Part 44
Ein Buhle traut war Kaić Radovane zu Euphemie, zum Kafir-Grafenfräulein; ein lieblich Jahr an Tagen pflag er Buhlschaft, und keiner ihn dabei gewahren konnte. Dennoch der Kafir-Burggraf ihn gewahrte und stellte auf fünfhundert reisige Mannen; die harren sein von Sonne bis zur Sonne. Zur Rüste ging die Sonn’ und auf der Mond, ei sieh, da naht dir Kaić Radovane; er ruft ans Fenster Euphemie herbei: — O Lämmchen mein, eröffne mir das Pförtchen! — Ach Rade mein, o wärst du nicht erschaffen! Ein lieblich Jahr an Tagen pflagst du Buhlschaft, und keiner konnte dich dabei gewahren; doch hat dennoch mein Vater dich gewahrt und aufgestellt fünfhundert reisige Mannen, die harren dein von Sonne bis zur Sonne; du wirst dein Haupt zu Nachten heut verlieren. — O Lämmchen mein, eröffne mir das Pförtchen! Die Nacht entweicht, wir kommen ums Gekose; Von mir aus mögen nahn des Burgherrn Reisige! Aufsprang das Fräulein, schloss ihm auf das Pförtchen. Als dann herum es war ums Morgengrauen, aufbrach vom weissen Burggehöfte Rade. Des Grafen reisige Mannen ihn empfingen, umringten Junker Kaić Radovane, umringten ihn und nahmen ihn gefangen. Bis sie die Hände Raden festgebunden, vier Mannen er entzwei die Hände brach, erwürgte noch mit blosser Hand fünf andre und riss heraus die Augen sieben Kämpen. Ihrem Gebieter sie ihn übergaben. In das Verliess hinab ihn warf der Burggraf; in dem Verliesse dreissig Mann Gefangener, die neun der Jahre schon gefangen schmachten. Als Rade ins Verliess hinab verfiel, zu sinnen hub er an und nachzusinnen, ob irgendwie er sich erlösen könnte. Er sinnt und sinnt und fasst auf eins den Sinn — und Junker Rade im Verliess verstarb; er rührt sich nicht, nicht atmet seine Seele; so liegt er tot drei weisse Tage lang. Aufjammerten die dreissig Mann Gefangenen: — O Gnade, Burggraf, teuerster Gebieter! Gib weg uns oder weiter uns verkaufe, wo nicht befrei vom Häftling das Verliess! Drei weisse Tage sind annun verflogen, dass Rade im Verliess sein Leben liess. Der Burggraf ging, hinauszuwerfen Raden, auf dass man in den dicken Hain ihn trage, dahin zur Äsung für die Rabenvögel, jedoch die Burgfrau plante lauter Schlimmes: — O Gnade, Burggraf, teuerster Gebieter! Du weisser Bart, du Haupt voll Kindereinfalt, dem toten Rade nicht einmal du traue! Erst wirf heraus aus dem Verliesse Raden und mach ihm auf dem Busen an ein Feuer; wofern in Raden Leben weilen sollte, aufschlagen wird er sicherlich die Augen, anheim nicht geben seinen Leib den Qualen! Anfacht der Burggraf auf der Brust ihm Feuer. Doch Rade war bewährt als wackerer Wehrmann, aufschliessen mochte Rade nicht die Lider. Hinaus der Burggraf wollte Raden werfen, dass in den dicken Hain man fort ihn schaffe, dahin zur Äsung für die Rabenvögel, jedoch die Burgfrau plante lauter Schlimmes: — O Gnade, Burggraf, teuerster Gebieter! Du weisser Bart, du Haupt voll Kindereinfalt, dem toten Rade nicht einmal du traue! Führ lieber her zwei junge Eisenschmiede, herbring’ ein jeder eine handvoll Nägel, sie sollen sie ins Nagelfleisch ihm rammen. Wofern in Raden Leben weilen sollte, aufschlagen wird er sicherlich die Augen, anheim nicht geben seinen Leib den Qualen. Der Burggraf führt herbei zwei junge Schmiede, die brachten her je eine handvoll Nägel und rammten Raden sie ins Nagelfleisch. Doch Rade war bewährt als wackerer Wehrmann, aufschlagen mochte Rade nicht die Lider. Hinaus der Burggraf wollte Raden werfen, jedoch die Burgfrau plante lauter Schlimmes: — O Gnade, Burggraf, teuerster Gebieter! Du weisser Bart, du Haupt voll Kindereinfalt, dem toten Rade nicht einmal du traue! Heraus du führe lieber dreissig Jungfraun, und führ auch unsre Euphemie heraus; im Reigen mögen sie um ihn sich fangen, im Reigenfang anstimmen Liedersang. Die Mädchen mögen ab die Höschen legen, hinüber übern toten Rade hüpfen. Wofern in Raden Leben weilen sollte, aufschlagen wird er sicherlich die Augen. Herbei der Burggraf dreissig Jungfraun führte, Jung Euphemie dazu heraus er führte, sie hingen ein um Raden sich zum Reigen, im Reigenfang erklang ihr Liedgesang: — O unser Rade, wärst nur nicht erschaffen! was liegst gestreckt, als Toter ausgereckt? Drauf Rade lost und lost auch nicht darauf; und all die Mädchen legten ab die Höschen, doch Rade lost und lost auch nicht darauf; nur wie Jung Euphemie hinüberhüpfte, aufschloss es Raden alle beide Augen. Von all den Jungfraun keine wahr es nahm, sie warf zu Boden ihr gesticktes Tüchlein, und beide Augen sie ihm rasch bedeckte. Alsdann zum Burgherrn hub sie an zu reden: — O Vater mein, o wärst du nicht erschaffen! Mit was für Schande hast du uns geschändet! wir hüpften übern toten Leib hinüber; mir fiel zu Boden mein gesticktes Tüchlein, aufheben mag’s, wem immer es gelüstet, ich heb es nimmer auf von diesem Leichnam! Dran ging der Burggraf, Raden fortzuschaffen, dass in den dicken Hain man fort ihn trage, dahin zur Äsung für die Rabenvögel, jedoch die Burgfrau plante lauter Schlimmes: — O Gnade, Burggraf, teuerster Gebieter! Du weisser Bart, du Haupt voll Kindereinfalt, dem toten Rade nicht einmal du traue! Jag du vielmehr heraus die Federkutsche, hinein du in die Kutsche schleudre Raden und dann betraue zwei getreue Knechte, die mögen ihn zur dicken Meerflut fahren, zerhacken sollen Raden sie zu Stücken und Fischen ihn im Meer zum Frass verteilen! Er jagt heraus die Kutsche, die gefedert, hinein sie schmissen in die Kutsche Raden, von dannen fuhren ihn des Burgherrn Knechte. Als nahe sie ans Meer gekommen waren, untereinander sprachen so die Knechte: — Der hat ja uns zu Leide nichts getan! was sollen wir zu Stücken ihn zerhacken? Lasst uns den Ganzen schleudern in die Meerflut, dann gehn wir hin und lügen an den Burgherrn, dass wir zerhackt zu Stücken hätten Raden und ihn ins dicke Meer hinausgeschleudert. Und warfen ihn, den Ganzen in die Meerflut und zogen heim und logen an den Burgherrn, dass Raden sie zerhackt zu lauter Stücken und ihn ins dicke Meer hinausgeschleudert. Die Wogen Rade warfen ans Gestade, und Rade so gewann die trocknen Pfade. Da lag nun Rade an dem dicken Meere; zwei schwarze Raben kamen bald geflogen um Raden hier die Augen auszugraben. Doch rief ihn an sein Wahlgeschwister Vila: — O Rade mein, o wärst du nicht erschaffen! was liegst gestreckt, als Toter ausgereckt? schon bohren dir die Vögel aus die Augen! — O Vila mein, o du mein Wahlgeschwister! sind schon des Burgherrn Knechte abgezogen? — Sie zogen heim und logen an den Burgherrn, sie hätten dich zu Stücken wohl zerstückelt und auf das Meer zum Fischefrass geschmissen. Aufsprang am dicken Meere Junker Rade, riss aus den Händen sich die Eisennägel, ja, riss sie mit den Zähnen aus den Händen und zog sie mit den Händen aus den Füssen. Begab sich hin zum Herzensbruder Rade, zum Bruderherzen Niklas Janjković, tat kund ihm alles, was und wie’s gewesen, in was für Folterqualen er gefallen: — Doch bitt ich dich, mein teueres Bruderherze, gewähr’ jetzund mir deinen feisten Schimmel, gewähr’ mir auch dein schmuckes Festgewand, gewähr’ dazu mir dein Gewaffen gleissend, (mir zogen sie vom Leibe mein Gewand, entgürteten mich vom Gewaffen gleissend), damit ich ins Gebiet der Kafir wandre; als Rennpreis setzt der Burggraf aus das Fräulein; leicht gibt es Gott, das Ziel erläuft der Schimmel, vielleicht erraff’ ich mir den Preis, das Fräulein, vielleicht verschaff’ ich Sühne meiner Qual! Wie solches Niklas Janjković vernahm, ausrüsten tat er ihn und seinen Schimmel. Abzog in das Gebiet der Kafir Rade zur weissen Wartburg hin des Kafir-Burgherrn. Als er im grünen Blachgefilde eintraf am Fuss des schneeigweissen Grafenburghofs, ein Feld bestand, jedoch es jetzt verschwand, hier Ross an Ross, hier Held gedrängt an Helden, dreihundert Berber, gleichviel Beduinen, Mischlinge sind da sonder Zahl vertreten und sonder Zahl zu Fuss der Helden Schar. Zwei Füchse des Gebieters vom Banate, zwei Rappen klein des Herrn der Burg von Zara, zwei Schimmel des Beherrschers von Polonien, zwei Falben Junker Tale’s von Orašje, das Beduinenross des Schwarzarabers. Allhier sie nachteten zur dunklen Nacht. Als morgens früh der Morgen angetagt, getreue Diener brachten her die Schnur, getreue Diener zogen straff die Schnur, hinter die Schnur sie reihten auf die Renner. Als die Kanonen auf der Burg erdröhnten, die Schnur die treuen Diener niederwarfen und von der Schnur aus flogen hin die Renner. Nicht mochte lassen aus den Schimmel Rade; gar weit die Renner waren schon entwichen, soweit nicht reicht ein Schuss aus langer Flinte. Allda er rief hinab von seinem Schimmel: — Nun sagt nicht, Ihr da, tückisch deutsches Pack, nun sagt mal nicht, es wäre List gewesen, da schaut mal her, jetzt lass’ ich aus den Schimmel! Dahin nun von der Schnur der Schimmel flog — Du lieber Gott, für alles sei bedankt! — Als da der Schimmel von der Schnur dahinflog, die Erde stöhnt und hoch der Himmel dröhnt, die Bügel schinden ab das schwarze Erdreich, um sie herum ein kalter Windstrom saust und Feuerflammen sprühen aus den Hufen. Er überholt die Läufer all’ und Renner und holte ein zwei kleine Rappenrosse, die beiden Rappen des Zaraër Burgherrn, er holt sie ein, sie sind schon überholt. Dann holt er ein zwei Renner noch, die Füchse, zwei Füchse des Gebieters vom Banate; er holt sie ein, sie sind schon überholt; doch holt er nicht zwei falbe Renner ein, dieweil auf ihnen ein verwünscht Gezüchte, dieweil auf ihnen zwei Zigeunerrangen, die beiden Rosse ganz in Blut gebadet. Letzt überholt er die zwei fahlen Renner, doch holt er nicht den Schwarzaraber ein. Letzt holt er ein auch noch den Schwarzaraber, er holt ihn ein, hat schon ihn überholt. Da endlich er gewahrt die Federkutsche, aufrecht auf ihr des Burgherrn Fräulein steht, es winkt ihm mit der Hand und mit dem Tüchlein. Kaum kam zur Kutsche hingeflogen Rade, sprang gleich heraus das Fräulein aus der Kutsche, hing stürmisch sich dem Schimmel um den Hals, zwischen die Augen küsste sie ihn häufig. Zum stattlich schmucken Fräulein Rade spricht: — O Euphemie, du meiner Augen Licht! Ei, führe mal herum den feisten Schimmel, indes ich geh’ zum Schwieger und zur Schwiegrin, um zu beschenken Schwieger und die Schwiegrin! Begab sich Rade zum Gehöft des Burgherrn und kam ins Burggehöft hinein zur Schwiegrin: —O Burgfrau, traun, du meine Schwiegermutter! dein Töchterlein ich heut am Tag gewann, gewann sie wohl auf heiss umstrittner Bahn. Magst du’s gedenken, mütterliche Zauchtel, wie Kaić Rade herzukommen pflag, mit deiner Euphemie geheim zu buhlen, und wie der Burggraf ihn allda gewahrte und aufgestellt fünf hundert reisige Mannen? Die hatten Raden lebend eingefangen; und ins Verliess hinab ihn warf der Burggraf. Auf seine Heuchelkunst vertraute Rade, tat sich als Toter im Verliess verstellen, verhoffend, dass der Burggraf mich hinauswirft. Hinaus mich werfen wollte schon der Burggraf, du wehrtest ihm, du mütterliche Zauchtel! Bin’s eigenhäuptig Kaić Radovane! Du unterwarfst mich grimmig wilden Qualen und unterzogst mich Martern aller Art, ich dürft’ die Burg dir angezunden haben! Ich will dich schlimmren Qualen unterwerfen! Und packte bei den Händen an die Burgfrau und schnitt ihr allebeiden Hände weg und schnitt ihr durch auch allebeiden Brüste und durch die Brüste schob er durch die Hände. Dem greisen Burgherrn er das Leben schenkte. Zu seinem Schimmel Rade sich begab. Als er zum Schimmel und zur Kutsche kam, antraf er den Araber und sein Vollblut. Alsdann zu Raden der Araber sprach: — Du Freudendirne, Kaić Radovane! Dich kenn’ ich nur zu gut nach deinem Namen. Zugleich das Ziel erreichten unsre Renner! — Von hinnen troll dich, Schwarzaraberschuft! Bis du hier eintrafst, ruht ich aus den Schimmel, war schon indes beim Schwieger und der Schwiegrin, und hab’ beschenkt den Schwieger und die Schwiegrin! Das nahm der Schwarzaraber übel auf, zog flugs herab die Damaszenerbüchse und schoss die Ladung in die Brust dem Schimmel. Ein schrill Gebrüll, tot rollt das Ross im Rasen! Aufzischte Rade gleich ’ner Schlange scheckig und zückte blank den Säbel Nikolaus’ und hieb das Haupt vom Rumpf ab dem Araber. Fing ein den schnellen Beduinenrenner, band an den Beduinen an die Kutsche und setzte mit der Maid sich in die Kutsche. Abzog zu seinem Herzensbruder Rade. Als er zur weissen Burg von Sibinj kam, als er zu Niklas Janjković gelangte: — Mein teurer Bruder Niklas Janjković, ich, Bruder, habe mir ein Weib genommen, doch dir gebracht den schnellen Beduinen. Dein Schimmel, leider, ist ums Haupt gekommen. Gilt wohl als Tausch das Vollblut für den Schimmel? Heisch Draufgab nur, soviel dir mag behagen! Des Burgherrn Schätze lagern hier im Wagen. — Traun, wohlgetan, mein liebster Herzensbruder, dass du, mein Bruderherze, dich beweibt! Und brachtest du mein Burggehöft in Brand und unterwarfst mich Qualen sonder Zahl, nachdem du Sühne schufst für deine Qual, begehr’ ich keinen Groschen noch Denar, all’ dies ich dir am heutigen Tag verwand!
NB. Es sind keine Druckfehler, sondern dialektische Eigentümlichkeiten im Texte: V. 8 mljesec, V. 37 primišljat usw. (der Itazismus fast durchgehends), V. 133, 234 mregju, V. 154 baanove (Verszwang!); V. 159 ćamlje; V. 173 metro, V. 222 mere, V. 235 obljesi, V. 266 oblje. — Zu V. 163 ursprünglich vielleicht Tanković Osman, der Wahlbruder Rades. — Zu V. 205. »Schwarzes deutsches Pack.« Ja, heisst denn njemac einen Deutschen?! Im modernen Sprachgebrauche wohl, doch nicht hier in der mit Survivals durchsetzten Volksprache. Das Publikum und die Preisrichter waren diesmal Slaven und Italiener; das weiss doch auch der Guslar, aber nijemac (der Stumme, der Sprachunkundige) war dem Bauer jeder Fremde und dann jeder nichteinheimische Mann, etwa so, wie noch im judendeutschen Sprachgebrauche goj für jeden Nichtjuden gebraucht wird, ohne gehässige oder feindselige, konfessionelle oder nationale Nebenbedeutung. — Zu den V. 210–215 setzte weiland Dr. Isidor Kopernicki, der nach meiner Forschungreise einen Teil meiner Niederschriften durchlas, die Randbemerkung hinzu: pyszne! (prächtig). — Zu V. 287 u. 295. Über das dunkle Wort šafka vergl. meinen etymologischen Deutungversuch in: »Novak der Heldengreis«, Anm. zu V. 218. — Zum Schluss sei erwähnt, dass die Begen Pilipović zu Glamoč in Bosnien Rade als den Stammvater ihres Geschlechtes verehren.
Richard Schmidt und anderen, die vor ihm über Fakire, Dervische und gleichartige Wundermenschen geschrieben, entging es, dass eine der beliebtesten Gestalten der deutschen Nationalliteratur ihren Ruf und Ruhm vor allem Künsten verdankt, die alles überragen, was Fakire je zu leisten vermocht. Wer sich davon überzeugen will, der lese Das alte Faustbuch nach, von dem August Holder auf Grund der alten Ausgaben und anderer Quellen eine vorzügliche neue Bearbeitung geliefert hat (Leipzig 1907, Deutsche Verlagaktiengesellschaft). Erkennen und kennen wir vorerst unser eigenes Volktum, so verliert für uns das anderer Völkergruppen sehr bald vieles von seinen Unverständlichkeiten und Unbegreiflichkeiten. Auch Rade hat in unserer Gesellschaft seinesgleichen.
Die Menschwerdung des hl. Panteleimon.
Kirchliche Legenden in den versifizierten Volküberlieferungen der Südslaven aller drei Konfessionen sind verhältnismässig selten, am häufigsten jedoch unter den katholischen Bauern anzutreffen. Bis in die ersten Jahrzehnte des XIX. Jahrhunderts war die breite Menge der bäuerlichen Bevölkerung des Lesens und Schreibens gänzlich unkundig, die kirchliche Literatur war aber ausschliesslich das Vorrecht der Geistlichkeit, die namentlich im Bosnisch-Herzögischen, keineswegs der Lehrer des Volkes war. Am wenigsten bei den Altgläubigen, bei denen Predigten in den Kirchen bis in die Neuzeit nicht üblich waren. Nur im zufälligen Gespräche, z. B. an langen Winterabenden, erfuhr der Bauer vom Popen manche Legende, wie man sonst Sagen und Märchen, Schnurren und Rätsel einander zum Besten gibt. Halb verstand der Pope die Legende nicht, halb begriff sie der Bauer nicht, aus dem Rest legte sich der Guslar seine eigene Geschichte zurecht, anknüpfend an Motive, die sowohl ihm als seinen Zuhörern geläufiger waren. So einen Ursprung dürfte auch nachfolgende Legende haben. Die Nachbildung eines Menschen behufs Zaubereien beruht auf fetischistischen-animistischen Anschauungen, die dem südslavischen Volkglauben, gleich dem aller Völker eigen sind. Die goldenen Hände und silbernen Füsse des Heiligen sind kein besonderes Merkmal; denn bekanntlich werden Reliquien solcher Art in Gold und Silber verwahrt. Unsere Legende hat mit den griechischen und lateinischen Legenden über das Leben des hl. Pantaleon, der zur Zeit Kaiser Maximinus als Arzt in Nikomedia in Bithynien wirkte und den Märtyrertod verstarb, nicht einen Zug, soviel ich sah, gemein [198]. Vielleicht wurzelt unsere Legende anderswo und das Wunder ist nur durch einen Irrtum des Erzählers auf den, bei den Altgläubigen sehr volktümlichen Heiligen übertragen.
Rodio se sveti Pantelija.
Dvije sestre brata ne imale pa po sebi brata ogradili ot kovilje i bijele svile: živo srce ot šimšira drvce a glava mu od zlata jabuka a crn perčin tura ibrišima, obrvice morske pijavice, sitni zubi dizije bisera, dva obraza dva knjige tabaka, trepavice krila lastavice, dvije ruke dvije šipke zlatne, dvije noge dva srebrna stupa. Donose mu piva i jestiva; usta mrtva jesti ne mogahu, jezik mrtav govorit ne more. To gledala dva božja angela, gledajući Bogu odocnili, odocnili Bogu na večeru. Bog je pito svoje dvije sluge: — Što ste meni sluge odocnili? — Odocnili čudo gledajući, gledajući na zemljici crnoj. Dvije sestre brata ne imaše pa po sebi brata ogradiše ot kovilje i bijele svile: živo srce ot šimšira drvce a glava mu od zlata jabuka a crn perčin tura ibrišima, obrvice morske pijavice, trepavice krila lastavice, dva obraza dva knjige tabaka, sitni zubi dizije bisera, dvije ruke dvije šipke zlatne, dvije noge dva srebrna stupa. Donose mu piva i jestiva; jezik mrtav govorit ne more, usta mrtva jesti ne mogahu. Bog govori svôma dvôma slugam: — Čujete l me moje dvije sluge (dvije sluge dva božja angela) pa spanite na zemljicu crnu, živijem ga dukom zadahnite, lijepo mu ime iźdjedite, iźdjedite ime Pantelije; neka bratac sestre poudade, poudade pa će pohoditi, i življeće četr’est godinâ, ondare će Bogu dolaziti. U mlagjega pogovora nejma; spadoše na zemljicu crnu, živijem ga dukom zadaknuše i lijepo ime izabraše, izabraše ime Pantelije. Ondar brate sestre poudade. poudade pa ih pohodio. Živio je četerest godinâ; ondar je se prestavio momak i samome Bogu odlazio.
Wie der hl. Panteleimon geboren wurde.
Zwei Schwestern einst, die hatten keinen Bruder, da bauten sie sich selber einen Bruder aus Pfriemenweide und aus weisser Seide und sein lebendig Herz aus Buchsbaummarke; sein Haupt gebaut aus einem goldnen Apfel, der schwarze Haarzopf eine Seidenquaste, die Augenbrauen Egeln aus dem Meere, die kleinen Zähne sind aus Perlenreihen, die beiden Wangen aus Papier zwei Bögen, die Augenwimpern einer Schwalbe Flügel, die beiden Hände, je ein golden Rütchen, die beiden Beine, je ein Silberbarren. Sie warten auf mit Speisen und Getränken, der tote Mund vertrug doch keine Nahrung, die tote Zunge ist nicht redekundig. Zwei Engel Gottes schauten das Beginnen, verspäteten im Schaun zu Gott die Heimkehr und kamen spät zu Gott nach heim zum Nachtmahl. Und Gott befragte seine beiden Diener: — Was habt Ihr euch, o Diener, so verspätet? — Im Schauen eines Wunderdings verspätet, im Schaun versunken auf der schwarzen Erde. Zwei Schwestern wohl, die hatten keinen Bruder, da bauten sie sich selber einen Bruder aus Pfriemenweide und aus weisser Seide und sein lebendig Herz aus Buchsbaummarke; sein Haupt gebaut aus einem goldnen Apfel, der schwarze Haarzopf eine Seidenquaste, die Augenbrauen Egeln aus dem Meere, die Augenwimpern einer Schwalbe Flügel, die beiden Wangen aus Papier zwei Bögen die kleinen Zähne sind aus Perlenreihen, die beiden Hände je ein golden Rütchen, die beiden Beine je ein Silberbarren; Sie warten auf mit Speisen und Getränken, die tote Zunge ist nicht redekundig, der tote Mund vertrug auch keine Nahrung. Da sprach Herr Gott zu seinen beiden Dienern: O hört Ihr wohl, Ihr meine beiden Diener (die beiden Diener, beide Engel Gottes), so lasst euch nieder auf die schwarze Erde, behauchet ihn mit wahrem Lebenodem, er sei von euch begabt mit schönem Namen, begabt ihn mit dem Namen Panteleimon. Das Brüderlein die Schwestern soll verheuren, verheuren soll er sie und dann besuchen, und vierzig Jahre soll sein Leben währen, dann wird zu Gott er seine Einkehr halten! Wer jünger ist darf nimmer widersprechen; sie senkten auf die schwarze Erd’ sich nieder, behauchten ihn mit neuem Lebenodem, sie wählten für ihn einen schönen Namen, sie wählten ihm den Namen Panteleimon. Darauf verheurte’s Brüderlein die Schwestern, verheurte sie und machte die Besuche. Sein Leben währte volle vierzig Jahre; dann ist er unbeweibt von hier verschieden und hat zum lieben Gotte sich begeben.
Zeile 9 und 31: dva kein Druckfehler. 42 und 51: dukom, richtig.