The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 51

Chapter 513,460 wordsPublic domain

Geboren 1597 zu Bunzlau in Schlesien, woselbst er eine gute Erziehung erhielt. Er besuchte später das Gymnasium zu Breslau und studierte die Rechte. 1618 gieng Opitz zur Universität nach Frankfurt an der Oder und trat mit dem herzoglichen Hof zu Liegnitz in Verbindung. Sein erstes Werk, der ‘Aristarch,’ war lateinisch geschrieben. Er befürwortet darin den Gebrauch der deutschen Sprache für die Dichter Deutschlands und empfiehlt den Alexandriner als Versmass. 1619 begab er sich als Erzieher nach Heidelberg, wo er die Bekanntschaft von Janus Gruter und unter jüngern Leuten von Zinkgref, Caspar Barth und H. A. Hamilton aus Kopenhagen machte. Beim Ausbruch des dreissigjährigen Krieges gieng Opitz (1620) von Heidelberg nach Holland, wo er mit Heinsius in Verbindung trat. 1622 nahm er eine Stelle am Gymnasium zu Weissenburg in Siebenbürgen an, kehrte aber bereits 1623 nach Schlesien zurück, wo er fürstlicher Rath beim Herzog von Liegnitz wurde. 1626 trat er, obwol Protestant, in die Dienste des Burggrafen Karl Hannibal von Dohna, eines erklärten Feindes der Protestanten. 1628 ward er von Kaiser Ferdinand II. als Martin Opitz von Boberfeld in den Adelstand erhoben, nachdem er bereits 1625 zum Dichter gekrönt war. 1630 reiste Opitz, in politischen Aufträgen nach Paris und machte die Bekanntschaft von Hugo Grotius. Nach dem Tode des Grafen Dohna (1633) fand Opitz neue Gönner und Beschützer und ward endlich Secretär und Historiograph des Königs Ladislaus IV. von Polen. Er starb 1639 an der Pest, angesteckt von einem Bettler, dem er ein Almosen gegeben. Er ist der Gründer der ersten schlesischen Schule. Von seinem ‘Buch von der deutschen Poeterei’ (1624) gab einen Neudruck heraus Braune (Halle, 1876). Eine Auswahl seiner Gedichte sowie der Werke der bedeutendsten Dichter des siebzehnten Jahrhunderts findet sich in Wilhelm Müllers ‘Bibliothek deutscher Dichter des XVII. Jahrhunderts’ (14 Bde. Leipzig 1822); auch von Tittman wurden ausgewählte Dichtungen herausgegeben (Leipzig 1867).

1.

AUS DER ‘PROSODIA GERMANICA ODER DEM BUCH VON DER DEUTSCHEN POETEREY.’

ÜBER DEN ACCENT IN DEUTSCHEN VERSEN.

Nachmals ist auch ein jeder verss entweder ein _iambicus_ oder _trochaicus_; nicht zwar das wir auff art der griechen vnnd lateiner eine gewisse grösse der sylben können inn acht nemen; sondern das wir aus den _accenten_ vnnd dem thone erkennen, welche sylbe hoch vnnd welche niedrig gesetzt soll werden. Ein Jambus ist dieser: +Erhalt vns, Herr, bey deinem wort+. {10} Der folgende ein Trochéus: +Mitten wir im leben sind+. Dann in dem ersten verse die erste sylbe niedrig, die andere hoch, die dritte niedrig, die vierde hoch, vnd so fortan, in dem anderen verse die erste sylbe hoch, die andere niedrig, die dritte hoch etc. aussgesprochen werden. Wiewol nun meines wissens noch niemand, ich auch vor der zeit selber nicht, dieses genawe in acht genommen, scheinet es doch so hoch von nöthen zue sein, als hoch von nöthen ist, das die Lateiner nach den _quantitatibus_ oder grössen der sylben jhre verse richten vnd reguliren. Denn es gar einen übelen klang hat: +Venus die {20} hat Juno nicht vermocht zue obsiegen+; weil +Venus+ vnd +Juno+ Jambische, +vermocht+ ein Trochéisch wort sein soll: +obsiegen+ aber, weil die erste sylbe hoch, die andern zwo niedrig sein, hat eben den thon welchen bey den lateinern der _dactylus_ hat.

2.

GESANG ZUR ANDACHT.

AVff, auff mein Hertz’, vnd du, mein gantzer Sinn, Wirff alles dass was Welt ist, von dir hin: Im fall du wilt[981] was Göttlich ist erlangen, So lass den Leib in dem du bist gefangen: Die Seele muss von dem gesaubert seyn 10 Was nichts nicht ist als nur ein falscher Schein, Muss durch den Zaum der Tugend dämpffen können Die schnöde Lust der eusserlichen Sinnen. Ein jeder Mensch hat etwas dass er liebt, Dass einen Glantz der Schönheit von sich gibt: Der suchet Gold, vnd trawet sich den Wellen; Der gräbet fast biss an den Schlund der Hellen, Viel machen sich durch Kriegesthat bekandt, Vnd stehn getrost für GOTT vnd für jhr Land: Der dencket hoch, vnd strebet gantz nach Ehren; 20 Vnd jener lässt die Liebe sich bethören. Indessen bricht das Alter bey vns ein, In dem man pflegt vmb nichts bemüht zu seyn; Eh’ als wir es recht mögen innen werden, So kömpt der Todt, vnd rafft vns von der Erden. Wer aber gantz dem Leib’ ist abgethan, Vnd nimpt sich nur der Himmels-Sorgen an, Setzt allen Trost auff seines Gottes Gnaden, Dem kan noch Welt, noch Todt, noch Teuffel schaden. Den Ancker hat der Noa eingesenckt, 30 Da als er war mit Lufft vnd See verschrenckt; Der grosse Trost hat Abraham erquicket, Als er sein Schwerdt nach Isaac gezücket. Der Glaube muss von GOTT erbeten seyn, Der einig macht, dass keine Noth noch Pein, Vnd Todes-Angst auch den geringsten Schmertzen Erwecken kan in frommer Leute Hertzen. Drumb schaw’, O Mensch, hinauff vnd vber dich, Nach dem was nicht den Augen zeiget sich, Was niemand kan beschliessen in den Schrancken Der Sterbligkeit vnd flüchtigen Gedancken. Vollbringst du dass, mein Hertz’, vnd du, mein Sinn Vnd legst die Last der Erden von dir hin, 10 Sagst ab dem Leib’ in dem du bist gefangen, So wird GOTT dich, vnd du wirst GOTT erlangen.

3.

AUFF LEYD KOMPT FREUD.

SEy wolgemuth, lass trawren sein, Auff Regen folget Sonnenschein, Es gibet endtlich doch das Glück Nach toben einen guten Blick. Vor hat der rauhe Winter sich An vns erzeiget grimmiglich, Der gantzen Welt Revier gar tieff 20 In einem harten Traume schlieff. Weil aber jetzt der Sonnen Liecht Mit vollem Glantz herausserbricht, Vnd an dem Himmel höher steigt, Auch alles frölich sich erzeygt, Das frostig Eyss muss gantz vergehn, Der Schnee kan gar nicht mehr bestehn, Favonius der zarte Windt Sich wider auff die Felder findt, Die Saate gehet auff mit macht, 30 Das Grase grünt in vollem Pracht, Die Bäume schlagen wieder auss, Die Blumen machen sich herauss. Das Vieh in Felden jnniglich, Das Wild in Püschen frewet sich, Der Vögel Schaar sich frölich schwingt, Vnd lieblich in den Lüfften singt, So stelle du auch trawren ein, Mein Hertz, vnd lass dein Zagen sein, Vertrawe Gott, vnd glaube fest Dass er die seinen nicht verlest. Vlysses auch, der freye Heldt, Nachdem er zehn Jahr in dem Feldt Vor Troja seine Macht versucht, Zog noch zehn Jahr vmb in der Flucht. 10 Durch Widerwertigkeit im Meer, Ward er geworffen hin vnd her, Noch blieb er standhafft allezeit, In Noth vnd Todt, in Lieb vnd Leydt. Die Circe mit der Zauberkunst, Bracht jhn niemals zu jhrer Gunst, Auch der Sirenen süsser Mundt Vnd Harfen jhn nicht halten kundt, Er warff doch endtlich von sich noch Des rauhen Lebens schweres Joch, 20 Penelopen er wieder fandt, Vnd Ithacen sein Vaterland, So biss du auch getrost, mein Hertz, Vnd vbersteh des Glückes Schertz, Traw Gott, sey nur auff jhn bedacht, Die Hoffnung nicht zu schanden macht.

4.

ICH EMPFINDE FAST EIN GRAUEN.

Ich empfinde fast ein Grawen Dass ich, Plato, für vnd für Bin gesessen vber dir; 30 Es ist zeit hinauss zu schawen, Und sich bei den frischen Quellen In dem grünen zu ergehn, Wo die schönen Blumen stehn, Vnd die Fischer Netze stellen. Worzu dienet das studieren 30 Als zu lauter Vngemach? Vnter dessen laufft die Bach[982] Vnsers Lebens das wir führen Ehe wir es inne werden, Auff jhr letztes Ende hin, Dann kömpt ohne Geist vnd Sinn. Dieses alles in die Erden. Hola, Junger, geh’ vnd frage, Wo der beste Trunck mag seyn, Nimb den Krug, vnd fülle Wein. Alles Trawren, Leid vnd Klage Wie wir Menschen täglich haben Eh’ vns Clotho fortgerafft, 10 Wil ich in den süssen Safft Den die Traube giebt vergraben. Kauffe gleichfals auch Melonen Vnd vergiess des Zuckers nicht; Schawe nur dass nichts gebricht. Jener mag der Heller schonen, Der bey seinem Gold’ vnd Schätzen Tolle sich zu krencken pflegt, Vnd nicht satt zu Bette legt; Ich wil weil ich kan mich letzen. Bitte meine gute Brüder Auff die Music vnd ein Glass: Nichts schickt sich, dünckt mich so bass Als gut Tranck vnd gute Lieder. Lass’ ich gleich nicht viel zu erben, 10 Ey so hab’ ich edlen Wein; Will mit andern lustig seyn, Muss ich gleich alleine sterben.

_SIMON DACH._

[_Scherer D._ 321, _E._ 322.]

Geboren 1605 zu Memel. Er erhielt eine sorgsame Erziehung in Memel, Königsberg, Wittenberg und Magdeburg, gab sich 1626 in Königsberg zunächst theologischen und philosophischen, dann allgemein humanistischen Studien hin, nahm hier 1633 eine Anstellung an der Domschule an, wurde 1638 zum Professor der Poesie an der Universität ernannt und starb 1659, nachdem ihn kurz vorher Friedrich Wilhelm, der grosse Kurfürst, mit einem kleinen Landgut belehnt hatte. Dach war der Mittelpunkt der sogenannten Königsberger Schule, die ausser ihm noch Heinrich Albert, Robert Roberthin, Johann Peter Titz und andere unbedeutende Dichter umfasste. Herausgegeben von Osterley (Tübingen 1876).

1.

PERSTET AMICITIÆ SEMPER VENERABILE FÆDUS!

Der Mensch hat nichts so eigen So wol steht jhm nichts an, Als dass er Trew erzeigen 20 Vnd Freundschafft halten kan; Wann er mit seines gleichen Sol treten in ein Band, Verspricht sich nicht zu weichen Mit Hertzen, Mund vnd Hand. Die Red’ ist vns gegeben 20 Damit wir nicht allein Vor uns nur sollen leben Vnd fern von Leuten seyn; Wir sollen vns befragen Vnd sehn auff guten Raht, Das Leid einander klagen So vns betretten hat. Was kan die Frewde machen Die Einsamkeit verheelt[983]? Das gibt ein duppelt Lachen 10 Was Freunden wird erzehlt; Der kan sein Leid vergessen Der es von Hertzen sagt; Der muss sich selbst aufffressen Der in geheim sich nagt. GOtt stehet mir vor allen, Die meine Seele liebt; Dann soll mir auch gefallen Der mir sich hertzlich giebt, Mit diesem Bunds-Gesellen Verlach’ ich Pein vnd Noht, Geh’ auff dem Grund der Hellen Vnd breche durch den Tod. Ich hab’, ich habe Hertzen So trewe, wie gebührt, Die Heucheley vnd Schertzen 10 Nie wissendlich berührt; Ich bin auch jhnen wieder Von grund der Seelen hold, Ich lieb’ euch mehr, jhr Brüder, Als aller Erden Gold.

2.

TOD DER FROMMEN.

O wie selig seyd ihr doch, ihr Frommen, Die ihr durch den Tod zu Gott gekommen! Ihr seyd entgangen Aller Noth, die uns noch hält gefangen. 20 Muss man hie doch wie im Kerker leben, Da nur Sorge, Furcht und Schrecken schweben; Was wir hie kennen, Ist nur Müh’ und Herzeleid zu nennen. Ihr hergegen ruht in eurer Kammer, Sicher und befreit von allem Jammer: Kein Kreuz und Leiden Ist euch hinderlich in Euren Freuden. Christus wäschet ab euch alle Thränen; Habt das schon, wornach wir uns erst sehnen: 30 Euch wird gesungen, Was durch Keines Ohr allhie gedrungen. Ach, wer wollte denn nicht gerne sterben Und den Himmel für die Welt ererben? Wer wollt’ hie bleiben, Sich den Jammer länger lassen treiben? Komm, o Christe, komm, uns auszuspannen, Lös’ uns auf, und führ’ uns bald von dannen! Bei dir, o Sonne, Ist der frommen Seelen Freud’ und Wonne.

3.

TREWE LIEB’ IST JEDERZEIT ZU GEHORSAMEN BEREIT.

(In der Mundart des preussischen Landvolks.)

ANke van Tharaw öss, de my geföllt, 10 Se öss mihn Lewen, mihn Göt on mihn Gölt. Anke van Tharaw heft wedder eer Hart Op my geröchtet ön Löw’ on ön Schmart. Anke van Tharaw mihn Rihkdom, mihn Göt, Du mihne Seele, mihn Fleesch on mihn Blöt. Quöm’ allet Wedder glihk ön ons tho schlahn, Wy syn gesönnt by een anger tho stahn. Kranckheit, Verfälgung, Bedröfnös on Pihn, Sal vnsrer Löve Vernöttinge syn. Recht as een Palmen-Bohm äver söck stöcht, 20 Je mehr en Hagel on Regen anföcht. So wardt de Löw’ ön onss mächtich on groht, Dörch Kryhtz, dörch Lyden, dörch allerley Noht. Wördest du glihk een mahl van my getrennt, Leewdest dar, wor öm dee Sönne kuhm kennt; Eck wöll dy fälgen dörch Wöler, dörch Mär, Dörch Yhss, dörch Ihsen, dörch fihndlöcket Hähr. Anke van Tharaw, mihn Licht, mihne Sönn, Mihn Leven schluht öck ön dihnet henönn. Wat öck geböde, wart van dy gedahn, 30 Wat öck verböde, dat lätstu my stahn. Wat heft de Löve däch ver een Bestand, Wor nich een Hart öss, een Mund, eene Hand? Wor öm söck hartaget, kabbelt on schleyht, On glihk den Hungen on Katten begeyht. Anke van Tharaw dat war wy nich dohn, Du böst min Dühfken myn Schahpken mihn Hohn. Wat öck begehre, begehrest du ohck, Eck laht den Rack dy, du lätst my de Brohk. Dit öss dat, Anke, du söteste Ruh’ Een Lihf on Seele wart vht öck on Du. Dit mahckt dat Lewen tom Hämmlischen Rihk, Dörch Zancken wart et der Hellen gelihk. 10

3.

ÄNNCHEN VON THARAU.

(Herder’s Übertragung.)

Ännchen von Tharau ist die mir gefällt, Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld. Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz Auf mich gerichtet in Lieb’ und in Schmerz. Ännchen von Tharau, mein Reichthum, mein Gut! Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut! Käm’ alles Wetter gleich auf uns zu schlahn, Wir sind gesinnt bei einander zu stahn. Krankheit, Verfolgung, Betrübniss und Pein 20 Soll unsrer Liebe Verknotigung sein. Ännchen von Tharau, mein Licht und mein’ Sonn’! Mein Leben schliess’ ich um deines herum[984]. Recht als ein Palmenbaum über sich steigt, Hat ihn erst Regen und Sturmwind gebeugt[985]; So wird die Lieb’ in uns mächtig und gross Nach manchen Leiden und traurigem Loos[986]. Ännchen von Tharau, mein Reichthum, mein Gut! Du, meine Seele, mein Fleisch und mein Blut! Würdest du gleich einmal von mir getrennt, Lebtest da, wo man die Sonne kaum kennt; Ich will dir folgen durch Wälder und Meer, Eisen und Kerker und feindliches Heer[987]. Ännchen von Tharau, mein Licht und mein’ Sonn! Mein Leben schliess ich um deines herum.

Die folgenden Verse fehlen bei Herder. Das Übrige heisst in hochdeutscher Sprache:

Was ich gebiete, wird von dir gethan, Was ich verbiete, das lässt du mir stahn. Was hat das Leben doch für ein’ Bestand, Wo nicht ein Herz ist, ein Mund, eine Hand? 10 Wo man sich ärgert, kabbelt und schlägt, Und gleich den Hunden und Katzen beträgt? Ännchen von Tharau, das werden wir nicht thun, Du bist mein Täubchen, mein Schäfchen, mein Huhn! Was ich begehre, begehrest Du auch, Ich lass den Rock dir, du lässt mir die Bruch[988]. Dies ist, dass, Ännchen, du süsseste Ruh’, Ein Leib und Seele ward aus Ich und Du. Dies macht das Leben zum himmlischen Reich, Durch Zanken ward es der Höllen gleich. 20

WILHELM MÜLLER.

4.

SCHÖNER HIMMELSSAAL.

Schöner Himmelssaal, Vaterland der Frommen, Die aus grosser Qual Dieses Lebens kommen, Und von keiner Lust, In der Welt gewusst! Sey mir hochgegrüsst! Dich such’ ich für allen, Weil ich öd’ und wüst In der Welt muss wallen Und von Kreuz und Pein Nie befreit kann sein. Deinetwegen blos Trag’ ich diess mein Leiden, Diesen Herzensstoss Willig und mit Freuden; Du versüssest mir Alle Höll’ allhier. Trüg’ ich durch den Tod Nicht nach dir Verlangen, O, in meiner Noth Wär’ ich längst vergangen; 10 Du bist, einig du, Nichts, sonst meine Ruh! Gott, du kennst vorhin Alles, was mich kränket, Und woran mein Sinn Tag und Nacht gedenket: Niemand weiss um mich Als nur du und ich. Hab ich noch nicht sehr Ursach’, mich zu klagen, 20 Ei, so thu’ noch mehr Plage zu den Plagen; Denn du trägst, mein Heil, Doch das meiste Theil. Lass diess Leben mir Wohl versalzen werden, Dass ich mich nach dir Sehne von der Erden, Und den Tod bequem In die Arme nehm’. O wie werd ich mich 10 Dort an dir erquicken! Du wirst mich, und ich Werde dich anblicken, Ewig herrlich, reich Und den Engeln gleich. Schöner Himmelssaal, Vaterland der Frommen, Ende meiner Qual, Heiss mich zu dir kommen, Denn ich wünsch’ allein 20 Bald bei dir zu sein!

_PAUL FLEMING._

[_Scherer D._ 321, _E._ 322.]

Geboren 1609 zu Hartenstein im Voigtlande; besuchte die Schule zu Meissen, und studierte Medicin in Leipzig. Der Dreissigjährige Krieg trieb ihn nach Holstein, wo er sich der Gesandtschaft anschloss, welche Herzog Friedrich von Holstein an seinen Schwager, den Zar Michael Feodorowitz, nach Moskau schickte. Nach seiner Rückkehr von Russland (1635) wurde er mit Olearius vom Herzog als Gesandter an den Schah Sefi nach Persien geschickt. Er starb bald, nachdem er diese Reise beendigt, im Jahre 1640 zu Hamburg. Seine gesammelten Gedichte erschienen erst nach seinem Tod 1646. Lappenberg gab die lateinischen Gedichte Stuttgart 1863, die deutschen Stuttgart 1865 heraus, Tittmann (Leipzig 1870) eine Auswahl.

1.

GEISTLICHES LIED.

Lass dich nur nichts tauren mit Trauren! Sei stille! Wie Gott es fügt, so sei vergnügt, mein Wille! Was wilst du heute sorgen, auf morgen? Der Eine 10 steht Allem für, der giebt auch dir, das Deine. Sei nur in allem Handel ohn’ Wandel, steh feste! Was Gott beschleusst, das ist und heisst, das Beste. 10

2.

NACH DES VJ. PSALMENS WEISE.

In allen meinen Taten lass ich den Höchsten raten, der Alles kan und hat; er muss zu allen Dingen, solls anders wol gelingen, selbst geben Rat und Tat. Nichts ist es spat und frühe, um alle meine Mühe[989], mein Sorgen ist ümsonst: 20 er mags mit meinen Sachen nach seinem Willen machen, ich stells in seine Gunst. Es kan mir nichts geschehen, als was er hat versehen[990] und was mir selig ist. Ich nehm’ es, wie ers giebet; was ihm von mir geliebet[991], das hab’ auch ich erkiest. Ich traue seiner Gnaden, 30 die mich für[992] allem Schaden, für allem Übel schützt. Leb’ ich nach seinen Sätzen, so wird mich nichts verletzen, nichts fehlen, was mir nützt. Er wolle meiner Sünden, in Gnaden mich entbinden, durchstreichen meine Schuld! Er wird auf mein Verbrechen nicht stracks das Urteil sprechen und haben noch Gedult. 20 Ich zieh’ in ferne Lande, zu nützen einem Stande, an den er mich bestellt. Sein Segen wird mir lassen was gut und recht ist fassen zu dienen seiner Welt. Bin ich in wilder Wüsten, so bin ich doch bei Christen; und Christus ist bei mir. Der Helfer in Gefahren, 30 der kan mich doch bewahren, wie dorte, so auch hier. Er wird zu diesen Reisen, gewündschten Fortgang weisen, wol helfen hin und her, Gesundheit, Heil und Leben, Zeit, Wind und Wetter geben und Alles nach Begehr. Sein Engel, der getreue, macht meine Feinde scheue, trit zwischen mich und sie. Durch seinen Zug, den frommen, 10 sind wir so weit nun kommen und wissen fast nicht wie. Leg’ ich mich späte nieder, erwach’ ich frühe wieder, lieg’ oder zieh’ ich fort, in Schwachheit und in Banden, und was mir stösst zu Handen[993], so tröstet mich sein Wort. Hat er es denn beschlossen, so will ich unverdrossen 20 an mein Verhängnüss gehn; kein Unfall unter allen wird mir zu harte fallen, ich will ihn überstehn. Ihm hab’ ich mich ergeben zu sterben und zu leben, so bald er mir gebeut. Es sei heut’ oder morgen, dafür lass ich ihn sorgen, Er weiss die rechte Zeit. Gefällt es seiner Güte, und sagt mir mein Gemüte nicht was Vergeblichs zu, so werd’ ich Gott noch preisen 10 mit manchen schönen Weisen daheim in meiner Ruh’. Indess wird er den Meinen, mit Segen auch erscheinen, ihr Schutz, wie meiner, sein; wird beiderseits gewähren was unser Wundsch und Zähren ihn bitten überein. So sei nun, Seele, deine[994] und traue dem alleine, 20 der dich geschaffen hat! Es gehe wie es gehe, dein Vater in der Höhe weiss allen Sachen Rat.

3.

HERRN PAULI FLEMINGI DER MED. DOCT. GRABSCHRIFT, SO ER IHM SELBST GEMACHT IN HAMBURG, DEN XXIJX. TAG DES MERZEN M DC XL. AUF SEINEM TODBETTE, DREI TAGE VOR SEINEM SELIGEN ABSTERBEN.

Ich war an Kunst und Gut und Stande gross und reich, des Glückes lieber Sohn, von Eltern guter Ehren, 30 frey, meine, kunte mich aus meinen Mitteln nähren, mein Schall floh über weit, kein Landsmann sang mir gleich, von Reisen hochgepreist, für keiner Mühe bleich, jung, wachsam, unbesorgt. Man wird mich nennen hören, Bis dass die letzte Glut diss Alles wird verstören. Diss, deutsche Klarien[995], diss Ganze dank’ ich euch. Verzeiht mir, bin ichs wert, Gott, Vater, Liebste, Freunde, ich sag’ euch gute Nacht und trete willig ab. Sonst Alles ist getan bis an das schwarze Grab. Was frei dem Tode steht, das tu er seinem Feinde. Was bin ich viel besorgt, den Othem aufzugeben? An mir ist minder[996] Nichts, das lebet, als mein Leben.

_GEORG PHILIPP HARSDÖRFER._

[_Scherer, D._ 322, _E._ 323.]

Geboren 1607 zu Nürnberg. Er gehörte einer vornehmen Familie an, erhielt eine gute Erziehung, studierte und bereiste Frankreich, England, Holland und Italien. Er lebte später in Nürnberg, wo er 1658 als Rath starb. Im Jahre 1644 stiftete er in Nürnberg den Blumenorden an der Pegnitz, einen Verein, zu dessen Mitgliedern ausser ihm noch Johann Klaj (1616-1656) und Sigmund Betulius oder von Birken (1626-1681) und Andere gehörten. Von seinen Werken sind am bekanntesten die ‘Gesprächspiele’ oder ‘Frauenzimmer-Gesprächspiele’ (8 Bde. Nürnberg 1642-49) und der ‘Poetische Trichter’ (3 Thle. 1648-53). Vgl. Tittmann ‘Die Nürnberger Dichterschule.’

1.

DER WALD.