Türkische Märchen

Part 10

Chapter 103,629 wordsPublic domain

Die Geschichtenüberlieferer und die Märchenerzähler berichten folgendes. In alten Zeiten hatte eine Frau einen Sohn. Der war sehr schön und hatte in der Welt nicht seinesgleichen. Er war auch sehr geschickt. Diese Frau nahm den Jungen und brachte ihn ins Schloß. Eines Tages langweilte sich der Padischah und sagte: „Kennt einer unter euch das Ali Dschengizspiel?“ Das Kind sagte: „Mein Padischah, wenn Sie erlauben, werde ich es lernen und wiederkommen.“ Der Padischah gab die Erlaubnis und entsandte den Jüngling. Als der Bursche zum Hause des Ali Dschengiz ging, traf er unterwegs einen Derwisch. Der sagte: „Mein Sohn, wohin gehst du?“ Er antwortete: „Ich gehe, um das Ali Dschengizspiel zu lernen.“ Da sagte der Derwisch: „Komm, mein Sohn, ich werde es dich lehren.“ Er ging mit dem Sohn in die Berge. Nach einiger Zeit kamen sie an eine Höhle und traten ein. Nachdem sie noch eine Minute gegangen sind, kommen sie in das Zimmer, wo der Derwisch wohnt. Nachdem sie dort etwas verweilt, langweilt sich der Bursche und geht aus dem Zimmer. Während er umhergeht, kommt er an ein Zimmer dort in der Nähe. Er tritt ein und sieht dort ein Mädchen, schön wie der Mond am vierzehnten, dessen Augen voller Feuer sind. Das saß dort und stickte. Der Bursche sagte: „Bist du ein Geist oder ein Dschinn?“ Das Mädchen sagte: „Ich bin weder ein Geist noch ein Dschinn, ich bin ein Mensch.“ Als er fragte: „Aber wie bist du denn hierher gekommen?“ sagte sie: „Als Kind ging ich in die Schule. Eines Tages nahm mich dieser Derwisch und brachte mich hierher. Wie sehr er sich auch bemühte, mich zu unterrichten, ich sagte nie das nach, was er vorsagte. Schließlich hat er mich in dies Zimmer eingesperrt.“ Dann zeigte sie ihm einen Brunnen, der bis an den Rand mit Menschenleichen angefüllt war. Da verliert der Bursche seine Besinnung. Als er wieder zu sich kommt, ermahnte ihn das Mädchen: „Jüngling, wenn der Derwisch dich richtig unterrichtet, lies du das Gegenteil, mache Fehler und lies nie richtig.“ Der Bursche geht wieder dahin, wo der Derwisch sich befand. Der sagte: „Komm, mein Sohn, ich will dich unterrichten“ und nimmt den Jungen sich vor. Der Bursche kniet nieder und fängt an zu lesen. Wenn der Derwisch Elif sagt, sagt er Stange, wenn er Be sagt, sagt er Wanne. [22] Kurz, als er auf diese Art bis zum Schluß zu lesen anfängt, ärgert sich der Derwisch, legt ihn hin und verprügelt ihn nach Herzenslust. Dann läßt er ihn das Ali Dschengizbuch lesen, auch das liest er verkehrt. Der Bursche lernt es vollständig auswendig, aber der Derwisch sagt sich: „Er wird es nie lernen“, verprügelt ihn und jagt ihn auf einen Berg.

Dann geht der Junge zum Hause seiner Mutter und sagt zu ihr: „Mutter, morgen werde ich ein Pferd werden, nimm mich und verkaufe mich dem Padischah, aber hüte dich, meinen Zaum zu geben.“ Am Morgen steht die Mutter auf und sieht, — ihr Sohn ist im Stalle tatsächlich ein Pferd geworden. Dann faßt sie ihn am Halfter, führt ihn zum Padischah, verkauft ihn für 100000 Piaster, nimmt seinen Zaum und geht nach Hause. Am Abend kommt ihr Sohn und sagt ihr: „Mutter, morgen werde ich ein Widder sein. Wieder verkaufe mich wie das erste Mal dem Padischah.“ Am nächsten Morgen ist der Sohn ein Widder geworden. Während sie ihn zum Padischah führt, merkt es der Derwisch. Er sagt: „Weh, dies Schwein von Junge hat mir meine Kunst gestohlen.“ Voll Wut vertritt er der Frau den Weg und sagt: „Mutter, nimm dies Geld und verkaufe mir den Widder.“ Als die Frau ihn auch dem Derwisch geben will, wird der Bursche ein Vogel und fliegt davon. Sofort wird der Derwisch eine Taube und verfolgt ihn, um ihn zu fangen. Die arme Frau bleibt ganz erstaunt stehen. Diese kommen allmählich zum Schloß des Padischahs. Während der Padischah im Gartenhaus sitzt und zuschaut, wird der Vogel ein Apfel und fällt dem Padischah in den Schoß. Die Taube wird wieder ein Derwisch, tritt in das Gartenhaus ein und sagt: „Mein Padischah, das ist mein Apfel.“ Der Padischah sagt verwundert: „Nein, das ist mein Apfel.“ Als schließlich der Padischah ihm den Apfel geben will, wird der Apfel Hirse in seiner Hand und fällt auf den Boden. Der Derwisch wird ein Huhn und während er anfängt die Hirse aufzupicken, wird die Hirse sofort ein Marder, springt auf das Huhn und erwürgt es, schüttelt sich und wird wieder wie früher ein Jüngling. Der Padischah sagt: „Ach, bist du es, mein Sohn?“ Er antwortete: „Ja, mein Padischah, das nennt man das Ali Dschengizspiel. Jener Derwisch war mein Lehrer. Er bemühte sich, mich zu töten, aber ich bin sein Meister geworden und habe ihn getötet.“

Die Sache gefiel dem Padischah sehr, er gab ihm 100000 Piaster und machte ihn zum Pagen und schenkte ihm auch einen großen Palast.

Diese Geschichte ist nun auch aus und damit Schluß!

13. DIE GESCHICHTE VON DEM SCHÖNEN WASSERTRÄGER

Die Geschichtenüberlieferer und die Märchenerzähler berichten folgendes. In alten Zeiten hatten ein Padischah und ein Vezir jeder eine Tochter. Als sie eines Tages vom Fenster einander sehen und sich unterhalten, kommt auf der Straße ein schöner Wasserträger vorbei. Die Tochter des Padischahs sagt: „Schöner Wasserträger, schöner Wasserträger, ist die Tochter des Vezirs schön oder bin ich es?“ Der schöne Wasserträger sagt: „Meine Prinzessin, ihr seid beide schön, aber die Tochter des Vezirs ist noch schöner.“ Dann geht er weiter. Darüber wurde die Tochter des Padischahs böse auf die Tochter des Vezirs. Nach einiger Zeit wird sie krank und legt sich hin. Der Padischah ruft Ärzte und Hodschas, die das Mädchen untersuchen. Sie gibt den Ärzten eine Handvoll Goldstücke und sagt zu einem: „Sage meinem Vater: ‚Wenn sie nicht das Blut der Tochter des Vezirs trinkt, ist keine Rettung.‘“ Dieser Arzt geht sofort zum Padischah und sagt: „Mein Padischah, wenn sie nicht das Blut der Tochter des Vezirs trinkt, wird sie nicht gesund.“ Der Padischah läßt dem Vezir die Nachricht zukommen. Der Vezir hatte Mitleid mit seiner Tochter, tötete eine junge Katze und schickte ihr Blut hin. Dann ließ er einen Kasten aus Nußbaum machen der von innen verschließbar war, legte das Mädchen hinein, brachte ihn auf den Bitbazar und ließ ihn verauktionieren. Der schöne Wasserträger geht gerade vorbei, sieht den Kasten, geht zum Auktionator, gibt das Geld und nimmt den Kasten. Dann gibt er den Kasten einem Lastträger, geht nach Hause und stellt den Kasten in sein Schlafzimmer. Am Morgen geht der schöne Wasserträger weg. Das Mädchen steigt aus dem Kasten, fegt ordentlich das Zimmer, macht das Bett und legt sich wieder in den Kasten. Am Abend kommt der schöne Wasserträger und sieht, daß sein Zimmer gefegt und sein Bett gemacht ist und überlegt: „Wer ist wohl heute hierher gekommen?“ Schließlich legt er sich schlafen. Am Morgen geht er wieder weg. Wie das vorige Mal fegt das Mädchen das Zimmer und macht das Bett. Am Abend legt es sich wieder in den Kasten. Darauf kommt der schöne Wasserträger wieder und sieht, — was siehst du? — wieder ist sein Bett gemacht. Er dachte etwas nach und geht dann zu dem Kasten und sagt: „Heh, Taugenichts, komm heraus, wer du auch seiest.“ Nichts rührt sich. Er legt sich wieder schlafen. Am Morgen holt er Fleisch vom Schlächter, bringt es in sein Zimmer, legt es hin und sagt zu sich: „Wenn Gott will, werde ich es mir kochen.“ Dann steht er auf und geht weg.

Das Mädchen steigt aus dem Kasten, fegt das Zimmer, kocht das Fleisch, legt es auf die Platte und beschäftigte sich damit, die Wäsche zu waschen. Da kommt plötzlich der schöne Wasserträger, tritt ein und sieht, daß das Mädchen Wäsche wäscht. Als das Mädchen ihn sieht, sagt sie: „Ach“ und bedeckt ihr Gesicht mit ihrem Rocksaum. Der schöne Wasserträger sagt: „Meine Prinzessin, jetzt bist du mein und ich dein, ein Entrinnen gibt es nicht, du bist nun mir zugefallen.“ Sogleich holt er einige Leute, verheiratet sich mit dem Mädchen und sie pflegten der Liebe.

Eines Tages beladet der schöne Wasserträger vierzig Maultiere mit Geld und schickt das Mädchen mit den Tieren zu seiner Mutter. Das Mädchen geht dorthin und wohnte dort. Eines Tages schreiben die Leute des Stadtviertels an den schönen Wasserträger: „Deine Frau ist eine Hure geworden.“ Der schöne Wasserträger nimmt ein großes Messer in die Hand und geht zum Hause seiner Frau. Als er in die Tür eintritt, geht das Mädchen mit einem silbernen Leuchter in ihren Händen, ihm entgegen. Als er sie töten will, wirft sich das Mädchen in einen Bach, der vor dem Hause war. Der Bach führt sie ins Meer. Dort fischten drei Fischer. Sie geht in das Netz und die Fischer ziehen sie heraus. Da sehen sie, — was siehst du? — in dem Netz ist ein Mädchen. Sie fangen an sich zu streiten, wer das Mädchen bekommen soll. Da sagt einer von ihnen: „Wir wollen diesen Pfeil abschießen. Wer von uns ihn holt, dem soll das Mädchen gehören.“ Dann schießen sie den Pfeil ab und die drei laufen hinter dem Pfeil her. Da entflieht das Mädchen. Allmählich trifft sie einen Juden. Der sagte: „Ei, mein Mädchen, mein Mädchen, nun werde ich dich nehmen und nicht loslassen. Was sagst du nun?“ Das Mädchen gibt dem Juden den Leuchter in seine Hände und entflieht. Allmählich kommt sie an eine Quelle und setzt sich dort hin. Da erblickt sie der Sohn des Padischahs, nimmt sie mit sich, und heiratet sie.

Jetzt sagt das Mädchen: „Prinz, diese Quelle laß schön herrichten, daß derjenige, der daraus trinkt, mein Bild sieht.“ Der Prinz läßt die Quelle, so wie das Mädchen es beschrieben hatte, herrichten. Nach einigen Tagen kommen diese drei Fischer, um aus dieser Quelle Wasser zu trinken. Als sie die Schönheit des Mädchens sehen, werden sie ohnmächtig. Später kam dieser Jude. Auch der wird ohnmächtig, als er Wasser trinkt.

Eines Tages kommt der schöne Wasserträger. Auch der wird ohnmächtig, während er trinkt. Das Mädchen hat aus dem Fenster auf diese aufgepaßt, es dem Prinzen gesagt. Der läßt sie hereinholen und einsperren.

Eines Tages geht das Mädchen mit dem Prinzen zu ihnen und sagte: „Mein Prinz, diese Fischer haben mich aus dem Wasser gezogen, dieser Jude hat mich beleidigt und dieser schöne Wasserträger war früher mein Mann.“ Da sagte er: „Meine Prinzessin, ist es so?“ Dann gab er die Fischer frei, ließ dann den Juden hinrichten und gab dann dies Mädchen dem schönen Wasserträger wieder zurück und sagte: „Gehe und lebe vergnügt.“ Der schöne Wasserträger brachte das Mädchen mit sich in sein Haus. Das Mädchen erzählte ihm alles das, was ihm geschehen war. Der schöne Wasserträger heiratete sie von neuem. Vierzig Tage und vierzig Nächte dauerten die Hochzeitsfeste. In der einundvierzigsten Nacht ging er ins Hochzeitsgemach. Sie erreichten ihr Verlangen.

Diese Geschichte ist auch zu Ende und damit Schluß.

14. DIE GESCHICHTE VON DER SCHWARZEN SCHLANGE

Die Geschichtenüberlieferer und die Märchenerzähler berichten folgendes.

In alten Zeiten lebte ein gerechter Padischah. Dieser Padischah hatte keine Nachkommenschaft und war sehr alt. Deswegen rief er eines Tages seinen Vezir und sagte: „Mein Vezir, ich bin sehr alt geworden und habe keinen Sohn. Wenn ich sterbe, wird mein Thron und meine Krone Fremden zufallen.“ Der Vezir sagte: „Mein Padischah, Gott möge Euch langes Leben geben, deswegen bekümmert Euch nicht. Morgen wollen wir uns verkleiden und uns auf die Reise begeben. Vielleicht treffen wir jemand, dessen Gebet heilkräftig ist, so daß Gott, der Erhabene, Euch Nachkommen schenkt.“

Dem Padischah schien das gut und so verkleideten sie sich am folgenden Tage und verließen am Morgen das Schloß, um spazieren zu gehen. Nachdem sie etwas gegangen waren, kamen sie an eine Quelle. Um sich auszuruhen, rasteten sie dort. Auf einmal sahen sie, daß von der gegenüberliegenden Seite ein weißbärtiger, majestätischer Derwisch kommt, der einen weißen Mantel trug. Dieser Derwisch begrüßte sie: „Heil sei über Euch, mein Padischah.“

Nachdem der Padischah seinen Gruß angenommen hatte, sagte er: „Nun, Großvater Derwisch, da du weißt, daß ich ein Padischah bin, weißt du auch, was ich für ein Verlangen im Herzen trage.“ Der Derwisch zog aus seinem Busen einen Apfel und sagte zum Padischah: „Mein Padischah, nimm diesen Apfel, gib die Hälfte deiner Gemahlin, die andere Hälfte iß du, und Gott wird euch einen Sohn geben.“ Damit verschwand der Derwisch.

Die nahmen den Apfel und kehrten in ihr Schloß zurück. Am Abend aß der Padischah die eine Hälfte des Apfels und die andere seine Gemahlin, dann vollzogen sie den Beischlaf, und die Königin wurde schwanger. Nach neun Monaten und zehn Tagen bekam sie die Wehen und man rief die Hebamme. Als die Königin ihre Leibesfrucht zur Welt bringt, sieht man, daß es eine schwarze Schlange ist, die sogleich in dem Augenblick, wo sie geboren ist, die Hebamme beißt und tötet. Man ruft eine zweite Hebamme, auch die tötet sie. Im ganzen Reiche gab es keinen, den sie nicht getötet hätte. Die Eunuchen des Harems suchen an allen Türen eine Hebamme. Sie kommen an die Tür eines Hauses und sagen: „Mutter, ist hier keine Hebamme?“

Nun hatte diese Frau eine Stieftochter, der sie sehr feind war. Sie sagte: „Meine Söhne, ich habe hier eine Tochter. Die ist Meister in der Hilfe beim Kindergebären.“

Als sie das hörten, sagten sie: „Mutter, gib deiner Tochter die Erlaubnis, daß sie mit uns in das Schloß gehe.“ Die Frau rief das Mädchen und sagte: „Meine Tochter, man hat dich aus dem Schloß gerufen, gehe und hilf der Königin bei der Geburt.“ Das arme Mädchen stand wohl oder übel auf. Unterwegs kam sie am Grabe ihrer Mutter vorbei und sagte: „Mütterchen, Mütterchen, meine Stiefmutter schickt mich in das Schloß, um das Kind gebären zu helfen, jetzt gehe ich in den Tod. Mütterchen, hilf mir!“

Da kommt aus dem Grabe eine Stimme: „Meine Tochter während du in das Schloß gehst, tue Milch in eine Kiste und, wenn du zur Königin gehst, mußt du die Milch vor sie halten. In ihrem Bauche ist eine schwarze Schlange. Wenn sie herauskommen und sich auf dich stürzen will, nimm die Kiste und, sobald die Schlange hineingefallen ist, schließe den Deckel und gib sie dem Padischah.“

Das Mädchen freute sich, nahm eine Kiste, ging damit zum Schloß und kam zur Königin. Als diese ihre Leibesfrucht gebären wollte, kam aus ihrem Bauche eine schwarze Schlange und wollte sich auf das Mädchen stürzen. Da hielt das Mädchen ihr die Milchkiste entgegen, die Schlange fiel hinein. Das Mädchen schloß den Deckel und brachte sie dem Padischah. Als der Padischah das sah, wunderte er sich sehr und gab dem Mädchen sehr viel Bachschisch. Das Mädchen verließ das Schloß, ging nach Hause und gab den vom Padischah erhaltenen Bachschisch der Frau.

Die wollen wir nun verlassen und uns zu dem in der Kiste liegenden Prinzen wenden. Eine Sklavin wurde für ihn bestimmt. Jeden Tag gab man ihm Mark und ernährte ihn damit.

Als der Prinz vier oder fünf Jahre alt wurde, sagte er zu der Sklavin: „Sage meinem Vater, er soll mich in die Schule schicken.“ Darauf ging die Sklavin zum Padischah und sagte: „Mein Herr, der Prinz möchte in die Schule geschickt werden.“ Der Padischah sagte: „Sehr schön“ und rief am nächsten Tage einen Lehrer. Als der kommt, holt er die schwarze Schlange aus dem Kasten heraus. Während sie dem Lehrer gegenüber liegt und er sie unterrichtet, beißt sie ihn. Er stirbt sofort. Ein anderer Lehrer wird gerufen. Auch den tötet sie.

Kurz, auf der Erde bleibt kein Lehrer übrig; alle tötet sie. Eines Tages beruft der Großvezir eine Versammlung und sagt: „Mein Padischah, die Hebamme des Prinzen, wer sie auch sei, muß ihn unterrichten. Ein anderer kann das nicht.“

Dies Wort gefiel dem Padischah, und er schickt seine Diener zu der Hebamme. Als das Mädchen von Hause geht, geht es zum Grabe seiner Mutter, wehklagt und sagt: „Mütterchen, Mütterchen, ich habe so gehandelt, wie du mir beschrieben hast. Ich habe die Schlange herausgezogen. Jetzt sucht man einen Lehrer, sie zu unterrichten. Alle Lehrer hat sie gebissen und getötet. Nun ruft man mich. Ich weiß nicht, was ich tun soll.“ Da kommt eine Stimme aus dem Grabe: „Meine Tochter, fürchte dich nicht! Brich einundvierzig Rosenstämme ab. Wenn du zu der Schlange gehst und sie sich auf dich stürzt, schlage sie mit den vierzig, und mit dem einen stich sie.“

Nachdem das Mädchen einundvierzig Rosenstämme genommen hat, geht sie ins Schloß in das Zimmer, wo der Prinz sich befindet. Sofort holt man die schwarze Schlange aus der Kiste und bringt sie zum Mädchen. Das Mädchen öffnet das Buch, das den Koranabschnitt enthält, und unterrichtet sie. Wenn die Schlange sich auf sie stürzen will, schlägt das Mädchen sie mit dem Stock. Der Prinz beruhigt sich etwas und auf diese Art unterrichtet sie ordentlich den Prinzen. Man bringt dem Padischah die frohe Nachricht: „Der Prinz hat ausgelernt.“ Der Padischah geht hin, gibt dem Mädchen reichlich Geld. Das Mädchen nimmt das Geld, geht nach Hause und gibt das Geld seiner Stiefmutter.

Wir wollen nun diese verlassen und uns zum Prinzen wenden. Nachdem der Prinz vierzehn oder fünfzehn Jahre alt geworden ist, geht er eines Tages zu seinem Vater und sagt: „Vater, verheirate mich.“

Wohl oder übel nimmt der Vater ein Mädchen und verheiratet sie mit ihm. Nachdem man sie ins Hochzeitsgemach gebracht hat, sticht die Schlange das Mädchen und tötet sie. Am Morgen sieht man, daß das Mädchen tot ist. Wir wollen die Geschichte kurz machen. Wieviel Mädchen man ihm auch gibt, er tötet sie alle, so daß auf der Erde kein Mädchen mehr bleibt.

Eines Tages ruft der Großvezir einen Ministerrat zusammen und sagt: „Mein Padischah, so geht es nicht weiter. Gebt ihm das Mädchen, das ihn unterrichtet hat. Eine andere fruchtet nicht.“ Das Wort gefiel dem Padischah und er benachrichtigte das Mädchen.

Das Mädchen geht von Hause zum Grabe seiner Mutter, wehklagt und sagt: „Mütterchen, Mütterchen. Ich habe ihn unterrichtet, wie du angegeben hast. Jetzt will man mich ihm verheiraten. Ich weiß nicht, was jetzt aus mir wird.“ Während sie wehklagt, kommt aus dem Grabe eine Stimme: „Meine Tochter, fürchte dich nicht, nimm die Haut von vierzig Stachelschweinen und ziehe sie an. Wenn die schwarze Schlange, nachdem du das Hochzeitsgemach betreten hast, kommt und dich angreift, sich dann sticht und sagt: ‚Zieh dich aus,‘ dann mußt du sagen: ‚Zieh du auch deine Kleider aus, dann werde ich meine auch ausziehen.‘ Fängt dann die Schlange an, ihre Haut auszuziehen, und ist sie damit fertig, dann wirf die Haut in ein Kohlenbecken und verbrenne sie, dann wird die Schlange ein Jüngling, schön wie der Mond am vierzehnten. Danach sei ihm willfährig.“

Das Mädchen geht, nimmt die Haut von vierzig Stachelschweinen, zieht sie an und geht ins Schloß. Sogleich verheiratet der Padischah sie mit dem Prinzen und bringt sie ins Hochzeitsgemach. Das Mädchen zündet ein Kohlenbecken an und läßt es vor der Tür des Zimmers und tritt ein.

Die Schlange kommt herein, stürzt sich auf das Mädchen, sticht sich an der Stachelschweinhaut und sagt: „Mädchen, zieh deine Kleider aus.“ Das Mädchen sagt: „Zuerst zieh du deine Kleider aus, dann werde ich meine ausziehen.“ Da fängt der Prinz an, seine Kleider völlig auszuziehen. Als er sie ausgezogen hat, nimmt das Mädchen die Kleider, wirft sie ins Feuer und verbrennt sie. Da sieht sie, daß er ein Jüngling, schön wie der Mond am vierzehnten, ist. Das Mädchen zieht seine Kleider aus, ist dem Prinzen willfährig, und sie umarmen sich. Am Morgen kommen der Vater und die Mutter des Prinzen und wundern sich, als sie das sehen, und danken Gott sehr.

Der Prinz und das Mädchen lebten lange Zeit miteinander. Eines Tages geht der Prinz zu seinem Vater und sagt: „Vater, ich will jetzt in die Fremde gehen. Wenn Gott will, komme ich in zwei Monaten ungefähr wieder“, steht auf, geht zum Mädchen, küßt sie auf die Augen, verabschiedet sich und verläßt das Schloß. Nach einem Monat schickt er seiner Mutter einen Brief.

Die Sklavinnen in dem Schloß waren auf das Mädchen neidisch, schrieben, um es zu töten, einen Brief, legten ihn in den Brief des Prinzen und gaben ihn der Königin. Die Mutter denkt: „Von meinem Sohn ist ein Brief gekommen, öffnet ihn und sieht, daß zwei Briefe darin sind. Sie liest den ersten: er enthält nur Grüße. Sie öffnet den andern und liest ihn. Darin steht geschrieben: „Schlagt meiner Frau die Hände und Füße ab und werft sie hinaus.“ Als die Mutter das las, wunderte sie sich. Nun hatte das Mädchen an der Tür gehorcht, tritt ein und sagt: „Mutter, bevor mir die Hände und Füße abgeschlagen werden, will ich gehen.“ Dann verläßt sie das Schloß und geht in die Berge.

Nach einiger Zeit kommt sie an einen Ort, wo Särge stehen, sie tritt ein und legt sich schlafen. Als sie sich umsieht, erblickt sie in einem Sarge neben sich, einen Jüngling liegen. Der Jüngling steht auf, geht zum Mädchen und sagt: „Heh, Mädchen, wie bist du hierher gekommen, ohne dich zu fürchten? Jetzt wird eine Taube kommen. Wenn die dich hier sieht, tötet sie dich. Aber komm her, ich werde dich in diesem Sarge verstecken.“ Er nimmt das Mädchen, geht an den Platz, wo die Särge stehen, dort umarmen sie sich und vereinen sich. Da wurde das Mädchen von diesem Jüngling schwanger. Dann geht der Jüngling in seinen Sarg und legt sich schlafen. Nach einiger Zeit kommt eine Taube und bringt dem Jüngling Nahrung und fliegt wieder davon. Kurz, er ißt mit dem Mädchen von der Nahrung, die der Vogel gebracht hat, und sie leben vergnügt. Als die Zeit zu gebären für das Mädchen kommt, sagt der Jüngling: „Mädchen, jetzt gehe auf diesem Wege gerade aus. Dann kommt eine Quelle. An diese Quelle setze dich. Vor ihr ist ein Palast. Von dort kommt ein Mädchen, um Wasser zu holen. Du mußt ihr sagen: ‚Bachtijars wegen nehmt mich in das Haus, ich werde gebären.‘ Sie werden dich aufnehmen und du wirst in meinem Zimmer niederkommen, dann werde ich kommen und dem Kinde einen Namen geben.“