Slavische Volkforschungen Abhandlungen über Glauben, Gewohnheitrechte, Sitten, Bräuche und die Guslarenlieder der Südslaven

Part 21

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Das Lied sang mir am 9. Mai 1885 der Guslar Halil Marić im Dörfchen Ravčići bei Mostar, dem ich auch die erste Fassung des »Fräuleins von Kanizsa« (in Anton Herrmanns Ethnolog. Mitt. aus Ungarn B. IV u. V abgedruckt) verdanke. Dort gab ich auch eine Lebenbeschreibung dieses ausgezeichnet tüchtigen Guslaren. Beim Vortrag rast und tobt er, wie ein Besessener. Er sitzt dabei auf flacher Erde, die Guslen zwischen den Beinen, und rutscht allmählich von der Wand bis zur Zimmermitte vor. Er lebt in solcher Verzückung das Lied förmlich seelisch mit durch. Er kann aber auch ohne solche mimische und Gesangungeheuerlichkeit vortragen. Ich bestellte ihn später nach Mostar, wo ich im Hotel an einem Tische nach unserer Art bequem sitzend ruhige Rezitationen aus seinem Munde aufnahm. Er passt dabei freilich wie ein Haftelmacher auf, um keine Zeile zu überspringen. Džanüms Heerzug erlernte er noch als Knabe (etwa in den Jahren 1830–35) von einem Guslaren, dessen er sich nicht mehr erinnern konnte oder wollte. Er wusste nur soviel noch, dass jener ein Frächter (kiridžija) aus dem Nikšićer Džemat (Bezirk) gewesen, der Erwerbes halber mit seinen Pferden Güter aus Sarajevo nach dem Herzogtume zu befördern pflegte. Ich erzählte Halilen von seinem Kunstgenossen Alija Cigo (Zigeunerlein), einem slavisierten Tataren in Pazarići, der mir das Lied von Köprülüs Vezierschaft gesungen. Er sagte darauf: ‘Ich kenne ihn und kenne das Lied, aber ich wüsste dir noch ein besseres zu singen.’ Er meinte das vorliegende, das ich sodann aufzeichnete. Wahrscheinlich führt auch Halil Alija Cigos Lied im eigenen Vorrat; denn in beiden Stücken decken sich gewisse Redewendungen und Zeilen derart, dass man ohne bestimmte Kenntnis des Sachverhaltes annehmen müsste, dass beide von ein und demselben Guslaren herrühren. Möglich ist’s, dass sowohl Alija der Tatar als Halil Marić den gleichen Guslaren zum »Lehrer« gehabt.

Für Halilen war die Hauptsache in der ganzen Geschichte die aussergewöhnlich grosse Beute und unerhörte Karrière Džanüms. Darnach führt das Lied bei ihm nachfolgenden Titel:

Buljubaša Džano primi pô muhura carskog.

Tekla Drina ispod Varadina a Dunava ispod Biograda, ladna Sava ispot Temišvara. Tu veziri zimovali zimu Avdipaša i š njim Seidija. Kat proleće pramaleće dojgje, sva procmilje od Erdelja raja už koljeno dva vezira mlada. Teško raja od Erdelja cvili: — »Dva vezira, careva većila! što durasmo veće ne moremo od zuluma Rakocije kralja! siće momke a vodi divojke. Vet zuluma trpit ne moremo, vet nam kakvog adaleta tražte od devleta i cara našega! Ako l nama adaleta nejma od našega cara čestitoga, hoćemo se i mi odmetnuti, ne davati danka ni harača!«