Slavische Volkforschungen Abhandlungen über Glauben, Gewohnheitrechte, Sitten, Bräuche und die Guslarenlieder der Südslaven

Part 55

Chapter 552,711 wordsPublic domain

[139] S. Trojanović: Starinska srpska jela i pića. Belgrad 1896. S. III f.

[140] R. Sprenger, Der Urquell I. S. 119.

[141] The Ghost Dance. Washington 1896.

[142] Damit soll keineswegs eine Kritik an dem Urteil geübt werden, das gewiss allen gesetzlichen Formen entsprach, nur die Belastungzeugen, durchwegs die untersten Organe, die in Chrowotismus machen, um vorwärts zu kommen, verdienten eine möglichst strenge Prüfung auf ihre Glaubwürdigkeit hin. Von der Chrowotiasis ergriffene Menschen können nicht gut als Zeugen gelten. Das wissen österreichische Richter und Staatsanwälte und gehen darnach vor. Ein Beleg für viele:

»[Telegr. der »N. Fr. Pr.« Wien, Freitag 25. Juni 1897]. Triest, 24. Juni. (Die Ausschreitungen in Barcola.) Von den 23 wegen schwerer Wahlexzesse angeklagten Kroaten wurde einer freigesprochen, die übrigen zu Arreststrafen von fünfzehn bis zwei Monaten verurteilt. Der Staatsanwalt behielt sich vor, gegen eine Reihe von Zeugen wegen falscher Zeugenaussage vorzugehen. In seinem Plaidoyer betonte der Staatsanwalt, dass schon seit langem in der slavischen Landbevölkerung Hass gegen die Stadt genährt werde. Es sei ihm noch nie vorgekommen, dass eine ganze Reihe von Zeugen, Männer, Frauen und unmündige Kinder, wie Ein Mann falsche Aussagen ablege. Die Einwohner von Barcola, meint der Staatsanwalt, würden, um einen ihrer Angehörigen, welcher unter Anklage stünde, zu retten, sogar ihren Glauben verleugnen.«

Um wie viel eher täten sie es, um ihren Hass an »Feinden« zu befriedigen! Der Chrowotismus entsittlicht und verwildert das Volk, so dass es sogar dem Christentum entfremdet wird. Der Chrowotismus erscheint wie eine Kette krankhafter Wahnvorstellungen.

[143] Eine chrowotische Korrespondenz berichtet noch folgendes Detail: ‘Als Djaković auf der Strasse im Blut und Staube in den letzten Zügen lag, sprang aus dem Wirtshaus eine Bäuerin auf ihn zu und verrichtete ihre Notdurft über sein Gesicht. Er fragte sie stöhnend: ‘Was habe ich dir getan?’ und sie antwortete: ‘Na ti, pravi Hrvat!’ (Da hast du, du echter Chrowot!) Marta Lončar heisst dies Weibsen. Sie sass bald in Agram. Falls ihre Natur die vertraulichen Unterhaltungen im Kerker siegreich übertaucht, wird sie auch die Strafe von rechtswegen nach dem Urteil überdauern und eine alte Chrowotin werden. Ein Bauer wollte drei Pfund Fleisch aus dem toten Cvijanović herausschneiden, braten und aufessen. Es galt eine Wette. Alle Reisebeschreiber und Ethnographen schildern den chrowotischen Landmann für treuherzig, gutmütig und gastfreundschaftlich bis zur Verschwendung (vrgl. mein Buch: Sitte und Brauch der Südslaven, Wien 1885, Kap. XXX, S. 644–658), als unterwürfig und ergeben. Allah rachman! Welche ungeheuerliche Verbrechen hat man an dem liederfrohen Mann begangen, dass er alle Bande gesitteter Scheu zerriss und hasserfüllt und rachegierig zum Kannibalen ward! Die Bauern kamen vor das Gericht, die Maffioten, die Urheber all des Unheils, lachten sich aber ins Fäustchen. Wer riss die Bauerngehöfte an sich? Der chrowotische Bauer wandert nun gleich dem russischen Juden aus, denn für ihn gibt es in der väterererbten Heimat kaum eine Rettung mehr. Bis Ende 1907 ist statistischen Ausweisen zufolge der vierte Teil der chrowotischen Landbevölkerung ausgewandert.

[144] Der grösste Teil davon entzieht sich der Wiedergabe in einem allgemein zugänglichen Buche. Mit der Publikation begann ich jedoch bereits im III. Band der Anthropophyteia S. 165–168 zur Beantwortung der Umfrage William Godelücks über den Liebezauber der Völker.

[145] Das fehlende Wort ist mir in meiner eigenen Handschrift unleserlich geworden.

[146] Ob meine Übersetzung des Wortes richtig ist, sei dahingestellt. In Wörterbüchern findet es sich ebenso wenig als ćufur, die Lachtaube.

[147] Für unsere »Äpfel« sagt der Serbe in diesem Fall »jaja«, Eier.

[148] Die Bäuerin schrieb čšeniče, weil sie für die Unterscheidung der Laute ć und č in der Schrift kein Verständnis hat, obgleich sie in der Aussprache genau unterscheidet. Die Umstellung ćšeniće für šćeniće, dieses für šteniće ist beachtenswert, weil eine, wenigstens für unsere Zunge, beschwerlichere Aussprache, die ältere, leichtere verdrängt.

[149] Mikolu für: Nikolu. Mikolaja sagen gewöhnlich die altgläubigen Serben, Mikola die Katholiken. Ich fürchte, die Herren Buchstabenphilologen werden sich vergeblich den Kopf zerbrechen, um lautphysiologisch die Wandlung des n in m hier zu erklären. Die Sache ist ganz einfach, der Bauer wagt es nicht, den Heiligen Nikolaus, Nikola zu nennen, weil in der dortigen Mundart niko (für nitko) »Niemand« bedeutet, und es doch einer Ehrverletzung gleichkäme, einen Heiligen so anzusprechen. Darum lieber Mikola, anknüpfend an den Namen Mihajlo, Mikajlo, Miko (Michael).

[150] Die Partikel hat die Schreiberin nur aus Unachtsamkeit ausgelassen.

[151] Lehnwort aus dem Deutschen: probieren. Der Slave sagt sonst: pokušati. Eine vernünftige Nötigung für die Aufnahme des Fremdwortes ist nicht erfindlich.

[152] švaljerke geht auf das französische Wort (le) Chevalier, der Ritter, Kavalier, Liebhaber zurück. Das Wort ist wahrscheinlich auf literarischem Wege ins Volk gedrungen. Daneben gebraucht dasselbe Volk in Slavonien für »Buhlin« die slav. Ausdrücke: milosnica (Liebespenderin), inoća (»die Andere«, »die Fremde«, die Kebsin); bludnica, kurva und »frajla« (= Fräulein) oder auch »frajmadl« (Freimädl, Freudenmädchen) bezeichnen eine Verlorene.

[153] Liebezaubermittel. Vrgl. ähnliche Mittel bei Krauss: Sitte und Brauch der Südslaven. Wien 1885. S. 167.

[154] Die Bäuerin ist über den Greuel der Blutschande entsetzt gewesen, weil sie glaubte — das ist allgemeiner Volkglaube — dadurch falle der schreckliche Fluch der Ausrottung auf sie und ihre Kinder, als den Angehörigen des Verfluchten.

[155] Die Orljava entspringt als schmales Bächlein im Kamenskogebirge an den Hängen des Papuk beim Dörfchen Orlovo (Adlerhorst), fliesst an Vilićselo, Brestovac, Požega, Blacko, Pleternica, Suljkovci vorbei und strömt als ansehnlicher Fluss an Kapela und Orjovac bei Kobaš in die Save ein.

[156] Selbstmorde sind häufig unter den südslavischen Bauern. Pflanzengifte Belladonna und Stechapfel (datura stramonium) und das Mineral Arsenik sind sehr gewöhnlich. Sich erhenken ist nicht so üblich, als sich ersäufen. Giftmischer bedienen sich aber am liebsten Leichengiftes, weil dieses am schwersten nachzuweisen ist.

[157] Über solche Frauen vrgl. Krauss: Medizinische Zaubersprüche aus Slavonien usw. in den Mitt. der Wiener Anthrop. Gesellschaft. 1887 und Dr. Alex. Mitrović, Mein Besuch bei einer Zauberfrau in Norddalmatien; Anthropophyteia IV. S. 227–236.

[158] Waclaw Alexander Maciejowski: Historya prawodawstw słowiańskich. Warschau 1856–1864. I, 26 und II. 376: Żadnego ludu słowiańskiego nie są tyle co serbskiego pieśni ważne. Toż samo należy powiedzieć o pieśniach ludów z Serbami jedno niegdyś państwo stanowiących. Z tych znowu pieśni bolgarskie na wielką zaslugują uwagę.

[159] W. A. Maciejowski III. p. IV: Zrobiwszy co mogłem, zostawiam następcy svemu rzecz poprowadzić daléj, badać zwyczaj i obyczaj, i przy pomocy dziejów wnikać przez oba w ustawę i statut.

[160] Die menschliche Familie nach ihrer Entstehung und natürlichen Entwickelung. Leipzig 1888, S. 501.

[161] Dr. Albert Herm. Post: Über die Aufgaben einer allgemeinen Rechtwissenschaft. Oldenburg und Leipzig 1891. S. 123 f.

[162] Neugriechische Volklieder gesammelt und herausgegeben von C. Fauriel, übersetzt und mit des französischen Herausgebers und eigenen Erläuterungen versehen von Wilhelm Müller. Leipzig 1825. 2 Teile, I. XXXV.

[163] Zu Borki im Herzogtum lebt ein Beg, ein wirklicher Grossgrundbesitzer, der ein ausgezeichneter Guslar ist. Seinen Reichtum hat er ererbt, nicht selber erworben. Im Auftreten und Gehaben unterscheidet er sich in keiner Beziehung von seinen gänzlich mittellosen Sangbrüdern. Sogar sein Anzug war vernachlässigt. Jeder Guslar ist mehr oder weniger ein Schlampsack, wie man wienerisch sagt.

[164] Nicht anders steht es mit den Reigenführerinnen (Kolovogje), die zugleich Vorsängerinnen sein müssen. Sie verbringen ihr Leben mit dem Lernen und Lehren alter und neuer lyrischer Lieder, vergeuden die Zeit, vernachlässigen die häusliche Wirtschaft und verstehen es nicht, des Hauses Wohlstand zu vermehren. Viele drastische Sprichwörter warnen vor einer Ehe mit solchen Kennerinnen der Überlieferung. An Analogien dazu bei anderen Völkern herrscht Überfluss.

[165] Man lese zur Erläuterung die autobiographischen Bekenntnisse der Guslaren Mehmed Dizdarević (in ‘Bojagić Alilens Glück und Grab’, Intern. Archiv f. Ethnogr. B. IX. 1896. S. 31 des S. A.) und Omer Šestanović (in der Festschrift f. A. Bastian, Berlin, 1896, S. 333 f.) nach. Fragte ich pflichtgemäss nach jeder erfolgten Niederschrift Guslaren, von wem sie das Stück übernommen hätten, bekam ich häufig beschieden: ‘Das weiss ich nicht mehr. Es ist schon lange daher. War ein Hirtlein noch, als ich es von jemand singen hörte und habe es mir gemerkt’.

[166] In: Geschichte des osmanischen Reiches. Pest 1836. IV.2 S. 686.

[167] In den ‘Reisebildern’. III. Kap. VII.

[168] Im: Bulletin de Folklore. IV. S. 385.

[169] Im: The myths of the New World, third ed. Phildelph. 1896. S. 192 f.

[170] Bei Hammer, l. c. I.2 S. 151.

[171] R. Fürst v. Montecuccoli: Memoiren 2. Teil. Vom Türkenkriege. Amsterdam 1758 (Organisation, Bewaffnung, Bekleidung und Ausrüstung des türk. Heeres). — Jos. Graf Majlath: Geschichte des österr. Kaiserstaates. Hamburg 1848. — Von Hammer-Purgstall, Gesch. d. osm. Reiches (siehe oben). — G. Wolf: Geschichtliche Bilder aus Österreich. Wien 1878. — Joh. Wilh. Zinkeisen: Gesch. d. osm. Reiches in Europa. Hamb. 1840–62. — G. D. Teutsch: Geschichte der siebenbürger Sachsen für das sächsische Volk. Lpzg. 1874. II. — Franz Salamon: Ungarn im Zeitalter der Türkenherrschaft, deutsch v. G. Jurány. Lpzg. 1887. — Das Kriegjahr 1683 nach Akten und anderen authentischen Quellen dargestellt in der Abteilung für Krieggeschichte des k. k. Krieg-Archivs. Wien 1883. — Gömöri: Mitteilungen des k. k. Kriegarchives. Wien 1885, 2. u. 3. H. Türkennot und Grenzwesen. — Eine volktümliche, nicht ungeschickte Zusammenfassung des Kriegzuges bei Toifel: Die Türken vor Wien. Wien 1883. S. 619 ff. 625 ff. Einige Notizen, die auch im Kommentar Berücksichtigung finden, im Glasnik zem. muz. u Sarajevu 1889, 1890. (Chroniken.)

[172] Sultan Mohammed IV. (geb. am 30 Ramazan 1051 oder 2. I. 1642, entthront am 2 Moharrem 1099 o. 8. Nov. 1687, und gestorben am 8 Rebiul-achir 1104 o. 17. XII. 1692).

[173] Bettelbriefschreiber (wienerische Mundart).

[174] La fin du roi Bonaparte. Chanson des Guslars orthodoxes de la Bosnie et Hercegovine. Par le Dr. Friedrich S. Krauss. Extrait de la Revue des Traditions populaires t. IV. No. 1 et 3. Paris. Maisonneuve et Ch. Leclerc, 1889. 8o.

[175] Die Belege dazu werden als besonderer Abschnitt in einem anderen meiner Bücher erscheinen.

[176] Meine bosnische Fassung der Schnurre erschien im Jahrbuch der Gesellschaft für Folklore in Paris.

[177] Bei Vuk Stef. Karadžić: Srpske narodne pjesme. Offiz. Ausg. Belgrad 1887. S. 316 (im Fragment).

[178] Bei V. Bogišić: Narodne pjesme iz starijih najviše primorskih zapisa. Belgrad 1878. S. 6. V. 100 f.

[179] Bei Vuk St. Karadžić a. a. O. S. 314.

[180] Ich veröffentlichte es in T. R. Gjorgjevićs Monatschrift Karadžić. Aleksinac 1902.

[181] Das prächtige Guslarenlied ward am Folklore-Kongress zu Chicago 1893 verlesen und ist im Sammelbande des Kongresses erschienen.

[182] In einer Wählerversammlung in Brod a. d. Save, hörte ich im Sommer des Jahres 1885 den Landtagkandidaten Pfarrer Š. sagen: die Steuern sind eine Erfindung der Magyaren. Mit unserem Gelde erbauen sie für sich in Budapest Paläste. Auf die Anzeige des Polizeikommissärs hin, bekam der Redner drei Monate Klosterarrest gerichtlich zugesprochen.

[183] Orlović, Der Burggraf von Raab. Ein mohammedanisch-slavisches Guslarenlied aus der Hercegovina. Freiburg i. Br. 1889. S. 32–35 und dazu in den Erläuterungen S. 96 f.

[184] Gruzinskij izvod skazanija o Sv. Georgij. Moskva 1892. 50 S. In den Vorlesungen der Kaiserl. Gesellschaft für Geschichte und russische Altertümer an der Moskauer Universität. — Die wissenschaftlich gründliche Arbeit lieferte aber Edwin Sidney Hartland, The Legend of Perseus. A study of tradition in story custom and belief. Vol. I, 1894, S. 228; II, 1895, S. 445; III, 1896, S. 225. London, Alfred Nutt.

[185] Vergl. Dr. Albert Hermann Post: Grundriss der ethnologischen Jurisprudenz. Oldenburg und Leipzig 1894. S. 327–425.

[186] Man lese darüber das treffliche Buch Pompeo Malmenti’s nach: I Banditi della Repubblica Veneta. Firenze 1896. Bemporad e Figlio.

[187] ’Orlović, Der Burggraf von Raab.’ Ein moham.-slav. Guslarenlied. Freiburg i. B. 1889, Herder. S. 35. Dazu das Lied vom Novak in diesem Buche.

[188] Julius Pisko: Skanderbeg. Historische Studie. Wien 1894. S. 9.

[189] Über Milchgeschwister bei den Südslaven vergl. mein Buch ‘Sitte und Brauch der Südslaven’, Wien 1885, S. 14. — Bei anderen Völkern vergl. A. H. Post: Studien zur Entwicklunggeschichte des Familienrechts, 1890, S. 41 f.; Grundriss d. ethn. Jurispr., Bd. I, S. 98. A. Wiedemann: Die Milchverwandtschaft im alten Ägypten, Urquell 1892, S. 259–267.

[190] Angenommen, es wäre der Fall, so ist’s doch eine arge Ungehörigkeit, mir, dem Folkloristen, daraus einen Vorwurf zu machen, dass ich christenfeindliche Texte aufzeichnen mochte. Das Übel steckt aber für mich darin, dass ein solcher Tropf über meine Veröffentlichungen zu Gericht in einer Fachzeitschrift sitzen und gegen meine Studien Stimmung machen darf.

[191] Siehe Anthropophyteia III (1906) S. 402 f.: ‘Von einem der Melodien farzte’ u. S. 404.

[192] Zitiert bei Daniel G. Brinton in Religions of primitive peoples, New-York 1897, S. 199.

[193] Am besten zu erfragen bei Frau Henriette Fleissig, Wien-Währing XVIII, Anastasius Grüngasse 13.

[194] Man vrgl. darüber Richard Schmidt, Fakire und Fakirtum, Yogalehre und Yogapraxis. Mit 87 farb. Illustrationen. Berlin 1908, H. Barsdorf. Dies Werk des um die Erforschung der indischen Erotik hochverdienten Gelehrten erlaubt es mir, mich hier ganz kurz zu fassen.

[195] Der Zusatz lautet: »Mit der ‘Wissenschaft’ des Yoga hat es in gewissem Sinne seine Richtigkeit, wie auch die in München zum Kongresse erschienene Flugschrift ‘Yoga’ von Dr. Karl Kellner behauptet. Yoga ist eine sehr alte und lange geheim gehaltene Lehre, die ihren Jünger in Stand setzt, durch gewisse Übungen die Erscheinungen des künstlichen Somnambulismus willkürlich in sich hervorzurufen. Und da die Ekstase bis zur Bewusstlosigkeit dem religiösen Indier als der höchste Zustand menschlicher Seligkeit erscheint, so werden die Yogi als heilige Menschen besonders geachtet. Sich nun aber als ‘Schwindler’, das heisst als Nicht-Schläfer verurteilt zu sehen, nachdem er sich in Budapest, wie Herr Pratapa versichert, ohne die geringste Geldentschädigung von Seite des Impresario zur Schau gestellt hatte, das ist ihm sehr schmerzlich. Der Yoga-Schlaf Pratapa’s hat noch einen anderen Apologeten gefunden, und zwar am Mystiker und Theosophen Dr. Franz Hartmann, der eine eigene Monatschrift für die Propagierung der indischen Religionlehre: ‘Lotusblüte’ herausgab. Als Zweck der Schaustellung Pratapa’s bezeichnet er in einer kleinen Flugschrift ‘Yoga-Schlaf’: ‘Denkfähigen Menschen den Beweis zu liefern, dass es ausser dem äusserlichen Leben des Körpers noch ein innerliches Seelenleben gibt, und dass somit wohl das Leben des Körpers von der Gegenwart des Seelenlebens, nicht aber die Seele vom Körper abhängig ist. Damit ist denn auch die ganze verkehrte sogenannte ‘materielle’ Weltanschauung in ihrer Grundlage erschüttert und umgeworfen.’ Der schlafende Fakir hatte also keinen geringeren Beruf, als die ‘materielle’ Weltanschauung umzuwerfen — und zu diesem Zwecke zog er nach München, wo die Psychologen zu dem ganz entgegengesetzten Zwecke versammelt waren, wo die bedeutendsten Forscher den Nachweis führten, dass ohne körperliche Vorgänge kein Denken geschieht? Eine Weltanschauung durch Schlaf erschüttern zu wollen — das ist grossartig!«

[196] M. Gj. Milićević, Kneževina Srbija, p. 1085.

[197] Eine Biographie Rade’s (Uskok Radojica) lieferte P. Mirković im Javor, Bd. XIV, S. 705–707, 721–723, 737–739. Er verlegt Rade irrtümlich ins 16. statt ins 17. Jahrhundert. Im übrigen leidet der Aufsatz an allseitig unzureichender Stoffkenntnis und patriotisch-banaler Kritiklosigkeit des Biographen.

[198] Vrgl. Acta Sanctorum Julii ex latinis et graecis aliarumque gentium monumentis collecta, digesta, commentariisque et observationibus illustrata a J. B. Sollerio, J. Pinio, C. Cupero, P. Boschio, Tom. VI, Antverpiae 1729, S. 397–427: De S. Pantaleone Martyre etc.

[199] Dr. M. Höfler: Wald- und Baumkult in Beziehung zur Volkmedizin Oberbayerns. München 1892. S. 1–24.

[200] Wilh. Mannhardt: Der Baumkultus der Germanen und ihrer Nachbarstämme. Berlin 1875. Vrgl. S. 79; 134 ff.

[201] Mannhardt, ebenda S. 136.

[202] Vrgl. Krauss: Volkglaube und religiöser Brauch der Südslaven. Münster i. Westf. 1890. S. 1–19 (Sonne, Mond und Stern).

[203] Vrgl. Krauss: Sitte und Brauch der Südslaven. Wien 1885. Kap. XX. S. 454–465.

[204] Vrgl. Böhmische Korallen aus der Götterwelt. Wien 1897. II. Aufl.

[205] Karadžić im Srpski rječnik, Wien, erklärt sipljaiv und sipljiv mit »engbrüstig, asthmaticus«. Nicht doch! Asthmatisch heisst in der Volksprache siputljiv; sipljiv aber »bröselig, mürbe«.

[206] Das Wort fehlt in allen Wörterbüchern. Vielleicht ist es aus hrapav (rauh, kratzend) verderbt. Es entspricht dem hochdeutschen ‘Krätzer’, dem judendeutschen ‘Špabach’ (Špeib’ ich = speie ich). Mit Hinblick auf das m in hrampač muss man annehmen, dass das wurzelhaft slavische Wort durch das magyarische rámpás (ein slavisches Lehnwort) bedingt ist.

[207] Über Vilenglauben bei Krauss in: Die vereinigten Königreiche Kroatien und Slavonien. Wien 1889. S. 123–130. Eine eingehendere Beleuchtung in »Volkglaube und religiöser Brauch der Südslaven«.

[208] Vrgl. F. Liebrecht, Zur Volkkunde, Heilbronn 1879, S. 217.

[209] E. H. M.: German. Mythologie, Berlin 1891, S. 175–177, und W. H.: Die Walküren, Aus Dichtung und Sage. Vorträge und Aufsätze. Hrsg. v. Karl Vollmöller, Stuttg. 1907, S. 31–64.

[210] für mračnoj.

End of Project Gutenberg's Slavische Volkforschungen, by Friedrich S. Krauss