Schriften 13: Märchen; Dramatische Gedichte; Fragmente

Part 15

Chapter 153,699 wordsPublic domain

Sie empören sich gegen meine Gründe, Was gilts, daß ich's mir noch komm oder erfinde? Ich bin der einz'ge hier, der existirt, Und sich die andern nur imaginirt, Dann steht es billig kaum zu begreifen, Wie ich so kann Erfindung auf Erfindung häufen, Und daß ich hier so eingepresset sitze, Und das Gedränge macht, daß ich schwitze, Und doch kann ich's verfluchte Imaginiren Nicht lassen, ich muß dies alles produciren.

Michel ~giebt ihm eine Ohrfeige~.

Darin scheint mir kein Menschenverstand, Und drum bestraft Sie diese Hand.

Rüpel.

Daß ich mir diese Ohrfeig' nur erdenk', ist Ihr Glück, Sonst bräch ich warlich Ihr Genick.

Michel.

Wo hab' ich ein Genick? Sie stellen sich's nur vor.

Rüpel ~giebt ihm wieder eine Ohrfeige~.

Sie haben Recht und drum schlag ich Sie auch ans Ohr, Es ist nur meine eigne Seele, Die ich dadurch ein wenig quäle.

Peter.

Das ist ein wahres Ungeheuer.

Michel.

Hier ist der gute Rath nun theuer.

Peter.

Nur zugeschlagen, ich helfe mit, Denn bei dem Kerl ist doppelter Profit, Denn erstlich kriegt er allewege Von uns schwer abgewogne Schläge, Dann kriegt er auch noch die, Ihr hört's ihn selber sagen, Die wir aus diesem Kampfe tragen.

Stimmen.

Ruhig, wozu soll das Gelärme?

Rüpel.

Es ist nichts, meine Herrn, als daß ich ein wenig schwärme. Wir leben in aller Einigkeit, Ich fingire mir nur 'ne Streitigkeit, 's ist nur um ein wenig Geduld zu thun, So wird die Imagination wohl wieder ruhn.

Baal, ~der aus dem Schlaf erwacht~.

Nun weiß ich alles, lieben Leute, Ein Familienstück giebt man uns heute, Der Lampenputzer ist dem Direktor verwandt, Wir haben gänzlich ihn verkannt; Wenn der Vorhang sich nun endlich hebt, So sehen wir, was jeder in seinem eignen Hause erlebt, Wie der Obre sich um die Familie bemüht, Die Kinder durch Lohn und Strafe erzieht. Am Mittag ißt er sich wacker satt, Beim Verdauen er Langeweile hat, Läßt sich dann ein'ge Arien singen, Und thuts in allen möglichen Dingen Wie wir es immer haben gethan; Und das sehn wir zur Erquickung an. Wie wird es uns ergötzend laben, Unser langweilig Leben im Spiegel zu haben!

Gottfried.

Ich freue mich schon jetzt darauf, Ging' doch der Vorhang endlich auf! Doch hoff' ich, werd' ich auch erfahren Was gestern für Leute beim Nachbar waren, Und wer in das neue Haus gezogen, Man hat so manches darüber gelogen.

Peter.

Wir sehn vielleicht auch Herrn Melante Und manche andre Bekannte, Meine Muhme die wollte nicht mit mir kommen, Sie hat vielleicht auf'm Theater Platz genommen.

Michel.

Mir ist ein Knecht jüngst echappirt, Der wird vielleicht mit aufgeführt: Man sollte dann aber darnach streben, Ihm ein'ge wenige Prügel zu geben.

August.

Ich glaube vielmehr, daß wir etwas sehen Was vor noch nimmermehr geschehen, Gemälde, die doch nicht Gemälde zu nennen, Maschinen, die sich bewegen können, Und bunte tausendfarbge Strahlen Die alles schön und herrlich mahlen, Daß wir vor Wolken und schimmernden Dunst, Vor unbegreiflich schöner Kunst, Am Ende nichts vom Theater werden gewahr; Das ist meine Meinung auf ein Haar.

Philipp.

Meine Vernunft kann sich durchaus nicht bequemen, Nur eine der Meinungen anzunehmen. Es so zu glauben ist nur dumm, Ich find' einen andern Weg mir weit herum, Denn ohngefähr glaub' ich dieselben Sachen, Nur muß ich mir darüber ein Systemchen machen, Und daß bei Leibe sich nur nicht der Vorhang hebt Bis mein System ist fertig ausgewebt, Daß ich nicht unvorbereitet, wie ein Schwein, In all die Freude plumpe hinein.

Baal ~zu Hanswurst~.

Mein Sohn, Du sprichst kein einzig Wort, Hab' ich Dich dazu unterricht? Nun sprich, bist gern an diesem Ort? Wie? oder liebest Du ihn nicht?

Hanswurst.

Verzeiht, mein Vater, ich habe sacht Indeß über alles nachgedacht, Das ist noch nichts und zeigt von keinen Gaben Irgend eine lumpige Meinung zu haben, Doch das, dünkt mich, verräth Geschick, Mit einem kühnen Adlerblick Durch das ganze mannichfaltige Gebiet zu streifen, Was roh ist, niedlich glatt zu schleifen, Von Eichen Birnen abzuessen, Den leeren Raum genau zu messen, In jedem Unsinn Wahrheit auch zu finden, Und alles zu einem Ganzen zu verbinden. Eure Meinung, Vater, ist bekannt, Ich nehme sie an und mache sie etwas galant, Dazu nehm ich ein bischen vom Anthenor hinein, So vermeid' ich dadurch der Einseitigkeit Schein. Auch ist Herr Polykarp nicht gänzlich zu verachten, Nur muß man fleißig dahin trachten, Es mit Herrn Philipps Sätzen zu vereinen, Und auch zugleich, was Rüpel meint, zu meinen. Ich nehme mich auch Herrn Melantens an, Auch Gottfried und Herr August ist ein guter Mann. Es muß uns allenthalben glücken, Von einem zum andern zu legen Brücken, Und so meine Freunde, bleibt es uns offen, Auf die wunderlichste Weise zu hoffen, Auf Sachen, die uns jetzt im Augenblick Unsinnig scheinen, aber wir kommen schnell zur Ueberzeugung zurück. Ich dächte, das wäre der beste Schwank, Und die Zeit würde uns so am wenigsten lang.

Das Publikum.

Ja, ja, das ist die beste Methode, Wir sind schon alle in der Mode.

Der Autor. Ein Fastnachts-Schwank. 1800.

Der Autor ~in seiner Stube~.

Wie mir's in allen Gliedern liegt! Die Augen kann ich kaum erheben, Bin durch und durch recht mißvergnügt Und führe ein meschantes Leben. Von allen geneckt, von keinem gefühlt, Vergebens Poesie ausgespielt -- Da kommen sie dann und loben, wie's scheint, Ist eigentlich als Tadel gemeint, Und drehn sich und winden sich närrisch herum, Sind überklug, deswegen unterdumm. -- -- Wo bist du, herrliche Frühlingszeit? Wie liegst du von diesen Mauern so weit! Kommt Sonne über die Dächer geflossen, Scheint mitleidsvoll in die Kammer herein: -- Ich habe noch keine frohe Stunde genossen, Mich nicht ergangen im lieblichen Schein, Statt aller frohen freien Natur, Druckfehler um mich in Korrektur, Gewöhne mich alles zu korrigiren, Die ganze Welt zu rektifiziren, Schau ich von der Höh hinab in die Thäler, Seh ich allenthalben nur Schöpfungsfehler, Und fange zu brummen an, endlich zu hassen, Möchte bogenweis umdrucken lassen, Kömmt mir alles nur wie Stümperwerk vor, Und fühle recht gut, ich werd' ein Thor. -- Warum seid ihr entschwunden Ihr fröhlichen Jugendstunden, Als noch Baum und Blume mit mir spielten, Und Erd' und Himmel mit mir fühlten, Mich alle als ihres Gleichen hielten? Jetzt bin ich unter der Presse Und leide schlimmen Druck, Verhandelt auf der Messe, Und komme täglich weiter zuruck. Da ist an keine Ergötzung zu denken, Kein Volksfest, kein fröhlich Gelag, Man muß sogar am Feiertag Mit Sorgen sein Gemüth nur kränken. Will ich zum Wald die Schritte lenken, So folgt mir die Erinnrung nach, Und alle Sorgen werden wach, Will nichts mir die Erquickung schenken. Kurzum, soll andre amüsiren, Daß sie vergessen ihr prosaisch Leben, Und muß mich selber ennuyiren, Vor mir will keine Hoffnung schweben, Und da hilft auch kein Sperren und Zieren, Ich muß es nur so dulden eben. --

Es klopft.

Herein!

Ein Fremder tritt herein.

Fremder.

Verzeihen, daß ich so dreist gewesen, Ich habe gar manches von Ihnen gelesen, Du mußt auch sehn den Mann so dacht ich, Betrachten ihn mit großem Fleiß, Bin jetzt auf einer gelehrten Reis', Einen Umweg von einer halben Meile macht' ich.

Autor.

Bin Ihnen trefflich obligirt.

Fremder.

Sie sind doch wohl nicht occupirt?

Autor.

Ich bin es niemals, oder immer.

Fremder.

Sie deuten auf das Frauenzimmer, Das im Meister die schöne Rolle spielt, Natalie, die nie oder immer Liebe fühlt: Hab' bei dem Buche gar manches gedacht, Geschaudert, geweint, mich erfreut und gelacht, Es ist doch gar ein trefflich Werk, Versteht man's, ist überstiegen mancher Berg.

Autor.

Sie scheinen der Dichtkunst sehr ergeben.

Fremder.

Ich kann wohl sagen, sie ist mein Leben, Doch lieb' ich auch den Ernst daneben.

Autor.

Ganz Recht, der Ernst, den muß man lieben, Treibt man ihn nicht, wird man von ihm getrieben.

Fremder.

Ach Lieber! es giebt so viel zu lernen, Die Wissenschaften täglich um sich fressen, Da darf man sich nur ein bischen entfernen, Hat man das Beste gleich vergessen, Und wenn man dann mit dem Zeitalter nicht geht, Kommt man nur allenthalben zu spät.

Autor.

Die Unruhe sich jetzt schneller regt, Die volle Stunde häufger schlägt, Da muß die Uhr wohl vorwärts kommen, Das Repetirwerk ist herausgenommen, Eine neue Feder hinein endlich kam, Die alte war etwas gar zu lahm.

Fremder.

Sehr wahr, und werth, sich zu notiren, -- Ich darf Sie doch wohl auch zitiren, Wann ich die Reisebeschreibung edire, Und Sie dort namentlich aufführe?

Autor.

Sie werden mir dadurch viel Ehre erzeigen, Doch mehr noch, wenn Sie gänzlich schweigen.

Fremder.

So wenig mein Werklein wird bedeuten, Kommen Sie doch zu lauter ehrbaren Leuten. Was haben Sie jetzo unter der Feder?

Autor.

Jetzt hat die Feder mich unter sich.

Fremder.

Es scheint, mein Herr, Sie scherzen entweder, Oder ich bin ihnen hinderlich.

Autor.

Das Erste so wenig wie das Zweite, Es ist nur meine Art so heute: Doch weil sie's wissen wollen zumal Arbeite an einem Poetischen Journal, Vielleicht ist's Ihnen auch schon bekannt.

Fremder.

Ei! ei! das ist ja ganz charmant! Poetisch? das heißt, wie ich es fasse, So gleichsam Gedichte von Zeit zu Zeit, Das Ganze wird aber in der Masse Ganz unpoetisch weit und breit, Wir haben der Journale längst genug, Poetisch Journal ist ein Widerspruch.

Autor.

_Es_ wird sich eben nach jedem bequemen, So wie er will, kann's jeder nehmen.

Fremder.

So hab ich's unter andern selber gern, Der eine will die Schaale, der andre den Kern, Müssen's nur nicht am Interessanten fehlen lassen.

Autor.

Wenn man nur wüßte, was interessirt.

Fremder.

So intressirt zum Beispiel, über die maßen, Was da und da für Komödien aufgeführt, Wie der und der die Rolle genommen, Was für Witz von Paris und London gekommen.

Autor.

In dergleichen Dingen bin ich unerfahren.

Fremder.

So müssen Sie sich mit andern paaren, Um Korrespondenz und Konnexionen, Karikaturen und Spionen, Um Neuigkeiten, aus Wien und Berlin Und dergleichen Amüsanten bemühn.

Autor.

Doch seh ich eben nichts Neues geschehen.

Fremder.

Man muß nur von sprechen, man kann es nicht sehn; Wer wird die Dinge so schwerfällig nehmen? Man muß sich eben zum Glauben bequemen; Wer fodert, daß Gilreys Bilder witzig wären? Es handelt sich drum, sie zu erklären.

Autor.

Mein Herr, das ist mir nicht gegeben, Zu führen ein solch erbärmlich Leben.

Fremder.

Ja ja, sie glauben wohl, was sie leisten, Sind kaum ein Gilrey für die Meisten, Und, Spaß a part, wie meinen Sie das, Halten Sie denn ihren Spaß für Spaß? Ihre Reime Und Träume, Dazwischen die Blumen und Bäume, Und alles, man weiß nicht geht man, Fällt, oder steht man, Kein Silbenmaas, Rhytmus durchaus nicht, Daß alles so bunt und kraus herausbricht, Sammt den Aufputz vielerlei Plunders, Das halten Sie wohl für was Besonders?

Autor.

Ihr Eifer bringt Sie in's Parodiren.

Fremder.

Ei man muß sich leider wohl enthusiasmiren, Wenn man sieht die Zeichen der Zeit, Den unnützen Stolz, die Ueberklugheit, Daß sie anfangen, brave Leute zu hassen; Nein, selber leben und leben lassen! Der eine schreibt Journale und kritisirt, Der andre schreibt Journale und spintisirt, Ein dritter fängt's an und satirisirt, Ganz gut, doch muß man keinen verachten, Nicht meinen, das Gute für sich zu pachten, Die andern zu verkleinern streben, Die Menge der Leser muß den Ausschlag geben.

Autor.

Ich freue mich, daß ein Patriot Sich annimmt seines Vaterlandes Noth.

Fremder.

Ei schön! Sehn Sie, wie gut der Rest Von sanften Gefühlen ihnen läßt, Das andre ist doch nur Saus und Braus, Kommt nichts bei alle dem heraus.

Autor.

Sie sind wohl auch ein Schriftensteller.

Fremder.

Es liest jetzt keiner, er schreibe denn auch, Das ist jetzt allgemein Gebrauch, Nutzt überdies für Küch' und Keller.

Autor.

Worauf ist ihr Bemühn gericht't?

Fremder.

Mehr auszubreiten der Wahrheit Licht, Doch fang ich's sachtchen sachtchen an, Bin sehr der Menschenliebe zugethan, Suche zu befördern Lieb' und Eintracht, Geh nicht auf die Gegner als ob man ein Schwein schlacht, So daß man ihr Quieken gassenweit hört, Denn dadurch wird selten einer bekehrt. Sie werden bald manches in der Nationalzeitung Von aller meiner Bemühung finden, Dann geb' ich mir noch mehr Ausbreitung, Such mich mit andern zu verbinden, Die auch für die gute Sache glühen, Und sich zu Deutschlands Besten bemühen: So wirken wir dann zur Geselligkeit, Wie die Verfasser der Ruhestunden, Erzeigen Tausenden eine Gefälligkeit, Die Nachwelt ist uns noch verbunden, Erschnappen wohl gar, o Herrlichkeit, Ein Bischen von deutscher Unsterblichkeit. Ich empfehle mich Ihnen, hab' sehr mich gefreut, -- Muß gehn, besuche noch andre Leut. -- ~Geht.~

Autor.

Man sagt wohl: laß dich nicht erboßen, Belache lieber die Narrenpossen, Doch kömmt's einem manchmal in die Glieder geschossen, Daß man möchte mit Prügeln und Knütteln Diese Zartheit und Trefflichkeit durcheinander rütteln. Meinen sind Engel, und sind in der Regel Beim Licht besehn gar ordinäre Flegel. Man närrt sich nur, denn nimmer nie Verstehn sie, fühlen sie Poesie. -- Was willst du nur das Geschriebne häufen, Durch wunderbare Länder schweifen? Denkst du die Meister zu übertreffen, Deren Töne bei ihnen nicht wiederklingen? Wie kannst du dich nur selber äffen? Denkst du die goldne Zeit zurück zu bringen? Wie war es denn, als noch die starre Brust Geöffnet war den Schmerzen wie der Lust? Welch Genius hat doch beflügelt Den dunkeln Kerker ehemals entriegelt? Jetzt sind sie zu, und kein Erwarmen, Kein Sonnenschein dringt zu den Armen, Sitzen drinn in ihrem dunkeln Haus, Man hört sie aus der Ferne winseln, Und ihre Liebesmelodien pinseln. Gukt höchstens mal einer in der Schlafmütze raus, Und wundert sich, daß draussen auch Welt, Die ihm aber wegen der Größe nicht gefällt. Der Schlüssel zum Gefängniß scheint verloren, Und wer weiß, wenn der Held einst wird geboren, Der sie aus ihrer Marterkammer hebt Und sie zu Lust und Trauer neu belebt. Sie denken nichts, sie fühlen nichts, Sie wissen's nicht und entbehren des Lichts, Und auch die Sehnsucht ist ihnen versiegt, Sie sind nicht verdrüßlich, noch wenger vergnügt. Was nutzt alles Dichten und Trachten, Da sie's so kecklich verachten? Mit aller Kunst, o wahres Wort! Man keinen Hund aus dem Ofen lockt.

O hätt' ich Flügel mich himmelan zu schwingen, Könnt' mir einer den flüchtigen Pegasus bringen, Damit in den blauen Luftrevieren Mit aller Freude herum zu spazieren, Sonne und Mond und Sterne näher zu besehn, Und hier in Qualm und Dampf nicht zu vergehn! Da klopft es schon wieder an meiner Thür. Herein!

Die Muse tritt lächelnd herein.

Autor.

O Himmel! ich vergehe schier, O du lieb holdes Angesicht, So schau ich wieder dein Augenlicht? Ich bin's nicht werth, unwürdger Knecht, Daß du den Weg zu mir gericht.

Muse.

Wie muß ich Dich in Unmuth finden, Was konnte so Deine Sinne binden?

Autor.

Ich fühle die Schaam im neuen Erquicken, Ich erkenne mich wieder im hohen Entzücken, Dein Auge in mein Herz 'nein lacht, Hat allen Frühling wieder gebracht. Ich fühle mich jetzt von Geistern umgeben, Die Kraft von Himmel und Erd' um mich schweben, Und ihnen entgegen mein fröhliches Streben, Es haben sich verjüngt die Stunden, Die Vorzeit sich wieder mit mir verbunden, Ich habe mich auf mich selbst besonnen, Und richte wieder den Blick zur Sonnen.

Muse.

Ich hörte Dich schrein, wie ein mürrisches Kind, Du wolltest Dich nicht in der Einsamkeit sehn, Drum kam ich Dich zu trösten geschwind, Daß nicht in Aengsten möchtest vergehn.

Autor.

Du bist so gut und freundlich mir.

Muse.

Sei auch nur gut und freundlich Dir, Bedenk, daß jeder der Nächste sich.

Autor.

Ergeben bin ich dir ewiglich, Mein Herz, mein Sinn und all mein Blut, Dient ewig dir mit treuem Muth, Der Gedanke an dich mich hatte verlassen, Drum fing ich an die Welt zu hassen, Dein Gegenwart lößt die verworrenen Schatten, Die dicht mich eingeenget hatten, Wie fröhlich spielt Zukunft und Vergangenheit, Daß es mich recht in's Herz hinein freut, Wie fühl' ich zu Muth und Lachen mich tüchtig, Wie freun mich die grotesken Gestalten, Die mich für ihres Gleichen halten.

Muse.

Nun geht, mein Freund, Dein Puls wieder richtig.

Autor.

Im Auge ist mir ein Aug' entstanden, Im innern Ohr ein neues Gehör, Nun ist mir alles ganz recht um mich her, Ich fühle, ich kam mir selbst abhanden.

Muse.

Du mußt nie selber werden ein Thor, Rückst Du die Thorheit andern vor.

Autor.

Hat man auch noch so große Antipathie, Und haßt das Gemeine von Herzensgrund, So kommt doch plötzlich, man weiß nicht wie, Eine trübe armuthseelge Stund, Sieh da, so hat man die Sympathie.

Muse.

Bleib nur der Fröhlichkeit ergeben, Und thu nicht mit Dir selber grollen, So fühlst Du schon das gute Leben Wie alle Menschen es leben sollen. Blick um Dich heiter und fühle Dich frisch, Im Dichten kühn, und fröhlich bei Tisch, Trink in Dich munter machenden Wein, So wirst Du immer ein Weiser sein.

Autor.

Ja wärst du mir nur immer zur Seit, Erlöschte wohl nie die Freudigkeit.

Muse.

O Thor, hast Du mich nicht besser erkannt? Meinst wohl, ich sei in Gestalt gebannt? Schau an umher das grünende Land, Horch, wie der Vöglein Lieder klingen, Wie süße Düfte zu Dir dringen, Wie Hain und Flur, der Strom sich regt, Im ewigen Leben mit Wellen schlägt, Wie der Wind, ein Athem, niedergeht, Erfrischend durch Laub und Kräuter weht, Schau auf zum hohen Himmelssaal, Erwäge die ewige Bläue zumal, Ja in Dir, Dein eignes Herz erspäh Und warst Du nur mein Schüler je, So siehst Du mein Bild, wohin Du blickst, Und Dich an meiner Lieb' entzückst.

Autor.

So redlich willst du's mit uns meinen? Wer möchte sich so hart versteinen, Sich deinem Liebesdienst entziehen, Nicht licht in deinem Herzen blühen?

Muse.

Ja, wer mich trägt in seinem Herzen, Den will ich auch im Herzen tragen, Er darf mir alle Wünsche sagen, Ich schenk' ihm Muth, das Höchste zu wagen, Ich will eine Wagenburg um ihn schlagen, Daß feig vor ihm entfliehn die Schmerzen, Versöhnt um ihn mit bunten Freuden scherzen.

Autor.

Ich will auch künftig nie mehr lästern, Gedenk nur mein mit deinen Schwestern.

Muse.

Verkünde unsern Dienst nur weiter, Verzage nicht, es wird die Erde heiter, Vernimm in allen Stunden unser Wort, Und schau Dich um, Du hörst es da und dort. In allen Zungen, in allen Sprachen: Das neue Leben klingt durch alle Räume, Und Stein und Fels und Abgrund tönen, Und viel zum Fest, zur Blüthenzeit erwachen, Es fliehn die schweren, dumpfen Träume, Wie Thal und Wald sich rings in Frühlingspracht verschönen.

Autor.

Wenn ich in deiner Gegenwart mich fühle So denk' ich nur auf große Dinge, Doch wenn ich dann die heilgen Spiele Beginnen will, dünkt alles mir geringe, Wo Jauchzen klang, ersteht ein todtes Schweigen, Es ist als bräche unter mir der Grund, Dann fühl ich mich nicht froh und nicht gesund, Ich muß alsbald zur niedern Erde steigen, Die tönenden Geister fliehn, ich vernehme laut Des Volks Geschrei, laut tobende Windsbraut.

Muse.

Du bist noch jung, wohn' immer mehr im Schein, So wirst Du nur die Götter hören, Das Irdische alsdann verschwören, Und taub sein für des Pöbels Schrein, Wer einmal hörte Sphären klingen, Zu dem kann nie der Erde Wirrwarr dringen.

Autor.

In deinem Lichte bin ich ewig jung, Zum Morgenroth wird alle Dämmerung, Den Freuden bin ich hingestellt zum Ziel, Leiden und Verdruß werden ein lustig Spiel, Ich seh nur Masken um mich tanzen, Ein fröhliches Possenspiel wird aus dem Ganzen. Doch daß du fühlen und merken mögest, Wie einem oft zu Muthe wird, Wie man von den Affen wird turbirt, Wie wärs, wenn du dich zurücke zögest; Begieb dich hinter dem Schirm derweile, Es kömmt ein andrer schon wieder in Eile.

Die Muse verbirgt sich.

Ein Schauspieler tritt herein.

Schauspieler.

Ist mir lieb, daß Sie zu Hause geblieben, Denn ich habe gar nöthig Sie zu sprechen. -- Hören's, was haben's da für ein Stück geschrieben?

Autor.

Scheint Ihnen was dran zu gebrechen?

Schauspieler.

Gar vielerlei; nur eins vor allen, Das mir im mindsten nicht will gefallen -- Nicht wahr, ich bin der erste Held?

Autor.

Wenn's Ihnen einmal so gefällt Den Mann als einen Helden zu nehmen, Er wird sich wohl darnach bequemen.

Schauspieler.

Ei was! Sie müssen die Tragödie so zwingen, Daß immer die Helden recht vorwärts springen, Daß sie so recht, -- Sie verstehn mich schon, So tüchtig und kräftig, -- ich will nur sagen, Daß sich das Spielen doch dann verlohnt, Und man kann Beifall von dannen tragen.

Autor.

Ich wollte gern, daß das Ganze rührte, Nichts Einzelnes die Gemüther irre führte, Daß Neubegier nicht unnütz spannte Und so das höhere Interesse verbannte, Es war mein Zweck, verschönert zu geben Ein Bild von dem großen verworrenen Leben.

Schauspieler.

Nun seh mir ein Mensch nur solchen Zweck! Ei gehn Sie mir doch damit weg! Das Ganze, verstehn Sie, läuft darauf ab, Ob aus dem Parterr erschallt: Klipp klapp! Ob's in die Hände, in die Beine fährt, Das ist, was die guten und schlechten Dichter bewährt, Und werden Sie sich nicht anders richten, So fürcht' ich, Sie werden für die Beine dichten.

Autor.

Sie haben da eine eigne Theorie.

Schauspieler.

Mein Bester, die Praxis trügt uns nie, Sie mögen sich wohl mit kuriosen Idealen, Gar trefflich die Phantasie vollmahlen, Doch wenn man die Wirklichkeit etwas kennt, So hat's damit gar bald ein End.

Autor.

Was ist denn aber die Wirklichkeit?

Schauspieler.

Sie ist wirklich und in der That Nur auf dem Theater zur jetzigen Zeit, Das meiste im Leben ist übertrieben, Doch in der Kunst hält man noch Rath Mit Enthusiasmus und mit Lieben. -- Ihrem Helden fehlts an großer Gesinnung, Das paßt auch nicht in unsre Innung.

Autor.

Daran hab ich nicht Schuld gehabt, Er war damit nicht mehr begabt.

Schauspieler.

Kurz, ändern sie ihn, daß er sich fügt, Wenn Ihnen am Beifall des Zeitalters liegt, Er muß sich ja doch nach Ihnen geniren.

Autor.

Doch wird dabei das Ganze verlieren.

Schauspieler.

Was haben Sie denn für ein Ganzes im Sinn? Sie wissen's ja selbst, kein Ganzes nicht, Ein Stück ist's, wie man immer spricht, Vielleicht lag sonst ein Ganzes darin, Das war für die Dinger ein großes Glück, Doch jetzt ist jedes nur ein Stück; Man muß auch dran was spielen können, Sonst wird es keiner ein Schauspiel nennen, Kein Ganzes stellen wir nimmermehr dar, Was ließe sich auch daran wohl spielen? Die Zuschauer wollen was tüchtiges fühlen, Denn dafür bezahlen sie richtig und baar; Kämen wir nun mit einem Ganzen angestochen, Sie thäten wahrhaftig im Ganzen pochen.

Autor.

Ich habe mehr gedichtet für die Welt, Auf Ihre Kunst nicht Rücksicht genommen.

Schauspieler.