Straußenpolitik

Part 9

Chapter 93,465 wordsPublic domain

4. Er stellt die unsinnigsten und unwahrsten Behauptungen auf, die er auf späteren Seiten wieder vergessen hat. So heißt es gleich im Anfang, daß es keine Schöpfungskrüppel gibt, daß die Natur den Kreaturen überreichlich Mittel und Waffen gegeben hat, um den Existenzkampf zu führen (S. 11 u. 30). Jeder, der eine Spur Logik besitzt, wird hiergegen einwenden, wie es unter diesen Umständen möglich sei, daß ein Pflanzenfresser von einem Raubtiere erbeutet werden könnte. Auf S. 60 heißt es aber im vollsten Widerspruch damit, daß Rinder und Fische nur 2 Sinne, ja die Eule nur einen hervorragenden Sinn besitzen, ferner auf S. 49, daß die Katzen schlecht wittern können.

Ferner lesen wir gleich im Eingang auf S. 11 den Grundgedanken (wiederholt auf S. 60 und 80), daß die Sinnesorganisation des Tieres genau der dem Menschen verliehenen Ausrüstung entspricht. Hieraus geht hervor, daß R. nicht die elementarsten Kenntnisse in der Tierkunde besitzt. Ich will hier nur die Fledermäuse anführen, also Säugetiere, die dem Menschen sehr nahe stehen. Bei Brehm (2. Aufl. Bd. 1 S. 286) heißt es, daß einige Arten besonders kleine Augen haben und diese so unter dichten Gesichtshaaren versteckt stehen, ~daß sie unmöglich dem Zwecke des Sehens entsprechen können~. Schon vor vielen Jahrzehnten hat man festgestellt, daß Fledermäuse, denen man die Augen zuklebte, trotzdem den feinsten Fäden auswichen, daß sie sich also durch ihr feines Tastgefühl orientieren, während ihr Sehvermögen fast null ist. Im »Zoologischen Garten« sind mehrfach Fälle angeführt, wonach vollständig erblindete Fledermäuse gefangen wurden, die sich trotzdem in gutem Nährzustande befanden. Man stoße einen blinden Menschen in die Wildnis, wo Feinde lauern, und überlasse ihn seinem Schicksal. Nach wenigen Tagen dürfte er ausgelitten haben. Von dem Blindmull (+talpa caeca+), der Blindmaus (+mus typhlus+) usw., scheint R. niemals etwas gehört zu haben. Und ein »Kritiker«, dem die einfachsten Kenntnisse der heimischen bezw. europäischen Tierwelt fehlen, beurteilt ein Buch, das die Kenntnis der gesamten Tierwelt voraussetzt.

5. R. betont, daß er nur eigene Beobachtungen bringe. So heißt es auf S. 61: Alles, was ich gebe, ist durchaus selbst erlebt. Da selbst ein Niedick, der in 5 Erdteilen gejagt hat, eine Unmenge Tiere niemals aus eigener Anschauung kennen gelernt hat, so ist es selbstverständlich ein Unding, daß ein einzelner Mensch alle Tiere in der Wildnis genügend beobachtet hat. Nebenbei bemerkt, kosten solche Reisen ein ganzes Vermögen und viele Jahre. Ich nehme also von R. an, daß er nur die wenigen Tiere der Heimat kennt bezw. zu kennen glaubt, und daß er niemals außerhalb Deutschland gejagt hat. Selbst auf den Redaktionen wußte man nichts davon. Da R. allein über die Fährten zweier versprengten Wölfe seitenlang berichtet, so muß man bei seiner Weitschweifigkeit annehmen, daß er über einen erlegten Bären mindestens ein ganzes Werk geschrieben hätte.

Auf S. 187 gebe ich ein Verzeichnis der Augen- und Nasentiere. Hierzu schreibt der »Kritiker« (S. 29): »Tierkundige mögen sich an diesem Verzeichnis prüfen.« Hier gibt R. freimütig zu, daß er zu den Tierkundigen nicht gehört.

Es ist doch wirklich eine unerhörte Leistung, daß R. die ausländischen Tiere in der Freiheit nicht kennen gelernt hat und trotzdem apodiktische Urteile über sie abgibt. Der Leser urteile selbst darüber. Ich führe ca. 20 Tiere mit schwachem Gesicht an, bei sechs gebe ich sogar die Urteile wortgetreu von bekannten Autoritäten an, z. B. bei Elefant und Bison. Brehm, Haacke-Kuhnert und v. Wißmann erklären z. B. das Auge des Elefanten für schwach. R. dagegen erklärt (S. 24): »Alle diese Tiere haben ein vortreffliches Gesicht.« Nun ist zweierlei möglich. Entweder muß R. erklären, ich weiß es besser, da ich mehr Elefanten geschossen habe, als alle diese Herren zusammengenommen. Das ist sicherlich nicht wahr. Denn sonst würde er nicht bloß erzählen, daß er einen Elefanten im Zoologischen Garten beobachtet hätte (S. 62). Oder er besitzt die eherne Stirn, hier, wie so häufig, uns Jägerlatein vorzutragen und, ohne selbst Elefanten gejagt zu haben, diese Autoritäten zu bezichtigen, unrichtige Angaben gemacht zu haben.

Ich hätte ja noch viel mehr Leute nennen können, die genau Elefanten kennen und ausdrücklich hervorheben, daß ihr Auge schwach sei, z. B. Schillings (Mit Blitzlicht und Büchse, S. 125 u. S. 141). Ein Jäger hat doch gewiß kein Interesse daran, das Auge eines erlegten Ungetüms als schlecht zu bezeichnen. Das mindert doch augenscheinlich seinen Jägerruhm. Tut er es trotzdem, so kann man ihm doch unbedingt glauben. Gerade Schillings schildert den Elefanten als ein besonders gefährliches Wild (S. 159). Nebenbei bemerke ich, daß dieser kühne Afrikareisende sofort die Unterscheidung von Augen- und Nasentieren übernommen hat (S. 235), auch neue Beispiele für das Zusammenwirken beider anführt (Giraffe und 2 Elefanten S. 126). Ferner hat er auch den Ausdruck »Post der Tiere« akzeptiert, man vergleiche Post des Nashorns S. 175, Post des Nilpferdes S. 209. R. hingegen schreibt über die Post der Tiere (S. 78): Meine Ausführungen sind »so überwältigend, daß ich sie dringend zum Studium empfehle«. -- Jedes weitere Wort ist wohl überflüssig.

Bei dem Bison hätte ich für das schwache Gesicht außer Brehm noch den Präsidenten Roosevelt anführen können, der ein hervorragender Jäger ist und eigenhändig Bisons erlegt hat. Auch hier erklärt R., daß er vortrefflich sieht. Also R. hat auch in Amerika -- oder auf dem Monde? -- Bisons gejagt und mehr geschossen als die gedachten Herren!

Überhaupt sind die Urteile, die R. über ausländische Tiere abgibt, geradezu haarsträubend, so daß man darin bestärkt wird, er redet lediglich vom Hörensagen. Einige Beispiele seien noch angeführt. Gegen meine Tigertheorie (Abneigung des Stieres gegen rote Farbe), macht er in der Deutschen Jägerzeitung (Bd. 44 S. 38) folgendes geltend: »Im übrigen geht auch das stärkste Tier nie auf einen Tiger los, sondern flüchtet vor ihm, solange es kann.« Dasselbe sagt er S. 15.

Daß in Wirklichkeit die Wildbüffel den Tiger oft angreifen, weiß der geneigte Leser aus den Streifzügen S. 39. v. Wißmann hat selbst beobachtet, daß ein Kaffernbüffel sogar einen Löwen vom Fraße verscheuchte.

Ebenda S. 5 heißt es: »Der Hund ist das intelligenteste und vielseitigste Tier. Der Affe erreicht ihn nicht im entferntesten.«

Nur jemand, der sich niemals mit Affen beschäftigt hat, kann einen solchen Satz niederschreiben (vgl. Streifzüge S. 68).

Bd. 40 S. 157 schreibt er, daß die Affen ihre Kinder oft aus Liebe ersticken, obwohl Brehm ausdrücklich erklärt, daß es in der Neuzeit niemals beobachtet sei (Bd. 1 S. 49). -- Brehm erklärt die Affenbrücke für eine Fabel, R. ist anderer Ansicht (S. 87). Brehm sagt auf Grund eigener Beobachtungen, der Löwe brüllt, um die Herde zum Ausbrechen zu veranlassen, R. dagegen sagt: »Nein, er brüllt aus hocherregter Raubgier und im Vollgefühl seiner unbezwinglichen Kraft« (S. 13).

Im Anschluß hieran möchte ich noch über eigene Beobachtungen folgendes bemerken. Wenn ich in einem Buche etwas beweisen will, so bin ich Partei und -- wie in der Natur der Sache liegend -- befangen. Ich habe deshalb nur solche Beobachtungen angeführt, die jeder nachprüfen kann. Es beweist etwas, wenn ich sage, v. Wißmann, Horn, Marshall u. a. sind der Ansicht, Vögel können nicht wittern. Dagegen ist es geradezu lächerlich, wenn R. dagegen anführt (S. 52), er und mehrere Zuschauer hätten gesehen, daß eine Amsel gewittert hätte. Wer waren denn die andern Personen?

Kein Mensch kann, wie gesagt, alle Tiere in der Wildnis beobachtet haben, selbst ein Brehm hat trotz seiner Reisen in andern Erdteilen drei Viertel seiner Tierschilderungen andern Personen entlehnen müssen. Dagegen haben wir jetzt einen Vorzug, den frühere Zeiten nicht besaßen. Durch die zahlreichen Tierschilderungen haben wir jetzt das Mittel der gegenseitigen Kontrolle. Ferner ist es klar, daß verwandte Tiere verwandte Handlungen begehen. Ich möchte das an einem Beispiele klarmachen. In »Zwinger und Feld« (vgl. Februarheft des »Kosmos« II. S. XXIII) wird von einem Rebhuhn erzählt, das eine Verletzung vortäuschte und dadurch einen Fuchs von seinen Jungen fortlockte. Wer Tiere nicht kennt, wird als Skeptiker wahrscheinlich sagen: »Ja, weiß man denn, ob es wahr ist?« Liest er hingegen in meinem Buche das Kapitel: Verstellungskünste bei Vogeleltern und sieht, daß es sich hier um einen bei fast allen Vögeln, insbesondere den Erdbrütern, üblichen Kunstgriff handelt, so wird ihm die Sache ganz einleuchtend vorkommen. Andererseits müßte er ja annehmen, daß Männer wie Naumann, Brehm usw. sich vorgenommen hätten, ihren Lesern etwas vorzulügen und zufällig auf denselben Schwindel geraten wären.

Das Mittel der gegenseitigen Kontrolle gibt mir sofort die Möglichkeit zu sagen, ob eine Tiergeschichte wohl wahrscheinlich sei oder nicht. Obwohl ich ferner diesen Grundsatz auch bei Autoritäten angewandt und mich fast immer auf solche berufen habe, ist es mir trotzdem selbst bei wohlwollenden Kritikern passiert, daß sie fragten: Ja, ist denn das alles wahr, was Zell erzählt? Das kommt also vor, obwohl ich fortwährend die Autoritäten nenne, auf die ich mich berufe. -- Ich muß demnach meine Methode der Beweisführung für die allein richtige halten.

Doch ich kehre nach dieser Abschweifung zu den Tieren mit schwachen Augen zurück, die es angeblich nach Rothe nicht gibt. So hätte ich -- wäre ich jemals auf den Gedanken gekommen, daß es bezweifelt würde -- noch eine größere Anzahl von Tieren mit schwachem Gesicht und eine größere Anzahl von Autoritäten, die mir recht geben, anführen können. Da aber z. B. bei der Spitzmaus die alten Römer bereits ein Sprichwort hatten (vgl. S. 63), so hielt ich es für unmöglich, daß solche Tatsachen in Deutschland »widerlegt« werden und zwar dadurch, daß ein »Kritiker« erklärt, diese Tiere sehen sehr gut.

Wegen des Hundes wollte ich noch anführen, daß der Sachverständige für die Deutsche Jäger-Zeitung, +Dr.+ Ströse, Verfasser des Werkes: »Unsere Hunde«, bereits 1892 daselbst (Bd. II, S. 66 ff.), was mir damals noch nicht bekannt war, ausführlich nachweist, daß der Hund schlecht sieht. Wer das behauptet, ist nach R. (vgl. S. 40) ein Ignorant. Also die Deutsche Jäger-Zeitung, deren Mitarbeiter R. ist, hält sich zum Sachverständigen einen Ignoranten -- glücklicherweise nur nach R.s Ansicht, während andere Tierkundige +Dr.+ Ströse vollkommen recht geben.

Selbst von Hunden versteht also Forstmeister R. trotz 60jähriger Beobachtung nichts.

Hinsichtlich der Pferde wollte ich bemerken, daß mir eine Autorität auf diesem Gebiete, der gerichtliche Sachverständige für Pferde, Major Schoenbeck, sowie zahlreiche Kavallerieoffiziere vollkommen recht gegeben haben.

6. Am ergötzlichsten ist die Anmaßung, daß R., der fortwährend betont, er habe sich im Freien herumgetrieben, trotzdem über meine Homerabhandlungen absprechend urteilt (S. 80). War er in Feld und Flur, dann kann er keine Homerstudien getrieben haben. Es ist ja nur charakteristisch für diesen »Kritiker«, daß er fortwährend über Dinge urteilt, die er nicht versteht.

7. Ein Eckstein meiner Beweisführung ist der Windhund, der nach ~Brehm~ gut äugt, aber schlecht wittert. Hier war R., der sonst das Unglaublichste behauptet, mit seinem Jägerlatein zu Ende, denn dem Leser zu erklären, das ist unwahr, der Windhund wittert vorzüglich, wie er das bei anderen Tieren tut, schien ihm zu riskant. Wie widerlegt er nun die meine Theorie überzeugend beweisende Tatsache, daß ein ausnehmend gut sehender Hund dafür ausnehmend schlecht wittert? Man lese (S. 24): »Es ist vom Windhund die Rede.« Das ist alles, was er zu sagen hat.

8. Die tollste Leistung ist jedoch folgende. Während er in seiner Gegenschrift mit dem Brustton der Überzeugung erklärt, daß es Schöpfungskrüppel nicht gebe, hat er zwei Jahre früher in der Deutschen Jäger-Zeitung einen Artikel über die Seele der Tiere veröffentlicht (Bd. 40, S. 107 ff.), der genau das Gegenteil sagt, denn z. B. heißt es vom Hunde (S. 124), daß sein Auge Einzelheiten nicht erkennt (worin eben das Wesen des schwachen Gesichts besteht). Ferner berichtet er vom Wildschweine (S. 427), daß sein Gesicht außerordentlich schwach sei! Für Zweifler führe ich die Stelle wörtlich an: »Bei einer Wildart jedoch glaube ich mich überzeugt zu haben, daß ~das Gesicht ganz außerordentlich schwach ist~, nämlich bei den Sauen. Oft zog Schwarzwild nahe an mich heran, namentlich auch Bachen mit Frischlingen, obwohl ich der Beobachtung halber auf Deckung verzichtet hatte« usw. Also nachdem eine »Vorsehung« -- wie er äußert -- (vgl. S. 8) ihn 57 Jahre lang Tiere beobachten ließ, kam er zu dem Resultate, daß manche schlecht sehen. Drei Jahre später ist das schon völliger Unsinn. Und zwar liegt hier kein Versehen oder Mißverständnis vor, denn er setzt auf mehreren Seiten (54 ff.) auseinander, daß das Schwarzwild gut sieht. Früher sah der Hase bei Mondschein gut, was auch meine Ansicht ist, da alle schwachsichtigen Tiere in der Nacht wegen ihrer großen Pupillen mindestens ebensogut sehen wie der Mensch, der wie die Tagvögel und Tagaffen ein Tagseher ist. Jetzt sieht der Hase plötzlich auch am Tage gut (S. 46). Dabei handelt es sich um die bekanntesten heimischen Tiere. -- Welche Meinung wird er einige Jahre später in die Welt als die allein richtige ausposaunen? -- Diese Proben von dem »Kritiker« R. dürften wohl genügen, sonst stehe ich mit weiteren Mitteilungen zur Verfügung.

Mancher Leser dürfte darüber erstaunt sein, daß ich diese Entgegnung nicht früher veröffentlicht habe. Darauf kann ich nur erwidern, daß ich Wichtigeres zu tun habe. So habe ich inzwischen eine Reihe interessanter Arbeiten veröffentlicht, z. B. die Entstehung der Rechtshändigkeit, den Ursprung des Werwolfs- und Gorgonenmythus, die Wünschelrute usw. Andere große Arbeiten harren dagegen noch immer der Erledigung. So wollte ich bereits seit Jahren ein umfangreiches Werk über die Homermythen veröffentlichen, bin jedoch noch immer nicht dazu gekommen. Ebenso tut es mir sehr leid, daß eine Menge von Zuschriften wegen Zeitmangels noch immer nicht erledigt werden konnte.

Ihre Beantwortung wäre mir um vieles angenehmer gewesen als diese Entgegnung, was mir wohl jeder Leser ohne weitere Versicherung glauben wird. Nur mit Widerwillen habe ich mich mit einem Gegner befaßt, dessen Kampfmethoden ich soeben geschildert habe, der namentlich hin und her schwankt und heute etwas für Unsinn erklärt, wofür er vor einiger Zeit selbst eingetreten ist. -- Brehm schreibt von der in Südeuropa hausenden Blindmaus, also einem Säugetier, einem Nager, der gewiß ein scharfes Auge zum Schutze gegen seine Feinde nötig hätte, da er sich gern sonnt (Bd. II, S. 399): »Die Augen haben kaum die Größe eines Mohnkorns und liegen ~unter der Haut~ verborgen, ~können also zum Sehen nicht benutzt werden~.« Hiermit vergleiche man R.: »Die Tiere sind überreichlich mit Mitteln und Waffen versehen, Schöpfungskrüppel gibt es nicht, die Sinnesorganisation der Tiere ist genau dieselbe wie die der Menschen« usw. -- Würde die Bezeichnung »Geschwätz« für diese Behauptungen nicht eine große Schmeichelei sein?

Naturwissenschaftliche Bildung ist die Forderung des Tages!

Zum Beitritt in den »Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde«, laden wir

alle Naturfreunde

jeden Standes sowie alle _Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw._ ein. -- Außer dem geringen

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(Beim Bezug durch den Buchhandel 20 Pf. Bestellgeld, durch die Post Porto besonders.)

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Die Mitglieder erhalten laut § 5 als Gegenleistung für ihren Jahresbeitrag im Jahre 1912 =kostenlos=:

I. =Die Monatschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde.= Reich illustr. Mit mehreren Beiblättern (siehe S. 3 des Prospektes) Preis für Nichtmitglieder M 3.--.

II. =Die ordentlichen Veröffentlichungen.=

Nichtmitglieder zahlen den Einzelpreis von M 1.-- pro Band.

Ch. Gibson-H. Günther, Was ist Elektrizität? Dr. F. Dannemann, Wie unser Weltbild entstand. Dr. K. Floericke, Kriechtiere und Lurche fremder Länder. Prof. Dr. K. Weule, Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge. Dr. A. Koelsch, Die Erschaffung der Seele.

Änderungen vorbehalten.

III. =Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden naturwissenschaftlichen Werken= (siehe Seite 7 des Prospektes).

[symbol] ~Jede Buchhandlung~ nimmt Beitrittserklärungen entgegen und besorgt die Zusendung. Gegebenenfalls wende man sich an die Geschäftsstelle des Kosmos in Stuttgart.

Jedermann kann jederzeit Mitglied werden. Bereits Erschienenes wird nachgeliefert.

Satzung

§ 1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der Naturfreunde auf geschäftlicher Grundlage) will in erster Linie die Kenntnis der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes verbreiten.

§ 2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die Herausgabe eines den Mitgliedern =kostenlos= zur Verfügung gestellten naturwissenschaftlichen Handweisers (§ 5); durch Herausgabe neuer, von hervorragenden Autoren verfaßter, im guten Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts, die sie ihren Mitgliedern =unentgeltlich= oder zu =einem besonders billigen Preise= zugänglich macht, usw.

§ 3. Die Gründer der Gesellschaft bilden den geschäftsführenden Ausschuß, den Vorstand usw.

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§ 5. Siehe vorige Seite.

§ 6. Die Geschäftsstelle befindet sich bei der =Franckh'schen Verlagshandlung, Stuttgart=, Pfizerstraße 5. Alle Zuschriften, Sendungen und Zahlungen (vgl. § 5) sind, soweit sie nicht durch eine Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten.

Kosmos

Handweiser für Naturfreunde

Erscheint jährlich zwölfmal -- 2 bis 3 Bogen stark -- und enthält:

=Originalaufsätze= von allgemeinem Interesse aus sämtlichen Gebieten der Naturwissenschaften. Reich illustriert.

=Regelmäßig orientierende Berichte= über Fortschritte und neue Forschungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft.

=Auskunftsstelle -- Interessante kleine Mitteilungen.=

=Mitteilungen über Naturbeobachtungen=, Vorschläge und Anfragen aus dem Leserkreise.

=Bibliographische Notizen= über bemerkenswerte neue Erscheinungen der deutschen naturwissenschaftlichen Literatur.

Dem »Handweiser« werden kostenlos beigegeben die illustr. Beiblätter:

Wandern und Reisen ▪▪ Aus Wald und Heide ▪▪ Photographie und Naturwissenschaft ▪▪ Technik und Naturwissenschaft ▪▪ Haus, Garten und Feld ▪▪ Die Natur in der Kunst ▪▪ Lesefrüchte.

Der »Kosmos« allein kostet für Nichtmitglieder jährlich M 3.--.

Probehefte durch jede Buchhandlung oder direkt.

Im Jahre 1912 erhalten die Mitglieder außer der reichhaltigen Vereinszeitschrift (jährlich 12 umfangreiche, reich illustr. Hefte) die folgenden ordentlichen Veröffentlichungen kostenfrei:

Wie unser Weltbild entstand

Eine Geschichte der Anschauungen über den Bau des Weltalls vom Altertum bis zur Gegenwart.

Von =Dr. F. Dannemann=

Mit zahlreichen Abbildungen.

Für Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag geheftet M 1.-- In Leinen gebunden M 1.80.

Im Wandel des Weltbildes, also des Bildes, das sich die Völker, das sich die einzelnen Menschen vom Weltall machten, spiegelt sich die Geschichte der Menschheit selber wieder. Dannemann rollt diese Geschichte in scharf ineinandergreifenden Bildern in seinem Bändchen vor uns auf. Wir hören von den Anfängen der Wissenschaft bei Chaldäern und Ägyptern, stehen mit ihnen im heißen Wüstensand und starren empor zu den ewigen funkelnden Sternen. Die Astrologen wollen uns ihre Wunder glauben machen, aber die kühle Wissenschaft der Griechen jagt die Nebel von dannen, und wir sehen hier bereits Spuren der späteren reifen Erkenntnis auftauchen, die allerdings die Nebel der Zeit doch wieder verhüllen. Nieder geht die Wissenschaft im alten Rom und dann kommt das Mittelalter mit seinem tiefen Geistesschlaf, aus dem nur einzelne Gipfel, in lichter Morgensonne leuchtend, ragen. Giordano Bruno, der Dominikanermönch, schleudert mit mächtigem Schwunge die Sonne als Stern unter Sternen hinaus in den eisigen Raum. Er büßt auf dem Scheiterhaufen seine Verwegenheit, aber die Vielheit der Welten ist einmal ausgesprochen und damit die Sonderstellung der Erde erschüttert. Dann sitzt Galilei droben auf seiner Sternwarte und sieht die Monde des Jupiter leuchten und schwingen, und er erkennt die Erde als Sonnentrabant. +Eppur si muove+ -- und sie bewegt sich doch -- so klingt das so bezeichnende, ihm zugeschriebene Wort, mit dem er seine Hoffnungen begräbt, hinaus in die Weite. Dann aber kommen Kepler, Kopernikus und Newton und mit ihnen die reine Mathematik, die strenge Rechnerin, die ihre Netze über das All wirft, einzufangen und zu berechnen, und so zu beweisen, was Denken und Forschen uns verriet. Von da ab geht's aufwärts und immer aufwärts. Licht über Licht flutet auf uns herein, und am Schluß stehen wir stolz vor dem Erreichten und demütig vor dem Unerforschlichen, das wir mit Goethes Wort ruhig verehren.

Was ist Elektrizität?

Die Naturgeschichte eines Elektrons

von Charles Gibson

Nach dem Englischen frei bearbeitet von =Hanns Günther=

Mit zahlreichen Abbildungen

Für Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag geheftet M 1.-- In Leinwand gebunden M 1.80

Was ist Elektrizität? Eine inhaltschwere Frage liegt in diesem Titel, eine Frage, an deren Lösung Jahrhunderte vergeblich gerätselt haben, weil sie den Forschern immer wieder unter der Hand entglitt. Das letzte Jahrzehnt, das beginnende 20. Jahrhundert erst hat die dunkle Pforte soweit erschlossen, daß wir langsam Licht zu sehen beginnen, wo vorher tiefer schwarzer Schatten war. Nach der heute geltenden Theorie erscheint uns Elektrizität als das wechselvolle Spiel winzig kleiner Teilchen, die man Elektronen nennt. Wie man sie fand, wie man ihr Wesen erkannte, wie sie schaffen und wirken, um uns zu dienen und zu helfen, das alles erzählt uns dieses kleine Bändchen -- läßt es uns erzählen von einem Elektron selber, das aus der Schar seiner Genossen erwählt ward, uns sichere Kunde zu bringen von jenem neuen großen Reich. Die ganzen Wunder der Elektrik wachsen hier langsam vor unseren Augen empor; erst groß und mächtig und überwältigend, daß wir sie kaum erfassen können. Und dann plötzlich vertraut und verständlich, weil wir hinter ihre Ursachen sehen. Es ist ein Buch, das Gegenstücke hat in der Geschichte der Physik, ~aber es hat keine Vorläufer~, und darum wird es jedem Neues und Gutes bringen.

Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge

Anfänge und Urformen der menschlichen Wirtschaft u. Organisation

Von =Dr. Karl Weule=

Direktor des Museums für Völkerkunde und :: Professor an der Universität zu Leipzig ::

Mit zahlreichen Abbildungen

Für Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag geheftet M 1.-- In Leinen gebunden M 1.80