Part 5
Nebenbei mag noch der Verwünschung »izjele te vještice!« (Hexen sollen dich ausfressen) Erwähnung geschehen.
IV. Versammlungorte der Hexen.
Regelmässig versammeln sich die Hexen in der St. Johannis- und der St. Georgnacht [33], Weihnachten und zu Pfingsten auf Pusten (weiten Ebenen), an Kreuzwegen und brauen dort ihre Zaubertränklein.
In der vorchristlichen Zeit fielen auf die genannten Tage die Hauptfeste des Volkes. Jung und alt zog zu Georgi, zu Pfingsten und am Johannistage hinaus in Wald und Flur, brachte bei Tanz und Spiel Opfer dar und feierte das Fest der erwachenden und blühenden Natur. Wie vor tausend Jahren, so feiert noch jetzt der südslavische Landbewohner diese Feste, die nun ein christliches Gepräge erhalten haben, nebenher geht aber noch eine Unzahl altheidnischer Gebräuche mit. Warum gerade an diesen Tagen den Hexen eine grosse Rolle zufällt, erklärt sich einfach daraus, dass man vor Zeiten an diesen Tagen Opferzüge leitete und mancherlei »Zaubereien«, zum Wohle aller und einzelner veranstaltete. Bei einem einfachen Volke, wie die Südslaven, das sich vorzugweise mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigte und noch beschäftigt, brachte man selbstverständlich die meisten Opfer dar, um für das liebe Vieh und die Felder den Segen der Geisterwelt zu erwerben. Zu ihren Ehren schmückte man die Wohnungen der Menschen und die Nutztiere mit Blumen und Kränzen. Die weisen Frauen, die die Aufsicht über die Festzüge führten, trugen besondere Zweige in der Hand, beräucherten Menschen und Tiere und sprachen dazu ihre Segen. Die neue christliche Lehre musste, um sich behaupten zu können, teilweise die alten Bräuche zu den ihrigen machen, diejenigen aber, die sich mit ihrem Geiste nicht vertrugen, als das Gaukelspiel böser Geister hinstellen. So wurden die alten Priesterinnen, die wohl mancherlei Kenntnis von heilkräftigen Kräutern besassen, böse Hexen, die dem lieben Vieh nachstellen und den Menschen nur Schaden bereiten. Infolge dieser Wandlung in der Volkanschauung fing man an, den nicht mehr verstandenen Brauch des Bekränzens und Schmückens der Nutztiere als Abwehrmittel gegen den Einfluss der Hexen auszulegen. Die Vorstellung von dieser Art von Hexen hat mit jener von den Vilen nichts gemein als den Namen, so ferne man in manchen Gegenden die Bezeichnungen vještica (coprnica) und vila nicht mehr auseinanderhält.
Am Georgtage schmücken im ganzen slavischen Süden die Hirten mit Blumenkränzen die Hörner der Kühe, um jeden Hexenzauber fernzuhalten. In den Blumen und Zweigen heimen gütige Baumseelen. Die unbekränzten Kühe sind den Hexen preisgegeben. Die Kränze befestigt man abends an der Stalltüre, wo sie das ganze Jahr über hängen bleiben. Wenn es ein Hirte unterlässt, eine Kuh zu bekränzen, so erhält er vom Eigentümer der Kuh nicht nur nicht das übliche Trinkgeld, sondern setzt sich noch der Gefahr aus, durchgebläut zu werden. Die Zeugnisse für den angeführten Brauch sind sehr zahlreich. (Vrgl. über diesen Brauch bei a. Völkern. Mannh., Bk. S. 295.)
Am Georgtage früh, wenn der Hirte die Kühe aus dem Stalle lässt, nimmt die Schaffnerin in die eine Hand Salz, in die andere einen Scherben mit Feuerbrand. Das Salz reicht sie der Kuh, die nun über die Glut hinwegschreitet. In dem Feuer brennen allerlei Rosenarten. Dadurch bricht man die Macht der Hexen über die Kuh. (Aus Warasdin). In der Umgegend von Karlstadt begnügen sich die Hausfrauen, morgens beim Austreiben der Kühe bloss ein Kreuz über sie zu schlagen, um die Hexen fernzuhalten. (V. Lorković, Arkiv, 1863, VII, S. 239.) (Über die Bedeutung dieser Bräuche vrgl. Mannh. Bk. Kap. VI, Vegetationgeister, Sonnenzauber S. 497–566.)
Am Vorabend von Georgi, an manchen Orten am Georgtage frühmorgens, schneiden alte Weiber Distelzweige ab und bringen sie an den Türen des Gehöftes an; ferner machen sie Kreuze aus Kuhdreck sowohl an den Hof- als an den Stalltüren, damit die Hexen den Kühen keinen Schaden antun können. (Aus Warasdin.) Manche schlagen aus demselben Grunde grosse Nägel in die Stalltüre ein, doch glaubt man, dass diese kein so zuverlässiges Abwehrmittel gegen Hexenzauber wie Distelzweige bilden. In Vinica und dessen Umgebung schneidet man vor Sonnenaufgang die Distelzweige ab. Man legt sie einander auf den Kopf, ferner legt man solche Zweige auf die Umzäunung des Gehöftes, die Fenster und Türen des Hauses und ebenso in Kranzform den Kühen um den Nacken, damit die Hexen dieses Jahr über Mensch, Tier und Haus keine Macht erlangen können. Gelingt es einer Hexe trotz alledem durchs Hinterhaus über den Gartenzaun in den Stall zu dringen, so verendet das ganze Vieh in dem Hause.
Es war einmal ein Mann, der wollte keine Disteln an der Stalltüre anbringen, ja er verspottete sogar die Leute, die es taten. Dafür kamen aber das ganze Jahr allabendlich Hexen zu ihm und molken seine Kühe aus. Er dachte sich: »Ich muss doch aufpassen, wer denn das ist, der regelmässig meine Kühe ausmilkt.« Er verbarg sich im Heu, lauschte und hielt scharfe Wache. Auf einmal, es war um die elfte Stunde, erschien ein Melkkübel und die Kuh fing an ganz von selbst die Milch in diesen Kübel hineinrinnen zu lassen. Er fährt rasch aus seinem Versteck hervor, ergreift den Kübel und schlägt ihn mit aller Kraft zur Erde. Der Kübel aber verwandelt sich in eine grosse Kröte, und eben diese Kröte macht Miene, auf ihn zu springen. Er hurtig fort und ins Haus hinein. Das war sein Glück. Eine Woche darauf war Georgi. Am Vorabende befestigte er an der Stalltüre Distelzweige und die Kuh gab fortan reichlich Milch. (Aus dem Dörfchen Vidovec bei Warasdin.)
Am Georgtage kann man die Hexen leicht erkennen und ihr Treiben beobachten, nur muss man folgendes tun: Zeitlich morgens vor Sonnenaufgang begibt man sich auf die Weideplätze der Kühe, zieht sich vollständig aus, wendet seine Kleider ganz um und legt sie so an. Dann muss man ein Stück grünen Rasens herausschneiden und sich auf den Kopf legen. (Aus Warasdin.) Als Beleg für die Wahrheit erzählt man sich die Geschichte von den zwei Schmiedelehrjungen und ihrer Meisterfrau, die nächtlich auf einem der Burschen, nachdem sie ihn in ein Pferd verwandelt, zur Hexenversammlung reitet. Es wird dies als eine Strafe für seinen Vorwitz hingestellt. Die Hexe wird schliesslich auf dem Kapuzinerplatz in Warasdin verbrannt.
Die Hexen kann man ferner am Georgtage beobachten. Man stellt sich in der Frühe, wann die Kühe ausgetrieben werden, mit einem Rasenstück auf dem Kopfe hinter die Stalltüre, oder duckt sich daselbst nieder. Dadurch wird man für die Hexen unsichtbar, denn sie glauben, man befinde sich unter der Erde. (Aus Warasdin.)
Am Georgtage in aller Früh vor Sonnenaufgang steigen die Hexen in den Kirchturm hinauf, um Schmierfette [34] von den Glockenarmen und ein Stück vom Glockenstrick sich zu holen; denn dieser Gegenstände bedürfen sie zum Hexen.
In der Johannisnacht schleicht die Hexe auf den geflochtenen Zaun hinauf, der das Gehöft umschliesst und spricht: »Zu mir der Käse, zu mir das Schmalz, zu mir die Butter, zu mir die Milch, euch aber (geb’ ich) die Kuhhaut.« (K meni sir, k meni maslo, k meni puter, k meni mleko a vam pak kravsku kožu.) Da wird nämlich die Kuh verenden, das Fleisch wird man vergraben, die Haut verkaufen müssen. Um solchen Zauber zu nichte zu machen, geht man zeitlich früh am Johannistage auf die Wiese, sammelt in einen Mantel Morgentau und trägt ihn heim. Zu Hause angelangt, bindet man die Melkkuh an den Stützbalken (tram) an und wäscht die Kuh mit dem eingesammelten Morgentau; sodann stellt man den Melkkübel unter ihre Euter und melkt die Kuh. Tut man so, so kann man mindestens vier volle Kübel Milch melken. (Aus St. Elisabeth [Jalžabeta].)
Zur Abwehr gegen die Entziehung der Milch durch Hexen bedient man sich auch des Wacholders. Folgende zwei Angaben sind aus Toplice. »Will man es verhindern, dass Hexen zu den Kühen kommen, so nimmt man in der Weihnacht einen Wacholderzweig und warte im Stalle, bis die Hexen kommen, um die Kühe zu melken. Sobald sie zu melken anfangen, tritt hin zur Kuh und versetz der Hexe drei Streiche. Das musst du schweigend tun und ebenso schweigend dich sogleich entfernen.« Das zweite Mittel lautet: »Will man die Hexen von den Kühen vertreiben, so geh’ zu Weihnachten um die Mitternachtstunde hin, gib Wacholder in einen Topf (in welchem Glutkohlen liegen) und räuchere damit dreimal deine Kühe, dann wird das ganze Jahr keine Hexe zu ihnen kommen. Dies musst du aber an jedem Weihnachtabend tun, wenn du willst, dass niemals Hexen zu dir kommen sollen und deine Kühe ausmelken. [35]«
Nicht geringe Schwierigkeit bietet die Erklärung des Glaubens an die Kerstniki (bei den Slovenen), die in der Johannisnacht mit den Hexen kämpfen. Die Etymologie des Wortes Krstnik ist unzweifelhaft. Es ist ein altes Lehnwort aus dem Griechischen. Im Bulgarischen und Slovenischen bedeutet Krstnik so viel als Täufling, der Getaufte (Kumče, wie man serbisch sagt). Wie lässt sich das Wort in dieser Bedeutung in unserem Falle rechtfertigen? Sehen wir uns vor allem die wenigen gedruckten Angaben an, aus welchen man etwas Näheres über die Kerstniki erfährt. Die älteste Nachricht datiert aus dem Jahre 1854.
»In der Johannisnacht, so glauben die Slovenen um Görz, führen die Hexen mit den Kerstniki einen heftigen Kampf. Die Kerstniki sind zwölf Brüder. Wenn sich in einer Familie zwölf Söhne von einem Vater befinden, so ist der zwölfte unter ihnen ein Kerstnik. In der Johannisnacht schweben diese Kerstniki in grosser Gefahr, denn sie werden da von den Hexen mit Überresten von Steckpfählen und Stumpfen überfallen. Gerade deshalb gräbt man im Herbste die Steckpfähle und die Stumpfen, die in der Erde zurückbleiben, sorgfältig aus und schafft sie heim, damit die Hexen keine Waffen haben sollen, um mit den Kerstniki zu kämpfen. Diejenigen Stücke, die sich nicht leicht herausziehen lassen, rammt man noch fester in die Erde ein.«
Den Widerspruch, der darin liegt, dass zuerst alle zwölf Brüder Krstniki genannt werden und dann trotzdem der zwölfte erst Krstnik sein soll, fand der Erzähler nicht heraus. Man merkt es diesem Bericht gleich an, dass die mythische Zwölfzahl nur herangezogen wird, um etwas notdürftig zu erklären, was man nicht mehr versteht.
Nicht viel mehr als den blossen Namen bietet eine andere Erzählung. »Die Krstnici beschützen zumeist die Welt vor Hexen.« Einen sicheren Anhaltpunkt zur Deutung der Gestalt des Krstnik gewinnt man erst durch eine Notiz: »Krstnik, človek kterega vile obljubiju.« »Krstnik ist ein Mann, den die Vile liebgewonnen.« Diese dritte Nachricht rührt aus dem Jahre 1860 her (Veglia glasn. II. 8).
Die Klasse von Geistern, zu der man die Vilen zählen muss, liebt es, wie es die Mythen aller Völker erzählen, mit dem Menschen in die vertrauteste Verbindung zu treten. Wenngleich die Vila ein geisterhaftes Wesen ist, sucht sie doch den Umgang des Menschen. In der Heidenzeit betrachtete man es als eine aussergewöhnliche glückliche Auszeichnung für einen Sterblichen, wenn er von einer Waldfrau geliebt wurde, in christlicher Zeit verschoben sich die Anschauungen. Die Waldfrau erscheint mitunter als ein armes, verlassenes Wesen, das des ewigen Heils unmittelbar nicht teilhaftig werden kann und wenigstens mittelbar durch die Berührung mit Getauften Erleichterung erhofft und findet. Eine Sage (Sdsl. S. u. M. Stück 90, S. 413) erzählt, dass Vilen an einem Jüngling solches Wohlgefallen fanden, »dass sie ihn zu sich in die Baumhöhle mitnahmen und drum waren sie in ihn verliebt, weil sie durch ihn nach der Taufe dufteten« (»da su po krstu dišale«). Vilen entführen auch Kinder, die schon getauft sind und ziehen sie gross. [36] Solche Auserwählten darf man im Gegensatze zu den nichtgetauften Vile, als die Getauften, d. h. Krstniki κατ’ ἐξοχήν benennen. Die Günstlinge der Vilen konnten wohl auch als Fürsprecher für ihre Mitmenschen gelten; diese Auffassung wird durch eine ganze Reihe Vilensagen bekräftigt. Die Krstniki erscheinen demnach im Volksglauben als die Beschützer der Menschen. Man war aber gewohnt, die Krstniki immer in einem nahen Verhältnisse zu den Vilen zu denken. Sobald sich nun die Vilen zu coprnice wandelten, musste notwendigerweise das alte freundliche Verhältnis in ein feindliches verändern. Die Krstniki beschützen nicht mehr die Welt durch ihre Fürsprache, sondern durch offenen Kampf, den sie mit den Vilen (= copernice) auszufechten haben. — Nach dieser Deutung ist die erste Sage, sehr jungen Ursprungs, und es fragt sich, ob das Ausreissen der Stoppeln und Stümpfe, die nach der Ernte im Boden zurückgeblieben, in irgend einen Zusammenhang mit den Krstniki überhaupt gebracht werden darf, oder ob wir nicht vielmehr einen traditionellen Zug vor uns haben, der auf einen alten Bodenzauber hinweist. Dies dürfte man aber nur dann annehmen, wenn die Stoppeln verbrannt würden. Es ist sonderbar, dass nur die Slovenen um Görz, nicht aber auch die übrigen Südslaven diesen Brauch üben, auch scheut sich der Südslave zufolge eines allgemeinen Glaubens, selbst eine abgestorbene Pflanze mit der Wurzel auszureissen, denn man reisst dadurch, glaubt man, seiner verstorbenen Mutter oder Grossmutter im Grabe die Haare aus. In Maisfeldern werden z. B. im Savelande nach der Ernte die Stöcke, sobald sie vollständig getrocknet sind, unten an der Wurzel abgeschnitten; (man benützt die trockenen Stangen zur Feuerung.) Wer den Charakter des südslavischen Bauernvolkes kennt, der weiss auch, dass der Bauer nur so viel arbeitet, als er muss, um nicht mit den Seinigen zu verhungern. Zu solchen überflüssigen Arbeiten, wie das Ausziehen der Stoppeln und Stumpfen, kann ihn nicht einmal die Furcht vor Hölle und Teufel bewegen.
Ausser bei den erwähnten Gelegenheiten versammeln sich die Hexen noch regelmässig in hellen Mondnächten auf Kreuzwegen, um dort zu spinnen. [37] Nie aber ist es ratsam, zur Nachtzeit dort vorüber zu gehen, denn die Hexen behexen einen und senken über ihn einen tiefen Schlaf. Ihre Zusammenkünfte finden auf Bäumen, besonders auf Ahorn-, Eschen-, [38] Nuss- und Lindenbäumen statt, deren Äste folgender Art verwachsen sind:
Aufenthaltorte der Hexen sind nebst dichten Wäldern und Schluchten noch Düngerhaufen, Lauge- und Ascheablagerungen, Gestrüpp und dichtes Gehölz. Sobald die Sonne untergegangen ist, versammeln sich die Hexen in Zwetschkengärten und alten Ruinen; in Sommernächten treiben sie ihr Unwesen in Scheunen, alten hohlen Bäumen, dunklen Hainen und unterirdischen Höhlen. (Lonja in Chrowotien.) Die Hexen werden ferner als wohnhaft gedacht in der Grotte Kleinhäusel (u velki jami pod malim gradom) bei Postojna in Krain, ferner tanzen sie auf zwei grossen Felsen in der Nähe der Grotte. Die Hexen haben Affenköpfe mit roten Mützen darauf. Der Bauer hütet sich sorgfältig, in der Dämmerung an einem Düngerhaufen vorüberzugehen, oder gar darüber zu schreiten, namentlich tät er dies nicht barhaupt; denn man ist vollkommen überzeugt, dass einen die Hexen, die auf dem Düngerhaufen hausen, auf der Stelle durchbohren würden. Mein Gewährmann erzählte eine Geschichte, um diesen Glauben zu belegen, und gesteht freimütig ein, dass er früher wohl an der Existenz von Hexen gezweifelt habe, doch angesichts der sich so oft wiederholenden Tatsache nicht umhin könne, seinen Unglauben zu bereuen. »Ich sah«, berichtet er, »einen Handwerker (der Mann lebte noch 1863), der verliess um Mitternacht das Wirtshaus, wurde von den Hexen überfallen und dreimal furchtbar im Dorngestrüpp zu Boden geschleudert. Zuletzt, nachdem sie ihn derart zugerichtet, versetzten sie ihm einen so wuchtigen Hieb in den Brustkorb, dass man noch jetzt, also mehrere Jahre nach diesem Ereignisse, ein faustgrosses Loch an der betreffenden Stelle sehen kann. Der Ärmste erzählte mir selber, dass er wohl sterben, aber niemals der alten Bara, seines Nachbars Weibe, verzeihen werde; denn sie habe er ganz deutlich von Angesicht im Mondlicht erkannt.«
Wenn ein heftiger Wind weht, da lieben es die Hexen, zu tanzen. Vor Vergnügen drehen sie sich im Wirbel, und lagern an Orten, wo Menschen gerne verweilen und ruhen, ihren Schweiss vom Tanze ab. Wer an einen solchen Ort gerät, mit dem ist’s schlimm bestellt; er verliert die Sprache, oder wird an Hand oder Fuss gelähmt. Man glaubt auch, dass wenn einer eine Lungenentzündung bekommt, oder es rührt ihn der Schlag, dass er auf Hexenschweiss getreten sei.
Man muss sich hüten, den Ort zu betreten, wo sich eine Hexe aufgehalten, denn man verfiele sogleich in Wahnsinn und bliebe daselbst so lange liegen, bis man vom Hunger heimgetrieben würde. Man erkennt eine solche Stelle ohne weiters an den Fussabdrücken im Staub oder Sand. Eine Hexe hat nämlich bloss vier Zehen am Fusse, die wohl nicht anders aussehen als bei jedem Menschen, nur fehlt die grosse Zehe (der Daumen). (Aus Warasdin.) Die rätselhaften vier Zehen, deren Eindrücke im Boden den Gläubigen in Schrecken versetzen, rühren wohl von Wildgänsen, Schwänen oder Wildenten her. Der Bauer kennt freilich die Spuren dieser Tiere, doch er glaubt auch, dass Hexen ihre Gestalt annehmen. Auch die ruhelosen Seelen von Kindern, die vor der Taufe gestorben, treiben nächtlicher Weile ihren Spuk in Gestalt von Gänsen auf Weideplätzen. Das sind die Móvje klr. moviči (vor der Wz. mar).
Stösst der Mensch durch Zufall auf eine Hexenversammlung, so muss er rasch den Kopf bedecken, ein Kreuz schlagen, drei Schritte nach rückwärts treten, dann einen vierten Schritt nach vorwärts machen, denn sonst tritt er den Hexen in die Schüssel hinein. Beobachtet er dies, so können ihm die Hexen gar nichts antun. (Aus Vinica.)
Wenn einer an seinem Gartenzaun irgend etwas wahrnimmt, was ihm eine Hexe hingelegt hat, so darf er das Ding um keinen Preis in die Hand nehmen, denn er würde im selben Jahre schwer erkranken, und wenn er gar mit dem Dinge spielte, so müsste er gewiss sterben. (Aus Warasdin.)
Hexen halten sich auch in Gewässern auf. In einem solchen Wasser muss man sich hüten zu baden, denn man ertränke unfehlbar darin. Auch fänden die Leute niemals den Leichnam des Ertrunkenen. Einen solchen verdächtigen Ort erkennt man leicht daran, dass auf der Oberfläche des Wassers ein toter Kater schwimmt. Zuweilen ist an solchen Stellen das Wasser von einer sehr bedeutenden Tiefe, trotzdem aber von einer solchen Klarheit und Durchsichtigkeit, dass man bis auf den Grund hinab sieht. Häufig ist ein Wasser, das zum Aufenthalt der Hexen dient, ein sehr trübes stehendes Gewässer, dem man nicht näher als bis auf sieben Schritte kommen darf, weil der Mensch schon am blossen Dunst ersticken müsste.
Drei Sagen zur weiteren Erläuterung. Die erste ist aus Bednje, die zweite aus Biškupec, die dritte aus Warasdin in Chrowotien.
I.
Es war einmal ein junger Mann, der sich in ein Mädchen verliebte, das eine Hexe war. Es fiel ihm öfters auf, dass sich das Mädchen immer zu gewisser Zeit zu entfernen pflegte, ohne jemand mitzuteilen, wohin; darum befragte er sie, wohin sie gehe, und sie gab ihm zur Antwort: »Mein Liebster, ich gehe auf einen gar schönen Ort; komm Du auch mit, Du wirst die Freude in vollen Zügen geniessen.« — Er willigte ein und sie führte ihn auf einem ihm bis dahin unbekanntem Wege, bis sie an einen Kreuzweg gelangten, wo sie zu mehreren solcher Mädchen und Frauen stiessen. Mit diesen zusammen traten sie sodann in eine wunderherrliche Burg, die sie urplötzlich herhexten, darin glänzte aber alles in lauterem Golde und eine grosse Tafel war mit köstlichen Speisen vollbedeckt. Man fing an, die mannigfaltigsten Speisen zu essen, wie ihrer der Jüngling nicht einmal im Traume je welche gesehen. Wie es überall zu sein pflegt, so geschah es auch hier; der Wein erhitzte die Gemüter der Gäste und der Jüngling ergriff lusterfüllt seinen Pokal und brachte einen Trunk zu Ehren des heiligen Geistes aus. Da schien es ihm auf einmal dunkel um die Augen zu werden, und er ergriff, als wenn er untersänke, schnell etwas über sich. Wie er die Augen öffnete, sah er sich auf einem Lindenbaume und mit der Hand hielt er sich an einem Aste fest.
II.
Es war einmal eine Hexe, die ging zum Dorfpfarrer zur Beichte; der Pfarrer aber wusste, dass er eine Hexe vor sich habe und bat sie, sie möge ihm den Ort ihrer Zusammenkünfte zeigen. Die Hexe erwiderte: »Ich will Ihren Wunsch, Herr Pfarrer, erfüllen und Ihnen den Ort zeigen. Kommen Sie mit mir auf den Düngerhaufen.« — Als sie auf den Düngerhaufen kamen, hiess die Hexe den Pfarrer ihr auf den Fuss treten. Kaum trat er ihr auf den Fuss, flogen beide hoch in die Luft und gelangten in einen wundervoll schönen Palast, wo Hexenmeister mit Hexen im vollsten Sinnentaumel herumtanzten und sich mit Speise und Trank ergötzten. Auf einmal erschien in ihrer Mitte der Teufel selber in Gestalt eines Kalbes, das Feuer aus dem Maule spie. Nun gingen die Hexen der Reihe nach dem Kalbe den Hintern küssen, und so kam die Reihe auch an den Pfarrer, der ohne weiteres das Beispiel der Hexen nachahmen wollte, doch der Teufel herrschte ihn an: »Was hast Du Stinktier vor? — Willst Du in unsere Genossenschaft aufgenommen werden, so musst Du Deinen Namen mit eigenem Blute in dieses schwarze Buch einschreiben!« — Der Pfarrer forderte ihn auf, ihm das Buch vorzulegen, er sei bereit, sich zu unterzeichnen. Der Teufel reicht ihm das Buch und der Pfarrer schreibt ein den süssen Jesunamen. Im selben Augenblicke erdröhnte der Palast und zerfiel in Trümmer, Teufel und Hexen verschwanden und der Pfarrer sah sich auf dem Gipfel der uralten Linde vor der Kirche und zitterte vor Entsetzen am ganzen Leibe. Als in der Früh der Messner läuten kam, rief ihm der Pfarrer von der Linde herab zu: »Heda, nimm mich herab!« und der Messner entgegnete kopfschüttelnd: »Der Teufel selbst muss Sie da hinauf gesetzt haben«, stieg auf den Baum, holte den Pfarrer herab und trug ihn in den Pfarrhof zurück.
III.