Part 40
Beg Ljubović treibt Rinderherden auf an der Narenta, rund um die Narenta, im Syrmium, rundum im Syrmium. Die Begen brachten auf gar grossen Auftrieb: fünf hundert Kühe, die noch alle gelt, fünf hundert Ochsen, alle feist gefüttert, und trieben fort sie nach dem weissen Zara. Als sie in die Narenta-Ebne kamen, herbei die jungen Narentaër liefen, die Narentaër und die Nevesinjer: — Treib, Beg, die Ochsen nicht ins Kafirland! Der Kaiser und der Caesar stehn im Worte, es soll kein Türke gehn ins Kafirland! Du wirst, o Beg, dabei dein Haupt verlieren, wo nicht, o Beg, in Sklaverei verfallen! Drauf hört der Beg, und hört auch nicht darauf; zum Zara weiss hinab er trieb den Auftrieb. Viehtreiber zwölf mit ihm sind im Gefolge und Stefan Majković, sein Herzensbruder. Auf fetten Fluren hielt er an die Herde. Die deutschen Kaufherrn kamen hergerannt und kauften auf die Ochsen und die Kühe; dem Beg dafür sie reichten weiche Rupien. Nachdem der Beg den Auftrieb ausverkauft, zu Stefan Majković das Wort er sprach: — O Stefan, du mein liebstes Bruderherze! behüt uns auf den Fluren wohl die Rosse allhier mit zwölf von unsren Rindertreibern, dieweilen ich ins christlich Zara wandre, will deren Zara sehen und den Marktplatz und auch in Zara seiner Tore Lage, besehn die Bastionen und Kanonen. Hierauf das Wort zum Begen Stefan sprach: — Du geh nicht, Beg, dahin ins christlich Zara! Der Kaiser und der Caesar stehn im Worte, es soll kein Türke gehn ins Kafirland. Leicht können da die Christen dich erkennen, du wirst nur tollerweis dein Haupt verlieren, wo nicht, o Beg, in Sklaverei verfallen! Drauf hört der Beg und hört auch nicht darauf, begab vielmehr sich in das christlich Zara. Von Zara waren offen just die Tore; anhub der Beg zu wandeln auf dem Marktplatz. Der Beg besichtigt Zara und den Marktplatz und setzt sich letzt auf einen Ladenflügel und fängt am Laden an Kaffee zu trinken. Da tät gewahren ihn der Ban von Zara. Als Ljubović den Beg er hier erblickte, (beim Ban fünfhundert Reiter Ehrenwache, und Sekula sein Schwestersohn zu Füssen) ausrief der Ban mit tiefer Kehlenstimme: — Schaut mal den Türken an in unsrem Zara! Was macht der Türkenkerl in unsrem Zara! was schnüffelt der herum in unsrer Festung? Beguckt er denn die Burg nur und den Marktplatz? Der schaut nicht, traun, wo man das Tor gelassen, der schaut die Bastionen und Kanonen, ob wohl die Festung er berennen dürfte! Gebar denn keine Mutter solchen Kämpen, der auf den Markt hinab zum Türken stiege, um abzuhaun die Hand ihm in der Schulter und beide Augen ihm herauszubohren, dass blind er auf dem Markte wandeln möge? Ein jeder schweigt und schaut vor sich zu Boden, doch schaut nicht drein so Sekula der Page, vielmehr spricht Sekula zu seinem Ohme: — O Mutterbruder mein, du Ban von Zara, was forschst du in der Fremde nach dem Kämpen, wenn du zu Füssen deinen Neffen nährst, der auf den Markt hinab zum Türken steigt, die rechte Hand ihm aus der Schulter haut und alle beide Augen ihm herausbohrt, damit er auf dem Markt als Blinder wandle! Das sprach er und dann sprang er auf die Beine, das nackte Schwert er untern Dolman schob und stieg zum Beg hinab wohl auf den Marktplatz. — Was suchst du Türkenkerl in unsrem Zara? Was schnüffelst du herum in unsrem Zara? ja, schaust du Zara an und schaust den Marktplatz? Schaust du die Bastionen und Kanonen? Geh, strecke deine rechte Hand heraus, dass ich die Hand dir aus der Schulter aushau! Der Beg nur schweigt, entgegnet nicht ein Wörtchen. Von neuem Sekula der Page spricht: — Streck, Türkenkerl, heraus die rechte Hand, dass ich die Hand dir aus der Schulter aushau! Der Beg nur schweigt, entgegnet auch kein Wörtchen. Von neuem spricht der Page Sekula: — Streck deinen rechten Arm, du Türklein, aus, dass ich die Hand dir aus der Schulter aushau! Ich schwör’ es dir, verpfänd’ mein Ehrenwort, Das Haupt ich hau’ herab dir von der Schulter! Beg Ljubović geriet in Grimm darob und streckte seinen rechten Arm ihm hin. Den Säbel unterm Schoss der Page zückte und führte auf die rechte Hand den Streich. So leichthin war der Schlag ihm nur geraten, dass ihm entzweibrach seines Säbels Klinge und aus dem Arm hervor die Funken stoben! Aufsprang der Beg vom Boden auf die Beine, das kurze Alemannenschwert er zückte und traf damit den Pagen Sekula, ein wenig oberm Gurte sass der Hieb, zwei Hälften kollerten ins Gras hernieder. Als da der Ban von Zara ward gewahr, wie Sekula der Page kam ums Leben, zum Sturm befahl er rasend seine Reiter. Die Reiter rasch umzingelten den Beg, Beg Ljubović sich ihrer weiss zu wehren. Kaum drang hindurch er durch das eine Burgtor, schon drangen hinterdrein ihm nach die Reiter. Kaum drang hindurch er durch das andre Burgtor, schon drangen hinterdrein ihm nach die Reiter. Kaum drang hindurch er durch das dritte Burgtor, schon drangen hinterdrein ihm nach die Reiter, bis er gebahnt zum Haupttor eine Gasse; doch war das Haupttor von der Burg geschlossen, aus Stahl den Riegel hat man vorgeschnellt. Den Kolben stahlgetrieben schwang der Beg und brach entzwei den stahlgeschweissten Riegel. Und aus der Burg entfloh der Beg von dannen, entfloh nun zu den Rossen auf den Auen zu Stefan Majković, dem Herzensbruder und auch zu seinen Rindertreibern zwölf. Sie stiegen auf den Auen auf zu Ross und zogen aufwärts durch das grün Gefilde, zwölf Rindertreiber hinter ihnen nach. Gemach sie reiten, schauen vor sich hin; nach rückwärts blickte Stefan Majković, ob wohl Verfolger hinter ihnen kämen; fürwahr, es folgten hinterdrein Verfolger. Das Haupttor von der Burg sich tat eröffnen: da fuhr hervor ein Held auf einem Fuchse, auf einem Fuchse, ganz in lautrem Golde, ein wenig schaut von ihm heraus vom Sattel. Es fliegen hinterdrein ihm nach die Reiter, in hellen Rotten fliegen all die Reiter, und immer näher rückt heran der Held. Zuletzt ereilt er Ljubović den Beg, denn gar nicht ist gewillt der Beg zu flüchten; ja, traun, das war der Ban von Zara selber! Was frommt es ihm, dass er sie eingeholt, dieweilen er’s nicht wagt, sie anzugreifen, von weitem ruft vielmehr er zu dem Beg: — So Gott euch helfe, unbekannte Kämpen! von wannen seid Ihr, wohl von welcher Burg? von welchen Sippen und von welchen Magen? und wie benamst du dich mit deinem Namen? Wahrheitgetreu bescheidet ihn der Beg: — Ich Kämpe bin von dem Narentalaufe, von der Narenta und von Nevesinje, mit Namen heiss’ ich Ljubović der Beg! Allda der Ban zurücke wieder kehrte und hintennach sein Reitervolkgeleite und heim er wieder zog ins weisse Zara. Sobald er eintraf in dem weissen Zara, gleich setzt er sich und schreibt ein zierlich Schreiben und sendet ’s ab zur Stadt von Banjaluka wohl auf das Knie des Banjaluker Paša: »Empfang den Brief, o Banjaluker Paša! Vertilge mir die Begen Ljubović! Stell mir sie lebend oder deren Köpfe! »Sie haben zugefügt mir grossen Schaden, ja, Schaden und Verluste zugefügt fürwahr rundum in meinem weissen Zara: sie brachten um den Pagen Sekula! »Da, Paša, nimm drei Maultierlasten Schätze und nimm dazu den Diener Klaus den kleinen, er warte dein, solang dein Leben währt, und nimm dir auch die Schwester Angelina!« Wie nun der Paša diesen Brief empfing, den Brief besah, den Brief belacht er fröhlich und rief herbei den Delibaša Erdo: — Rasch her zu mir, o Delibaša Erdo! Ei schwing dich mal auf deinen Fleckenfüsser und kühr dir aus an dreissig kühne Kämpen, nur lauter auserkorne kühnste Kämpen. Hei, Erdo, zeuch zum ebnen Nevesinje, vertilge mir die Begen Ljubović, stell mir sie lebend oder deren Köpfe! Wofern du, Erdo, solches nicht verrichtest, wirst du ’s mit deinem Haupt für seines büssen! Kaum hatte Erdo den Befehl vernommen, aufsprang er auf die Beine gar behende, ausrüstete so sich als seinen Fleckfuss und schwang hinauf sich auf den feisten Fleckfuss. Fortzog zur Burg von Nevesinje Erdo und hinterdrein ihm folgten dreissig Kämpen. Als er zu Ljubovićens Warte kam zum Burggehöft von Ljubović dem Beg, da rief er an den Beg beim vollen Namen. Jedoch der Beg gerad daheim nicht weilte, sie waren auf die Pirsch ins Waldgebirge, zu pirschen Rehe oder eine Hindin und hatten mit die Rüden und die Bracken. Die junge Edelfraue tat sich melden: — Daheim nicht weilt Herr Ljubović der Beg, er ist ins Waldgebirg zur Pirsch gewandert! Darauf zum Ehelieb Herr Erdo sprach: — O Edelfrau, vom edlen Stamm entsprossen! wird wohl der Beg bei Zeiten wiederkehren? — Um den Akšām er heim wohl kehren dürfte! (sie rief herbei Beg Huseïn den Sohn): — Beg Huseïn, o du mein einziger Sohn, abfasse mal des Erdo Fleckenfüsser! Gleich lief hinab der Page Husobeg und fasste unter Erdo ab den Fleckfuss, um auszuführen Erdo’s Fleckenfüsser. Da sprach zu ihm Herr Delibaša Erdo: — Beg Huseïn, o du unmündiger Knabe! wo weilt dein Väterchen Beg Ljubović? — Er ist ins Waldgebirg zur Pirsch gewandert. — Kehrt wohl dein Väterchen noch heim bei Zeiten? — Um den Akšām er heim wohl kehren dürfte. Zurief Herr Erdo seinen dreissig Kämpen. Sie schlugen Husobeg den Sohn in Bande, gebunden jagten sie vor sich den Knaben. Anschloss sich ihm die Mutter Ljubović’s: — Gib meinen Husobeg zurück mir, Erdo! Herr Delibaša Erdo spricht zu ihr: — Kehr nur zurück, du Mutter Ljubović’s, sonst säble deinen Husobeg ich nieder! Er sprach’s zu ihr und hieb ihm ab das Haupt. Anschloss sich ihm die Mutter Ljubović’s: — Gib, Erdo, mir zurück aus Gold den Apfel mein Enkelein, das Söhnlein Husobeg! — Kehr nur zurück, du Mutter Ljubović’s, kehr nur zurück, sonst hau ich dir das Haupt ab! Er sprach’s zu ihr und hieb ihr ab das Haupt. Von dannen Erdo zog mit dreissig Kämpen und trug mit sich fort allebeide Häupter, das eine Haupt des Pagen Husobeg, das andre Haupt der Mutter Ljubović’s. Noch schritt Herr Erdo hin durchs Blachgefilde, ei sieh, es naht schon Ljubović der Beg, er jagt einher auf seinem feisten Falben und ruft heran von fern schon Husobeg: — Wo bleibst du Söhnchen, Page Husobeg? magst du nicht ab mir meinen Falben fassen? Anmeldet sich die junge Edelfraue, sie zischt vor Schmerz, wie eine Natter scheckig: — Ach weh, mein Beg, o teuerster Gebieter, dein Söhnchen Husobeg wird nun und nimmer abfassen unter dir den falben Renner; ach, Husobeg hat ja sein Haupt verloren! — Von was denn, Ehelieb, wenn du an Gott glaubst! — Da kam gezogen Delibaša Erdo, hinab ich sandte Husobeg den Sohn, den Fleckfuss unter Erdo abzufassen; in Bande schlug ihn Delibaša Erdo, gebunden jagt er ihn entlang dem Burghof, anschloss sich ihm die hochbetagte Mutter, rückgeben soll er meinen Husobeg. Doch sprach zu ihr Herr Delibaša Ibro: »Kehr nur zurücke, Mutter Ljubović’s, kehr nur zurück, sonst hau ich dir das Haupt ab!« Dies sprach er zu ihr, hieb ihr ab das Haupt. Mit dreissig Kämpen Erdo zog von hinnen und trug mit sich fort alle beide Häupter! Als dies erfuhr Herr Ljubović der Beg: — O Edelfrau, von edlem Reis entsprossen, ist Erdo lange schon davongezogen? hat er den Hochwald jetzt schon überschritten? — ’S ist nicht so lang, dass Erdo abgezogen, noch hat er nicht den Hochwald überschritten! — O hör mich mal, du mein getreues Ehlieb! Wenn Stefan Majković da kommen sollte, so geh er nicht durchs grüne Blachgefilde, vielmehr er nehme querfeldein den Weg und soll querwegs ins Hochgebirg sich tummeln, ich aber geh ums Hochgebirg herum, um Erdo in dem Hochwald festzustellen! Dies sprach er, machte mit dem Falben kehrt und nahm den Lauf durchs grüne Blachgefilde. Kaum war der Beg entschwunden im Gefilde, nach kurzer Weile, die nur wenig währte, ei sieh, da naht auch Stefan Majković! Er jagt daher auf seinem dicken Braunen und ruft heran von fern schon Husobeg: — Wo steckst du, Stöpsel, Husobeg du kleiner? Magst du nicht ab mir meinen Braunen fassen?! Es meldet sich die junge Edelfraue: — O mein Gebieter, Stefan Majković, mein Söhnchen Husobeg wird nun und nimmer abfassen unter dir den braunen Renner! — Warum, der Tausend, junge Edelfrau?! Sie zischt vor Schmerz, wie eine Natter scheckig: — Da kamen hergezogen dreissig Kämpen und vor der Rotte Delibaša Erdo. Um euch befragt mich Delibaša Erdo, hinab ich sandte Husobeg den Sohn, den Fleckfuss unter Erdo abzufassen. Hinab zu ihm stieg Husobeg der Page und fasste unter ihm den Fleckfuss ab. In Bande schlug ihn Delibaša Ibro, gebunden trieb er ihn entlang dem Burghof. Ihm schloss sich unsre alte Mutter an, dass er den Sohn mir, Husobeg zurückgeb, doch Erdo hat sie grimmig angefahren: »Kehr nur zurücke, Mutter Ljubović’s, sonst hau ich deinen Husobeg zu Stücken!« Sprach so zu ihr und hieb ihm ab das Haupt. Ihm schloss sich an die hochbetagte Mutter: — »Gib Erdo mir zurück den goldnen Apfel, ja wohl den Apfel, meinen Husobeg!« — — »Kehr nur zurücke, Mutter Ljubović’s ich hau dir von den Schultern ab das Haupt!« Dies sprach er zu ihr, schlug ihr ab das Haupt! Von hinnen Erdo zog mit dreissig Kämpen und trug mit sich fort alle beide Häupter. Aufzischte Stefan gleich der Natter scheckig: — Ist heimgekommen Ljubović der Beg? — Gekommen heim, o teuerster Gebieter! Er ging dahin durchs grüne Blachgefilde, um um das Hochgebirg herumzukommen, wo möglich Erdo lebend einzuholen. Dir aber hinterliess der Beg die Weisung, es hat dich Ljubović der Beg geheissen, einschlagen mögst du querfeldein den Weg, den Weg durchschneiden quer nur durch den Hochwald vielleicht lebendig dass Ihr Erdo einholt! Gleich machte mit dem Braunen Stefan kehrt. Es zog Herr Stefan querfeldein von dannen, bog ein ins Hochgebirg und in den Hochwald und schnitt so durch den Hochwald auf dem Querweg. Gar flink der Beg den Hochwald war umflogen und hatte Erdo festgestellt im Hochland. Zur selben Zeit kam Stefan Majković. Als sich vereint die beiden Wahlgebrüder, zu Stücken hieben sie die dreissig Kämpen. Doch Erdo fingen sie lebendig ab, sie schunden ab dem Delibaša Erdo die beiden Arme bis zum Schulterblatte, die beiden Füsse bis hinauf zum Knie, bis zu den Augen schunden sie das Haupt, auflegten sie ihn auf den Fleckenfüsser und banden Erdo an den Fleckfuss fest und liessen unter ihm den Fleckfuss laufen: — Zeuch, Erdo, hin zur Stadt von Banjaluka und prahle vor dem Banjaluker Paša, wie an der Herdstatt Kinder du gemordet, wie du gemordet hochbetagte Mütter! Wehklagend Erdo zog des Weges weiter. Als er der Stadt genaht von Banjaluka, von weitem ihn der Paša schon gewahrte; entgegen kam der Paša ihm geflogen. Als er erschaut nun Erdo Delibaša, was da geschehn mit Erdo Delibaša, rief er schon Erdo zu von weiter Ferne: — Was gibt’s, unseliger Erdo Delibaša?! — Das gibt’s, o Paša, schlimmer sei dein Teil! Man hob ihn ab vom Ross, dem Fleckenfüsser. Der Paša setzt sich, schreibt ein zierlich Schreiben, und sendet’s nach Istambol ab der Stadt wohl auf das Knie des glückbegabten Kaisers: »O Sultan, Kaiser, Vater uns und Mutter! vertilge uns die Begen Ljubović, es sei lebendig oder tot die Häupter! »Ein Wunder, was sie an Gewalt verübten um die Narenta und um Nevesinje! Mit einer Auflag sie das Land belegten: Der arme Mann, der kann sich nicht beweiben, das Waisenmädchen kann sich nicht vermählen. Wer sich beweibt, je eine Litra Goldes, die sich vermählt, je drei der Litren Goldes! Und wenn die Mütter ganz in Armut leben, dann deren Töchter weisse Zöpfe flechten!« Als solch ein Brief dem Kaiser kam vor Augen und er ersah, was ihm der Brief vermeldet, rief er herbei den Waffenwahrer Ali: — Gewaffenwahrer, du mein Obristlala, Geh raffe mal zusammen etwas Truppen; ein wenig bloss, viertausend Mann genügen, und führ die Truppen nach dem Herzoglande gen Mostar hin und auch nach Nevesinje zur weissgetünchten Warte Ljubović’s; dahin die Truppen führ um Mitternacht, umzingle dann die Warte Ljubović’s. Du fang mir ab die Begen Ljubović, es sei lebendig oder tot die Häupter. Auch nimm du mein Gezelte mit dir mit wohl das Gezelte mit dem goldnen Apfel. Wann sie das kaiserlich Gezelt erblicken, an sich erschrecken werden schon die Begen; denn mit dem Kaiser keiner einen Kampf wagt! Alile hurtig auf die Beine sprang und sammelte die kaiserliche Truppe; dann zog von dannen er von Stadt Istambol. Es zog Alile fort ins Herzogland. Als er gelangt zur Burg von Nevesinje, zur schlimmen Frist er schaffte hin die Truppen um Mitternacht, wann keine Zeit geheuer; umzingelten die Warte Ljubović’s und spannten auf die grünen Lagerzelte. Als morgens früh der Morgen angetagt, erhob sich früh das Ehlieb Ljubović’s und tat ergehn sich auf der weissen Wartburg. Da fiel ihr Blick hinab die weisse Warte: ringsum die Warte Ljubović’s umzingelt! hier Ross an Ross, hier Zelt an Zelt gedrängt! Vereinzelt stand allein nur ein Gezelte und oben drauf ein goldner Apfel blinkt, und dreimal war mit Draht das Zelt umwunden. Sie wandte sich zurück zur weissen Warte, doch wagt mit nichten sie’s den Beg zu wecken; wachrief sie lieber Stefan Majković: — Erwach, unseliger Stefan Majković! Geh hin und schaue ein gewaltig Wunder! Umzingelt ward da eure weisse Warte! Im Sprung erhob sich Stefan Majković. Und als er nun das mächtige Heer erblickte, wohl tat er Ljubović den Beg erwecken: — Erwach, o Beg, mein teuerster Gebieter! umzingelt ward da unsre weisse Warte! Vom Lager aufstand Ljubović der Beg, und sahen alles von der weissen Warte. Sogleich der Beg erkannte das Gezelte, als das Gezelt, das Glück mit ihm, des Kaisers, und also sprach Herr Ljubović der Beg: — Was sollen nun wir, Stefan Majković? wenn heute wir den Ausfall gen sie wagten — o Bruder, mit dem Kaiser keiner kämpft! Lass an die Lende uns die Hände legen, lass uns zum kaiserlich Gezelte wandeln, lass sehn uns, was da los und wie’s geworden, wer wohl uns bei dem Kaiser angeschwärzt. Doch spricht das Wort das Ehlieb Ljubović’s: — Was seid Ihr denn, Ihr Begen, so erschrocken?! da schaut, ich bin ja nur ein Frauenzimmer, ich wollt’ allein gen sie den Ausfall wagen! Entgegen spricht ihr Ljubović der Beg: — Treib keine Tollheit, mein getreues Ehlieb, den Kaiser keiner auf zum Kampfe ruft! Also sie sprachen, machten ihre Sachen; sie legten ihre Hände an die Lende und gingen ab ins kaiserliche Heer. Durchziehen liess sie frei des Kaiser Heer bis zum Gezelt des Waffenwahrers Ali. Als beide hingelangt vor das Gezelte, verschränkten sie vor Ali ihre Arme und beugten sich zur schwarzen Erde nieder. Es fragte sie der Waffenwahrer Ali, was für Erpressung sie gemacht sich schuldig? Anhub der Beg daraufhin zu erzählen, wohl, wie er einen Auftrieb aufgesammelt, hinausgetrieben ihn zum weissen Zara und wie den Auftrieb weiter er verhandelt und sich ins weisse Zara hinbegeben. Erzählt ihm alles, was und wie’s geschehen, wie Erdo Delibaša war erschienen und ihm den einzigen Sohn gehaun zu Stücken, gehaun zu Stücken seine greise Mutter. »Er war gesandt vom Banjaluker Paša den Schätzen wohl zu lieb des Bans von Zara und dessen Schwester Angelinas wegen.« Noch war der Beg begriffen im Berichten als ein Kurier mit einem Schreiben eintraf daher von Stambol, von der weissen Stadt, er bringt des glückbeladnen Kaisers Schreiben und übergab’s dem Waffenwahrer Ali: — Allhier ein Brief, Gewaffenwahrer Ali! Gebar denn keine Mutter einen Kämpen, aufzog denn keine Schwester solchen Bruder, der für den Kaiser auf die Wahlstatt träte? Der Kaiser schenkt ihm eine Burg bei seiner, bei seiner Burg doch besser als die seine, und gibt ihm zum Geschenk drei weisse Städte, am Meere zwei, die dritte an der Donau, und schenkt ihm das Prinzesschen Sultanine und unermesslich ungezählter Schätze! Es sind daher schon einer Woche Tage, dass ein Araber abstieg im Gefilde, im grünen Blachgefilde unter Stambol und der heraus zum Kampf den Kaiser fordert, der Kaiser auf der Wahlstatt ihm erscheine, erscheine oder stelle den Ersatzmann! Getrau sich nicht der Kaiser zu erscheinen, erscheinen oder doch Ersatz zu stellen, eindringen werd in Stambol er zum Kaiser, hinab den Kaiser gar vom Throne schupfen, sich selber setzen in des Kaisers Thronsitz und die Gerechtsam üben in Istambol! Als dies vernahm Herr Ljubović der Beg, da sprach er zum Gewaffenwahrer Ali: — Allhier gebar die Mutter einen Kämpen, der für den Kaiser auf der Wahlstatt auftritt! Nicht gab Gewähr ihm Stefan Majković: — Du, Bruder, darfst es nicht, Beg Ljubović! ich trete für den Kaiser auf die Wahlstatt; denn ich besitze kein getreues Ehlieb, ich hab’ auch weder Vater, weder Mutter! Und beide wiederum zurücke kehrten und kamen hin zur Warte Ljubović’s. Sofort heraus den Braunen Stefan führte und tat sich selber und den Braunen rüsten und sprach sodann zum Beg mit leiser Stimme: — Sei mir versöhnt, mein teuerster Gebieter, der du mich junges Blut hast grossgezogen! Und schwang hinauf sich auf den dicken Braunen. — Von Burg zu Burg Herr Stefan fürbass zog, bis er hinab zur Stambolstadt gelangte ins grüne Blachfeld unterhalb Istambol. Stand ein Gezelt schon im Gefild geschlagen, sass unter dem Gezelt ein Schwarzaraber, tat unter dem Gezelt am Wein sich laben, sein Wüstenross gestutzt war angebunden. Zu ihm den Braunen Stefan nahe jagte. Zurief er dem Araber: »Gott zu Hilfe!« Ihm der Araber freundlich: »Gott zu Hilfe!« — Steig ab vom Rosse, Kaisers Kampfvertreter, dass wir uns satt am kalten Weine laben, austragen wollen wir hernach den Kampf! — Von hinnen pack dich, Schwarzaraberlümmel! Ich trinke weder Wein noch trink ich Branntwein! Besteig mal dein gestutztes Wüstenross, damit den Zweikampf wir zum Austrag bringen! Aufsprang vom Boden hurtig der Araber und schwang sich aufs gestutzte Wüstenross. Zu Stefan Majković das Wort er sprach: — Ei, nimm den Anlauf, Kaisers Kampfvertreter! Darauf zu dem Araber Stefan sprach: — Troll dich von hinnen Schwarzaraberlümmel! Dein ist die Fordrung, dein ist auch der Anlauf! Als sich durchschaut der Schwarzaraber sah, gedacht er Stefan hinters Licht zu führen und zog heraus den Säbel aus dem Gürtel, um Stefan abzusäbeln flugs das Haupt. Gewärtig war Herr Stefan Majković, er pflanzt ihm einen Faustschlag in den Nacken. So leicht nur war der Schlag, dass der Araber flugs vom gestutzten Wüstenross hinabsank; ein schwarzer Blutstrom ganz ihn überquoll, er rührt sich nicht, noch atmet seine Seele. Hinzu zu ihm die Schläuche Stefan schleppte und goss den Wein hinein in den Araber bis halbwegs von ihm wieder wich die Ohnmacht. — Nur auf, Araber, das war bloss Genecke! Besteig nur dein gestutztes Wüstenross, damit wir doch den Kampf zum Austrag bringen! Gleich schwang sich der Araber auf den Stutzling und ritt dahin durchs grüne Blachgefilde, in Händen trägt die Lanze der Araber. Indess zum Standort der Araber kam blieb Stefan seiner harrend auf dem Flecke; der schwingt die Lanze, schwingt den rechten Arm. Wie da geflogen aus der Hand die Lanze, er träfe eine Schlange grad ins Auge, wie leicht nicht einen Kämpen in die Stirne! Das war ein guter Schimmel unter Stefan, denn jede Art von Strauss war ihm vertraut; der Schimmel sank auf seine Vorderfüsse, ob ihren Häuptern flog hinweg die Lanze. Die Hand ausstreckte Stefan Majković, fing ab die Lanze mit der freien Hand, zerbrach sie knacks zu zweien, dreien Stücken und schleuderte ins Gras hinweg die Trümmer. Inzwischen flog herbei der Schwarzaraber: — Du Hure, du des Kaisers Kampfvertreter! Was hast du mitgebracht für lahmen Klepper, der heute mich beschummelt auf der Wahlstatt! Steh still, du Hur’, bis ich von neuem losleg’! Darauf zu dem Araber Stefan spricht: — Geh, du Araber, kau nicht lauter Unflat: »Wir machen’s einmal und zum zweiten Male!« Davon auf seinem Braunen jagte Stefan, blieb stehen seiner harrend der Araber. Der Braune läuft, soweit es ihm beliebt. Wie nun zurück zum Standort Stefan kam, da war nicht mehr am Flecke der Araber, entwichen war durchs Feld ihm der Araber, Aneiferte ihm nach den Braunen Stefan und jagte weit dahin den Schwarzaraber. Der Braune schneller als die Stute war, weil wer aufs Weib vertraut, auf Wolken baut, und holte ein ’s gestutzte Wüstenross. Den nackten Säbel schwang er in den Händen und hieb dahin ihm fliegend ab das Haupt! Dann schwang er sich herab vom dicken Braunen und nahm an sich das Haupt von dem Araber und trug es fort zum Kaiser hin nach Stambol, trug’s in den Reichpalast hinein zum Kaiser. Je näher er das Haupt zum Kaiser rückt, um soviel weiter sich der Kaiser drückt, bis er den Kaiser an die Wand getrieben. Zu ihm der Kaiser von Istambol spricht: — Von wannen bist du junger Grenzlandritter? — Ich bin ein Kämpe wohl vom Herzoglande von der Narenta und von Nevesinje! — Und wie benamst du dich mit deinem Namen? — Dem Namen nach die Begen Ljubović. — Hinweg von mir schaff das Araberhaupt! Bei heilem Leib mich Schüttelfrost erfasste, indem ich schaute des Arabers Haupt! So heisch denn Sohn, was immer dir behagt! — O Sultan, Kaiser, Sonnenglanz und Glimmen! ich heische weder ungezählte Schätze, noch heisch ich Burggehöfte nah den deinen, noch heisch ich von dir drei der weissen Städte, am Meere zwei, die dritte an der Donau, auch heisch ich nicht dein Sultanin-Prinzesschen! Vielmehr ich bitt dich, teuerster Gebieter, bewillig du mir Freiheit und Gewähren, gewähr fürs Hochgericht mir einen Ferman, dass ich nach Banjaluka-Stadt zurückkehr und töten darf den Banjaluker Paša! Annoch gewähr mir in dem Herzoglande, in dem Narentaland und Nevesinje, allda gewähr mir Reiterlehengüter mit voller und mit Schiedgerichtbarkeit! Das kam dem Kaiser überaus willkommen, und schrieb ihm fertig einen feinen Ferman. Von dannen Stefan zog von Stadt Istambol. In Banjaluka Stefan Einkehr hielt und fing allhier lebendig ein den Paša. Dann auch lebendig schund er ab den Paša und pflanzte ihn zuletzt auf einen Pfahl. Ums Leben bracht er seine beiden Söhne, von schlimmer Zucht, dass keine Frucht verbleibe! Abzog zur Burg von Nevesinje Stefan und nahm mit sich den kaiserlichen Ferman.