Schriften 13: Märchen; Dramatische Gedichte; Fragmente

Part 18

Chapter 181,524 wordsPublic domain

Ein schwerer Fluch, den da der grobe Mann Gesprochen hat, ein fürchterlicher Bann: Muß denn das Alte grob stets sein? Das will mir doch bei alledem nicht ein. Er meint am Ende, die rechte Witzesart Liege in dem verteufelt groben Fischart: Und wollt' ich davon das Bescheidenste schreiben, So würde mir kein honetter Leser bleiben. -- Das Feuer im Ofen brennt hell und knistert, Als wollt es den ganzen Ofen sprengen: Mir ist als ob es mit Stimmen flüstert, Als löste der Ofen sich in Gesängen: Wenn alles Poesie und Musik noch wird, Gestaltet sich die Welt doch zu verwirrt. -- Ich sehe den Ofen in seiner Basis wackeln, Es springen, meiner Seel, die Kacheln, Dampf und Gestank erfüllt das Zimmer Und drinne steht ein Frauenzimmer.

Der falsche Ruhm tritt aus dem Ofen heraus.

Autor.

Wer bist du wunderbares Bild? Sag an, was du von mir haben willt, Mir steigt der Dampf in alle Sinnen, Ich möchte fort, kann nicht von hinnen.

Falscher Ruhm.

Ich bin der Ruhm, der die Welt durchkreuzt, Der alle Helden mächtig reizt, Der Lohn für alle Arbeit, Ich wohn' in Licht und Klarheit, Wo Feuer brennt, da brenn' auch ich, Drum kam ich aus dem Ofen säuberlich Mit meinen Kränzen dir entgegen Dir zu ertheilen meinen Segen.

Autor.

Doch deine Kränze, mit Verlaub, Bestehn ja nur aus dürrem Laub.

Falscher Ruhm.

Du Thor, geht man durch Feuer risch, So bleibt das grüne Laub nicht frisch.

Autor.

Wie kannst denn du der Ruhm doch sein? Ich dachte, der wohnte im lichten Schein, So kömmst du her in Qualm und Gestank, Das macht mir doch etwas mein Herze bang.

Falscher Ruhm.

Nicht viel gezweifelt; ich hasse das Licht, Denn weil ich, leider, beim Lichte besehn, So gar sehr reizend bin eben nicht, So will ich lieber im Qualme stehn: Was du Gestank thust böslich nennen, Das ist ja eben mein Geruch, Woran die Menschen mich erkennen, Und der mir anzieht die Menge genug. Nun sprich, ich habe nicht Zeit zum Hänseln, Denn ich bin immer in Thätigkeit, Hier und da zu krönen treffliche Leut, Steht einer dir an von meinen Kränzen?

Autor.

Sie sind aber alle voll Staub und Aschen.

Falscher Ruhm.

Ich fülle den Kopf nicht, sondern die Taschen, Geld mußt du haben, willst du was gelten, Das Gold hat immer sehr gegolten, Dann mögen sie um dich lärmen und schelten, Eine volle Tasche wird nimmer gescholten. Willst dich zu meinem Dienst bequemen, So mußt dich weder erzürnen noch schämen, Mußt nie an keine Herrlichkeit glauben, Noch weniger dich mit Andacht verschrauben, Die Menge ist deiner Gottheit Stimme, Je dummer du mengst, je größer deine Menge, Und stehst du recht dicht im großen Gedränge, So fürchtest du dich vor keinem Grimme. Schau an, wie lieblich jetzt die Welt, In der Armuthseligkeit ist bestellt, Es fehlt ihnen allen von Osten nach Westen, Von Norden nach Süden an dem Besten, Drum wer die Leute halbwege ergötzt, Wird gleich in alle Sprach übersetzt, Noch niemals hatt' es ein Dichter kommoder, Fehlt ihm auch gänzlich der Menschenverstand, Sein Ruhm geht doch von der äußersten Oder Bis an des Mittelmeeres Strand; Es kommen gelaufen die Irren und Britten, Der Poesie zu Enge Länder und demüthig bitten Sie dich und reichen genuine Guineen Für sehr ungeniete Genien, Und sprechen: sei unser Shakespeare, Wir sehn, der unsrige ist ein Käsebier, Flugs wirst der berühmte Shakspeare du, Und wärst Du selber der Kotzebue.

Autor.

Das Ding ist wahrlich so übel nicht, Wenn du mir hältst, was dein Mund verspricht.

Falscher Ruhm.

Du mußt nur, wenn es dir soll glücken, Dein Vorurtheil gegen den Dampf ersticken.

Autor.

Wenn mich der Dampf nicht wird ersticken.

Falscher Ruhm.

Der muß dein Element ja werden, Dann wandelst du auf dieser Erden, Als der berühmte große Hans Dampf, Und überstanden ist aller Kampf, Die meisten halten's doch für Rauch, In dem ja lebten die Götter auch.

Autor.

Was hör' ich oben für ein herrlich Singen, Das durch das ganze Lustrevier erschallt? Es ist, als ob die Töne widerklingen Aus einem grünen Vögelvollen Wald, Und wie sie kommen süße Düfte schwingen Hernieder sich, und gaukelnd mich umwallt In allen trunknen Sinnen die Bemeistrung, Ich möchte sagen fast, das ist Begeistrung. Ich seh das Dach sich oben wieder spalten, Das Haus muß heute wahrlich untergehn, Wie sich die Bretter alle dort entfalten Dringt durch sie her ein heller Lichtstrahl schön, Es brechen nieder mächtige Gestalten, Und fahren aus dem lieblichen Getön, Verwirrt weiß ich mich wahrlich nicht zu fassen, Wo soll ich alle die Besuche lassen?

Der wahre Ruhm schwebt von Genien getragen herunter.

Autor.

O holdes Bild, ich stürze in die Knie, Und bete zu dir im andächtgen Schweigen, Mein Herz erhebt sich, und noch nimmer, nie Sah ich die Majestät, wie du sie zeigen Mir willst in deinem Glanz, ich ehre sie Und möchte gern dir zugehören eigen, Mit Zittern ist das andre Bild entwichen, Es ist vor deinem vollen Glanz erblichen.

Der Ruhm.

Nicht daß du wirst von Thoren laut gepriesen, Nicht daß die Welt, die eitle, dich verehrt, Nicht daß du Schmeichler siehst zu deinen Füßen, Daß man dein Lob von allen Zungen hört, Nicht Lohn und Gold hat sich als Ruhm erwiesen, Es hat dein eignes Herz dich schon belehrt, Daß nur im Innern dir der wahre Ruhm, Ist dir dein Ziel und Streben Heiligthum.

Und wollen sie dich höhnen und verkennen, Fällt dir auch nur ein mittelmäßig Loos, Will auch die Welt nicht deinen Namen nennen, Dünkt sich der Thor auch über dir und groß; Wird nur im Herzen dir die Flamme brennen, Hegt dich die Andacht nur in ihrem Schooß, So blüht im Herzen dir die goldne Blume, Auch ungekannt wohnst du im hohen Ruhme.

Autor.

Die heut'gen Stunden will ich nie vergessen, Sie sollen tief in meinem Innern blühen, Nie will ich mich im Uebermuth vergessen: Ja ewig will ich, heilge Kunst dir glühen, Kein fremdes Bild soll in mir auferstehen Und von der vorgesetzten Bahn mich ziehen. Ich sehe vor mir wundervolle Höhen, Nach ihnen sei der feste Schritt geleitet, Und sollte rings um mich die Welt vergehen. Was thuts, wenn Pöbel hinter mir auch schreitet, Sein Wüthen mir den Weg verkümmern will, Von einem süßen Licht bin ich geleitet. Die ewgen Ströme werden nimmer still. Der freche Hohn sinkt unter bald in Schweigen, Die Nacht nimmt ihn in ihre schwarze Hüll'. Bald muß das schöne Morgenroth sich zeigen, Es dämmern schon die wolkigen Gestalten, Die Finsterniß muß sich hinunter neigen. -- Dann bitt ich noch: nicht Spaß für Ernst zu halten.

Anmerkungen zur Transkription

Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_ gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind, wurden ^so^ und Bühnenanweisungen ~so~ markiert.

Die variierende Schreibweise des Originales wurde weitgehend beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert, teilweise unter Verwendung weiterer Ausgaben, wie hier aufgeführt (vorher/nachher):

[S. 5]: ... standen auf den Tafeln, und eine schöne schöne Musik ... ... standen auf den Tafeln, und eine schöne Musik ...

[S. 15]: ... er legte ihn nun auch ein schönes Gebiß an, und putzte ... ... er legte ihm nun auch ein schönes Gebiß an, und putzte ...

[S. 24]: ... möchte, schlug ihm ein anderer von den Räthen zu Boden, ... ... möchte, schlug ihn ein anderer von den Räthen zu Boden, ...

[S. 25]: ... ich will dem tapfern Reinold die Steinkippe geben, ... ... ich will dem tapfern Reinold die Steinklippe geben, ...

[S. 25]: ... zum ehelichen Gemal geben, wenn er mir solches verpricht. ... ... zum ehelichen Gemal geben, wenn er mir solches verspricht. ...

[S. 25]: ... daß das Schloß Montalban heiße und Reinold angegehöre, ... ... daß das Schloß Montalban heiße und Reinold angehöre, ...

[S. 34]: ... und ging auf Reinhold zu. Er hatte weiße Haare und ... ... und ging auf Reinold zu. Er hatte weiße Haare und ...

[S. 35]: ... hatte, da fielen ihm seine goldene Sporen ein, die ihm ... ... hatte, da fielen ihm seine goldenen Sporen ein, die ihm ...

[S. 45]: ... Hab' ich ihn doch von jeher nichts als lauter ... ... Hab' ich ihm doch von jeher nichts als lauter ...

[S. 51]: ... die Malegys gebracht hatten, hielten sich sehr tapfer, ... ... die Malegys gebracht hatte, hielten sich sehr tapfer, ...

[S. 56]: ... sie flohen oder umkamen, und Risart war wieder frei, ... ... sie flohen oder umkamen, und Ritsart war wieder frei, ...

[S. 61]: ... so viel gute Worte ihn auch Reinold gab, worüber ... ... so viel gute Worte ihm auch Reinold gab, worüber ...

[S. 64]: ... fangen, denn es geht meinen Herzen gar zu nahe. Da ... ... fangen, denn es geht meinem Herzen gar zu nahe. Da ...

[S. 69]: ... Begebenheiten und große Thaten und den höchsten ... ... Begebenheiten und große Thaten zu den höchsten ...

[S. 73]: ... Reymond zu seinem Herrn Vetter sagte: wir sind in ... ... Reymund zu seinem Herrn Vetter sagte: wir sind in ...

[S. 77]: ... mit der größten Behendigkeit von Pferde herunter ... ... mit der größten Behendigkeit vom Pferde herunter ...

[S. 146]: ... Tafel gelesen hatte; konnte er sich nicht genug darüber ... ... Tafel gelesen hatte, konnte er sich nicht genug darüber ...

[S. 147]: ... daß der ganze Thurm erbebte und er soglich todt war. ... ... daß der ganze Thurm erbebte und er sogleich todt war. ...

[S. 275]: ... Sie Sind wohl auch ein Schriftensteller. ... ... Sie sind wohl auch ein Schriftensteller. ...