Schriften 13: Märchen; Dramatische Gedichte; Fragmente
Part 9
Ach Gott! so hat Geoffroy im bösen Muthe Den eignen Bruder Freymund umgebracht, Der wollte Mönch sein, dienen Gott, der Gute, Doch starb er bald, und ruht in schwarzer Nacht. Ich selber habe mich befleckt mit Blute Und meinen eignen Vetter todt gemacht, Ich wollte damals nur das Schwein verderben, Und ließ am eignen Spieß den Vetter sterben.
Drum hat der mit dem Zahne dies verbrochen, Der wüthete so wie ein wildes Schwein, Ich hatte erst den Vetter mein erstochen, Und ein Meerwunder muß meine Gattin sein; Sie hat mir Reichthum, Ehre, Glück versprochen, Ich zeugte Söhne, zehne nannt ich mein, Davon ist mir der liebste nun verbrannt, Das that des eignen wilden Bruders Hand.
Und wie Geoffroy nun wüthend angefangen, So wird er auch niemals das Gute thun, Hätt' ich ihn hier, so müßt' er warlich hangen, Nie könnt' ich eh, bis er gestorben, ruhn; Den Bruder morden! frevles Unterfangen! Nein, strafen muß ich ihn, hin fahr' er nun, Boshafter wird er stets, gottloser werden, Am besten man vertilgt ihn von der Erden.
Als Reymund in diesen schweren Klagen war, schloß Melusina mit einem Schlüssel die Kammerthür auf, und ging mit ihren Rittern, Frauen und Jungfrauen zu ihm hinein, um ihn zu trösten, worauf sie ihn auf dem Bette liegend fanden, indem seine Grimmigkeit noch durch den plötzlichen Anblick seiner Gemalin vermehrt wurde. Melusina trat lieblich auf ihn zu und sagte: Nicht, Reymund, mußt Du Dich über Dinge also sehr betrüben, die Du nicht verschuldet, und welche Du nicht mehr ändern kannst, betrübe Dich, aber sei geduldig in Deinem Gram und empfiehl Gott Dich und Deinen Schmerz, der wird alles nach seinem Willen vollbringen und er verlangt vielleicht jetzt, daß wir auf unsre Sünden und schlimmen Leidenschaften achten und sie ablegen sollen. Unser Sohn Geoffroy hat gesündigt, aber er wird seine Missethat beweinen und Buße thun, und Gott wird ihm nach seiner unendlichen Barmherzigkeit vergeben, denn er will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er leben bleibe.
So vernünftig und schön Melusina sprach, so schaute sie Reymund doch mit boshaften Augen an, war seiner selbst im Zorn nicht mächtig und sagte laut und vor allen Gegenwärtigen: O Du Schlange und giftiger Wurm, kömmst Du hieher, mir eine solche Rede zu halten und bist nur ein liederlicher Fisch? Ja, ich habe gesehn, daß Du ein Meerwunder bist und kein menschliches Geschöpf, darum müssen die Kinder von Dir Bösewichter werden, es ist Deine Schlangenart, die in ihnen zum Vorschein kommt, sieh nur, welchen schönen Anfang der Geoffroy mit dem Zahne gemacht hat! hat er nicht meinen liebsten Sohn, und den Abt, und dazu alle Mönche verbrannt?
Während dieser Worte verwandelte Melusina ihre schöne Farbe und wurde ganz todtenblaß; mit einer Stimme, die allen durch das Herz drang, sprach sie hierauf: Ach Reymund! wie lässest Du Dich so sehr von der Unvernunft dahinreißen! welche Worte hast Du gesprochen? Ist mein Schmerz nicht so groß, wie der Deinige? Mein Leiden nicht dem Deinigen gleich? O wie hielt ich Dich lieb und werth! wie vertraute ich Dir mein Heil und meine Wohlfarth! aber Du hast Dein Gelübde gebrochen und so muß nun auch eintreffen, was ich Dir dazumal vorhergesagt, daß Du mich verlieren würdest. O Reymund, Deine Wohlfarth, Dein Glück, alle Deine Freude und Ehre muß leider nun ein Ende nehmen.
Mehr konnte sie nicht sprechen, sondern sie fiel nach diesen Worten ohnmächtig zur Erde nieder. Die Herren und Diener erschraken sehr und liefen eilig hinzu, ihr beizustehn, worauf sie auch wieder zu sich kam und mit höchstkläglicher Stimme sagte:
Ach Gott! ach! Herr! o Reymund! wehe mir! Die Zeit ist da, ich scheide nun von Dir, Wie mußt' ich doch von Deinem Werth, Geberden Also im Herzen mein bezaubert werden? O weh! mein Leiden sei Gott angesagt! O weh! es sei dem höchsten Herrn geklagt! O wehe mir, daß ich beim Bronnen rein und kalt, Dich fand, mein Reymund dort im grünen Wald! O weh, daß ich gefühlt nach Dir Verlangen, Weh mir, daß ich den schönen Leib umfangen! Der Stunde weh, da ich mein Leib und Leben In Deine Macht Dir gänzlich übergeben! Ha Deine Falschheit und Verrätherei, Dein Unverstand bricht alles nur entzwei, Dein zornger Grimm, Dein boshaft schlimmer Mund Richt' mich und Dich, mein Wohlfarth ganz zu Grund, Ich komme nun in Arbeit, Angst und Noth, Und kann nicht hoffen, daß der bald'ge Tod Von meinen Quaalen mich befreien mag, Sie währen fort bis an den jüngsten Tag. Gottloser Schalk! untreuer Bösewicht! So weiß Dein Herz nicht, was Dein Mund verspricht? Wie hältst Du mir Dein heiliges Versprechen? Wie magst Du so Dein Wort und Schwören brechen? Gern wollt' ich Dir, untreuer Mann, verzeihn, Wenn Du nur noch verschwiegen konntest sein, Du hattest mich am Bade schon gewahrt, Es war verziehn, denn keinem offenbart Als Dir, war noch mein Schmach und großes Leid, Nun ist es offenbar, nun kommt die Zeit Der Angst, der Pein, der Quaal und Herzenswehen, Wo Glück, Lieb, Heil und Wohlfarth muß vergehen. Hätt'st Du den Eid gehalten treu und wahr, So blieb ich bei Dir, Reymund, immerdar, Bis endlich uns der bittre Tod geschieden, In Erde ruhte dann mein Leib im Frieden, Die Seele wär' aus Leid im Freud gekommen, Aus Fegefeur in Himmelslicht genommen. Nun aber bleiben Leib und Seel beisammen Bis glüht der jüngste Tag in seinen Flammen, In Dir nimmt seinen Anfang schweres Leiden, Auch Du nimmst Abschied nun von Deinen Freuden, Vermindert und zertheilet wird Dein Land, Kommt niemals wieder unter eine Hand, Unglück trifft manche, die von Dir abstammen, Und auch wir beide bleiben nicht beisammen, Ich muß von Dir, von Schloß und Kindern scheiden, Und künftig Mann und Schloß und Kinder meiden.
Die trauernde Melusina wandte sich hierauf zu drei Landesherren, führte sie zu Reymund und fuhr in ihrer Rede fort:
Reymund, bei Dir ist meines Bleibens nicht, Doch nimm in Acht, was, wenn ich fort, geschicht, Horribel, unser Sohn mit dreien Augen, Ist bös und kann in dieser Welt nicht taugen, Erwächst er groß, wird er das Land verderben Mit Krieg und Hunger, laßt ihn vorher sterben. Daß Geoffroy hat den Abt, die Mönch verbrannt, Erfahre, daß auch hierin Gottes Hand, Sie schlugen ihre Regel in die Schanz Und hielten nicht des Klosters Observanz, Auch wird den Geoffroy schwere Reue plagen Er wird alsdann frommüthig in sich schlagen, Ein neues Kloster baun, das schöner ist, Worauf er auch zum Dienste Jesu Christ Mehr Mönche wird zum frommen Werk einsetzen, Sie unterhalten auch von seinen Schätzen. Es wird mir schwer von meinem Schloß zu scheiden, Das ich gebaut anmuthig und mit Freuden, Ich möchte fast in Thränen drum vergehn, Doch kann's nicht anders sein, es muß geschehn. Ach Reymund! wars nicht Lust und Freudigkeit Als wir so schön beisammen allezeit? Aus Freud wird Leid, aus Scherzen wird nun Schmerz, Aus Stärke Ohnmacht, das zerbricht mein Herz. Wie hatten wir so schönes Wohlgefallen, Das wandelt sich nunmehr in Mißgefallen, Wohlfarth wird Gram, zu Sorge Sicherheit, Zu Unglück Glück, Freiheit wird Dienstbarkeit. So dreht sich denn des Glückes Kugel rund, Kehrt all in's Gegentheil in einer Stund, Doch ist es Reymund Deine eigne Schuld, Daß Du verleurst des Glückes Lieb' und Huld. Ich muß zu meinen Leiden von Dir scheiden, Doch mag Dir Gott die Missethat verzeihn, Daß ich aus Lust in Gram, in Schmerz aus Freuden Bis an den jüngsten Tag muß immer sein; Nun muß ich wieder fort, in Angst eingehen, In der ich, Arme, einmal schon gewesen, Und wieder muß die Quaal an mir geschehen, Und niemand darf und kann mich nun erlösen.
Wie Reymund diese Klagen anhörte und sah, daß sich seine geliebteste Gemalin zum Hinscheiden fertig machte, überfiel ihn eine solche innerliche Angst, daß er nicht ein Wort zu sprechen vermochte; er meinte, das Herz im Leibe müßte ihm vor großem Weh zerspringen und er würde sterben, begehrte auch nicht länger zu leben und wünschte sich den Tod. Er stand auf und ging mit kläglichen Geberden zu Melusina, küßte sie mit höchster Betrübniß und weinte bitterlich. Vor großem unaussprechlichen Herzeleid, das sie beide des Scheidens halber hatten, fielen sie nieder auf die Erde. Die Landesherren und Hofbediente, Frauen und Jungfrauen waren ebenfalls sehr traurig, huben sie beide auf, weinten und alles Volk mit ihnen. Reymund fiel vor Melusina nieder auf die Knie, und bat sie unter Schluchzen und Herzensangst um Vergebung, daß er seine Gelübde so böslich gebrochen hätte. Melusina antwortete: ich kann dem Verhängniß nicht Einhalt thun, welches es nun so beschlossen hat, darum müssen wir uns drein ergeben. Vergiß nun Deinen Sohn Freymund, aber gedenke Deines Sohnes Reymund, der einst an Deines Bruders statt Graf zu Forst werden soll. Auch Deines jüngsten Sohnes, Dietrich, nimm Dich an, der noch an der Brust der Amme liegt, denn er soll einst ein tapfrer Ritter werden.
Nachdem Melusina diese Worte gesprochen hatte, schwang sie sich auf das Fenster, wandte sich noch einmal um und sagte:
Gesegn' Dich Gott, mein Herz und wahrer Freund: Gesegn' Dich Gott, holdseligster Gemal! Gesegn' Dich Gott, Du liebstes Kleinod mein! Gesegn' Dich Gott, Du schöne Kreatur! Gesegn' Dich Gott, Du meine schönste Freude! Gesegn' Dich Gott, Du Lust in dieser Welt! Ach segn' Dich Gott, mein liebster Trost und Hort! Auch Euch gesegne Gott, mein liebes Volk! Gesegn' Dich Gott, Lusinia, schönes Schloß, Das ich gebaut und selbst gestiftet hier! Gesegn' Dich Gott, Du Preis von dieser Welt! Gesegn' Dich Gott, Reymund, mein liebster Freund, Leb' ewig wohl, zu tausend gute Nacht!
Mit diesen letzten Worten schoß Melusina zum Fenster hinaus und verwandelte sich vor den Augen alles Volks, denn sie wurde von den Hüften an wiederum ein feindlicher, langer und ungeheurer Wurm. So umfuhr sie in der Luft das Schloß, indem sie aus der Höhe herunter ein entsetzliches Geschrei ausstieß, das so seltsam und unerhört klang, daß allen das Herz im Leibe bebte, und sie sich vor nichts so furchten, als diesen Ton noch einmal zu hören, so zerschmetternd und zerreissend klang es, so tiefbetrübt, als sollte nun gar die ganze Welt vergehen, als wär alle Lust erstorben und sollte der Jammer nun auf Erden auf immer einheimisch sein. Dreimal ließ sie dieses entsetzliche Geschrei von sich hören, dann vernahm man nichts mehr und sie war verschwunden.
Reymund stand bei den Seinen in großen Leiden und schwerer Quaal, er schrie und weinte bitterlich, raufte sich die Haare aus und wünschte niemals geboren zu sein; da er wieder vor seinem großen Herzeleid sprechen konnte, rief er ihr die Worte nach:
Nun so gesegn' Dich der allmächt'ge Gott, Mein schönes Weib und Freundin, Ehrenkrone! Gesegn' Dich Gott, mein Reichthum, meine Freude! Gesegn' Dich Gott, Du meine liebste Lust! Gesegn' Dich Gott, mein einziges Verlangen! Gesegn' Dich Gott, Du Frau von hohem Preis! Gesegn' Dich der allmächt'ge, ewge Herr Und unsrer theurer Heiland Jesus Christus! Ach alle meine Tage sind vergangen, Da ich Dich ferner nicht erblicken soll.
Reymund klagte so sehr, daß alle die Seinigen mit ihm klagen und weinen mußten. Doch gab es einige ältre Leute, die sehr redlich waren und ihn zu trösten suchten, weil sie auf das Wohl des Landes ihre Absicht gerichtet hatten. Sie hielten ihm herrliche Beispiele vor, von andern großen Männern, die vieles Unglück erlitten, sich aber nachher getröstet hatten. Einer von den allerredlichsten aber erinnerte ihn an den Befehl seiner abgeschiedenen Gemalin Melusina, seinen Sohn Horribel mit den drei Augen nicht leben zu lassen, weil dieser sonst das ganze Land verderben würde. Reymund antwortete: lieben Freunde, überlaßt mich nur meinem Schmerze und thut übrigens nach Eurem Wohlgefallen und wie Euch meine edle Gemalin Melusina befohlen hat.
Hiemit entfernte sich Reymund und verschloß sich in einer einsamen Kammer, wo er trauerte und weinte und ein solches Wehklagen trieb, daß es nicht zu sagen ist. Die Herren und Diener aber nahmen den kleinen Sohn Horribel, der schon als Knabe ein sehr böses Gemüth in sich spüren ließ, und sperrten ihn zum Besten des ganzen Landes in einen abgelegenen Keller, worauf sie so viel brennendes Stroh hineinwarfen, daß der junge Bösewicht ersticken mußte; so war das Land für die Zukunft gerettet. Nachdem sie dieses vollbracht hatten, nahmen sie den Leichnam und legten ihn heimlich in ein Bette, sagten er wäre todt, und begruben ihn öffentlich nach einigen Tagen, als wenn er eines ordentlichen Todes gestorben wäre.
Reymund hatte noch zwei junge Kinder, die ihre Ammen hatten und die Brust sogen. In der Nacht sahen die Ammen oftmals, wenn es finster war, daß Melusina in die Kammer kam, in welcher die Kinder schliefen, eins nach dem andern aufhub, nämlich den Reymund und den Dieterich, sie am Feuer wärmte und lieblich säugte und dann wieder sie liebkosend in ihre Wiegen legte. Darnach war Melusina wieder verschwunden, und die Dienerinnen wagten es aus Furcht nicht, zu ihr zu gehn, wann sie zugegen war, doch nahm das Kind Dieterich so sehr zu, daß alle Menschen, die es nur sahen, darüber erstaunen mußten.
Geoffroy war indessen mit dem Schiffe und seinem Boten glücklich in das Land Norhemen angelangt. Gleich beim Schiffaussteigen kamen ihm die betrübten Landesherren entgegen, empfingen ihn sehr freundlich, bewillkommten ihn mit größter Höflichkeit, und erzählten so grausame Thaten von dem Riesen, die der ungeheure Wüthrich an jedem Tage verrichtete, wohl oft an einem Tage an die hundert Ritter erwürge, das Volk nicht anders als nach tausenden umbringe, das Land verwüste, das Vieh verderbe, und so weiter, daß Geoffroy antwortete: ei, meine Herren, dieses ist ja kein Mensch, sondern ein rechter eingefleischter Teufel, doch wenn ich ihn anders nur finde, so hoffe ich ihn mit Gottes Hülfe zu überwinden, bin auch deswegen ausdrücklich hergekommen, denn ich habe schon vorher, obgleich nicht so umständlich, von seinen Freveleien gehört. Gebt mir deshalb nur einen Boten mit, der mir den Weg zu diesem Unmenschen zeigt.
Die Landesherren schafften ihm bald einen Boten, der des Wegs kundig war und auch die Wohnung des Riesen wußte, worauf Geoffroy sehr kurz, aber doch mit seiner möglichsten Höflichkeit von den Landesherren Abschied nahm. So ritten sie beide, er und der Bote nach dem Berge zu, wo der Riese seine Wohnung hatte. Da sprach der Bote: Hier auf diesem Berge hat nun der Riese seine Wohnung. Du mußt mich zu ihm führen, antwortete Geoffroy, denn dazu bist Du mir mitgegeben; und so ritten sie auch den Berg hinan, und als sie oben waren, sah sich der Bote um, und erblickte den großen und mächtigen Riesen, der an einem Baume, auf einem Marmorsteine saß.
Als der Bote sah, daß der Riese so gar nahe bei ihm war, zitterte er vor Furcht an Händen und Füßen, wobei er ohne Unterlaß die Farbe verwandelte. Geoffroy, der sich nicht umgesehn hatte, merkte daraus, daß der Riese etwa in der Nähe sein müsse, er sagte daher lächelnd zum Boten: fürchtet Euch nur nicht, mein lieber Freund, denn ich bin gekommen, diesen Riesen umzubringen und Euch alle zu erlösen. Der Bote sagte: Herr, ich bin Euch als ein Bote mitgegeben worden, denenselben den Riesen zu zeigen, da ist er nun vor uns gegenwärtig, und sitzt auf einem Marmorsteine, nun verleihe Euch Gott der Herr Kraft und Stärke, denn hier kehr' ich um, und möchte um alle Schätze in der Welt, um alles Gold und Silber nicht weiter mit denenselben hinauf reiten; also, Gott befohlen, denn ich war bloß dafür gedungen, Euch den Riesen zu zeigen, und da ist er.
Der Riese _Grimhold_ sah, daß zwei Leute zu ihm den Berg hinan ritten, blieb also sitzen, um zu sehn, was es geben solle, denn er dachte wohl, daß sie sich an ihn machen und eins mit ihm wagen wollten. Geoffroy bat den Boten lächelnd, daß er doch noch bleiben und ihrem Gefechte zusehn möchte, indem er bald wahrnehmen würde, welcher unter ihnen beiden der beste sei. Der Bote aber sprach: was seh' ich doch an Dero Fechten, will lieber wieder nach Hause gehn, indem ich das nunmehr vollbracht habe, was mir ist anbefohlen worden. Geoffroy aber redete ihm wieder zu und sagte nochmals: lieber Freund, laß es Dir nicht leid sein, noch eine kleine Weile zu verziehn, denn Du wirst alsbald gewahr werden, welchen Ausgang es nimmt, worauf Du dann dem übrigen Volke sagen kannst, wie es sich begeben hat, und wer oben oder unten gelegen; willst Du dieses aber nicht thun, so denke ich Dir selber eins zu versetzen, daß Du wohl hier bleiben mußt.
Der Bote antwortete und sprach: gnädiger Herr, Ihr bittet so, daß man Euch nichts abschlagen kann, doch wollte ich gebeten haben, das Ding nicht lang zu machen, weil ich mich gar zu sehr vor dem Riesen fürchte, denn er kommt mir nicht wie ein Mensch, sondern wie der leibhaftige Teufel vor. Wenn Ihr so dächtet, wie ich, so würdet Ihr gegen den großen ungeheuren Riesenkerl nicht so unbedachtsam Euer junges Leben wagen. Geoffroy aber sagte: sorgt für mich nicht, denn ich will dem Leben des Riesen bald ein Ende machen.
Geoffroy schied nun von dem Boten und kam an den Berg. Da ihn Grimhold ganz allein herauf reiten sah, verwunderte er sich sehr, daß sich ein einzelner Mann dergleichen unterstehn sollte, doch gedachte er wieder, es werde vielleicht ein Unterhändler zwischen ihm und dem Lande sein, daher stand er auf, ging ihm an dem Berge auf einer schönen Wiese entgegen und nahm eine lange hölzerne Stange in seine Hand, mit der er wie mit einem Stäblein spielte. Wie nun Geoffroy nahe genug gekommen war, so schrie ihn der Riese an: Wer, oder von wannen seid Ihr, daß Ihr es wagt, so gegen mich den Berg herauf zu reiten? Was habt Ihr hier zu schaffen und zu suchen? Geoffroy schrie ihn wieder an: Du großer Schreihals, mein Gewerbe ist ganz kürzlich dieses, daß ich Dir Deinen gottlosen Kopf vom Leibe herunter hauen will, weiter habe ich hier nichts zu suchen, darum halte Dich bereit, solches in Gottes Namen zu erleiden.
Da fing der Riese an zu spotten und sagte: ei, mein kleiner Herr, laßt mir doch noch mein armes Leben, nehmet mich lieber gefangen und verkauft mich für Geld, damit ich doch nur meinen Leib behalte. Wie Geoffroy merkte, daß er seiner spottete, schrie er ihn wieder an: Nun warte, Du großer Hund, alsbald sollst Du für Dein Spaßmachen den Lohn bekommen. Plötzlich ergriff er seinen Schild, legte die Lanze ein und rennte mit solcher Gewalt auf den Riesen los, daß, wenn dieser nicht von seinem stählernen Harnisch wäre geschützt worden, er ihn durch und durch gestoßen hätte; aber der Stoß traf den Riesen doch so gewaltig, daß er zur Erden fiel und den Hintern und die Beine dem Himmel zukehrte. Er sprang aber geschwinde wieder auf und wollte nach Geoffroy mit seiner Stange schlagen; wie dieser das merkte, sprang er schnell vom Pferde herunter, in Besorgniß, er möchte ihn und das Pferd zu gleicher Zeit zu Tode schlagen. Der Riese betrachtete hierauf den Geoffroy und verwunderte sich sehr über dessen Stärke, und sagte zu ihm: ich weiß nicht, wer oder von wannen Ihr seid, Ihr habt mir einen so starken Stoß gegeben, daß ich meine Füße und meinen Hintern dem Himmel habe zukehren müssen, solches ist mir zuvor in meinem Leben noch nicht begegnet, wenn Ihr also ein frommer Ritter seid, so begehre ich von Euch, mir Euren Namen nicht zu verschweigen.
Geoffroy antwortete: ich heiße Geoffroy mit dem Zahn und bin weit und breit bekannt. Der Riese sagte: ich habe schon viel von Euch gehört, Ihr seid also derselbe, der einen andern Riesen, meiner Mutter Bruder, erschlagen hat, und nun hieher zu mir gekommen seid, um Euren Lohn dafür zu empfangen, den ich Euch auch alsobald richtig auszahlen will. Damit nahm der Riese die Stange und schlug mit großer Gewalt gegen Geoffroy, in der Meinung, ihn zu treffen, Geoffroy aber sprang geschwind zurücke und die Stange fuhr einen Schuh tief in den Felsen hinein. Zu gleicher Zeit gab Geoffroy dem Riesen mit seinem Schwert einen solchen Hieb durch seinen stählernen Harnisch, daß die Ringe davon fielen und das rothe Blut durch den Harnisch abwärts floß. Darauf wurde der Riese über die maßen wüthig, er nahm seine Stange und holte damit einen mächtigen Hieb aus; aber Geoffroy sprang wieder zurücke, und der Streich war so gewaltig, daß die Stange drei Schuhe tief in den Felsen hinein fuhr, wovon ihm auch der Arm heftig erschütterte und seine Stange in Stücke zersprang. Darüber ward Geoffroy sehr froh und lief wieder gegen den Riesen, und führte einen so starken Hieb auf dessen Helm, daß er ihn davon betäubte. Wie der Riese nun wehrlos war, so brauchte er seine Faust und versetzte damit dem Geoffroy einen so harten Schlag auf seinen Helm, daß er ihn damit beinah von Sinnen brachte, doch erholte er sich bald und gab dem Riesen noch einen Hieb, daß ihm der Panzer versehrt wurde, er ihm eine tiefe Wunde beibrachte und das Blut zu seinen Füßen niederströmte. Darüber fing der Riese an gräßlich zu fluchen und seine heidnischen Götter zum Beistand herbeizurufen. Dann sprang er auf Geoffroy zu und packte ihn um den Leib, hierauf rungen die beiden aus allen Kräften und Geoffroy war so mächtig, daß dem Riesen der Athem verging, ihn seine Wunden sehr schmerzten und er beinahe ohnmächtig geworden wäre. Hierauf wollte Geoffroy wieder nach seinem Schwerte laufen, um ihm vollends den Rest zu geben, aber der Riese nahm dieses Augenblickes wahr und nahm mit großer Schande die Flucht in den Felsen hinein.
Der Riese war hinter dem Felsen in ein finstres Loch gesprungen und Geoffroy konnte ihn nicht wiederfinden, so sehr er auch suchte, er setzte sich also wieder zu Pferde und ritt zu seinem Boten zurück, der seiner in großen Aengsten erwartet hatte. Dieser freute sich sehr, als er ihn sah, und Geoffroy erzählte ihm den ganzen Verlauf des Zweikampfs, denn jener hatte sich doch aus Furcht entfernt, als er gesehn, wie der Riese zu handthieren angefangen. Er sah nun auch, wie dem Geoffroy sein Helm voll Beulen und sein guter Schild zerschlagen war, woraus er wohl abnehmen konnte, daß er nicht leichte Arbeit gehabt hatte. Indem sie noch mit einander sprachen, kamen die Landesherren und eine große Menge Volks herbei, die sich über den Sieg Geoffroy's höchlich erfreuten; doch wurden sie wieder bekümmert, als sie hörten, daß der Riese nicht ganz todt, sondern in den Felsen entronnen sei, und wenn er von seinen Wunden wieder aufkäme, so möchte er hernach schlimmer werden, als er zuvor gewesen.
Einer von den Landesherren fragte ihn hierauf, ob sich der Riese bei ihm etwa erkundigt habe, wer, oder von wannen er sei. Geoffroy antwortete: ja, er hat recht eigentlich darnach gefragt und ich habe ihm solches auch nicht verschwiegen. Darauf sagte dieser Herr: tapfrer Ritter, Ihr könnt versichert sein, daß dieser Riese nicht wieder aus seinem Berge hervor kommt, so lange Ihr hier gegenwärtig bei uns bleibt, denn er hat es durch eine Weissagung, daß er von Eurer Hand sterben werde. Darauf schwur Geoffroy einen Eid, nicht eher von dem Lande zu weichen, bis er den Riesen wieder gefunden und ihn vollends getödtet hätte.