The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 5

Chapter 53,364 wordsPublic domain

_Es waren viel Menschen beflissen ‖ und mannigfach bemüht, das (Evangelium) in Schrift zu prägen, ‖ damit sie ihren Ruf ausbreiteten; Zu gleicher Zeit waren sie ‖ darauf bedacht, dass man glänzend in Büchern darstellte ‖ ihre kühnen Handlungen. Dabei thaten sie auch die hervorragende That: ‖ sie bewährten ihre Weisheit, und bewährten ihre Kunst ‖ in des Dichtens Reinheit. 20 Es ist durchaus nach der Regel ‖ so zierlich geredet, sie haben es so ersonnen, ‖ dass es dunkel und doch wohl zusammengefügt ist; Sie haben es auch in der Weise gesagt, ‖ dass dem die Bücher nicht überdrüssig wurden, und der sich wohl zurecht finden konnte, ‖ den es zu lesen gelüstete. Zu dem Zweck kann man auch genau ‖ mancher Völker Namen hier nun aufzählen ‖ und besonders namhaft machen. Vor Allen Griechen und Römer ‖ machen es so geziemend und richten es ganz zierlich her, ‖ so wie es dir wohl gefällt; Sie machen es so gerade ‖ und so durchaus schlicht, es ist so gut in eines gefügt, ‖ genau so wie Elfenbein. 30 Wenn man die Thaten niederschreibt, ‖ dass schafft dem Manne Lebenslust; gieb auf die Dichtung Acht, ‖ das belebt deinen Geist. Ist es der Prosa Schlichtheit, ‖ die labt dich gerades Wegs; oder des Metrums Zierlichkeit, ‖ das ist eine sehr reine Speise. Sie machen es gar süss, ‖ und messen die (Vers) Füsse, die Länge und die Kürze, ‖ damit es ergötzlich werde, 20 Sie haben darauf Bedacht genommen, ‖ dass ihnen keine Silbe fehlt, sie erstreben es nicht anders, ‖ als wie es die Versfüsse verlangen; Und alle die Zeiten (Quantitäten) ‖ haben sie regelrecht gezählt: Es misst ohne Ausnahme ‖ eine jede Silbe das abgewogene Mass. Sie fegen es rein ‖ und mit grosser Sorgfalt Genau so, wie ein Mann streng ‖ sein Korn reinigt; Ja dieselben heiligen Bücher ‖ stellen sie so rein dar; daran liest du dir schöne Lust ‖ ohne irgend welchen Anstoss. Da es nun so viele Menschen unternehmen ‖ und es in ihrer Sprache aufschreiben Und sich beeilen und drängen, ‖ ihr Ansehen zu erhöhen, 30 Warum sollen die Franken ‖ allein davon abstehn, und nicht in fränkischer Sprache versuchen, ‖ Gottes Preis zu singen. Nicht ist sie (die fränkische Sprache) so an dichterischen Vortrag gewöhnt ‖ und an der Regel Zwang, doch hat sie geraden Ausdruck ‖ in schöner Einfachheit. Also bestrebe du dich rasch, ‖ dass schön erklinge 20 Gottes Gesetz ‖ und wohl darin laute; Dass man es darin singe ‖ und schön vortrage; Und wir in dem Verständnisse ‖ sicher stehn; Das lass dir angenehm sein: ‖ so messen es die Füsse ab, Zeitmass und (metrische) Regel; ‖ das hat Gott selbst gepredigt. Willst du wohl darauf bedacht sein, ‖ das Metrum zu beachten, in deiner Sprache eine rühmliche That zu thun ‖ und schöne Verse zu machen, So strebe immer Gottes Willen ‖ alle Zeit zu erfüllen, dann schreiben Gottes Jünger ‖ auf fränkisch in regelrechten Versen; In Gottes süssen Geboten ‖ lass deine Füsse wandeln, 30 nicht lass dir die Zeit dazu abgehn: ‖ so ist sofort ein schöner Vers gemacht; Dichte [das] immer sorgsam ‖ in diesen sechs Zeitabschnitten, damit du dich so einrichtest, ‖ dass du in dem siebenten rasten kannst. Was Christi Worte uns gesagt ‖ und seine Jünger uns erzählt haben, dem räume ich durchaus den Vorrang ein, ‖ wie ich von rechtswegen soll; Denn sie haben es vorgetragen ‖ in gar edlen Sprachen, 20 haben es Alles mit Gott ersonnen ‖ und zierlich ins Werk gesetzt. Das ist angenehm und nützlich ‖ und lehrt uns Weisheit; ist ein himmlischer Zustand, ‖ darum ist es auch ein ander Ding. Warum sollen die Franken, wie ich sagte, ‖ allein dazu unfähig sein, die jenen Völkern in nichts nachstehn, ‖ die wir oben nannten? Sie sind ganz so kühn ‖ sogar wie die Römer; auch darf man nicht behaupten, ‖ dass die Griechen ihnen über sind. Sie besitzen sich zum Nutzen ‖ ebensoviel Klugheit, in Feld und Wald ‖ sind sie ebenso anstellig; 30 hinlänglich reich, ‖ auch sind sie sehr unternehmend, zu den Waffen behend ‖ sind die Helden alle. Sie bebauen mit reichen Mitteln ‖ --und waren stets daran gewöhnt-- ein gutes Land; ‖ das lässt sie nicht zu Schanden werden. Es ist sehr fett, ‖ genugsam ist es bekannt durch mannigfaltige Erzeugnisse; ‖ aber nicht durch unser Verdienst. Zu nützlichem Gebrauche gräbt man da auch ‖ Erz und Kupfer und wahrlich auch ‖ Eis-Steine; 20 füge dazu ferner noch ‖ Silber genug, auch lesen sie da im Lande ‖ Gold in ihrem Sande. Sie sind beharrlich ‖ in manchem guten Werke, in mancher nützlichen Beschäftigung; ‖ das bewirkt ihr Verstand. Sie sind sehr wohl gerüstet ‖ sich ihrer Feinde zu erwehren; kaum haben jene gewagt anzufangen, ‖ so haben sie sie überwunden. Kein Volk entzieht sich ihnen, ‖ das an ihr Land grenzt, sie müssen ihnen alle ‖ um ihrer Tüchtigkeit willen dienen, Und alle Menschen, ‖ wenn nicht etwa die See dazwischentritt, (ich weiss, Gott hat es so angeordnet) ‖ alle haben sie vor ihnen Furcht. 30 Kein Volk wagt es ‖ wider sie zu kämpfen; sie haben es ihnen ganz klar gemacht, ‖ nämlich mit den Waffen bewiesen. Sie lehrten sie es mit dem Schwerte, ‖ und nicht etwa mit Worten, mit sehr scharfen Speeren; ‖ darum fürchten sie sie noch so. Kein Volk lasse es sich einfallen, ‖ mit ihnen zu fechten, und wären es die Meder oder Perser, ‖ es müsste ihnen schlecht bekommen. 20 Ich las einmal fürwahr ‖ in einem Buch (ich weiss es genau), dass sie nach Geschlecht und Art ‖ von Alexanders Stamme sind, Der die Welt so bedrohte, ‖ mit dem Schwerte sie so ganz niederwarf unter seinen Händen ‖ mit sehr harten Banden; Und ich fand in der Erzählung, ‖ dass von Macedonien das Volk bei seiner Geburt ‖ getrennt wurde. Nicht duldet man unter ihnen, ‖ dass ein König über sie herrscht, irgendeiner auf der Welt, ‖ den sie nicht daheim aufgezogen haben; Oder dass auf dem Erdenrunde ‖ ein anderer es versucht aus irgendeinem Volke, ‖ über sie zu gebieten. 30 Von dem (ihrem Könige) haben sie immer Nutzen, ‖ von seiner Schnelligkeit und Klugheit; sie fürchten sich vor keinem, ‖ so lange sie ihn in voller Gesundheit haben. Er ist immer schlagfertig, ‖ wie ein Edeldegen soll, weise und kühn; ‖ und deren haben sie immer genug. Er herrscht glorreich ‖ über manche Völker, und sorgt für sie ebenso edel, ‖ wie für die seinen daheim. 20 Es gibt keinen der ihn verletzt, ‖ so lange ihn die Franken schützen; der seiner Kühnheit Stand hält, ‖ wenn jene ihn schützend umreiten. Denn Alles was sie denken, ‖ das wirken sie Alles mit Gott; sie thun ganz und gar nichts ‖ ohne seinen Rath. Sie bemühen sich um Gottes Wort ‖ sehr fleissig, dass sie das lernen, ‖ was ihnen die Bücher berichten; Dass sie auch in Angriff nehmen, ‖ es auswendig herzusagen. und sie es auch erfüllen ‖ mit kräftigem Willen.-- Davon ist nun die Rede gewesen, ‖ dass sie tüchtige Krieger sind, und Gott alle unterthan ‖ und voll Weisheit. 30 Jetzt will ich unser Heil schreiben, ‖ eine Auswahl aus den Evangelien, so wie wir es hier begonnen haben ‖ in fränkischer Mundart; Dass sie nicht allein ‖ dessen untheilhaftig sind, dass man in ihrer Zunge ‖ Christi Lob singt; Und Er in ihrer Sprache ‖ kräftig gelobt werde, der sie zu sich geholt, ‖ zu seinem Glauben eingeladen hat. Ist jemand in ihrem Lande, ‖ der es nicht versteht, in anderer Zunge nicht ‖ vernehmen kann, Hier hör’ er stets in Güte, ‖ was Gott ihm gebietet, was wir ihm hier gesungen haben ‖ in fränkischer Zunge. 20 Nun freue sich jeder darüber, ‖ der wohlwollend und freundlich gesinnt ist ‖ dem Frankenvolke, Dass wir Christum besungen ‖ in unserer Zunge, und wir auch das erlebten, ‖ dass man ihn auf fränkisch pries!_

2.

MYSTICE DE REVERSIONE MAGORUM AD PATRIAM.

Mánot unsih thisu fárt, ‖ thaz wír es wesen ánawart, wir únsih ouh birúachen ‖ intí eigan lánt suachen. Thu ni bíst es, wan ih, wís: ‖ thaz lánt thaz heizit páradis. ih meg iz lóbon harto, ‖ ni girínnit mih thero wórto. Thóh mir megi lídolih ‖ sprechan wórtogilíh, ni mag ih thóh mit worte ‖ thes lóbes queman zị énte. Ni bist es ío giloubo: ‖ sélbo thu ịz ni scówo; ni mahtu ịz óuh noh thanne ‖ yrzellen íomanne. Thar ist líb ana tód, ‖ líoht ana finstri, éngilichaz kúnni, ‖ joh éwinigo wúnni. Wir éigun iz firlázan; ‖ thaz mugun wir ío riazan joh zen ínheimon ‖ io émmizigen wéinon. 10 Wir fúarun thanana nóti ‖ thuruh úbarmuati, yrspúan unsih so stíllo ‖ ther unser múatwillo. Ni wóltun wir gilós sin, ‖ harto wégen wir es scín, nu riazen élilente ‖ in frémidemo lante; Nu ligit uns úmbitherbi ‖ thaz unser ádalerbi, ni níazẹn sino gúati; ‖ so duat uns úbarmuati. Thárben wir nu, léwes, ‖ líebes filu mánages, joh thúlten híar nu nóti ‖ bíttero ziti. Nu birun wir mórnente ‖ mit séru hiar in lánte, in mánagfalten wúnton ‖ bi únseren sunton; Árabeiti mánego ‖ sint uns híar io gárawo, ni wollen héim wison ‖ wir wenegon wéison. Wolaga élilenti, ‖ hárto bistu hérti, thu bist hárto filu suár, ‖ thaz ságen ih thir in álawar. Mit árabeitin wérbent, ‖ thie héiminges thárbent; ih haben iz fúntan in mír, ‖ ni fand ih líebes wiht in thír; Ni fand in thír ih ander gúat ‖ suntar rózagaz muat, 10 séragaz herza ‖ joh mánagfalta smérza. Ob uns in múat gigange, ‖ thaz unsih héim lange, zi thémo lante in gáhe ‖ ouh jámar gifáhe: Farames, so thíe ginoza, ‖ ouh ándara straza, then wég, ther unsih wénte ‖ zị éiginemo lánte. Thes selben pádes suazi ‖ suachit réine fuazi; si thérer situ in mánne, ‖ ther tharána gange: Thu scalt haben gúati ‖ joh mihilọ ótmuati, in hérzen io zi nóti ‖ waro káritati; Dua thir zi giwúrti ‖ scono fúriburti. wis hórsam io zi gúate, ‖ ni hóri themo muate; Ínnan thines hérzen kust ‖ ni láz thir thesa wóroltlust, fliuh thia géginwerti: ‖ so quimit thir frúma in henti. Húgi, wio ih tharfóra quad, ‖ thiz ist ther ánder pad; gang thésan weg: ih sagen thir éin: ‖ er giléitit thih héim. So thú thera héimwisti ‖ níuzist mit gilústi, so bistu góte liober, ‖ ni intratist scádon niamer. 10

_Es mahnet uns diese Fahrt, ‖ dass wir dessen seien achtsam, dass wir für uns auch sorgen ‖ und eigenes Land suchen. Du bist dessen, glaub ich, nicht verständig: ‖ das Land heisst Paradies. Ich könnte es loben sehr, ‖ nicht fehlen mir die Worte. 20 Wenn mir könnte der Glieder jedes ‖ sprechen lauter Worte, nicht vermag ich doch mit Worten ‖ zu Ende des Lobes zu kommen. Nimmer glaubst du es, ‖ wenn du es selbst nicht schauest, nicht kannst du es dann noch ‖ erzählen Jemanden. Da ist Leben ohne Tod, ‖ Licht ohne Finsterniss, ein englisches Geschlecht ‖ und ewige Wonne. Wir haben es verlassen: ‖ das mögen wir immer beweinen, und nach der Heimat ‖ immer beständig weinen. Wir fuhren von dannen in Eile ‖ aus Übermuth: es verlockte uns so im stillen ‖ unser Gelüsten. 30 Nicht wollten wir gehorsam sein: ‖ sehr tragen wir den Schein: nun weinen wir Verbannte ‖ in einem fremden Lande. Nun liegt uns unbenutzt ‖ unser Erbgut; nicht geniessen wir seiner Güte; ‖ so thut uns der Übermuth. Wir entbehren nun leider ‖ gar manches Erfreuliche, und dulden hier nun aus Noth ‖ bittere Zeiten. Nun sind wir kummervoll ‖ mit Schmerz hier im Lande in mannigfaltigen Wunden ‖ wegen unserer Sünden. 20 Manche Drangsale ‖ sind uns hier immer bereit, nicht wollen die Heimat suchen ‖ wir armen Waisen. Wohlan du Fremde ! ‖ sehr bist du hart; du bist sehr viel schwer, ‖ das sage ich dir in Wahrheit. In Mühsal treiben sich um, ‖ die der Heimat darben. Ich habe es gefunden bei mir: ‖ nicht fand ich etwas Erfreuliches in dir, Nicht fand ich in dir anderes Gut, ‖ als Stimmung zum Weinen, Leidvolles Herz ‖ und mannigfaltigen Schmerz. Wenn uns in den Sinn käme, ‖ dass uns nach der Heimat verlangte, zu dem Lande in Eile ‖ auch schmerzliches Verlangen ergriffe: 30 So fahren wir, wie die Genossen, ‖ auch eine andere Strasse, den Weg, der uns zurückführe ‖ zum eigenen Lande. Desselben Pfades Süsse ‖ fordert reine Füsse; es sei diese Sitte im Menschen, ‖ der darauf wandelt: Du sollst haben Gutheit ‖ und grossen willigen Muth (Demuth), im Herzen immer nothwendig ‖ wahre Liebe. Mache dir zur Freude ‖ schöne Entbehrungen. Sei gehorsam immer zum Guten: ‖ nicht gehorche deinem Gelüste. Innerhalb deines Herzens Trieb ‖ nicht lass dir diese Weltlust. Flieh die Zeitlichkeit: ‖ so kommt dir Vortheil in die Hände. Denke, wie ich da vorhin sagte: ‖ dies ist der andere Pfad; gehe diesen Weg: ich sage dir eins: ‖ er geleitet dich heim. Wenn du das Leben in der Heimat ‖ geniessest mit Lust, so bist du Gott lieber, ‖ nimmer erschrickst du vor Schaden._ 20

HÜPPE.

MITTELALTERLICHE RENAISSANCE.

_WALTHARIUS MANU FORTIS._

[_Scherer D._ 54, _E._ 49.]

Von Ekkehard I. von St. Gallen, nach einem deutschen Gedichte um 930 verfertigt. Herausgegeben von J. Grimm in ‘Grimm und Schmeller. Lat. Gedichte’ (Göttingen, 1838), Peiper (Berlin, 1873), Scheffel und Holder (Stuttgart, 1874) mit Scheffels Übersetzung.

Interea occiduas vergebat Phebus in oras Ultima per notam signans vestigia Thilen Et cum Scottigenis post terga reliquit Hiberos. Hic postquam oceanas sensim calefecerat undas, Hespera et Ausoniis obvertit cornua terris, Tum secum sapiens cepit tractare satelles, Utrum sub tuto per densa silentia castro Sisteret, an vastis heremi committeret arvis. Æstuat immensis curarum fluctibus et quid Jam faceret, sollers arguta indagine quaerit. Solus enim Hagano fuerat suspectus et illud Oscillum regis subter conplexibus actum. Ambigerat prorsus, quæ sit sententia menti Hostis et an urbem vellent remeare relictam, 10 Pluribus ut sociis per noctem forte coactis, Primo mane parent bellum renovare nefandum. An soli insidias facerent propiusque laterent? Terret ad hæc triviis ignoti silva meatus, Ne loca fortassis incurreret aspera spinis, Immo quippe feris, sponsamque amitteret illis. His ita provisis exploratisque profatur: ‘En quocumque modo res pergant, hic recubabo, Donec circuiens lumen spera reddat amatum: Ne patriæ fines dicat rex ille superbus 20 Evasisse fuga, furis de more per umbras.’ Dixit, et ecce viam vallo praemuniit artam Undique præcisis spinis simul et paliuris. Quo facto ad truncos sese convertit amaro Cum gemitu et cuicumque suum caput applicat atque Contra orientalem prostratus corpore partem, Ac nudum retinens ensem hac voce precatur: ‘Rerum factori, sed et omnia facta regenti, Nil sine permissu cuius vel denique iussu Constat, ago grates, quod me defendit iniquis 30 Hostilis turmæ telis, nec non quoque probris. Deprecor ad dominum contrita mente benignum, Ut qui peccantes non vult sed perdere culpas, Hos in cælesti prestet mihi sede videri.’ Qui postquam orandi finem dedit, ilico surgens Sex giravit equos et virgis rite retortis Vinciit: hi tantum remanebant, nempe duobus Per tela absumptis ternos rex Gunthere abegit. His ita compositis procinctum solvit et alte Ingenti fumans leviabat pondere corpus. Tum mestam læto solans affamine sponsam, Moxque cibum capiens ægros recreaverat artus, Oppido enim lassus fuerat, clipeoque recumbens Primi custodem somni iubet esse puellam, Ipse matutinam disponens tollere curam, Quae fuerat suspecta magis, tandemque quievit. Ad cuius caput illa sedens solito vigilavit 10 Et dormitantes cantu patefecit ocellos. Ast ubi vir primum iam expergiscendo soporem Ruperat, absque mora surgens dormire puellam Jussit et arrecta se fulciit impiger hasta. Sic reliquum noctis duxit, modo quippe caballos Circuit, interdum auscultans vallo propiavit, Exoptans orbi species ac lumina reddi.

NOTKER.

[_Scherer D._ 56, _E._ 51.]

Mit dem Beinamen Teutonicus oder Labeo. Er war ein Mönch im Kloster zu St. Gallen, wo er Übersetzungen aus dem Lateinischen verfasste oder anregte und 1022 starb. Sein Oheim und Lehrer war Ekkehard I. Herausgegeben von Hattemer ‘Denkmahle des Mittelalters’ (3 Bde. St. Gallen, 1844-49), Piper (Freiburg, 1882 ff.).

BOETHIUS DE CONSOLATIONE PHILOSOPHIÆ.

ITEM PROLOGUS TEUTONICE.

_Sanctus paulus_ kehîez tîen. dîe in sînên zîten uuândon des sûonetagen. táz er êr nechâme. êr _romanum imperium_ zegîenge. únde _antichristus_ rîchesôn begóndi. Uuér zuîuelôt _romanos_ íu uuésen állero rîcho hêrren. únde íro geuuált kân ze énde dero uuérlte? Sô dô mánige líute énnônt tûonouuo gesézene. hára úbere begóndôn uáren. únde ín állên dísên rîchen keuuáltigo uuíder _romanis_ sízzen. tô íu stûonden íro díng slîfen. {10} únde ze déro tîlegúngo râmen. tîa uuír nû sehên. Tánnân geskáh pi des chéiseres zîten _zenonis_. táz zuêne chúninga nórdenân chómene. éinêr ímo den stûol ze romo úndergîeng. únde álla _italiam_. ánderêr náhor ímo _greciam_ begréif. únde díu lánt. tíu dánnân únz ze tûonouuo sínt. Énêr hîez in únsera uuîs {20} ôtacher. tíser hîez thioterih. Tô uuárd táz ten chéiser lústa. dáz er dioterichen uríuntlicho ze hóue ládeta. tára ze dero mârun _constantinopoli_. únde ín dâr mít kûollichên êron lángo hábeta. únz er ín dés bíten stûont. táz er ímo óndi. mít ótachere zeuéhtenne. únde úbe er ín úberuuúnde. _romam_ ióh _italiam_ mít sînemo {30} dánche zehábenne. Táz úrlub káb ímo _zeno_. sîn lánt. ióh sîne líute. ze sînên triuôn beuélehendo. Sô dioterih mít témo uúorte ze _italia_ chám. únde er ótaccheren mít nôte guán. únde ín sâr dáranâh erslûog. únde er fúre ín des lándes uuîelt. tô netéta er ze êrest nîeht úber dáz. sô demo chéisere lîeb uuás. Sô áber nâh ímo ándere chéisera uuúrten. tô begónda er tûon. ál dáz in lústa. únde dîen râten án den lîb. tîe ímo dés neuuâren geuólgig. Fóne díu slûog er _boetíum_. únde sînen suêr _symmachum_. únde dáz óuh uuírsera {10} uuás. _iohannem_ den bâbes. Sâr des ánderen iâres. uuárt thioterih ferlóren. sîn néuo alderih zúhta daz rîche ze síh. _Romanum imperium_ hábeta îo dánnan hína ferlóren sîna _libertatem_. Áber dóh _gothi_ uuúrten dánnân uertríben fóne _narsete patricio. sub iustino minore_. Sô châmen áber nórdenan _langobardi_. únde {20} uuîelten _italiæ_. mêr dánne _ducentis annis_. Nâh _langobardis franci_. tîe uuír nû héizên chárlinga. nâh ín _saxones_. Sô íst nû zegángen _romanvm imperivm_. nâh tîen uuórten _sancti pauli apostoli_.

_Sanctus Paulus verhiess denen, die zu seiner Zeit auf den {20}Tag des Gerichtes hofften, dass er nicht eher kommen würde, als bis das römische Reich untergegangen wäre, und Antichrist zu herrschen begonnen hätte. Wer bezweifelt, dass die Römer immerdar Herren über alle Reiche sind, und ihre Gewalt sich bis zum Ende der Welt erstreckt? Als damals manche Völker, jenseit der Donau gesessen, hier herüber zu ziehen begannen und {10} in allen diesen Reichen mit Gewalt sich den Römern zu widersetzen, da begann ihre Macht zu sinken und dem Untergange zuzustreben, den wir jetzt sehen. Damals ereignete es sich um die Zeiten Kaiser Zenos, dass zwei Könige von Norden gekommen, der eine den Stuhl zu Rom besetzte und ganz {20} Italien, der andere Griechenland an sich riss und die Länder, die von da ab bis zur Donau liegen. Jener hiess in unserer Sprache Otacher, dieser hiess Dietrich. Da geschah es, dass den Kaiser gelüstete, Dietrich freundlich an seinen Hof zu laden, nach der herrlichen Constantinopolis, und dass er ihn dort mit rühmlichen {30} Ehren lange behielt, bis er ihn darum bat, dass er ihm gestattete mit Otacher zu fechten, und für den Fall er ihn überwände, Rom und Italien mit seiner Zustimmung zu besetzen. Die Erlaubniss gab ihm Zeno, indem er sein Land und seine Leute in seine Treue befahl. Als Dietrich auf die Verabredung nach Italien gekommen und er Otacher mit Mühe besiegt und ihn darnach erschlagen und an seiner Statt das Land beherrschte, da that er zuerst nichts über das hinaus, was dem Kaiser lieb war. Als aber nach ihm andere Kaiser {10} wurden, da begann er zu thun Alles, was ihn lüstete, und denen nach dem Leben zu stellen, die ihm darin nicht folgsam waren. Deshalb tödtete er den Boetius und seinen Schwäher Symmachus und, was noch viel schlimmer war, den Pabst Johannes. Hierauf im nächsten Jahre fand Dietrich seinen Untergang. Sein {20} Neffe Alderich riss das Reich an sich. Das römische Reich hatte von da an auf ewig seine Freiheit verloren. Aber trotzdem wurden die Gothen von Narses dem Patricier unter Justinus dem Jüngeren vertrieben. Hierauf kamen abermals von Norden die Langobarden und beherrschten Italien über zweihundert Jahre {30} lang; nach den Langobarden die Franken, die wir heute Karolinger nennen; nach ihnen die Sachsen. So ist nun das römische Reich nach den Worten Sct. Pauls des Apostels untergegangen._

_L._

ROSVITHA VON GANDERSHEIM.

[_Scherer D._ 57, _E._ 51.]

Aus einem alten sächsischen Adelsgeschlechte, Nonne im Benediktinerinnenkloster zu Gandersheim, gestorben 967. Sie verfasste sechs lateinische Comœdien, ferner ein Leben Ottos des Grossen und Legenden. Ihre Werke wurden herausgegeben von Barack (Nürnberg, 1858), ihre Comödien allein von Bendixen (Lübeck, 1857); von letzterem auch Übersetzung der Comödien (Altona, 1850, 1853).

_CALIMACHUS._

_Calimachus._

Anxie diuque gravem sustinui dolorem, quem vestro consilio relevari posse spero.

_Amici._

Æquum est, ut communicata invicem compassione patiamur, quicquid unicuique nostrum utriusque eventu fortunæ ingeratur.

_Calimachus._

O utinam voluissetis meam compassionem compatiendo mecum partiri!

_Amici._

Enuclea, quid patiaris, et, si res exigit, compatiemur; sin autem, animum tuum a nequam intentione revocari nitimur.

_Calimachus._

Amo.

_Amici._

{10} Quid?

_Calimachus._

Rem pulchram, rem venustam.

_Amici._

Nec in solo, nec in omni; ideo atomum, quod amas, per hoc nequit intelligi.

_Calimachus._

Mulierem.

_Amici._

Cum mulierem dixeris, omnes comprehendis.

_Calimachus._

Non omnes æqualiter, sed unam specialiter.

_Amici._

Quod de subjecto dicitur, non nisi de subjecto aliquo cognoscitur. Unde, si velis nos enarithmum agnoscere, dic primum usiam.

_Calimachus._

Drusianam.

_Amici._

Andronici hujus principis conjugem?

_Calimachus._

Ipsam.

_Amici._

Erras, socie; est lota baptismate.

_Calimachus._

Inde non curo, si ipsam ad mei amorem attrahere potero.

_Amici._

Non poteris.

_Calimachus._

{10} Cur diffiditis?

_Amici._

Quia rem difficilem petis.