Sechs Jahre in Surinam Bilder aus dem militärischen Leben dieser Colonie und Skizzen zur Kenntniss seiner socialen und naturwissenschaftlichen Verhältnisse

Part 4

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Die Holzetablissements, welche schon seit so vielen Jahren betrieben werden, hieben natürlich dasjenige Holz, das in der Nähe der Flüsse oder Kreeken stand, zuerst weg, und haben desshalb, je tiefer sie landeinwärts dringen, um so schwierigeren Transport. Es denkt natürlich Niemand daran, die ausgehauenen nützlichen Hölzer durch Stecklinge nachzupflanzen, was mit wenig Mühe und Kosten geschehen könnte. Man denkt eben wie überall: =Après moi le déluge= -- und das ist eben der Grund davon, dass die edlen, feinen Holzarten so theuer und in grossen Dimensionen so mühsam zu bekommen sind. Es können diese Etablissements durchaus nicht concurriren mit dem Verkaufe des Holzes, das die Buschneger aus den noch nicht ausgegebenen Waldungen des unbewohnten Landes bringen, und zu niedrigen Preisen verkaufen. Ausserdem dass die Buschneger nicht die mindeste Abgabe an das Land bezahlen, während die Eigenthümer der Holzgründe mit Kopf- und Ackergeldern besteuert, und den Wechselfällen des Sklavenbesitzes ausgesetzt sind, fällen jene ihr Holz noch an Stellen, wo es, so zu sagen, ins Wasser fällt, so dass ihnen der Weitertransport keine Mühe macht. Es ist desshalb auch zu begreifen, dass die Eigenthümer der Holzgründe ihre Rechnung bei diesem Handel nicht finden; aber das Gesetz, dass die Neger nur mit ihrem Willen von den Pflanzungen verkauft oder versetzt werden können, und die Widerspenstigkeit, ein anderes Product anzupflanzen, das dem Eigenthümer mehr Nutzen bringen, ihnen aber mehr Mühe verursachen würde, macht die meisten Eigenthümer zu armen Leuten.

Die Neger dieser Pflanzungen haben vor allen das beste Leben; sie gebrauchen die viele freie Zeit, welche sie erübrigen, zur Anpflanzung von Erdfrüchten, die sie in Paramaribo verkaufen. Sie erhalten von ihren Eigenthümern bloss sogenannte Switti Moffo, d. i. gesalzenes Fleisch oder gesalzene Fische; es werden ihnen aber jährlich in der Trockenzeit eine gewisse Anzahl Tage freigegeben, in denen sie Wald fällen, verbrennen und den Boden reinigen, und Erdfrüchte, die meistens aus Mais, Reis, Toryers, Cassave u. s. w. bestehen, pflanzen. Sie ziehen überdiess Schweine und Federvieh und leben in mancher Hinsicht besser, als der von allen Sorgen gedrückte und ärmere europäische Landmann.

Alle Pflanzungen stehen unter der Aufsicht und Leitung eines Directors, der auf der Pflanzung wohnt und von den Eigenthümern oder Administratoren des Effektes angestellt und diesen verantwortlich ist[6].

Die Einkünfte des Directors richten sich nach der Grösse des Effektes und seiner Revenüen, und belaufen sich auf den grössten Zuckerpflanzungen manchmal auf 3000 fl. Ausser der Besoldung, die im Durchschnitt auf 1200 fl. angeschlagen werden kann, haben viele noch sichere Procente von Producten der Pflanzung, als: Zucker, Caffee, Cattun, Melassin und Dram; sie ziehen auch eine Menge Schweine und Federvieh, die von den Bananen der Pflanzung gefüttert werden. (Ich kenne Directoren, die über 1000 fl. jährlich reinen Gewinn von ihren Schweinen haben.) Sie sind auch unumschränkte Herren auf der Pflanzung. Verstehen sie nun, sich der Gunst des Administrators zu versichern, und sind sie in ihrem Fache als tüchtige Männer bekannt, so ist ein solcher Director wirklich eine beneidenswerthe Person. Geräumige Gebäude sind ihre Wohnungen, eine Menge Dienstboten führen die Haushaltung; ein Jäger, Fischer und Gärtner sorgen für die Bedürfnisse der Tafel, und alle diese fliegen auf den Wink herbei. Die Bequemlichkeit dieser Herren, besonders der farbigen Directoren, ist daher manchmal eckelerregend, so z. B. wäre es eine grosse Erniedrigung, selbst eine Pfeife anzuzünden, ein Glas Wasser einzuschenken oder die Schuhe auszuziehen. Ich kannte mehrere dieser Herren, besonders auf Holzgründen, die des Morgens um 6 Uhr aufstanden, dem Bastian der Neger ihre Befehle ertheilten, dann Caffee tranken, bis 12 Uhr nichts thaten, gut assen, nachher sogleich von den Beschwerden der Tafel in der Hängematte ausruhten, und sich da von einem hübschen Negermädchen den Kopf kratzen liessen, bis ihnen die Augen zufielen. Um 5 Uhr standen sie auf, wuschen sich, assen von 7-8 Uhr, legten sich um 9 Uhr mit ihren Concubinen in's Bett und verdienten dabei 12-1500 fl. jährlich. Dieses ist nicht übertrieben; doch kenne ich keinen Europäer, der es bis jetzt zu diesem Grade von Faulheit gebracht hatte.

Ein Director, der seinen Pflichten nachkommen will, wird aber auch nie auf solche Weise vegetiren. Die Behandlung der Neger erfordert, besonders in der jetzigen Zeit, sehr viel Umsicht und kaltes Blut, sowie eine grosse Erfahrung und eine, wenigstens auch nur oberflächliche, medicinische Kenntniss, um ihre angeblichen Krankheiten, die sie manchmal vorschützen, um sich der Arbeit zu entziehen, oder ihre wirklichen Krankheiten und Gebrechen beurtheilen zu können. Ihre mannigfaltigen Betrügereien, ihr Aberglauben und ihre Fetische können nicht immer auf eine Weise bestraft werden, wie sie es verdienen; kurz, es gehört viel dazu, sie zum Vortheil ihres Besitzers so zu behandeln, dass die Furcht, die doch hier nur den Gehorsam bedingt, unter ihnen herrscht, und ihre Fehler doch mit Nachsicht gerügt werden. Und es ist nicht allein Menschen- oder Negerkenntniss, die dem Director nicht fehlen darf, sondern er muss auch in technischer Beziehung eine gute Schule genossen haben; denn er muss seine Meinung beim Zimmern von Gebäuden, beim Mauern von Oefen, beim Schmieden im Maschinenwerk, kurz überall äussern können, weil Alles unter seiner Leitung und Aufsicht geschieht. Die Bearbeitung seines Products ist ihm ganz allein überlassen, und es liegt desshalb eine schwere Verantwortung auf ihm.

Das Leben auf der Pflanzung ist beinahe überall das gleiche.

Der Director steht um ½6 Uhr auf, kleidet sich in eine grobe leinene Hose und ein Wamms, und kommt auf die Gallerie, die auf den meisten Pflanzungen sich auf einer oder beiden Seiten des Hauses hinzieht. Bereits warten unter derselben die schwarzen Aufseher der Sclaven, Bastians, die als Zeichen ihres Ranges eine Peitsche führen. Es sind deren 2-4. Sie erstatten dem Director Bericht über die Arbeiten des vorigen Tages, bezeichnen die Faulen oder die, welche Strafe verdient haben, und vernehmen die Befehle für die Arbeiten des Tages. Die, welche Prügel verdient haben, empfangen sie nun vor der Thüre, während der Director seinen Caffee trinkt.

Sind die Arbeiten geregelt, so erscheinen die Kranken mit dem Dresneger oder Doctor. Man sieht da allerlei jämmerliche Gesichter und hört manches Aechzen, was man aber nicht immer für baare Münze annehmen darf. Die wirklich Kranken kommen ins Krankenhaus, die andern werden weggejagt und müssen an ihre Arbeit. Zu gleicher Zeit macht auch der Blank-Officier oder weisse Aufseher, der seinen Caffee in seiner bescheidenen Kammer eingeschluckt hat, seinen Rapport, erhält seine Befehle und geht in die Aecker, die Arbeit der Neger anzusehen, oder in die Mühle, wenn da gemahlen wird. Der Director geht nun, nachdem er die Befehle für seine Haushaltung (denn nur wenige sind verheirathet) gegeben hat, mit seinem Jungen (Voeteboy), der Tabak, Flinten, häufig auch eine Herzensstärkung tragen muss, versehen mit einem langen, sogenannten Tasstocke, ins Feld, wo er ebenfalls die Arbeiten besichtigt und untersucht. Der lange Stock dient ihm dazu, um über die Gräben, welche die verschiedenen Beete und Aecker absondern, zu springen. Ueber breite Gräben (Vaartrenzen), in welchen man das Product in kleinen Ponten nach den Gebäuden führt, gehen Brücken. Meistens dauert eine solche Promenade 1½-2 Stunden, von welcher man, besonders während der Regenzeit, von unten bis oben beschmutzt nach Hause kommt. Hat er sich umgekleidet, so wird ein Schnaps eingenommen, um den Appetit zur Tafel zu reizen, der aber bei einem noch nicht recht kommen will, und meistens durch mehrere aufeinander folgende geweckt werden muss.

Gegen eilf Uhr bringt die Creolen-Mamma, eine alte Negerin, welche die Aufsicht über die Kinder der Pflanzung führt, dieselben vor die Thüre. Mädchen und Knaben sind ganz nackt und kommen so eben aus dem Bade. Sie stellen sich nach der Grösse: Bengels von 13-14 Jahren oben an, und ganz kleine, mit dicken, vollgegessenen Bäuchen, unten.

Auf ein gegebenes Zeichen der Negerin strecken alle die Hände empor, klatschen und rufen: =Odi Masra, Odi Missi, fai Masra dan, fai Missi dan!= (Guten Tag Herr, guten Tag Frau! Wie gehts Herr? Wie gehts Frau?) und dergleichen Narrheiten, die jeder Director nach seiner eigenen Phantasie papageienartig sich vorplaudern lässt. Hierauf marschirt die Creolen-Mamma mit ihrer Heerde ab.

Um zwölf Uhr wird gegessen, wobei der Blankofficier, wenn keine Gäste da sind, allein mit dem Director isst. Es werden meistens mehrere Arten Fleisch und Fische mit Erdfrüchten und scharfen Saucen, aber wenige Gemüse aufgetragen.

Häufig findet man bei der Mittagstafel einen alten, russigen, irdenen Topf, der mit Ueberbleibseln von Fleisch und Fischen, in einer fürchterlich gepfefferten Sauce, auf einem weissen Teller den Liebhabern präsentirt wird. Man nennt diese Töpfe Pfeffertöpfe[7]; sie waren besonders früher sehr in der Mode. Nach dem Essen hält der Director eine Siesta bis gegen 4 Uhr. Ihn in dieser Ruhe zu stören, ist nur in besonders dringenden Fällen erlaubt, sonst würde er ein sehr schiefes Gesicht dazu machen. Des Abends 6 Uhr kommen wieder die Bastians und Feldneger, welche dann einen Schnaps, Dram, erhalten, vor die Thüre, und auch der Blankofficier macht mit dem Hute in der Hand seine Aufwartung. Auch er erhält seinen Schluck Genever; nachher zieht er sich, wenn ihn nicht der Director zum Gespräche zu sich einladet, was aber sehr selten geschieht, in sein Kämmerlein zurück, bis ihn gegen 8 Uhr der Voeteboy zum Abendessen abruft.

Ist der Director ein gebildeter Mann, so findet er in der vielen freien Zeit Unterhaltung in der Lectüre; denn häufig leben die Directoren der Nachbarschaft unter sich auf gespanntem Fusse, was wirklich zu verwundern ist; denn sie sind desswegen meist allein und blos auf die Gesellschaft ihrer Haushälterinnen beschränkt, die gerade nicht besonders unterhaltend sind. Diese Einsamkeit und das Bedürfniss, die Zeit zu tödten, ist die Hauptursache der unmässigen Consumtion von starken Getränken, und es ist unglaublich, welche Quantitäten von Genever, Rum und Branntwein hier jährlich verbraucht werden.

Die Gastfreundschaft auf den Pflanzungen ist sehr gross. Da keine Wege im Lande sind, so reist man überall zu Wasser in geräumigen Barken, und zwar die Flüsse aufwärts mit der Fluth, abwärts mit der Ebbe[8].

Wirthshäuser findet man nirgends. Erlaubt das Getey (Ebbe oder Fluth) nicht, weiter zu fahren, oder will man ausruhen, so hält man an der ersten besten Pflanzung und wird, sey man bekannt oder nicht, mit aller Freundlichkeit empfangen. Man erhält Zimmer, übernachtet oder zieht weiter, wie man es für gut findet. An Bezahlung ist natürlich nicht zu denken, und Trinkgelder sind gar nicht Mode.

So ist also das Leben auf den Pflanzungen mehr oder weniger gesellig, je nachdem Gäste kommen, oder die Directoren der Nachbarschaft sich gut mit einander vertragen können.

Viele Bewohner der Stadt bringen die Trockenzeiten auf den Pflanzungen zu, und mancher Pflastertreter sucht die eine oder andere heim.

Dass die Langeweile die Plantagenbewohner manchmal zu tausend Narrheiten verleitet, lässt sich denken. Pasquillen und Scherze sind immer im Umlauf und endigen manchmal auf kostspielige Weise, besonders wenn sich die Justiz darein legen muss. Mancher Director hat sich schon ein hübsches Vermögen erworben, und viele besitzen Häuser in Paramaribo; andere aber verbrauchen ihren Gehalt mit feinen Speisen und Getränken, oder in Amours und sind, wenn sie ihre Stelle verlieren, gar bemitleidenswerthe Geschöpfe. Sie leben fast alle mit Haushälterinnen, die entweder Freie (Missi) sind, oder die sie sich unter den hübschen Mädchen der Pflanzung aussuchen. Unter letzteren Verhältnissen sind die Kinder Sclaven, es sey denn, dass sie von ihrem Vater losgekauft werden, was manchmal mit vielen Schwierigkeiten und Kosten verbunden ist.

Die zweite weisse Person auf der Pflanzung ist der Blankofficier, deren grössere Effecte 2-3, kleinere nur einen haben. Ihr Gehalt ist gering und beträgt selten über 250 fl. Es sind diess meist junge Leute, die aus Europa kommen, um ihr Glück zu machen, und die, wenn sie Protection haben und sich gut betragen, in 3-4 Jahren es ebenfalls zu einer Directorstelle bringen können. Ihr Anfang ist aber schwer, denn sie werden von den meisten Directoren wie eine Art niederer Geschöpfe behandelt und selten mit einem Wort beehrt. Sie sind in ihren Freistunden ganz sich selbst überlassen und bringen in manchmal erbärmlichen Wohnungen ihre Abende zu.

Man denke sich, wie es einem gebildeten, jungen Menschen zu Muthe seyn muss, wenn er, unbekannt mit den Gebräuchen und der Negersprache, seine Lehrzeit auf einer Pflanzung beginnt, wo ihn der Director kaum eines Grusses würdigt, und ihm eine miserable Kammer angewiesen wird, in welcher er keine andere Gesellschaft findet, als Millionen von Mosquittos, oder Klumpen von Fledermäusen, die in den Dachsparren zwitschernd ihre Bemerkung über ihn zu machen scheinen.

Ich komme nun zu den Sclaven der Pflanzungen, welche die Hauptbevölkerung des Landes ausmachen.

Da seit 24 Jahren keine mehr aus Afrika eingeführt wurden, so besteht die Mehrzahl derselben aus hier Gebornen oder Creolen. Diese letzteren, welche von Jugend auf an das Effect und dessen Eigenthümer oder Verwalter gewöhnt sind, werden den Afrikanern bei weitem vorgezogen; sie bilden auch meistens grosse Familien, welche nie von der Pflanzung verkauft werden.

Man theilt die Plantagensclaven in vier Classen: 1) In Feldsclaven, die zur Cultur bestimmt sind; 2) in Haussclaven, die das Hauswesen, Tafel, Küche u. s. w. besorgen; 3) in Creolen: kleine Kinder, die noch keine Arbeit verrichten können, und 4) in Malenkers: Alte und Kranke, die zu keiner Arbeit mehr fähig sind. Wenn daher eine Pflanzung unter 200 Köpfen 75-80 Feldsclaven besitzt, so ist diess schon ein sehr vortheilhafter Staat. Die Feldsclaven haben natürlich bei weitem die schwerere Arbeit, während die Haussclaven, von denen z. B. zwei für die Küche, zwei für die Wäsche, einer zum Nähen, einer und zwei Voeteboys zum Dienste eines einzelnen Mannes angestellt sind, den grössten Theil des Tages unbeschäftigt herumliegen. Ein Jäger, ein Fischer, sowie auf manchen Pflanzungen ein Gärtner, haben mehr Arbeit.

Der Schweine- und Kühehirt, ein Weib, das für die Hühner zu sorgen hat, und ein Wächter des Kostgrundes sind meistens alte Leute, welche zu keiner andern Arbeit mehr gebraucht werden können[9].

Die Feldsclaven gehen des Morgens um 6 oder 7 Uhr in die Aecker an ihre Arbeit, und kehren des Abends, oder wenn sie das, was ihnen auf den meisten Pflanzungen vorgeschrieben wird, vollendet haben, nach Hause zurück. Des Sonntags wird nichts gearbeitet, muss es aber geschehen, wie diess häufig auf den Zuckerpflanzungen der Fall ist, so wird den Sclaven ein anderer Tag für den Sonntag gegeben.

Die Negerhäuser sind ganz in der Nähe der Mühle oder der Fabrikgebäude, und bilden, wenn die Pflanzung bedeutend ist, ganze Dörfer. Auf manchen Pflanzungen sind sie von Brettern gebaut und mit Schindeln bedeckt, auf den meisten aber mit den Latten der Pinapalme beschlagen und mit Blättern dieser Palme bedeckt. Um die Häuser, welche regelmässige Strassen bilden, pflanzen die Neger spanischen Pfeffer, Calebasbäume u. s. w.; dabei wimmelt es von Federvieh und Schweinen.

Die Nahrung erhalten die Neger auf allen Pflanzungen, die Holzgründe ausgenommen, vom Effekte selbst. Sie soll nach dem Gesetze in zwei Bündeln Bananen und 3 Pfund gesalzenen Fischen wöchentlich bestehen. Erwachsene Neger erhalten dazu noch Tabak, Pfeifen, und täglich einen Schnaps, Dram; Weiber dagegen Melassin. Bananen werden auf den Pflanzungen jeden Sonntag Morgen ausgetheilt; Fische u. s. w. aber viertel- oder halbjährlich. Es ist aber kaum möglich, ihnen das Stehlen von Bananen in den Kostäckern, von Zucker oder Melassin im Kochhause, von Producten aus den Caffee- oder Cattunlogen dieser Effekte zu verwehren. Das Gestohlene verbrauchen sie entweder selbst oder vertauschen es bei Sclaven anderer Pflanzungen, oder bringen es gelegenheitlich nach Paramaribo, wo sich stets Liebhaber dafür finden[10]. Kleidungsstücke und andere Bedürfnisse, als: Töpfe, Cassavo, Platten, Messer, Scheeren u. s. w. werden zu bestimmten Zeiten von den Eigenthümern der Pflanzungen aus Holland gesandt, oder mit deren Genehmigung hier im Lande angekauft, und es werden diese Sachen durch den Director, der für sich selbst eine Menge Küchen-, Tafelgeräthe u. s. w. erhält, familienweise ausgetheilt. Der Werth der Sendung beträgt manchmal bei 4000 fl.

Auf allen wohlgeordneten Pflanzungen ist für die Neger auf eine Weise gesorgt, die dieser Menschenrace die Sclaverei sehr erträglich macht, und ganz verschieden ist von den Vorstellungen, die man in Europa gewöhnlich vom Zustande der Sclaven sich macht.

Ihre Arbeit ist nicht übertrieben und dauert, wenn der Neger fleissig ist, nicht über neun Stunden täglich. Nahrung und Kleidung haben sie hinlänglich, und im Alter werden sie auf den Pflanzungen unterhalten. Wie ganz anders ist das Leben der ärmeren Taglöhner in Europa, die bei beschwerlicherer Arbeit zufrieden sind, wenn sie die Bedürfnisse ihrer Familie befriedigen können, und die bei Krankheit und Unglücksfällen keine andere Zuflucht haben, als den Bettelstab!

Die Religion der Neger, wenn man ein Gemisch von Aberglauben und Unsinn so nennen darf, ist die ihrer ursprünglichen Heimath, der Fetischismus. Jedes einzelne Individuum hat, so zu sagen, seine eigene Gottheit, und verpflichtet sich, dieser zu Ehren, von irgend einer Speise sich zu enthalten. Schnüre, Corallen, geschnitzte Holzstückchen, oder was ihnen gerade einfällt, werden um den Hals, Arm oder die Füsse getragen, und sind Amulette, welche sie beschützen. Man nennt diese Narrheiten Obia's. Beinahe alle Neger verehren den Seidewollenbaum und opfern demselben; schwer verbotene Tänze stehen damit in Beziehung.

Es hat auf allen Pflanzungen sogenannte Bukumann's oder Zauberer, welche die Zukunft vorher wissen, und in der Bereitung von inländischen Arzneien oder als Giftmischer sich auszeichnen. Mancher verhasste Director hat schon durch diese sein Leben eingebüsst, und man hat Beispiele, dass schon auf Pflanzungen eine Menge Sclaven hinwegstarben, die vergiftet wurden, um deren Eigenthümern Schaden zu bringen. Die Gifte sind alle aus Vegetabilien gezogen, und lassen daher wenig Spur zurück.

Die Jugend wächst natürlich auf den Pflanzungen wie das liebe Vieh auf; blos auf zwei oder drei derselben werden die Kinder unterrichtet. Beinahe alle werden von den Herrnhutern[11], welche in Paramaribo eine bedeutende Niederlassung haben, von Zeit zu Zeit besucht, und den Sclaven werden alsdann einige Kapitel der Bibel in der neger-englischen Sprache vorgelesen und ausgelegt. Will man aber, dass die Neger die Kirche besuchen sollen, so muss die Arbeit des ganzen Tages nachgelassen werden, was für die Pflanzung ein grosser Schaden ist. Die Predigten der guten Leute mögen aber nicht so fasslich seyn, so dass der Nutzen in moralischer Beziehung nicht sehr gross ist, besonders da blos alle paar Monate solche Vorlesungen gehalten werden, bei welchen meistens die Hälfte gedankenlos zuhört, und so das Gehörte sehr leicht vergisst.

Die Herrnhuter, die in Paramaribo als Schuster, Schneider, Bäcker, Kaufleute u. s. w. sich nähren, verlassen tourweise ihre Arbeit und besuchen in geräumigen Tentfahrzeugen zu obigem Zwecke die Pflanzungen, auf welchen man sie überall mit der grössten Gastfreundschaft aufnimmt und bewirthet, wiewohl die wenigsten Directoren, denen in der Regel die Arbeit mehr am Herzen liegt, als das Seelenheil ihrer Sclaven, sie gerne sehen. Haben sie die ihnen vorgeschriebene Anzahl von Pflanzungen besucht, so fahren sie wieder zur Stadt zurück und versehen ihre Geschäfte.

Die grösste Glückseligkeit nach dem Nichtsthun ist für die Neger der Tanz. Sie haben viele Tänze, die ich nicht namentlich kenne, und von welchen wieder manche in genauem Verbande mit ihrem Fetischismus stehen und von der Regierung strenge verboten sind. Es gibt häufig in den Negerhütten der Pflanzungen Sonntags kleine Tanzparthien, die gewöhnlich noch vor Mitternacht enden, und zu welchen sich blos einige Familien, jedoch nicht ohne Erlaubniss des Directors versammeln. Die Musik besteht dann blos in dem Schall einer Trommel (ein ausgehöhltes rundes Stück Holz, über welches eine Schweins- oder Hirschhaut gespannt ist), und dem Klang aus einigen alten Schaufeln oder dergleichen, auf die mit Eisenstücken taktmässig geschlagen wird.

Mit viel mehr Feierlichkeit werden die Tänze begangen, welche man an gewissen Jahrstagen zum Andenken an Verstorbene hält. Da werden Kuchen gebacken, Schweine und Hühner geschlachtet, und dem Todten wird ebenfalls ein guter Theil auf das Grab gebracht. Dabei kommen alle Kleidungsstücke, die sie sonst nie gebrauchen, zum Vorschein, und man sieht dann besonders unter den Männern groteske Gestalten. Die Haupttänze aber, zu welchen den Sclaven mehrere Tage freigegeben werden, sind am Neujahr, und zwar gewöhnlich im oder am Wohnhause des Directors, wobei die Männer mit Dram, die Weiber aber mit Wein oder schlechtem Liqueur bewirthet werden.

Gewöhnlich hat der Director Gäste bei sich, und es werden da oft Bacchanalien gehalten, dass es einem graust.

In Paramaribo finden um diese Zeit alle Abende solche Tanzparthien statt, die meistens unter Zelten bei guter Beleuchtung abgehalten werden. Die Eigenthümer von Sclaven lassen sich's um diese Zeit nicht wenig kosten, ihren Sclaven Vergnügen zu machen; Backwerk, Wein und Liqueur findet man bei diesen Parthien im Ueberfluss. Die Mädchen sind dabei nicht selten mit den Kleidern und Schmucksachen ihrer Haushälterinnen bekleidet, und es herrscht eine Pracht, dass man sich verwundert. Es haben aber auch die Haussclaven selbst gute Kleidungsstücke, die blos an diesen Tagen gebraucht werden. Es ist in der That ein prächtiger Anblick, diese in allen Farben aufgeputzte, von ächtem und falschem Gold und Juwelen glänzende, singende Masse in immerwährender Bewegung beim Scheine einer Menge Lampen, und beim Lärmen einer abominabeln Musik zu sehen, und man glaubt sich ins Morgenland versetzt. Die Tänze lassen sich freilich nicht mit unsern vergleichen, weil bei den meisten gesungen wird; es sind die Verse, die einige Dutzendmale im Chor wiederholt werden, und wegen ihres satyrischen Inhalts viel Lachen erregen. Der Tänzer oder die Tänzerin, welche solche improvisiren, tanzen um einander in immer kreisförmiger Bewegung, während der Chor sich nur auf den Füssen wiegt und mit dem Oberleibe bewegt, dabei aber nach dem Takte in die Hände klatscht oder mit Castagnetten die Musik begleitet. (Diese Castagnetten sind dreieckige, holzichte Schalen oder Nüsse einer Euphorbiacee). Häufig tanzt aber Alles, indem sich jedes einzelne Individuum kreisförmig durch den ganzen Raum dreht, ohne an den andern anzustossen. Der Anblick dieses Tanzes erregte mir stets Schwindel, und ich konnte es nie lange dabei aushalten.

Ich will nur noch kurz zum Schlusse etwas über die hier herrschenden Krankheiten beifügen, die ich freilich nur als Laie, nicht als Arzt beschreiben kann.