sprachmeister die Französische Sprache mit Fertigkeit sprechen lernte? Wer nicht ihretwegen eine Reise nach Frankreich that, lernte sie von Mutter oder Gouvernantin. Kaum hat der Mann angefangen, Materialien zu begreifen und anzufassen, so will er schon zusammen setzen, generalisiren, Capitalien machen; -- allmählich zu sammeln, dauert ihm zu lange. --