The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 3

Chapter 33,470 wordsPublic domain

_Ich hörte das sagen, Dass sich herausforderten ‖ zum Einzelkampfe Hildebracht und Hadubrand ‖ zwischen zwei Heeren. Sohn und Vater ‖ ihre Rüstung richteten, Sie bereiteten ihre Kampfhemden, ‖ gürteten sich Schwerter an, Die Helden über die Ringe, ‖ als sie zu dem Kampfe ritten. Hildebracht sprach, ‖ er war der vornehmere Mann, 20 Der Lebens erfahrenere: ‖ zu fragen begann er Mit wenig Worten, ‖ wer sein Vater wäre In der Menschen Volke, ‘oder welches Geschlechtes du bist. Wenn du mir einen sagst, ‖ weiss ich mir die andern, Kind, im Königreiche: ‖ kund ist mir alles Volk.’ Hadubracht sprach, ‖ Hildebrands Sohn, ‘Das sagten mir ‖ unsere Leute, Alte und kluge, ‖ die früherhin gelebt, 20 Dass Hildebrand hiess ‖ mein Vater, ich heisse Hadubrand.’ * * * ‘Ehedem ging er ostwärts, ‖ (er floh Odoakers Hass) Hin mit Dietrich ‖ und seiner Degen viele. Er liess im Lande ‖ hilflos sitzen Die Frau in der Behausung, ‖ das Kind unerwachsen Des Erbes beraubt: ‖ er ritt ostwärts von hinnen. Er war dem Odoaker ‖ übermässig verhasst, Der Degen genehmster ‖ * * * Nachmals musste Dietrich ‖ entbehren Meinen Vater. ‖ Er war so von Freunden verlassen. 30 Stets an des Volkes Spitze: ‖ ihm war immer Kampf zu lieb. Kund war er manchen ‖ kühnen Mannen. [Nicht glaube ich, dass er noch das Leben hat,] Weiss Ziu, Irmingott ‖ oben vom Himmel, Dass du niemals noch ‖ Streit führtest Mit so nahe verwandtem Mann ‖ .......... Da wand er vom Arme ‖ gewundene Reife 20 Aus kaiserlicher Goldmünze gefertigt, ‖ wie sie ihm der König gegeben, Der Hunnen Herrscher: ‖ ‘das gebe ich dir nun aus Huld.’ Hadubracht sprach, ‖ Hildebrands Sohn, ‘Mit dem Gere soll ‖ der Mann Gabe empfangen, Spitze wider Spitze. ‖ Du bist dir, alter Hunne, Uebermässig schlau, ‖ verlockst mich ..... Mit deinen Worten, willst mich ‖ mit deinem Speer werfen. Bist ein also gealterter Mann, ‖ und führst doch ewig Trug im Schilde. 30 Das sagten mir ‖ Seefahrende Westwärts über den Wendelsee, ‖ dass ihn der Krieg dahingerafft: Tod ist Hildebrand, ‖ Herbrands Sohn.’ Hildebrand sprach, ‖ Herebrands Sohn, ‘Wohl sehe ich * an deiner Rüstung Dass du daheim ‖ einen wackeren Herren hast, Dass du noch nicht unter diesem Herrscher ‖ Flüchtling geworden bist.’ * * * ‘Weh nun, waltender ‖ Gott, Wehschicksal geschieht. Ich wallte der Sommer ‖ und Winter sechzig, 20 Wo man mich hinstellte ‖ in das Volk der Schützen, Ohne dass man mir vor einer Stadt ‖ den Tod bereitete: Nun soll mich das eigene ‖ Kind mit dem Schwerte hauen, Zerschmettern mit seiner Waffe, ‖ oder ich ihm zum Tode werden. Doch kannst du nun leichtlich, ‖ wenn dir deine Kraft zureicht, Von so vornehmem Manne ‖ Rüstung gewinnen, Raub erbeuten, ‖ wenn du da einiges Recht hast. Der möchte nun der feigste sein ‖ der Ostleute, Der dir jetzt den Kampf weigerte, ‖ nun dich dessen so sehr gelüstet, 30 Den gemeinsamen Streit. ‖ Versuche den Kampf Wer von beiden sich heute ‖ der Kriegsgewänder rühmen dürfe, Oder dieser Brünnen ‖ beider walten.’ Da ritten sie erst ‖ mit den Speeren aufeinander In scharfen Schauern: ‖ es blieb in den Schilden stecken. Dann stapften zusammen ‖ ? ? Zerhieben feindlich ‖ die weissen Schilde Bis ihnen ihre Bastschilde ‖ klein wurden Zernichtet mit Waffen ‖ .........._ 10 * * *

_HILDIBRAND UND ALIBRAND._

Aus der Thidrekssaga, die von einem Norweger um die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts nach deutschen Quellen verfasst ist. Sie enthält eine Zusammenfassung deutscher Heldensagen, deren Mittelpunkt Dietrich von Bern ist. Herausgegeben von C. R. Unger ‘Saga Thiðriks af Bern.’ (Christiania, 1853). Übersetzung von A. Rassmann in ‘Die deutsche Heldensage und ihre Heimat’ (2 Bde. Hannover, 1856, 1857; 2. Ausg., 1863).

Nun war Meister Hildibrand ganz gerüstet, und Jungherr Konrad ritt auf den Weg mit ihm. Da sprach Konrad zu Hildibrand: ‘Guter Meister Hildibrand, wenn du deinen Sohn Alibrand triffst, sprich höflich mit ihm und sage, dass du sein Vater bist; aber wenn du das nicht thust, so befürchte ich, dass das dein Tod werde, ein so gewaltiger Kempe ist er.’ Da antwortete Hildibrand: ‘Guter Freund, was kannst du mir von ihm sagen? Wie kann ich meinen Sohn Alibrand erkennen, ob er es ist oder ein anderer Mann?’ ‘Er hat ein weisses Ross,’ sagte Konrad, ‘und Nägel in {20} den Schuhen, die sind von Gold, sein Schild und Brünne ist weiss wie frischgefallener Schnee und darauf gemalt eine Burg. Kein Mann in Amlungenland ist seines Gleichen, so ein guter Ritter ist er, und du bist nun alt und wirst nicht vor ihm bestehen können.’ Da lachte Hildibrand und sprach: ‘Wenn auch Alibrand, mein Sohn, sich ein gewaltiger Mann zu sein dünkt, und sein Hochmut so stolz ist, dass er sich mit keinem Mann vergleichen will, so kann es doch sein, so alt wie ich auch bin, dass er mir seinen Namen noch nicht später sagt, als ich ihm den meinen sage.’ Darauf schieden sie sich.

Nun ritt Hildibrand rasch den Weg, welcher nach Bern führte, und als er nun so nahe gekommen war, dass er die Stadt sah, da ritt ihm ein Mann entgegen mit zwei Hunden, und auf der linken Seite einem Habicht. Der Mann war gross auf dem Rossesrücken {10} und sass mit Anstand auf seinem Rosse; er hatte ein weisses Ross, und weiss war seine ganze Rüstung und darauf Bern mit vergoldeten Thürmen gezeichnet. Hildibrand ritt dem Mann entgegen und glaubte zu finden, dass er sich nicht weniger zu sein dünke, als er. Und als Alibrand einen Mann mit Waffen sich entgegen reiten sah, und dieser ihm kühn entgegenritt, und er nicht sehen konnte, dass er sich vor ihm etwas beuge, so ward Alibrand zornig, und es schien ihm, als ob dieser sich mit ihm streiten wollte, spannte seinen Helm fest und schwang seinen Schild vor seine Brust, setzte seinen Spiess vor und schlug sein Ross mit den Sporen. Und als Hildibrand {20} sah, wie Alibrand sich gerüstet hatte, hielt er seinen Schild vor seine Brust und setzte seinen Spiess vor und schlug sein Ross mit den Sporen und ritt ihm keinesweges verzagter entgegen: und sie ritten einander an. Da stach jeder mit seinem Spiess in des andern Schild so stark, dass die Spiessschäfte beide entzwei brachen. Und der Alte sprang sogleich schleunig von seinem Rosse und zog sein Schwert, und desgleichen der Jüngere, dann giengen sie zusammen und schlugen sich lange Zeit, bis dass sie müde waren. Und sie setzten nun ihre Schilde nieder und stützten sich darauf.

{30} Da sprach Alibrand: ‘Wer ist dieser alte Mann, der vor mir einige Zeit Stand gehalten hat? Sage schnell deinen Namen und übergieb deine Waffen, so sollst du dein Leben behalten, aber wenn du das nicht willst, so kann das dein Schade werden.’ Hildibrand antwortete: ‘Willst du meinen Namen wissen, so wirst du zuvor deinen Namen sagen müssen, und du wirst dein Schwert und deine Waffen übergeben müssen, ehe wir uns scheiden, und wenn du das nicht gutwillig willst, so wirst du es doch gezwungen thun müssen.’ Da schwang Alibrand sein Schwert überaus hitzig empor und hieb nach dem Alten, und desgleichen schwang Hildibrand sein Schwert empor und hieb gegen ihn. Da erhob sich nun ein harter Kampf, und sie machten den zweiten Angriff halbmal tapferer als zuvor: und nun waren beide müde, und Alibrand setzte den Schild nieder und wollte sich ruhen, und ebenso wollte Hildibrand. Da sprach Alibrand: ‘Willst du deinen Namen sagen und deine Waffen übergeben, so sollst du dein Leben behalten, wenn du aber nicht also thust, so sollst du erschlagen werden. Du wolltest deinen {10} Namen nicht sagen, als wir uns begegneten, und das war dir keine Unehre, aber nun musst du ihn sagen mit Unsieg und all deine Waffen mit Unehre lassen, oder im andern Fall den Tod erdulden.’ Und nun ward der Jüngere aufs allerwüthendste und wollte ihn wahrlich erschlagen und hieb da aus aller Kraft nach dem Alten: aber er wehrte sich aufs allertapferste. Und da sprach Hildibrand: ‘Bist du etwa vom Ylfinge Geschlecht, so sag’ es mir und ich gebe dir Frieden, aber wenn das nicht ist, so erschlage ich dich.‘ Da antwortete Alibrand: ’Wenn du dein Leben behalten willst, so ergieb dich, aber ich bin nicht mehr ein Ylfing als du, und {20} fürwahr du bist thöricht, obschon du alt bist, und sage schnell deinen Namen. Wenn du aber wüsstest, wer ich wäre, so würdest du nicht meinen Vater Ylfing nennen.’ Sie drangen darauf aufs allertapferste auf einander ein. Der Alte gieng ihm jetzt nahe und hieb gar stark, und da schlug Hildibrand einen gewaltigen Schlag auf seinen Schenkel, so dass die Brünne entzwei gieng, und Alibrand erhielt nun eine so grosse Wunde, so dass ihm fast sein Fuss unbrauchbar war. Und nun sprach er: ‘Sieh hier nun mein Schwert: nun will ich das übergeben, weil ich jetzt nicht länger vor dir stand halten kann. Du hast den bösen Feind in deiner Hand,’ {30} und streckte die Hand vor. Und der Alte wandte den Schild weg und streckte die Hand vor, dem Schwert entgegen, und gedachte es zu ergreifen: da hieb Alibrand verstohlen nach dem Alten und wollte ihm die Hand abhauen; aber der Alte schwang den Schild hoch und schleunig empor und sprach: ‘Diesen Schlag wird dich dein Weib, aber nicht dein Vater gelehrt haben.’ Und der Alte drang so stark vor, dass nun der Junge zur Erde fiel, und der Alte oben auf ihn, und setzte sein Schwert vor seine Brust und sprach: ‘Sage mir schnell deinen Namen und dein Geschlecht, oder du musst dein Leben lassen.’ Da antwortete Alibrand: ‘Den sage ich nun nimmer, denn ich bin nun fortan um mein Leben nicht besorgt, da so eine alte Graugans mich überwunden haben soll.’ Hildibrand sprach: ‘Willst du dein Leben behalten, so sage mir stracks, ob du bist mein Sohn Alibrand, so bin ich Hildibrand, dein Vater.’ Da antwortete der Junge: ‘Wenn du bist Hildibrand mein Vater, so bin ich Alibrand dein Sohn.’ Da stand Hildibrand schnell auf von ihm, und Alibrand auf seine Füsse, und sie küssten {10} sich und erkannten sich nun beide. Nun ward Hildibrand gar vergnügt über seinen Sohn Alibrand, und Alibrand desgleichen über seinen Vater Hildibrand. Dann sprangen sie auf ihre Rosse und ritten heim zu der Burg. Nun fragte Alibrand: ‘Wo schiedest du von König Thidrek von Bern?’ Hildibrand antwortete und sagte ihm Alles, wie sie sich schieden in dem Walde, und desgleichen das, dass er wünsche, dass Alibrand hinausreite ihm entgegen mit all seinen Mannen.

Nun ritten sie am Abend zu Alibrands Mutter. Sie gieng ihnen entgegen und sah ihren Sohn Alibrand blutig und wund. Da {20} weinte sie und jammerte und sprach: ‘Mein süsser Sohn, wo bist du verwundet? und wer versetzte dir diese Wunde? und wer ist dein Fahrtgenosse?’ Da antwortete Alibrand: ‘Frau, diese Wunde mag ich wol ertragen, obgleich sie nicht klein ist, die hat mir mein Vater Hildibrand, der Ylfinge Meister, versetzt; er reitet nun hier mit mir.’ Da ward sie froh über ihren Sohn und ihren Gatten und gieng ihnen entgegen und schlang ihre beiden Arme um Hildibrands Hals, und nun war jeder von ihnen über den andern erfreut. Und da war nun grosse Freude und Fröhlichkeit diese Nacht.

RASSMANN.

4. KARL DER GROSSE.

_AUS EINHARDS LEBENSBESCHREIBUNG KARLS DES GROSSEN._

[_Scherer D._ p. 43, _E._ p. 39.]

Herausgegeben von Pertz in ‘Monumenta Germaniæ historica. Scriptores’ II; Jaffé in ‘Bibliotheca rerum Germanicarum’ Bd. IV.

Cap. XXIX. _Post susceptum imperiale nomen, cum adverteret multa legibus populi sui deesse (nam Franci duas habent leges, in plurimis locis valde diversas), cogitavit, quæ deerant addere et discrepantia unire, prava quoque ac perperam prolata corrigere; sed de his nihil aliud ab eo factum est, nisi quod pauca capitula, et ea imperfecta, legibus addidit. Omnium tamen nationum quæ sub eius dominatu erant iura quæ scripta non erant describere ac litteris mandari fecit. Item barbara et antiquissima carmina, quibus veterum regum actus et bella canebantur, scripsit memoriæque mandavit. {10} Inchoavit et grammaticam patrii sermonis. Mensibus etiam iuxta propriam linguam vocabula imposuit, cum ante id temporis apud Francos partim Latinis partim barbaris nominibus pronunciarentur. Item ventos duodecim propriis appellationibus insignivit, cum prius non amplius quam vix quatuor ventorum vocabula possent inveniri. Et de mensibus quidem Ianuarium_ Wintarmanoth, _Februarium_ Hornung, _Martium_ Lentzinmanoth, _Aprilem_ Ostarmanoth, _Maium_ Winnemanoth, _Iunium_ Brachmanoth, _Iulium_ Heuvimanoth, _Augustum_ Aranmanoth, _Septembrem_ Witumanoth, _Octobrem_ Windumemanoth, _Novembrem_ Herbistmanoth, _Decembrem_ {20} Heilagmanoth _appellavit. Ventis vero hoc modo nomina imposuit, ut subsolanum vocaret_ ostroniwint, _eurum_ ostsundroni, _euroaustrum_ sundostroni, _austrum_ sundroni, _austroafricum_ sundwestroni, _africum_ westsundroni, _zephyrum_ westroni, _chorum_ westnordroni, _circium_ nordwestroni, _septemtrionem_ nordroni, _aquilonem_ nordostroni, _vulturnum_ ostnordroni.

_PATERNOSTER UND SYMBOLUM APOSTOLICUM._

[_Scherer D._ p. 43, _E._ p. 39.]

Aus dem Weissenburger Katechismus in einer Handschrift des neunten Jahrhunderts, die sich in der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel befindet. Herausgegeben in den Denkmälern Nr. 56.

Fater unser, thû in himilom bist, giuuîhit sî namo thîn. queme rîchi thîn. uuerdhe uuilleo thîn, sama sô in himile endi in erthu. Broot unseraz emezzîgaz gib uns hiutu. endi farlâz uns sculdhî unsero, sama sô uuir farlâzzem scolôm unserêm. endi ni gileidi unsih in costunga. {10} auh arlôsi unsih fona ubile.

Fater unser, thû in himilom bist, giuuîhit sî namo thîn. Gotes namo ist simbles giuuîhit: auh thanne uuir thiz quedhem, thanne bittem uuir, thaz sîn namo in uns mannom uuerdhe giuuîhit thuruh guodiu uuerc.

{20} Queme rîchi thîn. Rîchi gotes ist simbles endi eogihuuâr: thes bittem uuir thoh, thanne uuir thiz quedem, thaz gotes rîchi sî in uns endi thes diufles giuualt uuerdhe arfirrit fona uns.

Uuerdhe uuillo thîn sama sô in himile endi in erthu. Thes sculun uuir got simbles bitten, thaz sîn uuilleo uuerdhe samalîh in erdhu in mannom, sôso her ist in himile in engilom, cithiu thaz man in erthu sînan uuilleon giuuurchen megîn sama sô engilâ in himile magun.

{10} Broot unseraz emetzîgaz gib uns hiutu. Allo mannes thurftî sintun in themo brôtes namen gameinito, thero er ci thesemo antuuerden lîbe bitharf. bithiu scal man dago gihuuelîches thiz gibet singan, sô huuer sô uuili thaz imo got gidago sînero thurfteo helphe.

{20} Indi farlâz uns sculdhî unsero sama sô uuir farlâzzem scolôm unserêm. Sô huuer sô thiz quidhit, sô bitharf thaz er sô due sô her quithit, huuanda her fluochôt imo mêr thanne her imo guodes bitte, ibu her sô ni duat sô her quidhit: huuanda sô huuer sô andhremo arbolgan ist endi thiz gibet thanne singit, {30} ther bidit imo selbemo thanne ubiles.

Indi ni gileiti unsih in costunga. Ni leitit got eomannan in ubilo thohheinaz; ûzzar thanne her then man farlâzzit, sô ist her sâr in costungôm. thaz meinit haz uuort, thaz her unsih ni farlâzze cithiu thaz uuir in ubil gileitte ni uuerdhên.

Auch arlôsi unsih fona ubile. In thesemo uuorde ist bifangan allero ubilo gihuuelîh, thero manne giterjan megi. bithiu sô huuer sô thiz gibet hlûttru muatu singit, gilouban scal her, thaz {10} inan got thanne gihôrje: huuandaher ni bitit thâr ana elljes eouuihtes, nibu thes got selbo giboot ci bittanne, endi thâr sintun thoh allo mannes thurftî ana bifangano.

Gilaubju in got fater almahtîgon scepphjon himiles enti erdâ. Endi in heilenton Christ, suno sînan einagon, truhtîn unseran. {20} Ther infanganêr ist fona heilegemo geiste, giboran fona Marîûn magadî, giuuîzzinôt bî pontisgen Pilâte, In crûci bislagan, toot endi bigraban. Nidhar steig ci hellju, in thritten dage arstuat fona tóotêm, Ûf steig ci himilom, gisaz ci cesuûn gotes fateres almahtîges: Thanan quemendi ci ardeilenne {30} quecchêm endi dóodêm. Gilaubju in âtum uuîhan, uuîha ladhunga allîcha, Heilegero gimeinidha, Ablâz sundeôno, Fleisges arstantnissi, Liib êuuîgan. Amen.

_Vater unser, der du in den Himmeln bist, geheiliget sei dein Name. Es komme dein Reich. Es werde dein Wille, so wie im Himmel auch auf Erden. Unser tägliches (beständiges) Brot gieb uns heute. Und erlass uns unsere Verschuldungen, so wie wir erlassen unseren Schuldnern. {10} Und nicht geleite uns in Versuchung. Sondern erlöse uns vom Uebel._

_Vater unser, der du in den Himmeln bist, geheiliget sei dein Name. Gottes Name ist immer geheiligt: aber wenn wir dies sagen, so bitten wir, dass sein Name in uns Menschen werde geheiligt durch gute Werke._

{20} _Es komme dein Reich. Das Reich Gottes ist immer und überall: darum bitten wir jedoch, wenn wir dies sagen, dass Gottes Reich sei in uns, und des Teufels Gewalt werde entfernt von uns._

_Es werde dein Wille so wie im Himmel auch auf Erden. Darum sollen wir Gott immer_ _bitten, dass sein Wille werde (geschehe) ganz gleich auf Erden bei den Menschen, wie er geschieht im Himmel bei den Engeln, damit die Menschen auf Erden seinen Willen zu vollbringen (wirken) vermögen, so wie die Engel im Himmel es können._

{10} _Unser beständiges Brot gieb uns heute. Alle Bedürfnisse des Menschen sind mit dem Namen des Brotes gemeint, deren er zu diesem gegenwärtigen Leben bedarf. Darum soll an jeglichem Tage dies Gebet hersagen, wer immer will, dass ihm Gott täglich zu seinen Bedürfnissen verhelfe._

{20} _Und erlass uns unsere Verschuldungen, so wie wir erlassen unseren Schuldnern. Wenn einer so spricht, so ist es nothwendig, dass er so thut wie er spricht, denn er ladet mehr Fluch auf sich, als er sich Gutes erbittet, wenn er nicht so thut wie er spricht: denn so einer wider anderen erzürnt ist und dies {30} Gebet zu der Zeit hersagt, der erbittet sich dann selbst Übeles._

_Und geleite uns nicht in Versuchung. Nicht leitet Gott irgend jemand in ein Uebel: aber wenn er den Menschen verlässt, so ist er sofort in Versuchungen. Das bedeutet das Wort, dass er uns nicht verlassen soll, damit wir nicht in das Uebel verleitet werden._

_Sondern erlöse uns vom Uebel. In diesem Worte ist die Gesammtheit aller Uebel befangen, welche dem Menschen zu schaden vermögen. Darum soll, wer dies Gebet in lautrem Gemüthe hersagt, {10} glauben, dass ihn Gott dann höre: weil er nichts anderes damit bittet, als was Gott selbst gebot zu bitten, und es sind doch alle Bedürfnisse des Menschen darin befangen._

_Credo in deum patrem omnipotentem, creatorem cæli et terræ. et in Iesum Christum, filium eius unicum, dominum nostrum. {20} Qui conceptus est de 20 spiritu sancto, natus ex Maria virgine, passus sub Pontio Pilato, crucifixus, mortuus et sepultus. descendit ad inferna, tertia die resurrexit a mortuis, ascendit ad cælos, sedet ad dexteram dei patris omnipotentis: inde venturus iudicare vivos et mortuos. Credo in {30} spiritum sanctum, sanctam ecclesiam catholicam, sanctorum communionem, remissionem peccatorum, carnis resurrectionem, vitam æternam. Amen._

AUS DEN FRAGMENTEN DER ÜBERSETZUNG DES MATTHÆUS-EVANGELIUMS.

[_Scherer D._ 43, _E._ 39.]

Herausgegeben in Endlicher und Hoffmann ‘Fragmenta theotisca’ (Vindobonæ, 1834; 2. Aufl. 1841).

Enti see saar alle dhea burgera fuorun _i_ngegin Jesuse enti sô inan gahsâhhun, bâtun _da_z er aufuori ûz fona iro marchôm. _En_ti genc er in sceffilîn, ubarferita dhen _ke_ozun enti quam in sîna burc. _En_ti see saar butun imo bifora laman licchen_t_an in bâru enti gasah Jesus iro galaupîn, _qu_had demo lamin: Gatrûê, sunu, forlaaz_sen_u dhir uuerdant dîno suntea; Enti see _saar_ ein huuelîhhe scrîbera quhâttun untar im: _Dh_ese lastrôt. enti sô Jesus gasah iro gadanchâ, _quh_at: zahuuiu dencet ir ubil in iuuueremo _muo_te? Huuedar ist gazelira za quedanne: _forl_âzseno dhir uuerdant dhîno suntea, _odo_ za quhedanne: arstant enti ganc? _Da_z ir auh uuizît, dhaz mannes sunu _hab_êt gauualt in herdhu za forlâzanne suntea, _Duo_ quhat dhemo lamin: arstant, nim _dii_n betti enti ganc za dînemo hûs. enti er _arstu_ont enti genc za sînemo hûs. Gasâhhun iz _diu_ folc, gaforahtun im enti aerlîhho lobôtun _got_, dher solîhha gauualtida forgab mannum.

_Et ecce tota civitas exiit obviam Iesu et viso eo rogabant, ut transiret a finibus eorum. Et adscendens in naviculam transfretavit et venit in civitatem suam. Et ecce offerebant ei paralyticum iacentem in lecto, et videns Iesus fidem illorum dixit paralytico: confide fili, remittuntur {10} tibi peccata tua; et ecce quidam de scribis dixerunt intra se: Hic blasphemat. et cum vidisset Iesus cogitationes eorum, dixit: Ut quid cogitatis mala in cordibus vestris? Quid est facilius dicere: dimittuntur tibi peccata tua, aut dicere: surge et ambula? Ut sciatis autem, quoniam filius hominis {20} habet potestatem in terra dimittendi peccata, Tunc ait paralytico: Surge, tolle lectum tuum et vade in domum tuam. et surrexit et abiit in domum suam. Videntes autem turbæ timuerunt et glorificaverunt deum, qui talem potestatem dedit hominibus._

MUSPILLI.

[_Scherer D._ 44, _E._ 40.]

Muspilli, ein alter heidnischer Name des Feuers (Holzzerstörer), von christlichen Dichtern auf den Weltuntergang übertragen. Die Verse, welche diesen Namen tragen, wurden, wie ihr erster Herausgeber Schmeller vermuthet, vielleicht von Ludwig dem Deutschen (843-876) auf leere Blätter und Ränder der Handschrift geschrieben, in welcher dieselben auf uns gekommen sind. Herausgegeben in den Denkmälern Nr. 3.

Daz hôrtih rahhôn ‖ dia werolt-rehtwîson, daz sculi der antichristo ‖ mit Êlîase pâgan. der warch ist kiwâfanit: ‖ denne wirdit untar in wîch arhapan. khenfun sint sô kreftîc, ‖ diu kôsa ist sô mihhil. Êlîas strîtit ‖ pî den êwîgon lîp: wili den rehtkernôn ‖ daz rîhhi kistarkan; pidiu scal imo helfan ‖ der himiles kiwaltit. der antichristo stêt ‖ pî demọ altfîante, stêt pî demo Satanâse, ‖ der inan varsenkan scal: pidiu scal er in derụ wîcstetî ‖ wuntêr pivallan. 10 enti in demo sinde ‖ sigalôs werdan. doh wânit des vilo ‖ wîserọ gotmanno daz der wîho in demo wîge ‖ arwartit werde: sô daz Êlîases pluot ‖ in erda kitriufit, so inprinnant die pergâ, ‖ poum ni kistentit einîch in erdu, ‖ ahâ artruknênt, muor varswilhit sih, ‖ suilizôt lougiu der himil, mâno vallit, ‖ prinnit mittilagart, stên ni kistentit. ‖ denne stûatago in lant verit mit diu vuiru ‖ viriho wîsôn, dâr ni mac denne mác andremo ‖ helfan vora demọ muspille. denne daz preita wasal ‖ allaz varprennit 10 enti vuir enti luft ‖ iz allaz arfurpit, wâr ist denne diu marha, ‖ dâr man dâr eo mit sînên mâgon piec? diu marha ist farprunnan, ‖ diu sêla stêt pidwungan, ni weiz mit wiu puaze: ‖ sâr verit si za wîze.