Schriften 13: Märchen; Dramatische Gedichte; Fragmente

Part 14

Chapter 143,680 wordsPublic domain

O Wald, was sagst du, welch ein süßes Blicken Von Blumen will mein Leben in sich ziehen? Wasser, steht still, mir dünkt, es will entfliehen Ein Wort in eurem Strom, mich zu beglücken.

Sonne, du willst mir Licht hernieder schicken, Die Farben, die in Blumen sterbend blühen, Glanz, der im Grün erlöschend nur kann glühen, -- Wozu Gesang, Strom, Licht und Blumenpflücken?

Wie tiefe Nächte dehnt es sich im Innern, Wie Morgenroth will es die Nacht verschlingen, Wie milder Abend fließen müde Scheine.

Uneinig trennt sich alles im Vereine: Wie alle Kräfte zur Besinnung ringen Kann ich nicht, was ich bin, mich selbst erinnern.

Die Sonne.

Empor zum reinen Himmelslicht, dem blauen, Sieh' auf und fühl' in dir des Segens Fülle, Durch dunkle Nacht blitz' auf ein kühner Wille, Dann wirst des Herzens Reichthum du vertrauen!

Die Wasser.

Dann senken sich durch die verklärten Auen Die milden Wogen, fließen durch die Stille; Ahndend, was kühl in deinem Geiste quille, Wirst du dich süß im klaren Spiegel schauen.

Die Blumen.

Dann regt ein süßer Trieb sich liebetrunken, Wasser und Licht sie wollen sich begatten, Es spielen vor dir Farb' und Freude schwebend.

Der Wald.

Angst, Zweifel, Furcht ist in die Nacht versunken, Friede, Vertrauen wächst auf in dichten Schatten, Süßer Gesang erfrischt das Laub froh bebend.

Der Jüngling.

Vernehm' ich nicht die allgewalt'gen Schwingen, Die der Natur erhabner Geist bewegt, Und wie er Berg, Wald, Luft und Ströme schlägt, Die Harf' im dunkeln Heiligthum erklingen?

Aus Wollustdämmrung will ein Bild sich ringen, Das in der tiefsten Brust mein Geist gehegt, Und wie es Haupt und Glieder wachsend regt, Muß es in Schmerz und Lust zum Tag hindringen.

Die Jungfrau tritt aus dem Walde.

Sie nah't, von der die Blumen mir gesprochen, In der des Lichtes Lieblichkeit erglänzt, Aus deren Aug' ein selig Dunkel blickt:

Nun ist mein Herz als Frühling aufgebrochen, Und jeder Sinn ist dicht mit Wonn' umkränzt, Mein bist du, Himmel! denn ich bin entzückt.

Die Jungfrau.

Und Thränen, Liebster, wollen dich begrüßen, Denn dieses Glück, das seine ros'ge Hand Holdlächelnd beut, das leuchtend blickt mit süßem Erröthen, ach! ist es wohl hergesandt Mit Schmerz und Leid die flücht'ge Lust zu büßen, Ist dieser Gruß zum Scheiden schon gewandt? Vielleicht verharrt der Gast, sieht er die Demuth Und wie Entzücken sich verklärt in Wehmuth.

Beide.

O heilige Thränen, O süßer Schmerz! Es bricht das Herz In Glück und Lust, Doch fühlt die Brust Ein stilles Kranken, Ein zitternd Sehnen, Sich hin zu senken In ew'ges Licht, Das nicht Gedanken, Entzücken nicht Und Schmerzen denken.

Ein Prolog. 1796.

Scapin als Vorredner an den Leser.

Scapin.

Willkommen! und verzeiht, daß ich Euch ennuyire, Mich als ein Prologus im Prologus prostituire: -- Wie Scapin? -- und du wagst es, ohn' Erröthen, Als Vorredner der Vorred' aufzutreten? Begreift, wenn man heut zu Tag ein Original sein soll -- Es ist so schwer -- und drum wird man zuweilen toll, Die meisten Leute nehmen's auch für neu; Ist's ihnen recht, so ist's ja einerlei. Je toller drum man's treibt, je origineller, Man macht den Boden flugs zum Keller, Und alle die vorübergehn, schrein: Ein seltner Mensch! er scheint original zu sein, Scheint's doch wenn man's Prolog zu manchen Werken liest, Daß dem Prologen grad ein Prolog nöthig ist. Drum kann, was ich jetzt thu, auch mit Vernunft bestehn, Ich kann satisfaisirt also von dannen gehn. Und untersucht ihr nur die Sach etwas genauer, So seht ihr ein, daß auch vom Fürsten bis zum Bauer Jedweder Vorred' nur zu einer Vorred' macht, Und weder groß noch klein darüber lacht, Denn der hat's warlich schon im Leben weit gebracht, Der in dem großen oder kleinen Staat Sich nur dem wirklichen Prologe naht. Ich wollt' Euch also nur von Eurem eignen Leben Durch mein Bemühn 'ne kleine Zeichnung geben, Ihr seht, ich zwinge mich, moralisch recht zu sein, Drum müßt Ihr unbesehn 's Aesthetische verzeihn. Hofft Ihr nun doch, statt kalter Küche Braten, Statt den Prologs ein durchgeführtes Stück, So ist Euch warlich nicht zu rathen, Ich wasche meine Händ' und zieh mich so zurück; Doch glaubt nicht, daß ich dieserwegen meine Daß ich ^illotis manibus^ erscheine, Ihr müßt Euch nach der Poesie bequemen, Metaphern nicht gleich ernstlich nehmen, Sonst seht Ihr Schätze und es sind nur Scherben, Ihr taugt gleich schlecht zum Lesen, Leben und Sterben.

Geht ab.

* * * * *

Ein dunkles Parterre, keine Lichter brennen, das Orchester ist noch leer, einige Herren und Damen sitzen auf den Bänken.

Peter und Michel kommen hereingestolpert und stoßen mit dem Kopfe an die Frisur des Herrn Polykarp.

Michel.

Verzeihen Sie, mir kömmt es dunkel vor.

Polykarp.

Schon gut, -- mir brummt das ganze Ohr.

Peter.

Man muß doch auch 'mal in's Theater gehn.

Michel.

Man sagt es wär' hier viel zu sehn.

Polykarp.

Bis jetzt sind wir noch sehr im Trüben.

Melantus.

Ich wollt' ich wär' zu Haus' geblieben.

Peter.

Doch hoff' ich es soll besser kommen, Sonst hätt' ich kein Billet genommen.

Melantus.

Ich sitze hier nun schon so lange, Ich glaube gar es wird mir bange, Die Finsterniß macht viel Beschwerden, Ich mein' doch, es soll heller werden.

Michel.

Die Stimme ist mir so bekannt, -- Ei, guten Abend, Herr Melant.

Melantus.

Ihr Diener: wie ist's Wohlergehn?

Michel.

Gottlob! man kann jetzt doch schon etwas sehn.

Melantus.

Belieben Sie nicht Platz zu nehmen?

Michel.

Wir werden uns nun schon bequemen. Hier ist auch mein Vetter vom Land, Von der Mutter her mit mir verwandt.

Melantus.

Freu' mich, daß ich Sie kennen lerne.

Peter.

Gehorsamer Diener, 's geschieht gar gerne. -- Sobald nur erst die Lichter scheinen, Muß man hier gut sehn, sollt' ich meinen.

Michel.

O schaun Sie, schaun Sie doch die vielen Leute! Was für ein Stück giebt man denn heute?

Melantus.

Der Himmel weiß, ich darf es nicht entdecken, Vielleicht: Irrthum an allen Ecken.

Polykarp.

Verdammt! da soll man nun hier sitzen Und vor Erwartung frieren und schwitzen, Möchte man doch nur den Kuchenjungen schicken, So könnte man sich doch an irgend was erquicken.

Peter.

Wie einem nun die Augen helle werden!

Melantus.

So gehts mit allen Dingen auf Erden.

Michel.

Mich dünkt, Sie sprechen so betrübt; Wo fehlt's? wenn's Ihnen zu sagen beliebt.

Melantus.

Ach, bester Mann, ich habe vielen Kummer, Wir sitzen am Ende hier im Dunst, Mir wird im Kopfe immer dummer, Und glaube dabei nicht recht an eine Kunst. Es kann wohl sein, daß wir vergebens harren, Und, lieber Freund, dann sind wir rechte Narren.

Peter.

Ja wohl, das wär ein schlechter Spaß.

Michel.

Mit Ihr'r Erlaubniß, erklären Sie mir das.

Melantus.

Sehn Sie, wer kann uns dafür stehn, Daß man hier wirklich wird was sehn? Wir hoffen am Ende vergebens auf Lichter, 's giebt vielleicht weder Direktor noch Dichter; Wird man den Vorhang aufwärts rollen?

Michel.

Gevatter! das sind wunderliche Schrollen.

Peter.

Es fehlt nicht viel, ich gehe gleich hinaus, Wir säßen ja gleichsam hier in einem Narrenhaus.

Michel.

Sie melankolen wohl zu Zeiten, Daß Sie mit solchen Grillen streiten, Denn bedenken Sie nur mit allen fünf Sinnen, Was würden wir dabei gewinnen? Nicht wahr? Sie wünschen was zu sehn, Sonst würden Sie nach Hause gehn? Woher käm Ihnen das Begehren Wenn endlich keine Stücke wären? Sie begreifen, daß ich philosophisch spreche, Die Beweise nicht bloß vom Zaune breche, Und darum sein Sie nur zufrieden, 's wird uns gewiß ein schönes Stück beschieden.

Peter.

Ja das ist auch mein wahrer Glaube. Sie sehn, weil ich mich manchmal schnaube, Hat man Schnupftücher in der Welt, Um einzukaufen dient das Geld; Ich pflege immer so zu schließen: 's giebt Schuhe, sie passen zu den Füßen; Und folglich müssen auch Füße sein. Wo Füße sind, da ist ein Bein; Und so schließ ich nun immer weiter, Am Ende find' ich den ganzen Reiter Und werde so mit jedem Tage gescheidter. Sehn Sie, man sollte doch bedenken: Warum säßen wir auf diesen Bänken? Sie sind sogar mit Tuch beschlagen. Den Vorhang sehn wir vor uns dort, Er muß doch wozu sein und darum fahr' ich fort Meine Meinung deutlich vorzutragen, Daß wenn wir nur geduldig hoffen, Wird das Theater endlich offen.

Polykarp.

Gottlob! nun brauch ich nicht zu fluchen, Da kömmt ja der erwünschte Kuchen.

Er kauft reichlich ein, setzt sich nieder und fängt an zu essen.

Anthenor.

Nachbarn! mit Erlaubniß, es thut mir leid, Allein Ihr seid alle nicht recht gescheidt, Ich will Euch zwar Eure Hoffnung nicht rauben, Doch scheint mir alles nur Aberglauben. Denn seht! ich schwör's bei meinem Leben, Es hat noch nie einen Direktor gegeben, Wie sollte also ein Stück entstehn? Die Idee, geb' ich zu, ist recht schön; Allein wer soll sie exekutiren? Wir zahlen, so mein' ich, unsre Gebühren Und sitzen dann hier und dichten und trachten; Und das ist schon für ein Stück zu achten. Habt Ihr schon einen Direktor gekannt?

Peter.

Lieber Gott, Ihr wißt's, ich komme vom Land.

Anthenor.

Könnt Ihr mir einen Direktor definiren?

Peter.

Ich glaube, der Mann will uns vexiren.

Anthenor.

Was ist also ein Direkteur? Ihr denkt und rathet hin und her, Verwirret Euch in die Kreuz und Quer, Und daraus folgt denn mir am Ende --

Melantus.

O schließt nur ja nicht zu behende!

Anthenor.

Daß wenn man's gründlich überlegt, Sich dahinten kein Direktor rührt noch regt, Daß _hinter_ dem Vorhange nichts sich rührt, Ein Stück wird _vor_ dem Theater aufgeführt Von uns, die wir als wahre Affen Behaupten, alles sei nur geschaffen Um zu einem künftigen Zwecke zu nutzen Und darum verschleudern die Gegenwart.

Michel ~heimlich zu Peter~.

Das ist ein Kerl von schlimmer Art, Man sollte ihm die Nase putzen.

Peter.

Wie wenn man ihn mit Philosophie zu Boden legte, Daß er sich weder rührte noch regte?

Michel.

Das hilft bei ihm nichts, er ist ein Block, Aber ich habe hier einen tüchtigen Stock, Damit möcht' ich ihm eins versetzen, Daß er die Zukunft lernte besser schätzen.

Peter.

Doch, wenn Sie keinen Direktor annehmen, Wie können Sie sich denn bequemen Hier zu sitzen in aller Welt?

Anthenor.

Weil's mir draußen noch wen'ger gefällt. Das Sitzen hier macht mir Vergnügen, Ich betrachte die Menschen um mich her, Und dieses amüsirt mich mehr Als würde uns ein Stück angeführt, Das nur die Leute ennuyirt.

Michel.

Hinterm Vorhang ein Licht! seht her! Was gilt die Wette, der Direkteur Arrangirt schon alles zum Stück Und bald hebt sich der Vorhang.

Anthenor.

Nun, viel Glück! Wenn's so weit kommt, doch dann nur und nicht ehe Glaub' ich, daß etwas Aehnliches geschehe.

Ein Lampenputzer tritt auf mit einem Licht in der Hand.

Peter.

Der Direkteur!

Mehrere Stimmen.

Wo? wo?

Peter.

So wie er leibt und lebt Steht er ja da, seht hin! was gebt Ihr mir, wenn ich zu sprechen wage Und selber nach dem Stücke frage?

Polykarp.

Wir alle sind Euch sehr verbunden, Es währt vielleicht noch ein'ge Stunden. Zum Amusiren hab' ich vor der Hand Wohl auf 'ne Stunde noch Proviant.

Mehrere Stimmen.

Nun fragt ihn, denn das kann nicht schaden.

Peter ~steht auf~.

Verzeihen Sie, ich bitt' in Gnaden, Sie möchten unsre Bitte gewähren Und uns in Unterthänigkeit belehren, Was, wie und wo das Stückchen wird gespielt, Nach dem ein jeder ein Begehren fühlt?

Lampenputzer.

Was schwäzt denn wohl da unten? he?

Michel.

Nun, Peter, hörst Du wohl? O weh! Ein schwäbischer Dialekt? -- oder irrt sich mein Gehör? Nein schwäbisch spricht wohl nicht der Direkteur.

Peter.

Wir dachten, weil Sie mit dem Lichte Die dunkle Finsterniß vertreiben, Sie wären irgend einer vom Gewichte, Sie könnten uns vielleicht beschreiben, Von was für Ton, von welchen Arten Das Stück sei, das wir hier erwarten.

Lampenputzer.

Wie? Schie erwarte da ein Stück? Das istchs das erste, wasch ich höre.

Polykarp.

Das scheint noch alles weit zurück, Indessen zieh' ich draus die Lehre, Daß man sich halte an dem was wir besitzen. Was kann das Hoffen und Erwarten nützen?

Lampenputzer.

Man schikte mich, um ein'ge Lichter anzuzünden.

Michel.

Nun wird es sich ja doch wohl finden, Der Oberste schickt ihn gewiß hieher; Nicht wahr? der _man_, der ist der Direkteur?

Lampenputzer.

Der Direkteur? der schickt? der _man_, -- Nein, nein, Schie irren schich in mir, Scho viel ich von begreifen kann Istch's blos etwasch zu finster hier.

Peter.

Doch sagt, wer kümmert sich darum?

Lampenputzer.

Nun, nehmen Schie's nur halt nicht krumm, Wenn Schie's Dunkelsein besser gustiren, Scho will ich mich geschwinde retiriren.

Geht ab.

Michel.

Der Kerl kann wirklich nicht kapiren.

Anthenor.

Kommt Ihr nicht bald auf meine Hypothese?

Michel.

Herr! sei er still, er macht uns böse, Man muß hier keine solche Reden führen, Er weiß den Henker vom Dirigiren. Wie kann er den Direktor läugnen? Daß wir ihn nicht so derbe zeichnen, Damit er sich nicht wieder untersteht Und andern mit solchen Exempeln vorgeht: Was würde aus dem ganzen Theater, Käm jedermann auf sein Geschnatter?

Anthenor.

Doch mit Erlaubniß, seid so gütig nur, Zeigt vom Direktor mir die kleinste Spur.

Michel.

Gottloser Mensch! wie kann er alles so verachten, Muthwillig zu verleugnen trachten? Hat er kein Geld am Eingang denn gegeben? Sieht er den Vorhang nicht? war nicht so eben Ein Mann, ein edler Mann, ein Abgesandte Vor unsern Augen da, der den Direktor kannte? Fing nicht schon an ein schönes Licht zu leuchten? Bis wir den edlen Mann mit unsern Reden scheuchten? Was kann er dazu sagen? he? Er wird sich nun auf's Leugnen legen.

Anthenor.

Das wär ein wenig zu verwegen; Doch wenn ich anders Logik recht versteh, So können Sie daraus nicht schließen, Daß ein Direktor hinten sei.

Michel.

Nun warte, ha! Das sollst Du büßen.

Er hebt einen Stock auf.

Peter.

Je, schlagt den Kerl doch zu Brei!

Stimmen.

Was ist denn da für ein Rumoren?

Peter.

Meine Herrn, wir werden von 'nem Kerl geschoren, Der uns beweist, wir wären hier unnütze, Der manchen hier mit seinem Witze In seinem Glauben -- irre leitet, So weit in seinem Irrthum schreitet, Daß er behauptet, vom ganzen Direktor Gucke noch kein Härchen hervor, Und der zu uns sagt, wir sind nicht gescheidt, Wenn einer sich auf's Schauspiel freut, Er sagt, es wäre nur alles Trug, Wir wären uns selber Komödie genug.

Baal.

Warum werft Ihr ihn nicht hinaus?

Stimmen.

Er gehört gar nicht in dieses Haus.

Anthenor.

Aber Leute, es gefällt mir noch weniger da draus.

Baal.

Wir werden ihn nicht lange fragen.

Michel.

Ich habe ihn schon hier beim Kragen.

Baal.

Hinaus mit dieser Lästerzunge.

Anthenor wird hinausgeworfen.

Polykarp.

Doch -- sagt, wo ist der Kuchenjunge? Das verzehrt sich schneller als man denkt.

Baal.

So haben wir's nun zum besten gelenkt, So können wir doch nun nach dieser harten Bekämpfung wieder in Ruhe erwarten Was uns das güt'ge Schicksal bescheert, Und mancher wird noch durch seinen Fall belehrt.

Das Orchester fängt an sich zu füllen, die Musikanten stimmen auf ihren Instrumenten.

Peter.

Sagt doch, was soll denn das bedeuten?

Michel.

Sie wollen eine Musik bereiten.

Baal.

Bereiten? 's ist ja schon Koncert, Ihr seid der Harmonie nicht werth. Hört, wie ein Ton mit dem andern kämpft Und jeder sich doch selber dämpft. Wer, ach! bei diesem Klang nichts fühlt, Für den ist nie ein Stück gespielt.

Melantus.

Sie bereden mich nicht, daß Melodei In diesem Schariwari sei.

Baal.

Je mehr Schariwari, je besser, Der Genuß ist drum um so größer. Sie scheinen nichts von zu verstehn, Drum will ich als Exempel vorgehn, Und damit nur jeder gänzlich schweige: Ich spiele selber etwas auf der Geige, Doch hab' ich's noch nie weiter getrieben, Bin immer beim Schariwari stehn geblieben.

Melantus.

So dürften Sie auch gar nicht wagen Ihr Urtheil hier so dreist zu sagen, Ein jeder, der nur Ohren hat, Ist dieses Kreischens lange satt.

Baal.

Was gehn für Laster hier im Schwunge? Herr, mit der groben Lästerzunge, Sie verdienten, daß Sie's wissen, Sie würden wie Anthenor 'rausgeschmissen.

Melantus.

's ist keiner, der sich's unterstände, An mich zu legen seine Hände.

Baal.

Hier ist er! denn es ist bekannt, Auch davon bin ich Dilettant.

Er ergreift den Melantus.

Meine lieben Zuschauer und Freunde, Entled'gen wir uns schnell unsrer Feinde, So haben wir dann desto größre Ruh Und sehn den Werken des Direktors zu, Und werden im lieblich himmlischen Koncert Nicht mehr von Flegeln der Art gestört.

Melantus wird hinausgedrängt.

Peter.

Das geht hier streng zu, wie ich merke.

Michel.

Der Kerl hat 'ne große Stärke. Man darf nun nicht mehr disputiren, Will man nicht seinen Platz verlieren.

Peter.

Die Leute waren zu ungenirt, Drum wird an ihnen ein Exempel statuirt.

Polykarp.

O weh mir! -- ach! mein Herz will brechen -- Bin kaum im Stand -- ein Wort zu sprechen -- Was fang' ich armer -- geschlagner Mann In diesen -- großen -- Nöthen an?

Baal.

Da seht Ihr nun, was unsre Sinnen Mit uns für schlechtes Spiel beginnen, Ihr könnt gar leichtlich es ermessen, Der Sünder hat sich überfressen.

Polykarp.

Ach nein! -- es ist mein schlimmes Glück, Ein hartes unverdient Geschick -- Sie meinen wohl die wen'gen Kuchen -- Ach! könnt' ich irgendwo Hülfe suchen.

Baal.

Das ist die Strafe der Sinnlichkeit!

Polykarp.

Und ist es denn nicht Grausamkeit, Die armen Dinger von Sinnen, uns angeschaffen, So unerhört für Sinnlichkeit zu strafen? Ach! -- vor den Augen wird mir's trübe, Helft mir, o helft -- aus Nächstenliebe!

Er sinkt um und wird von einigen hinausgetragen.

Peter.

Sollt' das noch eine Weile währen So wird das Theater sich bald wieder leeren.

Michel.

Wenn immer nicht neue wiederkämen, So möcht' das Publikum bald ein Ende nehmen.

Baal.

Merkt's Euch, Ihr lieben Nachbarsleute, Da seht Ihr ein Exempel heute, Wohin elende Sinnlichkeit uns führt, Daß man Hoffnung zum Stück und alles verliert.

Ein reisender Engländer.

Der Henker hol' ein solches Publikum, Ich scheere mich den Teufel nichts darum, ^God dam!^ macht Essen so viel Beschwerden, Wird aus der Hoffnung auch nichts werden, Und eben fällt mir's ein: daß ich mich ennuyire, 's ist besser, daß ich mein Eintrittsgeld verliere, Als hier unter abgeschmackten Narren Nichts thu' als auf was Abgeschmacktes harren.

Baal.

Sie wollen, mein geliebter Freund, Von dannen gehn, so wie es scheint.

Der Engländer.

Nicht anders!

Baal.

Haben Sie überlegt, Was dieser Schritt für Folgen hegt?

Der Engländer.

Das hab' ich nicht in Acht genommen, Ich will den Narren hier entkommen.

Baal.

Die Narren werden nicht verschwinden, Auch anderswo sind welche zu finden.

Der Engländer.

So ist's doch eine neue Sorte, Ich geh von dem verwünschten Orte, Wo der dicke Kerl für sein bischen Geld Sich für den Allerklügsten hält. ~Er geht ab.~

Baal.

Wer wird das wen'ge Warten scheuen? Es wird ihn warlich noch gereuen. -- Die Störer sind nun weggebracht, Nicht wahr, nun hoffen Sie mit Macht?

Peter.

Sein Sie nur so gut mir vorzuschreiben, Ich hoffe, und ich laß es bleiben, Wie Sie es gütigst haben wollen, Damit Sie mich nur nicht 'rausschmeissen sollen.

Michel.

Nein, nein, hier sitzt sich's gut und schön, Wir werden gewiß bald etwas sehn, Wenn ich nur wüßte, ich muß mich schämen So zu sprechen, -- was für Sachen kämen.

Gottfried.

Sehn Sie, ich will's Ihnen deutlich machen: Vor's Erste ist es nichts zum Lachen, Vor's Zweite, ist es nichts zum Spaßen, Vor's Dritte, schön ist es über die maaßen, Und Viertens, keine Schlägerein, Und Fünftens, keine Zänkerein, Dann Sechstens ist es äußerst schön, Und schließlich, werden Sie's ja selber sehn.

Peter.

's ist mir doch lieb, ich bin geblieben, Er hat wohl selbst das Stück geschrieben.

Michel.

Mich wundert, wie der gute Mann So klar und deutlich davon reden kann, Als hätt er's ehmals schon gesehn -- 's ist aber doch gewiß recht schön.

Ein zweiter Lampenputzer tritt auf.

Michel.

Da seh ich wieder ein Licht erscheinen.

Peter.

Was wird Herr Baal dazu meinen?

Michel.

Herr Baal, wir sind gar sehr gequält, Weil es uns an einer tüchtigen Meinung fehlt, Wollten Sie nicht etwas für uns denken? Und uns dann Ihre güt'ge Meinung schenken?

Baal.

Lieben Freunde, das kann gar leicht geschehen, Muß mir den Mann erst näher besehen.

Der Lampenputzer hat indessen Lichter angezündet.

Rüpel.

Das ist doch gleich ein andres Wesen, Man kann nun die Avise lesen.

Lampenputzer.

Ich zündete die Lichter an, Und sieh, das war sehr gut gethan, Vorher war alles nur Schattenreich, Jetzt sieht das Publikum doch Menschen gleich.

Das Publikum.

Wir sind Ihnen dafür in allen Stunden In tiefer Unterthänigkeit verbunden.

Lampenputzer.

Ich hoffe, das Stück soll bald beginnen.

Peter.

Wir trachten darnach mit allen Sinnen.

Lampenputzer.

Ich bin so dreist und will es wagen, Ihnen kürzlich meine Meinung zu sagen, Ich kenne den Herrn Direktor persönlich, Es ist ein guter Mann, gewöhnlich Seh ich ihn einmal Tag für Tag, So daß ich wohl so von ihm sprechen mag. Sein einzger Wunsch ist Ihr Vergnügen. Ja er hat mir es nicht verschwiegen, Daß wenn sie nur noch etwas sich gedulden wollen, Sie sich gewiß verwundern sollen.

Michel.

Ob man das alles darf so glauben?

Peter.

Es ist noch manches loszuschrauben. Wenn nur Herr Baal voller Güte Sich mit einem kleinen Wink bemühte.

Das Publikum.

Herr Baal, wir sind sehr verlegen, Sie wissen wohl, der Meinung wegen.

Baal.

Ganz recht und mir wird's auf die Dauer Wahrhaftig doch ein bischen sauer, Für alle zu glauben, für alle zu denken, Und so geschickt die Gemüther zu lenken. Indessen mein' ich, daß dieser Mann Wohl schwerlich vom Direktor wissen kann. Der Direktor macht sich nicht so gemein, Er ist für solche viel zu fein, Ich halte dafür, er macht mir Wind, Und wir sind Thoren, wenn wir geduldig sind.

Ein Theil des Publikums wirft mit Aepfeln nach dem Lampenputzer, worauf sich dieser zurückzieht.

Rüpel.

Mir kommen jetzt Ideen nagelneu, Und ich sage sie Ihnen ohne Scheu. Wenn ich das Ganze überlege, So können wir Nachbarn allewege Hier gar nicht im Theater sein, Es ist nur Lug und Trug und Schein.

Michel.

Sie führen uns auf neues Eis; Doch wo bleibt denn nun Ihr Beweis?

Rüpel.

Ein Beweis so klar wie der Tag, Wer ihn nur begreifen mag. Wir bilden uns nämlich ein, _wir sind_, Und daraus folgt denn nun geschwind, Daß alle Dinge, die wir so erleben, In uns nur als Phantome schweben.

Peter.

In uns? Es schwebte nur in mir Das ganze große Theater hier?

Rüpel.

Nicht anders.

Peter.

Mit allen diesen Bänken?

Rüpel.

Natürlich!

Peter.

Das wird mir den Verstand verrenken.

Michel.

Die Meinung verdirbt uns alle den Magen, Wir haben genug an unsrer Seele zu tragen.

Rüpel.