Part 24
Es floss die Drina unterhalb Wardeins und unter Belgrad floss der Donaustrom, die kühle Save unter Temesvar. Hier hielten Rast im Winter die Veziere, Herr Avdipascha und Herr Seïdi. Als sich der Lenz, der Frühlinganfang zeigte, da drang ein Weh von Siebenbürgens Raja wohl vor die Knie der jungen zwei Veziere. Es klagt die Raja schwer von Siebenbürgen: — »O zwei Veziere, Kaiserstellvertreter! was wir ertrugen, nimmer zu ertragen, an Räuberstreichen König Rákóczys! Er mordet Burschen und entführt die Mädchen. Schon sind wir satt der Vergewaltigungen; so sucht uns endlich irgend einen Rechtschutz von unserm Kaiser und der Reichverwaltung! Wofern jedoch uns Rechtschutz nicht zu teil wird von unsrem Kaiser, mög’ ihn Glück betreuen, so sehn auch wir gedrängt uns hin zum Abfall und zahlen weder Auflag noch die Steuer!« Zur Antwort drauf die jungen zwei Veziere: — »Zeuch heim in Frieden Siebenbürgens Raja! wir schreiben schon dem König Rákóczy, er geb der Raja Ruh und Siebenbürgen.« Heim zog beleidet Siebenbürgens Raja. Die zwei Veziere schrieben nun ein Schreiben: »O hörst du uns, o König Rákóczy! gib Frieden Siebenbürgen und der Raja! Magst du sie nicht in Ruh und Fried belassen, wird auf das ganze Kaiserreich sich rütteln; ich werd bereit auf dich den Angriff machen, von deinem Throne dich hinunterschleudern und hin dich jagen bis zur eb’nen Karlsburg allwo den Hof die sieben Fürsten halten, wo aller sieben Herrscher Macht versammelt. Euch alle sieben stürz ich von den Sitzen und werd euch jagen von der ebenen Karlsburg, von Karlsburg weiter bis zum Goldgewerke, zum Goldgewerk von allen sieben Herrschern. Ich werd euch alle sieben fangen lassen und unserm Kaiser zum Geschenk euch weihen!« Die Paschas schrieben solcher Art das Schreiben und sandten’s ab an König Rákóczy. Als Rákóczy den Schreibebrief empfangen — las er den Brief und lachte drüber herzlich — schrieb er sofort ein ander feines Briefchen: »O hört Ihr wohl, o junge zwei Veziere! Da habt auch Ihr ein buntbeschrieben Schreiben! Ich lass euch nicht die Raja mehr in Frieden; aufrütteln werd ich alle sieben Herrscher und werd euch euer Temesvar berennen, und dann die Burg von Temesvar erobern, gefangen machen alle zwei Veziere, und beide Paschas lass ich letzt erdrosseln. »Von dorten werd ich meine Heermacht wenden entlang durchs Land, entlang durch Anatolien, mit Sack und Pack erobern Anatolien und zwölf Veziere zu Gefangenen machen neun junge Deribegen auch dazu. Erdrosseln lassen will ich alle Paschas, neun junge Deribegen obendrauf! »Dann zieh ins Land ich des Tatarenchans und nehm’s Tatarenland in Bausch und Bogen und fang mir ein den Kaiser der Tataren. »Von dorten werd ich meine Heermacht wenden und will das Heer gen Stambol rücken lassen, gen Stambol, auf das kaiserlich Silístra. »Sodann verfass ich noch ein zierlich Briefchen und schick es an den Kaiser in Istambol, der Kaiser troll sich aus der Stambolstadt, er troll sich nach Damaskus und Medina, allwo gehaust des Kaisers Ahnen einst. »Doch unsrer Heimat Wiege heisst Istambol, der Stammsitz unsres Kaisers Konstantin, denn Konstantin hat Stambol auferbaut. »Doch mag sich nicht hinweg der Kaiser trollen, so greif ich an den Kaiser in Istambol und stürze von dem Thron herab den Kaiser, Istambol aber werd ich ihm entreissen!« Er schrieb ein zierlich Briefchen solcher Art. Als nun der Brief nach Temesvar gelangte zu Handen jener jungen zwei Veziere, des Avdipascha und des Seïdi, da lasen beide Paschas durch das Schreiben und stützten in die Hüften ihre Arme, und Tränen ihren Augen nun entstürzten: — »Wir sind von jetzt in Ewigkeit in Jammer! Wie haben unsre Köpfe wir verloren! Der Krieg ist da mit allen sieben Herrschern! Wie lässt sich dies denn nach Istambol melden? Wer wird dem Kaiser den Bericht erstatten? Der Kaiser wird die Köpf uns niedersäbeln!« In ihrem Leide sie den Einfall hatten, ein zierlich feines Briefchen zu verfassen und es nach Stambol in die Stadt zu senden. Und als der Brief gekommen war nach Stambol, so hat es das Geschick und Glück gewollt, dass er zu allererst gelangt zu Handen des echten Türken Köprülü des Veziers; und Köprülü ist Kaisers Siegelhüter! Der Vezier sah, was in dem Brief geschrieben und legt im Divan vor den Brief dem Kaiser. Der wackre Kaiser nahm den Brief zur Kenntnis und sprach im Divan so zu Köprülü: »Mein Vezier Köprülü, getreuer Lala! hier dieser Brief aus meinem Temesvar ist ausgestellt von meinen zwei Vezieren von Avdipascha und von Seïdi. Nun gibt es Krieg mit allen sieben Herrschern! Was fangen jetzt wir an mit unsrem Leben? Wie sollen wir dem Erbfeind Antwort schreiben? Wie, sollen Stambol wir vielleicht verlassen? Wie, gar den Krieg beginnen mit dem Christen?« Doch spricht zu ihm der Vezier Köprülü: — »O Sultan, Herr, beim Sitze des Propheten! Das Land ist dein und dein ist die Verwaltung, so schreib denn Kaiser, wie’s dir lieb und recht ist! — »O Köprülü, zuoberst du mein Lala! heut hältst mir du mein Siegel in Bewahrung, drum, Lala, tu nach deiner Lust und Liebe! Was auch du sagst, der Kaiser dir’s versagt nicht!« Als dies der Vezier Köprülü vernommen, entrannen dem Veziere heftig Tränen, die Hälfte hell, die andre Hälfte blutig: — »O Gott sei Dank, o Kaiser von Istambol, dass diese Zeit wir durften noch erleben, die Zeit des Kriegs mit allen sieben Königen, um dir, o Kaiser, einen Dienst zu leisten und unsre Feinde gänzlich zu zertrümmern! Gib nicht die Festung ohne tote Schädel, noch die Kanonen ohne grause Wunden! Du hast ja Überfluss an solchen Helden, die’s gen die sieben Herrscher nehmen auf, und Red und Antwort stehn den Herrschern werden!« Gleich fing der Vezier einen Ferman an. Wie schmückt die Reden Köprülü im Ferman? »O hört Ihr wohl, Ihr beiden zwei Veziere vom breiten, kaiserlichen Temesvar! da habt Ihr einen kaiserlichen Ferman, da nehmt auch hin des Kaisers Kammerschatz! Behütet mir aufs beste Temesvar! »Nur gebt nicht preis die kaiserliche Festung; wofern Ihr Temesvar die Festung preis gebt, so werd ich euch zum Lohn die Bärte färben mit eurem schwarzen Blut aus euren Hälsen! »Schon rückt ein Heer zu euch in Doppelmärschen, ein gar gewaltig Heer von Urumélien, und Halilpascha Glaubenhort befehligt das Heer, so zahllos, wie das Laub im Hochwald! »Dies Heer wird unter Szigetvár sich lagern um Szigetvár im Temesvargefilde. Allda wird sich die Kaisermacht versammeln den sieben Christenherrschern gegenüber. Behütet mir aufs beste Temesvar! »Schon naht euch auch ein ander Heer zu Hilfe, ein gar gewaltig Heer von Anatolien und an des Heeres Spitze zwölf Veziere, neun junge Deribegen noch dazu. Um Szigetvár auch dieses Heer sich lagert. Behütet mir aufs beste Temesvar! »Schon naht der Schāh euch vom Tatarenlande, ihm folgt im vollen Lauf das Volk des Schāhs. Behütet mir aufs beste Temesvar! »Schon naht das Heer vom Ruhmesland Mizraim, voran der Glaubenstreiter Fazli Pascha; nicht allzugross ist wohl sein Heergefolge, denn an des Reiches Grenzen liegt Mizraim, drum stehn im Lande stets Besatzungheere. »Behütet mir aufs beste Temesvar! »Schon naht euch schneller noch ein ander Heer, ein mächtig Heer vom stolzen Bosnaland und vor dem Heere Buljukbascha Džano. »Auch dieses Heer vor Szigetvár wird lagern den sieben Christenherrschern gegenüber. Behütet mir aufs beste Temesvar! »Nach kurzer Weile bin auch ich zur Stelle herangerückt mit ganzer Kaisermacht ins Temesvargefild bei Szigetvár den sieben Christenherrschern gegenüber. Behütet mir aufs beste Temesvar!« Der Vezier schmückte solcher Art den Ferman und sandt ihn nach der Festung Temesvar und nebst dem Ferman auch des Kaisers Kriegschatz. Sobald der Ferman Temesvar erreichte, — die jungen zwei Veziere schaun den Ferman, sie schaun den Ferman, müssen schallend lachen vor Freudgefühl und eitel Wohlbehagen. Kaum dass die beiden Paschas durchgelesen den Ferman fein, so gaben sie ein Fest; Kanonen donnern und es währt die Feier von Tag zu Tag durch einer Woche Tage. Fermane auf Fermane schmückt der Vezier, der Kaiser drückt nur seinen Namen drauf. Verschickt sind alle Namenzugfermane durchs ganze kaiserliche Machtgebiet. Die Reihe kam, den Ferman abzusenden ins Bosnaland, an Stolz und Kot so reich. Wie schmückt die Reden Köprülü im Ferman: »O Džanan, Glaubenhort des Bosnalands! Da hast du einen kaiserlichen Ferman. Biet, Džano, auf von Bosna die Bošnjaken zwölf tausend Mann vom Bosnaland Bošnjaken, zu Fuss und Ross nur auserwählte Mannen. Nur, Džano, nicht den einzigen Sohn der Mutter, damit nicht alte Mütter uns verfluchen! »Das Heer, o Džano, führ nach Szigetvár. Es wird sich dort die Kaisermacht versammeln den sieben Christenherrschern gegenüber.« Der Vezier schmückte solcher Art der Ferman, den Namen drückte drauf der wackre Kaiser. Nun sprach zu ihm der Vezier Köprülü: — »O Sultan Kaiser, Sonne von den Bergen! lass eine Kammer Schätze uns entsenden ins Bosnaland, an Stolz und Kot so reich, zur Hilf für unsre Helden, die Bošnjaken; denn Notstand ist daheim im Bosnagrenzland; stets schickst du hin Verräter als Veziere, die rauben alles aus bis auf die Scham!« Darauf zu ihm der Kaiser spricht im Divan: — »O Köprülü, Bewahrer meines Siegels! da steht die Kammer und da sind dir Schätze, das Reich ist mein, doch die Verwaltung dein! Schick ab, mein Lala, was dir lieb und recht ist!« Der Vezier schickt ins Bosnaland den Ferman, des Kaisers Kammerschätze nebst dem Ferman. Der Feldtatar verliess die Stadt Istambol, von Stambol zog er durch das Land Rumelien. Sein Weg, wie immer, führt nach Leitengeben, das ganze Leitengeben er durchmass. Der Feldtatar, der kam nach Vučitrn, von dorten wandt’ er sich nach Mitrovica, dann lenkte der Tatar ins Banjskafeld und quer durchmass er auch das Banjskafeld. Und weiter zog er durch das Schilfgefilde; dann kam der Feldtatar nach Novi Pazar. Von dorten zog er durch das stolze Bosnien; ganz Bosnaland durchmass er in die Quere. Nicht mochte der Tatar zur Burg von Travnik, er wandte sich vielmehr zur Stadt Sarajvo. Als da in Sarajevo der Tatare gekommen vor die Grossmoschee des Kaisers — just kam der Feldtatar vor die Moschee, — es war um Mittagzeit an einem Freitag, es wimmelten die Türken zur Moschee — kam auch des Weges Buljukbascha Džano! Ein grüner Rock umhüllt den Leib des Džano, es wallt ihm über’n Gurt der weisse Bart. Sobald als ihn der Feldtatar erschaute, erhob er ehrerbietig sich vor ihm und zog heraus den Ferman aus der Tasche. Kaum hatte Džanan hier erschaut den Ferman, so küsste wohl die Erd’ er siebenmal, bevor er in die Hand den Ferman nahm. Entfaltet drauf den kaiserlichen Ferman und liest mit lauter Stimme vor den Ferman. Ein jeder lauscht, was wohl der Ferman kündet. Nachdem der feine Ferman ward verlesen, entflossen jedem Tränen aus den Augen, entrang sich jedem ein Gebet zu Gott: — »Gott sei gedankt gar viele tausendmal, dass diese Zeit wir durften noch erleben, dass von uns weiss der Kaiser in Istambol, dass uns beehren zierliche Fermane! Nun kommt ’s zum Krieg mit allen sieben Herschern, wir sind bereit ins Kaiserheer zu zieh’n und unserm Kaiser einen Dienst zu leisten, den Feind des Reichs zu Stücken zu zertrümmern!« Sobald die Türken die Moschee verlassen, begingen sie sogleich ein Freudenfest, begingen ’s festlich eine volle Woche. Kaum war das hohe Wochenfest verflossen, hub Džanan an die Bosner aufzubieten im ganzen Bosna- und im Herzogland. Wo einen wilden Wehrmann er nur wusste, berühmt zu Ross, berühmt zu Fuss als Kämpen, jedweden bot Herr Džanan auf zum Heer. Er bot nicht auf der Mutter einzig Söhnchen, damit dem Heer nicht alte Mütter fluchen. In jedem Brief, den er ins Land versandte, hob Džanan jedesmal hervor mit Nachdruck, dass sich die mächtige Grenze sammeln möge in Rottenteilen unterhalb Sarajvo. Es huben an die Bosner sich zu scharen, in zehn, zwölf Tagen waren sie versammelt und standen da zur festgesetzten Frist. Einmal bestieg Herr Džano seinen Goldfuchs und ritt hernieder zu den Rottenteilen ins Bosnaheer, dort zu den Rottenteilen und stellte die Bošnjaken auf in Reih’n. Hub an vom Bosnaland die Wehr zu zählen, zwölftausend Mannen waren ’s wohlgezählt. Dann nahm er her den vollen Kammerschatz, hub an im Bosnavolk den Schatz zu teilen, beteilte gleich den besten wie den letzten, den letzten Mann, als wär ’s sein eigener Bruder. Befahl dann einen Herold in das Heer; es ruft der Herold durch die Heereshorden: — »Auf, marschbereit die Reiter und die Schreiter! und an die Füsse Riemen und Opanken und an die feisten Klepper Hufbeschlag! »Den Abends nach dem vierten Abendbeten, da bricht das mächtige Heer zur Wander auf. Bei Tage mag Herr Džanan nicht durch Saraj, durchzieh’n bei Tag und nicht das Heer durchführen. »Denn brechen auf bei Tagelicht die Horden, erfacht sich Lieb’ bei Jünglingen und Mädchen und Liebeleid verbleibt in ihren Herzen! »Kein Leid befällt so schlimm wie Liebeleiden, und wo das weilt, da weilt kein Glück im Lager!« Es rüsten sich die Reiter und die Schreiter, sie stecken an die Füsse sich Opanken und ihre feisten Rosse sie beschlagen. Im Abendwallen war’s, nach dem Akšām als zwei Kartaunen grossen Schlags erdröhnten. Auf seinen Goldfuchs sich Herr Džanan schwang, aufrollten sich um ihn an sieben Fahnen und sieben edle Zelter nahm er mit. Da naht schon Džano zu den Rottenteilen, wohl zu den Rotten in das Bosnavolk. Hei! klapperten die goldnen Hammerkolben, da bellten jach die schrillen Mohrentrommeln, da scholl Gelärme junger Lagerrufer, da flatterten zum Himmel auf die Fahnen! Hei! welch Geschwirre von Gefolgschaftfahnen, und welch Geknirsche schlanker Turbanbüsche, und welch Geklirr von Rossgezeug und Reitern und welch Geknatter heller Gurtgewehre! Hei! schallt Gewieher hell von Tross und Rossen, es hallt Gesang und Klang vom Bosnavolk, dort dröhnt Kartaunendonner auf Sarajvo, drauf tönt Gejauchz empor vom Bosnavolk! So zog Herr Džanan ab mit seinem Heere; sie zogen fort und kamen auf Glasince. Da war die heisse Sonne aufgestiegen. Er liess den Blick aufs Heergefolge schweifen, es schien ein wenig das Gefolg verstimmt; denn jeder schlug betrübt die Augen nieder. Das tät den Džanan stark und viel verdriessen, drum rief er seinen Bannerträger Ibro: — »O Bannerträger, o mein liebstes Kind, o sing einmal hellschmetternd uns ein Lied, erheitre fröhlich unsre Krieggefolgschaft; denn hier ist trübe Stimmung eingerissen.« Nun sang ein Lied der Bannerträger Ibro: — »O bleib mit Gott, du eben Land der Bosna! mit Gott in dir die Sarajevostadt! in Sarajevo unsre schlanken Warten, und in den Warten unsre alten Mütter! mit Gott! auch unsre herzgeliebten Schwestern! mit Gott! auch unsre treuen Ehefraun! Wir ziehen fort ins kaiserliche Heer, die Una überschreiten wir und Save, wir ziehn vorbei an dreiundvierzig Burgen und halten siebundsiebzig Lagerrasten, und dann erst kommen wir vor Temesvar! Wir ziehen fort gen alle sieben Herrscher! Erhofft nicht, Mütter, unsre Wiederkehr! O liebste Schwestern, freut euch nicht auf uns! Ihr treuen Fraun sucht neuen Ehebund! Wohl werden wir uns hierzuland beweiben mit grünem Rasen und mit schwarzem Erdreich! Wer glücklich fährt, den wird sein Heim erwarten, den Ohneglück erschaut es nimmer wieder!« Da wurde sein Gefolg erst völlig traurig, und Džanan ganz und gar darob ergrimmt. Sofort entriss er ihm die Heeresfahne und übergab dem Freund sie an der Seite, wohl seinem Krieggenossen Hauptmann Hasan. Doch jenem schlug ums Maul er eine Schelle: — »Was tatst du da, du Gottes Unglückmensch! was machtest du betrübt uns die Gefolgschaft! So troll dich heim, du Gottes Unglückmensch und kos mit deinem Liebchen auf dem Kissen!« Bei Gott und Treu, er jagt ihn heim nach Saraj! Nun sang ein Liedchen Buljukbascha Džanan: — »O bleib mit Gott du eben Bosnaland! mit Gott! in dir die Sarajevostadt, darinnen unsre schlanken Warten stehn, die rund umflochten sind mit Zaungeflecht und obenauf mit Stroh sind überdacht, und in den Warten unsre treuen Fraun! Sie tragen bis zum Knie herab ein Tuch, sie melken vor den Warten eine Kuh, die pappelt einen wilden Helden auf, den Helden wohl für einen solchen Tag! Man füttert Widder für den Opfertisch, die guten Renner für die lange Bahn, die edlen Helden nur für solche Tage! Wir zogen fort zum kaiserlichen Heer an vierunddreissig Burgen wohl vorbei und halten Rast an siebnundsiebnzigmal bevor wir langen an vor Temesvar. Gen alle sieben Herrscher ziehn wir los! Wenn uns gewogen Gott ist und das Glück und wir die Christen kleben an das Schwert, so machen wir doch gute Beute noch, beim Kafirfasten Baszam atta ja! Dann kehren wir ins kotige Bosna heim und bauen unsre schlanken Warten auf, und schneiden unsren Frauen Mäntel zu! Und wenn uns einst das letzte Stündchen naht, und wir versterben unter Temesvar, — nun, sterben muss man jedenfalls einmal! Muss ich, ein Held, beklagen gar kein Leid? Die Warte blieb in Saraj mir zurück; drei Ecken erst sind wohl ihr eingestürzt, doch ist die vierte mit Gebälk gestützt! Rund um die Warte nirgend nichts zu sehn: die Gais Mekmék, dazu ein blind Blöckblöck, die Schwester Puter und betagt die Mutter, drei junge Küchlein und die Gluck Gluckglúck! O töte Gott den Aar vom Hochgebirg! er trug mir von den Küchlein fort die Gluck drei arme Waislein blieben mir zurück! Ach! dies allein beklag’ ich in Sarajvo!« Als Džanans Heergefolge dies vernommen, aufjauchzten alle, knallten aus den Flinten und sangen je zu zwei und zwei zusammen: — »So, traun, ist’s wahr, wie Džanan singt und sagt!« So zog Herr Džanan ab mit seinem Heere, er zog vorbei an vierunddreissig Burgen und hielt an siebnundsiebzig Lagerrasten. Es kam Herr Džanan unter Temesvar auf Kóvija, das grüne Hochgebirge, von wo der Ausblick bis gen Szigetvár. Als die Bošnjaken von dem Bosnaland im Felde dort das mächtige Heer erblickten, da jauchzten sie und knallten aus den Flinten. Wie dies die kaiserlichen Horden hörten, bass tat ein jeder sich darob verwundern, was dies für neuer Brauch im Bosnavolk? Sie bauen gleich durchs Lager eine Gasse, knapp am Gezelt der Paschas und Veziere, wo’s Bosnavolk zu defilieren hat. Als ins Gefild das Bosnavolk gestiegen, beriet Herr Džanan seine Bosnamannen: — »O meine Kinder, Bosner von der Bosna! wann wir durchs kaiserliche Heer marschieren, verlier’ ein jeder seine gute Laune und schlag als wär’s im Trotz die Augen nieder. Lasst uns mit solchem neuen Brauch beginnen!« Als sie durchs kaiserliche Heer marschierten, verlor ein jeder seine gute Laune. Darüber tat sich alles bass verwundern, was dies für neuer Brauch im Bosnavolk? Als Buljukbascha Džano kam geritten begrüsst’ er wohl die Paschas und Veziere, die Paschas aber küsst er noch umhalsend. Nun stellten ihm die Paschas eine Frage: — »O Džanan, Glaubenshort vom Bosnaland! was ist das für ein Brauch im Bosnavolk? Als Ihr auf Kovij dem Gebirge waret, was jauchztet Ihr und knalltet aus den Flinten? Was ist das für ein Brauch im Bosnavolk?« — »Das ist schon so ein Brauch im Bosnavolk; wann sie ein so gewaltig Heer erschauen und im Gefild die aufgeschlag’nen Zelte und aufgerollte Rottenfahnen flattern, da überwältigt sie ihr jubelnd Herz, sie jauchzen auf und knallen aus den Flinten!« — »O Džanan, Glaubenshort vom Bosnaland! Dort wart Ihr wohlgemut und guter Dinge; doch auf dem Durchzug durch das Heer des Kaisers verlort Ihr ganz und gar die gute Stimmung?!« — »Bei Gott und Treu’, Ihr Paschas und Veziere! als ins Gefild die Bosner niederstiegen, erblickten sie das mächtig grosse Heer, die Renner und die Helden ausgerüstet, dazu die aufgeschlag’nen seidnen Zelte, — da brachen aus in Weh’ die Bosnamannen: »Schau das verfluchte kaiserliche Heer an, die Renner und die Helden wohl gerüstet! Wie sollen wir, die Ärmsten, in den Krieg? Wir hielten siebnundsiebzig Lagerrasten eh’ wir ins Feld von Temesvar gelangten. Wir haben keiner einen baren Heller auf Hufbeschlag fürs Ross, auf dem wir reiten! Wie sollen wir, die Ärmsten, in den Krieg, denn blutig arm ist an der Grenze Bosnien!« Als dies die Paschas und Veziere hörten, beschenkten sie die Bosner von der Bosna: je neun Dukaten jedem Krieggenossen, Herrn Džanan aber ungezählte Schätze. Noch sagen ihm die Paschas und Veziere: — »Geh’ Džanan, Glaubenshort vom Bosnaland, such einen Lagerplatz bei Temesvar, wo lagern du mit deinen Truppen kannst!« Es schwang sich Džanan auf den braven Goldfuchs, erreichte flugs die Bosner von der Bosna und führte durch die Bosner von der Bosna hindurch durchs ganze kaiserliche Heer ans End’ vom eb’nen Temesvargefilde grad in den Schussbereich der Feldkartätschen der grimmigen magyárischen Todverbreiter. Hier schlug Herr Džanan auf sein Truppenlager. Drob wundert sich die ganze Macht des Heeres: — »Sind doch die Bosnarecken tolle Kerle! wohin er seine handvoll Leut’ geführt! Es frisst sie der Magyar zu Nacht mit Himbeern, er frisst sie nachts mit Himbeern aus Kartätschen!« Herr Džanan blieb zu Nacht an diesem Ort. Am Morgen als der Morgen angetagt und aufgestiegen war die heisse Sonne vernahm man aus der schwarzen Erd’ Getöse und von dem klaren Himmelblau Geknatter, aufrauschte spielend alles Laub des Hochwalds. Du lieber Gott, was mag das wohl besagen? Ei, plötzlich rückt herbei der Siegelhüter, es folgt ihm auf dem Fuss die Kaisermacht. Kaum kam vor Szigetvár Herr Köprülü berief er schon als Vezier ein den Divan; es stellten sich die Paschas ein zum Divan. Herr Köprülü, der legte vor die Frage: — »Vernehmt nun wohl Ihr Paschas und Veziere! Am heutigen Tag und unter Temesvar hat sich gelagert das gesamte Reich genüber all den sieben Königreichen! Entwerft mir nun den Plan für Schlacht und Krieg, wie sollen wir gen sie den Angriff wagen?« Es schweigen alle Paschas still im Divan, Und wieder schreit der Siegelhüter auf: — »Entweder macht ihr jetzt den Schlachtenplan, wie wir auf sie den Angriff wagen sollen, wo nicht, so säbl’ ich Eure Köpf herunter!« Es klagen ihm im Divan alle Paschas: — »O Köprülü, Bewahrer von dem Siegel! Drei weisse Tage bloss gewähr Bedenkzeit, entweder schaffen wir bis dann den Kriegplan, wo nicht, so gilt’s gesunderheit versterben!« Drei weisse Tage liess er zu Bedenkzeit. Die Paschas eilten schnell zu ihren Zelten; ein jeder Pascha holt herbei den Herold. Die Paschas bieten ungezählte Schätze, sie bieten Rosse, bieten Rossgezeuge, ob wohl ein Held im Heere sich erfände, für Köprülü den Schlachtenplan zu machen, wie gen den Feind der Angriff wär zu wagen. Es schallt das Heroldrufen durch die Horden zwei volle weisse Tag ohn Unterlass, zwei dunkle, schreckenbange Nächt hindurch, doch wollt der weise Held sich nimmer finden! Letzt kommt dir auch ein Herold hingestiegen weit übers Blachgefild ins Bosnavolk. Es schallt der Ruf des Herolds durch die Horde, es hört ihn auch Herr Džanan unterm Zelte, so fort und fort, und lacht darüber schallend! — »O lieber Gott, welch ein gewaltig Wunder! Da liegt im Feld die ganze Kaisermacht, dazu als Feldmarschall der Siegelhüter! Drei weisse Tage sind nun hingeflossen, dass durch die Horden Heroldrufe hallen, ob wohl ein Held im Heere sich erfände, für Köprülü den Schlachtenplan zu machen, wie gen den Feind der Angriff wär zu wagen doch wollte sich ein solcher Held nicht finden! Da hab ich mein getreues Volk der Bosna, zwölf tausend auserwählte Bosnamannen, heut gilt mir jeder einen Schlachtenplan, ein jeder könnt ihm einen Plan entwerfen, wie gen den Feind der Angriff wär zu wagen!« Dies hörten auch die Bosner von der Bosna: — »O unser Džanan, unsre liebste Mutter! Du schwing hinauf dich auf den breiten Goldfuchs und geh du in die kaiserliche Horde, dem Köprülü den Schlachtenplan entwerfen; lass nur den Barschatz nimmer uns entweichen, das Angebot der Paschas und Veziere! Schlepp her die Schätze für dein Bosnavolk, dann kannst mit jenen leicht den Krieg du führen!« Ins kaiserliche Heer begab sich Džanan zum Zelte hin des Vezier Köprülü. Als er zum Vezier unters Zelt gekommen, so küsst den Kleidersaum er Köprülü. Der Vezier setzte Džano sich zur Seite; dann sprach zu ihm der Vezier Köprülü: — »O Džanan, Glaubenhort vom Bosnaland! wärst du im Stand den Kriegplan zu entwerfen? wie auf den Feind der Angriff wär zu wagen?« — »O Köprülü, Bewahrer von dem Siegel! befragst du mich um einen Schlachtenplan, so will ich einen Plan dir auch entwerfen. Da hab ich mein getreues Volk der Bosna, zwölf tausend auserwählte Bosnamannen. Ich greif dir an den grimmigen Magyaren, sechshundert Feldkartätschen greif ich an, und was mir Gott und was das Glück beschert! Doch all die andern Paschas und Veziere losstürmen lass gen König Rákóczy! Du Vezier selber gen die ebne Karlsburg, allwo die Macht von allen sieben Königen; denn immer galt’s ‘der König gen den König’! Nun hab ich dir den Schlachtenplan entworfen!« Der Vezier klappt Herrn Džanan auf die Schultern: — »Ei wacker! Glaubenhort vom Bosnaland!« Und hüllt ihm um den goldenen Überwurf. Und wiedrum spricht Herr Džano zum Vezieren: — »Nun hätten wir den Schlachtenplan entworfen. Wie lange lassen wir noch Rastezeit? wann soll der Angriff auf das Heer erfolgen?« Da gaben sie drei weisse Tage Raum zur Rast und Ruh der Rosse und der Kämpfer, bis an die Füsse sie Opanken legen und ihrer feisten Rosse Huf beschlagen. Da ist schon Džanan auch bei seinem Goldfuchs und beim Gezelt der Paschas und Veziere. Die Paschas schenken ungezählte Schätze, sie schenken Rosse, schenken Rossgezeuge. Nicht Rosse mag Herr Džanan noch Gezeuge, er greift nur nach den baren Golddukaten, und flugs zurück zu seinem Bosnavolk. Nun trat Herr Džanan unter sein Gezelt. Es kommen hin zu ihm die Bosnakämpfer: — »O unser Džanan, unsre liebste Mutter! hast du dem Köprülü den Plan entworfen? wie soll man gen den Feind den Angriff machen?« — »Dem Köprülü entwarf ich einen Schlachtplan wie auf den Feind man soll den Angriff machen!« — »Wen, Džano, hast für dich du vorbehalten? Gen wen wirst du mit den Bošnjaken stürmen?« — »O Kinder, gen den grimmigen Magyaren, sechshundert Feldkartätschen anzugreifen, und, was uns Gott und was das Glück beschert! Doch all die andern Paschas und Veziere, sie stürmen los gen König Rákóczy, und Köprülü, der soll zur ebnen Karlsburg, allwo die Macht von allen sieben Königen; denn immer galt’s: ‘der König gen den König’!« — »O unser Džano, unsre liebste Mutter! nachdem du solchen Schlachtenplan entworfen, wie lange habt Ihr Rastezeit gelassen? wann soll der Angriff auf das Heer erfolgen?« — »Drei weisse Tage, meine lieben Kinder, zur Rast und Ruh der Rosse und der Kämpfer, bis an die Füsse sie Opanken legen und ihrer feisten Rosse Huf beschlagen!« Da spricht zu ihm ein Wort der Fähnrich Hasan: — »Weil, Džano, du für uns hast vorbehalten, den grimmigen Magyaren vorbehalten, sind auch bereit schon Renner und Opanken. Lass uns noch heute Nacht den Angriff wagen, und, was uns Gott und was das Glück gewährt!« Herr Džanan klappt ihm fröhlich auf die Schultern: — »Ein wacker Wort gesprochen, Fähnrich Hasan, wohl bist du unbedingt ein Schlachtendenker!« Und Džanan sprach: ‘der Angriff wird erfolgen!’ Kaum war’s gesagt, der Angriff werd’ erfolgen, da brachen schon die Bosner aus in Jubel; aufjauchzten alle, schossen aus den Büchsen und stimmten an zu zwei und zwei ein Lied. Kaum brachen die Bošnjaken aus in Jubel, schon stellten sie ein blutig Mus ans Feuer und assen wohl ein blutig Mus zum Nachtmahl. Es tauschten alle miteinander Küsse, sie küssten sich und nahmen letzten Abschied, und jeder schwang sich auf sein gutes Rösslein und mit verhängtem Zügel stürmten alle durchs Temesvargefild gen’s feste Lager, gen’s Lager stracks des grimmigen Magyaren. Als sie beim Glied und Feindelager waren, zerbrachen mit den Händen sie das Radschloss und jeder schoss je eine Büchse ab, und jeder griff nach seinem scharfen Schwert; dann stürmten alle gen die Reih und Glieder, im Sturme schoss ein jeder aus der Büchse, dann griffen alle nach den scharfen Schwertern, im ersten Sturm durchbrachen sie die Glieder. Traun! ihnen war da schlimmes Glück beschieden! Es blitzten auf sechshundert Feldkartätschen, sechstausend Leichen fielen hier zu Boden, sechstausend Mannen blieben noch am Leben. Sie stürmten augenblicklich die Kartätschen. Und Gott verlieh’s, das Glück beschied es ihnen, sie stellten den Kartätschen ein das Feuer. »Allâh!« so schrie Herr Buljukbascha Džano, »Allâh! Allâh!«, es schossen die Gewehre. Die dunkle Nacht bemächtigt sich des Kampfes und schwarze Finsternis bedrückt die Wahlstatt. Nun glaubte wohl das grimmige Volk der Deutschen, es stürme los die Macht des Siegelwahrers und hintennach mit Wucht das Kaiserreich. Sie wandten sich zur Flucht, entflohen heillos, im Stich sie liessen Hort und Kriegkanonen und allen Schatz und königlichen Schmuck! Doch Džano, der verfolgt sogleich die Christen mit ihm sechs tausend Bosner von der Bosna, und jagt sie hin zu König Rákóczy. Doch ihn empfing nun Rákóczy der König mit Feldkartätschen und lebendig Feuer. O guter Gott, welch wenig gut Begegnen! Es blitzt, es schiesst, es fliesst das Blut in Strömen! Sieh Džanan an, den Bosna-Glaubenhort! wie er den König Rákóczy umrungen mit wohl sechs tausend Bosnern von der Bosna! »Allâh! Allâh!«, es schossen die Gewehre! Nun war im Glauben Rákóczy der König, es stürme los die Macht des Siegelwahrers und hintennach mit Wucht das Kaiserreich! Er wandte sich zur Flucht, es floh der König und liess im Stich den Hort und die Kanonen und allen Schatz und königlichen Schmuck! Hui! jagt ihn weiter Buljukbascha Džano, mit ihm sechs tausend Bosner von der Bosna, und treibt die Flüchtigen hin zur ebnen Karlsburg! Allhier empfingen ihn an sieben Fürsten mit Feldkartätschen und lebendig Feuer. O guter Gott, welch wenig gut Begegnen! Es blitzt, es schiesst, es fliesst das Blut in Strömen, du meintest schier, die Erde sei geborsten! Sieh Džanan an, den Bosna-Glaubenhort, wie auf der ebnen Karlsburg er umrungen, umrungen wie er all die sieben Fürsten mit nur sechs tausend Bosnern von der Bosna! »Allâh! Allâh!« es schossen los die Büchsen. Die sieben Fürsten waren nun im Glauben, es stürme los die Macht des Siegelwahrers und hintennach mit Wucht das Kaiserreich. Sie flohen alle von der ebnen Karlsburg, von Karlsburg weiter bis zum Goldgewerke; im Stich sie liessen Hort und Kriegkanonen. Es jagt sie weiter Buljukbascha Džano, mit ihm sechstausend Bosner von der Bosna, von Karlsburg weiter bis zum Goldgewerke! Am Morgen als der Morgen angetagt, — Herr Köprülü versammelte den Divan; es trafen alle Paschas ein zum Divan, und Köprülü der Vezier fragt sie also: — »So helf’ euch Gott, Ihr Paschas und Veziere, was drang da für Getöse her zu uns? ein dumpfes, wüst Getöse von Kanonen? von unten da herauf vom Goldgewerke? was ist das für ein Fest im Kafirvolke?« Es schweigen ihm im Divan alle Paschen, da spricht Herr Halipascha Glaubenshort: — »O Köprülü, Bewahrer von dem Siegel! als dir da gestern Buljukbascha Džano, als er den Schlachtenplan dir tat entwerfen, auf welche Art der Christ sei anzugreifen, da hat für sich Herr Džano vorbehalten, den grimmigen Magyaren vorbehalten, mit seinen Bosnamannen anzugreifen, sechs hundert Feldkartätschen gleich zu nehmen; doch als er drauf ins Bosnavolk gekommen, missbilligten die Bosner seinen Plan. Als sie zum Abend aus Gewehren schossen, da brachten die Bošnjaken um den Džano. Heut Nacht sind die Bošnjaken ausgerissen! Der Reih’ nach jubilieren all die Herrscher, sie jubeln und sie schiessen aus Kanonen!« Da schreit und kreischt der Vezier Köprülü: — »Ei wart nur wart, du Bosnavolk von Bosnien! Sind wirklich die Bošnjaken ausgerissen, so lass ich ihnen ab die Köpfe säbeln und lass damit die Feldkartätschen füllen und schick’ sie allen sieben Herrschern zu!« Da trillert auf aus Wolkenhöhn die Vila und ruft beim vollen Namen Köprülü: — »O Köprülü, Bewahrer von dem Siegel! so steht es nicht, allwie’s der Pascha sagt! mit nichten ist dein Bosnavolk entwichen, vielmehr hat Bascha Džano angegriffen den grimmigen Magyaren angegriffen; sechs tausend Leichen liess Herr Džanan liegen, zerschlug das Heer von allen sieben Herrschern und trieb sie alle bis zum Goldgewerke, und schlug sich wohl mit allen sieben Herrschern mit nur sechstausend Bosna-Glaubenstreitern! Doch weil du dich am Bosnavolk vergangen, das kostet dir beim Kaiser deinen Kopf!« Als dies der Vezier Köprülü vernommen, da zog er eigenhändig blank das Schwert und hieb den Pascha eigenhändig nieder. Der Vezier klagt, es strömen ihm die Zähren: — »O Džanan, Džanan, meine wilden Wunden! es weiss es Gott, es weiss es Köprülü, ich hab’ an dir mich nicht mit List vergangen, nur Paschas und Veziere, die Verräter!« Darauf erdröhnten die Alarmkanonen, die ihm im Feld die Horden alarmieren, und ungesäumt enteilt der Siegelwahrer und hinterdrein das ganze Kaiserreich geradenwegs mit Heil zum festen Lager, zum Lagerplatz des grimmigen Magyaren. Sieh! überall ist dort das Gras zertreten und ganz und gar mit schwarzem Blut besudelt, verflucht, mit Leichen alles überdeckt! Er fand das Krieggepäck, er fand Kanonen, auch fand er Džanans all’ sechs tausend Leichen, so da gefallen Bosner von der Bosna. Sechstausend Leichen barg er nun in Gräber. Befahl dann in die Heermacht einen Herold; und durch die Horden ruft ihm aus der Herold: — »Es rühre niemand irgend etwas an, sonst hau’ ich ihm das braune Haupt herab! Es ist ein Heldenstreich vom Bosnavolk!« Nun zog er weiter fort mit seinem Heere. Der Vezier kam sodann zum festen Lager, zur Lagerstätte Rákóczy des Königs. Auch hier ist überall das Gras zertreten und ganz und gar mit schwarzem Blut besudelt; er fand auch hier Gepäck, er fand Kanonen, den ganzen Schatz und königlichen Schmuck. Auch hier befahl ins Heer er einen Herold: und durch die Horden ruft ihm aus der Herold: — »Es taste niemand irgend etwas an, sonst hau’ ich ihm das braune Haupt herab! Es ist ein Heldenstreich vom Bosnavolk!« Er zog auch hier mit seinem Heere weiter. Der Vezier stieg zur ebnen Karlsburg nieder. So lang und breit ist die verfluchte Fläche, man kann sie mit dem Aug’ nicht überschauen! Da ist kein Baum, kein Fels ist da zu sehen, die ganze Fläche eine Lache Blut zudem mit Leichen arg noch mehr verrammelt. Er fand die Güter aller sieben Herrscher, doch weiter wusst’ den Weg nicht mehr der Vezier, er liess das Heer im Feld von Karlsburg rasten. Auf Karlsburg wandelt unstät Köprülü und horcht und horcht auf das Kanonenecho, wie’s gellt von unten her vom Goldgewerke, denn vom Gewerke schallen die Kanonen. Er wandelt ruhlos, ihm entfliessen Zähren und nimmt zur Hand das glasbewehrte Fernrohr; der Vezier überschaut die Karlsburg-Eb’ne und schaut zur Grenze hin, zum Goldgewerke. Indess entsteht im Feld ein Wolkendunkel, hier pflegt ein Dunkel nie allein zu weilen, weil aus dem Dunkel brach hervor ein Kämpe auf einem Rappen, einem Schlachtenrenner. Der Rapp’ ist ohne Mähn’ und ohne Zöpfe, ohn’ Augenbrau’n und Schnurrbart ist der Kämpe, er ist verrusst, wie eine schwarze Dohle, die Hände blutig bis zum Ellenbogen, und blutig bis zum Griff hinauf das Schwert. Als ihn mit eig’nen Augen sah der Vezier, da hegt’ im Herzen er den frommen Wunsch: — »O wollt es Gott, es wär’ der Bosnastreiter!« Wie nun der Sieger auf den Rappen ankam, so fand er Köprülü im Feld von Karlsburg. Er rief dem Vezier ‘Gott zum Grusse!’ zu, umarmten sich und küssten hier einander. Sodann befragt ihn Köprülü der Vezier: — »O Bruder mein, du Glaubenhort von Bosna! wie steht’s mit unserm Buljukbascha Džano? ist uns der Drache Džano noch am Leben?« — »Fürwahr, es ist uns Džano noch am Leben. Dort haust im gold’nen Berggewerke Džano mit wohl sechs tausend Bosna-Glaubenstreitern und kämpft den Kampf mit allen sieben Königen. Er liess jedoch dir einen Gruss entbieten; sechs tausend Opfertiere sollst du schlachten für seine Schar sechs tausend Mann Bošnjaken, auch sollst du ihm sechs tausend Karren senden von Karlsburg aus zum gold’nen Berggewerke, damit er dir den Schatz auf Karren schicke!« Als Köprülü, der Vezier, dies vernommen, so schlug er selber ein Kameltier nieder und schrie mit starker Stimm’ aus voller Kehle: — »Dies Opfertier für Buljukbascha Džano!« Nicht schneller kann ihr Kind die Mutter stillen, als hier sechs tausend Stück Kamele fielen, sechs tausend Opfertiere sind geschlachtet. Letzt schickt der Vezier ab sechs tausend Karren von Karlsburg aus zum gold’nen Berggewerke. Drauf war nur eine kleine Weil verflogen, kam Džano angerückt vom Berggewerke mit wohl sechs tausend Bosna-Glaubenstreitern. Herr Džanan schleppt die Schätze auf den Wagen, er führt mit sich auch alle sieben Könige und trägt mit sich die Krone Nuschirwâns. Als Džanan auf das Karlsburgfeld gelangte, ward ihm vom Vezier festlicher Empfang, es gaben Feuer alle Feldkanonen, Herr Köprülü umhalst’ und küsste Džano. Dann sprach zu ihm der Vezier Köprülü: — »O Bruder Džano, Bosna-Glaubenstreiter, verschimpf’ mich nicht mit übler Red’ beim Kaiser, sonst kostet’s mich beim Kaiser meinen Kopf! Es weiss es Gott, es weiss es Köprülü, ich hab’ an dir mich nicht mit List vergangen, nur Paschas und Veziere, die Verräter! O Džano, heisch, was immer dir behagt!« — »O Köprülü, Bewahrer von dem Siegel! Vermögen hab’ ich ohne Mass und Ende, doch weit entfernt ist Bosna an der Grenze, wie sollt’ den wüsten Schatz ich hinbefördern? Und überdies, o Vezier Köprülü; im langen Lauf der Weilen und der Zeiten wird leicht auch aufgebraucht der bare Schatz! Doch hätt’ ich hier mein treues Bosnavolk, zwölf tausend Mannen von dem Bosnavolk, sechs tausend auf dem Karlsburgfeld am Leben, sechs tausend sind als Leichen hingefallen, als Leichen wohl im Kampfe mit Magyaren; drum wirst du, Vezier Köprülü, mir geben zwölf tausend lauter Grundbelehnungbriefe, dem toten Mann so wie dem Lebenden!« Darauf bemerkt der Vezier Köprülü: — »So heisch doch Džano und verstell’ dich nicht, es schaut sich nichts dabei für dich heraus!« Und wiedrum spricht Herr Buljukbascha Džano: — »Was soll ich, Köprülü, von dir verlangen! Du bist ja heut des Kaisers Stellvertretung, und was du sagst, dir’s nicht versagt der Kaiser. Gar weit entfernt liegt an der Grenze Bosnien, es zieht sich uns ein weiter Weg nach Stambol zur Einsichtnehmung in die Grundverschreibung. Gib lieber mir das halbe Kaisersiegel wohl mit ins stolze, kotige Bosnaland!« Bei Gott, er war ihm wenig lieb und recht, er konnte sich jedoch nicht anders helfen. Das halbe Kaisersiegel gab er Džano wohl mit ins stolze, kotige Bosnaland. Ihm weiht Herr Džano alle sieben Herrscher, der Vezier ihm des Kaisers heiligen Segen, wohl mit ins lehmige Land der stolzen Bosna!