Studien und Plaudereien. First Series
Chapter 3
Otto: Anna, Sie wissen, der Dorn an der Rose sticht, und die Moskito sticht auch und die Wespe und die Biene; und die Nadel sticht. Heute, im Oktober, sticht keine Wespe, aber im August hat mich eine gestochen, sehen Sie hier, an diesen Mittelfinger. Die Nadeln des Tannenbaumes haben auch gestochen (ich steche, ich stach, ich habe gestochen).
Alle: Nun verstehen wir alle Wörter!
* * * * *
Otto: So, nun wollen wir alle das Gedicht sagen; Sie, Bella und Anna, und mein Bruder und ich -- alle, alle zusammen.
Alle: »Es ist ein Bäumlein gestanden im Wald In gutem und schlechtem Wetter. Das hat von unten bis oben Nur Nadeln gehabt statt Blätter. Die Nadeln haben gestochen, Das Bäumlein hat gesprochen.«
Bella: Was hat das Bäumlein gesprochen? (ich spreche, ich sprach, ich habe gesprochen.)
Otto: Alle meine Kameraden Haben schöne Blätter an Und ich habe nur Nadeln ..... Nadeln ..... und Nadeln ..... und ..... und .....
Louis: Nadeln ..... und ..... und .....?
Otto: Herr Meister, ich kann die andern Verse nicht sagen; ich habe sie (= die Verse) vergessen (ich vergesse, ich vergaß, ich habe vergessen). Helfen Sie mir, ich bitte!
Herr Meister: Ich kann nicht. Ich habe mein Buch nicht hier; und so kann ich das Gedicht auch nicht sagen.
Louis: Aber ich will das Ende wissen.
Herr Meister: Louis, sagen Sie nicht: »I_c_h w_i_l_l«; das ist nicht fein. Sagen Sie: »I_c_h m_ö_c_h_t_e das Ende wissen.« Das ist besser.
Louis: O, ich möchte das Ende wissen.
Otto: Ich kann Ihnen alles in Prosa erzählen (= sagen).
Alle: O, erzählen Sie es in Prosa! Erzählen Sie!
* * * * *
Otto: Das Bäumlein hat gesprochen: Ich will diese Nadeln nicht; nein, ich will sie nicht; alle die anderen Bäume im Walde haben schöne Blätter, und ich nicht. Ich will auch Blätter, und ich will bessere; ich will Blätter von Gold. Und da kam (ich komme, ich kam, ich bin gekommen) die Nacht; da ist das Bäumlein eingeschlafen und .....
Louis: Eingeschlafen? Was ist das?
Otto: Um elf Uhr in der Nacht gehst du (ich gehe, du gehst) in dein Bett, und in fünf Minuten hörst du (ich höre, du hörst) nichts mehr und siehst (ich sehe, du siehst) nichts mehr, und deine Augen sind nicht mehr offen; nicht wahr, Louis?
Louis: Ja wohl, Otto, so ist es.
Otto: Du bist eingeschlafen; und dann schläfst du (ich schlafe, du schläfst) sieben Stunden.
Louis: O ja, das ist wahr (= das ist so).
Otto: -- und am anderen Morgen ist es aufgewacht .....
Louis: Aufgewacht? Das Wort verstehe ich auch nicht.
Herr Meister: Das Bäumlein öffnete (ich öffne, ich öffnete, ich habe geöffnet) die Augen.
Louis: Ich verstehe.
Otto: -- ist es aufgewacht und hatte Blätter von Gold. Da war es reich. Blätter von Gold im Sonnenschein! Das war so schön. Und das Bäumlein lachte, und es war so froh, und es sagte (ich sage, ich sagte, ich habe gesagt): Ich bin das schönste Bäumlein im Walde! Und dann war es Abend. Da kam ein Mann. Er sah (ich sehe, ich sah, ich habe gesehen) das Gold und steckte alles, alles in seinen großen Sack und in seine langen Taschen. Da hatte das Bäumlein keine Blätter mehr und auch kein Gold; es war so arm!
Anna: O, das arme Bäumlein!
Louis: Da lachte das Bäumlein nicht!?
Otto: Nein, es lachte nicht; es war traurig und sagte: Heute Morgen war ich voll mit goldenen Blättern und nun -- ach, ich will keine goldenen Blätter, ich will Blätter von Glas. Und am nächsten Morgen hatte (ich habe, ich hatte) das Bäumlein Blätter von Glas. Das Glas glitzerte in der Sonne, und das Bäumlein sagte: Kein Baum im Walde glitzert so. Da kommt der Sturm durch den Wald, und er kommt an die Blätter von Glas; die Blätter von Glas fallen auf die Erde und in einer Minute waren alle, alle zerbrochen.
Bella: Der böse, böse Wind!
* * * * *
Otto: Da war das Bäumlein wieder traurig und es sagte: Ich will keine Blätter von Glas und keine von Gold; ich möchte grüne Blätter, wie alle die anderen Bäume hier im Walde. Und wieder ist es eingeschlafen am Abend, und wieder ist es aufgewacht am Morgen und da hatte es grüne Blätter. Da kam die Ziege.
Louis: Die Ziege? Was ist eine Ziege?
Otto: Das kann ich dir sagen, Louis. Du trinkst Milch im Kaffee, nicht wahr?
Louis: Nein, Otto, nicht ich; ich trinke keinen Kaffee und keinen Thee, aber mein Vater trinkt Kaffee und Milch.
Otto: Und wir haben die Milch von .....?
Louis: Von ..... von dem Milchmanne.
Otto: Nun ja, Louis, von dem Milchmanne! Von wem hat der Milchmann die Milch?
Louis: Von der K..... K.....
Otto: Das ist recht, Louis! Von der Kuh. Die Kuh giebt[III-6] uns Milch und Butter. Die Ziege giebt uns auch Milch; die Ziege ist kleiner als die Kuh.
Louis: Die Ziege ist eine kleine Kuh, nicht wahr?
Otto: O nein, Louis, nein. Höre! Die Kuh macht: Muh! muh! und die Ziege macht: Mä.....e..... e.....e!
Louis: Otto, du machst sehr gut mä.....e..... e.....e.....; so gut kann ich es nicht. Ich verstehe dich (= Otto). Die Ziege ist kleiner als die Kuh, und sie ist größer als das ..... das .....
Otto: Größer als was?
Louis: Größer als das ..... das ..... das ..... O, ich kann es nicht sagen.
Otto: Hat es Federn, wie die Henne?
Louis: Nein.
Otto: Hat es Haare, wie die Ziege?
Louis: Nein; es hat keine Haare, wie die Ziege, und keine Federn, wie die Henne.
Otto: Es hat keine Haare und keine Federn. Was hat es?
Louis: O, du weißt (= verstehst), was ich meine!
Herr Meister: Hat es Wolle?
Louis: Ja, es hat Wolle und macht: Blä! blä! blä!
Otto: Ah, du meinst ein Lamm.
Louis: Ja, ein Lamm.
Herr Meister: Ein Lamm ist jung, und wenn das Lamm alt ist, so ist es ein Schaf.
* * * * *
Otto: Da kam die Ziege und sah die grünen Blätter. Das Bäumlein war so jung, und die Blätter so frisch, und die Ziege so hungrig, und da nahm (ich nehme, ich nahm, ich habe genommen) sie alle Blätter. Da sagte das Bäumlein: Ich will keine Blätter mehr, keine Blätter von Gold und keine von Glas und auch keine grünen Blätter. Ich möchte meine Nadeln wieder haben! Und am Abend ist das Bäumlein wieder eingeschlafen, und am Morgen ist es wieder aufgewacht, und da -- da lacht es (ich lache, ich lachte, ich habe gelacht), und die andern Bäume im Walde lachen auch. Warum denn? Das Bäumlein hatte wieder (ich habe, ich hatte, ich habe gehabt) alle seine Nadeln. Und das war gut! Verstehst du alles, Louis?
Louis: Ich verstehe alles.
Otto: Haben Sie mich auch verstanden, Anna?
Anna: O ja! sehr gut.
Otto: Und Sie, Bella?
Bella: Ich auch. Sie sprechen so gut deutsch, Otto.
Otto: Im Gedicht ist alles schöner, als in Prosa.
Bella: Ich werde (= will) es lesen.
Anna: Ich werde es (= das Gedicht) meiner kleinen Schwester zu Hause erzählen.
Herr Meister: Ah! Rückert hat dieses Gedicht auch für seine kleine Schwester geschrieben (ich schreibe, ich schrieb, ich habe geschrieben).
Anna: Erst will das Bäumlein Blätter von Gold, dann von Silber und .....
Louis: Nein, Anna; nicht von Silber; von Glas.
Anna: ... von Glas und dann grüne Blätter, und zuletzt will es seine Nadeln wieder. Nicht wahr, Herr Meister?
Herr Meister: Ja, so ist es. Das Bäumlein ist nicht zufrieden, oft will es das eine, oft das andere.
Anna: So ist meine kleine Schwester Julie auch. Heute Morgen sagte sie: Ach, wann kommt der Winter? Und ist der Winter da, so sagt sie: Ach, wann kommt der Sommer?
Herr Meister: Ihre Schwester Julie ist, wie die Menschen so oft sind -- unzufrieden.
Otto: Ist u_n_z_u_f_r_i_e_d_e_n dasselbe wie »nicht z_u_f_r_i_e_d_e_n«?
Herr Meister: Ja, Otto. Die S_i_l_b_e »u_n« vor einem Wort ist »n_i_c_h_t.«
Otto: Das ist im Englischen auch so; {unhappy} ist {not happy}; {unkind} ist {not kind}.
* * * * *
Bella: Ich bin auch oft unzufrieden, wie Julie; ich sagte auch oft im Winter: Wann kommt der schöne Sommer?
Otto: Glauben (= denken) Sie, der Sommer ist besser, als der Winter?
Bella: O, viel besser!
Anna: Ich glaube, der Winter ist besser und schöner. Im Winter kann man in das Theater gehen, in die Oper, in das Konzert und auf den Ball; am fünfundzwanzigsten Dezember sind die Weihnachten (= Christtage), und am ersten Januar haben wir Neujahr. Der Winter, o, der Winter ist so schön!
Louis: Ja, Weihnachten ist ein schönes Fest; ich denke auch so, Anna! Im Winter kann ich auf das Eis gehen und kann in meinem Hause sitzen bei meiner Lampe; ich kann schöne Bücher lesen; aber im Sommer, im warmen Sommer, kann ich das nicht.
Bella: Und Sie, Otto? Sie denken so wie ich! Nicht wahr? O, bitte, sagen Sie: Ja. Bitte, bitte.
Otto: Bella, Sie sind meine Freundin; das ist auch Fräulein Anna. Sage ich: Der Winter ist besser, so spreche ich gegen die eine Freundin; sage ich: Der Sommer ist besser, so spreche ich gegen die andere. Was kann ich hier thun? Halt! ich weiß. Herr Meister, was kommt n_a_c_h dem Sommer und ist v_o_r dem Winter?
Herr Meister: Der Herbst. Der Herbst ist zwischen Sommer und Winter.
Otto: Gut; so sage ich: Der Herbst ist am besten; er ist besser, als der warme Sommer, und besser, als der kalte Winter. Und im Herbste, -- o, da haben wir {Thanksgivingday}! meine Freundinnen, ja, {Thanksgivingday}! Da haben wir ein Türkischhuhn[III-7] (= Henne). Ja, der Herbst ist am schönsten!
Bella: Otto! Sie sprechen nicht für mich; gut! ich werde s_e_l_b_s_t für mich sprechen. Und ich sage: Der Sommer ist besser; er ist besser, als der Winter und besser, als der Herbst. Ich weiß, der Winter hat Theater, Konzert und Ball. Das ist sehr schön, o, ja! und schön ist es auch im Kreise (= im Zirkel) von Freunden beim Feuer zu sitzen; aber ich denke nicht an mich allein. Hunderte und Tausende von Menschen sind im Winter oft in bitterer Kälte auf der Straße; sie haben kein Haus, kein Brot, und sind so hungrig. O nein, nein! Preiset nicht den Winter, den harten, harten Winter! Denken Sie nicht auch so, Herr Meister?
* * * * *
Herr Meister: Mein Fräulein; Sie sprechen so gegen den Winter, daß ich denken muß, wie Sie: Ja, der Sommer ist schöner und besser, als der Winter; das ist: Hier in New York. Aber in Deutschland, in Deutschland ist der Frühling schöner als der Winter, schöner als der Sommer und schöner als der Herbst. Ah, meine Freunde, ich finde nicht die Worte, Ihnen zu sagen, was der deutsche Frühling ist! Da müssen Sie die Gedichte lesen von Heine, von Goethe, von Schiller, von Rückert. Otto, wissen Sie, wer der deutsche Dichter des Frühlings ist?
Otto: Nein, das weiß ich nicht. Ich kenne Thomsons {"Seasons,"} aber das ist nicht Deutsch; es ist Englisch.
Herr Meister: {"The Seasons"} ist ein gutes Gedicht. Der deutsche Dichter des Frühlings ist Ewald von Kleist. Von den deutschen Dichtern: Schiller, Goethe, Heine, Rückert etc. spreche ich noch oft mit Ihnen. Heute kann ich nicht mehr. Adieu, meine Freunde!
Alle: Adieu, Herr Meister!
[Herr Meister geht.]
* * * * *
Anna: Das war heute schön.
Bella: Bitte, Otto, sagen Sie ein anderes Gedicht.
Otto: {To him, who....}
Louis: Halt, Otto, halt!
Bella und Anna: Bitte, Otto, kein Englisch.
Otto: Kein Englisch? Ach so, ich habe das vergessen. Deutsch. Ja, ein deutsches Gedicht -- -- -- Ich habe eins zu Hause. Es (= das Gedicht) ist von Hoffmann von Fallersleben, und Sie können es verstehen. Ich werde es Ihnen morgen bringen, meine Damen.
Bella: Kommen Sie morgen wieder, Otto?
Otto: Ja, ich hoffe es.
Louis: Wir wollen heute hier enden.
Alle: Um 12 Uhr morgen.
Anna: Was wird Herr Meister uns (= Anna, Bella, Louis, Otto) morgen bringen?
Bella: Das weiß ich nicht.
Otto und Louis: Auf Wiedersehen!
Anna und Bella: Auf Wiedersehen!
[Sie gehen.]
*IV.*
Louis: Es ist zwölf Uhr und Herr Meister ist (noch) nicht hier.
Anna: Ich wundere mich. Herr Meister kam (ich komme, ich kam, ich bin gekommen) nie zu spät.
Bella: Da kommt jemand (= eine Person). Hören Sie? Bitte, Louis, sehen Sie, ob es Herr Meister ist. (Louis geht.) Otto, haben Sie heute das Gedicht von Hoffmann von Fallersleben?
Otto: Ja wohl; hier ist es, und wenn mein Bruder Louis wieder kommt, so -- ah, hier ist er. (Louis kommt mit einem Briefe.)
Otto: Nun? Kommt Herr Meister?
Louis: Ich glaube (= denke) nicht. Hier ist ein Brief von ihm.
Bella: O, das ist ein dicker Brief.
Louis: Die Adresse ist: Herrn Louis Parks, 225 5. Ave., h_i_e_r.
Louis: Ich will den Brief öffnen und ihn laut vorlesen:
Mein lieber Freund Louis!
Ich bin recht traurig, daß ich Ihnen schreiben muß: Ich kann heute nicht kommen. Gestern Abend war ich im Theater und sah ein Drama von Lessing: »Nathan der Weise.« Es ist Lessings letztes und größtes Drama. In vielen Jahren hatte ich es (= das Drama) nicht gesehen, und da wollte ich (ich will, ich wollte, ich habe gewollt) es nicht versäumen. Alles war wundervoll. Warum waren Sie nicht bei mir, mein Freund? Im Theater war es warm von den vielen, vielen Gaslichtern, und als ich am Ende des Stückes (= Dramas) auf die Straße kam, war der Wind eiskalt, und so habe ich mich erkältet; ich kann kein Wort sprechen.
Doktor Smith, mein Arzt, kam heute Morgen zu mir und sagte sehr ernst: Herr Meister, Sie müssen heute im Bette bleiben; ich werde (= will) Ihnen Medizin verschreiben; davon (= von der Medizin) nehmen Sie jede Stunde einen Theelöffel voll. Halten Sie sich warm; und so hoffe ich, in vier oder fünf Tagen können Sie wieder aus dem Hause gehen. So sprach der böse Doktor (ich spreche, ich sprach, ich habe gesprochen). Vier oder fünf Tage im Hause bleiben! Das ist schlimm (= nicht gut), sehr schlimm für mich; aber was kann ich thun?
Sie kennen (ich kenne = ich weiß) meine Töchter Martha und Gretchen. Nicht wahr? Sie (= Martha und Gretchen) sind in guter Laune (= Humor), daß ich zu Hause bei ihnen (= Martha und Gretchen) bin. Sie spielen auf dem Piano, singen Lieder von Schumann und Mendelssohn, und soeben (= in dieser Minute) sangen sie (ich singe, ich sang, ich habe gesungen) das wundervolle Lied von Abt: »All' Abend bevor ich zur Ruhe (= Rast) gehe.« Ich möchte (= will) nun nicht, daß Sie Ihr Deutsch vergessen; ja, ich wünsche (= möchte, will), daß Sie mehr lernen, und darum habe ich Fragen für Sie und Ihre Freundinnen[IV-1] aufgeschrieben (ich schreibe auf, ich schrieb auf, ich habe aufgeschrieben), und ich sende sie (= die Fragen) hier. Ihr Bruder Otto versteht sehr gut Deutsch. Er kann Sie und Ihre Freundinnen fragen. In wenigen Tagen werde ich wieder bei Ihnen sein. So hoffe ich. Meine besten Empfehlungen (= Komplimente) an Sie, Ihren Bruder und Ihre Freundinnen Bella und Anna.
Ihr Freund, W. Meister.
* * * * *
Louis: Sie hören, meine Damen, Herr Meister kann nicht kommen. Er ist unwohl, er kann nicht sprechen, er hat sich erkältet.
Anna und Bella: O, das ist schlimm (= nicht gut)!
Otto: Ich höre hier, Herr Meister ist verheiratet. Das wußte ich nicht (ich weiß, ich wußte, ich habe gewußt).
Louis: Verheiratet? Was ist das?
Otto: Herr Meister hat ein Weib.
Bella: Und zwei Töchter.
Louis: Ein Weib? Ich verstehe auch das Wort W_e_i_b nicht.
Bella: O Louis! Das wissen Sie nicht? Es ist dasselbe wie im Englischen. Adams Weib war Eva und George Washingtons Weib war Martha Washington.
Louis: O ja, nun weiß ich, was du meinst, Otto. Ich habe oft das Wort F_r_a_u gehört, aber noch nie das Wort W_e_i_b.
Anna: Ist W_e_i_b und F_r_a_u dasselbe?
Otto: Nicht immer. Man sagt im Deutschen: Herr Meister hat ein schönes Weib, und auch: Herr Meister hat eine schöne Frau. Das eine ist so gut, wie das andere. Man sagt aber nicht: Das ist W_e_i_b Meister; nein, man sagt: Das ist F_r_a_u Meister.
Louis: Das kann ich gut verstehen.
* * * * *
Bella: Herr Meister kommt oft mit seiner Frau und seinen Töchtern in unser Haus.
Anna: Sage mir, Bella, ist Martha älter (alt, älter, ältest) als Gretchen?
Bella: Nein, Anna; sie ist größer als Gretchen, und so denken alle Leute, sie ist älter; sie ist aber nicht älter; sie ist jünger. Beide (= die eine und die andere) sind sehr klug (= weise), und sie haben viel gelernt. Und Martha hat die wundervollsten, blauen Augen und ihr Kopf mit dem langen, braunen Haar ist schön, wie der Venuskopf -- ah, Martha ist schön!
Otto: Sie muß sehr schön sein.
Bella: Ja, sie ist sehr schön, und alle Leute sagen es.
Louis: Hier, Otto, gebe ich dir die Fragen des Herrn Meister.
Otto: Meine Damen, was wollen Sie hören, die Fragen oder das Gedicht von Hoffmann von Fallersleben?
Bella: Ich bitte, mit den Fragen zu beginnen und dann mit dem Gedichte zu enden.
Anna: Ja, so ist es gut.
Otto: Und was meinst du, mein lieber Louis?
Louis: Ich bin zufrieden mit allem, was die Damen sagen.
Otto: Sehr wohl. Dann werde ich Sie zuerst fragen, Fräulein Bella; und dann Sie, Fräulein Anna; und dann dich, mein lieber Louis. Die erste (= 1ste) Frage ist:
1) Ist der Fisch in dem Wasser? Ja, der Fisch ist in dem Wasser. -- 2) Kann der Fisch schwimmen? Ja, der Fisch kann schwimmen. -- 3) Kann der Schwan gut schwimmen? Ja, der Schwan kann gut schwimmen. -- 1) Kann die Henne schwimmen? Nein, die Henne kann nicht schwimmen. -- 2) Kann der Schwan so gut schwimmen, wie die Gans? Ja, der Schwan kann so gut schwimmen, wie die Gans. -- 3) Ist der Schwan größer, als die Gans? Ja, der Schwan ist größer, als die Gans. -- 1) Ist er auch schöner, als die Gans? Ja, er ist auch schöner.
Otto: Louis, ich will dir eine Frage geben, aber es ist nicht Herrn Meisters Frage. Kann der Schwan singen?
Louis: Nein, der Schwan kann nicht singen.
Otto: Was sagen Sie, Anna?
Anna: Ich sage dasselbe.
Otto: Und Sie, Bella?
Bella: Ich habe nie gehört (ich höre, ich hörte, ich habe gehört), daß der Schwan gesungen (ich singe, ich sang, ich habe gesungen) hat. Aber man sagt: Der Schwan singt vor seinem Ende.
Louis: O, das ist eine Sage (= Fabel).
Otto: Man sagt auch von dem letzten Werke eines Dichters: Das ist sein Schwanengesang, das ist: das letzte Werk vor seinem Ende.
Louis: Dann ist »Nathan der Weise« Lessings Schwanengesang?
Otto: So ist es!
Bella: Was ist Schillers Schwanengesang?
Otto: »Wilhelm Tell.«
* * * * *
Otto: Bitte, Bella, antworten Sie wieder[IV-2]. -- 1) Ist der Schwan oft im Wasser? Der Schwan ist oft im Wasser. -- 2) Ist er auch oft auf dem Lande? Er ist auch oft auf dem Lande. -- 3) Ist der Fisch im Wasser und auf dem Lande? Nein, der Fisch ist nicht auf dem Lande.
Otto: Mein lieber Louis! Du antwortest nicht auf meine Frage. Antworte genau (= exakt) auf meine Worte; ich fragte dich: »Ist der Fisch im Wasser und auf dem Lande?«
Louis: Der Fisch ist im Wasser und nicht auf dem Lande. Otto, müssen wir immer so genau (= exakt) antworten?
Otto: Ja, es wird gut sein. -- 1) Ist der Fisch immer im Wasser? Der Fisch ist immer im Wasser. -- 2) Kann der Fisch auf dem Lande leben? Der Fisch kann nicht auf dem Lande leben.
Otto: Nein, der Fisch kann nicht auf dem Lande leben; er (= der Fisch) muß sterben auf dem Lande. -- 3) Können Schwäne und Gänse im Wasser und auf dem Lande leben? Schwäne und Gänse können im Wasser und auf dem Lande leben.
* * * * *
Otto: 1) Können alle Menschen (= Personen) schwimmen? Alle Menschen können nicht schwimmen.
Otto: Sie können auch so sagen (= sprechen): Nicht alle Menschen können schwimmen. Louis, kann man schwimmen lernen?
Louis: O ja, ich habe es (= das Schwimmen) letzten Sommer gelernt (ich lerne, ich lernte, ich habe gelernt).
Bella: Bei einem Schwimmmeister?
Louis: Nein, Fräulein Bella.
Otto: Mein Bruder hat allein schwimmen gelernt (ich habe gelernt, er hat gelernt).
Anna: Allein? Was ist das? Ich verstehe das Wort a_l_l_e_i_n nicht.
Otto: Nein? Ich will es Ihnen sagen, Anna:
Im Beginne machte Gott den Himmel und die Erde und die Sonne und den Mond und die Sterne und die Pflanzen (die Bäume, das Gras), die Tiere auf dem Lande (Bären, Elefanten) und die Fische im Wasser, und zuletzt (= am Ende) machte er den Menschen, einen Mann; das war Adam. Da sagte Gott: Es ist nicht gut, daß der Mensch a_l_l_e_i_n sei, und da gab (ich gebe, ich gab) er ihm (= Adam) ein Weib -- Eva. Da war der Mensch nicht (mehr) allein. Verstehen Sie? Sie sind nicht allein hier; Fräulein Bella ist auch hier bei Ihnen, und Louis ist hier, und ich bin auch hier. Verstehen Sie das Wort »a_l_l_e_i_n«?
Anna: Danke, Otto, sehr gut; danke.
* * * * *
Bella: Lord Byron war ein guter Schwimmer. Er ist über den Hellespont geschwommen.
Louis: Kapitän Boyton hat mehr gethan (ich thue, ich that, ich habe gethan), er ist über den englischen Kanal geschwommen. Kapitän Boyton ist ein Amerikaner. Er ist unser Landsmann.
* * * * *
Otto: Mein Bruder Louis ist ein guter Patriot, nicht wahr, meine Damen? Aber nun kommen Fragen, meine Damen, Fragen! -- 1) Kann ein Mensch immer im Wasser leben? Ein Mensch kann nicht immer im Wasser leben. -- 2) Kann die Katze besser eine Maus fangen, als einen Fisch? Die Katze kann besser eine Maus fangen, als einen Fisch. -- 3) Kann der Mensch auch Fische fangen? Der Mensch kann auch Fische fangen. -- 1) Fängt der Fischer die Fische mit dem Netze? Der Fischer fängt die Fische mit dem Netze. -- 2) Kann der Fischer im Hudson so große Fische fangen, wie im Atlantischen Ocean? Der Fischer kann im Hudson nicht so große Fische fangen, wie im Atlantischen Ocean.
* * * * *
Otto: In meinem Collegium habe ich ein Gedicht von Goethe gelesen: »D_e_r F_i_s_c_h_e_r«; das müssen (ich muß, Sie müssen) Sie auch lesen, meine Damen.
Anna: Ist es schön?
Otto: Sehr schön.
Louis: O, es giebt (= es ist) so viel Gutes, was wir lesen müssen!
Bella: Ja, aber wir sind noch jung und haben viel, viel Zeit.
Louis: Ich fange die Fische nicht mit dem Netze; ich habe ein Instrument .....
Otto: Ein Instrument?
Louis: Ja. Ich weiß den Namen nicht. Sieh hier, das Instrument ist lang und an dem einen Ende ist ..... ist .....
Otto: .... ist ein Haken von Metall.
Louis: Ja, ein Haken von Metall.
Otto: Das Instrument ist »die Angel.«
Louis: Und an diesen Haken hänge ich einen Wurm, den halte ich in das Wasser. Dann kommt der Fisch, er sieht (ich sehe, er sieht) den schönen Wurm, will ihn (= den Wurm) fangen, -- aber ich habe den Fisch!
Otto: So ist es oft; oft ist es auch nicht so.
Louis: O, nein; oft muß ich an dem Wasser, ach, so lange sitzen, lange, lange Stunden, und kann nicht e_i_n_e_n Fisch fangen; dann bin ich traurig. Oft aber kommen Momente, dann hören Sie mich (= Louis):
»Otto, o sieh diesen schönen Fisch!« und dann hören Sie Otto: »Louis, o sieh hier, diesen großen Fisch!« Und alles bringen wir nach Hause zu unserer guten Mutter. Ha! das ist schön! Nicht wahr, Otto?
Otto: Gewiß, lieber Louis.
* * * * *
Otto: 1) Geht der Fischer in einem Boote auf den Ocean? Der Fischer geht in einem Boote auf den Ocean. -- 2) Gehen Sie oft in ein Boot? Nein, ich gehe nicht oft in ein Boot.
Otto: Louis, möchtest du in einem Boote auf den Ocean gehen?
Louis: Ja, ich möchte in einem Boote auf den Ocean gehen.
Otto: Und Sie, Fräulein Bella?
Bella: Nein, ich möchte nicht.
Anna: Ich auch nicht.
Otto: 3) Gehen die Leute in einem Boote oder in einem großen Schiffe nach Liverpool? Ich antworte selbst: Die Leute gehen nicht in einem Boote, sondern in einem großen Schiffe nach Liverpool.
Otto: 1) Möchten Sie in einem Boote nach Hamburg reisen? Ich möchte nicht in einem Boote nach Hamburg gehen. -- Nach Bremen? Auch nicht nach Bremen. -- 2) Hat ein Schiff einen Mastbaum? Ein Schiff hat einen Mastbaum. -- 3) Haben große Schiffe mehr als einen Mastbaum? Große Schiffe haben mehr als einen Mastbaum. -- 1) Haben wir auch Schiffe mit drei Mastbäumen? Wir haben auch Schiffe mit drei Mastbäumen. -- 2) Ist der Mastbaum von Metall? Der Mastbaum ist nicht von Metall.