Slavische Volkforschungen Abhandlungen über Glauben, Gewohnheitrechte, Sitten, Bräuche und die Guslarenlieder der Südslaven

Part 54

Chapter 543,602 wordsPublic domain

[79] Vrgl. Ivan Tkalčić (= Johann Weber), Parnice proti vješticam u Hrvatskoj (Prozesse gegen Hexen in Chrowotien), Agram 1891 und M. R. Vesnić, O sugjenju vešticama, Belgrad 1891.

[80] Man vergleiche dazu den wertvollen Aufsatz Dr. Albert Hellwigs, Ein moderner Hexenprozess. Archiv f. Kriminalanthropologie und Kriminalistik. 1905. S. 279–285.

[81] Zauberwahn, Inquisition und Hexenprozesse im Mittelalter und die Entstehung der grossen Hexenverfolgungen. München 1900.

[82] Die krankhaften Geschlechtempfindungen auf dissoziativer Grundlage. Deutsch von Dr. Ernst Jentsch. Würzburg 1907. — Geschlechttrieb und Schamgefühl. Deutsch von J. E. Kötscher. Würzburg 1907.

[83] Beiträge zur Ätiologie der Psychopathia sexualis. Dresden 1902. II. S. 100 ff. und Das Sexualleben unserer Zeit in seinen Beziehungen zur modernen Kultur. Berlin 1908. S. 128 ff.

[84] Ανθρωποφυτεία. Jahrbücher für folkloristische Erhebungen und Forschungen zur Entwicklunggeschichte der geschlechtlichen Moral. Leipzig 1904–1907. 4 Bände. Diese Jahrbücher erscheinen unter strengstem Ausschluss der Öffentlichkeit nur für Gelehrte, die sich wissenschaftlich mit der Erforschung des Geschlechtlebens befassen.

[85] Vrgl. Vuk Karadžićs Srpski rječnik, Wien 1852, S. 311 a. Vrgl. auch dessen »Život i običaji naroda srpskoga«, S. 220.

In Chrowotien nennt man häufig die Pest Kratelj. Wenn der Kratelj die Menschen heimsucht, so empfiehlt man als Schutzmittel Bähungen aus jenen feinen und durchsichtigen Blättchen, die zwischen den einzelnen Lagen eines Zwiebelhauptes vorkommen. Solche Umschläge vertreiben den Kratelj. Vuk bemerkt im Wörterbuche zu dem Worte Kratelj: »Nach der Tradition eine Krankheit ärger als die Pest, eine Krankheit, die in einer Nacht tötet. Der Tote hat einen Fuss kürzer als den anderen. Daher der Name von kratak, kurz. In neuerer Zeit wird die Pest auch in Serbien, seitdem sie häufiger auftritt, Krátelj genannt.« Der Ausdruck hat nun in der Sprache Bürgerrecht erhalten. Im Herzogtum nennt man die Menschenpest einfach kratelj. So heisst es z. B. im Bosiljak Hercegovački, 1883. N. 2. S. 22: »Kratelj. Po najnovijih vjestih dolazećih sa istoka, kratelj u Egyptu sada je manji.« (Die Pest. Nach den neuesten aus dem Oriente kommenden Nachrichten nimmt jetzt in Egypten die Pest ab.) Dass Vuks Ableitung des Namens Krátelj von kratak auf einer verfehlten Volketymologie fusst, leuchtet gleich ein. Wäre wirklich kratak = kurz, das Etymon, das zur Bezeichnung der Krankheiterscheinung verwandt werden sollte, so müsste das Wort Kratáč, bezw. Kratéč lauten. Über die pathologische Erscheinung dieser Art handelt scharfsinnig und lehrreich, wie immer, Dr. P. Näcke in seiner mediko-historischen und folkloristischen Studie: Das Vorkommen von Wadenkrämpfen im orientalischen Gebiete in alter und neuer Zeit (Neurologisches Centralblatt. Leipzig 1907. Nr. 17). Auf Grund seiner Ermittlungen folgert er: ‘Krämpfe, Krampfformen aller Art lassen sich wohl überall in alten und neuen Zeiten, in schriftlichen oder mündlichen Aufzeichnungen nachweisen und mussten fast selbstverständlicherweise auf die Einwirkung von Dämonen irgendwelcher Art zurückgeführt werden, und zwar böser Geister, die plötzlich einbrachen, und so Schrecken, Schmerz, Bewegunglosigkeit usw. erzeugten. Wo dies nicht deutlich mehr nachzuweisen ist, lässt es sich aus der Therapie direkt oder indirekt erschliessen.’ Da Kratelj nicht der ursprüngliche Name der Pest ist, vielmehr sich der Name erst in neuerer Zeit eingebürgert hat, so liegt es auf der Hand, dass er aus der Fremde eingeführt worden. Aus Slovenisch Görz in Steiermark rührt folgende Nachricht her. »Škratec oder Škratel ist ein Kobold (duh, eigentlich Geist), der einem Geld bringt. Es fällt gar nicht schwer, ihn mittels gewisser Beschwörungformeln herbeizurufen. Man muss ihm nur etwas zusichern, sei es den ganzen Körper, oder auch nur einen Teil, sei es die Hand oder den Fuss, verschreiben, und zwar muss man den Vertrag, den man mit ihm abmacht, mit eigenem Blute unterschreiben. (Christliche Vorstellung vom Pakt mit dem Teufel.) Der Škratel nimmt alle möglichen Gestalten an, einmal zeigt er sich als kleiner Knabe, ein andermal verwandelt er sich in ein altes Weib, in das letztere am gewöhnlichsten. Bringt er einem Geld, so saust er als glühender Besen (übertragen aus dem deutschen Hexenglauben) durch die Lüfte. Hat einmal einer mit ihm einen Vertrag abgeschlossen, so kann er alles, was sein Herz nur begehrt, von ihm bekommen, nur muss er abends vor dem Schlafengehen dem Škratel ein Merkmal aufs Fenster hinlegen (wie dem hl. Nikolaus am 6. Dezember nach südslavischem Volkbrauch), damit der Škratel weiss, was man von ihm haben will. Zugleich muss man ihm aber auf das Fensterbrett Hirsebrei (ein Opfer dem Waldgeiste) hinlegen, denn dies ist seine Lieblingspeise.« Die Schrate oder Schretel oder Schretlein, der Schrat, ist ein bei den germanischen Völkerstämmen weithin bekannter Hausgeist. In Niederbayern bezeichnet Schratl den Wirbelwind. (Panzer in den Beiträgen zur dtsch. Myth. II. S. 209.) Über das Schrätlein vrgl. Adolf Wuttke, Der deutsche Volkaberglaube d. Gegenwart. 3. Bearbeitung von Elard Hugo Meyer, Berlin 1900, S. 43 f., 159 u. 273. Bei den Inselschweden ist der Skrat und ebenso durch Entlehnung in der Form Krat bei den Esthen ein Hausgeist oder Kobold, der auch mit dem fliegenden Drachen identifiziert wird, welcher seinem Besitzer Getreide und andere Dinge durch die Luft zuträgt. (Russwurm, Eibofolke § 373 ff. bei Mannhardt, Baumkultus, § 115, im Auszuge. Bei den Südslaven nahm der Škratelj, oder wie er in der verkürzten Form Krátelj heisst, mit der Zeit ganz die Bedeutung eines verderbenbringenden Geistes an. Der Übergang erklärt sich von selbst, wenn man die Schilderung seines Wesens sorgfältig prüft. Darnach unterliegt es keinem Zweifel mehr, dass sowohl der Name als die Vorstellung vom Škratelj den Südslaven durch die Deutschen bekannt geworden. Wir besitzen aber auch ein unmittelbares Zeugnis dafür. In der Danica zagrebačka za prestupno lěto 1850. S. 117 findet sich folgendes Geschichtchen:

»Lěto 1531. je bila nekakva pošast, koja se imenuje Škrapec (dialektische Nebenform von Škratelj) ili šumski vrag, pod ladanjem (?) Kardinala i Eršeka vu Salcburgu, Matheja Lang vu Haunsbergu vu lovu vlovljena. Ona je bila žute boje, zevsema divja, niti nikak ni hotela vu ljudi gledati, nego se vse zmir je skrivala po kutih; na glavi je imala kokotovu rožu, človečanski obličaj z bradum, orlovske noge, lěpe oroslanske tace i pesji rep, i je poginula od glada, akoprem se njoj ljudi jesu milili, nju nudili i takaj silili, da bi jela i pila.« Im Jahre 1531 wurde ein Ungetüm [pošast wird auch für das deutsche Wort »Seuche« gebraucht], das man Škrapec oder Waldteufel nennt, unter der Herrschaft [wahrscheinlich dürfte vladanjem zu lesen sein] des Kardinals und Herzogs von Salzburg Mathias Lang in Haunsberg in der Jagd eingefangen. Sie war [es war also eine Waldfrau] von gelber Farbe, vollends wild, und wollte um keinen Preis den Leuten ins Gesicht schauen, sondern verbarg sich fortwährend in den Winkeln; auf dem Kopf hatte sie einen Hahnenkamm [eigentlich: Hahnenrose], sie hatte ein männliches Gesicht mit einem Barte, Adlerfüsse, schöne Löwentatzen und einen Hundschwanz. [Und] sie ist vor Hunger umgekommen, wenngleich ihr die Leute schön taten, ihr [Speisen] antrugen und sie so zu zwingen suchten, dass sie Speise und Trank zu sich nehme.

Ganz gewiss ist dieses Geschichtchen aus einer alten deutschen Chronik übersetzt worden. Ähnliche Sagen mögen auf demselben Wege unter dem südslavischen Bauernvolke Verbreitung gefunden haben. Die eigentlichen Sagen hat das Volk vergessen, den Namen aber auf Vorstellungen übertragen, die ihm viel geläufiger waren. Auf den Viljenak, den Gefährten der Vile (der südslavischen Waldfrauen) konnte der Name Škratelj keine Anwendung finden, weil sich das Volk unter einem Viljenak kein so bösartiges Wesen vorstellt; das Nächstliegende war, dass man an die Pest dachte, wozu zugleich die vom Volke angenommene Etymologie des Wortes eine scheinbare Berechtigung gab.

[86] Vrgl. »Sbirka hrvatskih narodnih poslovicah i riečih sabrao Mijat Stojanović, u Zagrebu 1866. S. 255 f.

[87] Von der Wurzel mar, zermalmen, davon lat. mors, slav. smrt. = der Tod. Mrviti = zerbröckeln, sowie malmen, in zermalmen gehen auf denselben Stamm zurück.

[88] Vrgl. »Arkiv za povjestnicu jugoslavensku«. Agram 1859. B. V. S. 334.

[89] Arkiv. Jahrg. 1863. S. 251–3. Vrgl. dazu die bosnische Erzählung von der Pestfrau, die Kaiser Konstantin nach Konstantinopel gebracht und in eine Wand eingemauert hat. Anthropophyteia I. S. 47 f.

[90] Das ist ein Opfer und ein Opfer ist auch die in Russland unter Juden übliche Friedhofhochzeit gegen die Cholera. In Skiernewice, dem kleinen Städtchen in Russisch-Polen, wurde am 28. Juni 1894 auf dem jüdischen Friedhofe eine Hochzeit gefeiert, was laut einem alten Glauben ein wirksames Mittel gegen die Cholera sein soll. An diesem Tage wurde nämlich der ärmste junge Mensch des Ortes mit einem eben so armen Mädchen verheiratet. Sie erhielten eine Aussteuer, die ihre Zukunft sicherte und zu welcher Juden und Christen beitrugen. Fast die ganze Einwohnerschaft, mit Branntweinflaschen in der Hand, bewegte sich von Musik begleitet nach dem Friedhofe, tanzend und singend und über die Spässe der buntgekleideten Possenreisser lachend. Ähnliche Aufzüge wurden auch in Paris abgehalten, als die schwarze Pest dort so furchtbar wütete.

[91] Vrgl. Ilić »narodni slav. običaji«. S. 301. Der deutsche Volkglaube bevorzugt Bibernell und Pimpernell gegen die Pest. Darüber veröffentlichte A. Treichel eine kleine, gediegene Abhandlung, die ohne Jahrzahl und Druckortangabe wohl um 1888 erschien.

[92] Bei M. Valjavec, Narodne pripovjedke, skupio u i oko Varaždina. 1858. S. 242. Dieselbe Sage fast wörtlich wie bei Valjavec bei L. Ilić in den Narodni slavonski običaji. Zagreb. 1846. S. 299 f.

[93] Von Ilić a. a. O. S. 302 f.

[94] Bulen = Mosliminnen; Saraj, Serail = Königburg.

[95] Hrvatske narodne pjesme i pripoviedke iz Bosne skupio N. Tordinac. Vukovar 1883. S. 30 f.

[96] Im Text morija. Kad morija Mostar pomorila, Sve pomori.

[97] Arkiv, Jahrg. 1863.

[98] Arkiv, B. VII, p. 242.

[99] Kad su se Gradski Vrhovci nastanili, svukli su se brat i sestra goli i zapregli su u gluvo doba noći dva crna od jedne matere vola i oborali su selo, da ne može kuga u njem vladati. — Ein bosnisches Guslarenlied meiner Sammlung vermeldet von der Burg, ihrem Besitzer, der ein kühner Kämpe war, und dem Dörfchen. Diese Handlung spielte sich in der ersten Hälfte des XVII., der von Tadić aber berichtete Vorgang am Anfang des XIX. Jahrhunderts ab. Nach dem Abzug der Türken oder Moslimen erhob man das verwüstete Städtchen Požega zu einer königlichen Freistadt und teilte ihr die verödeten Dörfer und Ländereien weit in der Runde als Besitz zu. Wie mir um das Jahr 1870 Bauern aus Vrhovci erzählten, kamen ihre Grosseltern, bosnische Serben, als Ansiedler dahin. Auch Tadić hat davon Kunde, was er ja mit nastanili andeutet. Man darf ruhig annehmen, dass die Bauern, bräche eine Pestilenz aus, wieder eher zehnmal das Dorf auf gleiche Weise umackern liessen, bevor sie einmal geschulte Ärzte zu Hilfe und zur Abwehr der Krankheit beriefen.

[100] Dass diese Anweisung wirklich von den Bauern befolgt wurde, und zwar in Syrmien, bezeugt auch Vuk im Wörterbuche unter oborati, S. 432, b. Über die Entblössung als Mittel zur Geisterbannung vrgl. Anthropophyteia I. S. 1 f. und IV. S. 171 ff. Spuren dieses Brauches finden sich bei allen verwandten Völkergruppen. (Vrgl. Mannhardt, Der Baumkultus der Germanen und ihrer Nachbarstämme. Berlin, 1875. S. 553–565.) — Besonders wichtig ist für uns die Tatsache, dass der im Texte beschriebene Brauch auch in jüngster Zeit in Russland als in voller Geltung bestehend beobachtet wurde. Noch im Jahre 1871 suchten die Landleute im Dorfe Davydkovo bei Moskau beim Herannahen der Cholera die Krankheit gleichsam zu konsignieren. Zwölf Jungfrauen spannten sich um Mitternacht an einen Pflug und zogen ihn rund um das Weichbild des Dorfes. In diesen Zauberkreis sollte die Cholera nicht mehr eintreten können. Einige Tage darauf entschloss sich die Geistlichkeit des Ortes, mit allen heiligen Geräten eine Prozession um die ausgezogenen Pflugscharfurchen zu machen, um dem Zauberkreise auch noch ihre ganz christliche Weihe zu geben. Die Mordwinen im Gouvernement Simbirsk umziehen, sobald sich in den umliegenden Orten eine Viehseuche zeigt, nachts ihr Dorf mit einer Furche. Der Ortvorstand ladet behufs dessen ehrwürdige Greise und unschuldige Jünglinge und Mädchen zu sich ein. Einer der Greise schreitet mit dem Heiligenbilde voran und hinter ihm ziehen Jünglinge den Hakenpflug, den eine keusche Jungfrau lenkt. Ohne Geräusch und Rede, in lautloser Stille umfurchen sie die Ortschaft. Bisweilen tragen die Ackerer, gleichsam als Opfer, ein schwarzes Kätzchen im Kober mit sich. Aus anderen russischen Ortschaften teilen Orest Miller und Tereščenko andere Einzelheiten über den Brauch des Pflugziehens mit. (Opaktiovanie.) Bei einer Hornseuche des Viehs versammeln sich die Weiber im blossen weissen Hemde, mit Besen und Schaufeln oder mit Sensen und Sicheln bewaffnet. Die älteste unter ihnen wird vor einen Pflug gespannt und muss ihn dreimal rund um das Dorf ziehen; die übrigen folgen unter Absingung gewisser für diese Gelegenheit traditioneller Lieder. Nach Tereščenko schreitet eine Jungfrau mit dem Bilde des hl. Blasius (Vlas) voran, hinterher die Dorfweiber mit Besen und Strohbündeln, andere auf Besenstielen reitend und Bratpfannen schlagend, lärmend und tanzend; den Schluss machen einige alte Frauen, welche angezündete Kienspäne in den Händen halten und im Kreise die vor den Pflug gespannte Greisin, sowie eine Witwe umschliessen, die mit nichts anderem als einem Pferdekummet am Halse bekleidet ist. Vor jedem Hofe macht die Prozession Halt und führt hier mit Töpfen und Pfannen eine Katzenmusik auf, indem man ausruft: »Da ist der Kuhtod! Da geht er!« Läuft zufällig ein Hund oder eine Katze vorbei, so wird das Tier als der leibhaftige Kuhtod (der Krankheitgeist) ergriffen und getötet. Dieser Brauch gilt als vorzügliche Vorkehrung gegen die Viehseuche. (Dass dieselbe Anschauung bei den Südslaven vorherrscht, ersieht man aus den Sagen, die den Schluss dieses Aufsatzes bilden.) Ein anderer wird als wirksam gegen verschiedene epidemische Krankheiten betrachtet. Die Weiber richten um Mittag auf jedem Ende des Dorfes einen Haufen von Wirtschaftabgängen auf und stecken beide um Mitternacht in Brand. Zu einem Feuer ziehen die jungen Mädchen in weissen Hemden und mit lose fliegenden Haaren einen Pflug; eines trägt ein Heiligenbild hintennach. Zur zweiten Brandstelle am entgegengesetzten Ende der Dorfstrasse tragen die alten Frauen, schwarz gekleidet, einen schwarzen Hahn und führen ihn dreimal herum. Dann ergreift eine Alte den Hahn und läuft damit zum Feuer der Mädchen am anderen Dorfende, indes der ganze Haufe das Geschrei laut werden lässt: »Stirb, verschwinde, schwarze Seuche!« Dort angekommen, wirft sie das Tier in die Flammen. Die Weiber ziehen jetzt den Pflug dreimal um die Dorfgrenze. Die Ackerfurche ist heilig. Ihre Überschreitung rächt sich durch Tod oder Krankheit. Über das Umpflügen vrgl. noch das vortreffliche Werk Bernhard Sterns, Geschichte d. öffentl. Sittlichkeit in Russland. Kultur, Aberglaube usw. Berlin 1907. S. 480–482.

Ein achtunddreissig zwölfsilbige Verse langes südslavisches Bittgebet der Bauern gegen die Pest findet sich in den Jačke ili narodne pěsme prostoga i neprostoga puka Hrvatskoga po župah šoprunskoj, mošonjskoj i želěznoj na Ugrih, skupio Fran Kurelac. U Zagrebu, 1871, S. 288 f. Jesus, die Mutter Gottes, der hl. Sebastianus, der hl. Rochus und die heilige Rosalie werden als Schutzpatrone gegen die Pest angerufen. Das Lied, wohl eines der schwächsten der ganzen Sammlung, dürfte einen katholischen Priester zum Verfasser haben. Heidnische Reminiszenzen kommen darin gar nicht vor. Aufgezeichnet wurde dieses angebliche Volklied in Klein-Warasdorf etwa um das Jahr 1856.

[101] Diese Sage ist aus Slavonien. Sie wurde in Velika Kopanica in der ehemaligen Militärgrenze im Jahre 1841 von M. Stojanović aufgezeichnet. Vrgl. dessen »Narodne pripoviedke« p. 208–210.

[102] Arkiv za povjestnicu Jugoslavensku. B. V. (1859), p. 334.

[103] In einer anderen Sage werden dem Teufel folgende Worte in den Mund gelegt: »Kurulunku oporunku abadi nakolinki sint«, und das soll bedeuten: »Halsstarrige Weiber sind schlimmer als der leibhaftige Teufel, und der Teufel zieht es vor, fünftausend Jahre lang die Hölle nicht zu verlassen, als auf dieser Welt ein furchtloses Weib in Versuchung zu führen.« Die Geister sprechen auch bei den Deutschen eine ganz eigentümliche, nur Eingeweihten verständliche Sprache. Vrgl. Paul Sartori, Am Urquell. 1894. S. 25.

[104] Hrvatske narodne pjesme i pripoviedke u Vrbovcu sakupijo Rikardo Ferdinando Plohl Herdvigov. I. U Varaždinu 1868. p. 102 f.

[105] Vrgl. »Život i običaji naroda srpskoga« von Vuk Karadžić. Wien 1867. p. 220.

[106] Die erstere Sage bei Valjavec, S. 244. Die letztere nach einer brieflichen Mitteilung.

[107] Die Todgöttin Hella wohnt in der Unterwelt. Sie holt nicht selber die Menschen, sondern die Toten gehen zu ihr, aber in Pestzeiten reitet sie auf einem dreibeinigen Pferde umher. A. Wuttke a. a. O. S. 33.

[108] Arkiv B. VII, p. 252 f.

[109] Arkiv. B. VII, p. 253.

[110] Narodne basne. Skupio ih po Boki, Crnojgori, Dalmaciji a najviše po Hercegovini Vuk vitez Vrčević. Ragusa 1883.

[111] Es sei hier auf die grundlegende Studie Alfred Wiedemanns hingewiesen: Die Toten und ihre Reiche im Glauben der alten Ägypter. Leipzig 1900. Die neuere Literatur über die Seele, Totengebräuche und die Wiederkehr Verstorbener, verzeichnet Krauss: Die Volkkunde in den Jahren 1897–1902. S.-A. aus den Romanischen Forschungen, hrsg. v. Karl Vollmöller. Erlangen 1903. S. 108–113.

[112] Über kopflose Geister vrgl. die Umfrage H. F. Feilbergs im Am Urquell IV. (1893) S. 8. V. (1894) S. 78 ff.

[113] Tiger hat die Erzählerin nur in der Schule auf Wandtafeln abgebildet gesehen und wahrscheinlich im Schulbuche eine Schilderung der Grausamkeit eines Tigers gelesen. Von der Schulbildung hat sie nicht viel mehr als ein wenig Schreiben und Lesen und einige Namen mit ins Leben hinübergenommen.

[114] Ausgezeichnet gut und endlos ausführlich von Iv. D. Šišmanov, Pèsenta na mrtvija brat v poezijata na balkanskite narodi. Sofia 1896. 432 Seiten.

[115] Auch Stefan Hock ist in seiner literarhistorisch sehr schätzbaren Untersuchung (Die Vampirsagen und ihre Verwertung in der deutschen Literatur. Berlin 1900) der Ansicht Andrees. Man vrgl. meine Widerlegung unter Anführung der slavischen Literatur über den Vampir, Die Volkkunde in den Jahren 1897–1902. Erlangen 1903. S. 116 f. — Dass der Vampirglaube in der scharf ausgeprägten Form, wie er noch gegenwärtig bei den Südslaven auftritt, wenn nicht türkischen Ursprungs, so doch sehr stark vom türkischen Volkglauben beeinflusst sei, lehren uns Tihomir R. Gjorgjevićs Ermittlungen. Godišnjica Nikole Čupića, XXI. (1901). S. 231 u. 287.

[116] Tierorakel und Orakeltiere in alter und neuer Zeit. Eine ethnologisch-zoologische Studie. Stuttgart 1888. S. 53 ff.

[117] Vrgl. Anthropophyteia II. (1905). S. 390 f.

[118] Selbst Mohammed hatte sich in ein Schwein verwandelt. Die serbische Sage in T. R. Gjorgjević’s Monatschrift Karadžić, Aleksinac 1901 (III). Nr. 5.

[119] Mitgeteilt von Thomas Dragičević, der als Gendarm die Gegend genau kennen gelernt.

[120] Vrgl. Krauss, Bojagić Aliles Glück und Grab. Zwei moslimische Guslarenlieder. Leiden 1896. S. 7–10. Das zweite Lied handelt von der Sühnung einer Grabschändung.

[121] Eine wertvolle Studie über den Werwolf im polnischen und russischen Volkglauben verdankt man L. Krzywicki, Wisła XII (1898) 100–130. Ludožerstwo i wilkołactwo.

[122] Man vergleiche die endlos gelehrte Studie W. H. Roschers, Ephialtes. Eine pathologisch-mythologische Abhandlung über die Alpträume und Alpdämonen des klassischen Altertums. Leipzig 1900 und Dr. M. Höflers Studie über Krankheitdämonen, Arch. f. Religionwissenschaft, hrsg. von Th. Achelis. II. (1899). S. 86–164. Beide Abhandlungen erschliessen naturwissenschaftlich den Völkerglauben. Vrgl. mein Referat: Die Volkkunde in den Jahren 1897–1902. S. 113–115.

[123] Volkglaube und religiöser Brauch der Südslaven. Münster in Westfalen 1890.

[124] Am Urquell I. (1890). S. 103 f.

[125] In Bulgarien, wie es scheint, durchwegs. Man vergleiche den Bannspruch z. B. im Sbornik za narodni umotvorenija, nauka i knižnina VIII. (Sofia 1892) II. S. 155 f. und sonst öfters.

[126] Rich. Andree: Die Anthropophagie, Leipzig 1887. — Dr. P. Bergemann: Die Verbreitung der Anthropophagie und Ermittelung einiger Wesenzüge dieses Brauches. Eine ethnographisch-ethnologische Studie. Bunzlau 1893. — Dr. Rudolf S. Steinmetz: Endokannibalismus. Wien 1896. — H. Kern: Menschenfleisch als Arzenei (Festgabe zur Feier des 70. Geburtstages von Prof. Ad. Bastian) Leiden 1896, S. 37–40. — Dr. K. Th. Preuss: Menschenopfer und Selbstverstümmlung bei der Totentrauer in Amerika. Festschrift f. A. Bastian, Berlin 1896, S. 197–230. — Von psychologischer Seite aus vorzüglich mit Rücksicht auf die Naturvölker erörtert das Menschenfleischessen L. Krzywicki (Ludožerstwo, Wisla (()) XII. S. 100 ff.). — Die Verschiedenheit zwischen Menschenopferkult und Menschenfleischessen, die nicht selten miteinander vermengt oder verwechselt werden, legt für Hawaii Karl von den Steinen klar (Reise nach den Marquesas-Inseln. Verh. d. Gesellschaft für Erdkunde, Berlin 1898, S. 510 ff.). — Wertvolles Material liefern Gaidoz, Mélusine III (acht Artikel) und Herm. Strack, Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit, München 1900.

[127] Cit. bei J. Grimm, Deutsche Rechtaltertümer, 488. Verweise auf diese Stellen auch bei Steinmetz, Endokann. 24, der auch auf P. Sartori’s vorzügliche Untersuchung: Die Sitte der Alten- und Krankentötung (Braunschw. 1895) Bezug nimmt.

[128] K. A. Šapkarev: Sbornik ot blgarsk. nar. umotvor. Sofija 1892. S. 77.

[129] Pjevanija cernogorska i hercegovačka sabrana Čubrom Čojkovićem cernogorcem pa i njim izdana istim. Leipzig 1837. S. 247b.

[130] Text und Verdeutschung bei Fauriel-Müller, Neugriech. Volklieder. Leipzig 1825. I. S. 15. Nr. VII. Vom Schulterfleisch siehe II. S. 47. Nr. XXI. V. 19 ff.

[131] Bei Luka Marjanović: Hrvatske nar. pjesme, što se pjevaju u gornjoj Hrvatskoj, krajini i u turskoj Hrvatskoj. Svezak I. Agram 1864. Nr. XXIII. S. 138 f. V. 98 ff.

[132] Bei Vladimir Krasić: Srpske nar. pjesme starijeg i novijeg vremena. I. Pančevo 1880. Nr. XV. S. 84–88. Das Stück aus Bosnien.

[133] Ein Guslarenlied bei Manojlo Kordunaš: Srpske nar. pj., skupio po bivšoj gornjoj krajini. Neusatz 1891. I. S. 4. — Eine Variante bei Vuk Karadžić: Srpske nar. pj. iz Hercegovine, 314–318. — Die internationale Verbreitung dieses Sagenstoffes behandelte erschöpfend Michael Dragomanov im Sbornik za narodni umotvorenija. Sofija 1889. S. 45–95: Slavjanskitē skazanija za požertvuvanie sobstvenno dēte.

[134] Vrgl. Krauss, Böhmische Korallen. Folkloristische Börsenberichte aus der Götter- und Mythenwelt. Wien 1897. 2. Aufl.

[135] Srpske n. pj. Belgrad 1867. Nr. 54. S. 647–651. 151 Verse; Nr. 55. S. 652–673. 679 Verse; Nr. 56. S. 674–692. 585 Verse. Die schimpfliche Erbsünde, die P. den Katholiken andichtet, will ich hier nicht hervorheben. Vielleicht steht im dritten von den drei dicken Bänden der P.’schen »Sammlungen«, die auf Kosten der Belgrader gelehrten Gesellschaft erschienen, auch noch derlei; ich habe bloss zwei gelesen. C’est assez pour qui doit mourir.

[136] In den genannten Srpske narod. pjesme S. 43.

[137] Zur Erklärung vrgl. Am Urquell I. S. 194.

[138] Vrgl. Am Urquell I. S. 196. Derselbe Brauch im Herzogtum.