Sechs Jahre in Surinam Bilder aus dem militärischen Leben dieser Colonie und Skizzen zur Kenntniss seiner socialen und naturwissenschaftlichen Verhältnisse

Part 24

Chapter 243,117 wordsPublic domain

[3]: Vor mehreren Jahren, ich glaube im Jahr 1832, ehe man einen Communikationsweg nach dem Posten Armina aus der oberen Comowyne angelegt hatte, ging jeden Monat regelmässig eine Patrouille, welche die militärischen Papiere zu besorgen hatte, vom Posten Prinz Willem Frederik nach Oranje. Es waren jedesmal drei Soldaten, die auf den Sandbänken längs der Küste liefen, bis etwa halbwegs die schlammigen Ufer anfingen, die bis zu dem Posten Oranje sich ausdehnen. Man schlug, wenn man an diese Schlammbänke kam, den Weg landeinwärts ein, um eine Sandritze zu finden, die ebenfalls bis an diesen Posten sich hinzieht. Dabei schlief man eine Nacht im Walde und erreichte am andern Tage den Posten. Im Jahr 1832 nun machte ein erst vor Kurzem aus Europa gekommener Korporal die Reise mit und blieb, um ein natürliches Bedürfniss zu befriedigen, hinter seinen Begleitern zurück. Da er nicht nachfolgte, so kehrten seine Kameraden um, ihn zu suchen, fanden aber keine Spur mehr von ihm, und da sie keinen Vorrath an Wasser hatten, so konnten sie ihre Nachforschungen nicht weiter ausdehnen. -- Obwohl man sogleich von Oranje Soldaten aussandte, ihn aufzusuchen, so war doch alle Mühe fruchtlos und man nahm an, dass er verirrt und dem Durste erlegen sey. Ein Jahr darauf landeten Caraiben, die aus Paramaribo nach der Marowyne zurückkehrten, bei stillem Wetter am Seestrande und liessen, während sie Krabben fingen, ihre Weiber im Boote. Plötzlich wurden die Weiber von Wegläufern überfallen, die ihnen ein junges zehnjähriges Mädchen raubten, und ehe die Männer auf das Hülfegeschrei der Weiber herbeieilen konnten, mit ihrer Beute flüchteten. Es kehrten nun sogleich alle Indianer nach Paramaribo zurück und baten den Gouverneur, eine Militär-Patrouille in diese Gegend machen zu lassen, wozu sie ihre Hülfe anboten. Es wurde nun sogleich mit den Indianern eine starke Militär-Patrouille ausgesandt, um das geraubte Kind zu finden und die Dörfer der Wegläufer zu zerstören. Man fand auch ein bedeutendes, und es glückte, mehrere Neger und Negerinnen lebend zu fangen. In einer der Hütten fand man die Uniform des vermissten Korporals, sein Gewehr und die Ueberbleibsel seiner goldenen Uhr, aus deren Gehäuse die Neger Ringe gemacht hatten. Die Gefangenen erzählten auch ohne Scheue, dass sie den unglücklichen Verirrten nahe bei ihren Dörfern gefunden, ihn geschlachtet und gegessen hätten.

Vierter Abschnitt (S. 68-101).

[1]: Die Kordonwege sollten die Kolonie gegen die Ueberfälle von weggelaufenen Sklaven und Buschnegern, die die Pflanzungen immer beunruhigten, beschützen. Sie zogen sich, der rechte Flügel vom Surinam bis an den Comowyne, der linke von da bis zur See. Die Wege waren ungefähr 80 Fuss breit und hatten, wenn sie durch Waldungen sich zogen, an beiden Seiten 4 Fuss tiefe und 10 Fuss breite Gräben, in denen die Waldwasser sich sammelten und die einen Abzug nach den Flüssen oder Kreeken hatten. Alle Viertelstunden waren Wachthäuser und Pikete, die theils vom Hauptposten besetzt wurden, theils eine bleibende Besatzung hatten. Das Feldgeschrei durchlief in wenigen Minuten den Cordonweg von einem Ende bis zum andern. Der Unterhalt der Wege, Gebäude und Besatzungen verursachte grosse Kosten. Seit dem Frieden mit den Buschnegern wurden die Posten vermindert und kamen immermehr in Verfall, bis endlich im Jahr 1844 beide Cordonwege verlassen wurden und man jetzt beinahe die Spur nicht mehr davon entdecken kann.

[2]: Maschoas sind etwa 5 Fuss lange, aus Palmblattstielen gemachte und mit Lianen verflochtene, spitz zulaufende Körbe oder vielmehr Schläuche, deren Oeffnung etwa 9 Zoll Durchmesser hat. Die Palmstäbe stehen etwa ½ Zoll von einander, so dass das Wasser durchlaufen kann. Um sie zu gebrauchen, dämmt man mit Palmblättern und Stöcken ein Waldwasser oder den Abfluss eines Sumpfes ab, so dass kein Fisch durchdringen kann. In diesen Damm werden nun so viele Abzuglöcher gemacht, als man Maschoas setzen will und diese in die Löcher gesteckt, so dass die weite Oeffnung des Maschoas dem Laufe des Wassers entgegensteht. Fische, kleine Wasserschildkröten und dgl. gerathen nun in diese Körbe, in deren spitz zulaufendem Ende sie stecken bleiben. Jeden Morgen und Abend untersucht man dieselben und kann sich auf diese Weise das ganze Jahr über mit Fischen versorgen.

[3]: Diese Schlange bekam ich im August 1842 lebendig und hatte sie mehrere Wochen lang wohlverwahrt in einem Käfig. Sie frass durchaus nicht und wie man sie auch plagte, so gebrauchte sie doch nie ihre tödtlichen Waffen. Als ich eine Reise zu machen hatte, wollte Niemand dieses gefährliche Thier in Bewahrung nehmen; ich tödtete es desshalb. Ein Neger packte sie beim Kopfe, worauf ich ihr den Bauch aufschnitt. Sie wendete alle Kraft und Mühe, um sich loszuringen und drehte ihre giftigen Zähne hin und her; als sie sich nicht mehr zu helfen wusste, entledigte sie sich ihres Giftes, das wie ein feiner Strahl aus den Rinnen ihrer Zähne auf meine Hand fiel. Das Gift war hell und farblos.

[4]: In der Mitte der trockenen Zeit flogen wenigstens 6 Wochen lang eine solche Menge gelber Tagschmetterlinge von der Grösse der Zitronfalter längs des etwa 80 Fuss breiten Cordonweges, dass ich manchmal drei auf einen Schlag mit dem Netze in der Luft fing. Der Schwarm kam etwa um 10 Uhr des Vormittags an und dauerte ununterbrochen bis 3 Uhr Nachmittags. Sie flogen in einem fort, ohne sich zu setzen, immer von Osten nach Westen, sowohl dicht über der Erde, als bis auf eine Höhe von 50 Fuss. In den Waldungen und über dieselben flogen nur wenige. Der Hauptschwarm blieb im Wege selbst. Wo sie herkamen und hinzogen weiss ich nicht; die Raupen so vieler Millionen aber müssen ganze Waldungen abgefressen haben. Ich habe noch mehrere Male ähnliche Wanderzüge bemerkt. Man betrachtet sie als Vorzeichen einer grossen Trockenzeit.

Fünfter Abschnitt (S. 102-149).

[1]: Drei Tage vor und nach neuem und vollem Monde steigt die Meeresfluth bedeutend höher als in den Zwischenzeiten und während der Unterschied zwischen hohem und niederem Wasser an den Flussmündungen bei den gewöhnlichen (todten) Fluthen 6-7 Fuss beträgt, so steigt er in jenen auf 9-10. Die Fluth läuft dann gewöhnlich viel rascher und man wählt meistens zum Reisen diese Zeit. Auch auf den Zuckerpflanzungen, welche keine Dampfmaschinen haben, wird das Rohr in dieser Zeit gemahlen. Man öffnet bei der Fluth die Schleusse des Mühlgrabens, durch welchen das Wasser des Flusses diesen füllt. Hat das Wasser seine höchste Höhe erreicht, so wird die Schleusse niedergelassen. Ist das Wasser im Flusse etwa 3 Fuss gefallen, so öffnet man eine andere Schleusse, die vom Mühlgraben in die Mühle führt, wodurch das ausströmende Wasser ein grosses, unterschlächtiges Rad treibt, das die Walzen, welche das Rohr zerquetschen, in Bewegung bringt. Die höchsten Springfluthen sind am Anfang April und September, wenn die Sonne den Meridian, unter dem die Seeküste liegt, (6° nördl. Breite) durchschneidet. Das Wasser steigt dann noch um 2 oder 3 Fuss höher und setzt manchmal die halbe Stadt Paramaribo unter Wasser und überströmt schlecht eingedämmte Pflanzungen.

[2]: Der Zitteraal (Gymnotus electricus) kommt im innern Lande, wo das Wasser durch das Seewasser nicht mehr getrübt wird, häufig vor. Er erreicht manchmal eine Länge von 7 Fuss und die Dicke eines Mannesarmes. Seine elektrische Eigenschaft ist hinlänglich bekannt. Die Indianer schiessen ihn mit Pfeilen und fangen ihn häufig mit Stinkholz (siehe Lebensweise der Caraiben). Dieser Aal, der aus beinahe nichts, als Schwanz besteht, ist sehr fett, sein Fleisch locker und wird bloss von den Eingebornen gegessen. Sie werden leicht zahm und man kann sie dann in die Hand nehmen, ohne dass sie Schläge ertheilen.

[3]: Ein gegohrenes Bier aus gekochten Erdfrüchten, dem man noch den Saft von Ananas oder indianischen Pflaumen beimischt.

[4]: Pagaien nennt man schaufelförmige, etwa 5 Fuss hohe, aus hartem Holze geschnitzte Ruder, die man in schmalen Kreeken oder engen Plätzen gebraucht.

[5]: Hr. _James B._, der Eigenthümer dieser Pflanzung, ist im August 1841 auf derselben gestorben. Seinen Reichthum hatte er in vielen Legaten theilweise selbst an seine Neger vertheilt. Die Tochter erhielt ein bedeutendes Vermögen und kaufte kurze Zeit nach dem Tode ihres Vaters die Freiheit. Nach dem ausdrücklichen Willen des Verstorbenen wurde ein grosses Begräbnissmahl veranstaltet, bei dem der Todte im Sarge selbst präsidirte und woran alle Honoratioren des Distriktes theilnahmen. Nach dem Essen wurde die Leiche in einem in aller Eile auf ebener Erde aufgemauerten viereckigen Behälter aus Backsteinen beigesetzt, wo zwischen der Mühle und dem Kochhause die Sklaven sein Monument beständig im Auge haben.

[6]: Der Kwi Kwi (Callichys subulatus) ein 6-7 Zoll langer Fisch, zum Geschlechte der Welse gehörend, ist über den ganzen Leib mit hornigen, harten Schienen, wie mit einer Art Panzer, bedeckt. Der Kopf ist breit, der Mund und die Augen sehr klein und unter dem Munde sind vier Fühlfäden oder Bärtel, wie bei den Barben. Die Kiemenflossen werden bei ihm durch 1½ Zoll lange krumme Hacken oder Knochen ersetzt, mit denen er kneipen kann; eine ähnliche rechtstehende ist auf dem Rücken. Gefangen gibt er einen trauernden Laut von sich, der durch das Reiben dieser Hacken und seiner Panzer entsteht. Wenn die Sümpfe eintrocknen, so verkriecht er sich so tief, wie möglich, ins feuchte Erdreich, bis die Regenzeit eintritt. Auch erzählen die Indianer, dass er, wenn ein Sumpf austrockne, mehrere hundert Schritte über Land krieche, um wasserreichere Stellen zu suchen, was ich gerne glauben will.

[7]: Die Menge Schnepfen oder Strandläufer auf den Schlammbänken längs der See und in den angrenzenden Morästen übersteigt allen Glauben. Man sieht mit aufkommender Fluth Wolken dieser Vögel, die wirklich auf kurze Zeit die Luft verdunkeln. Ein Schuss mit feinem Hagel schlägt manchmal 2-300 nieder. Die kleinen, nicht viel grösser als eine Schwalbe, sind die zahlreichsten. -- Ich ging einmal bei einbrechender Nacht vom Posten Oranje über eine solche nur spärlich mit niederen Gesträuchen bedeckte Schlammbank, um zu meinem Boote, das in einer kleinen Kreek am Meeresufer lag, zu kommen. Es hatte sich auf dieser Bank ein Schwarm solcher kleiner Schnepfen zum Schlafen gesetzt und war durch mich aus seiner Ruhe aufgejagt; der ganze Schwarm flog ohne alle Ordnung auf und flatterte um mich herum. Hunderte habe ich vielleicht zertreten und die Flügelschläge einer solchen Menge Vögel verursachte eine Hitze und Beklommenheit, dass ich herzlich froh war, als ich dieses Schnepfenheer im Rücken hatte. Die Indianer wissen ebenfalls die Schnepfen durch leises Pfeifen zu locken. -- Ich konnte nie erfahren, wo diese Vögel nisten; wahrscheinlich wohl auf den mehr südlicher liegenden Inseln der Mündung des Amazonenstromes.

[8]: In der Trockenzeit des Jahres 1849 zeigten sich die Moschusenten in unserer Kolonie und im französischen Guyana besonders zahlreich. Es wurden in Paramaribo mehr zu Markte gebracht, als seit Menschengedenken geschah. In der ganzen Kolonie herrschte dieser Ueberfluss. Dabei waren die Enten so fett und schwer, dass sie einer Gans an Gewicht so ziemlich gleich kamen. Die Indianer brachten mir viele, sowohl frisch als geräuchert. Auf Mana liessen die Neger alle Arbeit liegen und schossen Enten, die man zuletzt nicht mehr kaufen wollte. Dennoch ist die Moschusente bei uns kein Zugvogel und ich kann mir bloss diese Menge dadurch erklären, dass vielleicht in anderen Gegenden Südamerika's eine ungewöhnliche Regen- oder Trockenzeit diese Vögel nöthigte, ihre Nahrung anderswo zu suchen.

[9]: Unter der Menge von Wespen-artigen Insekten, die, was Verschiedenheit von Sorten und Anzahl betrifft, im Verhältniss zu Europa hier gewiss wie 25 zu 1 vorkommen, ist _eine_ Art besonders lästig und gefährlich. Man nennt sie schlechtweg Marabonzen (die Franzosen nennen sie Mouche à drague). Sie halten sich vornehmlich in Häusern auf, die wenig oder nicht bewohnt sind, oder in den Zuckermühlen und machen ihr Nest aus verfaultem Holze, das sie von den Schindeln abnagen. Es gleicht einer grauen Masse von Fliesspapier und wird an den Dachsparren oder Gesimsen befestigt. Die Zellen öffnen sich nach unten und haben keine äussere Schutzumgebung, wie die der Wespen, auch keine Etagen. Die Wespe selbst nährt sich von Zucker, Blumensäften und Früchten, ist von der Grösse einer Hornisse, braunroth, hat einen schwerfälligen Flug und gibt einen angenehmen, aromatischen Geruch von sich. Ihr Stich verursacht beinahe immer gefährliche Entzündungen und Fieber. Wo sich diese Insekten eingenistet haben, sind sie eben so schwierig zu vertreiben, als die durch ihren widerwärtigen Geruch und Schmutz lästigen Fledermäuse.

[10]: Der Lokusbaum (Hymenaea courbaril) wächst meistens auf Sandritzen und erreicht einen Durchmesser von manchmal 6 Fuss. Sein rothes, schweres Holz nimmt eine herrliche Politur an und wird zu Meubles und Maschinen verwendet. Am Stamme und an den Wurzeln findet man bei alten Bäumen in grossen Klumpen den Copalgummi, der zu Firnissen verwandt wird. Die Frucht ist eine manchmal 6 Zoll lange und 2 Zoll breite rothbraune Schote, die mit einem trockenen, gelben, süssschmeckenden Mehle angefüllt ist, in dem sich die harten braunen Bohnen befinden. Es hat den Geschmack des Johannisbrodes.

[11]: Die Awara-Palme (Astrocaryou vulgare) wächst stets im Sandboden und liefert dem Indianer Manches in seine Haushaltung. Der Baum wird manchmal 30 Fuss hoch, ist über und über mit 4 Zoll langen, sehr spitzen, schwarzen Stacheln bedeckt und die Krone theilt sich in 12-15 etwa 25 Fuss lange gefiederte Blätter. Die Blattstiele, so wie die Seiten der Blättchen, die etwa 4 Fuss lang und 1 Zoll breit sind, sind ebenfalls dicht mit Stacheln bedeckt, so dass man keinen Theil der Pflanze berühren kann, ohne sich zu stechen. Die Samenkapsel ist etwa 3 Fuss lang und 1½ Fuss breit, oval und braunroth von Farbe. Die Frucht, von der Grösse einer welschen Nuss, ist mennigroth und besteht aus einem süssen, sehr fetten Fleische, das den harten, schwarzen, runden Stein umgibt. Der Fruchttross enthält mehrere Hunderte solcher Nüsse, die im Monat Februar reifen. Die Indianer stampfen in einem hölzernen Mörser das Fleisch von den Steinen und pressen in einem Madappi das rothe Oel aus, das sie zum Schmieren der Haare gebrauchen. Die Früchte werden vom Wild gerne gefressen und die Schweine werden besonders fett davon. -- Aus den noch nicht ganz entwickelten Blättern machen die Indianer Fächer u. s. w.

Sechster Abschnitt (S. 150-233).

[1]: Diese Reibeisen, Simaris, werden von den Makusi-Indianern am obern Rupumuni, im britischen Guyana verfertigt und von den Caraiben, die manchmal Reisen dahin machen, durch Tausch erhalten.

[2]: Madappis sind 4 Fuss lange, 4 Zoll im Diameter haltende cylinderförmige elastische Schläuche, die aus dem Baste einer Marantiacee geflochten werden und haben oben eine Oeffnung, worin man das noch nasse Cassave-Mehl schüttet und den Schlauch an einer Schleife aufhängt. Unten ist derselbe zugebunden und es wird durch eine am Ende befindliche andere Schleife ein Stock befestigt, auf den sich die Weiber setzen, wodurch sich der Schlauch zusammenzieht und der Saft abfliesst.

[3]: Die Indianer geben nicht gerne Aufschluss über die Bedeutung ihrer Gebräuche und Gesänge, und ihre sehr reichhaltige Sprache zu erlernen, fällt sehr schwer, und es ist Niemand in der Kolonie, der ausser ihnen dieselbe versteht.

[4]: Die Chike, auch Sicca genannt, ist ein kleines hellbraunes Insekt, ganz von der Gestalt einer Floh, aber bloss halb so gross und hüpft ebenso, aber nur nicht so weit. Sie hält sich sehr häufig in sandigen trockenen Plätzen auf, kriecht Menschen, Hunden und Katzen unter die Nägel der Zehen oder in die weicheren Theile des Fusses, wo sie sich ins Fleisch einfrisst. Man bemerkt ihr Daseyn an einem leichten Jucken, und an der Stelle, wo das Insekt sitzt, ist die Haut ein wenig entzündet, und man sieht dasselbe als einen kleinen schwarzen Punkt im Fleische stecken. Man zieht es mit einer Nadel heraus. Fühlt man es aber nicht und bleibt es im Fleische sitzen, so geht eine wunderbare Vergrösserung mit ihm vor. Sein Leib schwillt an und ist strotzend voll von Eiern, die nach und nach ihre natürliche Grösse erhalten und dem kaum bemerkbaren Insekte die Grösse einer kleinen Erbse geben. Wird es nun aus dem Fleische herausgenommen, so entsteht ein ziemliches Loch, das besonders bei Leuten, welche barfuss laufen, sich mit Sand und Unreinigkeiten füllt und manchmal bedeutende Geschwülste verursacht. Ich selbst habe auf dem Posten Nepheusburg in der Trockenzeit jeden Abend wohl 25 dieser Insekten, welche sich den Tag über eingebissen hatten, herausgezogen. Nachlässige Leute, die zu faul sind, an ihren Füssen nachzusehen und diese Flöhe in solcher Menge und Grösse bei sich beherbergen, bekommen bedeutende Geschwüre und werden manchmal zur Arbeit untauglich.

[Hinweise zur Transkription

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich ungewöhnlicher und uneinheitlicher Schreibweisen, mit folgenden Ausnahmen,

Seite 26: "lezteren" geändert in "letzteren" (Die letzteren Kunden sind die häufigsten)

Seite 38: "technicher" geändert in "technischer" (auch in technischer Beziehung eine gute Schule genossen haben)

Seite 55: "Meerresküste" geändert in "Meeresküste" (von der Meeresküste ab, da wo das Flusswasser rein)

Seite 56: "Mauiok" geändert in "Maniok" (dem Anbau der Maniok-Wurzel (jatropha) besonders günstig ist)

Seite 57/58: "Regen" geändert in "Regen-" (hohen Wasserstande der Regen- und dem niedrigsten der Trockenzeit)

Seite 68: "dasselbst" geändert in "daselbst" (Mauritzburg. Kurzer Aufenthalt daselbst.)

Seite 79: "Manick" geändert in "Maniok" (und die dortige Besatzung von Reis, Mais und Maniok leben musste)

Seite 93: "maschiren" geändert in "marschiren" (in einem Brei von stinkendem Schlamm marschiren musste)

Seite 94: "mitgebrachten" geändert in "mitgebracht" (Bananen, welche die Guiden mitgebracht hatten)

Seite 113: "Mosquitos" vereinheitlicht zu "Mosquittos" (alle Soldaten, ungeachtet der vielen Mosquittos)

Seite 115/116: "errrichtet" geändert in "errichtet" (wurde mit ungeheuren Kosten eine Dampfsägmühle errichtet)

Seite 124: "Nickerikreek" vereinheitlicht zu "Nickeriekreek" (ein kleines Sommerhäuschen in die Nickeriekreek hineingebaut)

Seite 147: "Schidwache" geändert in "Schildwache" (Die Schildwache, unter deren Aufsicht er stand)

Seite 149: "anderhalb" geändert in "anderthalb" (musste man das Regenwasser anderthalb Stunden weit herbeiholen)

Seite 159: "Apetit" geändert in "Appetit" (bei schrecklichem Appetit, da ich seit dem Morgen nichts mehr)

Seite 168: ";" geändert in "," (vier Neger zurückgeblieben, welche mit mir)

Seite 174: "'" eingefügt (Vier Pfosten von etwa 4' Höhe sind an vier Ecken)

Seite 175: "Individium" geändert in "Individuum" (hier hat jedes Individuum sein Feuerchen unter der Hängematte)

Seite 181: "Aussgepresster" geändert in "Ausgepresster" (Ausgepresster Maniok (Madappi) wird in Körbe verpackt)

Seite 183: "Vergnüngen" geändert in "Vergnügen" (Ein anderes Vergnügen eigenthümlicher Art sind ihre Tänze)

Seite 184: "diesselben" geändert in "dieselben" (um als Trank noch zweimal dieselben zu passiren)

Seite 197: "Pagaai" vereinheitlicht zu "Pagai" (ich aber bloss einen einzigen Pagai im Vermögen hatte)

Seite 198: "ief" geändert in "tief" (ist tief im Sande eingegraben und wellenförmig)

Seite 198: "sie" eingefügt (welche sie häufig zum Verkauf nach den Pflanzungen bringen)

Seite 210: "Ansehnliclhe" geändert in "Ansehnliche" (Ansehnliche Summen waren zu diesem Zweck bewilligt worden)

Seite 210: "Maniko" geändert in "Maniok" (die in Erdfrüchten, als: Reis und Maniok bestanden)

Seite 216: "Guiana" vereinheitlicht zu "Guyana" (Im französischen Guyana bestehen noch viele Rockou-Pflanzungen)

Seite 226: "Pagalen" vereinheitlicht zu "Pagaalen" (Meinen Genever bezahlte er mir mit zwei hübschen Pagaalen)

Seite 243: "Mach" geändert in "Nach" (Nach zehntägigem Aufenthalt verliessen wir die Judensavanne)

Seite 250: "Casavebrod" vereinheitlicht zu "Cassavebrod" (wurde von ihnen mit Cassavebrod und Eiern beschenkt)

Seite 257: "gänze" geändert in "ganze" (Der ganze Stamm wird nicht viel über 3000 Köpfe zählen)

Seite 279: "Tode" geändert in "Todte" (bei dem der Todte im Sarge selbst präsidirte)

Seite 282: "ensteht" geändert in "entsteht" (so entsteht ein ziemliches Loch)]

End of Project Gutenberg's Sechs Jahre in Surinam, by August Kappler