Slavische Volkforschungen Abhandlungen über Glauben, Gewohnheitrechte, Sitten, Bräuche und die Guslarenlieder der Südslaven

Part 47

Chapter 473,130 wordsPublic domain

Uranio kraljeviću Marko na šarinu konju od mejdana, da on lova po planini traži. On ne može lova ni vidjeti a kamo li lova uloviti; teška ga je osvojila žegja. On se svojim razgovara šarcem: — O šarine, iźjeli te vuci! meni teška žegja dodijala! Došlo mi je zaklati šarina, ot šarina krvi napojit se, ot šarina naranit se mesom! Al ga čula Bogom posestrima, posestrima is planine vila: — Pobratime kraljeviću Marko! ne kolj konja, ne čini zijana, ne pij krvi, ne griješi duše, ne jed mesa, ne pogani tjela, već poćeraj vilena šarina. Kad išćeraš u vrh ot planinâ, tu ćeš naći jelu suhovinu a pod jelom zeleno jezero. Kod jezera baždarkinja vila, što uzima baždarinu tešku, od junaka iz ramena ruku a ot konja nogu is koljena, al zaspala, ujela je guja! Otle Marko sasluša bešjede pa poćera vilena šarina pa išćera šarca na planinu pa tu nagje jelu suhovinu a pod jelom zeleno jezero; kod jezera nagorkinja vila, što uzima tešku baždarinu, od junaka iz ramena ruku, ot paripa nogu is koljena. Tu napoji kraljeviću Marko, on napoji sebe i šarina pa poćera visu i planini. Ne daju mu mirovati vrazi već zapjeva tanko glasovito. Probudi se baždarkinja vila pa uvati brzoga ljeljena, zauzda ga šargan gujom ljutom pa za Markom potoć učinila: — Stani Marko, stani kopiljane! a da platiš, što si učinio! Stade Marko vaditi dukate a da plati vodu na jezeru. Progovara nagorkinja vila: — A ne ću ti Boga mi dukata već ja tvoju iz ramena ruku ja šarcevu nogu is koljena. Progovara kraljeviću Marko: — Ne ćeš, života mi moga! a ni moju iz ramena ruku, ni šarcevu nogu is koljena, dok je meni na dva rama glava! Pa ośjede ot konja šarina, pa ośjede nagorkinja vila a ośjede brzoga ljeljena, pa se fate po prsi junačke. Nosiše se ljetni dan do podne, dok je Marko balam zabalio zabalio mutne i krvave a u vile bile ka i bile. Dodija se kraljeviću Marku pa dozivlje Bogom posestrimu, posestrimu is planine vilu: — Bidi meni danas u nevolji, a vidiš li, gje sam poginuo! A stade se obzirati vila, obzirati z desna na lijevo, okle će joj pripomoći druga. Marko mahnu z desna na lijevo pa je vilom o zemlju udrio pa je zakla kano janje ludo. Ot čuda je rasporio Marko. Kad u vili tri srca junačka: jedno s srce istom umorilo a drugo se istom razigralo a na trećem šargan guja ljuta, al zaspala, da je Bog ubio! Kad je Marko sagledao guju, on pobježe visu i planini i on ode do Prilipa svoga. Davno bilo, kad no se činilo a danas se spominjalo ovgji. Mi velimo, da se veselimo, veseli nam Bože carevinu!

Wie die Vila am See getötet wurde.

Prinz Marko machte früh sich auf am Morgen auf seinen Schecken, auf sein Schlachtenrösslein, um Jagdgewild im Hochgebirg zu suchen. Gewild bekommt er nicht einmal zu sehen, geschweige, dass er eins erlegen könnte, Da hat ein schwerer Durst ihn überkommen. Er hub zu seinem Schecken an zu sprechen: O Schecklein, Wölfe sollen dich zerfleischen! mich quält ein schweres Dürsten ganz unleidlich. Das Schicksal will’s, dass ich den Schecken schlachte, und meinen Durst mit Scheckens Blut mir lösche und mit des Scheckens Fleisch den Hunger stille! Sein Wort vernahm, die ihm durch Gott war Schwester, Sein Wahlgeschwister, eine Alpenvila: — O Bruder meiner Wahl, o Prinzlein Marko! Schlacht nicht den Schecken, schaffe keinen Schaden, du trink kein Blut, versündige nicht die Seele, lass rohes Fleisch, versudel dir den Leib nicht! Mehr vorwärts jag den vilenhaften Schecken! Wann du zum Gipfel des Gebirgs gelangt bist, dort triffst du eine ausgedorrte Tanne; und einen grünen See am Fuss der Tanne; dort weilt am See als Zöllnerin die Vila; gar schwere Zölle pflegt sie einzuheben, vom Helden nimmt den Arm sie aus den Schultern, vom Rosse reisst das Bein sie aus den Knieen, doch schläft sie jetzt, die Schlange mög’ sie beissen! Als diese Rede Marko so vernommen, da jagt er fort den vilenhaften Schecken und jagt hinauf den Schecken auf die Alpe. Dort findet er die ausgedorrte Tanne, den grünen See am Fusse jener Tanne, am See die Vila aus dem Hochgebirge, die schweren Zoll gewohnt ist einzuheben, den Arm wohl aus den Schultern jedem Helden, dazu das Bein vom Klepper aus den Knieen. Prinz Marko trank sich satt an dieser Stelle, er trank sich satt und tränkte seinen Schecken und jagte fort zum Gipfel und zur Alpe. Da lassen ihn die Teufel nicht in Ruhe, er hebt durchdringend an und laut zu singen. Darob erwacht die Zöllnerin, die Vila, fängt ein den schnellen Hirschen, den sie zügelt mit einer buntgefleckten, wilden Natter, und setzt sich in Verfolgung nach dem Prinzen: — Wart Marko, wart, halt ein du Bastardjunge! bezahlst mir eher, was du hier verbrochen! Prinz Marko zog hervor die Golddukaten, um ihr den Labetrunk am See zu zahlen, doch sprach zu ihm die Vila vom Gebirge: — Ich mag von dir, bei Gott, nicht Golddukaten, vielmehr will ich den Arm dir aus den Schultern, dazu des Schecken Bein aus seinen Knieen! Prinz Marko sprach darauf zur bösen Vila: — Das sollst du Vila nicht, bei meinem Leben! so wenig meinen Arm aus meinen Schultern, als wie das Bein aus meines Scheckens Knieen, so lang mein Haupt mir ruht auf beiden Schultern! Er sass darauf vom Rösslein ab, dem Schecken, es sass auch ab die Vila vom Gebirge sie sass von ihrem Hirschen ab, dem schnellen. Sie fingen sich um ihre Heldenbrüste, und rangen jetzt den Sommertag bis Mittag, bis letzlich Marko Schaum bedeckt gewaltig, ein Schaum von trüber und von blutiger Färbung; ein weisser deckt die Vila, ganz wie sonsten. Das ward dem Prinzen Marko endlich qualvoll, er rief zu Hilfe sein vor Gott Geschwister, Sein Wahlgeschwister vom Gebirg die Vila: — Leih heut mir deinen Beistand in den Nöten, du siehst ja, dass ich halb schon unterlegen! Es fing sich an die Vila umzuschauen, fing an von rechts nach links sich umzuschauen, von wo ihm kommt als Helferin die Vila. Von rechts nach links gab Marko einen Schwung ihr und schlug zu Boden nieder mit der Vila und schlachtete sie wie ein töricht Lämmchen. Des Wunders wegen trennte auf sie Marko; da schau! im Vilenleib drei Heldenherzen! das eine Herz, ein wenig erst ermüdet, das andere Herz begann erst aufzutauen, doch auf dem dritten lag da eine Natter, gefleckt und wild, sie schlief; dass Gott sie töte! Als Marko diese Natter hier erschaute, entfloh er fort zum Gipfel und zur Alpe und zog dann heim zu seiner Burg nach Prilip. Schon lang ist’s her, als dies sich zugetragen und wir gedenken’s hier in unsren Tagen; wir teilen mit das Lied, um uns zu freuen, so mög’ uns Gott das Kaiserreich erfreuen!

Zu V. 6. Der Guslar setzt voraus, Marko jage im Karstgebirge, wo man tagelang reisen kann, ob man wo ein Quellwasser findet. Hie und da stösst man wohl auf eine Zisterne aus der Türkenzeit. Selbst wo der Karst bewaldet ist, gibt es auf der Oberfläche höchst selten Wasser, denn das poröse Gestein saugt alle Feuchtigkeit auf. Dafür ist jenes Gebiet der dinarischen Alpen sehr reich an unterirdischen Seen und Flüssen.

Zu V. 9. Der Fluch ist nicht ernst gemeint, sondern hat nur als Abwehr gegen die Beschreiunggeister zu dienen.

Zu V. 12. Über Wahlverschwisterung im allgemeinen siehe Krauss: Sitte und Brauch der Südslaven. Wien 1885. S. 618–643 und über Wahlverwandtschaft mit Vilen Krauss: Der vereinigten Königreiche Kroatien und Slavonien. Wien 1889. S. 127 f., doch hat Marko nicht durch Beschwörung die Vila zur Wahlschwester erworben. Die Sage erzählt von einem Hirten, — nach einer Fassung soll der Hirte Prinz Markus gewesen sein, — der ging einmal durch den Wald und erblickte ein liebliches Kindlein in der Sonne liegen. Aus Mitleid schlug er von einem Baume einen Ast ab und beschattete damit das Kind. Das war aber ein Vilenkind. Aus Dankbarkeit beschenkte die Vila-Mutter den Hirten mit Heldentum, Schönheit und anderen Glückgütern. Man vergl. dazu die Erzählung Anthropophyteia IV. S. 180. Man sagt, bis dahin sei Marko, der berühmte Held, nur ein gewöhnlicher Schafhirte, wie viele andere gewesen. Erst die Wahlverschwisterung mit der Vila habe ihn gross und berühmt gemacht.

Zu V. 15 ff. Mit solchen Ratschlägen sind Vilen recht freigebig. Lebensregeln von dem, was sich schickt und nicht schickt, legt der Bauer zuweilen Vilen in den Mund.

Zu V. 19. Vilenhafter Schecke. Eine zweifache Auslegung ist zulässig. Vilen verschwistern sich gerne mit guten Rossen, Hirschen, Ziegen und bedenken sie mit Vorzügen. Ein solches Tier ist vilen, vilenast. Ihren Lieblinghelden dienen Vilen selber aber auch in Gestalt von Rossen. Da reitet so ein beglückter Märchenheld dahin: »unter ihm das Rösslein, eine weisse Vila. Der Sattel ist aus Hirschgeweih, die Zügel sind aus grüner Seide, aus dem Munde züngelt ihm (dem Rosse) eine blaue Flamme heraus, aus den Hufen sprüht ihm ein lodernd Feuer!« (pod njime je konjic bela vila, sedlo mu je roga jelenjega, uzda mu je od zelene svile; iz ustâ mu modar plamen liže, is kopitâ oganj vatra seva.)

Zu V. 30. planinâ für planinu ist kein Sprech-, sondern ein grammatischer Fehler, wie deren viele den Guslaren und sonst auch den Leuten im Gespräch unterlaufen, ohne dass man darauf achtet. Die Kasussuffixe beginnen in der serbischen Volksprache merklich an Kraft zu verlieren und ihre Funktion geht auf die Präpositionen über.

Zu V. 33. Die Vila wird hier ausdrücklich nagorkinja = Gebirgvila genannt; selbst hier weiss also das Volk von keiner Wasservila.

Zu V. 39. visu i planini ein Hendiadys.

Zu V. 45. potoć ein Hapax eiremenon, noch nirgends verzeichnet.

Zu V. 46. kopiljane ist hier nur ein Schimpf, denn Marko ist kein Bastard, d. h. ein Sprössling käuflicher Liebe.

Zu V. 61 f. Wörtl.: »Bis ihn Rotz bedeckte«, sonst »Schaum«: ‘mutne su ga pjene òbalile, òbalile mutne i krvave’.

Zu V. 79 ff. Diese Schilderung stereotyp. Ich erblicke darin nicht viel mehr als eine dichterische Ausdruckweise. Der Mut wird durch drei Herzen, die List durch die Schlange auf dem Herzen erklärt. Vergl. Krauss: »Sreća. Glück und Schicksal im Volkglauben der Südslaven«. Wien 1886. S. 24 f.

Zu V. 82. (vergl. V. 44) šargan für šara = buntgefleckt, findet sich in keinem Wörterbuche.

Zu V. 86. Die alte Burg Prilip in Bulgarien liegt jetzt in Trümmern. Weil die Burg auf bulgarischem Boden steht, reklamieren die Bulgaren den Prinzen Marko, zum grossen Verdruss nationalwahnbefangener Chrowoten und Serben, als ihren Mann. Diese und ähnliche Streitigkeiten, die in der sogenannten Politik beider Nachbarstaaten, des serbischen und bulgarischen, von grosser Wichtigkeit zu sein pflegen, da sie häufig zu Mord, Totschlag und Brandstiftung führen, sind vernünftig gar nicht anders zu lösen, als dass man die Kämpfenden für schwachsinnig erklärt und sie irrenärztlicher Behandlung überantwortet. Nichts vermag deutlicher die Haltlosigkeit des politischen Nationalismus darzutun als es derartige Fehden erweisen, die im letzten Grunde auf hellen Unverstand zurückgehen. Die wenigen zur Besinnung gekommenen Südslaven erklären, Urheber dieser volkverderblichen Geistverseuchung wären die slavischen Philologen!

Zu V. 86–90. Das ist ein Nachgesang. Ausführliche Besprechung der Vor- und Nachgesänge zu Guslarenliedern siehe bei Krauss: Smailagić Meho, Ragusa 1885. S. 69–78 und S. 152–162.

Das Lied zeichnete ich am 3. Februar 1885 im Dörfchen Ročević bei Kozluk im Gebirge vom Guslaren Mišo Kósović aus Gacko im Herzögischen auf. Ein anderes Lied (die Alexiuslegende) desselben Guslaren veröffentlichte ich mit vielen Erläuterungen im Bršljan. Neusatz 1886.

Vilenpfeile.

(Drei Guslarenlieder.)

Eine der wichtigsten Aufgaben ist den Volkforschern durch die historische Kritik ihrer Stoffe geboten. Der einzuschlagende Weg erschliesst sich einem von selber. Bei dem zuweilen unergründlich hohen Alter von Volküberlieferungen, namentlich volkreligiöser Anschauungen, ist die älteste Aufzeichnung einer Überlieferung für uns nicht selten belanglos, weil wir gewohnt sind, unsere Quellen anderswo und tiefer als in zufälligen Niederschriften zu suchen. Wir haben keine ursprüngliche Fassung eines literarischen Machwerkes herzustellen, sondern die einfachsten Umrisse einer Überlieferung, mag sie von welcher Art immer sein, herauszufinden. Dabei kann uns z. B. eine erst gestern vorgemerkte Sage ungleich wichtigeren Aufschluss darbieten, als vielleicht eine Variante derselben Sage in den Veden.

Manche vergleichenden Märchenforscher begnügen sich allzuhäufig mit der mehr gesäss- als geistanstrengenden Arbeit des Zusammentragens von Varianten aus allen Literaturen, und mit der Hervorhebung der abweichenden Züge einer Überlieferung. Man ist darüber so ziemlich ins Klare gekommen, dass die überwiegende Mehrheit der Sagen und Märchen und sehr viele religiöse Grundanschauungen zum gemeinsamen Besitz aller Völker dieser Erde in geschichtlichen Zeiten gehören. Das ist eine höchst schätzbare Erkenntnis, deren Wert wir keinen Augenblick verkennen wollen. Es scheint aber, dass gerade hierin die Forschung am ehesten auf Abwege geraten kann. Es ist an der Zeit, dass die Arbeiter dazu schauen, einer schändlichen Verflachung vorzubeugen. Man muss trachten jede Überlieferung innerhalb der Grenzen eines bestimmten Volkes in allen ihren Fassungen zu ergründen und sie innerhalb des engeren Bezirkes zu erklären. Man wird es so herausbekommen, welche Wandlungen ein und derselbe Stoff bei ein und demselben Volke unterworfen ist. Dadurch lernen wir nebensächliche Zutaten als solche zu erkennen und den wahren Kern einer Überlieferung herauszuschälen.

Ich will dies an einer kleinen Sage darzustellen suchen, die ich in drei Fassungen aufgezeichnet habe. Zuerst gebe ich die schlichteste und durchsichtigste Fassung, mit welcher verglichen sich die Ausschmückungen der beiden anderen desto deutlicher zeigen werden. Alle drei Lieder haben wohl den gleichen Vorwurf, doch ist jedes in der Ausführung so lieblich, dass ich nicht fürchten muss, durch den Abdruck aller drei Texte auch nur den Laien in der Folklore zu langweilen.

Bei grossen körperlichen Anstrengungen in sengend heisser Sonnenglut pflegt sich mitunter bei Menschen und Tieren eine Störung der Gehirntätigkeit einzustellen. Es tritt der Sonnenstich oder Hitzschlag ein, der nicht selten den Tod des Getroffenen zur Folge hat. Auf einem mühseligen Marsche durch wildes Hochgebirge in Sommerzeit ist man der Gefahr des Sonnenstiches sehr leicht ausgesetzt. Das Hochgebirg ist aber nach dem Volkglauben der Aufenthalt der Vilen. Der ursächliche Zusammenhang zwischen Hitzschlag und Vilen ist bald hergestellt. Das Volk sagt: die Vilen sind erzürnt über die unberufene Störung durch einen verwegenen Eindringling in ihr heiliges Wirksamkeitgebiet. Die Vilen bestrafen also den Frevler, indem sie ihn mit ihren Pfeilen erlegen. Dass Vilenpfeile nichts anderes als s. g. Sonnenstiche sind, geht aus der Schilderung des pathologischen Zustandes eines Getroffenen hervor. So erzählt z. B. ein Lied: Vilen erblicken einen Hochzeitzug durchs Gebirge ziehen und neiden der Braut den prächtigen Bräutigam. Spricht eine Vila zu anderen: »Schwesterlein Vila, erlegen wir ihn mit unserem Pfeil!« (ustrilmo ga vilo sele moja!) Der vom Pfeil getroffene Bursche klagt seinen Schmerz dem Ohm im Brautzuge: »Der Kopf fängt mich an zu schmerzen; wenn es bloss im Kopf schmerzte, doch auch mein Herzlein ist ergriffen!« (bora tebi moj ujače Janko, moja j mene zabolila glava, da bi glava nego i srdašce!) Darauf rät ihm der Ohm: »bind dir ein färbiges Tüchel um den Kopf!« (veži glavu va šaru maramu!), doch half es ihm nichts. Als er heim kam, legte er sich zu Bett und verstarb.

Da das Volk weit davon entfernt ist, die wahre Art der Erkrankung durch Sonnenstich zu erkennen, gebraucht es auch keine gesundheitlich entsprechende Gegenmittel, sondern sucht in Zaubereien vorbeugenden Schutz. Gegen Vilenpfeile kann einen z. B. schon in der Kindheit die eigene Mutter feien, indem sie nie mit Steppzwirn und mit Fäden, die vom Zettel übrig geblieben, dem Sohne ein Kleidungstück näht, an der hl. Paraskewe nie Weberarbeiten verrichtet und nie an einem Dienstag spinnt oder Gespunst aufwickelt. Darauf bezieht sich eine Sage in Liedform: Eine Mutter beweibt ihren einzigen Sohn Vojin. Die Muhme ist dem Burschen zu Tode neidisch und lässt sich durch nichts begütigen. »Sie eilt ins grüne Gebirge und ruft zur Wahlschwesterschaft die Vila Ravijojla und deren sämtliche Genossinnen an: »O Schwester durch Gott, Vila Ravijojla, Ravijojla und Ihr alle übrigen Vilen! Hier wird Vojin mit den Hochzeitleuten vorbeiziehen, erlegt ihn mit Eueren Pfeilen, lasst ihn nicht vorbei!« Antwortet ihr die Vila Ravijojla, Ravijojla und alle übrigen Vilen: »Sei keine Närrin o du Muhme Vojins, treib keine Dummheit, bist ja doch nicht närrisch. Die Mutter hat Vojin wohl behütet vor Steppzwirn und vor Zettelfäden usw. (Vojina je sačuvala majka od ujamka i od ureznika, svete Petke, snutka, navijutka, utorničke pregje i motanja).

Auch Freitagkinder und rotbärtige Leute sind vor Vilenpfeilen sicher.

Die nachstehende Fassung einer Vilensage ist darum besonders zu beachten, weil sie uns lehrt, dass Vilen sterblich sind. Das ist ein Beweis, dass man Vilen als wirkliche Baumgeister anzusehen hat.

Unser Stück gehört zu den verbreitetsten Sagen unter allen Südslaven. Eine Fassung findet sich z. B. schon in der ersten Sammlung serbischer Guslarenlieder Wolf Karadžić’s (in der neuen offiz. Auflage, Belgrad 1887, I, Nr. 38, S. 222–225). Die slavischen Mythologen haben es, wie sich das eigentlich von selbst versteht, nicht unterlassen, in diese Sage einen grossartigen Sonnenmythus hineinzugeheimnissen und blaue Wunder von der durch das schlimme Christentum zerstörten alten slavischen Naturreligion auszusinnen. Der Schnickschnack verträgt keine ernste Widerlegung.

Pogibija vile zagorkinje.

Poranio kraljeviću Marko sa svojijem pobratimom dragim, pobratimom Reljom krilaticom. Kad pogjoše gorom Romanijom, ondar veli kraljeviću Marko: — Pobratime Reljo ot Pazara, zapjevaj de tanko glasovito! — Ne smijem ti pobro zapjevati, velma sam se s vilma zavadio. Pobratime kraljeviću Marko, mene oće justrijelit vile megju puca gje mi srce kuca. — Pobratime Reljo ot Pazara, ti se ne boj nikoga do Boga, dok je tebi pobratima tvoga, pobratima kraljevića Marka! A, zapjevaj Relja ot Pazara! Dok zapjeva mu tanko glasovito. Šest je vila u gorici bilo. Dok začula najstarija vila, beśjedila ponajmlagjoj vili: — Posestrimo ponajmlagja vilo! uzmi dere ponajvišu strjelu pa izigji na drum na planinu. Eno kurve Relje Bošnjanina, gje on pjeva gorom Romanijom. Ustrijeli Relju Bošnjanina megju puca gie mu srce kuca pa pobjegni nebu pod oblake, jera ima š njime žestok junak, žešći junak nego Relja Bošnjak. Ubićete Bogom posestrimo! Uze vila najvišu strijelu pa otide na drume široke, ustrijeli Relju Bošnjanina megju puca gje mu srce kuca. Živ se naže Relja Bošnjanine, živ se naže, mrtav zemlji pade. Bježi vila nebu pod oblake. Uze Marko tešku topuzinu pa udari vilu pod oblakom. Vil’ opade u travu zelenu, vila pade, Marko joj dopade pa ju živu uvati ju ruke. Beśjedi mu nagorkinja vila: — Bogom brate kraljeviću Marko! nemoj mene žive pogubiti, ja ću tebi pobru povratiti, tvoga pobru Relju Bošnjanina pa će biti, ko što je i bio, piće vino, ko što je i pio. Ondar veli kraljeviću Marko: — Bogom sestro nagorkinjo vilo! ti ćeš meni pobru povratiti, moga pobru Relju Bošnjanina, ja ću tebi život pokloniti. Ondar ode nagorkinja vila; za njom ide kraljeviću Marko. Dok dogjoše Relji Bošnjaninu turi vila u njedarca ruke pa jizvadi srebrnu jabuku pa protrlja Relju Bošnjanina pa protrlja, gje je udarila. Skoči Relja od zemlje na noge pa uzima sablju dimišćiju pa on vili osiječe glavu. Ondar veli kraljeviću Marko: — Jer to, pobro, života ti tvoga? živu sam se Bogu zaklinjao, da je žive pogubiti ne ću!

Wie die Vila vom Hintergebirge ums Leben gekommen.