Part 32
In Krankheit fiel der Sultan Suleimân in seiner weissen Herrscherstadt Istambol auf seinem Throne wohl in seinem Reiche am dritten Tag des Monats Rāmazân, wohl auf dem Schosse Ibrahîms des Sohnes. Er kränkelte den ganzen Rāmazân. Am Abend vor des Bajramfestes Anbruch, da sprach zu ihm der Sultan Ibrahîm: — »O hör’, mein Vater Sultan Suleimân! du kränkelst nun den ganzen Rāmazân; heut abends vor des Bajramfestes Anbruch, was meinst du nun, wirst du die Krankheit meistern? wie? oder meinst du, dass der Tod dir naht?« Darauf bemerkt ihm Sultan Suleimân: — »Mein lieber Sohn, o Sultan Ibrahîm! bei Gott, die Krankheit übersteh’ ich nimmer, im Augenblicke werd’ ich dir versterben!« Da spricht zu ihm der Sultan Ibrahîm: — »O liebster Vater, Sultan Suleiman! was schafft dir soviel Leid in deinem Sterben? hat Leid dein Herz um diesen Ort des Heiles? tut leid dir deine ganze Kaiserherrschaft? tut leid dir um die Lalen und Ridžalen, um deine Stellvertreter, die Veziere? leicht um die neun erwählten Sultaninnen? leicht gar um mich den Sohn, den zarten Jüngling?« Da sagt zu ihm der Sultan Suleimân: — »O du mein Sohn, o Sultan Ibrahîm! ich trag kein Leid um diesen Ort des Heiles, und kenn’ kein Leid um meine Kaiserherrschaft und hab’ kein Leid um Lalen und Ridžalen, noch um Veziere, meine Stellvertreter, noch um die neun erwählten Sultaninnen, auch nicht um dich, mein Sohn, den zarten Jüngling! Doch mir, o Sohn, am meisten liegt am Herzen: drei beste Städte sind zurückgeblieben in Kafirhänden, aber nicht in meinen; die eine Erlau und die and’re Ofen, dazu Seméndra tieferwärts von Belgrad. — Auch tut’s mir leid um Köprülü den Edlen! Das war ein alter Diener seines Herrn! Verräter hatten ihn bei mir verleumdet, ich hab’ ihn dann geschickt in die Verbannung weit übers Meer an hundert Lagerrasten; zwölf Jahre sind seit damals schon verflossen, und darum werd’ ich nun zu früh versterben! Doch horch der Rede, Ibrahîm, mein Sohn! Sobald ich hier auf deinem Schoss’ entschlumm’re, erscheinen hier die Hodžen und die Hadži, die Mollah auch, es sammeln sich die Kadi; ausstatten wird man mich, o Söhnchen Ibro, forttragen wird man mich, o Sohn, zum Grabmal, zum Denkmal auf dem Grab des heiligen Ali, zum Inschriftstein der heiligen Fatîm, und dort, mein Sohn, dort wird man mich begraben, und auch ein Grabmal wird man auf mich setzen. Du aber flieh davon von meinem Grabmal! — Und wie du kommst zum Thron und Reichpalaste verschliess dich in den festen Käfig, Sohn! Bald kommen nach die Hodžen und die Hadži und rufen dich, — du öffne ihnen nicht! Dann kommen nach die Mollah und die Kadi und rufen dich, — du öffne ihnen nicht! Dann kommen nach die Lalen und Ridžalen und rufen dich, — du öffne ihnen nicht! Dann, Sohn, dann kommen alle die Veziere, die hier mir Dienst geleistet in Istambol, und rufen dich, — du öffne ihnen nicht! Letzt kommen auch die Janičarenbaschen; und rufen dich die Janičarenbaschen: »O Sultan Ibrahîm, Prophetensprössling! Magst du selbst uns die Türe nicht eröffnen?« Dann endlich riegle auf des Käfigs Türe; dich nehmen drauf die Janičarenbaschen und hüllen dich in des Propheten Mantel, und stülpen dir aufs Haupt die goldene Mütze und setzen dich auf meinen Platz hinauf! Traun! sie erheben dich zum neuen Kaiser! Es werden alle Lalen und Ridžalen und die Veziere und die Stellvertreter, geführt vom Siegelhüter, hier erscheinen, an seiner Seite Pascha Seïdi. Das wird wohl gut drei weisse Tage währen, und Wunder nimmt’s die Lalen und Ridžalen, was wohl der neue Kaiser wird verordnen, was für Erlässe er nun wird verkünden. Aufjammernd wird der Siegelhüter fragen: — »O Gnade, Kaiser, o Prophetensprössling! was spannst du uns drei weisse Tag’ auf Folter! gewähr uns hier Bescheid nach Lust und Liebe!« Dann, Kaiser, sprich mit leiser Stimme also: »Wer unter Euch ist Köprülü der Vezier?« Zur Antwort gibt dir wohl der Siegelhüter: »Hier weilt dir nicht Herr Köprülü der Vezier; der Vezier ist schon hochbetagt bei Jahren, der Vezier weilt auf seinem Meierhofe.« Darauf entgegne du dem Siegelhüter: »Den Vezier her, sonst hau’ ich dir das Haupt ab!« Der Siegelhüter wird darob erschrecken, er wird betroffen, fassunglos verstummen; nun wird dir sagen Pascha Seïdi: — »O Gnade, Kaiser, o Prophetensprössling! o weh, dein Vater selbst hat ihn verbannt, ach! über’s Meer an hundert Lagerrasten; zwölf Jahre sind seitdem schon hingeflossen. Gewähr uns einen Ferman mit dem Namen, gewähr uns auch die Frist von vierzig Tagen, wir schaffen dir den Vezier her zur Stelle!« O Sohn, erteil den Ferman mit dem Namen, sie werden dir den Hodža her verschaffen. Und wann dir anlangt Köprülü der Vezier, sprich so zu ihm, mein Söhnchen Ibrahim: »O alter Lala meines teuren Vaters! mein Vater tauschte diese Welt mit jener, doch liess bei mir er einen Gruss für dich. Gehört mir auch das ganze Kaiserreich, ist die Verwaltung, Köprülü, doch dein! Lass Erlau uns erobern und auch Ofen, dazu Seméndra tieferwärts von Belgrad! erfüllen wir des Vaters Wunsch und Willen!« Da tauschte früh er diese Welt mit jener. O weh! so sprach der Sultan Suleimân; o weh! er starb auf seines Sohnes Schosse, und jammernd schluchzte Sultan Ibrahim. Es sammeln sich sie Hodžen und die Hadži, es kommen an die Mollah und die Kadi, sie statten aus den wackersten der Kaiser und tragen fort den Kaiser hin zum Grabmal, ja wohl, zum Grabmal hin des heiligen Ali, zum Säulenstein der heiligen Fatim. Sie bargen Sultan Suleimân ins Grab und stellten über ihm ein Grabmal auf. Da floh davon der Sultan Ibrahim und schloss sich ein in seinem festen Käfig. Nun kommen her die Hodžen und die Hadži, und rufen ihn, er soll die Tür eröffnen, doch mag er ihnen nicht die Tür eröffnen. Dann rufen ihn die Mollah und die Kadi, eröffnen mag er ihnen nicht die Tür. Drauf rufen ihn die Lalen und Ridžalen, selbst ihnen riegelt er nicht auf die Tür. Es nah’n die Stellvertreter, die Veziere, eröffnen mag er ihnen nicht die Tür. Letzt rufen ihn die Janičarenbaschen: — »O Sultan Ibrahim, Prophetensprössling! magst du selbst uns die Türe nicht eröffnen?« Nun schloss sich auf der Sultan Ibrahim; es nahmen ihn die Janičarenbaschen, und hüllten ihn in des Propheten Mantel und stülpten auf sein Haupt die gold’ne Mütze und trugen ihn zum Thron und Reichpalaste und setzten ihn wohl auf den Kaiserstuhl, und, traun, erhoben ihn zum neuen Kaiser! Zum Divan nah’n die Lalen und Ridžalen und die Veziere, seine Stellvertreter, an ihrer Spitze steht der Siegelhüter, an seiner Seite Pascha Seïdi. So harrten sie vor ihm drei weisse Tage, und bald geraten sie in mächtig Wundern: »Was wird der neue Kaiser uns verordnen! was für Erlässe wird er uns verkünden?« Aufjammernd sprach zuletzt der Siegelhüter: — »O gib Bescheid uns, Kaiser von Istambol!« Nun sprach das Wort der Sultan Ibrahim: — »Wer ist mir hier Herr Köprülü der Vezier?« Darauf entgegnet ihm der Siegelhüter: — »Fürwahr, der Vezier ist schon sehr gealtert, er weilt auf seinem grossen Meierhofe!« Darauf zu ihm der Sultan Ibrahîm: — »Den Vezier her, sonst hau’ ich dir das Haupt ab!« Vor Furcht erbebend steht der Siegelhüter und schweigt beklommen, spricht kein einzig Wörtchen. Da nahm das Wort der Pascha Seïdi: — »O Gnade, Kaiser, o Prophetensprössling! Dein Vater schickte fort ihn in Verbannung, weit übers Meer an hundert Lagerrasten, zwölf Jahre sind seitdem schon hingeflossen. Gewähr uns einen Ferman mit dem Namen, gewähr uns eine Frist von vierzig Tagen, wir schaffen dir den Vezier her zur Stelle; dann sitzst du da, dein Vezier steht vor dir!« Der Kaiser gab den Ferman mit dem Namen und liess auch eine Frist von vierzig Tagen. Es nahm der Pascha Seïdi den Ferman, nach allerwärts zerstiebt sodann der Divan. Schnellfüssig rennt der Pascha Seïdi, er rennt in das Tatarenheim des Kaisers und fragt nach Idris, nach dem Hof-Tataren, dem allerflinksten Hofkurier des Kaisers. Drauf gibt er ihm den Ferman mit dem Namen, und küsst und herzt ihn ab auf beide Wangen: — »O Idris, sei durch Gott mir wahlverbrüdert! renn schleunigst, such mir auf den Köprülü und führ ihn vor den Kaiser, Heil mit ihm! Du hast, o Sohn, die Frist von vierzig Tagen!« Da hing sich Idris um die Reisetasche, verbarg den Ferman wohl in seiner Tasche und schwang im Nu sich auf das schnelle Ross. Ei, rennt da hurtig der Tatar des Kaisers und kommt gerannt zur dicken Flut des Meeres, am Meergestade steigt er ab vom Rosse. Ein schnelles Ruderschiff empfing ihn allda, drin liess sich der Tatar des Kaisers nieder und schlug mit Händen auf den jungen Schiffer: — »Fahr rascher zu, sonst hau’ ich dir das Haupt ab!« Ei, schnell durchfurcht das Schiff des Meeres Wellen! Sobald als er das dicke Meer verlassen und auf der trocknen Erde Fuss gefasst, so schwang er sich aufs vorbereitet Rösslein und jagte hin dem kalten Meer entlang. Frühzeitig war’s, noch vor der lieben Sonne, als seine dunklen Augen dort erschauten, als sie am Strand des kühlen Meers gewahrten wohl einen hochbetagten, alten Herrn; der Bart so weiss und silbergrau das Haupt und seinen Körper schmückt ein grüner Rock; er schürzt auf seinen Armen auf die Ärmel, um just die türkische Waschung vorzunehmen. Da rief ihm der Tatar den türkischen Gruss zu. Der Greis bedankte sich mit Gegengruss und Tränen perlten über seinen Bart, so wie von Tannenzweigen Regentropfen. Darob sich wundert der Tatar des Kaisers und hält im Lauf sein schnelles Rösslein an: — »Ehrwürdiger Greis, so lieb dir beide Welten, warum soviel vergiesst du grause Tränen?« Aufjammernd gab zur Antwort ihm der Greis: — »Ach weh! wie sollt’ ich keine denn vergiessen! zwölf Jahre sind schon wohl dahingeflossen, dass keinen Sultanboten ich erschaut, noch einen Sultanferman an dem Boten! Wie viele hab’ ich selber ausgefertigt am Hof des Kaisers Sultan Suleimâns! Doch sprich, wie weit bemühst du dich, mein Sohn, und trägst den Ferman, jagst die schnellen Pferde?« Da spricht der Mann: »Ich such’ den Köprülü!« Darauf bemerkt der Greis mit leiser Stimme: — »Der Vezier Köprülü, der bin ich selber!« Vom Rosse schwang sich der Tatar des Kaisers und zog heraus den kaiserlichen Ferman und übergab ihn Vezier Köprülü. Der Vezier küsste gleich dreimal den Ferman und liess ihn nieder auf den grünen Rasen. Dann nahm er vor mit sich die türkische Waschung. Sonach entfaltet er des Kaisers Ferman und liest ihn und vergiesst darüber Tränen. Der Ferman mit dem Namen sagt ihm nämlich: »O Köprülü, du kaiserlicher Kämpe, komm schnellstens nach Istambol in die Stadt!« Es sprang sofort der Vezier auf die Beine und ging zum Schiff hinab mit dem Tataren; sie setzten sich ins schnelle Schiff hinein. Der Schiffer gab dem Schiff den schnellsten Lauf. Sie schifften glücklich übers dicke Meer, und als sie auf das trockne Land gelangten, so schwangen sie sich auf die feisten Pferde. Es rennt viel schneller der Tatar des Kaisers, es rennt ihm nach der Vezier Köprülü, er rennt und rennt und schreit auf den Tataren: — »Gemach, gemach, o Idris Hof-Tatare! o meine Knochen sind im Leib zerbrochen, und meine Kleidung ist mir auch zerschlissen, den Dienst versagen mir auch meine Hände, und beide Füsse sind mir abgefallen, ich kann mich nicht behaupten mehr, o Sohn!« Darauf entgegnet der Tatar des Kaisers: — »Ach tummle dich, o Herr, so Gott dir lieb ist! wofern mir vierzig Tage Frist verstreichen und du in Stambol in der Stadt nicht anlangst, so fliegt von meinem Leib das Haupt herab!« Drauf sagt zu ihm der Vezier Köprülü: — »Sei ohne Furcht, o Idris Hof-Tatare, solange mit dir der Vezier Köprülü: o Tropf, dich säbelt nicht der Kaiser nieder, o junger Freund Tatar, schon mir zu Liebe, und bliebst du aus auch volle hundert Tage!« So sprachen sie und ritten ihre Rosse, bis sie nach Stambol in die Stadt gelangten. Sobald der Vezier vor den Kaiser hinkam, so flog er zu des Kaisers Rockschoss hin, der Kaiser aber fing ihn bei der Hand: — »Halt ein, steh aufrecht, mein getreuer Diener, du brauchst dich meinem Kleide nicht zu nahen! Mein Vater, als er diese Welt vertauschte, da liess er einen Gruss bei mir für dich. Wohl mein ist insgesamt das Kaiserreich, doch dein ist die Verwaltung in Istambol! Erobern müssen Erlau wir und Ofen, dazu Seméndra tieferwärts von Belgrad! »O Jammer, Herr, drei kaiserliche Städte, und alle drei in Kafirhand verblieben! Drauf tauschte früh er diese Welt mit jener. Lass uns des Kaisers Städte drei erobern, erfüllen wir’s aus Liebe für den Toten!« Der Kaiser zieht heraus das Kaisersiegel, reicht dar das Siegel Köprülü dem Vezier, dass ihm der Vezier Siegelhüter sei. Es schlägt das Siegel aus Herr Köprülü; denn schon dreimal besass er’s Kaisersiegel, und hatt’ es auch dreimal zurückgestellt. — »Halt ein, halt ein, o liebster Padischah! es hält nicht leicht den Blick auf dich zu werfen, geschweige denn mit dir zu unterreden, doch heute gilt’s ein männlich Wort zu reden. O Padischah! dein Siegel nehm’ ich nimmer, und nimmer mag ich etwas dir verwalten, wofern du meinen Willen nicht erfüllst, den ich, o Kaiser, dir nun sagen werde!« Darauf zu ihm der Sultan Ibrahîm: — »O sag’s heraus, mein Vezier Köprülü, nur frisch heraus, was dir am Herzen liegt!« Da spricht zu ihm Herr Köprülü der Vezier: — »Willst du Genehmigung mir hier gewähren, und was du sagst, auch nimmer widerrufen?« — »So sei’s, bei Gott, o Vezier Köprülü, der Kaiser spricht’s, — dem Kaiser ziemt nicht Lüge!« Da hub der Vezier also an zu sprechen: — »Gewähr mir freie Hand auf vierzig Tage, was ich auch tu, dass du’s mir nicht verkürzest!« Er gab ihm freie Hand auf vierzig Tage, er möge tun, was immer ihm behage. Nun kehrt zurück der Vezier Köprülü und ruft herbei den Pascha Seïdi: — »Wohlan, so führ’ mir her der Rufer vier!« Es kamen hin sogleich der Rufer vier. Da sagte laut Herr Köprülü zu ihnen: — »Vier Herolde, so horcht auf meine Worte: zieht aus und ruft durch Stambol durch die Stadt: »Soviel es immer gibt zu Stambol Lalen, soviel als Lalen und soviel Ridžalen, dazu Veziere Kaiserstellvertreter, vor allen doch der alte Achmedaga, das Oberhaupt von allen den Vezieren, das Alterhaupt von allen den Ridžalen, der höher steht denn alle andren Lalen, — in die Moschee des Kaisers, in die alte, in die Moschee, die alte, sollt Ihr kommen! Es traf der Kaiser solcher Art Verfügung; denn einen Kriegzug will der Kaiser führen, hier muss er Gold verteilen unter Euch!« Vier Herolde nun liefen fort behende, drei weisse Tage lang erscholl ihr Rufen, sie kamen dann zum Vezier Köprülü: — »O Köprülü, du alter Kaiserdiener, in der Moschee, der alten, sind sie alle!« Da sprang er auf, der Vezier Köprülü, und rief zusammen dreissig Henkerknechte und obenan den Henkerpascha Ibro. Zu ihm nun sprach der Vezier Köprülü: — »O Henkeroberhaupt von dreissig Henkern, so lass uns gehn zu der Moschee, der alten; wir bleiben stehn vor der Moschee, der alten; wer auch drin weilt in der Moschee, der alten; und heil aus der Moschee herauskommt, Ibro, und heil sein Haupt auf seinen Schultern fortträgt, dann wird dein Haupt dir abgesäbelt, Ibro! Drum übergeh in Schonung niemands Haupt!« Sie steigen zur Moschee, zur alten, nieder. Aufstellung nahmen dort die dreissig Henker, an ihrer Spitze Henkerbascha Ibro, und ihm zur Seite Vezier Köprülü. Zur Türe sandten sie nun einen Herold, der Herold rief vor der Moschee, der alten: — »O kommt heraus aus der Moschee, der alten! Der Kaiser ruft euch aufs Gestade tauig!« Es drängten sich die Lalen und Ridžalen und die Veziere, Kaiserstellvertreter; Trat wer heraus aus der Moschee, der alten, flugs stand nicht mehr sein Haupt auf seinen Schultern. Verlassen hatten alle die Moschee, nur einer fehlt, der Lala Achmedaga, der Obristlala aller der Ridžalen, das Alterhaupt von allen den Vezieren. Da schrie laut auf der Vezier Köprülü: — »So geh hinein denn, Henkerbascha Ibro, geh mal hinein in die Moschee, die alte, heraus mir führ den Lala Achmedaga!« Man hört den Lala Achmedaga wimmern: — »O Henkerhauptmann, sei durch Gott mein Sohn! o raub mir von den Schultern nicht das Haupt, dann geh ich schon vor die Moschee, die alte!« Darauf entgegnet Henkerhauptmann Ibro: — »Geh frohen Muts, o alter Achmedaga!« Es schlich heraus der alte Achmedaga, sein Bart ist weiss und silbergrau sein Haupt, kein Zahn ist mehr in seinem Mund vorhanden, auf seinem Kopf ein alter weisser Turban. Den Säbel schwang der Henkerbascha Ibro, er schwang den Säbel, schlug ihm ab das Haupt; es fiel sein Haupt ins grüne Gras hinab und von dem Haupte fiel herab der Turban. Am Haupte sieh! die Kreuze und Marien, Dazu am Haupte Kreuze in Gevierten! Dem Vezier Köprülü entstürzten Tränen und Achmeds Haupt vom Boden hob er auf: — »Gedankt sei Gott, der heutige Tag gepriesen, ich sah das Haupt des alten Achmedaga! Der da, der hat gemacht mich zum Verbannten, durch Ränke bei dem Sultan Suleimân, — weit übers Meer an hundert Lagerrasten, — zwölf Jahre sind seitdem schon hingeflossen! Der Sultan Suleimân, der ist verschieden, und hinterblieben Sultan Ibrahîm. Der Sultan Ibrahîm, der liess mich kommen; ich werde seinem Vater Dienste leisten, dem Toten werd’ ich eine Lieb’ erweisen!« Dann lief er hin zum wackersten der Kaiser, das tote Haupt, das trug er in den Händen und warf es hin vor Sultan Ibrahîm; es kollerte ganz nah zum Knie des Kaisers: — »Hier, Kaiser, schau dir deinen Erzverräter! das, Kaiser, ist dir mein geschworner Feind! Der wehrt dich ab von Erlau und von Ofen und von Seméndra tieferwärts von Belgrad! Er war’s, der mich geschickt in die Verbannung. So wollt’ es Gott, er musst’ sein Haupt verlieren! Nun werd’ ich dir mit meinem Rate dienen und deinem Vater eine Lieb’ erweisen. Schreib, Kaiser, einen Ferman mit dem Namen!« Da schrieb der Kaiser einen Namenferman. Noch spricht zu ihm der Vezier Köprülü: — »O send ihn ab ins lehmige Land der Bosna nach Sarajevo in die weisse Stadt, zu Handen Rustanbegs des Glaubenstreiters, ausheb er Mann und Ross im Bosnaland! Und leg’s in deinem Ferman ihm ans Herz, den einzigen Sohn der Mutter nicht zu nehmen, ins kaiserliche Heer ihn nicht zu pressen; auch jenen, der sich kürzlich erst beweibt, er soll auch solchen Mann in Ruh’ belassen; denn jammerklagend weinen sonst die Mütter, und junge Edelfraun verbleiben weinend und fluchen dir, o Sultan Ibrahîm und jenem Mann, der solches angeordnet; du hast’s befohlen, angeordnet ich. Ein schlimmer Segen könnte heim uns suchen! Er soll das ganze Bosnaland erheben, von jedem Dorf je zwei bewehrte Mannen, von jedem Markt je sieben reisige Kämpen. Dann soll das machtgewaltige Heer, o Kaiser, ausziehn, o Sultan, unter Temešvar, dort wo die Save in die Donau mündet und unterhalb der weissen Stadt von Ofen; vor allem wollen Ofen wir erobern. Jetzt aber schreib noch einen andren Ferman, und lass ihn abgehn in das Land des Herzogs zu Handen Ljubovićs des edlen Begs. Er soll das ganze Herzogland erheben, nur nehm er nicht den einzigen Sohn der Mutter, noch jenen, der sich kürzlich erst beweibt; sonst jammern alte Mütter ach und wehe, und junge Frauen brechen aus in Tränen und fluchen dir, dem Kaiser von Istambol, und jenem Mann, der solches angeordnet; von dir ist der Befehl, von mir die Weisung; ein schlimmer Segen könnte heim uns suchen! Wann er das ganze Herzogland erhebt, von jedem Dorfe nehm er je zwei Mannen, von jedem Markt je sieben reisige Kämpen.« Der Kaiser machte nun den Ferman fertig. Da nahm das Wort der Vezier Köprülü! — »Geduld ein wenig, Sultan Ibrahim! bis ich die zwei Fermane abgesendet, den einen gradenwegs ins lehmige Bosna nach Sarajevo in die weisse Stadt, den andren aber in das Herzogland.« Es eilt in das Tatarenheim des Kaisers der Vezier, rüstet junge zwei Tataren und sendet ab des Kaisers zwei Fermane. Es zogen fort die schnellen zwei Fermane. Der eine stieg hinab nach Stadt Sarajvo zu Handen Rustanbegs des Glaubenstreiters. Er schreibt das Aufgebot ins Bosna-Kotland, doch heischt er nicht nach dem Geheiss des Fermans von jedem Dorf nur je zwei reisige Mannen, von jedem Markt je sieben reisige Kämpen; er heischt vielmehr nach eigenem Behagen, von jedem Dorf je sieben reisige Mannen, dazu von jedem Markt je sieben Fähnlein. Auch bot er auf den einzigen Sohn der Mutter und auch den Mann, der jüngst sich erst beweibt. Der zweite stieg hinab ins Land des Herzogs. Es bietet auf das Heer Beg Ljubović und hält sich auch nicht ans Geheiss des Fermans; er schreibt vielmehr nach eigenem Belieben und heischt vom Dorf je sieben reisige Mannen, dazu von jedem Markt je sieben Fähnlein. So bot er auf den einzigen Sohn der Mutter und auch den Mann, der kürzlich sich beweibt. Dann sprach das Wort der Vezier Köprülü: — »O hör mich, Kaiser, hör mich Padischah, an! im Bosnaland, ist immerdar ein Notstand und die Bošnjaken sind bedürftige Helden. Ach, tätst du, Kaiser, meinen Rat befolgen, entsenden Geld für sie zur Reisezehrung, dass jeder folgen könnt im Heereszuge!« Gleich macht der Kaiser bares Geld bereit, Maultiere lässt er, Freund, damit beladen und schickt sie in die Stadt nach Sarajevo gerad zu Rustanbeg, dem Glaubenstreiter, dass jeden Helden er damit beteile, damit ein jeder folgen kann dem Heerbann. Es zogen fort aus Stambol aus der Stadt nach Sarajevo all’ die Maultierlasten. An einem Freitag war’s. Der Glaubenstreiter Beg Rustan war in der Moschee und eben verliess nach dem Gebet er die Moschee, als zur Moschee die Maultierlasten kamen. Am ersten hängt die Meldung, fein geschrieben. Was mag ihm wohl die feine Meldung sagen? Ein Maultier schnaubt das andre Maultier an; wie’s erste vor die Hauptmoschee gelangte, am End der Čemaluša stand das letzte. Es trieb sie fort der Glaubenstreiter Rustan; dort auf dem Abhang lud er ab die Schätze und teilte auf dem Abhang aus die Schätze, beteiligte den letzten gleich dem besten, doch jeden recht, als wie den eig’nen Bruder. Dann sprach das Wort der Vezier Köprülü: — »So lass das Heer uns aus Istambol schicken!« Fort zog das Heer aus Stambol aus der Stadt und liess sich nieder unter Temešvar, dort wo die Save in die Donau mündet. Wohl unterhalb der weissen Stadt von Ofen, dort lagerte das Heer zwei volle Monde. Bald kam auch Rustanbeg der Glaubenstreiter und brachte mit das ganze wüste Bosna. Dann harrten sie wohl einen vollen Monat, bis Ljubović der Beg hinzugestossen und hingebracht das ganze Herzogland. Sie flochten für den Kampf die Schutzgeflechte und pflanzten auf die Räder Feldkartaunen und schlugen ein das Ziel zum weissen Ofen. Vier Monde lang sie Ofen bombardierten über die Save und den Donaustrom und waren nicht im Stand, der Stadt zu schaden, nicht Kalk, nicht Stein der Mauer abzuschlagen, geschweige denn den Mauerwall zu brechen, und wissen gar nicht, wo das Festungtor. Da sprach Herr Rustanbeg, der Glaubenstreiter: — »So lasst uns eine Weile hier verweilen und lasst uns einen Meldungbrief entsenden nach Stambol in die weissgetünchte Stadt zu unsres Kaisers glückumstrahlten Throne, zu Handen unsres Sultans Ibrahîm und seines Grossveziers, des Köprülü!« Sie folgten Rustanbeg, dem Glaubenstreiter, und stellten ein der Kriegkanonen Donnern. Der Beg verfasst den feinen Meldungbrief und ruft herbei den flinksten der Tataren: — »Aufs Pferd hinauf, da nimm den Meldungbrief und trag ihn fort nach Stambol in die Stadt zum glückumstrahlten kaiserlichen Throne! Und irr’ dich etwa nicht, mein guter Junge, und überreich’ ihn keinem andren Manne als nur allein dem Kaiser in Istambol, falls nicht zur Hand der Vezier Köprülü; du wirst schon sehen, was das Briefchen sagt.« Aufs Ross sich schwang der schnelle Feldtatar und nahm den feinen Meldungbrief entgegen und floh davon aus Temešvars Gemarkung. Er jagt den Schlachtenzelter wild und wütig und jagt mit ihm nach Stambol in die Stadt zum glückumstrahlten kaiserlichen Throne. Er steigt vom Pferd herab und nimmt den Brief, rennt grad zum Throne hin und Reichpalaste, wo Sultan Ibrahîm im Glanze thront. Bemerkt hat ihn der Vezier Köprülü, der eben in des Kaisers Nähe weilte; der Vezier sprang vom Polster auf die Beine und hielt des Kaisers Feldtataren auf: — »So wart, Tatar, du sollst den Kopf verlieren, bis ich den wackren Kaiser erst befragt, ob’s dir gestattet wird, vor ihn zu treten! Es wär’ doch schad, du stürbst so jung an Jahren!« Da blieb der Feldtatar des Kaisers stehen. Dann fragt ihn noch Herr Köprülü der Vezier: — »Woher des Wegs? aus welchem Orte bist du?« Und der Tatar der stand ihm Red’ und Antwort: — »Aus weiter Ferne, unter Temešvar, allwo die Save in die Donau mündet, allwo des Kaisers ganzes Heer gelagert und obenan der Glaubenstreiter Rustan. Ich bring da einen feinen Meldungbrief.« Drauf sprach das Wort Herr Köprülü der Vezier: — »Gib her den feinen Meldungbrief, Tatare!« Doch spricht zu ihm der schlanke Feldtatare: — »Mir aus dem Weg, du kaiserlicher Schranze! dir geb ich nicht den feinen Meldungbrief, dem Kaiser nur allein zu eignen Handen; wo nicht, nur einem sichern Köprülü!« Es lachte satt sich Vezier Köprülü, nahm an der weissen Hand den Feldtataren und führt’ ihn vor den wackren Kaiser hin. Da nimmt den Meldungbrief der Feldtatare und überreicht ihn Sultan Ibrahîm und rennt im Saal zurück zur Eingangtüre. Darauf hub an der Sultan Ibrahîm: — »O Köprülü, o du mein alter Lala! so liess mir vor den feinen Meldungbrief!« Der Vezier Köprülü den Brief betrachtet, an seiner Seite Kaiser Ibrahîm. — »Die Unterschrift: ,Beg Rustan Glaubenstreiter’, er sandte diesen Brief zur Hand des Kaisers. Das, Kaiser, ist ein feiner Meldungbrief! »Du wirst die Stadt von Ofen nie erobern. Gar nichts vermögen wir der Stadt zu schaden, auch wissen wir nicht wo das Stadttor ist, das gen die Save führt und gen die Donau.« — Darauf bemerkt der Vezier Köprülü: — »O hör mich an, du Kaiser von Istambol! nun muss auch ich mich auf die Wander machen, auch du mein Kaiser, musst nun Stambol lassen. Wir müssen wandern hin nach Temešvar damit wir sehn was unser Heer verrichtet, ob wir im stande sind, was auszurichten. Wir müssen, Kaiser, Ofen uns erobern, und, Kaiser, einen Liebedienst erweisen, wohl deinem Vater Sultan Suleimân!« Darauf bemerkt der Sultan Ibrahîm: — »Wie’s immer dir beliebt so handle, Vezier! hab’ ich’s dir nicht schon lang vordem gesagt: das Kaiserreich ist mein, o guter Freund, doch die Verwaltung Vezier Köprülüs! dass Erlau wir erobern und auch Ofen, dazu Seméndra tieferwärts von Belgrad!« Da sprang der Vezier hurtig auf die Beine und rüstete sich in der Stadt Istambol, an seiner Seite Sultan Ibrahîm. Sie hinterliessen Seïdi, den Pascha, als Stellvertreter eines wackren Kaisers, und zogen fort von Stambol aus der Stadt. So zog des Wegs der Vezier Köprülü und neben ihm der Sultan Ibrahîm. Sie stiegen nieder unter Temešvar, allwo die Save in die Donau mündet, allwo das türkische Heer im Lager stand, an seiner Spitze Rustan, Glaubenstreiter, aus Sarajevo aus der weissen Stadt, als Unterfeldherr Ljubović der Beg, der mitten aus dem Herzoglande stammt. Und Heerschau hält der Kaiser von Istambol; vier Lager bildete die ganze Heermacht. Da stellt die Frage Sultan Ibrahîm: — »O Köprülü, du mein getreuer Diener, aus welchem Land ist jedes einzeln Heer?« Bescheid erteit ihm Köprülü der Vezier. Es spricht zu ihm der Sultan Ibrahîm: — »Aus welchem Land ist jenes mächtige Heer, dess Volk mit Silber und mit Gold beladen, dess Rosse reich mit Goldgeschmeid beladen?« Darauf bemerkt der Vezier Köprülü: — »Das ist das Aufgebot des ebnen Bosna, dort sind allein dir alle die Bošnjaken.« Da sagt ein Wort der Sultan Ibrahîm: — »O Köprülü, du mein getreuer Lala, wohl steht nicht alles so, wie du mir’s darstellst!« Darauf betroffen Köprülü der Vezier: — »Was meinst du Kaiser, sprich, so lieb dir Gott ist!« — »Du schilderst mir das Bosnaland als lehmig und die Bošnjaken als bedürftige Helden; nun schau, die sind mit Goldgeschmeid beladen, und schau die Rosse, silberreich beladen!« Darauf bemerkt der Vezier Köprülü: — »O hör mich, Kaiser, an, was ich nun sage! das ist ein leidiger Brauch im Bosnavolk. Wo einer was besass, er hat’s verschachert und gleich mit Gold und Silber sich behangen und unterm Leib ein Ross sich angeschafft, damit er, wann es gilt, ins Heer zu rücken, wenn’s not tut deine Ehre hoch zu halten, gleich ausgerüstet seinen Mann dir stelle. Stiegst du hinab ins ebne Bosnaland, wo ihre Mütter sie zurückgelassen, der seine Mutter, der die junge Schwester, und mancher, Kaiser, sein getreues Eh’lieb; da sähst du erst wie ihre Häuser ausschaun! Mit Zaunwerk sind sie ringsherum umflochten und obenauf mit Stroh bedeckt ein wenig; da fehlt’s an Kupfer- und an Holzgeschirr, man isst vielmehr aus irdenen Gefässen!« Darauf bemerkt der Sultan Ibrahîm: — »Was fangen wir nun an mit unsrem Leben? wie werden wir die Ofner Stadt erstürmen?« Darauf erwidert Köprülü der Vezier: — »So wart ein wenig, Kaiser von Istambol! Nun sucht er auf zwei junge Heeresrufer, sie rufen aus nach allen Himmelstrichen: — »Wer wird als Held im Heere sich bewähren, wer kann die Donau und die Sau durchschwimmen, um bis zur Ofner Festung hinzukommen, und wo der Festung Tor ist, zu erkunden?« So riefen aus die beiden jungen Rufer; ihr Rufen hallte zwei geschlagne Stunden, doch mochte niemand zum Bescheid sich melden. Da sprach ein Wort Herr Ljubović der Beg, der nach dem Herzoglande sich benennt: — »O Köprülü, o teuerster Gebieter! ich will die Donau und die Sau durchschwimmen und unserm Kaiser einen Dienst erweisen, und kehrt ich nun und nimmermehr zurück!« Schon wirft er ab von seinem Leib die Kleidung. Er stürzt sich in den dicken Savestrom, durchschwimmt die Save, lenkt zur Donau ein. Just war er in des Savestromes Mitte, als ihm ein Ding gar wundersam begegnet: ein seltsam Mädchen sass im Savewasser, die Save abwärts streckt sie ihre Beine, sie hält auf ihrem Schoss ein Stickgestelle, darüber hat sie aufgespannt ein Linnen. Und sie erschaute Ljubović den Beg erschaut ihn wohl und sprach zu ihm das Wort: — »Wohin des Weges, Ljubović, o Beg? hat dich der Kaiser gar geschickt nach Ofen, wohl um das Ofner Burgtor auszukunden? So kehr’ nur um, du sollst den Kopf verlieren! den Savestrom, den kannst du nicht durchschwimmen, den raschen Savestrom, die breite Donau! Kehr ruhig wieder um zum wackren Kaiser, bei ihm verweilt der Vezier Köprülü. Bring meinen Gruss dem Vezier Köprülü; verbringt die liebe Nacht auf freiem Felde und seid gerüstet früh beim Morgenanbruch. Darauf berate Köprülü den Vezier, er soll’s gesamte Kaiserheer erheben, ein jeder nehm’ die türkische Waschung vor, vor allen andern Sultan Ibrahîm und gleich nach ihm der Vezier Köprülü; verrichtet morgens früh die Morgenbeugung. Und nach dem Frühgebet der Morgenbeugung aufs weisse Ofen richtet euren Blick, da werdet Ihr das Ofner Tor erschauen und leichter Müh’ die Ofner Stadt erobern!« Beg Ljubović, der schaut die Maid verwundert, aus Gold die Hände bis zum Ellenbogen, und goldig wallt das Haar herab den Nacken. Im Nu verschwand auch schon das holde Mädchen! Der Beg geriet gar mächtig in Verwundrung, auf was für Wunder er da aufgestossen, und machte Umkehr auf der ebnen Save. Als er herauskam unter Temešvar, was spricht zu ihm der Vezier Köprülü? — »Schon dort gewesen, Ljubović, o Beg? hast gar so schnell die Save durchgeschwommen?« Da nun erzählt der Beg sein Abenteuer, welch wundersam Gebild er angetroffen. So blieb denn hier zu Nacht das Heer gewaltig und war schon auf den Beinen früh am Morgen. Sogleich erhob sich Vezier Köprülü. Das türkische Heer, das nahm die Waschung vor, Allen voran der Sultan Ibrahîm, und gleich nach ihm der Vezier Köprülü, und alle beugten sich zur Morgenandacht. Nachdem die Beugung sie verrichtet hatten, da schaut hinüber Vezier Köprülü und er erschaut das Tor der Ofner Festung, die beiden Flügel angelweit geöffnet! Da ruft nun aus der Vezier Köprülü: — »Dort, Kaiser, schau dir an die Ofner Tore!« Losstürmte nun das allgewaltige Heer und nahm sofort die Ofnerstadt des Kaisers. Drauf setzten sie die Heermacht in Bewegung, zwölf Stunden führt der Weg zum ebnen Erlau. Die Türken stürmten los nunmehr auf Erlau. Bei Gott, das Christenheer empfing sie warm! Allhier entspann sich bald ein blutig Ringen, und sieben Stunden währt das Schlachtgemetzel. Es klang in einem fort der krumme Säbel, die langen Täler füllten sich mit Blut! Als letzt die Türken Erlau eingenommen, da hatten sie auch Leichen viel gelassen! Von hier erhob sich dann das Heer der Türken und stieg hernieder tieferwärts von Belgrad. Sie griffen an die alte Stadt Seméndra, — die Christen hatten sie zuletzt erobert, bevor sie Erlau und auch Ofen hatten, und sie mit bestem Mauerwall umgeben. — Sie wehrten sich von vier bewehrten Seiten, und von Seméndra dröhnen die Kanonen. Daselbst erfuhr das Heer ein wenig Schaden; vier Tage lang auch dauerte das Kämpfen. Hier ward verwundet Ljubović der Beg, Man trug zu Grabe alle Türkenleichen, und auch Seméndra nahmen ein die Türken. Von hier erhob sich dann das Heer der Türken, voraus als Führer Sultan Ibrahîm und hinter ihm der Vezier Köprülü, ihm folgt Herr Rustanbeg der Glaubenstreiter, in gleicher Reih’ mit ihm Beg Ljubović. So stiegen sie hinab zum ebnen Stambol, zum Thron des Kaisers und zum Reichpalast. Daselbst verweilten sie wohl einen Monat, entliessen allwärts hin das Heer der Türken, bezeigten ihre Lieb dem toten Kaiser, dem toten Kaiser Sultan Suleimân. Dann spricht das Wort der Sultan Ibrahîm: — »O Ljubović aus meinem Herzoglande! da nimm das ganze Herzogland entgegen; ich werde nichts von dir an Steuer nehmen, nicht einen weissen Heller noch Denar, nur kurze Zeit hindurch, zwölf volle Jahr!« Darauf zu Rustanbeg, dem Glaubenstreiter: — »O Glaubenhort vom ebnen Sarajevo! zieh’ heimwärts, Ärmster, in die Stadt Sarajvo; du hast ein neues Gotteshaus erbaut, doch ich bezahle, was du ausgegeben. Soviel als in Sarajevo Gotteshäuser, dir sei die Oberaufsicht über jedes, vom Kirchengut der Stadt von Sarajevo, dass keine Steuern du entrichten magst wohl nach Istambol in die weisse Stadt, so lang in Türkenhand das Bosnaland!« Und spricht zu Vezier Köprülü gewendet: — »Ja, Vezier, o du mein getreuer Lala, mit was für Gabe soll ich dich bedenken?« Darauf erwiedert Vezier Köprülü: — »Was willst du, liebster Sultan Ibrahîm?« Darauf entgegnet Sultan Ibrahîm: — »Zieh graden Wegs ins lehmige Bosnaland und in die weissgetünchte Stadt von Travnik, dort sei im Bosnaland mein Landesvogt!« Zum weissen Travnik wandert hin der Vezier, der Glaubenstreiter in die Stadt Sarajevo und heim ins Herzogland Beg Ljubović; in seinem Reichpalast der Kaiser blieb.