Slavische Volkforschungen Abhandlungen über Glauben, Gewohnheitrechte, Sitten, Bräuche und die Guslarenlieder der Südslaven

Part 53

Chapter 533,682 wordsPublic domain

[12] Die grössere Broschüre führt den Titel: »Ovo je ćitap na bosanski jezik« (dieses ist das Religionbuch in bosnischer Sprache). Der Verfasser nennt sich Mustafa Efendi aus Brod (an der Save). Er lebte damals als Softa in Konstantinopel. Der Text hebt also an: »Jes li mumin? Ja sam hakka, el hamdu lillah ala din el islam. Imam je mojsifet. Što je mumin? Mumin je oni čovjek, štono srcem vjeruje a jezikom ikrar čini, etc.«

[13] Man vergl. N. A. Balhassan-Oglu: Un texte ouïgour du XII-ième siècle. Revue Orientale pour les études ouralo-altaïques. Budapest 1906, p. 257–279.

[14] V. 3 srcom, dagegen V. 35: srcem. V. 48 und 49 hat der Schreiber in V. 57 f. wiederholt. Das scheint uns dafür zu zeugen, dass dem Schreiber jemand diese Avdija aus dem Gedächtnis in die Feder diktiert habe. In V. 48 gr’jehova, in V. 57 grihovâ. Beide Laute sind richtig und werden nebeneinander gebraucht. Die serbische Sprache wird von den Schulgrammatikern in drei Hauptmundarten eingeteilt, je nachdem der altslavische Laut durch je, i oder e vorwiegend in der modernen Volksprache wiedergegeben wird. Ich habe auf meinen Reisen unter den Südslaven die Überzeugung gewonnen, dass dieser schablonenhaften Einteilung in Jekavci, Ikavci und Ekavci (Je-Leute, I-Leute, E-Leute) gar kein wissenschaftlicher Wert zukomme, weil dasselbe Individuum ohne irgend einen besonderen Grund bald den einen, bald den anderen Laut anwendet; so sagt z. B. einer moja djevojka je lipa, dann ein anderes Mal m. divojka je lijepa oder devojka je lepa.

[15] für ludi = ludj (= ludy). Eine derartige Wortverunstaltung ist sonst wohl äusserst selten.

[16] Bezieht sich auf die Fussbekleidung obuća. Die Frau muss dem Manne vor dem Schlafenlegen die Schuhe ausziehen und morgens wieder anziehen.

[17] Im »Gorski vijenac« (der Gebirgkranz) des Petrović Njeguš heisst es an einer Stelle:

Ima kneže, takovih roguša Pod oblak će ustrijelit orla.

Ja, o Fürst, es gibt wohl solcher Hexen. Selbst in Wolken trifft den Aar ihr Bolzen.

[18] Vrgl. Vuk Karadžić im Wörterbuche unter krstača und rogulja.

[19] Über die Etymologie von Hexe vrgl. Grimm, Deutsche Mythologie, S. 991 ff.

[20] Vrgl. »Narodne pripoviedke i pjesme iz hrvatskoga primorja pobilježio ih Ivan Mikulčić«. U Kraljevici 1876. S. 130.

[21] Im »Niz srpskih pripoviedaka Vuka vit. Vrčevića«. Pančevo 1881. S. 93.

[22] Im »Gorski vijenac« heisst es gleichfalls an einer Stelle:

»Lasno ti je poznati vješticu, Sijedih kosa, a krst ispod nosa.«

Leicht erkennbar ist Dir jede Hexe An dem weissen Haar (auf ihrem Haupte) Und dem Kreuz, das unter ihrer Nase.

[23] Als ein weiteres Erkennungzeichen gelten zusammengewachsene, buschige Augenbrauen. Wenn eine solche Person, es mag auch ein Mann sein, ein Kind anschaut und es gar bewundert, so ist dieses schwer beschrien. Mein ehemaliger Lehrer in der Elementarschule zu Požega in Slavonien, P. Kosta Horvatić, erzählte mir als Knaben einmal, es hätten einen hausierenden Zinzaren, dem die Brauen zusammengewachsen waren, die Bauern in einem serbischen Dorfe mit Rutenbesen aus dem Orte hinausgejagt, weil er ihnen alle ihre Kinder arg beschrie.

[24] G. Medaković in »Život i običaji Crnogoraca«. Neusatz 1860. S. 183.

[25] Eine ergiebige Zusammenstellung älterer und neuerer südslavischer Ausdrücke zur Bezeichnung von Hexen- und sonstigem Aberglauben lieferte Fran Kurelac, Berichte der Südslavischen Akademie. B. XXIV. S. 57–79.

[26] Die südslavischen Vile, Samovile, Samodivi und Vilovnjaci gehören in dieselbe Sippe der Wald- und Feldgeister, wie die Holz- und Moosleute in Mitteldeutschland, Frankreich und Bayern, die wilden Leute in der Eifel, Hessen, Salzburg, Tirol, die Waldfrauen und Waldmänner in Böhmen, die Tiroler Fanggen, Fänken, Nörgel und selige Fräulein, die romanischen Orken, Enguane, Dialen, die dänischen Ellekoner, die schwedischen Skogsnufvar und die russischen Lēšje. Andererseits deckt sich die Vorstellung von den Vilen nahezu vollständig mit der germanischen von den Walkyrien. Vrgl. Krauss, Volkglaube und religiöser Brauch der Südslaven, Münster i. W. 1890, S. 69–109.

[27] Man vergleiche zur Bestätigung Krauss »Sagen und Märchen der Südslaven« (Leipzig 1883) Nr. 31: »Fuhrmann Tueguts Himmelswagen«; Nr. 33: »Die Glucke«; Nr. 84: »Die Vila des Knaben Hort«; Nr. 85: »Der Vilaberg« u. a.

[28] Ebendaselbst. S. 436–8. »Vom Mariechen, das den Vilen gelobt war.«

[29] Ein alter Messner in Šamac, in der ehemaligen slav. Militärgrenze, erzählte im J. 1834 diese Geschichte M. Stojanović, der sie in sein Buch »Pučke pripoviedke i pjesme« (Agram 1867) aufnahm. S. 203–204. Mit der Vila in dieser Sage ist die rauhe Else in der Wolfdietrichsage zu vergleichen. Wolfdietrich weigert sich, die rauhe Else zu minnen und dafür macht sie ihn zum Toren, so dass er ein halbes Jahr ohne Besinnung im Walde »wild laufen« muss und Kräuter von der Erde als Speise aufrafft. Ausführlicher bei Mannhardt: »Der Baumkultus der Germanen und ihrer Nachbarstämme«. S. 108 f. Genauer stimmt mit unserer Sage eine dänische überein, die gleichfalls Mannhardt mitteilt: »Auf der Insel Möen ging Margarethe Per Mikaels als kleines Mädchen einmal durch den Buchenwald bei Stevns, da begegnete ihr ein grosses Weib mit schwarzer Haube und langen Fingern, die wurde grösser und grösser. Margarethe lief von ihr, spürte aber bald ihre langen Finger auf der Schulter, das Laub wirbelte in den Baumwipfeln, das Kind fiel um und blieb liegen. Margarethe war von da an drei Jahre verstörten Geistes. Margarethe blieb immer verstört; im Walde empfand sie stets einen unwiderstehlichen Zug zu der Stelle, wo jenes Weib ihr begegnet war. Einst, als sie schlief, kam ein Els und wollte das Kind mit sich fortnehmen, da sie aber fest schlief, konnte er ihr nichts anhaben.«

[30] Vrgl. »Arkiv za povjestnicu jugoslovensku«, herausgegeben von Kukuljević. B. II. 380–383.

[31] R. F. Plohl: »Hrvatske narodne pjesme«. Svezka II. U Varaždinu, 1869. S. 86.

[32] In dieser Bezeichnung liegt noch eine uralte Erinnerung an die Hexe als Waldgeist, der in der Haselnuss seinen Wohnsitz hat. Im Kanton St. Gallen ruft man den Kindern zu, um sie vom Pflücken der noch unreifen Haselnüsse abzuhalten: »’s Haselnussfräuli chumt!« Es ist dies nur eine besondere Personifikation der Waldfräulein. Vrgl. Mannhardt, Der Baumkultus etc. S. 106 ff.

[33] Eine Aufzählung und Schilderung der am Georgitag gebräuchlichen altheidnischen Verrichtungen des serbischen Landvolkes bietet der Artikel »Gjurgjev dan« bei Vuk im Wörterbuche S. 151 a, b. Die oben mitgeteilten Nachrichten habe ich aus Chrowotien.

[34] Die Schmierfette wird mit »švierc« bezeichnet. Auf den ersten Blick erkennt man darin die entstellte Form der deutschen »Schwärze«.

[35] Über denselben deutschen Brauch vrgl. Mannhardt, Baumkultus, S. 272 f. »Es soll Lebens- und Wachstumkraft durch die (Wacholder-)Rute mitgeteilt, jedes dem entgegenwirkende feindliche Gespenst vertrieben werden.« S. 279. M. verweist noch auf Kuhn, Herabkunft des Feuers, S. 191.

[36] Eine Vila erzieht einen Knaben in ihrer Höhle zum Rächer seines Vaters, den sein ehebrecherisches Weib dem Buhlen ausgeliefert hat. Vrgl. Krauss, Tri riječi Hercegovca. Mostar 1885. S. 30 ff.

[37] Aus Selno in Chrowotien. — Vrgl. über den Elfentanz im Mondenschein: Mannhardt, Baumkultus, S. 125.

[38] Über die »Eschenfrau und ihre Sippe in Nordschleswig und Dänemark« vrgl. Mannh. Bk. S. 10 f. Unter Eschenbäumen wachsen auch zauberkräftige Wurzeln. Darauf bezieht sich das Bruchstück eines Volkliedes. Wenn man einem Mädchen vorhält, dass ihr der Geliebte untreu geworden und sich von ihr abwendet, so entgegnet sie:

Ima trave u okolo Save I korenja okolo jasenja.

»Es gibt Kräuter um die Save, und Wurzeln um Eschenbäume herum«;

sie meint damit nämlich, dass sie am Saveufer Kräuter sammeln und Wurzeln unter Eschenbäumen graben wird, um daraus Liebetränklein für den Ungetreuen zu brauen.

[39] Da der Nussbaum und seine Früchte Perun geheiligt waren (vrgl. J. Erben: Prostonárodní české pisně a řikadla, Prag 1864, S. 39, und Hanuš im Bajeslovný kalendář slov. Prag 1860, S. 21), so läge der Gedanke nahe, dass vielleicht bei dem syrmischen Dorfe Molovina, dort wo der alte Nussbaum steht, eine uralte Kultusstätte des Perun oder einer ihm verwandten Wesenheit zu suchen sein dürfte. In dem noch sehr stark durch heidnische Erinnerungen versetzten Volkglauben der Südslaven ist der »gromovnik Ilija« an die Stelle Peruns gerückt. Zu erwähnen ist der Glaube des slavonischen Landvolkes, dass der Blitz (grom, eigentlich Donner) nie in einen Nussbaum einschlage.

[40] Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart. Dritte Bearbeitung v. Elard Hugo Meyer, Berlin 1900, S. 432.

[41] Eine ausführliche Zusammenstellung über Mantel- und Luftfahrten von Hexen findet man in den Jahrb. f. roman. Literatur III, S. 147.

[42] Dies ist eine der weitaus bekanntesten Hexensagen. Andere Fassungen, die sich gar nicht wesentlich von den angeführten unterscheiden, liegen auch gedruckt vor. Z. B. bei Stojanović in den »Narodne pripoviedke«, S. 196–198: »Vještica podkovana«, aufgezeichnet im J. 1836, in Velika Kopanica in der ehemaligen slavonischen Militärgrenze. Dieselbe Sage einigemal im Arkiv; vrgl. auch Valjavec, »Narodne pripoviedke«, S. 244–45.

[43] Der Wirbelwind als Teufel personifiziert. Vrgl. Krauss, Sag. u. M. der S. 104. »Die Mutter: »Ihr verruchten Rangen, dass Ihr nimmer Ruh’ gebt! Alle zwölf seid verflucht: zwölf Teufel sollen euch holen. Ich überliefere euch ihnen!« — Auf einmal entstand ein Gebrause, ein Wirbelwind drang in die Stube und im Nu waren die Söhne entschwunden.« S. 141: »Als sich der Zug auf dem Weg zur Kirche befand, brauste plötzlich ein Wirbelwind daher und im Wirbel kam eine Schlange (zmaj, aždaja, der Drache) geflogen, ergriff die Braut und führte sie mit sich fort« und so öfters. Vilensko kolo, Vilenreigen, dann Hexentanz, nennt der Dalmater die Windhose. Ital. scione. Vrgl. den Schluss dieser Abhandlung.

[44] Im Gouvernement Archangel gilt der Wirbelwind als der Tanz des Lēši mit seiner Braut. Die Lešje rauben Kinder, nehmen sie in ihre unterirdischen Höhlen mit und entlassen sie ganz verwildert erst nach Jahrfrist. Vrgl. Afanasiev, »Poetičeskia vozrēnia Slavjan na prirodu«. Moskau. S. 303–313.

[45] Es ist ein häufig wiederkehrender Zug der Sage, dass ein Sterblicher die Geister bei ihren Zusammenkünften belauscht und durch das, was er hört, Heilung für eine Krankheit findet. Vrgl. Krauss, Südslav. Sagen u. M. I. S. 432 ff. In dem Märchen »Pravda i krivda« (Recht und Unrecht) bei Vuk Karadžić, Srpske nar. prip. 1870, St. 16, S. 86 f. erkennt man das obige Stück als Variante. Bei Vuk sind es Vilen, deren Gespräch einer belauscht. Der Genosse des Glücklichen wird als ein verworfener Mensch dargestellt. Mit Recht zerreissen ihn die Vilen, weil er die Ungerechtigkeit über alles setzte.

[46] Vrgl. nach Vuk im Wörterbuch unter »vještica« S. 212, in »Život i običaji naroda srpskoga«, Wien 1867. In der Vukschen Fassung verwandelt sich der Nachbar, der die Hexe belauscht, nachdem er sich mit dem Fette eingerieben, in irgend ein Wesen, und gelangt dann auf den Nussbaum in der Nähe des Dorfes Malovina. Als er die Pracht des Hexenmahles sah, konnte er sich nicht enthalten, in den Fluch auszubrechen: »anate vas mate bilo!« »Anate vas mate« ist das griechische Wort ἀνάθημα, der Fluch, der Bann, das durch die Kirche in die Volksprache eingedrungen ist und sich eingebürgert hat. Deutsch würde der Fluch lauten: »Dass euch doch der Fluch treffen möge!«

[47] Mannhardt, Baumkultus, S. 13, sagt bei Erörterung der Baum-, Menschenleib- und Krankheitdämonen: »Man warf dieses Gewürm mit den bösen Geistern in Wurmgestalt zusammen, welche nach einer uralten, schon bei den Indern im Atharvaveda und in den Grihyasutras ganz ähnlich wie unter den Germanen entwickelten Vorstellung sich als Schmetterlinge, Raupen, Ringelwürmer, Kröten usw. in den menschlichen oder tierischen Körper einschleichen und darin als Parasiten verweilend die verschiedensten Krankheiten (z. B. Schwindsucht, Kopfweh, Magenkrampf, Zahnweh, besonders nagende und bohrende Schmerzen usw.) hervorbringen sollten.« Hexe ist übrigens eine auch in Deutschland noch allgemein übliche Bezeichnung für die ganz kleinen Schmetterlinge Tineadae, Schaben, unter deren verschiedenen Arten die Pelzmotte oder Haarschabe, Tinea pellionella L. und die Kleidermotte T. sarcitella L. wegen ihres Zerstörungwerkes als Raupen die berüchtigtesten sind. In deutschen Hexenprozessen heissen die Elbe (Hexen) bald die kriechenden Raupen, bald die Puppen, bald die entfliegenden Insekten. Vrgl. Grimm, D. M. S. 431. Über Hexen als Schmetterlinge, Raupen und Würmer, vrgl. Simrock, Handb. d. D. M. III. Aufl., S. 456 und Wuttke a. a. O. S. 29, 763, 60, 217, 281, 402.

[48] Den Zusammenhang des Hexenglaubens mit der Pathologie der Volkmedizin wies einleuchtend Dr. M. Höfler nach, Archiv f. Religionwissenschaft, hrsg. v. Prof. Dr. Th. Achelis, II. (1899) S. 143 f. u. 162 ff.

[49] In Altbayern am Starnberger See betrachtet das Volk die Kröte als Sinnbild reichlicher Fruchtbarkeit und Ergiebigkeit. Handtmann meint (»Neue Sagen aus der Mark Brandenburg«, Berlin 1883, S. 247), der Haselstock mit dem Krötenzeichen in der Rinde, mit dessen Hilfe man nach dreimaligem Zustossen in die Milch eitel Butter gewinnen kann, wie das Volk glaubt, sei aus Altbayern und der Priegnitz importiert. Diese Vermutung lässt sich nicht verteidigen, da es sich ja um einen allgemein, sowohl unter Slaven als Germanen heimischen Volkglauben handelt.

[50] Vrgl. Dr. Alexander Mitrović, Mein Besuch bei einer Zauberfrau in Norddalmatien, Anthropophyteia IV. Leipz. 1907. S. 231 und Milićević, Glasnik srpskog učenog društva XXII. S. 156.

[51] G. Medaković, Život i običaji Crnogoraca, 1860. S. 182.

[52] V. Vrčević, im Zbornik sadašnjih pravnih običaja u Jugoslovena, v. V. Bogišić, 1874. S. 561. — Vuk Karadžić, Običaji naroda srpskoga S. 211.

[53] Wie alt dieser Glaube ist, lehrt der ausführliche Bericht von Apuleius im Goldenen Esel (Rodesche Übersetzung, V. Aufl. Eingeleitet v. M. G. Conrad, Berlin 1906. H. Barsdorf. S. 18 ff.). Wenn er wieder erstünde nach siebenzehn Jahrhunderten, würde er erstaunen, der liebe gute Freund Apuleius, dass sich auf der Balkanhalbinsel im Volkglauben so gut wie gar nichts wesentlich geändert hat.

[54] Man nennt diesen nächtlichen Besuch fraj (aus dem Deutschen: »frei«). Zwei, drei oder auch mehr Burschen begeben sich nach der zehnten Nachtstunde vor die Türe eines Mädchens und bitten um Einlass. Gewöhnlich macht das Mädchen in der Küche ein Feuer an und dann setzen sich alle um den Herd herum und plaudern oft bis zum Morgengrauen. Allein geht ein Bursche auf die »fraj« nur, wenn er in Kürze das Mädchen heimführen wird. Ausführlich behandle ich diesen Brauch in: »Sitte und Brauch der Südslaven«, Wien 1885. Man vergleiche dazu meine Bemerkungen über die Probeehen im Zusatz zu Dr. Alexander Mitrovićs Studie über Zeitehen in Norddalmatien, Anthropophyteia IV, Leipzig 1907. S. 44 f.

[55] »Rautenstrauch« kommt als Eigenname eines Waldgeistes vor. Vrgl. Grimm, D. M. S. 1016.

[56] Man vrgl. dazu die Bannformeln, die Krauss und Mitrović in ihrer Umfrage über Erotik und Skatologie im Zauberspruch und Zauberbann, Anthropophyteia IV. (1907) mitteilen.

[57] Circaea lutetiana L., C. vulgaris. Moench, zur Familie der Onugrarien gehörig. Auch Baldrian ist Hexenkraut.

[58] Arkiv za povjestnicu jugoslovensku B. I. S. 219.

[59] Narodne pripovietke i pjesme iz hrvatskoga primorja. Pobiliježio ih Fran Mikulčić. U Kraljevici 1876. S. 130.

[60] Vrgl. Krauss, Südslav. Sagen und Märchen. S. 382–384. Hahn, Griech. u. alb. Märchen. II. S. 25 ff. Die Strigla u. St. 66 Lemonitza.

[61] V. Vrčević im Zbornik von Bogišić, S. 561. — L. und V. Vukalović und M. Sredanović ebendaselbst, S. 640. — G. Medaković in Život i običaji Crnogoraca S. 182. — V. Karadžić im Wörterbuch unter vještica.

[62] So verfuhr man zur Zeit Kara Georgs auch in Serbien mit den Hexen, wie Vuk bezeugt. — Über dieselbe Art der Hexenprobe bei den Deutschen vrgl. Simrock, Hdb. d. D. M. S. 453.

[63] Vrčević hat diese Geschichte im »Niz srpskih pripovjedaka« zu einer halb dramatischen Novellette ausgesponnen (S. 90–98). »Trebinjski sud i hrišćanske vještice«. (»Das Gericht von Trebinje und die christlichen Hexen«), und fügt diesem Titel die Bemerkung an: »Nach einer wahren Begebenheit aus dem Jahre 1876«. Vrčević dürfte sich verschrieben haben.

[64] Andere meinen, dass man an dem Schemel bis zur Christnacht arbeiten müsse.

[65] Während der Mitternachtmette in der Christnacht knallen die Bauern mit Peitschen vor den Häusern, um die Hexen dadurch zu verscheuchen.

[66] Man vrgl. die deutsche Übersetzung J. W. Schmidts: Der Hexenhammer. Von Jakob Sprenger u. Heinrich Institoris, 3 Teile. Berlin 1906. H. Barsdorf. Das ist eine Art von Kodifizierung wahnwitziger Ruchlosigkeit.

[67] Das Brot, das man in den Mund nimmt, ist wohl nichts anderes als ein Opfer, das man der Hexe darbringt, die im Dünger haust, um sie zu versöhnen wegen der Verunreinigung ihres Aufenthaltortes; Brot opfert auch der russische Bauer auf dem Dünger den Lješje. Im Dünger, den man später aufs Feld führt, wohnen die Geister der Fruchtbarkeit und des Feldsegens. Diese ursprüngliche Anschauung ist mit der Zeit erloschen und die Düngerstätte wurde zum Tummelplatz der Hexen gemacht. Vrgl. die skatologischen Erzählungen Anthropophyteia IV (1907).

[68] Pogled u Bosnu ili kratak put u onu krajinu učinjen 1839–40 po jednom domorodcu. U Zagrebu 1842, S. 44 f. Anmerkung.

[69] Im alten Rom wurden am 1. Juni Weissdornruten und Wegedorn über Tür und Fenster angebracht, um alles Unheil (noxas) davon zu verscheuchen und vor allem die gespenstischen, eulengestaltigen Strigen, Geister der Krankheit und Auszehrung, die den Wiegenkindern die Eingeweide ausfressen, fernzuhalten. Vrgl. Ouid. Fast. VI. 129 ff.

[70] Die Deduktion, wieso gerade Krötenfett und Stutenbutter als Zaubersalben bezeichnet werden, ist einfach. Sie ergibt sich von selbst, wenn man sich die altheidnischen Vorstellungen über die Kröte und das Pferd als Opfertiere ins Gedächtnis ruft.

[71] Man vrgl. den ähnlichen Glauben bei Panzer (in den Beiträgen II. S. 302), wo von einem Sägeschmied in der Oberpfalz erzählt wird, dass er jedesmal, wenn er fieberte, einen Geisterbanner kommen liess, der die Türschwelle aushob, den Geist bannte und ihn in einen Weidenbaum einkeilte. In dem Keile steckt nach dem Volkglauben die Seele des Dämons. Am ersten Maitag, zu Pfingsten oder am Abend des 23. Juni findet in deutschen, westslavischen, französischen und anderen keltischen und romanischen Landschaften folgender Brauch statt: Man zieht in grosser Schar in den Wald, bringt grüne Büsche und junge Bäume, vorzugweise Birken oder Tannen mit heim, welche vor der Tür oder auf dem First des Hauses, auf die Düngerstätte oder vor dem Viehstall aufgepflanzt werden, und zwar hier gerne für jedes Stück Vieh (Pferde und Kühe) ein besonderes Bäumchen. Die Kühe sollen dadurch milchreich, die Hexen vertrieben werden. Vrgl. die reichen Nachweise bei Mannhardt a. a. O. S. 160 ff. Bei den Čechen lässt die Hausfrau am Palmsonntag Birken und Pimpernusszweige weihen, um damit am Kuhfeste die Kühe rückwärts aus dem Stalle zu treiben. (Reinsberg-Düringsfeld, Festkalender aus Böhmen S. 110.) Im Böhmerwalde schlägt man am 1. Mai das Vieh mit Birkengerten. Ein Schlag mit dieser Rute schützt ein Haustier das ganze Jahr vor tötlicher Verwundung. (E. Rank, Aus dem Böhmerwalde S. 127.) Auch bei den Ruthenen findet das Kälberquicken mit Birkenruten und Haferhalmen statt. In der Normandie schlägt man die Kühe, um sie milchreich zu machen, dreimal mit einer Haselrute auf die Seite. (De Nore, Coutumes, mythes et traditions p. 270.) Eine Hexe bekannte in Hessen 1596: »Wenn sie auf Wallburgtag eines Nachbarn Kue mit einem Rüdtlin in Teufels Namen geschlagen habe, sie das ganze Jahr über obige Kue melken könne. Solches Rüdtlin habe sie in ihrem Stalle stehen gehabt.« Weitere Nachweise ähnlicher Bräuche bei Mannhardt a. a. O. S. 272 ff. In der Altmark ziehen am Fastnachtabend die Knechte mit Musik von Hof zu Hof und stäupen mit Birkenreisern, fein nach der Ordnung zuerst die Hausfrau, dann die Töchter, zuletzt die Mägde. (Kuhn, Märkische Sagen, S. 307.) Die Birkenreiser sind die Lebensruten, mit denen man zu verschiedenen Zeiten Leute schlägt, damit es ihnen wohl ergehe. Wenn man die Hexen gleichfalls mit Birkenreisern schlägt, so will man dagegen den bösen Zauber aus ihnen herausschlagen. Vrgl. Mannhardt a. a. O. S. 251 ff. Wir erinnern in Bezug auf den erwähnten Brauch der Lebensrute an die südslavischen »mladijenci« (Verjüngungtag), die auf den 4. Tag nach dem Weihnachtabend fallen. Die Mutter schlägt ihre Kinder mit grünen Reisern und spricht dabei: »Lass das Böse und nimm das Gute! Lass Krankheit und Leid und ergreife die Gesundheit!« Vrgl. die ausführliche Schilderung bei Vrčević in »Tri glavne narodne svečanosti« Pančevo 1883. S. 19. Sehr wertvoll ist Friedrich Kunzes Monographie: Der Birkenbesen. Ein Symbol des Donars. Eine mythologische Untersuchung. Intern. Archiv f. Ethnogr. XIII. Leiden 1900. S. 88–97 u. 125–162.

[72] Der Glaube an die Zaubermacht der Mistel ist allen europäischen Völkern eigentümlich. Vrgl. Afanasijev, poetičeska vozrenia etc. II. 432–434. Simrock, Die Edda. S. 280–281. Kuhn, Herabk. des Feuers, 231 ff. — Im Altslav. heisst die Mistel омелникъ, in russ. und südslav. Dialekten omela (omelica, omelnica, imela, melnica, mela), čech. jmelí, poln. jemiola, lit. amalis, let. amuls. Wenn eine Mistel auf einer Haselstaude wächst, so haust in der Erde unter dieser Staude eine Schlange mit einer Demantenkrone, oder sie ist die Bewahrerin wer weiss was für unermesslicher Schätze.

[73] Der geheiligte Faden, der einen Wohnbezirk abgrenzt, schützt nach Analogie der Furche, die man in Pestzeiten um das ganze Dorf zieht, vor dem bösen Einfluss der Hexen. Ein weiteres Analogon erblicke ich in einem andern Glauben des südslavischen Bauern. Wenn er sich den Fuss verstaucht hat, oder er ihm geschwollen ist, so bindet er einen geweihten Faden unter Hersagung des Vaterunsers um den leidenden Fuss. Der Faden, der aus Flachs gesponnen sein muss, soll nach der uralten Auffassung den Krankheitdämon aus dem Fusse vertreiben. Verwandte Züge liessen sich in Menge noch anführen. Eine überaus reiche Zusammenstellung von Nachweisen über derartige Hegungen liefert F. Liebrecht, »Zur Volkkunde«, S. 305–310: »Der hegende Faden«.

[74] Man vrgl. dazu R. Andrees Umfrage: Hexenleiter, Am Ur-Quell, 1891, S. 92–93, 141–142, 157, und die serbischen Überlieferungen aus der Lika von Thomas Dragičević, S. 105 f.

[75] Die Verwandlung von Kohle in Gold ist ein in Märchen häufig wiederkehrender Zug. In einer Ortsage aus Warasdin wird ein Hirte von einem in einer alten Ruine hausenden Geist, sowie das Weib in unserer Sage beschenkt. Eine kleinrussische Erzählung berichtet, dass ein Menschenweib einmal einen neugebornen Lēši fand, mitleidig aufhob und in ein warmes Tuch einwickelte. Bald darauf kam die Lisunka, die Mutter des Kleinen, und beschenkte das Weib mit einem Topfe glühender Kohlen, die sich hinterher in Gold verwandelten. Dieselbe Geschichte von einem Holzweibchen in Thüringen bei Börner, Sagen des Orlagaus, S. 231. Ein indisches Seitenstück aus Dardistan im »Globus« XXIV. Nr. 21 von Leitner.

[76] Vrgl. in Bezug auf die weitere Ausführung dieses bekannten märchenhaften Zuges: Krauss, Südslavische Sagen und Märchen. S. 235 u. ff.

[77] Wie der Südslave die Frauenschönheit preist, siehe bei Krauss, Streifzüge im Reiche der Frauenschönheit. IV. Aufl. Leipz. 1906. S. 7 ff.

[78] Über die weit unter den Völkern verbreitete Scapulimantia vrgl. Richard Andree, Anthropological Papers written in honor of Franz Boas. New York 1906. S. 143–165.