Sechs Jahre in Surinam Bilder aus dem militärischen Leben dieser Colonie und Skizzen zur Kenntniss seiner socialen und naturwissenschaftlichen Verhältnisse

Part 3

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Oeffentliche Gebäude und Privathäuser zeichnen sich mehr durch Zierlichkeit als durch imposante Bauart aus. Das Gouvernement liegt zwischen der Stadt und dem Forte an einem grossen, mit Rasen bedeckten Platze »het plein«. Es ist ein grosses, stattliches, von Holz aufgeführtes Gebäude, das eine schöne Aussicht auf den Fluss gewährt. Sein früher verwahrloster Garten ist jetzt (1850) sehr gut unterhalten und dient als Probeschule für tropische Pflanzen. Eine herrliche, dreifache Allee von hohen Tamarindenbäumen zieht sich längs desselben bis an den Wallgraben des Fortes hin. Ein angenehmerer Spaziergang in der Hitze des Tages lässt sich nicht denken; dessenungeachtet macht aber Niemand Gebrauch davon.

Nahe beim Gouvernement ist das, mit grossen Kosten aus Backsteinen gebaute, im Jahr 1839 vollendete Controlgebäude, in welchem verschiedene Verwaltungs-Bureaux sich befinden. Von seinem, mit einem Uhrwerk versehenen Thurme geniesst man eine herrliche Aussicht über die ganze Stadt und die umliegenden Pflanzungen. In zwei anderen Gebäuden, welche der Schreibekunst gewidmet sind, befinden sich die Bureaux der Justiz und Waisenverwaltung.

Paramaribo hat eine lutherische und eine reformirte Kirche; beide sind hübsch und einfach, werden aber, was die gefällige Bauart betrifft, von der im Jahr 1838 vollendeten hochdeutschen Judensynagoge bei weitem übertroffen. Die katholische Kirche ist klein, doch sehr zierlich; das einfache Herrnhuter Bethaus ist mit Palmen und tropischen Gewächsen umgeben. Zwei Freimaurerlogen, ein Komödienhaus, die portugiesische Judensynagoge, das Hospital und das Zoll- oder Waaghaus mögen die Liste der öffentlichen Gebäude beschliessen.

Das Innere der Privathäuser ist fast bei allen angesehenen Familien auf gleiche Weise angeordnet. Grosse Spiegel, Kupferstiche, Hänge- und Wandlampen, und unter den Möbeln ein mit Glas, Silber und Porzellan überladenes Sideboart werden beinahe in jedem Hause angetroffen. In jedem Schlafzimmer steht ein grosses, mit Gaze umhangenes, aus kostbarem, inländischem Holze schön gedrechseltes Bett, Ledikant, auf dem Berge von Kissen aufgestapelt sind. Dieses Bett ist blos ein Prunkstück, das wenig benützt wird, weil man der Kühlung wegen auf Matten und Matrazen schläft, die den Tag über verborgen werden. Häufig bedient man sich auch feiner, baumwollener Hängematten.

Die Zimmer werden reinlich gehalten und häufig mit Orangensaft gewaschen, was bei dem vielen Ungeziefer, das sich in den Ritzen verbirgt, auch sehr nöthig ist.

Beinahe alle Häuser haben Brunnen, deren Wasser aber in den langen Trockenzeiten zuweilen brack schmeckt; nur grössere Gebäude haben Wasserbehälter.

Eigentliche Spaziergänge, oder für den öffentlichen Gebrauch eingerichtete Gärten hat die Stadt nicht; doch bieten ihre Umgebungen, die unter den schönsten Pflanzen einer tropischen Vegetation versteckten Landhäuser, prächtige Partien dar. In der Stadt befinden sich zwei Kirchhöfe und sechs ausserhalb derselben, also im Ganzen acht, die einer gleichen Anzahl von Apotheken entsprechen, somit hinsichtlich der Bevölkerung kein vortheilhaftes Zeugniss für die Gesundheit Paramaribos geben[2]. Der Markt ist unter einer Reihe von Tamarindenbäumen an der Wasserseite, wo man Fische, die an üblem Geruch mit den sie verkaufenden und schwitzenden Negerinnen wetteifern, nebst allen inländischen Lebensmitteln zum Verkaufe vorfindet. Lebensmittel und andere Waaren werden auch sonst noch an vielen Plätzen der Stadt verkauft. Alles wird unter beständigem Geschnatter feilgeboten, und der Fremdling sieht hier unter Anderem auch Leckereien, die man im Vaterlande mit Abscheu zurückweisen würde.

Zwar mehr europäisch, doch nicht weniger interessant sind die Kaufläden, deren Zahl besonders am Strome Legion ist. Da findet man kein Haus, in welchem man nicht etwas feilbietet.

Man trifft in _einem_ Laden eine Auswahl der verschiedenartigsten Dinge, welche man in Europa nur bei 100 Künstlern, Kaufleuten oder Handwerkern bekommen könnte; denn man verkauft in demselben Laden Bücher, Schuhwichse, Bijouterie, Schinken, Parfümerien, Thee, Ziegelsteine, Mehl, Schuhe, Kleider und Uhren. Es gibt nichts, womit ein Kaufmann hier nicht handelte. Die meisten Lebensmittel kommen gesalzen oder geräuchert aus Holland und Nord-Amerika; Fleisch, Speck, Erdäpfel u. s. w. kauft man hier beim Kaufmann, bei welchem man natürlich auf grosse Sachkenntniss nicht rechnen darf. In Europa würde Niemand zum Kaufmann gehen, ohne von dessen Waaren etwas zu bedürfen. Hier ist es ganz anders. Man kommt in den Laden, liest die Zeitung, trinkt ein Gläschen Genever, das der Kaufmann präsentiren lässt, und geht dann, ohne für einen Cent gekauft zu haben. Diess lässt sich auch der Kaufmann gerne gefallen; denn diese viel besuchten Läden ziehen die andern Käufer an. Man kauft meistens auf Credit; wer innerhalb sechs Monaten bezahlt, ist ein guter Kunde. Die andern werden nach Verlauf dieser Zeit erst mündlich, dann schriftlich an ihre Schuld erinnert, endlich durch Läufer (meist Juden, welche die Taschen mit Rechnungen vollgepropft, im Dienste der Kaufleute die ganze Stadt durchrennen), dringend ersucht und wenn diess nichts hilft, verklagt.

Die letzteren Kunden sind die häufigsten; denn gar viele leben ohne zu denken, und kaufen ohne bezahlen zu können.

Der Detailhandel wird durch Krämer, hier Vetwariers oder Schmuggler genannt, getrieben; diese verkaufen im Kleinen an solche, welche keinen ganzen Schinken, kein ganzes Fässchen Fleisch oder Butter kaufen können, und also für jede Mahlzeit besonders sorgen müssen. Hier wird übrigens nichts geborgt; die Zahl dieser Krämer ist ebenfalls bedeutend. Nur wer die Gourmandise und den ungeheuren Luxus für die Tafel u. s. w. kennt, kann einigermassen begreifen, dass sich diese Masse von sogenannten Kaufleuten noch nicht unter einander aufgezehrt haben.

In den Maasen und Gewichten der Colonie herrscht grosse Unordnung. Artikel, welche aus Nord-Amerika kommen, wie: gesalzenes Fleisch, Fische, Speck, Saife, Lichter, Mehl u. s. w. werden nach amerikanischen Gewichten verkauft; tannene Bretter ebenfalls daher, nach dem englischen Maase.

Holländische Erzeugnisse berechnet man nach dem alten Amsterdamer Pfunde, dem Halb-Kilogramme, die Längenmaase nach dem rheinischen Fusse, und Flüssigkeiten nach dem englischen Gallon.

Was nach Holland verschickt und verladen wird, geht nach dem neuen holländischen Maas und Gewicht, in dem die Regierung ebenfalls ihre Bedürfnisse ausschreibt. Es kommt auf diese Weise mancher Irrthum vor.

Jede grössere Haushaltung kauft ihren Bedarf an gesalzenen oder geräucherten Lebensmitteln, an Saife, Lichter, Oel u. s. w. im Grossen, d. h. in ganzen Fässern, Kisten und dergl., die in einem stereotypen Gewicht in den Handel kommen, und daher nie nachgewogen werden. So enthält ein Fässchen Butter 14 Pfund, Speck 40 Pfund, Fleisch 180 Pfund u. s. w. und man verlässt sich dabei ganz auf die Aussage des Kaufmanns. Auf dem Markte selbst wird blos nach dem Augenmaase gekauft; die Fische nach der Frische, Grösse und Qualität; Reis, Mais, Bohnen u. s. w. in Calabasschalen zu festbestimmten Preisen und nach sehr variablen Gewichten.

In Cayenne herrscht in dieser Beziehung viel mehr Ordnung; man hat dort eine Fleisch- und Fischhalle. Alles wird nach französischem Maase und Gewicht gekauft und mit französischem Gelde bezahlt.

In Surinam rechnet man nach dem französischen Münzfusse, mit Banknoten von fl. 250.-- bis auf 10 niederländische Cents.

Als kleinere Scheidemünze circuliren eine Menge Cents. Das Papiergeld, das manchmal 30% unter seinem Nominalwerth stand, ist im Jahr 1847 ganz abgeschafft und durch holländisches Silbergeld ersetzt worden. Ausserdem sind eine Menge mexikanischer Piaster, französische Fünffranken und Doublonen im Umlauf.

Ehe ich es wage, meine Meinung über die weiteren Einwohner und deren Lebensweise auszusprechen, will ich zuerst eine kleine Schilderung unseres Soldatenlebens geben, wobei ich glaube Jedermann davon überzeugen zu können, dass wir vom Luxus der übrigen Stände ausgeschlossen sind.

Des Lebens erstes Bedürfniss, die Nahrung, ist fürs heisse Clima klüglich berechnet, d. h. wenig und mager. Ausser einem Pfunde guten, weissen Brodes wird eine, aus 5/14 Pfund Reis und 3/7 Pfund gesalzenem Fleische bereitete Suppe vorgesetzt, deren Einfluss auf die Körperkräfte man nur dann beurtheilen kann, wenn man sie selbst gegessen hat.

Des Mittags sind Bananen, die vom Solde eingekauft und mit 1/14 Pfund Speckfett übergossen werden, die Hauptkost. Ueberdiess wurde jeden Morgen ein Schnaps ausgetheilt, welchen die Meisten allem Uebrigen vorzogen. Der monatliche Sold des Soldaten bestand aus circa 10 Gulden, wovon aber verschiedene Abzüge gemacht wurden, so dass wenig genug übrig blieb.

Die Dienstverrichtungen in der Garnison waren jedoch grösstentheils eben so leicht und bequem eingerichtet, als Nahrung und Kleidung spärlich berechnet waren. Die viele freie Zeit, welche der Soldat hatte, und der Mangel an anständigen Vergnügungen trug nicht wenig zu seiner Demoralisation bei. Mancher Ankömmling ergibt sich aus langer Weile oder durch schlechte Gesellschaft verleitet, dem Trunke, den man zu grösserer Bequemlichkeit im Forte haben konnte.

Leider ist die bei weitem grössere Hälfte des Corps diesem Laster ergeben, und da der Preis des Genevers für die Bedürfnisse des Soldaten zu hoch ist, so ersetzt der wohlfeile Zuckerbranntwein, hier Dram genannt, denselben. Es ist merkwürdig, zu welcher Fertigkeit es Einzelne im Trinken gebracht haben; denn es gibt Manche (auch der Civilstand hat solche Matadoren), bei welchen zwei Flaschen täglich ihre Sinne noch nicht umnebeln. Diess ist die Ursache, warum der Soldat bei allen Einwohnern der Colonie in Misscredit steht, und ungeachtet seiner weissen Farbe selbst von Negern nicht geachtet wird. Man muss zwar gestehen, dass dieses Laster nicht blos unter den Soldaten herrscht, die freilich die Folgen ihrer Excesse nie so zu verheimlichen im Stande sind, wie die Bewohner der Stadt oder der Pflanzungen, die ihren Rausch in den Hängematten =à leur aise= ausschlafen können; aber so viel ist sicher, dass die Hälfte der Truppen Trunkenbolde sind, wenn man der täglichen Erfahrung trauen darf. Die meisten Militärs haben Weiber; denn die Liebe und der Wein, der aber hier durch Dram ersetzt wird, spielen im Militärleben die Hauptrolle. Weiber sind es freilich, aber keine Frauen; denn man hält das Band der Ehe für zu drückend, und die Gewohnheit des Landes, unverheirathet leben zu können, ist zu verführerisch, als dass man diess für eine Schande halten würde. Sieben Achtel der ganzen älteren männlichen Bevölkerung Surinams haben solche Maitressen, und unter 25 Kindern ist kaum eines ehlich geboren. Man begreift leicht, dass der Soldat das Geldstück nicht aus der Münze bekommt, und eine surinamische Missin muss schon ziemlich abgenützt seyn, wenn sie sich von den Abfällen des dürftigen Soldatentisches nähren muss; die meisten dieser farbigen Damen sind aber schlechte Haushälterinnen.

Kinder aus solchen Verbindungen der niederen Volksklasse und der Soldaten wachsen auf, wie die Lilien auf dem Felde, d. h. es bekümmert sich kein Mensch um sie.

Bei allen obscönen Scenen gegenwärtig gilt hier von ihnen mit vollem Rechte: =Il n'y a plus d'enfants=; sie erhalten wenig oder keinen Unterricht, und herangewachsen bringen sie es selten zu einer ordentlichen Existenz.

Von den Officieren waren viele in alten Zeiten auf diese surinamische Weise verheirathet, und wurden von ihren =quasi= Frauen nach allen Posten der Colonie begleitet, wo sie die Haushaltung ihrer Männer führten. Ein Officier, obgleich sein Gehalt denjenigen seines Ranges in Holland um ein Drittel übersteigt, kann bei den theuren Lebensbedürfnissen, so sparsam er es auch anlegen mag, in Garnison wenig oder nichts für die Zukunft erübrigen. Es ist desshalb für jeden vortheilhaft, nach den Militärposten detachirt zu werden, wo man Gelegenheit hat, die Finanzen zu verbessern, da die Lebensmittel meist wohlfeiler sind, Wald und Flüsse überflüssig Wild und Fische liefern, und mancher erlaubte Vortheil sich darbietet.

Es bestand unsere ganze Macht aus einem halben Bataillon Jäger, von ungefähr 500 Mann, einer Compagnie Artillerie und einer Compagnie schwarzer Soldaten. Die Garnison zu Paramaribo betrug beinahe 250 Mann, während der Rest auf den verschiedenen Posten im Lande oder an der Seeküste detachirt war, um 45,000 Negersclaven, im Falle sie rebelliren würden, im Zaume zu halten. Dass diess noch nicht geschah, ist ein Beweis von der guten Gesinnung der Neger, und widerspricht der Meinung von der grausamen Behandlung der Sclaven durch die Holländer gänzlich.

Die Einwohner der Stadt bestehen aus Europäern, weissen Eingebornen, farbigen Freien, und einer bei weitem grösseren Anzahl Sclaven[3].

Die Reichen sind, wie meistens überall, die Angesehensten; bei ihnen wird auch auf die Farbe so genau nicht gesehen, obschon die meisten bedeutenden Aemter durch Europäer besetzt sind. Der Kastengeist, der in früheren Zeiten so manchem mittelmässigen Kopfe, wenn er nur weiss war, Ehre und Reichthum verschaffte, hat sich bedeutend vermindert, und das Interesse oder vielmehr die nicht mehr so günstigen Zeiten haben dieses Vorurtheil so ziemlich auf die Seite geschafft.

Eine grosse Anzahl von Juden, welche wohl die Hälfte der weissen Bevölkerung ausmacht, und von denen viele im Besitze ansehnlicher Pflanzungen sind, hat sich seit den frühesten Zeiten der Colonie hier eingenistet und treiben meistens Handel.

Handwerke werden beinahe ausschliesslich durch die farbige Race betrieben; Sclaven dienen dabei als Gesellen, und schlechte und langsame Arbeit muss theuer bezahlt werden.

Ueber das Leben der höheren Stände kann ich aus Erfahrung nur wenig mich aussprechen, da mir meine Verhältnisse als Militär den Zutritt nicht gestatteten. Aber so viel ist gewiss, dass unter den höheren und reicheren Ständen nicht immer grosse Bildung herrscht, und Lectüre, Literatur und feinere gesellige Vergnügungen hier nicht überall zu Hause sind.

Nach den höchsten Beamten der Colonie stehen die Administratoren der Pflanzungen in grossem Ansehen. Da die meisten Eigenthümer von Pflanzungen sich in Europa aufhalten, so werden diese durch Administratoren verwaltet. Diese wohnen in Paramaribo, und haben die Leitung von verschiedenen, manchmal wohl 30 Pflanzungen unter sich. Weil ihnen nun von allen Einkünften gewisse Procente zukommen, und erstere bei einer Pflanzung manchmal mehr als 5000 fl. betragen, so muss man sich über ein solches Einkommen wundern, dessen Erwerb immerhin ein Mittagsschläfchen von 2-3 Stunden erlaubt. Weil nun auch viele Leute von diesen Herren abhängig sind, so stehen sie überall in der höchsten Achtung.

Die Lebensweise der Bewohner Paramaribo's bietet wenig Veränderung dar, und beschränkt sich hauptsächlich auf eine gute Tafel und andere körperliche Genüsse. Ausser der Tafel, welche mit allem Köstlichen aus Surinam, Holland und Nord-Amerika besetzt ist, besteht der grösste Luxus in Sclaven; denn je mehr man deren zur Bedienung im Hause hat, desto vornehmer ist die Haushaltung; dabei ist es gleichgültig, ob dieses Gesinde arbeitet oder nicht. Eine Familie, welche 2-3 Kinder hat, kann ohne 6-8 Dienstboten nicht wohl leben, welche man für Küche, Wäsche und Bedienung als unumgänglich nothwendig erachtet. Hat man Gärten oder Pferde, so ist natürlich noch ein Gärtner und ein Stallknecht nöthig. Wenn man nun die Kost für all dieses Gesindel kaufen muss (was aber bei Plantagenbesitzern oder Administratoren nicht der Fall ist), so erfordert eine solche Haushaltung ein enormes Einkommen, da die jährlichen Ausgaben sich bald auf 6000 fl. belaufen[4].

Wie ich bereits oben bemerkte, sind Heirathen nach europäischem Begriffe hier eben nicht sehr in der Mode; denn freie Haushälterinnen oder Concubinen ersetzen beinahe überall die Hausfrauen, was durchaus keine Schande ist. Kinder aus diesen Verbindungen werden zwar nicht vor Gericht, doch sonst wie rechtmässige behandelt, und führen den Namen der Mutter.

Sparsamkeit und Ordnung sucht man in diesen Haushaltungen meistens vergeblich; denn wenn auch der Mann kein Verschwender ist, so weiss doch seine Frau das Geld so anzuwenden, dass von Glück zu sagen ist, wenn die Einkünfte die Ausgaben decken. Meistens essen diese Haushälterinnen allein oder laden Freundinnen (Maatjes) ein. Bei den mittleren und niederen, freien Ständen, die vom Handwerk oder Nichtsthun leben, ist natürlich das Wohlleben in weit geringerem Grade zu finden, und gar viele wissen am Abende nicht, wovon sie am Morgen leben sollen, obgleich die wenigen Bedürfnisse mit ein paar Stunden Arbeit gar leicht zu bestreiten sind. Aber es herrscht auch unter den Eingebornen eine wirklich diogenische Genügsamkeit, wenn kein Kaufmann mehr borgen will.

Nach dem Vorbild der Eltern bildet sich die Jugend, und nirgends wird wohl die Erziehung so vernachlässigt seyn, als hier unter den niederen Ständen. Nicht, dass es keine Schulen gäbe oder Anstalten, um arme Kinder zu unterrichten, -- für beides ist gesorgt, aber den meisten Eltern ist es gleichgültig wie ihre Kinder mit der Zeit haushalten und bekümmern sich weder um ihre Spiele noch sonstigen Beschäftigungen.

Besitzt nun auch die Jugend noch so viel Beweglichkeit, um keine Mittagsruhe in den Hängematten zu halten, so wird doch die Zeit nicht besser angewendet, als um Vögel zu fangen, oder mit der Flinte in den Wald zu schlendern. Ernste und anstrengende Arbeiten sind den meisten Creolen ein Gräuel. -- Da im täglichen Umgange unter den Eingebornen blos neger-englisch gesprochen wird, und ausser der Schulzeit die Kinder sich wenig mit Lesen und Schreiben beschäftigen, so findet man nur sehr Wenige, welche correct holländisch schreiben oder richtig sprechen können. Die Geographie _Hollands_ lernen Alle vollständig und sie kennen jeden Fluss oder jeden noch so unbedeutenden Flecken dieses Landes, das die Wenigsten unter ihnen je zu sehen bekommen, aber um die Kenntniss der Producte, der Lage und sonstigen Verhältnisse ihres eigenen so reichen Vaterlandes bekümmern sie sich nicht. Diess mag wohl auch eine der Ursachen seyn, dass Landbau und Industrie so vernachlässigt sind.

Ehe ich nun zur Erzählung meines einförmigen Garnisonslebens und der kleinen Vorfälle im Laufe meiner Dienstzeit zurückkehre, will ich, um den Zusammenhang nicht zu unterbrechen, die Sitten und Gebräuche auf den Pflanzungen, soweit ich sie während meines langjährigen Aufenthalts habe kennen lernen, schildern[5].

Die Pflanzungen, welche den Reichthum des Landes hervorbringen, liegen alle längs der vielen Flüsse und Kreeken, welche die Colonie in allen Richtungen durchschneiden und den Transport der Producte erleichtern.

Da das Land, soweit die Pflanzungen reichen, überall nieder ist, und diese manchmal unterm Niveau des höchsten Wassers stehen, so war bei der Anlage derselben eine dauerhafte Eindämmung, Anlage von Schleussen u. s. w. nöthig, lauter Arbeiten, deren Kostspieligkeit und Mühe sich wohl keine anderen, als holländische Ansiedler unterzogen haben würden, und die auch in der Folgezeit durch die ungeheure Fruchtbarkeit reichlich vergütet wurden.

Das Hauptproduct war und ist jetzt noch Zucker. Die Pflanzungen hievon sind desshalb hinsichtlich der Anzahl von Negern auch die bedeutendsten, denn sie haben 100-400 Sclaven.

Ich übergehe die allgemein bekannte Anpflanzung dieses sowie der anderen Producte, und füge blos bei, dass die Arbeiten auf einer Zuckerpflanzung beschwerlicher für die Neger sind, als auf einer anderen, da besonders bei den Wassermühlen die Sclaven Tag und Nacht arbeiten müssen, weil solche Werke nur mit den Springfluthen des vollen und neuen Mondes in Gang gebracht werden können.

Die Dampfmaschinen, welche immer mehr in Gebrauch kommen, erlauben zwar den Negern ihre Nachtruhe, erfordern aber viele Mühe und Kosten, weil zur Feuerung der Maschine eine Menge Holz oder Steinkohlen nöthig ist. Erfahrene Directoren ziehen ein gutes Wasserwerk jeder Dampfmaschine vor. Das andere Product, das aber immer mehr in Abnahme kommt, ist Caffee. Auf diesen Pflanzungen sind 40-200 Sclaven, welche ein ungleich besseres Leben als die auf den Zuckerpflanzungen führen, indem ihre tägliche Nahrung, die in Bananen besteht, immer reichlich vorhanden ist.

Im Schatten dieser Bananen stehen die Caffeebäume; eine Caffeepflanzung liefert meistens Bananen nach den Zuckerpflanzungen, auf welchen diese nicht in hinreichender Menge angepflanzt werden, wesshalb das Fehlende für die Sclaven angekauft werden muss.

Das dritte bedeutende Product ist Baumwolle, welche in den Ländereien, die in der Nähe der See liegen, vortrefflich gedeiht. Auch hier hat man Pflanzungen von 300 Sclaven.

Die Zubereitung dieses Products wurde in der letzten Zeit bedeutend vervollkommnet, und das langweilige Geschäft, den Cattun von den Körnern zu scheiden, wird jetzt auf mehreren Pflanzungen durch kleine Dampfmühlen verrichtet, die im Stande sind, mit der Hülfe von fünf Personen täglich bei 2000 Pfund Baumwolle rein zu mahlen, eine Arbeit, die auf gewöhnlichem Wege eine Menge Neger beschäftigen würde.

Cacao und Indigo sind von weniger Bedeutung, da blos noch kleine Pflanzungen davon existiren.

In den höher liegenden Gegenden sind die Holzgründe, welche für den inländischen Gebrauch Balken und Bretter liefern. Es sind davon etwa 25 im Lande, welche 2400 Neger beschäftigen. Da das Holz, welches auf diesen Etablissements bearbeitet wird, nicht als Ausfuhrproduct betrachtet werden kann, und diese desshalb weniger bekannt sind, so halte ich es für nöthig, noch einige Details darüber beizufügen.

Diese Niederlassungen befinden sich, wie schon gesagt wurde, im höher liegenden Lande, wo keine Productpflanzungen mehr sind und der Urwald mit seinen colossalen Bäumen vor den Palmen- und Mangowäldern des niederen Landes vorherrscht. Sie enthalten meist nur wenige Sclaven (mit Ausnahme von zwei, welche gegen 300 zählen), aber ein desto grösseres Territorium, was natürlich bei dem langsamen Wachsthum der Bäume sich von selbst versteht. Es gibt Pflanzungen, welche 12 holländische Meilen im Umkreise haben, die jedoch noch keine 50 Sclaven zählen. Die Bearbeitung des Holzes ist für dieselben die leichteste und angenehmste Arbeit, weil ihnen diese festgesetzt ist, und sie im Stande sind, mit etwas Fleiss 1-2 Tage wöchentlich für sich selbst zu erübrigen. Häufig sind die Arbeitsplätze mehrere Stunden von der Pflanzung entfernt, und die Neger gehen jeden Montag mit Lebensmitteln für die ganze Woche dahin. Gesunde und starke Männer werden zum Sägen verwendet; andere jüngere Männer müssen den gefallenen Baum auf ein Gerüst, das man Barbacot nennt, aufsetzen; zu diesem nimmt man das Holz der Cumu-Palmen und anderer, leicht fällbarer Bäume, oder man macht ein solches aus starken Sparren, die mit Lianen dauerhaft zusammengebunden werden, und worauf nun drei oder mehr Männer, je nach der Grösse des Blockes, denselben aufsetzen. Die zum Sägen bestimmten Bäume werden im Neumond gefällt, weil man meint, dass das Holz alsdann weniger reisse. Man nimmt an, dass zwei Neger täglich 60 lange und 1' breite Bretter sägen, was auch für sie ganz leicht geht. Diese Bretter werden von Weibern auf dem Kopfe nach dem Holzgrunde oder dahin gebracht, wo eine Kreek oder ein Fluss den Weitertransport erleichtert. Viereckiges Bauholz wird von Ochsen gezogen, was aber bei den schlechten Wegen und überall hervorragenden Baumwurzeln sehr langsam von statten geht.