Türkische Märchen

Part 11

Chapter 113,973 wordsPublic domain

Das Mädchen stand auf, ging zu der beschriebenen Quelle, stieg auf den Stein und wartete. Nach einiger Zeit kommt aus dem Palast eine Sklavin mit schön gearbeiteten Holzschuhen und zwei Wasserbehältern in ihren Händen, um Wasser zu holen. Als das Mädchen die Sklavin sieht, sagt sie: „Ach, Schwester, Bachtijars wegen nehmt mich auf, ich werde gebären.“ Die Sklavin ging ins Schloß und erzählte es der Königin. Die sagte: „Ach, meine Tochter, die Dame kennt meinen Sohn Bachtijar und hat auch bei ihm geschworen, sofort bringe sie her.“ Die Sklavin ging wieder zu dem Mädchen und sagte: „Ach, Schwester, ich habe es der Herrin gesagt. Sie will dich sehen. Komm, wir wollen gehen.“ Sie gehen in das Schloß, steigen die Treppen hinauf und das Mädchen geht zu der Königin. Das Zimmer ihres Sohnes Bachtijar war leer. Sie bringt das Mädchen ordentlich in dem Zimmer unter. Dort kommt sie nieder und bringt einen allerliebsten Jungen zur Welt. Um Mitternacht kommt der Jüngling und sagt: „Meine Prinzessin, mein Sohn soll Havbetjar heißen.“ Dann geht er wieder. In der zweiten Nacht legt die Schwester des Jünglings das Kind in die Wiege. Als sie es zum Schlafen gebracht hat, kommt der Jüngling und fragt: „Meine Prinzessin, was macht mein Havbetjar?“ Das Mädchen antwortete: „Deine Schwester wiegt ihn, er schläft, mein Bachtijar.“ Nun hörte der Jüngling seine Schwester von innen und geht weg. Am nächsten Morgen geht die Schwester hin und erzählt der Mutter und der älteren Schwester alles. Die Mutter sagt: „Ach, mein Sohn ist mir seit seiner frühsten Kindheit genommen. Das Mädchen, das wir aufgenommen haben, ist in sein Zimmer gekommen, und sie pflegen dort der Liebe. Aber morgen in der Nacht werde ich kommen und das Kind wiegen.“ In der zweiten Nacht kommt die älteste Schwester des Jünglings ins Zimmer und wiegt das Kind. Als das Mädchen hinausgegangen ist, kommt der Jüngling und sagt: „Meine Prinzessin, was macht mein Havbetjar?“ Das Mädchen sagt zu Bachtijar: „Deine ältere Schwester wiegt es, es schläft.“ Die ältere Schwester des Jünglings hatte von innen gelauscht. Dann geht der Jüngling. Am Morgen geht sie in das Zimmer des Mädchens und ist sehr freundlich mit ihr. An der Decke des Zimmers nagelten sie einen schwarzen Stoff, aus einem Stück, und ließen darauf aus ausgestreuter Bronze dreieckige Sterne machen. Um Mitternacht kam der Jüngling und sagte: „Meine Prinzessin, was macht mein Havbetjar?“ Das Mädchen sagte: „Deine Mutter wiegt ihn, er schläft, mein Bachtijar.“ Sogleich kommt seine Mutter aus dem Zimmer, umarmt den Sohn und nimmt ihn hinein. Der Jüngling sagt: „Mutter, ich will nun wieder an meinen Platz gehen. Wenn der Vogel sieht, daß ich hierhergegangen bin, tötet er mich.“ Die Mutter sagte: „Mein Sohn, es ist noch früh. Sieh, die Sterne stehen noch.“ Der Jüngling hielt das für wahr und sie setzten sich mit der Mutter hin. Am Morgen kommt der Vogel, schlägt ans Fenster und sagt: „Heh, mein Bachtijar, die Mauer, die ich berührt habe, soll einfallen.“ Kaum sagt er das, da fällt die Mauer mit Krachen ein. Der Vogel sagt wieder: „Die Zweige, auf denen ich sitze, sollen vertrocknen.“ Da trocknet der Baum ein und seine Blätter fallen ab. Während der Vogel so aus Wut immer weiter sprach, zerplatzte er.

Da sagte der Jüngling: „Gott sei Dank, der Vogel ist tot und ich bin gerettet.“ Die Mutter umarmte ihren Sohn und küßte ihn auf die Augen und verheiratete dies Mädchen mit ihm. Vierzig Tage und vierzig Nächte dauerten die Hochzeitsfestlichkeiten. In der Nacht auf den einundvierzigsten Tag führte man Bachtijar in das Brautgemach. Dort vergnügten sich die beiden.

Nach einigen Monaten ging Bachtijar in das Kaffeehaus der Stadt und setzte sich dorthin. Die mögen nun dort sitzen. Wir wollen uns zum Prinzen wenden.

Als er von seiner Reise heimkehrte, ging er zu seiner Mutter, küßte ihr die Hand und fragte sie nach ihrem Befinden. Danach sagte sie: „Mein Sohn, du hattest einen Brief geschrieben, wir sollten dem Mädchen Arme und Beine brechen. Als das Mädchen das hörte, kam sie zu mir und sagte: ‚Mutter, bevor du mir Hände und Beine brichst, will ich gehen‘, verließ das Schloß und ging in die Berge. Ist es nicht schade um das Mädchen? Warum hast du das getan?“

Als der Prinz das hörte, sagte er: „Aber Mutter, ich habe derartiges nicht geschrieben. Da ist sicherlich eine Feindseligkeit im Spiele. Danach soll mir nun der Aufenthalt hier verwehrt bleiben.“

Dann ging er weinend weg in die Berge, um das Mädchen zu suchen. Schließlich kam er in das Land Bachtijars und kehrte am Abend in das Kaffeehaus der Stadt ein. Er grüßte und setzte sich. Nun war auch gerade Bachtijar in dem Kaffeehause. Als der Prinz den Leuten dort diese Angelegenheit erzählte, vernahm Bachtijar die Sache. Sofort ging er zu dem Prinzen und fing an ihn genau auszufragen. Nach einiger Zeit verstand er alles. Er sagte: „Mein Prinz, besuchen Sie mich. Wir wollen eine Schale Suppe miteinander trinken.“ Der Prinz sagte: „Komm, wollen gehen.“ Sofort verließen sie das Kaffeehaus, gingen in den Palast und blieben in einem Zimmer. Nachher aßen sie die Mahlzeit und nachdem sie es sich bequem gemacht hatten, erzählte Bachtijar dem Prinzen die Sache von Anfang bis zu Ende. Dann ging Bachtijar aus dem Zimmer und sagte zu dem Mädchen: „Meine Prinzessin, der eben Angekommene ist dein erster Mann. Ich werde hineingehen und mich hinsetzen. Du überlege es dir, komme durch die Türe herein und gehe zu dem, den du von uns beiden willst, und setze dich da hin. Aber wisse, wenn du weggehst, werde ich dir das Kind nicht geben sondern hier behalten.“ Da trat er ein und setzte sich auf das Polster. Sie sah durch den Spalt der Türe. Als sie den Prinzen sah, trat sie ein, ging sofort zu dem Prinzen und setzte sich neben ihn. Als Bachtijar dies sah, sagte er: „Gott möge seinen Segen geben, mein Prinz“, blieb nicht mehr länger im Zimmer und ging hinaus.

Der Prinz blieb die Nacht dort, am Morgen nahm er das Mädchen mit sich und brachte es ins Schloß. Das Mädchen erzählte die ganze Sache dem Prinzen. Dann wurde in der Nacht von neuem die Ehe geschlossen. Vierzig Tage und vierzig Nächte dauerten die Hochzeitsfestlichkeiten. In der Nacht auf den einundvierzigsten Tag trat er in das Hochzeitsgemach und die beiden Verliebten erreichten ihr Verlangen. Die Geschichte ist damit nun auch aus und damit Schluß.

15. DER DANKBARE FUCHS

Einst lebte ein Müller, der eine große Liebhaberei für Hühner hatte. Er hielt sich drei bis fünf Hühner. Ein Fuchs kommt und frißt sie auf. Ein paar Tage sah er sich das an, dann grub er eine Grube und setzte die Hühner dort hinein. Der Fuchs kommt, sieht, daß die Hühner in der Grube sind, springt hinein, sieht sich um, kann aber die Hühner nicht fressen. — Wenn er sie gefressen hätte, würde er von dem Müller Prügel bekommen haben.

Am Morgen kommt der Müller und sieht die Geschichte. Der Fuchs sagt in der Grube: „Ach, schlage mich nicht. Ich werde dir eine Wohltat tun, fasse mich an der Hand.“ Der sagt: „Du Verfluchter, du hast mir meine Hühner aufgefressen. Was für eine Wohltat solltest du mir wohl erweisen?“ Er sagt: „Ach, fasse mich nur an. Ich werde dir wirklich eine große Wohltat erweisen.“ Da faßt er den Fuchs an der Hand und zieht ihn heraus. Sie gehen beide zur Mühle. Der Fuchs sagte zum Müller: „Du, setze dich hier hin und gib mir fünf bis zehn Medschidije.“ [23] Der gab ihm die fünf bis zehn Medschidije. Der Fuchs nahm sie und ging zum Schloß des Padischahs von Indien. Als er angekommen ist, klopft er an die Tür. Der Diener kommt heraus.

Der Fuchs sagt: „Der Staubpadischah läßt grüßen. Wollt Ihr Euer Maß zum Medschidijemessen ihm geben? Unser Staubpadischah wird die Medschidije messen und ich werde es wieder bringen.“ Dann nimmt er das Medschidijemaß und macht sich auf den Weg. Drei bis fünf Tage verweilt er irgendwo, dann geht er wieder zum Schloß des Padischahs von Indien, legt die Medschidije in das Maß und übergibt es mit den Worten: „Da habt ihr euer Maß!“ Man fragt: „Was sollen diese Medschidije?“ Er antwortet: „Davon hat er bergeweise. Komm nur und sieh sie dir an. Es macht nichts.“ Er gab das Maß mit den Medschidije dem Padischah von Indien, kehrte um, und kam wieder zum Müller.

Einen Tag verweilte er, am zweiten Tage sagte er: „Gib mir fünf bis zehn Goldpfunde!“ Der Müller sagte: „Du willst mich wohl bankrott machen? Mach, daß du weg kommst. Ich gebe dir nicht die Pfunde.“ Der Fuchs sagte: „Aber, Staubpadischah, überlege dir doch, was ich dir für eine Wohltat erweisen werde. Geh, sei nicht so, gib mir die fünf bis zehn Pfunde.“ Der gab unwillig die fünf bis zehn Pfunde. Der Fuchs nahm sie und ging wieder zum Schloß des Padischahs von Indien und klopfte an. Die Diener kamen heraus. Er sagte: „Gebt mir euer Maß zum Pfundemessen. Unser Herr Staubpadischah will Pfunde messen. Gebt das Maß; ich bringe es gleich wieder.“ Er nahm das Pfundmaß und ging weg. Unterwegs verweilte er irgendwo drei bis fünf Tage, dann lief er wieder zu dem Schloß des Padischahs von Indien und klopfte an die Tür. Der Diener kam heraus. Der Fuchs hatte die Pfunde hineingelegt und übergab es so. Die Diener sagten: „Was sollen diese Pfunde?“ Er antwortete: „Davon hat er haufenweise wie auf einer Tenne.“ Dann kehrt er wieder zum Müller zurück. Der fragt: „Wo sind meine Medschidije und Pfunde, die ich dir gegeben habe?“ Der Fuchs antwortet: „Warte nur! Die Schärfe des Rettigs kommt erst nachher zum Vorschein.“ Dann erbittet er sich zehn Tage Urlaub und geht in die Stadt. Der Fuchs läßt die Ausrufer ausrufen: „Jeder soll sich bereit halten! Wir wollen zur Tochter des Padischahs von Indien gehen, um Scherbet zu trinken.“ Der Ausrufer ruft aus: „Am dritten Tage soll jeder da und da hin gehen!“ Am dritten Tage machen sie sich zu Fuß auf den Weg und tun so, als ob Fünfhunderttausend auf Pferden und Maultieren hinter ihnen wären. Der Fuchs vor ihnen als Oberherold — der Fuchs ist natürlich nun schon Herold geworden. — Der Fuchs führt sie drei bis fünf Tage. Er kommt in einen großen Morast. Ein Regenguß kam und ertränkte viele Menschen in dem Sumpf. Er selbst eilt vor und kommt zum Padischah von Indien und sagt: „Gott sei Dank! Es ist niemand gestorben. Aber soviel Sachen und Schmuckgegenstände sind verloren gegangen.“ Da sagt der Padischah von Indien: „Geht zu den Schneidern, nehmt alles zusammen, was an Kleidern vorhanden ist. Für soviel Menschen sollen neue Kleider kommen.“ Besonders für den Staubpadischah kommt ein Kleid, das sich nicht beschreiben läßt. Der Padischah befiehlt: „Der Schneider soll es nähen!“ Es wird genäht. Alles wird auf Wagen und Landauern verladen und dorthin gebracht. Der Herold Fuchs eilt voraus und kommt dort schnell an und sagt: „Ich habe eine feine Geschichte eingefädelt.“ Dann eilt er wieder zu den Wagen zurück und sagt: „Macht schnell, soviel Leute liegen im Freien.“ Sie nehmen die Wagen und Landauer und kommen zu jenen Leuten. Die steigen ein und kommen zum Schloß des Padischahs von Indien. Draußen werden Zelte aufgeschlagen. Fünfzehn bis Zwanzig treten ein, für einen jeden werden die Zelte verteilt. Der Padischah von Indien fragt: „Was ist das für eine Menge?“ Der Herold Fuchs kommt sofort und sagt: „Das ist das Gefolge des Staubpadischahs.“ Dann geht er wieder zu ihnen und sagt: „Vorwärts, sie sollen gehen und um die Tochter des Padischahs von Indien werben!“ Da gehen fünf bis zehn Hodschas für den Staubpadischah zum Schlosse des Padischahs von Indien und sagen: „Auf Allahs Befehl wünschen wir von dir deine Tochter für den Herrn Staubpadischah. Was wirst du sagen?“ Der antwortet: „Wenn es das Schicksal so will, was soll ich sagen?“ Dann trinken sie Scherbet, erheben sich und gehen wieder zurück. Der Fuchs sagt: „Geben Sie mir drei Tage Urlaub.“ Sein Herr gibt ihm Urlaub. Am Vierten kommt der Herold Fuchs zurück, geht zum Padischah von Indien und sagt: „Mein Herr, wir wollten die Hochzeit zurichten, haben aber, als wir hierherkamen, soviel Waren und Sachen und so viele Pfunde durch den Regenguß verloren.“ Da sagt der Padischah von Indien: „Das macht nichts, wenn wir auch nicht viel Geld haben, so wollen wir doch die Hochzeit hier machen.“ Sie fingen an, die Hochzeit zuzubereiten. Vierzig Tage und vierzig Nächte dauert die Hochzeit. Alle Kosten bezahlt der Padischah von Indien. Er läßt für fünfhunderttausend Leute echte silbergestickte Kleider nähen.

Nachdem die Hochzeitsfeste vierzig Tage und vierzig Nächte gedauert haben, bringt man den Staubpadischah dorthin. Der Herold Fuchs geht hin und fragt leise den Staubpadischah: „Wie geht es dir?“ Der sagt: „Gut.“ Dann brechen sie auf und machen sich mit den fünfhunderttausend Leuten auf den Weg. Der Padischah von Indien füllt ihnen die Kisten mit Pfunden. Fünf bis zehn Leute vom Padischah von Indien gehen zur Begleitung seiner Tochter mit ihnen. Der Herold Fuchs hatte sich eine Stunde vor ihnen auf den Weg gemacht. Unterwegs sieht er auf einer Ebene, daß Hirten Kamele und Stuten weiden. Der Herold Fuchs geht zu den Hirten und sagt: „Seht ihr die dort Ankommenden?“ Die Hirten sagen: „Wer ist das?“ Er antwortet: „Die kommen, um euch zu überfallen. Wenn sie fragen: ‚Wem gehören diese Stuten und Kamele?‘ so sagt: ‚Unserm Herrn Staubpadischah.‘“ Die kommen und fragen die Hirten: „Wem gehören diese Stuten und Kamele?“ Die Hirten antworten: „Diese Kamele und Stuten gehören unserem Herrn Staubpadischah.“ Die ziehen weiter.

Der Herold Fuchs ist wieder eine Stunde voraus. Auf einer Ebene sind soviel Schafhirten und Rinderhirten. Der Herold Fuchs eilt zu ihnen und sagt: „Seht ihr die dort Ankommenden? Die kommen, um euch zu überfallen. Wenn sie fragen, wem gehört dies alles, so antwortet: ‚Unserm Herrn Staubpadischah‘. Dann werdet ihr gerettet sein.“ Die ziehen vorüber. Der Herold Fuchs ist wieder eine Stunde voraus. Er kommt an eine Dev-Wohnung. Die Deve sind im Hause. Er sagt zu den Deven: „Kommt, verbergt euch. Die da ankommen, wollen euch überfallen.“ Die Deve sagen: „Um Himmelswillen, verbirg uns!“ Da nimmt der Herold Fuchs die Deve, legt Heu in die Wohnung und zündet es an. Die Deve fliegen alle in die Luft und verbrennen vollständig.

Dann geht der Herold Fuchs schnell den Ankommenden entgegen und sagt zu den fünfhunderttausend Leuten: „Fürchtet nichts! Es ist nichts! Was uns zustoßen wird, soll nur unserm Besitz zustoßen!“ Als die von dem Padischah von Indien geschickten Leute kommen, sehen sie: Ein großes Schloß ist verbrannt und verschwunden. Da sagen die Leute, die mit der Tochter des Padischahs von Indien gekommen waren: „Was machts? Was brennt, mag brennen. Wir bauen es wieder. Wir wollen schnell einen Palast mieten.“ Dann mieten sie schnell einen großen Palast und sagen: „Bitte, Staubpadischah!“ Sie ziehen ein und holen das Fehlende von den Kaufleuten. Alles Geld bezahlen die Leute, die von dem Padischah von Indien gekommen sind. Vierzehn Tage leben sie vergnügt. Dann bitten sie um Urlaub. Man verabschiedet sich. Sie machen sich auf den Heimweg, die andern bleiben allein zurück.

Eines Tages sagt der Herold Fuchs aufrichtig: „Halt, ich werde krank.“ Der Herold Fuchs wird krank. Die Diener sagen: „Herr, unser Herold Fuchs ist krank geworden.“ Der Staubpadischah sagt: „Halt, wollen doch einmal sehen!“ Sie gehen hin. Der Herold Fuchs ist tot. Sie kommen wieder und bringen die Kunde: „Der Herold Fuchs ist tot.“ Der Staubpadischah sagt: „Zieht ihn an seinem Bein herunter.“ Da steht der Herold Fuchs auf und sagt: „Ich habe dir soviel Gutes getan, wie kannst du mich an meinem Bein ziehen.“ Da sagt der Staubpadischah: „Ich wußte, daß du nicht gestorben warst und habe einen Scherz gemacht.“

Nach einigen Tagen stirbt der Herold Fuchs wirklich. Die Diener kommen schnell und bringen dem Staubpadischah die Kunde: „Unser Herold Fuchs ist gestorben.“ Der denkt, er verstellt sich wieder. Der Staubpadischah geht zum Herold Fuchs und ruft leise: „Herold Fuchs!“ Vom Herold Fuchs war nichts zu vernehmen. Er war wirklich tot. Sie sagen zum Staubpadischah: „Unser Herold Fuchs ist tot.“ Der sagt: „Ein Imam soll schnell kommen.“ Der Imam kommt, wäscht den Herold Fuchs und wickelt ihn ordentlich ein. Dann begräbt man ihn. Der Staubpadischah und die Tochter des Padischahs von Indien lebten vergnügt in dem großen Schlosse. Das ist die Wohltat, die der Herold Fuchs getan hat.

16. DIE GESCHICHTE VOM DSCHIHANSCHAH

Es gab einen Padischah, der Dschihanschah hieß. Einst sagte er: „Ich will das andere Ende dieser Welt finden“ und nahm einen Dampfer, Soldaten und Lebensmittel mit sich und fuhr über’s Meer. Unterwegs kommt ein Sturm. Nach drei bis fünf Monaten kommt er in ein Land. Die Soldaten, die er bei sich hatte, waren umgekommen, er war allein ohne Lebensmittel übriggeblieben. Als er so dahingeht, kommt er in ein Dorf und bleibt als Gast bei einem Manne. Als er am Morgen aufsteht, ruft ein Ausrufer: „Ist jemand da, der für eine Stunde Arbeit einen neuen Anzug, tausend Piaster und ein schönes Mädchen sich verdienen will?“ Da er unerfahren und in Not ist, sagt er: „Ich will es tun.“ Er empfängt den Anzug, das Geld und das Mädchen.

Der Mann, der ihm den Anzug, das Geld und das Mädchen gegeben hat, sagt: „Komm, ich werde dich an einen Ort führen.“ Er gibt ihm ein Pferd, besteigt selber eins, nimmt sich noch zehn Pferde und zwei Leute dazu. So ziehen sie in die Berge, kommen an einen felsigen Ort und steigen vom Pferde. Dann tötet er ein Pferd, zieht ihm das Fell ab, schneidet den Bauch auf, nimmt die Eingeweide heraus und sagt zum Dschihanschah: „Zieh dich aus.“ Der sagt: „Was soll ich tun?“ Der andere antwortet: „Du wirst in den Bauch des Pferdes gehen, eine Stunde schlafen und mir dann genau sagen, was du im Traum gesehen hast.“ Der zieht sich aus, läßt Geld und Kleidung zurück und geht nackt in den Bauch des Pferdes. Der Mensch näht die Haut zu und versteckt sich mit den andern in einem Hinterhalt. Von dem Berge kommen große Vögel, nehmen das tote Pferd mit dem Dschihanschah darinnen, und tragen sie weg. Auf der Spitze des Berges zerreißen die Vögel das Pferd. Der Schah kommt aus dem Innern heraus und die Vögel zerstreuen sich. Er sieht, daß es nicht die Stelle ist, wo er sich hat einnähen lassen, geht bis an den Rand des Felsens und sieht sich um. Da sieht er die Leute mit den Pferden. Die rufen ihm von unten zu: „Wirf uns von den dort befindlichen Steinen einige herunter. Ich werde dir dann den Weg beschreiben, komm dann herunter.“ Der Dschihanschah wirft die Steine herunter. Die Leute sammeln die Steine, packen sie in Säcke, legen sie auf die Pferde und gehen wieder in ihr Dorf zurück. Der Dschihanschah bleibt dort, sucht überall einen Weg, findet aber keinen. Nach einiger Zeit findet er einen Abstieg. Er nimmt zwei Knochen in die Hand und stützt sich damit auf dem Abstieg. Während er hinabsteigt, hört der Weg auf, so daß noch eine Entfernung von zwei Minarets Höhe bis zum Boden übrigbleibt. Er wirft sich hinab. Allah bewahrt ihn vor dem Tode, er fällt herunter und wird ohnmächtig. Als er wieder zu sich kommt, sieht er, daß er bei Tagesanbruch den Berg herabgestiegen ist und bei Sonnenuntergang wieder zu sich gekommen ist. Es war unmöglich, weder vom Lande, noch vom Meere, diesen Ort zu finden. Er sieht sich um und erblickt in der Ferne ein Schloß. Während er überall den Weg sucht, findet er es, öffnet die Tür und geht hinein. Da sieht er einen wohlbeleibten, schönen, weißbärtigen Mann. Als der den Dschihanschah sieht, steht er auf und fragt ihn: „Aber, Menschenssohn, wie kommst du hierher?“ Der erzählt ihm sein Erlebnis. Der in dem Schlosse wohnende weißbärtige Alte sagt: „Mein Sohn, nimm diesen Schlüssel, öffne jede Tür, aber jene Tür dort, öffne nicht, denn in drei Tagen komme ich wieder. Aber jene Tür öffne ja nicht.“ Der weißbärtige Alte geht weg. Der Dschihanschah denkt: „Ach, was sollte geschehen. Ich habe schon soviel Unglück erlebt, da will ich auch diese Tür öffnen. Mag geschehen, was will.“ Er öffnet die Tür, tritt ein und sieht, daß in der Mitte ein Wasserbecken ist und rings darum ein Rosengarten. In den übrigen Räumen, deren Türen er geöffnet hatte, war nichts so Schönes, und keine Nachtigall ließ sich dort hören. Indem er am Rande des Wasserbeckens spazieren geht, setzt er sich unter einen Rosenbaum. Da kommt eine Taube und setzt sich auf den Stein des Beckens. Dann sieht er, daß sie ein Mädchen wird und daß noch eine, und noch eine Taube kommt. Die drei Tauben werden Mädchen. Das älteste Mädchen sagt: „Seht euch um, ob kein Mensch hier ist.“ Die jüngste sagt: „Seit Sultan Solimans Zeiten ist kein Mensch hierhergekommen. Zieht euch nur aus!“ Sie ziehen sich aus. Als die jüngste sich auszieht, verliert der Dschihanschah die Besinnung und wird ohnmächtig. Diese Tauben kamen einmal im Jahre zu jenem Becken, badeten sich und gingen dann wieder weg. Nachdem sie sich nun gebadet hatten, gingen sie auch wieder weg.

Als der weißbärtige Alte wieder kam, sah er, daß der Dschihanschah nicht im Schlosse ist. Er suchte ihn überall, konnte ihn aber nicht finden. Da kommt ihm in den Sinn: „Vielleicht hat er die Tür, von der ich gesagt hatte ‚öffne sie nicht‘, geöffnet und ist eingetreten, und dann ist ihm ein Unglück zugestoßen.“ Er fing an, im Garten zu suchen. Während er suchte, sah er ihn unter einem Rosenbaum liegen. Er ging hin, schüttelte ihn, hob ihn auf und fragte: „Was ist dir geschehen?“ Der sagte: „Ach, Vater, ich will alles tun, was du willst, aber sage mir, wie ich das jüngste Mädchen bekommen kann. Ich will dir mein ganzes Leben dienen, aber verschaffe mir dies Mädchen.“ Der sagte: „Das sind Peris. Sie kommen einmal im Jahre hierher, baden sich in diesem Becken und gehen dann fort. Sogar wenn ich hier bin, kommen sie nicht. Nur wenn ich im Jahre die Regierung über die Vögel ausübe, kommen sie, wenn ich dazu weggegangen bin, in Gestalt von Tauben. Wenn du noch ein Jahr wartest, kommen sie wieder, so, wie du es jetzt gesehen hast. Wenn das jüngste Mädchen ihr Hemd ausgezogen hat, nimm das Hemd, und wenn sie dich auch noch so sehr bittet, laß dich nicht täuschen und gib es nicht, ehe sie dir ein Kind geboren hat.

Der Dschihanschah wartet ein Jahr. Nach einem Jahre geht der Herr des Schlosses zu den Vögeln und übergibt ihm die Schlüssel. Wie das erstemal öffnet er die Tür, verbirgt sich unter dem Rosenbaum. Die Tauben kommen und ziehen sich aus. Der Dschihanschah nimmt das Hemd des jüngsten Mädchens, geht weg und setzt sich unter den Rosenbaum. Die älteren Mädchen ziehen sich an und fliegen weg. Das jüngste Mädchen fleht: „Ach, gib mir mein Hemde und ich will dir angehören.“ Der Dschihanschah gibt es ihr nicht, bis der Herr des Schlosses kommt. Der kommt. Das Mädchen sagt: „Verheirate mich mit dem Dschihanschah.“ Der Dschihanschah sagt: „In Gegenwart meines Vaters will ich die Hochzeit machen. Hier gehe ich nicht ins Hochzeitsgemach.“ Der Schloßbesitzer ermahnt den Dschihanschah: „Paß auf, gib ihr nicht das Hemd.“ Das Mädchen nimmt ihn auf den Rücken und fliegt in die Luft, zeigt auf eine Stadt und fragt: „Welche Stadt ist das?“ Der Dschihanschah sagt: „Das ist meines Vaters Stadt.“ Das Mädchen steigt mit dem Dschihanschah zusammen herab. Der Vater und die Mutter des Dschihanschah sehen ihren Sohn nach drei Jahren mit einem schönen Mädchen zusammen. Sie begrüßen ihn und fragen: „Aber, Kind, woher kommst du?“

Der Dschihanschah befiehlt: „Spaltet einen Marmorstein.“ In die Spalte steckt er das Hemd. Dann befiehlt er: „Es soll ein Schloß gebaut werden.“ Diesen Stein macht er zum Grundstein des Schlosses. Er läßt das Schloß bauen und die Hochzeit zurichten. Er beendigt das Schloß und auch die Hochzeitszurichtungen. Dann bringt man das Mädchen ins Schloß. Als es eintritt, riecht es den Geruch seines Hemdes, nimmt aus dem Stein unter dem Grundstein das Hemd, fliegt auf das Fenstergesims und verbleibt dort.