Part 3
Nicht minder ausbildungfähig scheint mir die Mundart der slavischen Moslimen zu sein. Selbstverständlich sprechen die gegenwärtigen politischen Verhältnisse gegen die Wahrscheinlichkeit, dass die Mischsprache der slavischen Moslimen je eine Stufe der Vollendung wie das sogenannte Jüdisch-Deutsch erlangen werde. Es wäre im Interesse der Südslaven auch gar nicht wünschenswert, wenn ihrer jungen serbischen Literatur daheim eine so überflüssige und die allgemeine Literaturentwicklung hemmende Konkurrenz grossgezogen würde. [9]
Die Volkepik und Volklyrik mit den übrigen mündlichen Überlieferungen reichten bei der illiteraten Menge vollkommen aus, die Bedürfnisse nach anregender Unterhaltung und Belehrung über die Vergangenheit zu befriedigen. Die Kunstliteratur der moslimischen Slaven in Herceg-Bosna verfolgt aber, mit geringer Ausnahme, der Hauptsache nach paraenetisch-didaktische Zwecke. Ein grosser Teil dieser Literatur besteht aus Wörterbüchern und Sammlungen von Redensarten behufs Erlernung der arabischen und türkischen Sprache.
Die Kunstschriftsteller der moslimischen Slaven scheinen gar keine Kenntnis weder von der älteren noch von der gleichzeitigen südslavischen Literatur gehabt zu haben, sonst hätte der erste bekannte Vertreter dieser Richtung Potur Uskufî (der ungenannte Renegat aus Dolnje Skoplje) in dem Einleitungpoem zu seiner Liedersammlung im Jahre 1630 die unrichtige Behauptung wohl nicht ausgesprochen:
Zwar schrieb schon mancher manches schöne Wort Gleich Edelsteinen alle, schmuckster Sorte; Allein auf Bosnisch ward noch nichts geschrieben; Prosa wie Dichtung sind da Null geblieben.
Derselbe hat einige scherzhafte poetische Episteln, mehrere Liebelieder und viele Sprüche in Vierzeilen verfasst. Unter den moslimischen Slaven in Bosnien ist sprichwörtlich sein Ausspruch:
Uči piši, radi vrlo, da ne budeš ĭzločest. [10]
Lerne, schreib’ und arbeit’ emsig, sonst wirst du ein Taugenichts.
Dr. Otto Blau, in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts preussischer Konsul zu Sarajevo, hat die Lieder Uskufîs und noch einiger anderer Dichter dieser Art, mit Übersetzung und sprachlichen Erläuterungen einbegleitet, im V. Band der Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes (herausgegeben von der morgenländischen Gesellschaft) publiziert. In der Wertschätzung dieser Erzeugnisse scheint mir Blau viel zu hoch ausgeholt zu haben. Die eigentlich schönen Lieder sind direkt türkisch und nur durch slavische Zeilen versetzt; sie sind auch nicht in der Mischsprache verfasst. Ähnliche Gemengsel von Versen in verschiedenen Sprachen, z. B. der deutschen und der lateinischen, der polnischen und lateinischen oder der polnischen und deutschen, sind auch bei uns wohl bekannt. Oskar Kolberg bietet in seinem monumental-klassischen Sammelwerke polnischer Volküberlieferungen eine stattliche Reihe derartiger Dichtungen [11] dar.
Recht hübsch ist wohl die Liebeklage El-Abd-Mustafas, des Bošnjaken, die in Blaus Nachdichtung also lautet:
Wo bist du geblieben, mein trautestes Lieb? Lang schon ist’s her, und ich sah dich nicht! Bei Gott, du bist mehr als das Leben mir lieb! Lang schon ist’s her, und ich sah dich nicht!
Lang schmacht’ ich, o Herz, dich einmal zu umfahn, Ich seufze, seit dich meine Augen nicht sahn; Mein Herz sehnt nach dir sich, o glaube daran! Lang schon ist’s her, und ich küsste dich nicht!
Ich sag’s dir: o du meine Seele und Wonne, Du bist wie ein Sträusslein von Rosen so schön. O fleuch nicht vor mir, meine strahlende Sonne! Lang schon ist’s her, und ich sah dich nicht!
Dem Blatte gleich, welk’ ich, mein Herzblatt, um dich. Mein Auge weint Ströme von Zähren um dich. O Herrin, vor Kummer verzehre ich mich! Lang schon ist’s her, und ich herzte dich nicht!
Die Wange dein blüht wie ein Waldröslein rot. Schwarzdrossel zum Schmuck ihren Frohsinn dir bot. Wer dich liebt, dem tät eine Schlinge wohl not. Lang schon ist’s her, und ich umschlang dich nicht.
Verbirg dich vor mir nicht, o komm doch heraus! Sonst hauch’ ich mein Leben noch ohne dich aus: Wo bist du, mein Schatz! sprich, wo hältst du jetzt Haus? Lang schon ist’s her, und ich küsste dich nicht.
Du merkst nicht, o Freundin, die Tränen so schwer, Wenn trauernd ob Deiner ich irre umher Und klage Weh, wenn ich dich sehe nicht mehr. Lang schon ist’s her, und ich sah dich nicht.
Bei Gott! ich bin dein, wie’s ein Waisenkind ist! Verdirb es, verwirb es, wie Dir es erspriesst! Schlag, Nachtigall, schlage, wo immer du bist! Lang schon ist’s her, und ich sah dich nicht.
Solcher Liedchen enthält Blaus Sammlung mehrere; das sind aber auch die besten Stücke des moslimisch-slavischen Kunstschrifttums, soweit ich es kennen gelernt habe. Auf meiner ethnographischen Forschungreise in Bosnien und dem Herzogtum habe ich dieser Literatur nebenbei einige Aufmerksamkeit gewidmet und an 24 Handschriften gesammelt, die zu dieser Literatur gehören. Alle sind mit arabischen Buchstaben geschrieben. Mit solchen Schriftzeichen sind vor 45 Jahren zu Konstantinopel zwei Broschüren für die moslimischen Slaven Herceg-Bosnas gedruckt worden. [12]
Uskufî ist der bekannteste von den Kunstdichtern unter seinen Glaubensgenossen. Man zeigte mir zu Skoplje an dem Vrbasflüsschen sein ehemaliges Heim und auf der Ruine von Prusac sein Lieblingplätzchen, von wo aus man einen herrlichen Ausblick auf das tiefe und breite Tal und auf die Höhen der Čardak Planina geniesst.
Am meisten verbreitet sind im Volke die sogenannten Avdijen, das sind Ratschläge eines Vaters an seinen Sohn Avdija. Darnach nennt der slavische Moslim solche Gedichte kurzweg Avdije, ohne Rücksicht darauf, ob sie den Namen Avdija enthalten. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Avdijen als blosse Übersetzungen, vielleicht Umarbeitungen türkischer oder vielmehr arabischer Vorlagen sind. [13]
Jeder Moslim lernt in Bosnien und im Herzogtum vom Gemeindelehrer, vom Chodscha (hodža) türkisch lesen und schreiben und die unumgänglich notwendigen Suren des Koran; überdies muss er eine Avdija auswendig kennen. Auch Mädchen haben die Avdija inne. Ein kleines, fünfjähriges Töchterchen eines Beg (Edelmannes) in Maglaj an der Bosna sang mir in näselndem Tone eine Avdija vor. Sie hatte sich mit kreuzweis unterschlagenen Beinen auf dem Boden niedergekauert und wiegte rhythmisch den Oberkörper nach rechts und links.
Erwachsene näseln gleichfalls recht monoton die Avdija herab, nur ist’s Gebeutel krampfhafter; dabei rollt der Rezitator mit den Augen hin und her und schneidet Grimassen, als handelte es sich um Sein oder Nichtsein. Der Orientale kennt überhaupt das ruhige Erzählen nicht wie wir, er singelt immer nach gewissen Rhythmen und hält viel auf Pathos. Jeder Blick und jedes absichtliche, wenn auch noch so leise Zucken mit den Brauen oder dem Munde, alles hat seinen besonderen tiefen Sinn und Wert. In die geringfügigste Kleinigkeit weiss der Orientale etwas hineinzugeheimnissen. Seine Mimik dient zur plastischen Hervorhebung seiner Rede. Er spricht nicht bloss, um zu sprechen, er will den Zuhörer auch gleich durchdringend überzeugen. Er spricht nicht bloss mit dem Munde, er spricht zugleich mit dem ganzen Körper. Die Mimik wird zum Kommentar der Worte.
Aus diesem Grunde ist eine Avdija für den slavischen Moslim von weitaus höherer Bedeutung, als sie uns erscheinen mag, die wir leicht geneigt sind, eine Avdija als eine Reihe zusammenhangloser, zum Teil recht einfältiger Aussprüche zu betrachten. Lehrsätze dieser Art kennt übrigens auch der nichtmoslimische Slave in Herceg-Bosna. Er legt sie den Waldfräulein, den Vilen, in den Mund. Jede Sentenz hebt also an:
Govorila vila sa zelene st’jene.
Es sprach die Vila von der grünen Felswand herab.
Ein Spruch lautet z. B.:
ne prelazi na četir noge mosta.
Auf vier Füssen überschreite keine Brücke.
d. h. der Reiter soll vom Pferde absteigen und das Pferd am Zügel führend über die Brücke gehen. Die Brücke kann ja morsch sein. Darum ist Vorsicht notwendig. Unter anderen lehrt einmal die Vila gleich der Pseudosybille: μὴ προβάδην ἰὼν οὐρήσῃς. Auch vom Sattel herab soll man es nicht tun.
Das zweite Stück, das wir hier mitteilen, hat einen gewissen Edhem ćatib (Schreiber) oder Imam (Vorbeter in der Moschee), wie er dies am Schluss des Gedichtes selber anführt, zum Verfasser. Wann und wo er gelebt, darüber habe ich nichts in Erfahrung bringen können. Sein Aufenthaltsort dürfte wenigstens zeitweilig zu Zenica in Bosnien gewesen sein, da er sein Gedicht an die Edelfrauen von Zenica richtet. Wohl hat er das Lied in einer Zeit geschrieben, als sich die moslimischen Edelleute von Zenica durch bedeutenderen Reichtum auszeichneten, so dass sich ihre Frauen der Putzsucht ergeben konnten.
Sowohl die Avdijen als Edhems Gedicht haben durch die Randbemerkungen, die von Abschreibern in den Text aufgenommen wurden, stark gelitten. Öfters sind auch die Verse kunterbunt durcheinandergemengt. Konjekturalkritik an diesen Texten zu üben, ist kaum statthaft; man muss sie eben hinnehmen wie sie sind.
Mit der Verskunst der moslimisch-slavischen Kunstdichter ist es nicht weit her. Die Maasse sind der arabischen und türkischen Verstechnik entlehnt. In unseren Proben herrscht der achtsilbige trochäische Vers vor. Je drei Verse enden auf gleichen Reim. Übrigens sind ein gleichmässig durchgeführtes Metrum, reiner Reim, Korrespondenz der Strophen und dergleichen Forderungen der Metrik unseren Dichtern ziemlich Nebensache. Vielleicht fällt ein Teil der Schuld auch auf die Abschreiber. Potur Uskufî hat wohl am meisten gute Verse aufzuweisen. In der Prosa befleissigten sich unsere Moslimen der Nachbildung arabischer Makamen, ohne aber die Vorbilder auch nur annähernd zu erreichen. Es sind eben schüchterne Versuche.
Dr. Blau hat seinen Uskufî und die anderen Dichter in versifizierter deutscher Übersetzung wiedergegeben, freilich auf Unkosten der Genauigkeit. Wir übersetzten Edhem des Imams Ermahnungen an die Frauen von Zenica gleichfalls in Versen und teilen hier die ersten drei Strophen als Probe mit:
Horcht, ich werd’ euch etwas sagen, Werde keine Lügen sagen. Lasst euch jetzt von mir beraten, Ich erzähl’ von euren Taten.
Achtet auf des Gatten Rede, (Seid ihr wahrhaft Edelfraun) Stellt euch Frauen niemals blöde, Tut zur Unzeit niemals spröde, (Gott und eurem Mann ergeben) So gewinnt ihr ’s Himmelreich.
Jede Frau hat’s Ohr verpicht Folgt sie ihrem Manne nicht, Satan spuckt ihr ins Gesicht. Merkt euch’s wohl, o Edelfraun!
Wir wollen unsere Vorlagen doch lieber in guter Prosa darbieten, schon um der getreueren Verdeutschung willen. Es widerstrebt auch unserem Formgefühl, so schlechte deutsche Verse, wie es die slavischen der Originale sind, zu machen. Bessere darf ja füglich der Übersetzer nicht substituieren, denn das wäre in gewissem Sinne auch eine Entstellung des ursprünglichen Bildes. Sollten die Diktion und die Wendungen der Originale in der Übertragung ganz getreu sich abspiegeln, so müssten für die slavischen Fremdworte auch im Deutschen fremde, beispielsweise französische, Ausdrücke eingesetzt werden. Das wäre aber zu viel des Guten.
Wir beschränken uns hier auf die Wiedergabe zweier sowohl sprachlich, als inhaltlich für die ganze moslimisch-slavische paraenetische Literatur besonders charakteristischer Texte, die sich auch durch Kürze auszeichnen: auf das Gedicht Edhems und die Avdija: oh drvišu otvor oči.
Die Avdija ist für den südslavischen Ethnographen eigentlich belanglos. Es ist ein moslimisches Lehrgedicht in überwiegend slavischen Worten, weiter nichts. Die darin enthaltenen religiösen Vorschriften sind freilich zum grossen Teil allgemeiner Natur, sofern als sie Grundzüge der Moral enthalten, die den Ariern und den Semiten, den Arabern nämlich, gemeinsam sind.
Weitaus bedeutsamer ist Edhems Gedicht, das einen Zuchtspiegel der Frauen vorstellen soll. Ich habe die soziale Stellung des Weibes bei den Südslaven schon öfters beleuchtet, z. B. in meinem Buche »Sitte und Brauch der Südslaven«, Wien 1885, S. 482—529, dieses hochwichtige Kapitel ist aber noch lange nicht zu Ende geschrieben. Sowohl bei den Südslaven als bei den Orientalen (den Türken und Arabern) hat das Weib seit den ältesten Zeiten einen sehr untergeordneten Rang eingenommen. Die orientalischen Anschauungen klangen in dieser Beziehung dem Serben gar nicht besonders fremdartig. Sie sagten ihm beinahe noch mehr zu wegen ihrer grösseren Strenge und Rücksichtslosigkeit. Wenn bei den Serben, dem Bauernvolke in Serbien, Bosnien, im Herzogtum, in Slavonien und teilweise selbst in Chrowotien die Frauen mit den Männern gemeinschaftlich an einem Tische nicht essen, wenn sich die Frauen vor Fremden nicht zeigen dürfen, wenn sie des Mannes geringe Dienerinnen und Lastträgerinnen sind, so mögen die Südslaven in dieser sozialen Einrichtung von den Türken nur noch bestärkt worden sein. Manche Härte im Brauche der Südslaven mag das Türkentum und Arabertum verschuldet haben. Den stattgefundenen Einfluss können wir derzeit noch nicht genauer bestimmen. Uns liegt es vorderhand ob, die Erscheinungen und Tatsachen aufs gewissenhafteste zu fixieren. Soviel aber darf man getrost sagen, dass die nüchternen Strafreden und Zurechtweisungen, die Edhem an Frauen, und noch dazu an Edelfrauen (Kadune) richtet, in dieser rohen, witzlosen Art kein Seitenstück weder in der christlich- noch moslim-slavischen Volksliteratur des Serbenstammes finden. Edhem verrät sich als das pedantische Schulmeisterlein mit der Schmitzrute als dem unfehlbaren Attribut; nur lässt er diesmal seine gestrenge Gesinnung zur Abwechslung einmal die hochgestellten Frauen fühlen. Er hat das Bedürfnis, als Sittenverbesserer sich recht bemerkbar zu machen. Um auf jeden Fall sicher zu gehen, borgt er seine Weisheit türkisch-arabischen Autoritäten ab. In der Meinung, dass er etwas besonders Gediegenes zu stande gebracht, fordert er zum Schluss seiner Ermahnungen die Frauen noch auf, sie möchten seiner, des »liebwerten« Edhem, gedenken.
Vergleicht man die Erzeugnisse der Kunstliteratur der moslimischen Slaven mit ihrer Volkliteratur, so muss man wohl eingestehen, dass die erstere mit der letzteren gar keinen Vergleich verträgt.
Die Avdija lautet im Texte (die Fremdworte sind hier kursiv gedruckt):
Oh drvišu otvor oči, batiluka ti ne uči tefhit srcom pravo uči; sevap hoćeš, nefsa muči.
O Derwisch, öffne die Augen, lehre keine Schlechtigkeiten, lehre vom Herzen recht die Einheit Gottes. Wenn du Belohnung willst, quäle die Seele.
Krivo nikom ti ne čini, haka na hak ti ne čini, hair što je ono čini, dunjaluka mejl ne čini, zićir boga puno čini.
Tue niemandem Unrecht an, tue kein Unrecht (unter dem Scheine von Recht). Was Segen bringt, das sollst du tun. Hege keine Neigung für weltliche Dinge. Ruf oft Gott an.
Allah, allah aškila jahu. Rizaluka puno čini i za zićir misô podaj, selameta duši gledaj, allah (etc.).
Übe viele gottgefällige Werke aus und richte deine Gedanken auf die Anrufung Gottes, sei besorgt für dein Seelenheil.
šučur čini kad je kolaj, sabur čini kad je belaj zalaleta ti ne gledaj, tahret nefsu dobro podaj, zulum nefsa dizgin ne daj, amel čini, sunet gledaj, gaflet digni ter pogledaj. Fars štogod je ono čini, kazajeta sve naklanjaj.
Erweis dich dankbar, so oft es nur möglich ist; drückt dich die Not, sei geduldig. Geh nicht auf Irrwege, verleihe wohl der Seele Reinheit, lass der herrschsüchtigen (ungerechten) Seele die Zügel nicht schiessen (amet čini?), beobachte die Überlieferung. Behebe die Sorglosigkeit und öffne die Augen; halt das Zeremoniell ein; neig dich immer der Gerechtigkeit zu; halt dich an die gute Sinnart und hüte dich stets vor gemeiner Gesinnung.
Ti se drži l’jepe huje, sve se čuvaj murdar huje. Nehi što je ono bježi, već se prava puta drži. Laf ne čini i ne laži jer sirrija laži ne će. U elifu sirra traži, allah (etc.).
Fliehe vor dem Verbotenen, vielmehr halt dich stets an den geraden Weg. Schwätz kein leer Gewäsch und lüge nicht, denn Sirrija verabscheut (mag nicht) die Lügen. Im Genossen suche Sirrija usw.
U pamet se ti obuj, terk učini alčak huju, dragom bogu ti robuj.
Ti nikoga ne muči, svoje srce poturči hevhit srcem sve uči. Sve nek ti je ašk’ ullah a na srcu fićr’ ullah na jeziku zićr’ ullah, allah (etc.).
Hüll dich in Verstand ein, und gib auf die tölpelhafte Sinnart. Diene dem lieben Gott. Du sollst niemand quälen. Dein Herz bekehre zum Türkentum. Lehre fortwährend mit dem Herzen die Einheit Gottes. Immer sei dir Allah lieb; auf dem Herzen soll dir der Gedanken an Gott, auf der Zunge der Name Gottes liegen.
U gafletu ne budi brez avdesta ne hodi srcu jezik ugodi. Nemoj biti bi nemaz, vaktom hajde na nemaz, bogu ćini sve niaz.
Gib dich der Sorglosigkeit nicht hin; geh nicht ohne Waschung einher, passe die Zunge dem Herzen an; sei nicht ohne Gebet (ohne gebetet zu haben), geh pünktlich zum Gebet und bezeuge Gott immerfort Verehrung.
Ovi svijet kilu kal, ašk ne čini ti na mal već nauči ilmi hal, allah (etc.).
Diese Welt ist ein leeres Gewäsch. Hege keine Liebe zu weltlichen Gütern, sondern lerne den Katechismus (die Glaubenssatzungen) auswendig usw.
Gr’jehovâ se pokajati, šerijata sve gledati od insana u kraj bježati.
Die Sünden sollst du bereuen und immerdar das göttliche Gesetz beachten, (und) den Menschen aus dem Wege gehen.
šućur ćini daima i za muke lastima srce nek ti je daima, allah (etc.).
Sei immer dankbar und besonders hege dein Herz für die Mühen Dankbarkeit. Allah usw.
Ako hoćeš mumin biti valja srce očistiti boga zićir učiniti, grihovâ se pohajati šerijata sve gledati na grijeh se ne varati dragom bogu robovati.
Willst du ein Gläubiger sein, so musst du dein Herz reinigen und Gottes gedenken; die Sünden bereuen, das göttliche Gesetz beobachten, auf die Sünde sich nicht betrügen (sich durch die Sünde nicht verführen lassen) und dem lieben Gott dienstergeben sein.
Vi slušajte amr’ ullah a na srcu sve činite zićir allah.
Ovi svijet sve će proć po dušu će meleć doć već je nama do pomoć, allah (etc.).
Ihr sollt dem Befehl Gottes gehorchen und im Herzen allezeit den Gedanken an Allah hegen. Diese Welt wird samt und sonders vergehen, der Engel wird kommen um die Seele (abzuholen); wir stehen auf Hilfe an, Allah usw.
Nut pogledaj sirrije sve turčine miluje, i dan i noć kazuje allah (etc.). [14]
Nun schau dir an den Sirrija, der tut fortwährend den Türken schön und spricht so bei Tag als bei Nacht: Allah, Allah aškila jahu.
»Edhems Ermahnungen.« Sie sind in einem von Fremdwörtern reineren Slavisch als die Avdija gehalten und für die Frauen leichter verständlich, während die Avdija manchen Ausdruck darbietet, den der Lehrer in der Schule erst erklären muss. Vom V. 27–29 ist der Text verderbt. V. 28 muss wohl lauten: slušajte vi svoje majke. V. 29: o kadune na vijeke (Befolgt o Edelfrauen die Ratschläge eurer Mütter bis in Ewigkeit).
Slušajte što ću vam ja kazat, ne ću vam laži ja kazat; nasihet vi uzmite od mene pa ćete mlogo čut od sebe.
Hört, was ich Euch sagen werde. Ich werde Euch keine Lügen sagen. Nehmt Rat an von mir, und Ihr werdet viel von Euch zu hören bekommen.
Muža dobro slušajte; ako ste vi kadune ikolko a vi lude ne bu(d’)te mužu ugodne bu(d’)te, bogu robinje i svom mužu ter u dženet uho(d’)te.
Hört wohl auf des Mannes (Gatten) Wort. Seid Ihr auch nur ein wenig Edelfrauen (= habt Ihr etwas vom Adel in Euch) so seid nicht närrisch; seid dem Gatten angenehm, Dienerinnen Gott und Eurem Manne: und fürwahr, Ihr kommt ins Paradies.
Svaka žena zagluša koja čojka ne sluša, šejtan njome brukuša neka znate kadune.
Jedes Weib ist törisch (= schwerhörig), welche ihrem Mann nicht Folge leistet. Der Satan treibt sein (frevelhaft) Spiel mit ihr; wissen sollt Ihr’s Edelfrauen!
što muž reče ne radite već se š njime inadite mužu hator sve kvarite, ružno po vas kadune.
Was der Mann sagt, das mögt Ihr nicht tun, vielmehr zankt (hadert) Ihr mit ihm; Ihr verderbt dem Manne jede Lust. Das ist schimpflich für Euch, o Edelfrauen!
Mužu hizmet činite, l’jepo š njime živite; dobroga se bojite ružnom smrti ne mrite.
Seid dem Manne dienstbar (bedient ihn), lebt gut mit ihm. Fürchtet Euch vor dem Guten, (damit) Ihr nicht eines garstigen Todes sterbet.
Koja muža imade hak muževlji ne znade u džehennem ona ide, odveće je udavana.
Die einen Mann besitzt und von Mannesrechten nichts wissen will, die geht zur Hölle, die ist zum Überfluss verheiratet (= besser wäre es, sie wäre nicht verheiratet).
Ako će biti i mati kad vas na zlo navrati ne valja poslušati neka znate kadune.
Und wäre es selbst die Mutter, wenn sie Euch zum Bösen lenkt, sollt Ihr nicht folgen. Ihr sollt es wissen, o Edelfrauen!
Kogod ima pameti (p) a ako će bit za vratim valja njega slušati, neka znate kadune!
Wer immer Verstand hat (den Verständigen), und mag er selbst hinter der Türe (wie ein Bettler) stehen, so muss man seinem (Rate) Folge leisten. Ihr sollt es wissen, o Edelfrauen!
Pamet berte u glavu ter vi ho(d)te u pravu ter ne ho(d)te tamo amo â moje l’jepe kadune!
Verstand sammelt in den Kopf und geht den geraden Weg: und lungert nicht hin und her herum, o meine schönen (braven) Edelfrauen!
U džennet igjite za rana poslušajte korana čuvajte vi imana moje drage kadune!
In den Himmel geht Ihr frühzeitig ein, (wenn Ihr) den Koran befolgt; den Glauben bewahrt, meine lieben Edelfrauen!
čuvajte dobro mene vi, u dobro se zabavi, ne ljutite muža vi oj Zeničke kadune!
Achtet wohl (gut) auf mich; beschäftigt Euch mit Gutem, ärgert den Mann nicht, o Ihr Edelfrauen von Zenica!
Brez izuna kad hodi lanet na nju dohodi u džehennem odhodi.
Wenn sie ohne Erlaubnis ausgeht, kommt der Fluch auf sie, und sie fährt in die Hölle hinab.
Ona žena nesretna koja čojka namuči vrag je na zlo nauči, doće joj šejtan na oči kadno stane mrijeti.
Jenes Weib ist unglücklich, welches den Mann satt quält, der Teufel lehrt sie Böses (tun) an. Es wird ihr in der Todstunde der Teufel vor die Augen treten.
Koja čojka rasipa nije ona žena lipa ona gora nego slipa ružna puno do vika.
Die ihres Mannes (Habe) verschwendet, das Weib kann nimmer schön sein, sie ist ärger (unglückseliger), als wäre sie blind; sie ist viel garstig bis an ihr Ende.
Koja čojka ne će obuć u srcu joj pukla žuć tako dila kano lugj. [15]
Die ihren Mann nicht ankleiden [16] will, der soll im Herzen die Galle zerplatzen, sie handelt wie ein Verrückter.
Lajk je žena kaduna! kad se gizdaš dukatim zakat valja davati od onijeh dukati sve od groša po paru.
Es ziemt sich (ist ihrer würdig) für eine Edelfrau, wann Du Dich mit Dukaten schmückst, musst Du auch Almosen spenden, von jedem Dukaten, auf jeden Piaster eine Para.
Sve zine uiše i vlah krstu uiše i azap doiše bojte se boga kadune!
Alles liebt Kostbarkeiten, und auch der Christ liebt das Kreuz (als Schmuck zu tragen), fürchtet Gott o Edelfrauen!
Ne spavajte po svu noć bu(d)te mužu od pomoć uč’te buni u ponoć Umisli se ti u dragog Edhem ćatib’ jal imama.
Schlaft nicht die ganze Nacht. Seid dem Manne eine Hilfe. Lernet dieses um Mitternacht. Vertief dich in Gedanken an den liebwerten »Edhem den Schreiber oder Imam«.